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10.09.2026

Warehouse 13 - noch ein Oldie in der Serienkritik

Bei Amazon Prime gibt es derzeit alle 5 Staffeln der Mystery-Serie "Warehouse 13" zu schauen. Da die Staffeln bis auf die vierte eher kurz sind, war ich schnell durch mit den insgesamt nur 65 Folgen. Die Serie wurde wegen schlechter Quoten abgesetzt und die fünfte Staffeln ist mit sechs Folgen der gnädig gewährte Abschluss, der viele losen Enden zusammenführt - immerhin gibt es diesen Abschluss für die Fans, im Gegensatz zu anderen Serien wie "Agent Carter" oder "Lois und Clark", bei denen die Serie abrupt mit Cliffhangern eingestellt wurde. Außerdem gibt es noch zwei Miniserien im Internet (Of Monsters and Men sowie Grand Designs), jeweils 10 sogenannte "Webisoden" mit einer Handlung ähnlich der "Telenovela" oder der "Scooby Doo"-Folge bei Supernatural. Diese Webisoden sind jeweils nur wenige Minuten lang und deshalb schnell geschaut.

Die Serie verfolgt eine ähnliche Idee wie die "Librarians" ("The Quest"), bei denen sich aus zunächst drei Kinofilmen eine Serie und dann erst kürzlich noch eine Serie als Spin-Off entwickelt hat. Es geht um die Sicherstellung von magischen Artefakten, die in den falschen Händen viel Schaden anrichten könnten und deshalb "neutralisiert" werden müssen. Hierzu gibt es eine nicht näher erläuterte Flüssigkeit, in die die Artefakten eingetaucht werden, um sie unschädlich zu machen oder bei besonders "starken" Artefakten die Magie zu bremsen. Warehouse 13 spielt im selben Serienuniversum wie die ebenso kurzlebige Serie "Eureka" über eine geheime Stadt mit Wissenschaftlern.

Die Serie nimmt viele Anleihen bei Steampunk,  Gothic und generell dem 19. Jahrhundert mit seinen frühen Gehversuchen in der Science Fiction und Technik, dabei fallen Namen wie H. G. Wells, Tesla, Mata Hari, Lewis Carroll, und natürlich viele erfundene Situationen, in denen die Artefakte entstanden sind oder magisch aufgeladen wurden, z.B. die Marie Celeste oder die Enola Gay.

Einer der Gründe für die Einstellung waren neben den schlechten Quoten der vierten Staffel die hohen Kosten, und spekulativ würde ich persönlich vermuten, dass die lange Latte an Gaststars aus anderen Serien mit ein Treiber für große Budgets war: Kate Mulgrew (Voyager), Jeri Ryan (Voyager), Mark Sheppard (Supernatural), René Auberjonois (Star Trek), Jaime Murray (Gotham, Dexter, Sleepy Hollow), Brent Spiner (Star Trek), Sasha Roiz (Grimm), Anthony Head (Buffy), James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood), Tia Carrere (James Bond), Judd Hirsch (Independence Day, Forever), Gareth David Lloyd (Torchwood), Paul Blackthorne (Arrow, Flash), Erica Cox (Bitten), Aaron Ashmore (Lost Girl, Smallville, Locke & Key), Amy Acker (Person of Interest, The Gifted, Angel).

Im Gegensatz zu den Librarians gibt es auch hier viele dramaturgisch fragwürdige Momente, bei denen sich der Zuschauer fragt, warum gerade diese Entwicklung stattfand. Ich kritisiere in vielen Serien, dass die Helden viel zu oft viel zu lang zögern, bevor sie handeln, und dadurch dem Bösewicht einen strategischen Vorteil verschaffen, einen neuen Angriff zu starten. In dieser Serie fällt das ganz besonders stark auf.

