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17.03.2023

Schulsystem und Bildung - Leserbrief

Die Glossen der WZ sind in letzter Zeit eine Aufforderung zum Kommentieren ... :-)

[veröffentlicht am 21.03.2023]

Fr. Warnecke wünscht sich in einer Glosse, dass Deutschland ein besseres Bildungssystem braucht.

Das könnte funktionieren, wenn die verantwortlichen Politiker anfangen, sich für die Realität in den Schulen zu interessieren und man vielleicht sogar die heilige Kuh des Bildungsföderalismus in bestimmten Bereichen schlachten kann.

Hr. Lorz erzählt seit Jahren, dass die Versorgung der Schulen mit Lehrern mit 105% über dem “Soll” liegt.

Er vergisst dabei nur einige Details, die diese 105% dann gleich wieder relativieren:

  • wenn eine Lehrkraft durch Elternzeit langfristig ausfällt, wird sie trotzdem zu den 105% gezählt;
  • in der Oberstufe gibt es prinzipiell keinen Vertretungsunterricht, nur “eigenverantwortliches Arbeiten”;
  • eine Vertretungskraft kann nur neu eingestellt werden, wenn der Ausfall mehr als 6 Wochen beträgt;
  • die Krankheitsquote der hessischen Lehrer liegt deutlich darüber;
  • gerade jetzt fehlen bis zu 20% der Lehrer wegen der heftigen Corona-Welle.

Hinzu kommt, dass das Kultusministerium über den tatsächlichen Ausfall gar nicht Buch führt (oder führen will?). Wenn man als Elternteil nachfragt, können weder das Schulamt als untere Behörde noch das Ministerium Auskunft geben, wieviele Stunden konkret ausfallen.

Zwar gibt es seit November 2022 das FLIS-System, mit dem Fehltage erfasst werden, doch dieses System auf SAP-Basis bietet lediglich die Arbeitgebersicht auf ganze Fehltage (z.B. bislang 6,6% Fehltage aller Lehrer in Hessen bei insgesamt 1,8 Mio. Arbeitstagen). Damit ist immer noch keine qualitative Aussage über den Ausfall pro Fach, pro Jahrgang o.ä. möglich.

Die Daten liegen - natürlich - dezentral bei den Schulen vor, aber sie werden nicht systematisch erfasst, um z.B. mittel- und langfristig die Ausbildung von künftigen Lehrkräften zu planen. Fragen Sie doch mal bei Eltern nach, was ihre Kinder über Unterrichtsausfall erzählen!

Was viel wichtiger wäre als Arbeitstage: eine Erfassung von Fehlstunden aus Schülersicht: welcher Unterricht in welchem Fach ist ausgefallen? Diese Metrik sollte dem Curriculum gegenübergestellt werden, also dem Lehrplan, wieviel Unterricht pro Fach vorgesehen ist. Erst mit dieser Bewertung kann eine langfristige, sinnvolle Ressourcenplanung stattfinden.

Aus Elternsicht ist eine fachfremde Vertretung nur eine Betreuung, aber kein qualifizierter Unterricht. Hinzu kommt, dass externe Kräfte (sog. U-plus-Kräfte) keinen Fachunterricht halten *dürfen*, selbst wenn sie dazu qualifiziert wären (z.B. Lehramtsstudierende).

Auch die Qualität der Lehrerausbildung an den Universitäten ist gelinde gesagt heterogen. Die prüfungsrelevanten Anforderungen während des Studiums erstellt jede Hochschule für sich selbst, und beim Wechsel von einer Uni zu einer anderen ist es ein Lottospiel, welche Vorlesungen, Seminare etc. anerkannt werden. Die “Freiheit der Lehre” und somit die Ausbildung der Lehrer:innen unterliegt nämlich dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, und das Kultusministerium kommt erst beim Referendariat und bei den Abschlussprüfungen ins Spiel.

Als weiteres Damoklesschwert zeigt sich die föderale Zersplitterung: jedes Bundesland hat ein anderes Curriculum, somit gibt es in vielen Fächern Schulbücher in bis zu 16 Varianten, und das auch noch parallel von mehreren Verlagen, und sogar noch in Ausgaben für G8 und G9. Absurderweise werden viele Schulbücher von Lehrer:innen geschrieben, die dafür vom Dienstherrn freigestellt werden, und das Urheberrecht am Ergebnis liegt trotzdem bei den Verlagen, die sich dann den Verkauf an die Schulen teuer bezahlen lassen. 

Das Sahnetüpfelchen ist Söder, denn auch in Bayern fehlen Lehrer:innen, die er nun aus anderen Bundesländern mit Prämien abwerben will, was nicht nur dem Bayerischen Elternverband aufstößt, sondern überraschenderweise sogar der Bertelsmann-Stiftung.


26.08.2022

Vortrag: Förderverein der Wölfersheimer Schulen "Schüler und neue Medien"

Die letzten Jahre habe ich die Vorträge im Rahmen von elan angeboten, dieses Jahr im Namen des Fördervereins der Wölfersheimer Schulen, in dem ich Schriftführer bin. Zu den Themen "Datenschutz", "Privatsphäre" und "Digitale Selbstverteidigung" schreibe ich seit langem und halte Vorträge bzw. Videokonferenzen, z.B. hier und hier zum Nachlesen.
 
Zum Schuljahresbeginn ein wichtiger Informationsvortrag zum Thema „Umgang mit neuen Medien“ für alle Eltern an, deren Kinder ein Smartphone bekommen sollen. Der Vortrag kann bequem als Videokonferenz verfolgt werden. Er enthält einen Überblick über die Risiken und die Möglichkeiten, denen die Kinder und Jugendlichen mit dem „Internet in der Hosentasche“ begegnen. Begriffe wie TikTok, WhatsApp, In-App-Käufe, Soziale Netzwerke, Mobbing, Sexting, Grooming werden ebenfalls besprochen.
 
Nach dem Vortrag können gern Fragen gestellt werden.
 
Dieser kostenlose Vortrag ist eine Informationsangebot des Fördervereins der Wölfersheimer Schulen. 
 
Der Termin: 30.08.2022 19.30 Uhr-21.30 Uhr
Einloggen über: senfcall.de

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme!
Thomas Seeling
Förderverein der Wölfersheimer Schulen

14.07.2016

Abschiedsrede für die Schulabgänger 2016 der Singbergschule


Liebe Schulabgänger,
heute werden viele Reden gehalten, es gibt ein großes Programm, deshalb will sich der Elternbeirat kurz fassen im Sinne einer Empfehlung von Mark Twain: "Eine gute Rede hat immer einen guten Anfang und ein gutes Ende - und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen."
Ihr habt Euch ein Lied von Revolverheld als Thema für die Feier ausgesucht, das gleichzeitig optimistische und melancholische Töne anschlägt. Dieses Lied spricht schon von einem Jahrgangstreffen – das liegt für Euch noch in der Zukunft, aber ich finde es toll, rechtzeitig daran zu denken.
Im Lied ist die Rede von
Alte Freunde wiedertreffen
Manche sind geblieben
Andere kommen heut von weit her
Doch uns're Freundschaft ist geblieben
Das kann uns keiner nehmen

Nach der Schule ist mitten im Leben.
Jeder von Euch wird seinen Weg gehen. Die Singbergschule hat Euch gut darauf vorbereitet. Einige werden wegziehen, andere werden hier irgendwo in der Nähe bleiben. Bleibt in Kontakt und bildet Netzwerke – das ist heutzutage leichter denn je. Es ist immer gut, wenn man überall Freunde hat.
Das Lernen wird nicht aufhören – entweder in der Ausbildung, in einer weiteren Schule, oder vielleicht sogar an einer Hochschule. Bleibt neu-gierig – gierig auf Neues!
Der spanische Philosoph Ortega y Gasset hat einmal gesagt: „Freiheit ist der Zwang, sich entscheiden zu müssen.“
Ich z.B. entscheide mich jetzt dazu, die Rede zu beenden.
In diesem Sinne:
Lasst uns die Gläser heben
Die Stadt wird hell und wir trinken auf's Leben


24.07.2015

Pressemitteilung des Kreiselternbeirats zur Ablehnung des Runden Tischs "Schülerbeförderung"

Letzte Woche wurde im Kreistag abgelehnt, einen Runden Tisch einzurichten, an dem fachkundige Teilnehmer konkrete Kriterien festlegen, nach denen die VGO die "besondere Gefährlichkeit" bestimmter Schulwege zu bewerten hat.

Hier ist die offizielle Pressemitteilung des Kreiselternbeirats zur Ablehnung.


