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14.01.2025

"Die Energiepreise sind zu hoch" - Leserbrief

[veröffentlicht am 14.01.2025, Änderungen der Red. sind markiert]

Der Glossist Sattler wünscht sich eine bessere wirtschaftliche Entwicklung und sieht - natürlich - die Schuld bei Scholz. Die Börsenentwicklung beim DAX passt ihm aber nicht in die Argumentation, deshalb wirft er gleich noch den MDAX und SDAX in seine Glosse mit dazu, denn die hätten sich ja schlecht entwickelt. Schaut man aber genauer hin, sind die Werte in beiden Börsenindizes nur minimal gefallen, und es gibt auch deutlich positive Meldungen: die Firma, die als Spitzenreiter für 2024 bei boerse.de genannt wird, legte z.B. im Aktienwert um fast 120 % zu, der Nachfolger hat immer noch 75 % gegenüber dem Vorjahr hinzugewonnen. Es ist also nicht alles so schlecht, wie es Sattler herbeireden will.

Ich frage mich bei jeder Glosse von Sattler erneut, woher er seine Informationen bezieht: er beweint die “hohen Energiepreise”, dabei ist der durchschnittliche Strompreis von 36 auf 25 ct pro Kilowattstunde gefallen, für Industriekunden sogar auf ca. 18 ct. Allein im Vergleich zum Vorjahr ist der Großhandelspreis um fast 20 % gefallen! Nebenbei ist das eine Nebelkerze: der Strombedarf der Industrie beträgt im Schnitt nur ungefähr 3 % der Betriebskosten. Wir sollten unbedingt beim Ausbau der Erneuerbare Energien noch besser werden, denn das stärkt die Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten. Der Klimaschutz ist dabei natürlich ein wünschenswerter Nebeneffekt. Deutschland importiert fast 95 % des Öl- und Gasbedarfs, und leider umfasst das auch extrem umweltschädlich gewonnenes Frackinggas und Öl aus dubiosen Quellen, wenn russische Öltanker auf hoher See unbeobachtet ihre Ladung auf Schiffe mit neutraler Beflaggung umpumpen.

Weiter beklagt sich Sattler über Defizite bei der Bildung und die hohen Sozialkosten. Vielleicht sollte man ihm erklären, dass das Bürgergeld eine verfassungsrechtlich notwendige Ausgabe ist? Die Regierungskoalitionen vor der Ampel haben Deutschland 16 Jahre lang kaputt gespart, und dieselben Politiker sollen jetzt nach Sattlers Meinung wiedergewählt werden? Nein danke! Die CDU legt ein Wahlprogramm mit 100 Mrd. Euro Steuersenkungen vor. Wirtschaftsexperten haben vorgerechnet, dass dazu ein illusorisches Wachstum von mehr als 9 % nötig wäre. Die meisten Senkungen kommen den reichsten 10 % (50 Mrd.) zugute. Die FDP gibt sich schon gar keine Mühe mehr, realistisch zu sein: sie plant 188 Mrd. Euro Steuererleichterungen insbesondere für Superreiche. Eine Gegenfinanzierung wird nicht ernsthaft diskutiert. Man könnte ja z.B. die Erbschaftssteuer, die Vermögenssteuer, die Kapitalertragssteuer, Dienstwagenprivileg und viele weitere Vergünstigungen angehen. In Deutschland wird Arbeit fast doppelt so hoch besteuert wie Vermögen (im Schnitt 45 % zu 26 %). Auch die Abschaffung von Tricks wie dem steuerfreien Verschenken von Milliardenbeträgen (Springer, BMW) wären eine realistische Aussicht auf eine gesunde Finanzierung für Bildung und die anstehenden Probleme. Oder man könnte ernsthaft über eine 2 %-Abgabe für Superreiche diskutieren, wie sie auf dem letzten G20-Gipfel nahezu einhellig begrüßt wurde (außer von Deutschland und den USA).

Zum Schluss positive Nachrichten: aus der Versteigerung von Genehmigungen für Windkraftstandorte hat der Staat dieses Jahr über 13 Mrd. Euro eingenommen, und der Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeichern ist deutlich über dem prognostizierten Ziel angekommen - all dies trägt zu einer stabilen und umweltfreundlichen Energieversorgung bei. Die immer so panisch herbeigeredete “Dunkelflaute” beim Wetter findet zwar tatsächlich gelegentlich statt, aber mal ehrlich: wann hatten wir den letzten bemerkbaren Stromausfall? Deutschland und Europa haben das stabilste Stromnetz weltweit und selbst wenn eine - Wochen vorher bekannte - Dunkelflaute die Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik verringert, gibt es genügend Ersatzkapazitäten. Gegenüber 2023 hat sich der CO2-Ausstoß um 11 % verringert, wir verbrennen sowenig Kohle für Strom wie seit 1959 nicht mehr. Insgesamt gab es in Deutschland 2024 statistisch ganze 13 Minuten Stromausfall.

In diesem Sinne: allen Lesern ein gutes neues Jahr und hoffentlich weniger Märchen von den Glossisten der WZ.

04.01.2025

Plant Belgien wirklich neue Kernkraftwerke? - Leserbrief

[veröffentlicht am 04.01.2025]

Der Leserbrief von Frau K. strotzt von falschen Behauptungen. Offensichtlich sind ihr meine Leserbriefe mit realen Fakten ein Dorn im Auge. Frau K. behauptet, dass Belgien neue Kernkraftwerke plant. Das ist so offensichtlich falsch, dass sie mit ein paar Momenten Lesen z.B. in der Wikipedia festgestellt hätte, dass Belgien ganz im Gegenteil plant, vollständig aus der Kernkraft auszusteigen. Der erste Beschluss dazu stammt von 1999 (!), also noch weit vor der deutschen Entscheidung. Durch die wechselnden Koalitionen gab es ein zeitliches Vor und Zurück, aber die Marschrichtung steht fest: Belgien wird seine sieben Kernkraftwerksblöcke in Doel und Tihange abschalten. Insbesondere empfehle ich Frau K. eine Recherche über die langjährigen Sicherheitsprobleme von z.B. Tihange nah an der deutschen Grenze. Belgien hat kein KKW im Bau und auch keine Planungen für Bau oder Weiterbetrieb der vorhandenen KKW.

Auch die Nennung von Frankreich als Leuchtturm der Kernkraftnutzung ist von vorn bis hinten falsch. Das mehr oder weniger immer noch im Bau befindliche Flamanville 3 hat deutlich mehr als 19 Mrd. Euro gekostet, hat Sicherheitsprobleme mit z.B. defekten Schweißnähten, wird wie alle anderen 56 KKW in Frankreich nächsten Sommer wieder massive Probleme mit fehlendem Kühlwasser haben und läuft wegen Reparaturarbeiten seit längerem schon nur mit 20 % der geplanten Kapazität. Der Bau hat sich um mehrere Jahre verzögert und die Baukosten sind viermal höher als vorgesehen. Solch ein Verlustgeschäft funktioniert nur, wenn der Staat hier unter großen Schmerzen finanzielle Garantien gibt. Habeck hat sogar 2022 vor der Abschaltung der deutschen KKW die französische Regierung angefragt, ob Frankreich nach der Abschaltung noch genügend Strom zur Verfügung hat, mit dem Angebot, die deutschen KKW doch länger laufen zu lassen. Frankreich hat wie so oft im Sommer deutschen Strom importieren müssen.

In England sieht es beim Bau von Hinkley Point C noch viel schlimmer aus: die Baukosten sind auf mittlerweile über 62 Mrd. Euro explodiert, und der garantierte Abnahmepreis für die Kilowattstunde sind 14 ct. Im Vergleich dazu kostet eine Kilowattstunde aus erneuerbarer Stromerzeugung weniger als 4 ct.

