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03.06.2020

Energieverbrauch beim Streaming - Leserbrief

Leserbrief zur Kolumne von Hr. Arnold, 26.05.2020
[veröffentlicht am 03.06.2020]

Hr. Arnold schreibt einige interessante Gedanken zum Stromverbrauch während der Corona-Krise.

Viel mehr Menschen bleiben zuhause und unterhalten sich dort mit Hilfe von Geräten, die natürlich Strom verbrauchen.
Insbesondere kritisiert Hr. Arnold das "Streaming", also das Anschauen von Filmen über Internet.

Die großen Anbieter hier sind Netflix, Amazon, Google (Youtube und Playstore Filme), Apple und zunehmend Disney+.
Der Energieverbrauch sowohl bei den Anbietern als auch bei den Konsumenten ist beträchtlich, wie Hr. Arnold zutreffend bemerkt. Aber es gibt deutliche Unterschiede zwischen ihnen, und diesen Punkt hätte ich mir stärker herausgearbeitet gewünscht.

Viele Anbieter verwenden intern Dienstleister zur Verbreitung ihrer Daten, sogenannte "Content Distribution Networks" (CDN), das sind lokale Zwischenspeicher, um die internationalen Datenleitungen zu entlasten. Hier gibt es große Unterschiede, wie effizient diese CDNs arbeiten.

Abgesehen davon sind viele große Anbieter inzwischen nahezu oder sogar schon vollständig klimaneutral, indem sie Ökostrom beziehen oder sogar selbst erzeugen (Google ist nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren klimaneutral durch die Verwendung von eigenem Solarstrom).

Etwa ein Drittel des Stromverbrauchs von Rechenzentren wird für die Kühlung der Geräte aufgewendet. Viele moderne Rechenzentren lassen diese Abwärme nicht verpuffen, sondern leiten sie wie ein Blockheizkraftwerk nutzbringend weiter.
Der Energieverbrauch beim Streaming ist mittlerweile ca. 1% des weltweiten Gesamtverbrauchs, und das ist schon auffällig viel, aber nicht beunruhigend, z.B. durch diese Zweitnutzung.

Insgesamt kann man sagen, dass Google und Amazon sehr klimafreundlich sind und Netflix noch nicht besonders. Hier können wir als Verbraucher Druck ausüben.

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung: der Energiebedarf durch das Streaming wird auf weltweit 200 TWh pro Jahr geschätzt (Terawattstunden), das ist in etwa soviel wie Spanien. Deutschland hatte 2018 einen gesamten Energiebedarf von ca. 530 TWh, weltweit waren es 20.000 TWh. Zum Vergleich dagegen: der Rechenaufwand für Bitcoins erforderte immerhin 60 TWh, und der Nutzen von Bitcoins und Blockchains ist nach wie vor in der Fachwelt höchst umstritten.

Zum Schluss noch eine Anmerkung als Elternbeirat: durch die Corona-Krise wird deutlich, wie stark wir alle mittlerweile von der Digitalisierung profitieren und wo noch Mängel zu beheben sind. Auf Youtube z.B. gibt es großartige Filme und Filmchen, mit denen bestimmte Sachverhalte erklärt werden, und viele Lehrer nutzen in dieser Krise die Möglichkeiten gut, die Schüler zuhause zu erreichen und weiterhin zu bilden und zu beschulen. Vielen Dank dafür an alle Lehrer!

25.06.2018

Leserbrief: Heimrouter und Sicherheit

Die WZ hat regelmäßig in der Samstagsausgabe Sonderseiten zu bestimmten Themen, darunter auch Computer, Internet, Smartphones und verwandte Themen. Kürzlich erschien ein Artikel, wie nützlich und vielseitig die Router sind, die im privaten Heim den Internetzugang bereitstellen. Der Artikel ließ aber einen wesentlichen Aspekt aus, der mir als Berufsparanoiker sehr wichtig ist: die Sicherheit.