21.07.2015

Der Kreiselternbeirat wundert sich über die Ablehnung zur Einrichtung eines Runden Tisches
Der Kreiselternbeirat hat in einem Antrag die Einrichtung eines Runden Tisches gefordert, der besetzt ist mit Personen aus der Unfallkasse Hessen, dem Verband der Versicherer, Polizei, Schulleitung, Eltern und Fraktionsmitgliedern. Ziel dieses Runden Tisches soll die transparente Entwicklung von Kriterien sein, die für die Beurteilung der besonderen Gefahren auf dem Schulweg im Wetteraukreis zukünftig herangezogen werden. Diese Kriterien, getragen von einer Mehrheit der Betroffenen, hätte der Politik als Empfehlung dienen können.
Die Forderungen wurden in einem Antrag im Kreistag von den LINKEN eingebracht und durch einen Änderungsantrag, welcher ebenfalls die Forderung unterstützt, von der CDU eingebracht.
Die einstimmige Ablehnung der Koalition aus SPD, Grüne, FDP zeigt deutlich, dass man sich bei der Erarbeitung der Kriterien, mit der der Kreisausschuss im letzten Jahr beauftragt wurde, nicht in die Karten schauen lässt. Dies stößt auf der Seite des Kreiselternbeirates auf deutliches Misstrauen, zumal der Kreisausschuss, entweder durch fehlende Kompetenz oder durch mangelnden Willen im letzten Jahr einem Kriterienkatalog, der von der VGO vorgelegt wurde, zugestimmt hat, mit dem Ergebnis, dass am Ende 800 Schülerinnen und Schülern die Fahrtkostenerstattung gestrichen bekommen haben.
Die Äußerung von Landrat Arnold, einen Runden Tisch einzurichten, wenn er das Ziel haben soll, gemeinsam mit dem Land Hessen den § 161 des Hess. SchulG zu ändern, ist zwar löblich, zeigt aber auch, dass er und seine Kollegen an einer tragfähigen Wetterauer Lösung für die Schülerbeförderung nicht interessiert sind und sich hinter der Zuständigkeit des Landes verstecken.
Im Ergebnis wertet der Kreiselternbeirat diese Haltung der Mehrheitskoalition in keiner Weise als sonderlich konstruktiv und offen, noch fühlen sich die Vertreterinnen und Vertreter des Kreiselternbeirates stv. für alle betroffenen Eltern und Schüler, in ihrer Arbeit und dem vorgebrachten Anliegen, die Thematik aufgrund der Wichtigkeit und der Sicherheit neu zu belichten, geschätzt. Hier wird das Agieren in der Art eines sog. „Verschiebebahnhofs“ recht deutlich.
Die Argumentation, dass es nunmehr schon zu viele Runde Tische geben würde, lassen wir nicht gelten. Wäre man der Sache sorgfältig und mit entsprechendem Respekt vor der sensiblen Thematik von Anfang an begegnet, so hätte der Kreiselternbeirat keine Beschwerden erhalten und müsste heute nicht um Nachbesserung bitten.
Wir fordern daher alle Kreispolitiker nachdrücklich dazu auf, sich offen mit der Problematik zu beschäftigen und anzuerkennen, dass es hier erheblichen Bedarf der Nachbesserung gibt. Die Einbeziehung von Fachleuten, die in der Lage sind, das Gefährdungspotenzial auf den Schulwegen aus entwicklungspsychologischer Sicht beurteilen zu können, die Ortskenntnis besitzen, unter dem Aspekt der Einschätzungen von Gefahren durch den Straßenverkehr, und solche, die auch im Hinblick auf die Gefährdungslage durch Schulwege, abseits von Bebauung und sozialer Kontrolle, ist ein dringender Appell an die Politik.
„Der Kreiselternbeirat, so die Vorsitzende Anschütz und die Pressesprecherin Schmidt-Bernhardt, will nichts unversucht lassen und alle Wege beschreiten, damit ein sicherer Schulweg für alle Kinder mit einer entsprechenden Kostenübernahme für den Schulweg gewährleistet wird.“ „Wir möchten nicht, dass aufgrund einem solch realitätsfernen Werkes, wie dem Kriterienkatalog der VGO und der Nicht-Zuständigkeitshaltung unserer Kreispolitiker, ein Kind aufgrund dieser Kriterien Opfer eines Unfalls mit vielleicht lebenslangen Folgen wird und sich erst dann etwas ändert, wenn es zu spät ist. Unsere Haltung ist nicht die des Aussitzens und des Verschiebens.“
Der Kreiselternbeirat appelliert an dieser Stelle an eine Aussage im Wahlprogramm einer in der Koalition vertretenen Partei: Kein Kind darf zurückgelassen werden!
Und wir sagen: „Das gilt auch für die Sicherheit unserer Kinder.“

02.11.2014

Fahrtkostenübernahme im Wetteraukreis - Leserbrief

Mein letzter Leserbrief zur aktuellen Entwicklung der unendlichen Gescehichte über die Fahrtkosten (veröffentlicht am 22.10.2014). Demnächst kommt bestimmt noch mal ein Bericht über den Ausschuss zur Akteneinsicht.

Leserbrief zur Fahrtkostenübernahme der VGO
Respekt vor dem vorläufigen Friedensangebot von Kreis und VGO!
Eigentlich wollte ich kritischer schreiben und die ungebührliche Gebühr von 150 € zum Thema machen, aber die Entwicklung seit Ende September hat mich in Maßen durchaus positiv überrascht, auch wenn damit noch nicht alles beendet ist - bei weitem nicht.
Schade finde ich, dass der Schuldezernent Betschel-Pflügel als Sündenbock herhalten muss. Hier hat sich die gesamte Politik seit der Kreistagssitzung im Juli nicht gerade mit Ruhm bekleckert, und so eindeutig perfekt hat sich die VGO nicht verhalten, wie der Landrat es damals schon darzustellen versucht hat. Nach Meinung mehrerer Juristen sind die Bescheide unvollständig und fehlerhaft und der Widerspruch dagegen absolut gerechtfertigt gewesen.
Der Betrag von 150 € ist eine stolze Summe für zwei Arbeitsstunden eines Sachbearbeiters, selbst wenn man sachferne Kosten wie Abschreibungen etc. mit einrechnet.
Mir fehlt in der Maßnahme des Kreises aber noch das Angebot, die Unterzeichner der (mindestens) zwei Unterschriftenlisten, von Wölfersheim und Bad Vilbel, aus der Verantwortung zu entlassen.
Nach wie vor finde ich es äußerst bemerkenswert und juristisch gelinde gesagt spitzfindig, die Unterschriftenlisten mit mehr als 2.000 Unterstützern genauestens zu überprüfen. Aus unerfindlichen Gründen wurde beschlossen, dass eine Solidaritätsbekundung auf einer Liste nicht nur eine Meinungsäußerung gemäß Grundgesetz Art. 5 ist, sondern auch ein rechtswirksamer Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid.
Zumindest die Unterschriftenliste der Melbacher enthält definitiv nicht das magische Wort "Widerspruch", wie Hr. Arnold suggerieren will (er hat allerdings nicht ausdrücklich die Melbacher Liste erwähnt). Unser vollständiger Text lautet: "Wir fordern die VGO auf, ihre Entscheidung zurückzunehmen, den Schulweg von Melbach nach Wölfersheim als ungefährlich einzustufen. Dieser Schulweg stellt definitiv eine Gefahr dar!". Inwiefern die VGO oder der Kreis daraus einen persönlichen und individuellen "Widerspruch" konstruieren wollen, erschließt sich mir nicht.
Abgesehen davon erwarte ich weiterhin, dass es bei der Bewertung der Schulwege eine vernünftige und nachvollziehbare Liste von Kriterien gibt, und dass die VGO bzw. der Kreis festlegen und veröffentlichen, welcher Schulweg denn überhaupt für die jeweiligen Schüler relevant ist. Denn ausschließlich der vorgeschriebene Schulweg ist durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, und es war bislang nicht erkennbar, ob die VGO diesen Aspekt berücksichtigt hat.

23.09.2014

Neues von den Fahrtkosten - Leserbrief

Und die unendliche Geschichte geht in die nächste Runde. Die ersten Eltern ziehen vor Gericht.
(veröffentlicht am 23.09.2014)

Leserbrief zur Fahrtkostenübernahme der VGO

Und es macht "bing" - die nächste Runde "Eltern gegen VGO" ist eingeläutet.
Die WZ berichtet über die erste eingereichte Klage.
Ich kann nicht ganz nachvollziehen, was genau die VGO hier plant.
Der Kreistag beschließt einstimmig eine Aufforderung für ein Moratorium.
Danach lehnt der Kreisausschuss einen entsprechenden Antrag wegen Formfehlern ab.
Die VGO droht mit exorbitanten Gebühren, wenn ein Widerspruchsbescheid erlassen wird, um die Eltern abzuschrecken.
Dabei wird sehr unsanft vorgeschlagen, den Widerspruch zurückzunehmen, um diese Gebühren zu vermeiden.
Leider bedeutet die Rücknahme des Widerspruchs, dass die Eltern dann ihren Anspruch auf Fahrtkostenerstattung verlieren, selbst wenn andere Eltern mit ihren Klagen erfolgreich sein sollten.

Dabei vergisst die VGO, dass sie in der Vergangenheit schon mehrere Prozesse vor Gericht verloren hat, sowohl wegen Formfehlern als auch wegen sachlicher Fehler in der Beurteilung der Fahrtkostenübernahme.
Dem Kreiselternbeirat liegt ein Urteil von 2006 vor (4E 865/06 VerwG Gießen), in dem bei einer gemessenen Entfernung von 2,9 km nach einer Begehung die "besondere Gefahr" durch den Richter festgestellt wurde. Es ging in diesem Urteil um den Schulweg von Dortelweil aus, wobei der Weg einige hundert Meter hinter Gebüsch nicht einsehbar war, und sogar beleuchtet ist.
Ironischerweise war damals ebenfalls schon Armin Klein der Beklagte als Vertreter der VGO.

Erstaunlicherweise ignoriert die VGO sowohl alte Urteile als auch die Einschätzungen von fachkundigen Beteiligten an den aktuellen Begehungen. Der Melbacher Schulweg z.B. führt ebenso über einen nicht einsehbaren Feldweg in vergleichbarer Länge, und im Gegensatz zum Dortelweiler Fall ist dieser Feldweg nicht einmal beleuchtet. Hier hat die Polizei den Weg in ihrer Stellungnahme als "besonders gefährlich" bezeichnet.

Das ficht aber die VGO nicht an - sie stuft die Schulwege nach erfolgter Begehung einseitig als "gefährlich" oder "ungefährlich" ein, ohne dass klar wird, welche Grundlagen die jeweiligen Entscheidungen haben.

Ich hoffe ernsthaft darauf, dass die Politik sich besinnt und dem Vorpreschen der VGO zügig Einhalt gebietet, bis eine gemeinsame, sachliche Grundlage für die Beurteilung der Schulwege gefunden wurde, die für die Eltern nachvollziehbar ist. Es kann nicht sein, dass die VGO hier vor den echten Fakten davonrennt und versucht, selbst andere, vollkommen realitätsferne Fakten zu schaffen.

11.07.2014

Oberstufe in Wölfersheim jetzt! - Leserbrief

Heute war der Tag der Artikel über Schulen und Schüler in der WZ. Ein langer Artikel über die Fahrtkostenerstattung der Melbacher Schüler, und gleich zwei Artikel über den Schulentwicklungsplan und die Oberstufe in Wölfersheim.
Sachlich eher dünn, haben sich Bad Nauheimer und Friedberger Politiker geäußert. Dazu habe ich dann ein paar Fakten zusammengestellt und einen Leserbrief geschrieben.

Leserbrief zur Oberstufe Singbergschule

Man merkt, dass nächste und übernächste Woche im Kreistag der Schulentwicklungsplan besprochen werden soll. Nach einer längeren Zeit der Ruhe überschlagen sich die Pressemeldungen geradezu.

Irritierenderweise widersprechen sich die Aussagen und Standpunkte merklich. Die Bad Nauheimer Politik äußert Bedenken, weil sie um den Bestand der Nauheimer Schulen fürchten, dabei pendeln so gut wie keine Oberstufenschüler aus dem Raum Wölfersheim nach Bad Nauheim. Dasselbe gilt für Hungen: es gibt so gut wie keine Realschüler, die nach Hungen in die Oberstufe wechseln.