Frau K. unterstellt mir einen politisch “grünen” Standpunkt und mutmaßt, dass meine Leserbriefe deswegen entsprechend “gefärbt” sind. Dazu stelle ich fest: Ich habe eine naturwissenschaftliche Ausbildung. Ich bin politisch nicht grün, aber die Grünen sind derzeit die einzige Partei, die sich an naturwissenschaftlichen Fakten orientiert und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen überhaupt Taten folgen lassen will. Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass es einen Unterschied macht, ob man eine Meinung äußert, z.B. zum Kaufhaus Joh, oder ob man falsche Fakten in die Welt setzt. Es gibt ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber kein Recht darauf, Fake News zu verbreiten und unwidersprochen zu bleiben. Auch die WZ sollte einen journalistischen Anspruch auf Korrektheit für sich in Anspruch nehmen. Für die Allgemeinbildung von Frau K. erlaube ich mir anzumerken, dass ein Abdruck eines Interviews in einer Zeitung von der Pressefreiheit im Grundgesetz geschützt wird und nicht von der Meinungsfreiheit.

Übrigens “lacht das Ausland” gerade nicht über die deutsche Energiewende, sondern ist im Gegenteil bass erstaunt, wie geschmeidig der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft vorangeht, nachdem Habeck das BMWK übernommen hat. Deutschland hat gerade über 13 Mrd. Euro bei Versteigerungen für Genehmigungen von Windkraftstandorten eingenommen.

Wie man z.B. an den regelmäßigen Veröffentlichungen der Parteispenden und im Lobbyregister des Bundestags ablesen kann, sind die Politiker insbesondere der CDU/CSU und FDP großartig darin, öffentlich die Physik zu ignorieren. Hier sieht man allzu deutlich, dass es möglich ist, in der Politik ohne Faktenkenntnisse zu überleben - Hauptsache, die Kasse klingelt. Bei vielen Politikern könnte man genausogut über “leistungsloses Einkommen” sprechen wie diese es abfällig tun, wenn sie über Kürzungen bei Sozialleistungen fabulieren.

08.10.2024

Die CDU kann es besser? - Leserbrief

Die Glossen der WZ glänzen seit einiger Zeit durch Abwesenheit von Faktenkenntnis und der Forderung nach fragwürdigen, rechtswidrigen Sanktionen gegen Flüchtlinge.

[veröffentlicht am 08.10.2024]

Die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen für das Bürgergeld scheinen an den konservativen Politikern und auch am Glossisten Deutschländer vollkommen vorbei zu gehen. Deutschländer fordert in der Glosse vom 25.09. Kürzungen beim Bürgergeld, garniert mit dem heuchlerischen Feigenblatt der “Bedürftigkeit”, und fordert durch die Blume auch eine Arbeitspflicht.

Genau wie diversen populistischen Politikern entgeht ihm dabei offensichtlich, dass das Bürgergeld das verfassungsrechtliche Existenzminimum garantiert. Genauso verbietet das Grundgesetz einen Arbeitsdienst.

Auf die Forderung nach einer Arbeitspflicht setzt er auch noch Seitenhiebe gegen angeblich Arbeitsunwillige und verlangt mehr Sanktionen, damit mehr Steuerzahler das Haushaltsloch stopfen, das durch Lindners ideologisches Beharren auf der Schuldenbremse und die widersinnige Klage der CDU gegen “Sondervermögen” erst entstanden ist. Auch hier ist das Bundesverfassungsgericht vor: die Sanktionen sind begrenzt, Stichwort Existenzminimum.

Mein Gegenvorschlag: Erhöhung des Mindestlohns und Erleichterung der Arbeitsaufnahme für Geflüchtete. Hier kommen so viele qualifizierte Menschen ins Land, die monate- und jahrelang aufgrund von Einschränkungen durch das Asyl- und Ausländerrecht schlicht nicht arbeiten dürfen. Hier muss massiv Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden: Gesetzesänderungen, intensive Sprachkurse, berufliche Auffrischung, ergänzende Fortbildungen zum Erreichen deutscher Standards, ggfs. Ablegen von zusätzlichen Prüfungen als Voraussetzung für die Integration in den Arbeitsmarkt - zumal Menschen in qualififizierten Berufen auch gut verdienen und damit natürlich auch gut Steuern zahlen.

In der Glosse vom 26.09. hängt Deutschländer dem Irrglauben an, dass die CDU nach Merkel wieder auf einem guten Weg sei. Er scheint tatsächlich zu glauben, dass die Energieabhängigkeit von Russland durch die CDU gelöst wurde. Das Gegenteil ist der Fall: die jetzige Ampel hat unter großen Schmerzen den Knoten durchschlagen, den die CDU vorher jahrelang fest gebunden hat. Die Verstaatlichung der deutschen Gazprom geschah nur Tage vor einem massiven russischen Erpressungsversuch. Und wer hat vorher die deutschen Gasspeicher an Gazprom verkauft? Die Regierung unter CDU-Führung!

Die jetzige CDU unter Merz ist eine fremdenfeindliche, rückwärtsgerichtete Partei, und nicht mal die Beschreibung “AfD mit Substanz” trifft zu, denn die CDU hat einfach keine Substanz zu bieten. Der Geldvernichter Spahn ist nun plötzlich “Energieexperte”. Die Nestlé-Lobbyistin Klöckner darf weiter Märchen erzählen. Die finanziellen Debakel durch 10 Jahre CSU-Verkehrsminister werden unter den Tisch gekehrt. CDU-Politiker schlagen blindwütig auf die Regierung ein, haben aber selbst keine Positionen und keine Lösungen. Sie versuchen, die Positionen der AfD zu übernehmen, um deren Wähler zurückzugewinnen und erreichen das Gegenteil. Merz ist angetreten, die AfD zu halbieren, stattdessen hat er ihren Wähleranteil verdoppelt. Die aktuellen “Vorschläge” verstoßen gegen EU-Recht, gegen die UN-Menschenrechtscharta und gegen die Genfer Flüchtlingskonvention.

Das Geschwafel von “Technologieoffenheit” führt nun dazu, dass Autohersteller wie VW sogar wagen, eine Lockerung von Abgasgrenzwerten zu fordern. Der Kampf um die Automärkte wird aber nicht in Deutschland geführt, sondern in China, USA und Indien. Dort steht die Richtung zum E-Auto schon längst fest. Lassen wir doch den Markt regeln statt mit ein bisschen Protektionismus deutsches Steuergeld bei Firmen zu verbrennen, die immer noch Verbrenner bauen wollen und ihre Kunden mit Schummelsoftware in der Motorelektronik dreckiger fahren lassen als die Prospekte versprachen. Nebenbei ist Qatar mit 17 % bei VW Aktionär. Da gibt es genug Geld, VW braucht keine deutschen Subventionen.

23.08.2024

Schwache Argumente gegen Windkraft - Leserbrief

[veröffentlicht am 23.08.2024]

So, Hr. D. legt nochmal nach bei seinen Kampf gegen Windräder. Nachdem es keine sachlichen Argumente mehr gibt, müssen nun die Versiegelung und die Rückbaukosten von weit weg hergeholt werden.

Es ist richtig, dass für den Bau einer Windkraftanlage in etwa 2 Hektar Fläche benötigt werden und nach Fertigstellung 0,5 bis 0,7 Hektar Fläche benötigt werden. Das sehe ich nicht besonders negativ, denn durch die Wiederaufforstung kann man ökologisch wertvolleren Bewuchs in die Fläche bringen. Wie die WZ schon 2020 und 2022 berichtete, geht es dem Wald am Winterstein durch Dürre, Schädlinge und Wildverbiss nicht besonders gut. Wenn hier eingegriffen wird, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Der Flächenbedarf von 0,7 Hektar für eine Windkraftanlage ändert sich nicht. Für den Betrieb z.B. eines Kohlekraftwerks werden täglich 1,6 Hektar Fläche für den Tagebau vernichtet, die regelmäßig renaturiert werden müssen. Die Qualität von z.B. Ackerboden ist danach deutlich schlechter als vorher - die Wetterauer Landwirte können davon ein Lied singen.

Für den Rückbau einer Anlage nach Ende ihrer Lebensdauer ist eine gesetzliche Rücklage von 160.000 Euro erforderlich. Hr. D. geht nun vom Sparbuch aus, auf dem das Geld durch die Inflation aufgefressen wird. Man kann natürlich die Rücklage auch besser anlegen und somit langfristig der Inflation voraus sein. Insbesondere aber erregt sich Hr. Durchdewald über geschätzte Gesamtkosten von unter 500.000 Euro. Zum Vergleich dazu: “Fast 20 Jahre hat der Rückbau des Atomkraftwerks in der Nähe von Landshut gedauert - zweieinhalbmal so lange wie die Bauzeit. Hinzu kommen enorme Kosten: Schätzungen zufolge kostet der Rückbau eines Atomkraftwerks mindestens eine Milliarde Euro.”