[veröffentlicht am 23.06.2018]

Leserbrief zum Artikel über Auswahl des Routers für zuhause
Kürzlich hat die WZ einen Artikel über die Auswahl des richtigen Routers für zuhause abgedruckt.
Der Artikel war umfangreich, aber inhaltlich unbefriedigend. Ich habe z.B. vermisst, dass bestimmte Router nicht nur den Internetzugang bereitstellen, sondern auch als Heimserver dienen können, indem man Drucker und Speicher anschließt, die dann jeder nutzen kann. Manche Router können sogar über einen USB-Stick mit Mobilfunk einen alternativen Zugang bereitstellen, wenn die Internetverbindung ausfällt. Immerhin fand Erwähnung, dass neuere Router einen Gastzugang beherrschen.
Was mir aber massiv aufgestoßen ist, ist das Fehlen jeglicher Hinweise oder Empfehlungen auf die Sicherheit dieser Geräte. Immerhin ist der Router dasjenige Gerät, das direkt ans Internet angeschlossen ist, weil das naturgemäß der Sinn der Sache ist. Aus diesem Grund ist es immens wichtig, dass das Gerät regelmäßig Softwareupdates bekommt, um Sicherheitslücken zu schließen oder Fehler zu beheben. Die allermeisten Router funktionieren mit einem kleinen Linuxsystem, und hier gibt es regelmäßig Verbesserungen und Fehlerkorrekturen.
Erst vor kurzem wurde bekannt, dass sehr viele Router von durchaus bekannten Firmen (wie Asus, D-Link, Huawei, Linksys, Ubiquiti, Upvel, und ZTE, sowie verschiedene NAS und Router-Modelle von Linksys, Mikrotik, Netgear, Qnap und TP-Link) gegen einen bestimmten Angriff verwundbar sind und sich deshalb Trojaner einnisten konnten. Die c't berichtete, dass das FBI zwar den Kontrollserver dieses einen Botnetzes lahmlegen konnte, aber die Sicherheitslücken existieren nach wie vor für jeden anderen Bösewicht (eine Liste der betroffenen Geräte). In der Vergangenheit wurden auch schon oft Angriffe auf Heimrouter bekannt, aber mit zunehmender Breitbandversorgung wird es immer interessanter, diese Geräteklasse anzugreifen - eben weil sie schlecht gepflegt werden.
Das ist aus drei Gründen gefährlich:
Erstens haben die bösen Buben durch die weite Verbreitung dieser Geräte eine enorme Armee an Drohnen, die sie für ihre Zwecke einsetzen können, wie z.B. Erpressung mit einem sog. DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service), bei dem der Angegriffene mit Anfragen überschwemmt wird und sein Geschäft nicht mehr ausüben kann,
zum Zweiten ist der Router in der Lage, jedes Gerät im Heimnetz anzusprechen und zu belauschen,
und zum Dritten ist es möglich, dass der Internetverkehr nicht nur belauscht, sondern auch manipuliert wird, so dass z.B. Kreditkarteninformationen, Passwörter, Electronic Banking usw. kompromittiert werden können.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Software-Updates werden immer wichtiger in einer Welt, in der es sich lohnt, elektronische Verbrechen zu begehen. Einer aktuellen Meldung von heise zufolge kann man mit Spam bis zu 300.000 Dollar pro Monat verdienen, mit Trojanern für Klickbetrug (simulierte Abrufe von Werbung) sogar Millionen. Das soll jetzt aber keine Werbung sein, hier ins Geschäft einzusteigen, bitteschön!
Niemand sollte einen Router kaufen oder sich vom Internetprovider aufstellen lassen, wenn die Updatefrage für dieses Modell nicht geklärt ist. Die Hersteller aus der o.g. Liste liefern auch Geräte, die von Vodafone, Telekom, 1&1 und anderen Internetprovidern unter eigener Marke ausgeliefert werden (die Telekom und Vodafone verwenden u.a. gern Geräte von Asus, ZyXEL und Huawei). Jeder Besitzer sollte darauf achten, dass die Updates entweder automatisch installiert werden oder es sich zur Angewohnheit machen, regelmäßig zu kontrollieren, ob es neue Updates gibt.
Im Zweifelsfall kann der Internetprovider eine Updategarantie natürlich nicht geben. Hier empfiehlt es sich, das Gerät nicht von diesem zu kaufen oder zu mieten, sondern sich über Tests in Fachzeitschriften selbst ein gut - und vor allem lang! - gepflegtes Modell auszusuchen.
Tipp am Rand: das Standardpasswort des Geräts sollte auch auf etwas eigenes geändert werden. Manche Standardpasswörter der Hersteller werden nach einem eher langweiligen Algorithmus erzeugt und sind leicht berechenbar.