Hingegen sind in Friedberg die Kapazitäten erschöpft. Das Burggymnasium muss jetzt schon 100 Schüler ablehnen, die Augustinerschule ist ebenfalls am Rand ihrer Möglichkeiten. Und dabei sind die künftigen Oberstufenschüler aus dem gymnasialen Zweig der Singbergschule noch gar nicht eingerechnet. Derzeit wechseln ca. 20 Realschüler pro Jahrgang aus Wölfersheim auf eine Oberstufe. Ab 2015 werden zwischen 100 und 140 Schüler pro Jahr nach der zehnten Klasse eine Oberstufe suchen. Die gymnasialen Klassen an der Singbergschule umfassen derzeit zwischen 90 und 110 Schülern in drei bis vier Parallelklassen! Seit Einführung des wohnortnahen gymnasialen Zweigs sind deutlich mehr Schüler von den Grundschulen ins Gymnasium gewechselt, und diese höhere Anzahl ist seitdem stabil geblieben.

Hr. Güssgen hat doch bei seinem Besuch das Burggymnasium gesehen: selbst wenn Investitionen für 100 Schüler beschlossen werden, wohin sollen die zusätzlichen Räume gebaut werden? Und 100 neue Plätze an der Burg decken gerade mal die Größenordnung ab, die jetzt abgelehnt wurde, aber nicht den Anstieg durch die Gymnasialschüler aus Wölfersheim.

Als weiteres Argument wird vorgebracht, dass ein Oberstufenangebot in Wölfersheim dazu führt, dass andere Schulen "kannibalisiert" werden und an jeder Schule nur noch ein "minimales" Leistungskursangebot möglich ist. Ich denke, die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache!

Was spricht dagegen, dass sich die Wetterauer Gymnasien in Absprache miteinander spezialisieren? Das passiert doch jetzt schon! Das Burggymnasium hat Leistungskurse im Angebot, die kein anderes Gymnasium bietet. Warum sollte nicht auch die Augustinerschule, Singbergschule, Ernst-Ludwig-Schule usw. Schwerpunkte bieten? Schülern der Oberstufe traue ich genug Urteilsvermögen zu, sich eine Schule gemäß ihren Neigungen zu wählen. Die Schulen können doch jetzt schon Zertifizierungen für Schwerpunkte erwerben, z.B. für Sport, Musik, Sprachen, Naturwissenschaften. Das kann man doch auf das Angebot der Leistungskurse ausdehnen! Wie gern hätte ich Informatik als Leistungskurs gehabt!

Die Berstädter Schüler, die nach Bad Nauheim pendeln, haben einen Schulweg von bestenfalls 1:15 Stunden und gehen morgens um 6:30 Uhr aus dem Haus. Mittags, und insbesondere am späten Nachmittag sind die Verbindungen noch schlechter. Mir sind mehrere Eltern bekannt, die regelmäßig Taxidienste leisten, damit die Kinder in überschaubarer Zeit in die Schule und nach Hause kommen können. Nebenbei ist das ökologisch gesehen  offensichtlich die schlechteste Variante.

Und weiterhin: ein wohnortnahes, gut erreichbares Gymnasium ist eine wunderbare Möglichkeit, auch finanziell Schwächeren eine angemessene Bildung anzubieten und zu ermöglichen: eine Familie mit mehreren Kindern überlegt sich durchaus, ob sie mehrere Fahrkarten zu einer weiter entfernten Schule bezahlen kann. In der Oberstufe gibt es bekanntlich keine Fahrtkostenerstattung mehr.

Bildung ist das Wichtigste, was wir unseren Kindern bieten können! Sollen denn begabte Kinder auf Bildung verzichten, weil die Fahrkarte zu teuer ist? Es ist eine Pflicht unserer Gesellschaft, unsere Kinder bestmöglich zu fördern.

10.07.2014

Schülerbeförderung Melbach - Leserbrief

Seit Tagen gibt es Presseberichte über den eisernen Sparwillen des Kreises und der VGO. Dieser Sparwille erstreckt sich auch auf die Fahrtkostenerstattung für Melbacher Singbergschüler.

Keiner findet das gut, außer der VGO. Alle anderen befragten Parteien befanden, dass der Schulweg außerorts zu gefährlich ist.

Das ficht aber die VGO nicht an, sie beschließen einsam, dass der Schulweg zur Gänze ungefährlich sein soll. Basta!

Da war erneut ein Leserbrief fällig:

Leserbrief zur Fahrtkostenübernahme für Melbacher Schüler

In den letzten Tagen waren mehrere Artikel über eine Sparmaßnahme der VGO zu lesen:
die Beförderungskosten für Melbacher Schüler zur Singbergschule Wölfersheim stehen zur Disposition.
Nicht zuletzt war am 10.07.14 in der WZ zu lesen, dass die VGO viele Schulwege "mittlerweile als ungefährlich einstuft".

Die Argumentation der VGO ist, dass viele Gemeinden in den letzten Jahren Investitionen in die Schulwege getätigt haben und deshalb eine Neubewertung der Zumutbarkeit geboten ist. Es gab also eine Begehung des Schulwegs mit mehreren Parteien, darunter Gemeinde, Schule, Kreis, Polizei und VGO. Als Ergebnis behauptet nun die VGO, dass Melbach unter der gesetzlichen 3-km-Grenze liegt und keine besondere Gefährdung der Schüler erkennbar sei.

Als Wölfersheimer Bürger und Mitglied im Schulelternbeirat sehe ich die Situation anders:

Zum Einen liegt nur ein Teil von Melbach im 3-km-Radius. Es gibt ca. 30 Schüler, deren Schulweg länger als 3 km ist und denen deshalb die Fahrtkosten erstattet werden und 25, die entweder privat bezahlen, laufen oder gefahren werden müssen. Die Gesamthöhe der geplanten Einsparung bewegt sich übrigens bei etwa 7000 Euro pro Jahr (ca. 280 Euro pro Schüler).

Zum Anderen behauptet die VGO, dass der Schulweg keine besondere Gefährdung erkennen lässt.

Leider ist das nicht so wie behauptet: der Fußweg führt über mehr als ein Drittel durch unbewohntes, teilweise uneinsehbares und vollkommen unbeleuchtetes Gebiet zwischen den Ortsteilen Melbach und Wölfersheim/Södel. Aus dem Begehungsprotokoll entnehme ich, dass der Weg sehr einsam ist (3 Fußgänger). Dazu kommt, dass dieser Weg über eine große Strecke zwischen der Böschung der Bahntrasse und dem freien Feld verläuft und daher von der Straße aus nicht einsehbar ist. Abgesehen davon gibt es keinen Winterdienst, und der Weg wird auch von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzt.

Bemerkenswert ist, dass die VGO die vollständig konträre Einstufung der Polizei ignoriert und totschweigt. Während der Begehung wurde vom Verkehrsdienst der Polizei der Weg als "besonders gefährlich" eingestuft, ein "Übergriff würde unbemerkt bleiben".

Es ist Kindern nicht zuzumuten -- gerade in der dunkleren Jahreszeit -- diesen Weg zweimal täglich zu gehen. Da die Singbergschule besondere Schwerpunkte Musik und Sport mit einem umfangreichen Nachmittagsangebot hat, gibt es viele Kinder mit Zusatzgepäck wie Sporttasche oder Musikinstrument, manchmal sogar beides gleichzeitig.

Eine Streichung der Übernahme der Beförderungskosten für diese Schüler würde dazu führen, dass die VGO den Kindern zumutet, morgens um ca. 7 Uhr und abends um 16 oder 17 Uhr diesen Weg bei Dunkelheit und ohne jede soziale Kontrolle mehrmals wöchentlich mit Schulranzen, Sporttasche und Instrumentenkoffer bepackt zu gehen.

Das Hessische Schulgesetz ist bei der Aufsichtspflicht enorm streng, so dass in der letzten Gesamtkonferenz aus aktuellem Anlass den Lehrern nahegelegt wurde, in Zukunft auf Klassenfahrten mit sportlichen Akzenten (Eisstadion, Schwimmbad, Kanufahrten) zu verzichten. Was aber ist gefährlicher? Ein Besuch im Eisstadion, bei dem sich 2 Lehrer die Aufsicht über etwa 30 Schüler teilen oder ein täglich fast 6 km langer Schulweg, der über weite Strecken ohne soziale Kontrolle durch unbeleuchtetes, ungeschütztes, nicht einsehbares und unbewohntes Terrain führt?

Uns als Allgemeinheit sollte die Sicherheit der Melbacher Schüler 7000 Euro pro Jahr wert sein!

Der Förderverein der Wölfersheimer Schulen führt derzeit eine Unterschriftenaktion durch, um Solidarität zu zeigen und die VGO zur Neubewertung des Wegerisikos zu bewegen. Bitte beteiligen Sie sich, Listen liegen in Wölfersheimer Geschäften aus, werden in der Schule verteilt und können auch heruntergeladen werden!

13.06.2014

Märchenstunde mit Oswin Veith - Leserbrief

Unser MdB Oswin Veith, der ja gemäß amtlichem Endergebnis immerhin von 60.118 Menschen im Wetteraukreis gewählt wurde (von 175.085 Wahlberechtigten und 131.480 gültigen Stimmen), denkt an seine Heimat und kommt zu Besuch, wie die WZ berichtet (06.06.2014).

Ein Ziel seines Besuchs sind die Schüler eines Politik-Grundkurses an einer Schule. Dort erzählt er lustige Sachen über die NSA-Abhöraffäre und über das transatlantische Investitionsschutz- und Partnerschaftsabkommen, die er sich ausgedacht hat und nicht im Mindesten der Realität entsprechen, wie ich schon mehrfach auch hier im Blog bemängelt hatte.

Dazu habe ich der WZ einen Leserbrief geschickt (veröffentlicht am 13.06.14):

Leserbrief zur Meldung "Veith besucht PoWi-Grundkurs" (06.06.2014)

Die WZ berichtet, dass "unser" CDU-MdB Oswin Veith eine Schule in seinem Wahlkreis besucht und dabei auch über den Abhörskandal und das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP spricht.

Ja, ist denn schon wieder Märchenstunde? Zum Jahrestag der ersten öffentlichen Erwähnung müssen sich die Schüler erzählen lassen, dass die USA mit sich reden lassen und dass man nur ein bißchen Zeit und Diplomatie bräuchte? In welchem Traumland lebt denn Herr Veith? Die USA haben klipp und klar festgestellt, dass es kein "No-Spy"-Abkommen geben wird. Heute lese ich sogar in den Schlagzeilen, dass die USA "verärgert" über die Ermittlungen des Generalbundesanwalts sind. Bekanntlich ist der ja betriebsblind und sieht keinerlei Anfangsverdacht bei irgend etwas außer dem Abhören von Merkels Handy.

