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12.10.2023

Glossen in der WZ reden die Ampelpolitik schlecht - Leserbrief

Die Glossisten Schäfer, Sattler und Deutschländer geben sich in den Beiträgen vom 25. und 26.09. große Mühe, die derzeitige Ampel-Politik auf allen Ebenen schlecht zu reden. Hr. Deutschländer ist sich nicht einmal zu schade dafür, Habeck die Schuld für das “Heizungsgesetz” zuzuschieben, und Sattler erhebt eine anekdotische Einzelerzählung zu einem “Clan”-Problem, dessen Name angeblich nicht mehr genannt werden dürfe.

Habeck die Schuld daran zu geben, was die FDP mit ihrer unermüdlich von Lobbys getriebenen Oppositionspolitik beim “Heizungsgesetz” (Gebäude-Energie-Gesetz) an Verschlechterungen durchgesetzt hat, grenzt schon sehr an Fake-News. Die Kampagnen hierzu entstammen im Wesentlichen der Springer-Presse (“Heiz-Hammer”) und deren Hauptinvestor KKR, dem gleichzeitig mehrere Tausend Mietwohnungen gehören.

Schauen wir doch mal genauer hin, z.B. auf die Sonntagsfragen, wenn Wahl wäre ... Die einzige stabile Partei mit minimalen Schwankungen sind die Grünen. Alle anderen Parteien verlieren im Rekordtempo an die AfD, dank der unterirdischen Versuche der CDU/CSU, sich an den rechten Rand der Wählerschaft anzubiedern. Insbesondere Merz, Söder und Aiwanger sind hier peinliche Schlusslichter, aber auch die hessische CDU steht nicht viel besser dar. Der Wahl-O-Mat bescheinigt der CDU hier für die bevorstehende Landtagswahl eine 70%-ige Übereinstimmung mit dem Programm der AfD, und das gibt niemandem zu denken - im Gegenteil werden z.B. bei Facebook Kommentare, die darauf hinweisen, mit “Du linksextremer Verfassungsfeind” beantwortet.

Die Ampel hat zur Halbzeit mehr als Zweidrittel der Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt, und Habeck und Baerbock sind Arbeitstiere. Die FDP-Minister fallen eher durch Schweigen, Blockaden und Untätigkeit auf, zuletzt z.B. bei dubiosen 98 Mio. Euro an Wasserstoff-Subventionen. Das Verkehrsministerium schiebt ein gigantisches Defizit bei der vereinbarten CO2-Einsparung vor sich her, deshalb wurde das entsprechende Gesetz durch eine “Lex Wissing” aufgeweicht und statt der Sektorenziele gibt es nun wieder ein einziges “großes” Einsparziel über alle Ressorts hinweg, was utopisch ist, weil die anderen Ressorts das Defizit im Verkehrsressort nicht aufwiegen können. Dabei wäre es so einfach: mehr als die Hälfte seiner jährlichen Bringschuld (11 Mio. t CO2) könnte Wissing durch ein Tempolimit erreichen (6 Mio. t CO2), und das wäre sogar kostenfrei ohne Belastung seines Etats möglich.

Mehrere Nobelpreistragende Ökonomen haben nach der Wahl vor Lindner als Finanzminister gewarnt, und wie man heute sieht, war die Warnung zu Recht erfolgt: in einer drohenden Rezession eine Austeritätspolitik mit Sparmaßnahmen und Zinserhöhungen zu betreiben, ist seit Jahrzehnten bekanntermaßen falsch. Das ging in Griechenland schief, und wie man es richtig macht, haben Portugal und Spanien gezeigt: dort hat der Staat mit einer vernünftigen Ausgaben- und Förderpolitik das Ruder herumreißen können, die Inflation dort liegt bewundernswert niedrig.

Die Ampel und hier insbesondere die Grünen räumten in den letzten zwei Jahren im Rekordtempo die Versäumnisse von fast 40 Jahren CDU-Regierungsbeteiligung auf. Habeck hat die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen beendet und treibt, begleitet von guten, verständlichen Erklärungen (wenn man zuhören will) die Energiewende voran.

Schauen wir mal konkret, was die Ampel und insbesondere das Wirtschaftsministerium geleistet hat:

  • Habeck sichert Gasversorgung ohne Russlandlieferungen
  • Gaspreis im Handel wieder unterhalb des Vorkriegsniveaus
  • 211 Mrd. Euro Fördergelder bis 2027 für den Klima- und Transformationsfonds
  • Geywitz und Habeck setzen EU-Recht fristgemäß um, um so EU-Vertragsstrafen zu verhindern
  • Hersteller von Öl- und Gasheizungen stellen - wie seit Jahrzehnten geplant - auf Wärmepumpen um
  • Windkraftgenehmigungsverfahren durch Habeck stark beschleunigt und hierdurch die Unabhängigkeit von Russland schneller gesichert als noch 2022 erhofft
  • PV-Ausbau neben Autobahnen und Bahnlinien läuft hoch
  • neue PV-Fabriken in Deutschland im Bau
  • Energiewende bringt Arbeitsplätze
  • PV-Ausbau von 5 GW 2021 auf über 7 GW 2022 gesteigert. Für das erste Halbjahr 2023 sind schon 5 GW Zubau erreicht und damit die 10 GW-Marke für das ganze Jahr in Sicht.