In nahezu jeder Folge müssen ein oder sogar mehrere Artefakte identifiziert und sichergestellt werden - die Agenten haben nahezu sofort aus dem Archiv des Warehouse ein Dokument, ein Buch, einen Papyrus o.ä., um zu klären, wie dieses Artefakt neutralisiert werden kann, so dass es eingelagert werden kann ("snag it, bag it, tag it" ist das Motto - einsammeln, unschädlich machen, beschildern und einlagern).  Ich kann nachvollziehen, dass die Zuschauer diese andauernde Verwendung von "deus ex machina" nach einer Toleranzphase nicht länger goutieren wollten

Wenn es nicht um Artefakte aus der "Wildnis" geht, die seit ihrer Entstehung noch kursieren, dann passiert im Warehouse irgendeine Form von Unfall, bei dem ein Artefakt ent-neutralisiert wird (z.B. fällt es durch eine Erschütterung aus seinem Regal und löst dadurch die Aktivierung aus). Diese "Zufälle" wirken nach ein paar Ereignissen dramaturgisch arg konstruiert.

Die Agenten des Warehouse geben sich während ihrer Fälle als Mitarbeiter des "Secret Service" aus. Im Städtchen "Univille" nahe dem Warehouse täuschen sie vor, für die Steuerbehörde "I.R.S." zu arbeiten, was sie dort per se extrem unbeliebt macht. Das Konzept des Warehouse sieht eine Art Aufsicht in Form der "Regents" vor, außerdem gibt es einen "Caretaker", der eine mentale Verbindung zum Warehouse und seinem Inventarverzeichnis hat und eine ominöse "Entscheider"-Instanz, die unerklärt in manchen Situationen erscheint, entscheidet und verschwindet, was auch nicht näher erläutert wird.

Im Verlauf der Serie werden auch frühere Warehouses erwähnt, die nicht mehr in Benutzung sind, angefangen beim ersten Warehouse, das von Alexander dem Großen 1.500 v.Chr. eingerichtet wurde. Warehouse 2 wurde von den Ägyptern ca. 450 v. Chr. betreut und ist aus ungeklärten Gründen "schlafen" geschickt worden, bis es von H.G. Wells in der 2. Staffel erweckt und geöffnet wird, weil sie dort ein Artefakt stehlen will, von dem sie erstaunlicherweise weiß, dass es sich dort befindet. Warehouse 8 war in Deutschland während des Heiligen Römischen Reiches (1260). Auch das vorherige Warehouse 12 in England, für das H.G. Wells um 1895 als Agentin gearbeitet hat, und das Warehouse 9, das um 1560 zu Paracelsus "erster" Lebzeit aktiv war, werden mehrfach erwähnt bzw. spielen sogar eine tragende Rolle bei der Suche nach älteren Artefakten oder Informationen darüber. Besonders merkwürdig mutet an, dass der Bösewicht der letzten Staffel den kompletten Inhalt von Warehouse 13 in ein neues Warehouse 14 nach China teleportieren will und dabei ein "Umzugsservice" verwendet wird, um alle Artefakte in das neue Warehouse zu übertragen. Diesen "Service" gab es offensichtlich bei den früheren Lagern nicht, sonst könnte man ja dort keine alten Artefakte mehr suchen.

Ethisch handelt das Führungspersonal des Warehouse oft eher fragwürdig, z.B. gibt es eine Art Gefängnis, in der Bösewichte bei vollem Bewusstsein bewegungslos "eingefroren" werden ("bronze"). Dies ist auch die (erste) Strafe für die Agentin H.G. Wells, die hier als Schwester Helena des bekannten Autors eingeführt wird. Sie wird auf eigenen Wunsch nach mehreren Verstößen bronziert und von einem anderen bösewichtigen Ex-Agenten nach 100 Jahren wieder befreit wird. Warum sie von MacPherson befreit wird, um ihre eigenen sinistren Ziele zu verfolgen, wird nicht geklärt, weil sie nach dem Diebstahl gewisser Artefakte aus Warehouse 13 MacPherson tötet, bevor er als Gefangener weiteres gestehen kann. Helena hatte eine Tochter Christina, die als Jugendliche bei einem Einbruch getötet wurde. Die Mutter sucht nun nach verschiedenen Möglichkeiten, entweder den Mord ungeschehen zu machen, z.B. mit einer Zeitreisemaschine, und nachdem ihr dies unmöglich erscheint, die Welt zu zerstören.