Nicht einmal eine gerichtliche Verfügung kümmert die NSA. Sie setzen einfach ungeniert weiter das Löschen von Beweismitteln fort. Besser kann man doch nicht demonstrieren, über dem Gesetz zu stehen. Und der deutsche Generalbundesanwalt Range geniert sich im Gegensatz dazu, mehr als "ein bißchen" zu ermitteln, obwohl der "begründete Anfangsverdacht" nach Meinung anderer hochrangiger Juristen definitiv gegeben ist.

Ich finde ja, dass es Sache deutscher Behörden und deutscher Politiker ist, sich für Bürgerrechte ihrer eigenen Bewohner einzusetzen. Gab es da nicht mal so etwas wie einen Amtseid mit "Schaden vom deutschen Volk abwenden", Herr Veith? Das Bundesverfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof haben unabhängig voneinander festgestellt, dass flächendeckendes Abhören gegen die Menschenrechte verstößt. Wann passiert da etwas Konkretes?

Die Fachzeitschrift c't hat eine erschreckend detaillierte Zusammenfassung der Enthüllungen des letzten Jahres über das Ausmaß der Überwachung aufgestellt. Bitte lesen Sie hier weiter, auch wenn Sie danach vermutlich nicht mehr gut schlafen können: http://heise.de/-2214943

Beim Freihandelsabkommen TTIP (genau wie deren Pendants CETA, NAFTA und TISA) kommt mir auch langsam die Idee, dass die Politiker sich nicht um die Belange der Bürger kümmern wollen, sondern nur um die Rendite der Konzerne, die von den Klagemöglichkeiten gegen nationale Gesetze fasziniert sein dürften.

In meinen Augen geben die beteiligten Länder ihre staatliche Souveränität auf, wenn Konzerne wegen "entgangenem Gewinn" gegen unliebsame Gesetze klagen können.

Herr Veith glaubt doch selbst nicht daran, dass sich mit TTIP besserer Verbraucherschutz durchsetzen lässt! Das kostet doch wieder Geld, und das wird kein Konzern ausgeben wollen. Dazu sind sie viel zu sehr ihren Aktionären verpflichtet und eben gerade nicht dem Allgemeinwohl. Die Konzernleitungen müssen geradezu alles einsetzen, um dem Unternehmen nicht zu schaden, und entgangener Gewinn ist sicherlich ein "Schaden" im Sinne der Rendite.

Ich hoffe sehr, dass ihn die Schüler ordentlich gegrillt haben, damit er die Stimmung von der Basis wahrnimmt. Immerhin finde ich es ein sehr gutes Zeichen, dass ein Grundkurs in Politik und Wirtschaft sich für Themen interessiert, einen Politiker einlädt und ihn mit unbequemen Fragen löchert.

27.05.2014

Prominenter Besuch an den Wölfersheimer Schulen

Christoph Dittert war in Wölfersheim.

Das hört sich  jetzt erst mal noch nicht so spannend an. Ok, da war also irgend jemand in Wölfersheim?

Nein, das war nicht irgend jemand, der da nach Wölfersheim gekommen ist!

Christoph, ich, Fr. Fuß

Ganz im Gegenteil, das war ein ganz besonderer Mensch, der uns besucht hat. Naja, nicht nur uns zuhause, sondern hauptsächlich hat er die beiden Wölfersheimer Schulen besucht, und zwar auf Einladung des Fördervereins der Wölfersheimer Schulen.

Und das kam so ...

Christoph ist einer der Autoren der "???"-Reihe und schreibt Krimis für Kinder ("???"-Kids) und Jugendliche.

Er ist sogar hauptberuflich Autor (einer von ganz wenigen in Deutschland), und neben den "???" verdient er seine Brötchen auch mit Schreiben für die SF-Serie "Perry Rhodan" ...

Seit einiger Zeit bin ich mit Christoph lose bekannt, genauer: seit wir uns vor einigen Jahren bei einem Fan-Treffen von "Perry Rhodan" kennengelernt haben. Von dieser Serie bin ich seit mittlerweile über 35 Jahren ein großer Anhänger. Dazu am Ende dieses Artikels noch etwas mehr ...

Mittlerweile hat er dort richtig Karriere gemacht und ist sogar derzeit einer der zwei Köpfe der "Denkfabrik", d.h. er entwickelt die Konzepte der Serie, die sog. Exposés, für einige zehn bis hundert Hefte in die Zukunft weiter. Derzeit ist die Serie knapp über 2750 hinaus, und es laufen schon erste Planungen für die Handlung bis Band 3000. Ist das nicht unglaublich?

Seit wir auf Facebook befreundet sind, weiß ich erst, dass er auch für die "???" schreibt und auch einen der drei Bände des Jubiläums 175 verfasst hat. Gelegentlich berichtet er da drüben auch, dass er mal wieder irgendwo eine Lesung an einer Schule gehalten hat, und das brachte mich auf die Idee, ihn zu fragen, ob er nicht auch für "unsere" Schulen eine solche Lesung veranstalten würde.

Der Autor zu Beginn der Lesung noch ganz frisch

Zuerst dachten wir, dass er an einem Tag zu Besuch kommt und liest, aber dann haben wir die Schülerzahlen überschlagen und natürlich überlegt, dass auch die "großen" Schüler an der Grundschule bedacht werden sollten. Wir haben festgestellt, dass es zu viele Schüler für einen Tag sind. Glücklicherweise haben wir dann einen gemeinsamen Termin gefunden, an dem er zwei Tage am Stück zu uns kommen konnte, und so entstand der Plan, an einem Tag in der Grundschule zu lesen, am zweiten Tag vormittags für die fünften Klassen der Gesamtschule, und dann am zweiten Tag nachmittags noch eine freiwillige Lesung für die höheren Klassen zu veranstalten.

Da wir daheim ein kleines separates Häuschen haben (eine sog. "Sommerküche"), in dem ein Gästezimmer, ein eigenes Bad und mein Büro untergebracht sind, willigte Christoph ein, bei uns zu übernachten und von meiner Schwiegermutter bekocht zu werden.

Wir haben dann von Februar bis April noch ein paar Mails ausgetauscht, um organisatorische Details zu klären, und dann kam endlich der große Tag ;)


Nach der Lesung: Autogrammstunde!

Am ersten Vormittag in der Grundschule begrüßte zunächst Frau Fuß, die Schulleiterin der Jim-Knopf-Schule, die Schüler und den Gast, und danach übernahm ich es, noch ein paar Worte zur Vorstellung zu sagen.

Der erste Nachmittag war frei, und das traf sich auch ganz gut so, weil Christoph natürlich von der Anfahrt und den zwei Lesungen schon leicht angegriffen war, und ganz nebenbei noch einen Perry-Rhodan-Roman fertigstellen wollte. Erschwerend kam hinzu, dass ihm die hessische "Grüne Sosse" gut geschmeckt hat und er kräftig Nachschlag nahm (kurz darauf tritt dann das sog. "hessische Kartoffelkoma" ein) ;)

Erst am zweiten Tag fiel uns nach der Begrüßung durch die Chefin der Schülerbücherei der Singbergschule auf, dass rein zufällig die "???" und die Singbergschule dasselbe Jubiläum feiern: 50 Jahre! Das haben wir doch gut hinbekommen, oder?

An diesem Tag konnte ich mich dann zum Glück nachmittags freimachen und die freiwillige Lesung für die großen Schüler komplett hören, nachdem ich zweimal morgens kurz nach der Einleitung schon wieder gehen musste, um zu arbeiten.

Die Lesung fand ich toll gemacht: nach einer kurzen Begrüßung und einer Umfrage, wer die "???" kennt (fast alle) bzw. nicht kennt, ging es los: Christoph las einige Seiten einer spannenden Szene aus seinem Buch "Geheimnisvolle Botschaften", und schon nach wenigen Sätzen hatte er die Kinder voll in seinen Bann geschlagen. Danach spielte er vom ebenfalls mitgebrachten Hörspiel dieselbe Stelle vor und forderte die Kinder auf, die Unterschiede herauszufinden. Dabei stellte sich heraus, dass alle Kinder die Beschreibung im Buch viel ausführlicher und spannender fanden.

Nach der Lesung und dem Einstieg in einen Dialog mit den Kindern durch diese Gegenüberstellung ergaben sich jede Menge Fragen: die Kinder wollten alles Mögliche wissen: wie man Autor wird, wie alt er ist (bei weitem noch nicht 71, wie ein Kind neulich mal geraten hatte!), wieviele Bücher er schon geschrieben habe (über 150), welchen Beruf er gelernt habe und vieles mehr. Eine der eher kuriosen Fragen war die nach seiner Religionszugehörigkeit, und natürlich gab es auch die Frage nach dem Geld, die er aber natürlich nicht beantworten wollte. Aber auch diese Absage war sehr charmant verpackt und ich denke, dass der Fragesteller trotzdem zufrieden war ;)

Ich fand sehr interessant zu hören, dass er in Mainz Buchwissenschaften studiert hat und über seinen Nebenjob während der Promotionszeit zum Lektorieren und dann fließend auch zum "Selberschreiben" von Büchern kam.

Christoph hatte auch Exemplare von seinen Büchern zum Verkaufen und einige kleine Fanartikel dabei, die er verschenkt hat (Autogrammkarten, Armbänder). Viele Kinder hatten Bücher zum Signieren mitgebracht und mit bewundernswerter Geduld erfüllte er alle Wünsche, besonderen Wert legte er dabei darauf, den Namen wirklich in der richtigen Schreibweise ins Buch zu übertragen. Viele Kinder wollten eines der mitgebrachten Bücher kaufen, und da die Nachfrage größer war als sein mitgebrachter Vorrat, gibt es noch eine Nachbestellaktion an den Schulen. Natürlich werden auch die nachbestellten Bücher noch signiert, das hat er fest versprochen!



Auch eines der Werbeplakate ließen wir mit "Grüßen vom Schrottplatz" unterschreiben. Dieses Plakat wird einen Ehrenplatz in der Schülerbücherei erhalten!




Da ich ja bekanntlich scham- und hemmungslos bin, habe ich die Wehrlosigkeit unseres Gastes brutal ausgenutzt und habe mir auch jede Menge Perry Rhodan-Material signieren lassen.
HJB-Sammleredition

Insbesondere habe ich einen Comic-Band aus einer Sammler-Edition, d.h. einen Nachdruck der berühmt-berüchtigten Perry-Comics aus den Siebziger Jahren, und in diesem Comic-Band sammle ich von allen Fan-Treffen, Cons und sonstigen Gelegenheiten wie eben Christophs Besuch, Unterschriften der "Prominenz".