Bevor hier also weiter über Kosten lamentiert wird, sollte man die Relationen im Auge behalten. Wir kommen weltweit bei der notwendigen Energiewende nicht an Photovoltaik und Windkraft vorbei. Der Rückbau eines Windrads ist in wenigen Monaten erledigt und es fällt kein Sondermüll an. Der Rückbau eines fossilen oder atomaren Kraftwerks dauert Jahre und die Menge an Sondermüll ist enorm - wohlgemerkt: wir haben immer noch kein Atommüllendlager, auch wenn Söder seit langem darum bettelt, es in Bayern anzusieden.

19.08.2024

Der Kampf gegen die Wärmepumpen - Leserbrief

[veröffentlicht am 17.08.2024, redaktionelle Kürzung markiert]

Der Glossist Schier schreibt am 30.07. über Absatzeinbrüche beim Verkauf von Wärmepumpen und schimpft auf “die Ampel”. Ehrlicherweise sollte er Ross und Reiter benennen und vor allem ein wenig die politische Entwicklung dahin bedenken.

Das “Gebäude-Energie-Gesetz” ist während der Großen Koalition unter der Ägide von Seehofer und Altmaier als Umsetzung einer EU-Richtlinie entstanden. Das Verbot von fossilen Heizungen wurde von Kohl seit 1998 betrieben und von der EU gesteuert, um nationale Alleingänge zu verhindern. Andere Länder haben schon viel länger als Deutschland entsprechende Fristen und Verbote, z.B. Frankreich (2017) und die skandinavischen Länder (Dänemark 2013).

Was nun der Ampel zugeschrieben und von der Krawallpresse letztes Jahr massiv als “Heiz-Hammer” unter Beschuss genommen wurde, wäre lediglich eine Änderung im GEG gewesen, um das Vorziehen einer Frist von 2026 auf 2025 festzulegen, wie von der EU gefordert.

Stattdessen hat die FDP im Frühling 2023 nach anfänglicher Zustimmung im Koalitionsausschuss (!) einen ihrer mittlerweile leider zahlreichen Rückzieher vollzogen und das GEG kurzfristig massiv verwässert, so dass es kaum noch positive Lenkungseinflüsse entfalten kann. Diese Verwässerung war heftig lobbygesteuert, denn der Investmentkonzern KKR besitzt mehrere Tausend Mietwohnungen in Deutschland und ist auch tief im fossilen Öl- und Gasgeschäft involviert. Rein zufällig ist KKR auch mit 48 % großer Anteilseigner am Springer-Konzern (“Bild”, “Welt” u.a. Krawallblätter), was die intensiven Schlagzeilen gegen Habeck und gegen Wärmepumpen in dieser Zeit erklären mag.

Die Verfälschungen und Verkürzungen über die Funktionsweise von Wärmepumpen (Stichworte z.B. Fußbodenheizung, Altbau, Fachwerkhaus, Preise usw.) entstammen größtenteils der Märchenwelt und der gezielten Auswahl von extremen Spezialfällen, um die Technologie schlecht zu reden. Im Normalfall hat eine Wärmepumpe eine wesentlich bessere Energie- und Kosteneffizienz als jede Öl- oder Gasheizung, und insbesondere in Verbindung mit Solaranlage und Speicher kann man kaum billiger und umweltbewusster heizen.

Fun Fact: das Haus von Lindner hat eine Wärmepumpe.

22.07.2024

Angeblicher Bürgerwille gegen Windkraft? - Leserbrief

[veröffentlicht am 19.07.2024]

Hr. Kluger schreibt in der Kolumne vom 04.07. auf der Titelseite, dass es “Bürgerwille” sei, dass keine Stromtrassen und Windkraftanlagen gebaut werden, und dass Erdkabel ja um so vieles teurer wären, weil niemand die Überlandleitungen haben will.

Das verdreht Ursache und Wirkung: der Streit um Stromtrassen und Windkraft tobt seit Jahrzehnten und wird von Politikern und Medien befeuert, die die Energiewende behindern und verzögern wollen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, insbesondere die Verbreitung von falschen oder veralteten Behauptungen, auf die sich dann fragwürdige Bürgerinitiativen stürzen und stützen.

Besonders tut sich hier Hr. Aiwanger, Wirtschaftsminister in Bayern (Freie Wähler) hervor. Er tingelt durch Bierzelte und lobt sich immer wieder dafür, Windkraft und Stromtrassen zu verhindern (und Flutpolder, aber das ist ein anderes Thema). Gerade die Bayern haben lang für die Erdverlegung statt Überlandmasten gestritten, auch um Zeit zu schinden, in der Hoffnung, dass die Mehrkosten zur Einstellung führen. Der Windkraftausbau wird durch die Abstandsregelung “10H” (Mindestabstand von Windrädern zu Bebauung ist zehnmal deren Höhe) so stark behindert, dass letztes Jahr in Bayern nur vier neue Windräder gebaut wurden, in Niedersachsen hingegen 745. Insgesamt gibt es in Bayern nur 1.100 Anlagen, in Niedersachsen 6.100, und sogar in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mehr als 3.600.

Und natürlich sind immer die Grünen schuld. Hier zwei Zitate von Aiwanger: (2016): „Mit riesigem Aufwand werden hier überflüssige, schädliche Stromtrassen vorbereitet, die überhaupt nicht erforderlich sind. Die grössenwahnsinnigen Lobbyprojekte müssen verhindert werden." (2023): "Die Grünen sind schuld am Nichtbau der Stromtrassen."

Im sächsischen Vogtland ruft CDU-Landrat Thomas Hennig auf einer Veranstaltung des windkraft-kritischen Vereins „Lebenswertes Vogtland“ die Behörden dazu auf, Genehmigungsverfahren „so lange hinzuziehen, solange es rechtlich möglich ist“.

Und sogar in Friedberg weinen die Freien Wähler, dass Windkraft ja so schlimm ist und wiederholen dabei die altbekannten, seit Jahren widerlegten Falschbehauptungen.

Besonders gern wird auch immer wieder der angeblich so gefährliche “Infraschall” aus der Mottenkiste geholt - eine Mär, die seit mehr als zehn Jahren widerlegt ist, aber immer noch verbreitet wird, obwohl in diesen Behauptungen ein Rechenfehler mit dem Faktor 4.000 steckt. Jedes vorbeifahrende Auto erzeugt mehr “Infraschall” als ein Windrad. Die anderen Verhinderungsmärchen über Windkraft habe ich bereits früher widerlegt, hier zum Nachlesen.

Im Ergebnis schimpfen jetzt die Schweden, dass wegen fehlender innerdeutscher Stromtrassen der Strom aus Deutschland zu teuer sei, und verzichten auf den Bau einer Stromtrasse nach Deutschland - eine Folge der Tatsache, dass es für ganz Deutschland nur eine Strompreiszone gibt (Schweden hat vier). Auch hier wehren sich die Bayern energisch und egoistisch, denn aufgrund dieser fehlenden innerdeutschen Stromtrassen würde dann der Strom im Norden billiger, aber in Bayern teurer werden.

Nur wenn es ums Handaufhalten geht, ist Bayern ganz vorn dabei (Länderfinanzausgleich, EEG-Ausgleich, Straßenbau), abgeben wollen sie umgekehrt nichts. Söder lobte seine CSU-Verkehrsminister im Bund sogar ausdrücklich dafür, dass sie so viel Geld ins Land holen. Seit Bayern seit einigen Jahren ein Nettozahler ist, will Söder den Länderfinanzausgleich abschaffen oder zumindest so reformieren, dass Bayern nichts zahlen muss.

25.05.2024

Energiewende oder doch nicht - Leserbrief

Auf meinen Hinweis, dass es tatsächlich Länder gibt, die sich zu 100 % aus Enerneuerbaren versorgen können, und dass ich den aktuellen Bericht des Bundesrechnungshofs nicht für neutral hielt, kam eine bissige Antwort, die noch mehrere weitere typische Argumente der Energiewende-Verhinderer enthielt. Hier meine Antwort darauf.