06.12.2016

Vectoring in der Wetterau - Leserbrief

Die Telekom schießt quer. Zuerst sagten sie, dass in der Wetterau kein Interesse am Ausbau besteht. Das war die Voraussetzung dafür, dass die Bigo gegründet werden konnte.
Nun will die Telekom doch die Wetterau flächendeckend ausbauen. Zumindest sagen sie das.
Aber den Vogelsberg nicht.
Und damit hat die Bigo ein Problem - weil sie nämlich Wetterau und Vogelsberg bedienen wollte, aber derzeit unklar ist, ob sie in der Wetterau noch tätig werden kann oder nicht.
Auf jeden Fall kann die Telekom damit Zeit schinden und die Bigo ärgern.
Diese Situation ärgert mich massiv - ich will nämlich möglichst schnell Glasfaser in der Wetterau haben und nicht die Kupferkrücke Vectoring.
[Veröffentlicht am 06.12.16]
Die Telekom fällt der Bigo in den Rücken - anders kann ich die 180-Grad-Wende nicht interpretieren. 2014 hat die Telekom noch arrogant darauf verzichtet, in der Wetterau flächendeckend zu investieren und hat stattdessen nur die Rosinen aus dem Kuchen picken wollen, so z.B. in Bad Nauheimer Baugebieten.

Nun will die Bigo ihre Pläne für Wetterau und Vogelsberg in die Tat umsetzen, und schwupps! kommt die Telekom mit vollmundigen Ankündigungen um die Ecke. Wieviel von diesen Ankündigungen dann auch wirklich umgesetzt wird, weiß noch niemand. Aber meiner Meinung nach dient dieser Schachzug sowieso erst mal nur dazu, die Bigo auszubremsen. Die Leidtragenden sind die Vogelsberger, denen die Telekom damit den Stinkefinger zeigt.

"Vollmundig" in diesem Zusammenhang heißt, dass die Telekom weiterhin auf Kupferkabel setzt und nur an ganz wenigen Stellen tatsächlich Glasfaser verbaut. Geschwindigkeitssteigerungen bei Kupferkabel sind nach derzeitigem technischen Stand nur möglich, wenn man hochkomplizierte Bündelungsverfahren nutzt, um die auftretenden Signalstörungen zu eliminieren.

Das DSL-Vectoring ist ein unsäglicher Versuch, um das altgediente und längst abgeschriebene Kupferkabel noch möglichst lang in Dienst zu halten.

Zur Erinnerung: DSL ist technisch eine Krankheit, die Ende der 90er Jahre aus dem Flächenland Amerika kam. Dort wurde es entwickelt, um über die alten, ungeschirmten Telefonleitungen Breitband-Internet zu transportieren.
Die Telekom hatte nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern mit dem Glasfaserausbau begonnen, das aber wieder abgebrochen, weil plötzlich die Wiederverwendung von Kupferkabeln billiger und bequemer erschien.

DSL-Vectoring bedeutet, dass mehrere einzelne Kupferleitungen gebündelt werden, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Nebenbei hat das den angenehmen Nebeneffekt für den Besitzer des Kabels, dass er Mitbewerbern nicht mehr einzelne dieser Kabel vermieten muss - er benötigt sie exklusiv für seine Bündelung. Seltsamerweise hat die Regulierungsbehörde diesen Rückfall in monopolartige Strukturen vor einiger Zeit genehmigt, und die Konkurrenz schaut in die Röhre, weil die nun nämlich keinen direkten Zugang mehr zum Endkunden hat. Regulatorisch ist dieses Vorgehen äußerst befremdlich, denn die Telekom gehört zu knapp einem Drittel immer noch dem Bund.

Die Telekom gibt an, dass dadurch mehrere hunderttausend Anschlüsse von Konkurrenten an sie zurückfallen (müssen).
Derzeit werden die realen Leitungen (die sog. Teilnehmeranschlussleitungen - TAL) je nach Geschwindigkeit für 10 bis 15 Euro/Monat an die Anbieter vermietet. Nach der Einführung von Vectoring werden die Vermietungspreise für "virtuelle" Anschlüsse bei mindestens 20 Euro/Monat liegen (die Telekom hat entsprechende Anträge bei der EU und der Bundesnetzagentur mit diesen Zahlen gestellt).

DSL und Kupferkabel sind tote Pferde, die man eigentlich nicht mehr reiten sollte. Es ist mittelfristig sinnvoller, auf Glasfaser zu den Ortsverteilern zu setzen (FttC) und langfristig sogar auf Glasfaser in jedes Haus (FttH).