Perry Rhodan signiert
Ich wollte es aber natürlich dem armen Autor nicht zumuten, wirklich alle seine eigenen Perry-Rhodan-Erzeugnisse zu signieren (und ich war auch zu faul, sie aus meiner Sammlung oder mit Hilfe der Perrypedia herauszusuchen), aber ich wollte immerhin den allerersten seiner "richtigen" Perry-Romane, 2346, signiert haben, und die Taschenbücher sind auch immer dankbare Opfer ;)


"mit eiskalten Grüßen"

Achja: Christoph ist unter seinem PR-Pseudonym auch der Autor, der die Macabros-Serie des seligen Dan Shocker alias Jürgen Grasmück fortsetzt. Ich schätze, ich bin der einzige Mensch, der sämtliche bisherigen Macabros-Neuausgaben mit "eiskalten Grüßen" signiert besitzt. Juhu und nochmals vielen Dank für Deine Geduld, Christoph!





[Fotos mit freundlicher Genehmigung von Christoph Dittert und Ulrice Fuß]

07.04.2014

Boys day und Girls day

Letztens war mal wieder der jährliche Girls day.
Seit kurzem, genauer: seit 2011, gibt es als Ausgleich sogar einen Boys day.

Meine Tochter war bei IBM in Frankfurt. Dort haben sie in drei verschiedenen Projekten gearbeitet:
  1. Bau und Programmierung eines Lego-Mindstorm-Roboters
  2. Erstellen eines Werbevideos
  3. Präsentation
Mein Sohn war in einer befreundeten Tierarztpraxis. Er hat dort gelernt, was ein (Tier-)Arzt und ein/e Helfer/in so alles macht:
  • Biologie, Physiologie, Anatomie
  • Chemie (Blutuntersuchung)
  • Physik (Röntgen, Ultraschall)
  • Psychologie (Besitzer)
  • BWL (der Tierarzt als Unternehmer)
Die Idee bei beiden Aktionen ist: man bringt Mädchen bzw. Jungs dazu, in einen Beruf hineinzuschnuppen, der gerade nicht zu ihrem typischen Rollenklischee zählt. Mädchen also in Männerberufe, gern auch richtig schmutzig, wie Autowerkstatt - oder eben mathematisch/technisch/IT, und Jungs in Frauenberufe, typischerweise also sozial/erzieherisch/pflegerisch.

Was genau bringt nun so ein Tag?

Beim Mittagessen haben Kollegen und ich darüber diskutiert. Ein gleichalter Kollege hat ebenfalls "gemischte" Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Genau wie bei uns - obwohl sich die Eltern bemühen, beiden Kindern dieselben Angebote zum Spielen und zur Beschäftigung zu geben, sind "typisch männliche" und "typisch weibliche" Tendenzen erkennbar.

Söhne basteln Raumschiffe aus Lego. Mädchen spielen Familie. Ältere Jungs lesen oder schauen Science Fiction, Mädchen beschäftigen sich mit sozialen Beziehungen, verfolgen auf Twitter die angehimmelte Boyband ("wer mit wem") oder versuchen, der Freundin mit Liebeskummer zu helfen [die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, sondern im Gegenteil mit Absicht sehr plakativ].

Es fängt doch schon im Kindergarten an: fast nur weibliche Beschäftigte. Wo sind die männlichen Rollenvorbilder? Schon hier sehen Kinder, dass es anscheinend typisch weiblich ist, sich um Kinder zu sorgen und sich mit ihnen zu beschäftigen.

In der Grundschule setzt sich das fort: fast nur Lehrerinnen, und eine bestimmte Art von Methodik im Unterricht. Den gelegentlichen männlichen Lehrer muss man mit der Lupe suchen (die örtliche Grundschule hat einen männlichen Konrektor). Bedingt durch die Option auf Schwangerschaft haben die Kinder in der Grundschule so gut wie nie eine Klassenlehrerin über die gesamte (bei uns) vierjährige Grundschulzeit.

An den weiterführenden Schulen dann eine halbwegs "normale" Geschlechterverteilung in der Lehrerschaft.

Bei der Elternmitbestimmung ist erstaunlicherweise dasselbe zu beobachten (empirisch, aus meiner eigenen Beobachtung). Im Kindergarten und in der Grundschule fast ausschließlich weibliche Elternteile, die sich im Elternbeirat engagieren. Auch bei den Elternabenden sieht man fast nur die Mütter - wenn überhaupt. Viele Eltern interessieren sich so gut wie nicht für die Mitbestimmung. Erst in der weiterführenden Schule tauchen mehr Väter bei den Elternabenden auf, und manchmal lassen sie sich sogar als Elternbeirat wählen. In den weiteren Gremien - wie Schulkonferenz, Kreiselternbeirat, Landeselternbeirat - finden sich dann wiederum fast nur noch Mütter. Die Ausnahmen lassen sich nur mit der Lupe finden.

Ich will damit nicht sagen, dass es prinzipiell schlecht ist, aber es ist einseitig, und es vermittelt den Kindern einen falschen Blick auf die Welt.

Wie ich neulich im Artikel über die Frauenquote schon schrieb: ich halte Frauen und Männer prinzipiell für der gleichen Leistung fähig. Aber die gesellschaftlichen Strukturen favorisieren eine bestimmte ungleiche Rollenverteilung. Das fängt bei der schlechten Bezahlung von sozialen und Pflegeberufen an und hört beim Kopfkino bei Bewerbungsgesprächen noch lang nicht auf, bei denen der Personaler immer eine mögliche Schwangerschaft einer Bewerberin einkalkuliert. Er darf es natürlich nicht sagen (Stichwort AGG), genausowenig wie nach einer bestehenden Schwangerschaft gefragt werden darf, aber ich bin mir sicher, es wird gedacht.

Um noch mal den Bogen zum Anfang und dem Gespräch mit meinen Kollegen zu schlagen: suchen Frauen sich prinzipiell bestimmte Berufe aus (->Ursache), oder wird die Auswahl des Berufs durch bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen in eine bestimmte Richtung gedrängt (->Wirkung)? Ich kann es nicht beurteilen.

Zum Schluss noch etwas Positives: Google hat im Blog eine sehr schöne Hommage an Frauen in der IT zusammengestellt, sollte man gesehen haben.

26.03.2014

Schülerbeförderung Melbach - Stellungnahme - Schulelternbeirat Singbergschule

Der Wetteraukreis will sparen, koste es, was es wolle.
Unter diesem Blickwinkel sollen Schülerfahrkarten von Melbach nach Wölfersheim eingespart werden, weil die Schüler angeblich weniger als 3 km Fußweg haben.
Dieser Fußweg umfasst aber unbeleuchtete, im Winter nicht geräumte Wirtschaftswege und keine ausgebauten "normalen" Fußwege.
Es gab eine Ortsbegehung und der Schulelternbeirat hat eine Stellungnahme zu dieser Spar-Idee geschrieben:

S i n g b e r g s c h u l e   W ö l f e r s h e i m
K o o p e r a t i v e   G e s a m t s c h u l e   m i t   F ö r d e r s t u f e
S c h u l e   m i t   S c h w e r p u n k t e n   M u s i k   u n d   S p o r t
S c h u l e l t e r n b e i r a t


Datum
24.03.2014

VGO
Herr F.
Postfach 101251
61152 Friedberg/H.


Überprüfung der Übernahme der Schülerbeförderungskosten Melbach / Singbergschule Wölfersheim

Sehr geehrter Herr F.,
sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrem Schreiben vom 27. Februar 2014 und zu der am 14.03.2014 durchgeführten Begehung des Schulweges von Melbach zur Singbergschule Wölfersheim durch die Gremien der VGO, des Schulträgers, der Polizei und der Schulleitung der Singbergschule möchten wir als Schulelternbeirat wie folgt Stellung nehmen:

In Ihren Unterlagen führen Sie aus, dass der Fußweg vom Wölfersheimer Ortsteil Melbach zur Singbergschule 2,9 Kilometer beträgt und damit innerhalb der gesetzlichen Grenze von 3 Kilometern liegt. Dieser Feststellung müssen wir widersprechen. Die Messung wurde von der Ortsmitte ausgehend vorgenommen. Von den 53 Schülerinnen und Schülern aus Melbach, die derzeit die Singbergschule besuchen, wohnen 29 jenseits der 3-Kilometer-Grenze. Tatsächlich betroffen sind also 24 Schülerinnen und Schüler.

Sie führen weiterhin aus, dass der Schulweg nicht auf längeren  Strecken durch unbeleuchtetes oder nicht ausreichend beleuchtetes und nicht bewohntes Gebiet führt. Auch hier müssen wir deutlich widersprechen.

Der beschriebene Fußweg führt über mehr als ein Drittel durch unbewohntes und vollkommen unbeleuchtetes Gebiet zwischen den Ortsteilen Melbach und Wölfersheim. Selbst aus dem Begehungsprotokoll ist zu entnehmen, dass der Weg sehr einsam ist (3 Fußgänger). Dazu kommt, dass dieser unbeleuchtete und wenig frequentierte Weg über eine große Strecke zwischen der Böschung der Bahntrasse und dem freien Feld verläuft und daher von der Straße aus  nicht einsehbar ist.

Es ist Kindern nicht zuzumuten, gerade in der dunkleren Jahreszeit, diesen Weg zweimal täglich zu gehen. Unsere Schule ist Schule mit Schwerpunkten Musik und Sport mit einem umfangreichen Nachmittagsangebot. Das führt dazu, dass die Kinder nicht nur den üblichen Schulranzen tragen, sondern häufig auch noch Sporttasche oder Instrumente mit zur Schule bringen. Auch die Schulzeiten gehen über den „Standard“ hinaus. Viele Kinder - insbesondere aus den Jahrgangsstufen 5 und 6 - nutzen unser Nachmittagsangebot bis mindestens 15.30 Uhr.

Eine Streichung der Übernahme der Beförderungskosten für diese Schülerinnen und Schüler würde dazu führen, dass Sie den Kindern zumuten, morgens um ca. 7.00 Uhr und abends um ca. 17.00 Uhr diesen Weg bei Dunkelheit und ohne jede soziale Kontrolle mehrmals wöchentlich mit Schulranzen, Sporttasche und Gitarrenkoffer bepackt zu gehen.

Das halten wir für unverantwortlich!

Die Kosten für die Clever-Card der Preisstufe 1 liegen derzeit bei 282,40 Euro pro Jahr. Für eine Familie mit mehreren Kindern und nur einem Verdienst kann das ein unbezahlbarer Betrag sein.

Sollte aber nicht dem Schulträger die Sicherheit jedes ihm anvertrauten Kindes 282,40 Euro wert sein?

Wie wollen Sie den betroffenen Familien in Melbach die unvermeidliche Teilung des Dorfes erklären? Ein Teil der Kinder darf weiterhin mit dem Bus fahren, ein anderer Teil aber muss den unsicheren Schulweg täglich zu Fuß gehen.