Genauso ethisch fragwürdig ist die Entwicklung des Bösewichts der dritten Staffel. Hier gibt es als Artefakt ein Armband, das einem querschnittgelähmten Jungen wieder das Gehen ermöglicht. Die Agenten nehmen ihm das Armband ab, weil es Moral und Empathie zerstört und das Risiko bestünde, dass der Junge später straffällig werden könnte. Allerdings könnte man natürlich einfach den Jungen unter Beobachtung stellen und die "weltliche" Strafjustiz damit umgehen lassen, statt ihm die Lebensqualität zu nehmen und ihn zurück in den Rollstuhl zu zwingen. Erst durch diese Handlung entwickelt sich sein Hass auf das Warehouse und er wird zum bösartigen Chef einer Gruppe, die das Warehouse infiltrieren und sogar zerstören kann und vor Mord und Folter nicht zurückschreckt. Auf diese Art von selbsterfüllender Voraussage hätte das Warehouse-Personal gern verzichten können. Immerhin müssen sie dafür ein gefährliches anderes Artefakt einsetzen, um die Zeit um 24 Stunden zurückzusetzen, was wiederum aus Arties Persönlichkeit ein zweites böses Ich abspaltet, das von Zeit zu Zeit die Kontrolle übernimmt und Schaden anrichtet, indem der "böse" Artie Artefakte entwendet und irgendwo einsetzt.

Unlogisch ist die generelle Aussage des Agenten Lattimer, dass keine Artefakte verwendet werden dürfen, da dies generell zu gefährlich sei - sie werden neutralisiert und eingelagert. Andererseits funktioniert die Bronzierungsmaschine nur, weil als Artefakt eine bronzene Stele mit magischen Kräften an die Maschine angeschlossen ist, die von Paracelsus gestohlen wird, weil er die Agentin Donovan bronziert hat und dies als Druckmittel verwendet, um den Stein der Weisen (den "Philosopher's Stone") im Austausch zu erhalten. Dieses Artefakt stabilisiert die bronzierten Gefangenen, die sich ansonsten nach einiger Zeit in Bronzesplitter auflösen würden.

In dieser Serie funktioniert sehr gut, dass sie sich selbst nicht ernst nimmt und viele Anleihen bei der damaligen Popkultur (bis 2014) nimmt, z.B. genau beim Philosopher's Stone, der bei Lattimer sofort die Assoziation zu Harry Potter auslöst. Die Continuity ist über alle Staffeln sehr gut: es gibt viele Anspielungen auf frühere Folgen, zum Teil auch mit gut eingepassten und schnell geschnittenen Rückblenden in Schwarz-Weiß.

Bildlich gibt es nichts auszusetzen: die Tricks sind gut gemacht, die Schauspielerei ist glaubwürdig, die Gastauftritte machen Spaß. Nur die Logik darf man nicht besonders bemühen. Für die abendliche Berieselung zur Unterhaltung ist die Serie allemal gut geeignet. Als Fan der englischen Originalsprache ist mir unschön aufgefallen, dass Amazon in Deutschland trotz fest ausgewählter englischer Sprache für die Untertitel sehr oft deutsche Texte einblendet, z.B. bei der "Telenovela"-Episode, die fast komplett in Spanisch gesprochen wird. Auch werden viele Schilder, Tafeln und Überblendungen in Deutsch gezeigt.