[veröffentlicht am 22.05.2024]

Hr. H. moniert in seinem Leserbrief, dass ich auf die Partei des Bundesrechnungshofspräsidenten hinwies. Am Bericht des BRH hatte ich inhaltlich wenig zu kritisieren, aber ich betone, dass Scheller seit mehr als zehn Jahren ein heftiger Kritiker jeglicher Energiewende ist und jahrelang eine führende Position in der CDU-Fraktion des Bundes hatte. Zusammen mit der Stellung seiner Ehefrau als Lobbyistin eines Gaslieferanten ergibt das schon ein politisches Geschmäckle, mit welcher Intensität gezielt einzelne Punkte aus der Kritik des Bundesrechnungshofes verbreitet werden. Dies ist weit entfernt von einem neutralen Bericht über die wirtschaftlichen Tätigkeiten des Bundes. Ich kritisiere nicht die Parteizugehörigkeit, sondern die Fähigkeit, zwischen Parteilichkeit und sachlicher, neutraler Führung einer Bundesbehörde zu trennen.

Natürlich kann man argumentieren, dass Deutschland “nur” 1,79 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortet. Aber dieses “guck mal, die anderen” hilft nicht, wenn “die anderen” so viel besser sind als wir. China z.B. erreicht schon 2025 die CO2-Reduktionsziele von 2030 und baut jährlich mehr neue Solaranlagen, als derzeit weltweit insgesamt existieren. Deutschland hat ungefähr 1 % der Weltbevölkerung, aber wir emittieren doppelt so viel CO2 pro Kopf, außerdem ist sehr viel unseres Konsums an chinesische Produzenten ausgelagert. Ehrlich gerechnet ist unser ökologischer Rucksack also noch viel größer als 2 %.

Alle Länder haben sich 2015 auf das Paris-Ziel geeinigt. Dieser Beschluss hat seit 2016 Gesetzeskraft in Deutschland. Die USA investieren die unglaubliche Summe von 390 Mrd. Dollar in die Energiewende - das ist nahezu ein deutscher Jahresetat! Lindner hat es mit seiner dummen Sparpolitik geschafft, dass schon zwei große Solarpanel-Hersteller aus Deutschland abgezogen sind und nun im Ausland produzieren. Damit geht Deutschland wichtiges Knowhow für einen Zukunftsmarkt verloren. Aber hey, wir investieren 150 Mio. Euro in eine Firma für Fantasie-Flugtaxis, dafür streichen wir 99 % des Etats für Digitalisierung und die Förderung für neue Batteriespeicher.

Weiterhin verlangt Hr. H., dass wir keine doppelten Infrastrukturen für die Stromerzeugung aufbauen oder vorhalten. Vor diesem Problem stehen wir derzeit gar nicht, weil noch deutlich Luft nach oben ist beim Ausbau der Erneuerbaren Energiequellen. Erst mit einem Sättigungsgrad von deutlich über 80 % müssen wir zusehen, dass auch die Stromspeicher mit dem Ausbau mithalten, damit wir für (seltene!) Flauten genügend “Vorrat” haben. Auch hier liegt Deutschland gut dabei: pro Jahr werden mehrere GWh Kapazität neu gebaut. Aktueller Stand ist z.B. 24 GWh bei Pumpspeichern und 11 GWh bei Batteriespeichern. Optimaler Standort für neue Batteriespeicher sind stillgelegte Kraftwerke, weil hier die vorhandenen elektrischen Anschlüsse genutzt werden können, aber es werden auch mehrere 100.000 private Kleinspeicher pro Jahr neu installiert.

Gegner der Energiewende argumentieren immer gern mit der “Grundlast” und den permanent laufenden Kraftwerken. Wenn die Elektrifizierung in allen Bereichen weiter so zügig voranschreitet wie es 2023 verspricht, werden wir generell weniger Strom benötigen. Hierzu ein Beispiel: mit einem durchschnittlichen Windrad kann man E-Fuels für 250 Verbrenner-Autos herstellen. Man kann damit aber auch 1.600 E-Autos direkt betanken.

Die “Grundlast” ist ein Märchen aus der Vergangenheit, weil sich Kohle- und Kernkraftwerke nur im Zeitraum von mehreren Stunden regeln lassen (ein- und ausschalten) und deshalb nahezu permanent laufen mussten. Deshalb haben bislang diese schmutzigen Kraftwerke die Stromleitungen “verstopft” und die schnell regelbaren Wind- und Solaranlagen mussten abgeschaltet werden. Jetzt werden weitere 7 schmutzige Kohlekraftwerke abgeschaltet. Die nötigen Kapazitäten für Engpässe werden zukünftig mit schnellen Gaskraftwerken abgedeckt, die man innerhalb von Minuten regeln kann. Die neuen modernen Gaskraftwerke werden außerdem “Wasserstoff-ready” sein, so dass man sie zukünftig auch mit grünem Wasserstoff ohne CO2-Ausstoß betreiben kann. Dies ist einer der wenigen sinnvollen Anwendungsfälle, wo das Speichermedium Wasserstoff wieder für die Stromerzeugung herangezogen wird - im großindustriellen Bereich.

29.04.2024

Der Bundesrechnungshof will Politik machen - Leserbrief

[veröffentlicht am 27.04.2024]

Hr. Z. behauptet, dass es kein Land gibt, das seinen Strombedarf aus Erneuerbaren decken kann.

Das ist schade, denn ein einziger Blick in die Wikipedia hätte diese Behauptung sofort widerlegt. Wikipedia nennt 6 Länder, die zu 100 % mit Strom aus Erneuerbaren Quellen versorgt werden, 18 Länder, die die Marke von 90 %, und 30 Länder, die die 80 % überschreiten. Im Schnitt hat Deutschland 2023 mehr als 60 % des Strombedarfs aus Erneuerbaren erzeugt, und das wird sich noch verbessern. Je nach Tageszeit und Saison gab es Spitzenwerte von bis zu 140 % Erzeugung aus Erneuerbaren, die dann gut an der Strombörse verkauft werden konnten.

Zum Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH) bleibt anzumerken, dass dessen Präsident Scheller ein strammer CDU-Parteisoldat ist und schon seit Jahren scharf gegen die Energiewende schießt. Er war vorher 15 Jahre lang für die Unionsfraktion im Bundestag und bis 2014 Fraktionsdirektor der CDU. Seine Frau Marion Scheller ist seit 2016 Cheflobbyistin der Nordstream 2 AG für Gazprom. Ich denke, das erklärt sehr deutlich den Tonfall des aktuellen Berichts. Abgesehen davon soll der BRH ökonomische Prüfungen der vorhandenen Wirtschaftsführung machen und keine politischen Luftschlösser bauen.

Im Wesentlichen stellt der Bericht des BRH nur fest, dass die Ampelregierung in zwei Jahren aufholen musste, was die vorherigen Regierungen jahrzehntelang verschleppt haben. Insbesondere kritisiert der BRH, dass Stromtrassen fehlen - das ist hauptsächlich der Verdienst der CSU und Freien Wähler in Bayern, die den Bau von Nord-Süd-Stromleitungen behindert und verzögert haben. Es ist schon sehr sportlich zu verlangen, dass die Ampel in zwei Jahren solche massiven Versäumnisse beheben soll und z.B. in so kurzer Zeit die kritisierten fehlenden 6000 km Stromleitungen bauen könnte.

Es ist absolut utopisch anzunehmen, dass ein Regierungswechsel nächstes Jahr dazu führen würde, dass die Kritikpunkte des BRH aufgenommen werden. Anhand der derzeitigen Kakophonie aus der Opposition steht stattdessen zu befürchten, dass alle Maßnahmen der Energiewende wieder zurück gedreht werden sollen und wieder Einhornprojekte wie E-Fuels, Kernfusion und Wasserstoff überproportional gefördert werden würden.

Der Vorwurf der gefälschten Statistik wird zum Eigentor. Es sollte in diesem Fall lauten “Traue keinem Zitat, das Du nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast”.