Das Hessische Schulgesetz legt engste Maßstäbe an die Aufsichtspflicht bei Klassenfahrten und schulischen Veranstaltungen. So wurde in der letzten Gesamtkonferenz aus aktuellem Anlass unserem Kollegium nahegelegt, in Zukunft auf Klassenfahrten mit sportlichen Akzenten (Eisstadion, Schwimmbad, Kanufahrten) zu verzichten. Was aber ist gefährlicher? Ein Besuch im Eisstadion, bei dem sich 2 Lehrer die Aufsicht über etwa 30 Schülerinnen und Schüler teilen oder ein täglich fast 6 km langer Schulweg, der über weite Strecken durch unbeleuchtetes, ungeschütztes und unbewohntes Terrain führt?

Wir als Schulelternbeirat und verantwortungsbewusstes Mitglied der Schulgemeinde der Singbergschule Wölfersheim sehen es daher als unser Pflicht an, einer Neubewertung der Schülerbeförderungskosten auf Kosten der Sicherheit unserer Schülerinnen und Schüler aus Melbach zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Der Schulelternbeirat
der Singbergschule Wölfersheim
Anja Brieske
Vorsitzende

28.03.2013

Datenschutz und Privatsphäre: eine Hilfe

Vor einiger Zeit habe ich ja schon mal über die Zukunft mit der Technik geschrieben und erwähnt, dass ich nebenher ehrenamtlich Vorträge über Datenschutz und Privatsphäre halte. Darüber wollte ich schon einige Zeit etwas ausführlicher schreiben, jetzt hab ich mir endlich mal die Zeit dazu genommen ;)

Dieser Vortrag mit dem Titel "manage your identity" wurde im Jahr 2011 von einem Kollegen bei IBM anlässlich des 100. Geburtstags der Firma entworfen und freiwillige Mitarbeiter können diesen Vortrag seitdem kostenlos an z.B. Schulen oder vor anderen interessierten Gruppen halten. Darunter fallen natürlich auch Schulelternbeiräte, Schulkonferenzen oder Vereine, die ein Thema für einen Gastvortrag suchen.

Wer also nach dem Lesen des Blogartikels Interesse daran hat, dass ich mit diesem Vortrag zu Besuch komme, der kann sich gern per Email oder in den Kommentaren an mich wenden, damit wir einen Termin vereinbaren können. Das ist nicht mit Werbung für IBM verbunden, keine Angst ;). Ich würde das gern örtlich begrenzen, ich halte also keine Vorträge, für die ich eine stundenlange Anreise hätte.

IBM behauptet mit Recht, dass große Firmen, insbesondere aus dem Technologiesektor, eine besondere gesellschaftliche Verantwortung haben, um die Menschen mitzunehmen und sie nicht am Wegesrand stehen lassen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: ich kann meine ehrenamtlich geleistete Zeit in eine besondere Zeiterfassung bei IBM eingeben und dann als Belohnung einmal im Jahr eine Spende für diese Institution beantragen. Auf diese Weise hat die Jim-Knopf-Schule schon zweimal eine Spende von IBM bekommen, einmal für das Frühstücksprojekt und einmal für die Lese-AG, in denen ich mitarbeite.

Dieser Blogartikel soll keine Werbeveranstaltung für IBM werden, aber ich wollte es wenigstens mal in einem Absatz erwähnen. Das Buch zum Geburtstag ist übrigens sehr interessant und flüssig geschrieben und lohnenswert zu lesen.

Wir stehen meiner Meinung nach vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich wie schon erwähnt in einer Technologiefirma arbeite, kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert.

Deshalb ist es mir wichtig, das weiterzugeben, was ich selbst lerne und erlebe. Viele Menschen verwenden Technik so gut sie können, die Betonung dabei ist: so gut sie es eben können. Das muss nicht unbedingt die optimale Weise sein, aber wenn es ausreicht, ist das ja auch in Ordnung. Man muss ja nicht das Gerät komplett ausreizen. Allerdings habe ich auch schon oft (am PC und am Smartphone) erlebt, dass jemand etwas besonders umständlich macht oder sich eine Arbeitsmethode ausgedacht hat, die unsicher ist, d.h. eine Methode, die gefährlich ist, weil dabei Daten kaputt oder verloren gehen können oder es eben Bösewichten leicht gemacht wird, Schaden anzurichten.

Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag. Meine Frau z.B. will im Mai nach Hamburg auf den diesjährigen Kirchentag fahren. Dafür wurde eine eigene App angekündigt, damit man seine Veranstaltungen besser organisieren und leichter finden kann. Darauf ist sie jetzt schon ganz gespannt mit ihrem runderneuerten Motorola Milestone2 ;)

Diese Smartphones bieten natürlich nicht nur grandiose Möglichkeiten, sondern auch grandiose Gefahren. Gerade letztens habe ich von einer Schätzung gelesen, dass die Computerschädlinge (Viren, Trojaner, Datendiebe usw.) auf Smartphones jetzt erst richtig loslegen. Android hat einen Marktanteil von über 70% und hat Apple verdrängt. Damit ist zu erwarten -- genau wie bei Windows -- dass Android aufgrund der Verbreitung dieses Betriebssystem zu einem interessanten Angriffsziel wird. Das ganze übrigens nicht nur von Bösewichten, sondern auch staatlicherdings.

Eigentlich wollte ich ja ein bißchen mehr über diesen Vortrag "manage your identity" erzählen. Also mach ich das jetzt auch mal langsam ;)

Diesen Vortrag halte ich kostenlos nach Vereinbarung, eigentliche Zielgruppe sind Schulklassen oder Elternbeiräte, aber ist natürlich nicht darauf beschränkt. Es gibt zwei Varianten davon, für Sekundarstufe I (5.-10. Klasse) und für Sekundarstufe II (11.-13. Klasse). Der Vortrag ist sinnvoll ab der 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co. Andererseits erlebe ich, dass sich unsere Kinder schon deutlich früher dafür interessieren und auch immer früher ein Smartphone mit Internet-Flatrate bekommen. SchülerVZ erlaubt den Beitritt ab dem 11. Geburtstag, das kommt zeitlich etwa mit der sechsten Klasse. Ich habe den Vortrag auch schon erfolgreich in sechsten Klassen gehalten und dabei die Akzente etwas anders gesetzt. Das lief auch ziemlich erfolgreich, Kinder und Lehrer waren zufrieden ;)

In dem Vortrag geht es schwerpunktmäßig erstmal darum, dem Publikum zu erklären, was alles persönliche Daten sind und wer sie bekommen darf (oder muss oder eben nicht). Einige Tatsachen sind den meisten durchaus schon klar, andere hingegen kommen ziemlich überraschend.

Danach geht es im Vortrag weiter, warum jemand unsere Daten haben will (staatliche Stellen, Firmen, usw.), ob die das dürfen, wo die Grenzen sind, und was auf keinen Fall erlaubt ist. Der Vortrag ist unterlegt mit einigen kurzen satirischen Videos, in denen gezeigt wird, wie großzügig manche Leute mit ihren Daten umgehen, weil ihnen gar nicht bewusst ist, wie sensibel das ist, was sie da gerade herauszugeben gebeten werden, oder wie es wäre, wenn man sich im "echten Leben" genauso benehmen würde wie in einem sozialen Netzwerk im Internet.

Meistens sind die Zuhörer (insbesondere die Lehrer) ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann ("big data"). Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.

Auch die Anonymität und Pseudonymität im Internet ist ein Thema ("in the internet nobody knows you're a dog"): niemand kann sich absolut sicher sein, ob sein Gesprächspartner oder "Freund" bei Facebook der ist, für den er sich ausgibt oder ob sich z.B. in eine Chatgruppe von (Mädchen-) Fans einer Boygroup bei WhatsApp nicht ein Erwachsener eingeschlichen hat, der sich dort an die Jugendlichen heranmachen will.

Im Zuge der immer weiter verschärften Gesetzgebung zum Thema Urheberrecht und der Gefahr von Abmahnungen in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro muss natürlich auch das Kopieren und Weitergeben von Bildern, Musik, Filmen, ebooks etc. angesprochen werden, d.h. Tauschbörsen und Techniken wie eMule, BitTorrent usw.

Am Rand geht der Vortrag auch auf Cybermobbing ein, also das bewusste, dauerhafte Beleidigen und Herabsetzen von Mitmenschen (Mitschülern ...) im Internet (z.B. bei Facebook, in Chats usw.). Allerdings bin ich für dieses Thema kein Experte, das reiße ich an und empfehle danach, das Thema z.B. mit einem Schulsozialarbeiter weiter zu vertiefen.

In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.

22.03.2013

Leserbrief zur G8/G9-Podiumsdiskussion in Bad Vilbel


Leider kann ich den Bericht über die Podiumsdiskussion nicht zitieren und nicht verlinken (aus Prinzip wegen #LSR), aber es ging im Kern darum, dass ein Vertreter der Landesregierung auf dem Podium komische Sachen behauptet hat, die so nicht stimmen.

Im Bericht über die Podiumsdiskussion sind mir zwei Punkte sauer aufgestossen:
Zum Einen behauptet Hr. Hahn, dass seine Regierung den Schulen eine Wahlmöglichkeit lassen will, ob G8 oder G9 besser zum Schulkonzept passt. Das hört sich toll an, aber ehrlicherweise sollte er auch dazusagen, dass dieselbe Regierung vor zehn Jahren überhaupt erst dieses unselige Experiment gestartet hat und damals eben keine Wahlmöglichkeit bestand: im Gegenteil war G8 obligatorisch für alle Gymnasien. Das finde ich - wohlwollend genannt - unvollständig.
Zum Zweiten spricht Hr. Hahn von 56 Schulen, die bei G8 bleiben. Auch das ist nicht korrekt, sondern höchstgradig unvollständig. Er hätte sagen müssen: derzeit sind noch 56 Schulen bei G8. Allerdings weiß ich von vielen Schulen, dass der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.
Zum Zweck der Diskussion hätte es besser gepasst, die Anzahl der Gymnasien zu nennen, die sich ausdrücklich für G8 ausgesprochen haben. Das hätte sicherlich einigen im Publikum die Augen geöffnet.
Die Schulen in Butzbach und Gießen haben letztes Jahr sofort nach der Gesetzesänderung den Umstieg in Angriff genommen und lehren tatsächlich schon in diesem Jahr wieder nach G9. Respekt!
Andere Schulen im Wetteraukreis diskutieren noch, allerdings zeichnet sich hier auch bei einigen davon ab, dass sie auch zu G9 wechseln werden.
Aus meiner Sicht ist G8 gescheitert. Vielleicht war die Idee an sich gar nicht mal schlecht, aber ausgerechnet in der Mittelstufe zu kürzen (7.-9. statt 7.-10. Klasse), war die schlechteste Idee überhaupt.
Abgesehen davon ist G8 auf demselben wirtschaftspolitisch einseitigen Gedankengang entstanden, dem wir ebenfalls die tollen Bachelor- und Masterstudiengänge an den Universitäten zu verdanken haben: Hauptsache, es wird schnell viel Wissen in die Schüler gepumpt. Die Entwicklung von kritischen Denkern oder das Beschäftigen mit "Randthemen" ist unerwünscht, und das erreicht man leicht damit, dass die "Pflichtthemen" soviel Zeit kosten, dass sonst für nichts mehr Zeit übrig ist.
Mich wundert, dass die anderen Podiumsteilnehmer Herrn Hahns doch sehr einseitigen Darstellung nicht widersprochen haben.
Aber das passt alles zur generell eher technik- und innovationsfeindlichen Unternehmenslandschaft in Deutschland, angeführt von einer Mutti Merkel, die noch besser aussitzen und nicht entscheiden kann als Kohl vor ihr. Bei den ganzen schrecklichen juristischen Diskussionen derzeit (Urheberrecht, Leistungsschutzrecht, Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, erneuerbare Energien, um nur einige zu nennen) wundert es mich nicht, dass es kein deutsches Google, ebay, Amazon oder Apple gibt. Oh, gab es? Ja, Nachmacher gab es, und die haben sich dann ganz schnell von ihren amerikanischen Pendants aufkaufen lassen (Ricardo) oder haben aufgegeben wegen unklarer Rechtslage (Abspeichern von Vorschaubildern etc.).