07.10.2022

Aufstieg und Fall des "Arrowverse" - Serienkritik (Update)

[Einige Absätze überarbeitet, nachdem ich die Gelegenheit hatte, die Serie "Superman und Lois" komplett zu schauen und damit ein endgültiges Fazit über alle Serien zu schreiben. Änderungen sind durchgestrichen, Ergänzungen sind kursiv] 

Ich bin seit längerer Zeit großer Fan der miteinander verwobenen Serien des "Arrowverse", benannt nach dem ersten Serienhelden "Green Arrow", wobei die Serie zunächst den Nicht-so-ganz-Helden Oliver Queen nur "Arrow" nennt und "Green Arrow" wesentlich später in die Handlung eingeführt wird. Der Name der TV-Serie bleibt aber über die gesamte Laufzeit derselbe.

Zu diesem Comic-Universum wurden nach und nach mehr Serien und Helden zugefügt, die man auch gut aus den Papier-Comics und teilweise früheren Verfilmungen kennt - Flash, Supergirl, Batwoman, und auch einige B- und C-Promis der Comicwelt, wie "Legends of Tomorrow", "Constantine", "Black Lightning", "Star Girl", und viele weitere haben Gastauftritte, wie z.B. Lucifer. Aus Gastauftritten von Superman in der Supergirl-Serie wurde dann später sogar seine eigene Serie - "Superman und Lois", in der das Super-Leben mit zwei Söhnen beleuchtet wird, ähnlich wie in der 90er-Jahre-Serie "Lois und Clark", die sich auch im Wesentlichen auf das Beziehungsleben von Clark Kent und Lois Lane fokussiert hat. Das Superman-Problem der Woche war dort eher nebensächlich oder wurde nur als Anlass für eine Beziehungsdiskussion konstruiert.

Das für mich besonders Faszinierende an diesen Serien sind die Anspielungen auf Personen, Ereignisse oder Orte, die in den anderen Serien bedeutsam sind. Barry Allen z.B. hat mehrere Auftritte in "Arrow" als Forensiker, noch bevor er zu Flash wird. Die "Ferris Airline" wird mehrfach erwähnt und damit für die Fans angedeutet, dass in diesem Comic-Universum auch Hal Jordan oder andere "Green Lantern" existieren könnten (Spoiler: es gibt gab Spekulationen, dass John Diggle in der Abschlussfolge von Arrow beim Absturz eines UFOs einen Ring bekommen hat - er verweigert sich aber später, als er die Chance bekommt, die Box zu öffnen). Dieses übergreifende Prinzip einer "großen" Geschichte funktioniert für mich auch bei der Verfilmung der Marvel-Comics unglaublich gut. Ich finde die Idee mit den Infinitysteinen bei den Avengers einfach großartig, aber ich wollte hier ja über DC und das Arrowverse schreiben ;).

In der weiteren Entwicklung der Serien gab und gibt es sog. "Crossover", das sind fortlaufende Geschichten, in denen Charaktere aus mehreren Serien auftreten und in einer kleinen Fortsetzungsgeschichte ein übergreifendes Problem lösen, das alle betrifft. Zunächst waren dies kleinere Crossover, z.B. zwischen Flash und Arrow, Flash und Supergirl, später dann ein Crossover zwischen Flash und Arrow als Vorbereitung für den Start der neuen "Legends of Tomorrow"-Serie, und die nachfolgenden Crossover umfassten sogar sämtliche der aktuellen Serien.

In diesen Folgen nehmen sich die Charaktere auch gern mal auf die Schippe oder sprengen die "vierte Wand" (den Bildschirm) mit Sprüchen wie "letztes Jahr war ich die Neue" oder "beim letzten Crossover waren die Legends nicht dabei", wie man das bisher nur von "Deadpool" kannte, der einzigen Comicfigur, die sich der Tatsache bewusst ist, dass sie in einem Comic existiert.