Die Energiewende ist dringend notwendig und muss eigentlich sogar noch beschleunigt statt behindert werden. Wenn der BRH also wirklich glaubwürdig politisch hätte kritisieren wollen, hätte er tatsächlich eher die Blockadepolitik der FDP kritisieren müssen statt der - halbwegs brauchbaren - Ampelpolitik als Ganzes. Um genau zu sein: die Ressorts der grünen Minister werden ihre Sektorziele erreichen. Wenn die Energiewende weiterhin von der FDP nach Kräften verzögert wird, kommen ab 2030 hohe Kosten für den Erwerb von CO2-Zertifikaten auf Verbraucher zu, die dann noch fossil heizen (ob nun zuhause oder mit dem Auto).

Was uns noch viel Geld kosten könnte: Deutschland hat zwar auf Erpressung der FDP hin die Sektorziele im deutschen Klimaschutzgesetz abgeschafft, aber auf EU-Ebene gilt dieses Prinzip weiterhin. Wenn Deutschland also nicht bis 2030 die EU-weiten Sektorziele in allen Ressorts erreicht hat, drohen Strafzahlungen bis zu 60 Mrd. Euro. Außerdem wird es langfristig wesentlich teurer werden, wenn wir jetzt auf Klimaschutz verzichten, statt jetzt kurzfristig zu investieren. Der Finanzminister sollte lernen, dass Staatsschulden für Investitionen sinnvoll sind, statt weiter als schwäbische Hausfrau mit überholten Rezepten aus den 80er Jahren den Staat kaputt zu sparen und die Wirtschaft abzuwürgen. “Kein Klimaschutz” wird uns zukünftig sechsmal mehr kosten als jetzt in Klimaschutz zu investieren.

Nebenbei: pro Kopf hat Deutschland im internationalen Vergleich die höchste Quote an erneuerbarer Stromerzeugung, 1,4 kW (außer Bayern)! Im Vergleich sind es weltweit durchschnittlich nur 0,2 kW, in China 0,3 kW und in den USA 0,6 kW. Der Durchschnitt aller EU-Staaten liegt bei 0,7 kW.

23.05.2023

Verschleppungstaktik bei der Energiewende - Leserbrief

[veröffentlicht am 23.05.2023]

Und erneut schließt sich der Glossist Sattler der aktuellen rechtskonservativen Mode an, die derzeitige Klimapolitik der Ampel nicht nur zu kritisieren, sondern zu verdammen. Er schließt sich damit einem Trend an, massiv halbwahre Behauptungen in die Welt zu setzen, um der Regierung zu schaden, und sich hinterher daran zu erfreuen, dass die Umfragewerte der Ampel vorgeblich sänken. Spoiler: tun sie eigentlich nicht, außer bei einer Sonntagsfrage der INSA. Andere Umfrageinstitute sehen das anders. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...

Ein paar Fakten: die langfristige Abschaffung der Öl- und Gasheizungen wurde 1998 von der damaligen Regierung Kohl in Gang gesetzt. Die jetzige Regierung setzt also um, was die EU vorgibt. Wenn sie das nicht tut, hagelt es Verletzungsverfahren und Strafgebühren. Andere Länder verbieten schon seit vielen Jahren den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen. Das gesamte Ausland lacht über die schrägen Behauptungen in Deutschland, dass man mit Wärmepumpen nichts ausrichten kann, weil sie z.B. nur mit Fußbodenheizungen funktionieren würden.

Dabei gibt es sogar noch eine ganze Menge Ausnahmeregelungen: selbstverständlich darf man bestehende Heizungen weiter betreiben und so lang wie möglich reparieren. Man darf sogar neue Gasheizungen einbauen, wenn man gleichzeitig mit dem Einbau von z.B. Solaranlagen für Kompensation sorgt. Außerdem soll es gestaffelte Zuschüsse für die Anschaffung geben. Zunehmend werden bürokratische Hürden für Solaranlagen abgebaut, und eine Balkonsolaranlage gibt es schon für einige Hundert Euro.

Zur Panikmache gehört auch, Beträge im hohen fünf- und sogar sechsstelligen Bereich in die Welt zu setzen, die angeblich für eine Heizungssanierung fällig würden. Mal ehrlich: wer einen Sanierungsbedarf von 50.000 € oder mehr sieht, hat einen Sanierungsstau und hat 20 Jahre lang nichts an seinem Besitz energetisch modernisiert. Auch Hausbesitzer müssen regelmäßig Rücklagen ansparen, sowohl für Notfälle als auch für notwendige Erhaltung und Verbesserung ihrer Immobilie. Dazu gehört auch die Wärmedämmung.

Die Abschaffung der Kernkraft wurde von der Merkel-Regierung mit CDU und FDP 2011 beschlossen. Auch hier setzt die Ampel nur bestehende Gesetze um. Die Betreiber haben sich 10 Jahre lang darauf eingestellt - jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Nochmals zum Interview mit Kubicki: falscher kann jemand gar nicht liegen. Statt der behaupteten 15 Mio. t mehr an CO2 durch die Abschaltung wurden sogar im April 2 Mio. t CO2 weniger emittiert, weil weniger Solar- und Windkraftanlagen abgeregelt werden mussten. Pikante Fußnote: die Zahl “15 Mio. t CO2“ stammen aus einer Studie des Wissenschaftlers Thess, der sonst eher durch seine Mitgliedschaft in der Kernkraft-Lobbyorganisation “Nuklearia” auffällt.

Bedauerlich an dieser ganzen medialen Posse ist nebenbei, dass der bayrische Selbstdarsteller Söder jahrelang die Energiewende in Bayern verhindert hat, z.B. durch die 10H-Regel für Windkraft, oder die Blockade einer Nord-Süd-Stromtrasse. Nun muss Bayern teuer (teurer als nötig) Strom aus dem südlichen Ausland kaufen, weil unser selbst erzeugter EE-Strom aus dem Norden nicht nach Bayern transportiert werden kann. Vielleicht sollte er weniger mit dem Maßkrug für Pressefotos posieren und dafür mehr Sitzungen im Landtag wahrnehmen, um seiner Pflicht als Regierungsmitglied nachzukommen (ihm droht ein Bußgeld, weil er 25 von 30 Landtagssitzungen versäumt hat). Immerhin kann er stolz verkünden, dass Bayern dieses Jahr schon 2 Windkraftanlagen genehmigt hat. Zum Vergleich: andere Bundesländer genehmigen 100.

Wenn ich diese ganze Ansammlung von medialen Trommelfeuer gegen die (notwendigen!) Fortschritte der Energiewende betrachtet, beschleicht mich das Gefühl, dass der Investor KKR, dem 48% Anteile am Springerverlag (“Bild”-Zeitung, “Welt” usw.) gehören, Angst um seine diversen Engagements im fossilen Sektor hat. Die Ölindustrie verdient pro Tag um die 2,5 Mrd. Euro, da kann man schon mal ein bisschen Einfluss auf die Politik nehmen und in der Presse und in sozialen Netzwerken ein wenig hetzen, oder?

06.12.2022

Argumente gegen Windkraftgegner - Leserbrief

Die WZ druckt weiter munter Leserbriefe von Menschen ab, die in einer Parallelwelt zu leben scheinen und denen physikalische Gesetzmäßigkeiten egal sind. Deshalb habe ich einige Fakten zu Windkraft gesammelt, um das zu widerlegen, was immer und immer wieder hervorgeholt wird.

[veröffentlicht am 06.12.2022]
Nach wie vor gilt das Prinzip: “nicht in meinem Vorgarten”, wenn es um den Bau neuer Windkraftanlagen geht. Die dürfen gern woanders stehen, aber nicht da, wo es mich stört.

Statt dies aber ehrlich zuzugeben, werden hanebüchene, längst widerlegte Argumente aus der Mottenkiste der üblichen Klimawandelleugner hervorgeholt.

Dies sind in beliebiger Reihenfolge: “Spargel”, “Vogeltod”, “Infraschall”, “Anzahl neuer Anlagen”.