17.12.2012

Die digitale Kluft auf dem Dorf

In letzter Zeit mache ich mir immer öfter Gedanken über die digitale und reale Zukunft, insbesondere unserer eigenen Kinder natürlich, aber ebenso auch etwas abstrakter um die Zukunft meiner Mitmenschen, Kinder und Erwachsener. In den folgenden Absätzen mal eine Sammlung von interessanten Stellen, die mir letztens über den Weg gelaufen sind, und ein paar Gedanken, wie schnell das dann auch wirklich bei den Menschen ankommt.

Wir stehen vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich in einer Technologiefirma arbeite (mit dem blaugestreiften Logo ...), kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert. IBM z.B. behauptet in einer kühnen Voraussage, dass in fünf Jahren Computer die 5 Sinne des Menschen nachbilden können, als "Versteher", d.h. Konsument von Reizen, und damit nicht nur z.B. Pixel auf einem Bild wahrnehmen, sondern den Inhalt des Bildes erkennen und damit dem Bild einen Sinngehalt zuordnen können.

Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag.

Auf die Vernetzung von Geräten will ich gar schon mal gar nicht eingehen, zum Einen gibt es die "Car-2-Car"-Kommunikation. die gerade mit WLAN rund um Frankfurt erprobt wird, und der Opel Adam baut da bei der Unterhaltung und Bedienung auf ein ganz neues Konzept. Und auch der Unterhaltungswert ist mit tragbaren Geräten ganz anders, die GPS, Lagesensoren wie Gyroskop, Beschleunigungssensor, manche sogar ein Barometer enthalten. Google macht es mit dem Spiel Ingress vor (derzeit beta nur mit Einladung), was alles mit "augmented reality" möglich ist, also der Überlagerung von realen Informationen mit computergenerierten.

"Google Now" ist auch eine ganz hübsche Idee, bei der persönliche Lebensdaten in ihrer Gesamtheit ausgewertet werden, um daraus zu schlussfolgern, was als nächstes ansteht, und dann zielgerichtet Vorschläge dazu zu machen (z.B. im Terminkalender feststellen, dass eine Besprechung in Frankfurt stattfindet, die Verkehrsnachrichten auswerten und dann selbständig vorschlagen, wann auf welcher Route loszufahren ist).

Was ich mir aber außerdem durchaus vorstellen kann, ist, dass dabei ganz viele Menschen abgehängt werden und sich auf diese Weise eine Kluft bildet, die kaum aufzuholen ist, und die noch viel schlimmer werden wird als die Industrialisierung im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei denke ich nicht nur daran, dass die Smartphones Geld für Anschaffung und Betrieb kosten, sondern auch, dass für die sinnvolle Nutzung von Smartphones ein gewisses Interesse und - derzeit noch - Neugierde bei der Erforschung und leider auch ein dickes Fell bei der Duldung von Problemen und Fehlern bedeutet. Der Normalfall ist, dass die "üblichen" Dinge einwandfrei funktionieren, dass aber eben manchmal der Teufel im Detail steckt und eben nur mit Ausprobieren oder Ändern von Einstellungen zum Funktionieren gebracht werden können. Da geben viele bestimmt entnervt auf, bevor sie zuviel Zeit hineinstecken ... Ich könnte auch mal wieder meckern, wie langsam Smartphone-Hersteller Android-Updates liefern, aber das hab ich schon ein paarmal gemacht und spar's mir hier ;-)

Nebenbei könnte ich mir auch noch im Sinne von 1984 vorstellen, dass die Lieferanten von Inhalten und Apps damit eine Filterfunktion entfalten können und damit Möglichkeiten zur Meinungssteuerung haben ... Das klingt ganz schön gruselig. Wenn man nicht über ein Ereignis berichtet, und man nicht zufällig direkt daneben wohnt, findet es in der Wahrnehmung der Menschen nicht statt.

In den Vorträgen über Privatsphäre und Datenschutz ("manage your identity" - halte ich kostenlos nach Vereinbarung für Schulklassen oder Elternbeiräte; sinnvoll ca. ab 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co.) sind die Zuhörer meistens ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann. Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.

Zurück zum Thema "Filterfunktion": da haben sich die deutschen Verlage z.B. im Moment nicht gerade mit Ruhm bekleckert, weil in der Totholzindustrie (=Presseverlage) die Diskussion um das Leistungsschutzrecht zu 99% totgeschwiegen wird, und auch die Gegenseite quasi gar nicht zu Wort kommt (ich erinnere an meinen abgelehnten Leserbrief für die WZ ...). Eine Diskussion, die nur "im Internet" geführt wird, wird von geschätzt 80% der Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommen.

Ich und meine Frau sind in diversen Institutionen ehrenamtlich (ein wenig ...) tätig, z.B. im Elternbeirat (Kindergarten, dann Grundschule, Gymnasium), Förderverein der jeweiligen Schulen, Kirchenvorstand, und in Vereinen.

Bei den Sitzungen oder sonstigen Besprechungen fällt mir in letzter Zeit ganz massiv auf, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt, zumindest, was die Nutzung und überhaupt den Nutzungswillen von Technik angeht. Die folgende Liste betrifft nicht nur Smartphones, sondern ganz allgemein alles, was mit Strom betrieben wird ;)

  • Aufgeschlossene Neugierige, die Wert auf Ausgereiftheit legen (jo, das bin ich ;) ... mittlerweile, mein Fell ist nicht mehr so dick, was die Toleranz von Fehlern im Produkt angeht)
  • Zögerliche, die man mit ein wenig Überredung dazu bringen kann, etwas zu nutzen (dazu zählt meine Frau, die seit neuestem ein Motorola Milestone 2 hat, nachdem ihr das abgelegte Motorola Flipout von Kind 1 zu klein war - jetzt muss sie sich "nur noch" an den Google-Kalender und Einladungen gewöhnen und das Dings immer dabei haben)
  • Widerstrebende, die Technik nutzen, wenn man sie ihnen erklärt und vorbereitet. Dann nutzen sie sie auch gern, weil es einen Mehrwert bietet (meine Schwiegermutter lässt mich Anleitungen lesen und erwartet dann, dass mit einem Knopf alles funktioniert - schwierig, wenn man für Fernseher und Sat-Receiver zwei Fernbedienungen hat ;) )
  • Ignorierer, die von der Existenz einer Technik wissen, aber sie nicht nutzen *wollen* und das auch unmißverständlich alle spüren lassen.
  • Widerstrebende, die eine Technik nutzen, weil es von ihnen "irgendwie" erwartet wird; aber eigentlich wollen sie nicht, trauen sich aber nicht, dies so vehement zu vertreten wie die "Ignorierer". Der Widerstand besteht darin, die Technik (z.B. Email) so selten zu nutzen, dass das Gegenüber es nach einem oder zwei Fehlschlägen aufgibt, z.B. weil eine Einladung per Email nicht wahrgenommen wurde.

Diese Klassifizierung ist sicherlich nicht erschöpfend, aber nahezu meine komplette eigene Umgebung kann ich da schon ziemlich vollständig einsortieren ;)

In einer Elternbeiratssitzung der 6. Klasse von Kind 1 hatte ich mal vorgeschlagen, ein Wiki mit einer geschlossenen Benutzergruppe einzurichten, um dort Informationen abzulegen, die für die ganze Klasse relevant sind. In einer Klasse von 30 Kindern waren gerade mal 3 Eltern, die überhaupt verstanden, von was ich eigentlich gesprochen hatte. Wikipedia kannten zwar fast alle, aber die Tatsache, dass man a) so etwas selbst einrichten und b) selbst darin schreiben kann, kam für *alle* total überraschend.

Im Elternbeirat der Grundschule haben wir es nichtmal geschafft, unsere Mitteilungen als Email zu schicken ("ich guck nur alle 3 Wochen in meine Email ..."). Also weiterhin ausdrucken und in die Ranzenpost ...

Immerhin: Email funktioniert im Gymnasium, aber das war's auch schon. Termine über Doodle? Blog? Google-Kalender? Ach nö, danke.

Ganz bemerkenswert und total klasse finde ich, dass die Gemeinde Wölfersheim die Müllabfuhr-Termine als öffentlichen Google-Kalender anbietet. Das ist simpel und genial bequem. Ich liebe es.

Zu diesem Dilemma der Aufspaltung in "Umarmer" und "Ablehner" trägt natürlich auch bei, dass sich die Telekom-Konzerne nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was die Internet-Versorgung auf dem platten Land betrifft. Mit ein klein wenig Verschwörungstheorie könnte ich mir sogar erklären, warum bei meinem DSL der variable RAM-Modus abgeschaltet wurde und ich plötzlich wieder mit 384 statt 1700 KBit/s surfen musste.

Seit Oktober haben wir stattdessen LTE mit 7200 KBit/s, aber dafür mit einer mobilfunktypischen Beschränkung auf 10 GB Volumen pro Monat (Korrektur: seit Dezember gibt es S/M/L-Tarife mit 10/15/30 GB pro Monat und für 9,95 Euro sogar zusätzliche 30 GB auf Zuruf), und danach mit Drosselung auf die vorherige DSL-384-Geschwindigkeit. Das führt dazu, dass man immer mit dem Hintergedanken surft, wann die Drosselung zuschlägt ;(. Dienste wie Internet-Radio und Streaming sind so natürlich illusorisch.