27.06.2023

Märchen über Wärmepumpen - Leserbrief

[veröffentlicht am 27.06.2023]

Hr. F. erzählt wieder Märchen über Wärmepumpen, die angeblich in Deutschland nicht funktionieren.

Das gesamte Ausland lacht über die deutschen Vorbehalte gegen Wärmepumpen.

Dänemark verbietet seit 2013 den Einbau neuer Gas- und Ölheizungen, Frankreich seit 2020. Insgesamt haben 17 europäische Staaten solche Verbote für neue fossile Heizungen.

Der Anteil von Wärmepumpen liegt in Skandinavien enorm hoch: in Finnland liegt der Anteil bei 70 Wärmepumpen pro 1000 Bürger - der höchste Wert in Europa. Es folgen Norwegen mit 62, Schweden mit 40 und Dänemark mit 30. In Deutschland liegt der Wert bei knapp 6. Sogar Italien (20) und Frankreich (15) liegen vor Deutschland.

Wärmepumpen haben anscheinend dasselbe ideologische Problem wie ein Tempolimit: es funktioniert nicht in Deutschland. Das könnte vielleicht mit der einseitigen Berichterstattung in Krawallblättern zusammen hängen, die z.B. die Begriffe “Heiz-Hammer” und “Heizungsverbot” erfanden, um das noch 2019 von Seehofer und Altmaier entworfene Gebäude-Energie-Gesetz schlecht zu reden.

Entgegen Hr. F.s Auffassung funktionieren Wärmepumpen auch bei tiefen Außentemperaturen. Ich kenne zumindest keine dramatischen Berichte über Todesfälle durch häusliche Erfrierungen in Dänemark oder Norwegen. Der Wirkungsgrad mag im Winter sinken, aber dem kann man durch eine Hybridanlage entgegenwirken, die automatisch bei Bedarf geschaltet wird. Abgesehen davon gibt es mehrere Typen von Wärmepumpen (Luft-Luft, Luft-Wasser, Sole-Wasser, Wasser-Wasser), und z.B. eine Erdwärmepumpe liefert problemlos auch bei Frost stabil Wärme ins Haus.

Eine Wärmepumpe ist anderen Arten von Heizung überlegen: man steckt z.B. 1 kWh Strom hinein und erhält je nach Leistungszahl 2 bis 5 kWh Wärme ins Haus geliefert (umgekehrtes Kühlschrankprinzip). Kombiniert mit einer PV-Anlage auf dem Dach und einem Stromspeicher ist das sehr preiswert. Bei einem Unterschied im Preis zwischen Öl und Strom (90 ct/Liter gegen 40 ct/kWh, wenn man nicht selbst mit PV Strom produziert) rechnet sich das schnell. Und das Öko-Gewissen gewinnt, denn ein Liter Heizöl verbrennt zu Feinstaub und ca. 2,5 kg CO2 pro Liter, und wenn man die Lieferkette des Öls mitberechnet, ist man schnell bei ca. 4 kg CO2 pro Liter Öl.

Wärmepumpen sind eine wirtschaftlich enorm lukrative Chance für die deutsche Industrie, und z.B. MAN hat das schon erkannt: die Firma baut eine Mega-Wärmepumpe mit 70 MW Leistung in Dänemark, mit der durch Fernwärme 100.000 Einwohner versorgt werden. Bosch hat eine Wärmepumpe entwickelt, die bis zu 70°C Vorlauftemperatur generieren kann - das häufigste Argument gegen Wärmepumpen ist ja, dass sie nur bei niedriger Vorlauftemperatur gut und sparsam funktionieren.

Fast 75% der in der EU verkauften Wärmepumpen wurden auch in der EU produziert, und die EU hat einen weltweiten Marktanteil von 37%.

Empfehlenswert zu schauen: der Wissenschaftler Andreas Schmitz, bekannt als “AkkuDoktor” bei Youtube und Twitter, hat diverse Videos und Artikel veröffentlicht und beschreibt darin praxisnah, wie gut Wärmepumpen auch in Altbauten funktionieren können, und das für unter 10.000 € Kosten.

Nebenbei: welches schräge moralische und demokratische Weltbild muss man haben, wenn man das Leben in China als “diszipliniert und gut geführt” bejubelt?