Der Spaß an diesen Crossover-Folgen geht dann verloren, wenn durch die deutsche Ausstrahlung der zeitliche Zusammenhang zerrissen wird oder eine bestimmte Serie gar nicht in Deutschland legal zu sehen ist - die letzte Arrow-Staffel ist erst seit August 2021 bei Netflix zu sehen, die den vierten Teil des fünfteiligen Crossovers enthält. Den Anfang und den Schluss konnte man schon letztes Jahr bei Pro7 sehen, die überraschend mit nur wenigen Monaten Abstand die damals aktuellen Staffeln von "Supergirl" und "Legends of Tomorrow" synchronisiert ausstrahlten, und halbwegs zeitlich dazu passend erschien die erste Staffel Batwoman bei Amazon Prime. Mittlerweile kann man alle Serien bei Amazon oder Netflix sehen - leider nicht alle bei einem Anbieter.

Es mag Geschmackssache sein, aber man sollte besser auf Englisch schauen - viele Wortspiele funktionieren im Deutschen nicht besonders gut. Bei Amazon gibt es manche Staffeln nur in einer deutschen Sprachvariante in Prime, andere Sprachen dann nur gegen Bezahlung.

Leider gibt es viele Andeutungen und vorbereitende Szenen, die später aus verschiedenen Gründen nicht weiter verfolgt wurden. In Arrow Staffel 2 gibt es z.B. mehrere Auftritte von Charakteren, die Mitglieder der "Suicide Squad" werden. Prominent wird dabei sogar Harley Quinn angedeutet ("ich habe einen Doktor in Psychologie"), aber leider nicht realisiert, weil kurze Zeit später ein Kinofilm mit ihr gedreht wurde und die Rechteinhaber hier sehr streng zwischen Kino und Serie unterscheiden und trennen. Diese externen Gründe der Rechteinhaber waren auch dafür verantwortlich, dass bei "Smallville" Batman niemals auftauchte und Green Arrow zum inoffiziellen Sidekick des jungen Superman wurde. Detail am Rand aus dem "Crisis"-Crossover: der Superman aus dieser Parallelerde hat seine Superkräfte aufgegeben und lebt als normaler Mensch in Smallville auf der Farm der Eltern.

Umso überraschender, dass im letzten Crossover "Crisis on Infinite Earths", lose angelehnt an das gleichnamige Thema in den Papiercomics, der Schauspieler Ezra Miller des Kino-DC-Universums auftauchen durfte. Gerüchteweise wird umgekehrt der Serien-Flash Grant Gustin im Flash-Kinofilm einen kurzen Auftritt haben - immerhin hat der Kino-Flash die Idee zum Namen "Flash" während des "Crisis"-Crossovers bekommen [Update: tat er nicht].

Nun, ich wollte vom "Aufstieg und Fall" schreiben. Die Serie "Arrow" gefällt mir immer noch ausnehmend gut, aber nicht alle Staffeln gleich. Die "Supergegner" mit besonderen Fähigkeiten (Staffeln 2 bis 4) faszinieren mich mehr als die schlicht kriminellen Widersacher der späteren Staffeln (5 und 6). Besonders gut gefallen mir Andeutungen auf kommende Ereignisse, z.B. erwähnt R'as al Ghul schon in der 3. Staffel seinen Schüler Damien Darkh, der dann der Bösewicht in der vierten Staffel und als Teil der "Legion of Doom" in "Legends of Tomorrow" auftritt, und R'as al Ghul selbst wird schon in der ersten und zweiten Staffel angedeutet.

Serien werden auch dadurch strategisch verändert, wenn es Probleme mit Darstellern gibt, wie z.B. dem abrupten Ausstieg von Ruby Rose aus "Batwoman". Dies führte zu Veränderungen in Staffel 2, um das Verschwinden ihrer Figur "Kate Kane" zu erklären und einen Ersatz zu etablieren. Die neue Darstellerin, die die Rolle der Batwoman übernimmt, schlägt sich aber nach einem zähen Beginn eigentlich ganz gut. Die zweite Staffel ist insgesamt recht gut gelungen, mal schauen [Spoiler], wie die chirurgisch wiederhergestellte, gehirngewaschene Kate Kane (andere Schauspielerin) sich als Figur etablieren kann. Die dritte Staffel gibt es nach wie vor nur gegen Bezahlung, und die Ausstrahlung im Streaming bei Joyn wurde nach ein paar wenigen Episoden abgebrochen, so dass mir hier immer noch der Schluss fehlt.