In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.

10.09.2012

Unser Leserbrief zu "Beförderung nur zur nächstgelegenen Schule" (Bericht über die VGO in der WZ vom 05.09.12)

Am 05.09. war in der WZ ein Bericht zu einer Pressemitteilung der VGO zu lesen. Diese Pressemitteilung bezog sich darauf, dass es Elternbeschwerden über zu geringe Buskapazitäten bei der Schülerbeförderung gibt (z.B. in früheren Artikeln hier und hier und in Leserbriefen an die WZ), und dass sogar Schüler an der Bushaltestelle zurück gelassen werden.
Besonders absurd ist die Situation, dass Kinder in Nieder-Wöllstadt aus dem Bus aussteigen sollen, mit der S-Bahn nach Bad Nauheim fahren und dort in exakt diesen Bus wieder einsteigen müssen, damit z.B. die Kinder aus Ober-Wöllstadt Platz im Bus finden (die S-Bahn fährt Ober-Wöllstadt bekanntermaßen nicht an).

Zu dieser Stellungnahme der VGO habe ich (mit meiner Frau zusammen) mal wieder einen Leserbrief verfasst. Da die WZ ein Limit von 600 Worten bei Leserbriefen setzt, gibt es hier die Langfassung. Bei der Kurzfassung entfallen die Absätze über spezifische Wölfersheimer Probleme. Dieser Brief wurde auch in Kopie an die Wölfersheimer Schulleitungen und persönlich an Hr. Klein und Hr. Landrat Arnold geschickt.

Leserbrief zum Thema "Beförderung nur zur nächstgelegenen Schule"

Lieber Herr Klein von der VGO, mit Ihrer Äußerung "Wenn sich die VGO an die Entscheidungen des Kreises hält, kann die Politik nicht verlangen, dass wir zusätzliche Busse oder gar Linien einrichten, um Kinder zu einer nicht zuständigen Schule zu befördern, ohne dass der Kreis die Kosten hierfür übernimmt", verschicken Sie eine Pressemitteilung, die gänzlich am Thema vorbeigeht.

Die Beschwerden der Eltern, die bislang in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, beziehen sich darauf, dass die Schulbuslinien nicht genügend Kapazität aufweisen und deshalb Schüler an der Haltestelle zurückbleiben müssen oder im Bus ein fürchterliches Gedränge entsteht.

Wenn Sie nun die Frage ins Spiel bringen, ob Schüler an die nächstgelegene oder eine andere Schule fahren, sollten Sie die Leser anstandshalber auch informieren, dass die Jahresfahrkarten für diese Schüler von den Eltern bezahlt werden und nur der Anteil der Kosten zur nächstgelegenen Schule hinterher wieder erstattet wird. Diese Fahrkarten bestellen die Eltern übrigens jeweils vor den Sommerferien direkt bei der VGO, also bei Ihnen! Die Namen und Wohnorte der "regulären" Schüler erhält die VGO jeweils weit vor den Sommerferien von den Schulen. Dann erstellt die VGO die personalisierten Schülerjahresfahrkarten (sog. Clever-Cards), die dann noch vor den Ferien über die Schulen an die Schüler verteilt werden. Es sollte mit Hilfe moderner EDV kein großes Problem sein, hieraus den tatsächlichen Kapazitätsbedarf für das kommende Schuljahr zu ermitteln und entsprechende Kontingente bei den Busunternehmen zu bestellen. Seit Jahrzehnten schaffen es Speditionen, "just in time" zu liefern. Dabei lässt kein Transporteur ein paar Kisten am Straßenrand oder im Lager zurück, sondern er fährt bedarfsgerecht. Warum bleibt dann das "Transportgut" Kind auf der Strecke? Vielleicht sollte bei der VGO auch mal ein gelernter Speditionskaufmann die Buslinien auf Basis der vorhandenen Daten optimieren? Dem würde vermutlich rasch langweilig werden, da er ja mind. 8 Wochen Zeit für die Planung hat und dieser Plan dann sogar noch ein ganzes Schuljahr lang Bestand haben kann. Oder will die VGO vielleicht gar nicht bedarfsgerecht arbeiten? 

Statt nun wieder den Schwarzen Peter in Form von Pressemitteilungen hin- und her zu schieben und Zeit zu schinden, schlage ich vor, dass alle Beteiligten (Schulen, VGO, Kreis, ggfs. SEB) sich im Interesse der steuerzahlenden Eltern an einen Tisch setzen und sich daran machen, das grundsätzliche Problem zu lösen.

Diese Gespräche gibt es zwar auch schon jetzt, es wäre aber hilfreich, wenn die Probleme dort endlich mal ernst genommen würden. Es ist jedenfalls vollkommen sinnlos, jetzt wochenlang über Pressemitteilungen zu kommunizieren und die Schüler (mit beginnendem Herbst) buchstäblich im Regen stehen zu lassen. Das Schuljahr läuft bereits seit vier Wochen!

Die o.g. Verschleppungstaktik hat sich allerdings seit vielen Jahren bewährt. Bei uns gab es vor 9 Jahren ein Problem mit dem Bus zur Grundschule. Die Eltern beschwerten sich, sie zählten Kinder, sie schrieben Briefe, es gab Pressetermine ... Geschehen ist nichts! Durch die natürlichen Schwankungen der Geburtenrate hat sich das Problem dann bei uns binnen 2 Jahren erledigt. Allerdings nur, um an anderer Stelle im Kreis wieder aufzutauchen. Es ist also keineswegs so, dass kreisweit Hunderte von Bussen zusätzlich fahren müssten! Es wird eher darauf hinauslaufen, dass dieses Jahr z.B. in Wölfersheim und nächstes Jahr vielleicht in Friedberg und übernächstes Jahr vielleicht in Karben zusätzliche oder größere Busse benötigt werden.

Da die Anzahl der Fahrkinder bekannt ist, erwarten wir ausreichende Kapazitäten zu den Zeiten, an denen Schüler befördert werden müssen. Die VGO kennt diese Anzahl. Sie wird seit langem vor Schuljahresbeginn von den Schulen an die VGO gemeldet. Es sollte ein leichtes sein, von den Schulen außerdem zu erfahren, wieviele Kinder zur 4., 5., 6. usw. Stunde die Schule verlassen, und entsprechend dieser Meldungen kleine, große, Gelenk- oder sogar zwei Busse einzusetzen. Wenn (ein fiktives Beispiel) zur 6. Stunde der Singbergschule 100 Kinder einen Bus in eine bestimmte Richtung benötigen, ist es sinnlos, diese Linie mit einem 40-sitzigen Bus zu befahren.

Herr Klein (und alle anderen beteiligten Institutionen), bitte unterlassen Sie themenfremde Nebelkerzen wie die "nächstgelegene Schule" und weitere Pressemitteilungen, außer, sie kündigen darin eine Lösung an. Wir Eltern erwarten Lösungen und kein Aussitzen des Problems wie in den vergangenen Jahren.

[ab hier Langfassung]

In Wölfersheim kocht es übrigens auch seit 2 Jahren gewaltig. Hierzu eine fiktive Rechenaufgabe: 100 Kinder mit Fahrtrichtung Berstadt-Wohnbach haben nach der 6. Stunde der Singbergschule aus. Die VGO hat einen 40-sitzigen Bus mit zusätzlichen 25 Stehplätzen beim Busunternehmen bestellt. Wieviele Kinder bleiben dann am Singberg stehen? Oder wie gut kann ich die Kinder quetschen, damit noch ein paar mehr hineinpassen? Wussten Sie eigentlich, dass die Kapazitätsangaben der Stehplätze gar nicht nach dem vorhandenen Platzangebot, sondern aus der zulässigen Achslast und dem Durchnittsgewicht Erwachsener errechnet werden? Dies ist genau dasselbe wie bei den Angaben in Fahrstühlen. Lesen Sie mal, wieviele Leute da so theoretisch reinpassen würden und probieren Sie es mal mit Ihren Kollegen aus! Der ehemalige Landrat Herr Gnadl hat dies vor wenigen Jahren eindrucksvoll bei einer Tagung des Hessischen Landeselternbeirates in Karben vorgeführt, und die Herren hatten nicht einmal Schulranzen dabei. 

Bei der Gelegenheit könnten Sie sich bitte auch mal endlich des Problems annehmen, dass vor den Ferien nach dem Hessischen Schulgesetz Unterricht von der 1. bis zur 3. Stunde zu erfolgen hat, es aber überhaupt keine Busse und Bahnen gibt, die nach der 3. Stunde fahren. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Regionalgespräche (Schulen, Verkerhsbetriebe, VGO und ZOV) wurde dieses Thema mehrfach angesprochen und immer wieder abgewiegelt. Das Ganze ist an unserer Jim-Knopf-Grundschule in Södel besonders absurd, da die hier fahrenden Busse *ausschließlich* die Kinder befördern. Die Schulleitung hat nun schon extra den Unterricht von Stunde 2 bis Stunde 4 gelegt, damit es überhaupt möglich ist, nach Hause zu kommen. So fährt dann also ein leerer Bus vor der ersten Stunde, ein supervoller vor der 2. Stunde, ein supervoller nach der 4. Stunde und zwei leere Busse nach der 5. und 6. Stunde. Es sei nicht möglich, diese leeren Busse ausfallen zu lassen, und statt dessen einen Bus mehr zur 2. und zur 4. Stunde zu schicken. Man könne Linienbusse nicht ausfallen lassen, im Fahrplan steht aber schon "S= an Schultagen", also bitte!  Meine Kinder fahren seit 7 Jahren zu dieser Grundschule, es ist noch nie ein anderer Fahrgast mit dem Bus gefahren. De facto handelt es sich also um einen "Schulbus". Verzeihung, das ist das böse Wort, denn wenn es ein Schulbus wäre, würde ja auch Anschnallpflicht im Bus herrschen, und das geht ja gar nicht! Soviel habe ich schon verstanden, die Beförderung soll, bitte sehr, so billig wie möglich sein -- Sicherheit zählt da wenig. Übrigens ist ein überfüllter Bus nicht nur eine Frage des Komforts. Wenn kleinere Schüler mit Ranzen im Gang stehen müssen und es dort nicht mal überall Haltegriffe an den Sitzen gibt, ist das in allererster Linie eine Frage mangelnder Sicherheit, und die Bemerkung, es gehe um "Komfort", ist mehr als zynisch. Dafür sollten Sie, Herr Klein, sich bei den Betroffenen besser entschuldigen!