Schauen wir mal genauer hin:

Für Vögel stellen Windkraftanlagen wirklich eine ernstzunehmende Gefahr dar. Die Zahl der getöteten Vögel durch Windkraftanlagen in Deutschland wird auf bis zu 100.000 pro Jahr geschätzt. Aber: rund 18 Millionen Vögel sterben jährlich in Deutschland an Glasscheiben. Auch im Straßenverkehr kommen erheblich mehr Vögel ums Leben als durch Windkraftanlagen. In den USA gehen Studien von weit über einer Milliarde durch Katzen getöteten Vögel aus, für Deutschland gibt es Schätzungen von ca. 200 Millionen Vögeln. Dieses Missverhältnis wird aber gern nicht erwähnt. 100.000 als alleinstehende Zahl ohne Kontext klingt ja auch schon ganz schön viel.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat mittlerweile bei einer von Windkraftgegnern gern und oft zitierten Studie zum Infraschall aus dem Jahr 2005 Mess- und Rechenfehler eingeräumt. Dr. Stefan Holzheu, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, hat bemerkt, dass der BGR bei der Umrechnung des Drucksignals in Schalldruckpegel ein schwerer Rechenfehler unterlaufen ist, der zu einer Überschätzung von 36 dB führte. In Schallleistung entspricht dies einem Faktor 4.000 (Dezibel ist eine logarithmische Maßeinheit). Klartext: Infraschall von Windkraftanlagen ist nicht gefährlich.

Mit anderen Worten: ein 15 Jahre alter Rechenfehler dient als Argumentation zur Verhinderung von Windkraftanlagen. Die BGR hat sich sehr lange geziert, diesen Fehler zuzugeben. Deshalb kursiert dieses Märchen auch heutzutage noch.

Die “Verspargelung” der Landschaft wird als ästhetisches Problem genannt. Dieselben Menschen haben aber keine Probleme mit Kohlegruben, die Hunderte von Metern tief sind und Quadratkilometer Fläche - und damit wertvollen Ackerboden oder Dörfer wie Lützerath oder Baudenkmäler wie den “Immerather Dom” - zerstören.

Gern wird auch mit der Höhe der Anlagen argumentiert. Es gilt jedoch: der Ertrag von Windkraftanlagen steigt stärker als linear mit der Höhe des Spargels und der Fläche des Rotors. Das aktuell leistungsstärkste und größte Windrad der Welt hat einen Rotor von 222 Metern Durchmesser und eine Nennleistung von 14 Megawatt. Ein modernes Windrad erzeugt gut zehn GWh Strom pro Jahr. Bedarf Deutschlands derzeit: ca. 550 TWh pro Jahr.

Die Anzahl der neu zu bauenden Windkraftanlagen wird auch gern übertrieben: Gegner behaupten, man müsse über 30.000 neue Anlagen bauen. Dabei werden gern Leistungswerte von “kleinen” und alten Anlagen (um 1 MW pro Anlage) verwendet, um die Zahl künstlich aufzubauschen. Da hier die technische Entwicklung rasant fortschreitet, könnte durch Ersatz von alten Anlagen nach der üblichen Lebenszeit von 20-25 Jahren sogar die jetzige Anzahl ungefähr beibehalten werden.

Stand 2021 gibt es in Deutschland ca. 28.000 Windkraftanlagen an Land (on shore), die 57 GW Strom produzieren könnten. Zum Vergleich: die drei noch aktiven deutschen Kernkraftwerke erzeugen zusammen ca. 4,5 GW. Man sieht hier nebenbei, dass es sinnlos ist, die Laufzeiten der KKW zu verlängern. Es wird in Deutschland keinen “Blackout” geben, der gern als Schlagwort zur Panikmache in den Raum geworfen wird.

Der tägliche Bedarf in Deutschland liegt zwischen 60 und 80 GW. Da Kohle und Kernkraft nur langsam regelbar sind, werden jedoch leider immer wieder Windkraftanlagen abgeschaltet, um das Energienetz europaweit stabil auf 50 Hz zu halten. Insgesamt hat Deutschland eine Erzeugerkapazität von ca. 230 GW (Biomasse, Wasser, Gas, Kohle, Kernkraft, Wind, Solar usw.). Man sieht erneut: die Kernkraftwerke sind nicht nötig.

Noch eine Anekdote zum Schluss: China hat allein im letzten Jahr mehr Erneuerbare Energien zugebaut als Deutschland insgesamt besitzt.

03.06.2020

Energieverbrauch beim Streaming - Leserbrief

Leserbrief zur Kolumne von Hr. Arnold, 26.05.2020
[veröffentlicht am 03.06.2020]

Hr. Arnold schreibt einige interessante Gedanken zum Stromverbrauch während der Corona-Krise.

Viel mehr Menschen bleiben zuhause und unterhalten sich dort mit Hilfe von Geräten, die natürlich Strom verbrauchen.
Insbesondere kritisiert Hr. Arnold das "Streaming", also das Anschauen von Filmen über Internet.

Die großen Anbieter hier sind Netflix, Amazon, Google (Youtube und Playstore Filme), Apple und zunehmend Disney+.
Der Energieverbrauch sowohl bei den Anbietern als auch bei den Konsumenten ist beträchtlich, wie Hr. Arnold zutreffend bemerkt. Aber es gibt deutliche Unterschiede zwischen ihnen, und diesen Punkt hätte ich mir stärker herausgearbeitet gewünscht.

Viele Anbieter verwenden intern Dienstleister zur Verbreitung ihrer Daten, sogenannte "Content Distribution Networks" (CDN), das sind lokale Zwischenspeicher, um die internationalen Datenleitungen zu entlasten. Hier gibt es große Unterschiede, wie effizient diese CDNs arbeiten.

Abgesehen davon sind viele große Anbieter inzwischen nahezu oder sogar schon vollständig klimaneutral, indem sie Ökostrom beziehen oder sogar selbst erzeugen (Google ist nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren klimaneutral durch die Verwendung von eigenem Solarstrom).

Etwa ein Drittel des Stromverbrauchs von Rechenzentren wird für die Kühlung der Geräte aufgewendet. Viele moderne Rechenzentren lassen diese Abwärme nicht verpuffen, sondern leiten sie wie ein Blockheizkraftwerk nutzbringend weiter.
Der Energieverbrauch beim Streaming ist mittlerweile ca. 1% des weltweiten Gesamtverbrauchs, und das ist schon auffällig viel, aber nicht beunruhigend, z.B. durch diese Zweitnutzung.

Insgesamt kann man sagen, dass Google und Amazon sehr klimafreundlich sind und Netflix noch nicht besonders. Hier können wir als Verbraucher Druck ausüben.

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung: der Energiebedarf durch das Streaming wird auf weltweit 200 TWh pro Jahr geschätzt (Terawattstunden), das ist in etwa soviel wie Spanien. Deutschland hatte 2018 einen gesamten Energiebedarf von ca. 530 TWh, weltweit waren es 20.000 TWh. Zum Vergleich dagegen: der Rechenaufwand für Bitcoins erforderte immerhin 60 TWh, und der Nutzen von Bitcoins und Blockchains ist nach wie vor in der Fachwelt höchst umstritten.

Zum Schluss noch eine Anmerkung als Elternbeirat: durch die Corona-Krise wird deutlich, wie stark wir alle mittlerweile von der Digitalisierung profitieren und wo noch Mängel zu beheben sind. Auf Youtube z.B. gibt es großartige Filme und Filmchen, mit denen bestimmte Sachverhalte erklärt werden, und viele Lehrer nutzen in dieser Krise die Möglichkeiten gut, die Schüler zuhause zu erreichen und weiterhin zu bilden und zu beschulen. Vielen Dank dafür an alle Lehrer!

17.02.2014

Der Klimawandel nach Galileo

Den Leserbrief im Januar von Herrn L. habe ich noch ignoriert. Der Schluss des Beitrags mit der Behauptung, dass Gott uns ganz bestimmt helfen wird, ist mir zwar ziemlich aufgestoßen, und ich hatte zwar einen ersten Entwurf für den Leserbrief fertig, aber irgendwie bin ich nicht dazu gekommen, ihn soweit abzuschließen, dass ich ihn dann abschicken wollte.