Problematisch für mich sind Figuren, die unlogisch oder sinnlos handeln und dadurch offensichtliche Chancen verschenken. Besonders extrem ist dies in der gesamten Flash-Staffel 5 aufgefallen, in der Cicada als Gegner nahezu in jeder Folge mit einem neuen Hilfsmittel hätte besiegt werden können, aber eine oder mehrere Figuren während eines Kampfes tatenlos zusehen, bis er sich wieder aufrappelt und weiterkämpft oder flüchtet. Hier wurde mehr als deutlich, wie schwach die Dramaturgie dieses Gegners geplant war. Natürlich muss die Handlung so ablaufen, dass die üblichen 22 Folgen einer Staffel sinnvoll gefüllt werden, aber es muss für die Zuschauer glaubwürdig sein, wie dies geschieht. Insbesondere haben die S.T.A.R.-Labs einen "Metadämpfer" in Handschellen oder als Halskrause, den Flash in Supergeschwindigkeit anlegen kann. Auch mit "Arrow" habe ich einige Probleme, weil der Charakter von Oliver Queen zu stark den dominanten "Einzelkämpfer" mit teilweise sehr fragwürdigen Entscheidungen und Befehlen heraushängen lässt, obwohl es sowohl objektiv als auch durch frühere Erfahrungen klar sein sollte, dass Teamarbeit und effektive Kommunikation essenziell für erfolgreiche Aktionen sind.

Arrow und die anderen Serien wurden ab 2010 bislang hauptsächlich für das altmodische lineare Fernsehen produziert, und die Zuschauerzahlen einer Staffel entscheiden über die Verlängerung des nächsten Jahres. Nach und nach wurden nun mehrere Serien wieder eingestellt, die letzten Opfer von Absagen sind nun auch Flash, Batwoman und Legends of Tomorrow geworden. Die einzige "Neugründung" ist die Serie "Superman und Lois" als Ableger der Supergirl-Serie, die aber nach der vierten Staffel mit einem schmalzigen Ende eingestellt wurde vermutlich auch keine vierte Staffel erleben wird. "Swamp Thing", "Titans", "Doom Patrol" und "Stargirl" existieren trotz der "Crisis" nach wie vor in Paralleluniversen, wie man am Abspann des fünften Teils des Crossover sehen konnte. Nun gut, "Lucifer" hat auch noch eine sechste Staffel bekommen, aber es wird wohl keinerlei Crossover oder ähnliches mehr geben (abgesehen davon, dass Lucifer mehrfach seine Begeisterung für die TV-Serie "Bones" erwähnt und seine Tochter Rory (Aurora) von "More Bones" mit Androiden in der Zukunft schwärmt). Die neue Serie "Naomie", die ganz lose ebenfalls im DC-Universum spielte, wurde nach nur einer Staffel schon wieder eingestellt, und derzeit gibt es keine legale Möglichkeit, diese Serie in Deutschland zu sehen.

Bei Streaminganbietern wie Netflix oder Amazon gibt es diese kurzfristige Sichtweise von Staffel zu Staffel nicht. Bei Netflix ist bekannt, dass die ersten Staffeln einer Serie relativ günstig lizensiert werden. Erst ab der dritten oder vierten Staffel wird Netflix mit höheren Lizenzkosten konfrontiert (z.B. von Marvel oder DC) und dies führt häufig zur Einstellung der Serie, wenn Netflix diesen Kostensprung nicht tragen will. Dies dürfte der Grund für das schnelle Ende von Serien wie "Jessica Jones", "Luke Cage", "Daredevil", "Punisher", "Iron Fist" oder "The Defenders" gewesen sein. Wie weiter oben schon erwähnt, führten Lizenzfragen auch zur Einstellung der "Daredevil"-Serie, weil die Gründung von Disney+ bevorstand und Disney die Figuren von Kingpin und Daredevil für eigene Filme und Serien verwenden wollte. Immerhin setzt Disney+ die Daredevil-Reihe mit "Born again" für drei neue Staffeln fort.

Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Netflix hohes Interesse sieht und Serien dann länger produziert als ursprünglich geplant, wie es z.B. bei "Lucifer" aufgrund von massiven Protesten der Konsumenten geschehen ist, oder auch bei "Manifest", wo Netflix noch eine vierte Staffel produzieren ließ lässt. Zunächst war Lucifer für Einstellung nach der dritten Staffel vorgesehen, wurde dann von Netflix übernommen und sogar nach und nach bis zur sechsten Staffel verlängert (nur in Deutschland läuft "Lucifer" bei Amazon in Lizenz).

Ein Fazit fällt mir schwer. Es gibt starke und schwache Handlungsbögen (Staffeln) bei allen Serien, je nachdem, wie gut und nachvollziehbar der jeweilige Bösewicht handelt. Ein Teil der Einstellungen ist sicherlich aufgrund finanzieller Erwägungen geschehen als Folge von schwachen Drehbüchern. Andererseits wurden Serien wie Arrow und Flash auch durch Lizenzentscheidungen beschädigt, als die Lizenzgeber in Kinofilmen oder einer eigenen Streamingplattform lukrativere Chancen sahen (Suicide Squad bzw. Disney+).

Insgesamt lebt(e) das Arrowverse davon, dass es Verbindungen zwischen den Serien gab und z.B. neu aufgelegte Serien schon frühzeitig angedeutet wurden (die Explosion bei Star Labs war eine Nachrichtenmeldung in Arrow, Flash befreit Arrow aus R'as al Ghuls Festung, Star Labs liefert Technik an Black Lightning, Argus liefert Technik an General Lane uvm.). Durch die Einstellung der Serien und die Entfernung von Figuren aus Lizenzgründen hat für mich die Glaubwürdigkeit des Gesamtkunstwerks deutlich gelitten. Flash und Supergirl leiden darunter, dass in vielen Folgen das Beziehungsdrama viel stärker gewichtet wird als die eigentliche Superheldenhandlung - besonders krass bei Flash. Iris West-Allen ist m.E. die meistgehasste Figur bei den Fans.

Für mich nach wie vor das Highlight aller Serien ist "Arrow". Die Rückblicke - immer 5 Jahre - passen dramaturgisch zur jeweils aktuellen Handlung und geben gleichzeitig Auskunft über die Entwicklung vom Playboy zum Vigilanten. Der Schluss der Rückblicke der fünften Staffel geht nahtlos und perfekt in den realen Anfang der ersten Staffel über - man kann also nach der fünften Staffel sofort wieder bei der ersten Staffel anfangen zu schauen.

Dicht gefolgt in meiner persönlichen Hitliste wird Arrow von "Legends of Tomorrow", die mit jeder Staffel mehr skurrilen Humor und Referenzen auf die Popkultur in das Serienuniversum bringen, z.B. die Erwähnung von "Supernatural" und der Besuch des Drehorts in einem Paralleluniversum. Dort mag ich besonders gern "John Constantine", und es gibt mir durchaus Befriedigung, dass es nach dem abrupten Ende seiner eigenen Serie nach nur einer Staffel wenigstens bei den "Legends" ein Happy End für Astra Logue gibt, die nicht mehr in der Hölle gefangen ist.

