30.08.2019

Motorola Moto X (2014) auf Android 9 updaten

Nach längerer Zeit wollte ich mal wieder ein älteres Smartphone, das bei mir noch im Regal lag, mit einem aktuellen Custom ROM versehen. Das Moto X in der 2. Generation ist für mich immer noch ein tolles Gerät - es hat 32 GB Speicher, einen guten Bildschirm mit AMOLED und HD-Auflösung (1920x1080) und ist selbst für heutige Verhältnisse sehr schnell und somit für alle Alltagszwecke gut nutzbar. Die Kamera schießt gute Fotos mit 13 MP. Es wird angetrieben von einem Snapdragon 801 mit 2.5 GHz, hat einen Adreno 330 Grafikchip, 2 GB Arbeitsspeicher, den aktuellen WLAN-Standard 11ac, sowie alle LTE-Bänder für Deutschland (800, 1800, 2600 MHz).

Leider ist die Organisation hinter LineageOS recht rabiat geworden, was den offiziellen Status für bestimmte Smartphones angeht. So ist z.B. mein nach wie vor geliebtes Samsung Galaxy Nexus schon mit Android 6 entfernt worden, und auch beim Moto X sieht es nicht besser aus. Sobald ein Fehler beim Erstellen des Pakets oder bei der Benutzung gemeldet wird und der "Maintainer", d.h. der offizielle Betreuer dieses Modells, den Fehler nicht innerhalb kürzester Zeit behebt, wird das Gerät aus der Liste der offiziellen Modelle entfernt.

So auch geschehen beim LG G4, bei dem die Verschlüsselung nicht (mehr) richtig funktioniert, weil LG ein notwendiges Firmwareupdate für dieses alte Modell nicht mehr liefern will oder kann. Selbst wenn man willens wäre, das Gerät ohne Verschlüsselung zu benutzen (z.B. zuhause als Media Player), gibt es keine Chance, hier ein offizielles signiertes LineageOS-Paket zu bekommen. Oder beim Nexus 5, bei dem es ein Problem mit Telefonieren über Bluetooth gibt, das die Maintainer nicht in den Griff bekommen.

In diesem Fall muss man leider auf "unofficial builds" ausweichen und hoffen, dass das Vertrauen in den Ersteller des Pakets nicht missbraucht wird, und man sich vielleicht einen Trojaner einfängt.

Nun denn, ich war mutig, und eine kurze schnelle Google-Suche brachte zutage, dass es wirklich für das Moto X (Codename "victara") ein inoffizielles Paket des aktuellen Android 9 "Pie" gibt.

Update: Lineage hat einen offiziellen Betreuer gefunden und die aktuelle Version 9 "Pie", also LineageOS 16.0, ist für das Moto X2 "victara" wieder von der Website der Organisation verfügbar. Das verbessert die Situation natürlich beträchtlich.

Das Custom Recovery "TWRP" wird für dieses Modell ebenfalls noch gepflegt, man kann also nach dem Entsperren über die Motorola-Website problemlos mit Fastboot ein Custom Recovery aufspielen und danach ein Custom ROM. Wenn man sich mit Google ins Bett legen will, kann man natürlich auch die Open GApps noch mit installieren (die 9.0 ARM 32 Bit Variante "stock" herunterladen). Für das Rooten des Geräts bietet sich mittlerweile "Magisk" an, das sich auch vor kritischen Apps wie Pokemon GO oder Banking-Apps verbergen kann.

Wenn man die GApps haben will, muss man sie direkt nach dem Flashen des Custom ROMs installieren, bevor man zum ersten Mal neu mit LineageOS bootet. Tut man das nicht, fehlen den Google Apps einige Berechtigungen, was man daran erkennt, dass die "Play Services" sich permanent beenden und nicht richtig funktionieren. Falls das passiert ist, muss man im Recovery mit "Wipe" alle Nutzerdaten löschen, ROM und GApps hintereinander in einem Rutsch flashen und das Telefon nochmals neu aufsetzen.

Bei den GApps gibt es verschieden große Varianten mit mehr oder weniger Inhalt. Das Minimalpaket ist "pico" und enthält nur den Zugang zum Playstore. Jede "größere" Variante enthält mehr und mehr Google Apps, auch solche, die man vielleicht nicht haben will oder gar nicht benötigt. Es ist trotzdem sinnvoller, eines der "großen" Pakete wie "stock" zu verwenden und mit einer Konfigurationsdatei die Apps zu entfernen, die man nicht haben will. Wenn man die Apps über den Playstore einzeln installiert, belasten sie den Benutzerteil des Speichers; wenn man sie mit dem GApps-Paket installiert, landen sie in der Systempartition und man hat mehr Speicherplatz für Bilder und Musik frei.

Bevor man das ROM überspielt, sollte man aber tunlichst noch das letzte offizielle Paket der Motorola-Android-Version herunterladen, das sogenannte "factory image". Das Moto X ist bei Marshmallow, Android 6.0, stehen geblieben, und es gibt einige Seiten, auf denen man das "RETDE"-Paket ("retail german") herunterladen kann. Mit diesem Paket kann man das Smartphone wieder in den Originalzustand versetzen, falls man es doch noch weggeben will und der Käufer kein Custom ROM haben will. Das Moto X (2014), das ich verwende, ist das Modell XT1092 und das letzte aktuelle Paket trägt die Nummer "XT1092_VICTARA_RETDE_6.0_MPES24.49-18-7".

Das erste Starten des Custom ROMs dauert recht lang, weil viele Grundeinstellungen eingerichtet werden müssen. Man sieht also die Bootanimation von LineageOS ca. 5 min. lang, bevor der Einrichtungsassistent loslegt - keine Panik!

Bei mir war der Einrichtungsassistent recht zickig und hat sehr lang gebraucht, um zu erkennen, dass derzeit keine offiziellen Updates vorhanden sind (wie auch). Ich musste das Telefon mehrfach neu starten und es immer wieder probieren. Vielleicht war aber auch nur zu der Zeit mein Internet zu wackelig.

Danach gab es eine unangenehme Überraschung, nämlich, dass die SIM-Karte nicht mehr erkannt wurde. In den Android-Einstellungen war bei den Telefondaten die "IMEI" als "unbekannt" deklariert, d.h. das Telefon wusste nicht, welche Seriennummer es dem Mobilbetreiber nennen müsste, und konnte deshalb auch die SIM-Karte gar nicht benutzen.

Dieses Problem lässt sich aber bei Motorola-Smartphones leicht lösen: man benötigt aus dem Factory-Paket die Dateien für "modem" und "fsg" und mit einigen weiteren Fastboot-Befehlen kann man die IMEI wiederherstellen.
fastboot flash modem NON-HLOS.bin
fastboot erase modemst1
fastboot erase modemst2
fastboot flash fsg fsg.mbn
Diese Befehle sollte man nach dem Überspielen von Custom ROM, GApps und ggfs. Magisk (zum Rooten) im Bootloader (also Fastbootmodus) durchführen, bevor man neu ins Android startet, d.hj. man sollte im TWRP-Recovery nicht "reboot system" auswählen, sondern zuerst ins Hauptmenü wechseln und von dort "Reboot Bootloader" auswählen. Dann kann der Einrichtungsassistent auch die SIM-Karte erkennen und ggfs. über Mobilfunk die Einrichtung beginnen. Alternativ kann man die Befehle jederzeit auch später nachholen, es kann nichts kaputt gehen.