Dann kam aber diesen Dienstag (4. Februar) noch so ein schrecklicher Leserbrief. Darin behauptet Herr H., dass er aufgrund seiner antiautoritären Erziehung in der Lage ist, alles anzuzweifeln. Außerdem meint er, dass selbst eine große Menge von Menschen unrecht haben kann, und bringt dazu das Beispiel, dass der "einzelne" Wissenschaftler Galileo ja auch Recht gehabt hätte. Diese Analogie beruhigt ihn so sehr, dass er alle Studien, die den Klimawandel dem Menschen zuschreiben, getrost ignorieren kann.

Diese Ansammlung von merkwürdigen Aussagen musste ich dann aber doch kommentieren. Ich suchte den alten Entwurf wieder und ergänzte noch ein bißchen 'was, um auf beide Leserbriefe zu antworten.

Leserbrief zu Leserbriefen von Hr. L., WZ 03.01.14, und Hr. H., 04.02.2014

Herr L. und Herr H., meiner Meinung nach machen Sie denselben Fehler wie Herr G. in einem früheren Leserbrief. Ihr Standpunkt fußt auf genau einer Studie, und das ist eine Schwachstelle. Sie glauben, dies sei der derzeitige Wissensstand der Forschung. Empirie aufgrund einer einzigen Studie ist aber das exakte Gegenteil von Wissenschaft.

Ich finde es glaubwürdiger, wenn eine große Anzahl von Wissenschaftlern derselben Überzeugung ist und dazu Arbeiten veröffentlicht wurden. Wissenschaft gründet sich auf Nachvollziehbarkeit, und ich finde 4.000 Studien mit demselben Ergebnis in der Summe deutlich glaubwürdiger als eine einzelne mit einem gegensätzlichen Ergebnis. Selbst mit antiautoritärer Erziehung sollte man den Unterschied erkennen, ob ein Wissenschaftler etwas veröffentlicht, oder ob eine fünfstellige Zahl von Wissenschaftlern unabhängig voneinander übereinstimmend zum grundsätzlich selben Ergebnis kommen.

Kürzlich wurde eine interessante Zahl bekannt: die Summe an Geld, die von bekannten Lobbyorganisationen in der Zeit von 2003 bis 2011 bezahlt wurde, um Studien zu finanzieren, die den Klimawandel leugnen. Diese Summe beträgt unglaubliche 900 Millionen Dollar, also mehr als 600 Millionen Euro. Dieses Geld wurde ausgegeben, damit Firmen ihr umweltschädliches Geschäftsmodell weiter betreiben können.

Der Klimarat der UN, IPCC, hat von 2007 bis 2013 die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch die Verantwortung trägt, von 90 auf 95 % erhöht. Der Spiegel schrieb dazu letztes Jahr: "Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem".
Eine wissenschaftliche Einzelmeinung kann zu schrecklichen Verzerrungen führen: ein englischer Wissenschaftler stellte in den 90ern in einer Arbeit einen Zusammenhang zwischen Autismus und der MMR-Schutzimpfung her (Mehrfachimpfung gegen Mumps/Masern/Röteln). Später stellte sich heraus, dass die Arbeit vollkommen haltlos und die Ergebnisse größtenteils gefälscht waren. Sie wurde von einer Firma bezahlt, die Einzelimpfungen gegen diese Krankheiten herstellt. Bis heute hält sich leider unter Impfgegnern der Irrglaube, dass die Masernimpfung schuld an Autismus wäre. Der Schaden für die Glaubwürdigkeit der Fachzeitschrift "Lancet" war verheerend, der Aufsatz wurde zurückgezogen.

Besonders erschreckend finde ich, dass Sie, Herr H., als Gegenargument ausgerechnet Galileo nennen, der das heliozentrische Weltbild begründet hat. Er war einer der Vorreiter der modernen Wissenschaft, und gerade, weil seine Erkenntnisse so bestechend nachvollziehbar waren, konnten sie sich gegen den Widerstand der Kirche so schnell durchsetzen. Vollständig rehabilitiert wurde Galileo übrigens erst 1992 (z.B. dieser Artikel in Spektrum der Wissenschaft). Um genauer zu sein: die Welt nahm vom ptolemäischen Weltbild sehr schnell Abschied, nur bei der katholischen Kirche dauerte es etwas länger ...

Ich finde es absolut faszinierend, wie groß der Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen Stand der Forschung und der öffentlichen Wahrnehmung ist. Die allermeisten wissenschaftlichen Experten sind nahezu einhellig einer Meinung, nämlich der, dass der Klimawandel definitiv menschgemacht ist. In der Öffentlichkeit und in den Medien wird aber nach wie vor nicht über Maßnahmen oder über die krampfhaften Versuche des Leugnens diskutiert, sondern immer noch darüber, ob es nicht auch andere Ursachen geben kann.

Nun gut, Wissenschaft besteht auch zum Teil darin, vorhandene Erkenntnisse anzuzweifeln - aber das sollte mit sachlichen Argumenten geschehen und nicht mit bezahlten Studien, bei denen das Ergebnis vorher schon feststeht. Und insbesondere sollten wir die Sache selbst anpacken und uns nicht darauf verlassen, dass Gott es schon irgendwie regeln wird. Religion ist eine moralische Richtschnur, an der wir unser Handeln orientieren können, aber handeln müssen wir selbst. Und mal ganz ehrlich: "die Erde untertan machen" heißt nicht, dass wir sie nach Belieben verdrecken und kaputtmachen dürfen.

[Update: abgedruckt am 18.02.14, den blau markierten Absatz wollte ich nachreichen, war aber zu spät.
Link zu MMR in Wikipedia nachgetragen.]

14.11.2013

Leserbrief zur Strompreiserhöhung der OVAG - WZ 09.11.13

Leserbrief zur Meldung "OVAG erhöht Strompreis" WZ 09.11.2013

Ich finde die Pressemeldung mit der Ankündigung der OVAG, dass eine Strompreiserhöhung nötig ist, unvollständig und deshalb unehrlich.
Hr. Schwarz betont, dass zwar der reine Strompreis an der Leipziger Börse sehr niedrig ist, dass aber wegen der Abgaben gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und wegen der gestiegenen Preise bei "den Netzbetreibern" die Preise trotzdem steigen müssen.

Das Unehrliche daran ist meiner Meinung nach einerseits, dass "der Netzbetreiber", dessen Namen Hr. Schwarz auffallend nicht genannt hat, ebenfalls im OVAG-Besitz ist. Dieses Prinzip nennt man wohl "linke Tasche - rechte Tasche", wenn man auf der einen Seite mehr bezahlt, es sich aber durch die Konstruktion mit der Tochter- oder Schwesterfirma gleich wieder einverleibt. Und da ja auch diese Firma betriebswirtschaftlich erfolgreich sein muss, wird da ein Obolus fällig.

Unvollständig ist andererseits auch der Trick, auf dem mittlerweile durch die CDU-Regierung weichgespülten Erneuerbare-Energien-Gesetz herumzureiten. Dieses Gesetz ist so kaputt und mißraten, dass Solarien und andere "wichtige" Unternehmen sich von der Abgabe auf Antrag befreien lassen können. Diese Befreiungen der sogenannten "energieintensiven" Unternehmen müssen wir Verbraucher ausgleichen und dafür mehr zahlen. Hier gibt es überhaupt keinen Anreiz (oder besser: "Strafe") mehr für Firmen, energiesparend(er) zu wirtschaften. Die Zahlen der befreiten Unternehmen sprechen Bände: 2011 gab es knapp 600 Befreiungen, 2012: 979, 2013: 2245, und für 2014 wurden bis jetzt 2367 Anträge gestellt. Diese Befreiung wird als unerlaubte Subvention seit Mitte 2012 von der EU-Kommission untersucht und es wurde ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Abgesehen davon höre ich immer nur einseitiges Gejammer, wie schrecklich hoch doch die Subventionen der alternativen Energiequellen sind: fast 40 Milliarden Euro bislang. Die Kritiker dieser Subventionen vergessen aber gern zu erwähnen, dass in Summe die Kernkraftwerke mit mittlerweile deutlich über 100 (!) Milliarden Euro subventioniert wurden und noch werden. Wenn man nur einen Teil der Differenz in die weitere Forschung steckte, könnte man die unbestritten vorhandenen Probleme bei Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sicherlich in den Griff bekommen, insbesondere die Speicherung, wenn Energie erzeugt, aber derzeit nicht benötigt wird.