Das Fazit fällt aber immer bei den anderen Serien mehr negativ aus. Die neue Superman-Serie spielt in einem Alternativ-Universum ("Earth-TUD25" mit zwei Flüchtlingen aus "Earth-TUD22", die zerstört wird) und nicht (mehr) in "Earth Prime", so dass hier bequem auf Konsistenz zu anderen Serien verzichtet werden kann. John Diggle hat zwar einen zweiten Gastauftritt und [Spoiler] verzichtet darauf, die geheimnisvolle Kiste zu öffnen, die er am Ende der letzten Arrow-Folge bekommen hat. Er wählt seine Familie statt eines ungewissen Abenteuers. Damit ist vermutlich die Chance auf eine John-Diggle-Green Lantern dahin und alle bisherigen noch offenen Anspielungen werden wir auch nicht mehr erleben.

Auch der Hintergrund der Papier-Comics wird in der "Superman und Lois"-Serie sehr frei interpretiert - in der dritten Staffel wird Lois' Krebserkrankung zum Erbrechen massiv ausgewalzt, und in der vierten Staffel taucht ein Doomsday auf, der haargenau wie der Doomsday aus den 90er Comics aussieht, aber aus dem Bizarro-Superman einer Parallelerde durch ein Serum entstand, das Bruno Mannheim, der Boss von Intergang, aus Supermans Blut entwickeln ließ - eigentlich, um seine eigene krebskranke Frau Peia zu heilen. Dieser Bizarro starb in der zweiten Staffel, wird durch das Serum wiederbelebt und durch mehrfache erneute Ermordung zu Doomsday, als Lex Luthor aus dem Gefängnis frei kommt und ihn verwenden will, um sich an Superman und insbesondere Lois zu rächen. Die beiden letzten Staffeln der Serie sind abgesehen von diesem Detail sehr nah an den schon erwähnten Comics, inklusive des realen Tods Supermans. Er wird aber durch ein Spenderherz wiederbelebt und nicht durch Sonnenlicht wie im Comic. Das Staffelfinale zeigt in einem Ausblick die zahlreichen Kinder von Jordan und Jonathan, den Krebstod von Lois und tatsächlich den Tod Supermans "32 Jahre in der Zukunft", vermutlich bedingt durch das menschliche Spenderherz, das trotz Serum nicht so leistungsfähig war wie sein eigenes kryptonisches, das von Doomsday herausgerissen wurde. Ob Supermans Enkel, die "nur noch" ein Viertel Kryptonier sind, auch Kräfte entwickeln (werden), bleibt vollkommen offen. Die Söhne Jordan und Jonathan haben Superkräfte, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie Superman.

Die privaten Beziehungen der Charaktere haben bei allen Serien einen zu hohen Stellenwert. Dadurch werden zwar auch oft mehr oder weniger subtil, manchmal auch mit dem Vorschlaghammer, aktuelle politische und gesellschaftliche Themen problematisiert, wie z.B. Gleichberechtigung, sexuelle Orientierung, Rassismus, LGBTIQ, aber es wirkt nicht organisch integriert, sondern eher gekünstelt in die Serie aufgenommen, weil es gerade Mode ist.

Die beste Integration von LGBTIQ war in der Verfilmung des Comics "Umbrella Academy" das "Coming Out" von Viktor in Staffel 3 als trans (FtM). Es gibt eine kurze Feststellung ("ich bin Viktor"), die anderen Geschwister nehmen es zur Kenntnis und fertig. Halbwegs geschmeidig funktioniert das LGBTIQ bei den "Legends", als Sarah Lance zunächst mit Oliver Queen liiert war und dann nach einem kurzen Techtelmechtel mit Supergirls Stiefschwester Alex (im Earth X-Crossover) dann den Klon Ava heiratet.

Leider haben die Legends ein sehr abruptes Ende genommen - sie können zwar am Schluss der letzten Staffel die böse KI der Waverider reparieren bzw. "bekehren", werden aber am Ende von der Zeitpolizei festgenommen und natürlich erfahren wir durch diesen Cliffhanger zur stornierten achten Staffel nicht, wie das ausgeht.