Entgegen der landläufigen Meinung unterliegen Atomkraftwerke übrigens einer Zwangsversicherung gegen Schäden (als einzige Energiequelle). Diese Versicherungsprämie geht natürlich in die Strompreise der Atomkraftwerke mit ein. Trotzdem ist mir ein Windenergiespargel in der Nachbarschaft lieber als ein Atomkraftwerk. Von Atommüll und radioaktiven Ruinen ganz zu schweigen ...

Auch wenn mich solche Artikel ärgern, werde ich trotzdem Kunde bei der OVAG bleiben. Und zwar deshalb, weil ich das Konzept regionaler Energieversorger sinnvoll finde, die sich im Besitz der Kreise befinden und durch ihre Aktionen auch zeigen, dass ihnen die Region am Herzen liegt. Ich würde mich aber über Presseberichte freuen, die ehrlicher formuliert sind.

12.11.2013

Leserbrief zum Leserbrief "Ideologie in der Energiewende" - WZ 05.11.13

Letzte Woche war mal wieder ein Leserbrief von einem emeritierten Professor für industriellen Ofenbau (THM Mittelhessen) in der WZ.

In diesem Leserbrief wirft er einem anderen Leserbriefschreiber vor, dass dieser die Energiewende als Ideologie betrachte und deshalb nicht realistisch sei.

Außerdem behauptete der Herr Professor, dass (a) das Öl mindestens bis 2050 reicht, dass es (b) möglich ist, Atomkraftwerke zu bauen, bei denen eine Kernschmelze physikalisch unmöglich ist, und dass (c) die "Transmutation" in industriellem Maßstab in der Lage ist, Atommüll in ungefährliche Stoffe umzuwandeln.

Das fand ich in Summe so abstrus, dass ich das kommentieren musste.

Leserbrief zum Leserbrief "Ideologische Energiewende" WZ 05.11.2013

Herr L., ich verfolge seit einiger Zeit Ihren Kreuzzug gegen alles, was nicht mit Feuer und Flamme arbeitet oder Atomkerne kaputtmacht.

Sie versuchen sich und uns damit zu beruhigen, dass die Ölvorräte doch geschätzt immerhin bis 2050 reichen. Nun gut, mag sein, dass Ihnen das nicht beunruhigend vorkommt, Sie sind emeritierter Professor, und die Zeit nach 2050 kann Ihnen ziemlich egal sein.

Ich hingegen bin ein paar Jährchen jünger, und ich halte es für wenig ratsam, das kostbare Erdöl einfach zu verbrennen, bis keins mehr da ist. Es gibt viel bessere Anwendungsmöglichkeiten dafür, und ich hoffe ernsthaft, dass der Lobbyismus in Zukunft nicht mehr dafür sorgt, dass die Auto-Industrie unliebsame, weil strenge, Abgasgrenzwerte von der Kanzlerin in Brüssel torpedieren oder verzögern lässt.

Alchimistische Begriffe wie "Transmutation" und die Behauptung, dass man Atomkraftwerke bauen kann, die eine Kernschmelze unmöglich machen, finde ich sehr fragwürdig.

Selbst wenn Sie behaupten, dass es möglich ist, 100 % sichere Atomkraftwerke zu bauen (was physikalisch unmöglich ist), bleiben uns nach der aktiven Zeit Bauruinen übrig, die noch jahrzehntausendelang hoch radioaktiv sind. Und nicht nur das: die meisten radioaktiven Brennstoffe sind auch chemisch höchst giftig - schon millionstel Gramm Plutonium oder Polonium töten, wie man an Arafat und Litwinenko gesehen hat. Sind Sie sicher, dass niemals etwas von diesen Stoffen freigesetzt wird?

Auch wenn es immer wieder Verharmloser gibt, die die globalen Veränderungen alles als Folge der naturgegebenen Klimawechsel darstellen wollen, sind sich 99 % aller Klimaexperten und Wissenschaftler aus benachbarten Fachgebieten einig, dass die fortgesetzte Verfeuerung von fossilen Brennstoffen keine gute Idee ist.

Sogar die WZ berichtet am 06. November, dass rund 100 Zuhörer zu einem Vortrag von Jürg Luterbacher ins Ober-Mockstädter Bürgerhaus kamen. Herr Luterbacher ist Professor am Geografischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen, wie die WZ berichtet. Das Fazit seines Vortrags lässt sich so zusammenfassen: ja, es gibt den Klimawandel, vermutlich sind es nicht nur, aber hauptsächlich, menschgemachte Faktoren, die das Ausmaß dieses Klimawandels bestimmen, und dieses Ausmaß ist objektiv zu groß.

Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben, aber denken Sie daran: wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen, und wir sollten sie so übergeben, dass auch unsere Kinder noch eine lebenswerte Welt vorfinden - auch nach 2050. Immerhin haben wir keine andere.

Einen Lesetipp habe ich noch am Schluss: das Buch "Ausgebrannt" von Andreas Eschbach behandelt als Thriller das fiktive, aber nicht mehr unwahrscheinliche Thema "Was wäre, wenn die Ölfelder im Nahen Osten versiegen". Es ist sehr gut recherchiert und spannend geschrieben (längere Buchbesprechung online in meinem Blog).
 

27.09.2013

Der Klimawandel und die öffentliche Wahrnehmung

In den Leserbriefen der WZ finde ich in letzter Zeit gelegentlich Äußerungen, die nach wie vor den menschengemachten Klimawandel anzweifeln, obwohl alle wissenschaftlichen Erkenntnisse nur einen Schluss zulassen.

Der aktuelle Klimagipfel verstärkt diese eindeutige Erkenntnis. Der Spiegel schreibt dazu: "Es gibt beim Klimawandel - bei allen verbleibenden wissenschaftlichen Unsicherheiten - kein allzu großes Erkenntnisproblem. Was es gibt, ist ein Handlungsproblem".

Woher kommen diese Zweifel und Unsicherheiten?

Kürzlich las ich, dass es allein aus den letzten 20 Jahren um die 4.000 wissenschaftliche Studien gibt, in denen die Frage nach der Ursache des Klimawandels eindeutig mit "menschlicher Ursache" beantwortet wird. Im Ergebnis sind fast 98% der Wissenschaftler, die zum Thema forschen und sich kompetent äußern können, aufgrund der vorliegenden Fakten zum Ergebnis gekommen, dass der Klimawandel tatsächlich vorhanden ist und mindestens seit Beginn der Industrialisierung von Menschen verursacht wird. Sicherlich lassen sich auch frühere Anzeichen finden; allein durch die Zunahme der Bevölkerung, z.B. durch bessere medizinische Versorgung, aber die industrielle Revolution und die großmaßstäbliche Verwendung von fossilen Brennstoffen waren sicherlich der Wendepunkt.

Um genau zu sein: es gab ein Forschungsprojekt, in dem andere Studien geprüft wurden (eine sogenannte "Meta-Studie", also eine Studie über Studien). Insgesamt wurden über 12.000 Forschungsarbeiten ausgewertet, ob darin eine eindeutige Aussage für oder gegen den Menschen als Verursacher des Klimawandels. Die Forscher stellten in 8.000 Studien keine Aussage fest. Das bedeutet, dass insbesondere in diesen 8.000 Studien auch nicht ausgesagt wurde, dass der Mensch nicht der Verursacher ist. Diese Studien sagen darüber gar nichts aus. In 98% der verbleibenden 4.000 Studien gab es eine eindeutige Aussage: Ja, der Mensch ist der Verursacher des Klimawandels.
Wie kann es möglich sein, dass die Kritiker dieser These in der Öffentlichkeit immer noch so laut und selbstbewusst auftreten? Fast alle Wissenschaftler geben eine deutliche Antwort, aber Journalisten, die Medien und die Öffentlichkeit geben sich allergrößte Mühe, diese Fakten nicht anzuerkennen.

Wem wollen diese Kritiker imponieren? Ist es modern, gegen etwas zu sein, auch wenn es sachlich vollkommen daneben ist? Oder sind das wirtschaftliche Interessen und die Auto-Lobby führt Gehirnwäschen durch?