Die Förderpraxis von Bund und Ländern führt leider dazu, dass nicht die technisch und langfristig sinnvollste Lösung umgesetzt wird, sondern ca. 85 % der Gelder nur in die sog. "Wirtschaftlichkeitslücken" fließen und vorrangig Vectoring ausgebaut wird. Die Subvention dient also dazu, eine kleine Lücke zu finanzieren, die bislang die Firmen von der Investition an einer bestimmten Stelle abgehalten haben. Dafür sind staatliche Subventionen für Breitband aber gerade nicht gedacht!

Ich hoffe ernsthaft, dass die Bigo für den Wetteraukreis und den Vogelsbergkreis hier für alle beteiligten Gemeinden eine technisch sinnvolle Lösung auf die Beine stellen kann, auch wenn die Telekom jetzt Störfeuer schießt.

Glasfaser ist eine sinnvolle und dauerhafte Investition in die Zukunft!

23.04.2014

Rosbach verweigert sich der Breitbandinitiative Wetterau

 Die WZ meldete kürzlich, dass Rosbach und einige andere Gemeinden sich nicht an der kreisweiten Initiative zum Glasfaserausbau beteiligen wollen. Das finde ich sehr schade, und die genannte Alternative "LTE" ist nicht für stationäres Breitbandinternet geeignet, wenn sich die mobilfunkartigen Verträge nicht ändern.

Das habe ich etwas ausführlicher als Leserbrief geschrieben (veröffentlicht am 17.04.14):
Leserbrief zu "Breitband Wetterau", WZ 11.04.14

Ich lese mit Bedauern, dass die Breitbandinitiative des Wetteraukreises mehrere gewichtige Teilnehmer nicht gewinnen konnte. Rosbach, Karben, Bad Nauheim, Bad Vilbel und Altenstadt, die zusammen mehrere Tausend Haushalte darstellen, haben kein Interesse. Das ist sehr schade, weil der Ausbau durch die Masse an Teilnehmern insgesamt gesehen effektiver und billiger wäre.

Im Fall von Rosbach lese ich, dass die zukünftige Versorgung mit LTE ab 2015 ausreichen soll und "das Risiko zu groß" sei. Hier glaubt man den Versprechungen der Telekom, wie toll LTE ist. Schade, dass ausgerechnet bei wirklich sinnvollen Investitionen in die Zukunft die Risikofreude abnimmt, auf anderen Gebieten nimmt man gern Geld in die Hand und schaut nicht so streng hin. Die Attraktivität von Kommunen beim Zuzug bemisst sich zunehmend an der Internetbandbreite, das sollten Bürgermeister auch bedenken.

Berstadt erfreut sich seit Oktober 2012 an LTE. Am Anfang war auch alles toll, aber mit zunehmender Anzahl an LTE-Kunden wird das Surfen ein tageszeitabhängiges Vergnügen. Formal bietet mir die Telekom "bis zu 16 MBit/s" an. Tagsüber (ich arbeite viel von zuhause) habe ich tatsächlich gelegentlich 10 MBit/s, eher um die 5 MBit/s. Abends, wenn alle zuhause sind und surfen, kann ich froh sein, wenn es noch 1-2 MBit/s sind. Damit machen Videodienste wie Youtube keinen Spaß mehr.

LTE ist eine Funktechnologie, die auf verschiedenen Frequenzen arbeitet. Die billigste Lösung mit der größten Reichweite besteht darin, Funkmasten mit 800 MHz aufzustellen oder bestehende um LTE zu erweitern. Diese Frequenz hat aber mehrere Nachteile: die Geschwindigkeit ist begrenzt (derzeit max. 50 MBit/s), ebenso die Anzahl der Teilnehmer pro Funkzelle.

Außerdem verkaufen Telekom und Vodafone LTE nur mit Verträgen, denen man die Herkunft aus dem Mobilfunksektor ansieht: es gibt eine monatliche Volumenbegrenzung, und wenn das Volumen aufgebraucht ist, wird der Kunde auf 384 KBit/s gedrosselt. Man kann dann Volumen nachkaufen (Telekom: 10 GB für 14,95€), aber der Rest davon verfällt am Monatsende. Eine wirkliche "Flatrate" ist das nicht, und bei jedem größeren Download oder dem gelegentlichen Video greift die Schere im Kopf, ob das denn wirklich sein muss.

Es ist also ein Irrglaube anzunehmen, dass eine ausreichend schnelle Internetversorgung über LTE stattfinden kann. LTE ist eine sehr schöne Technologie, um kleine Datenmengen schnell an Smartphones auszuliefern und flächendeckendes Internet für mobile Geräte zu liefern. Es ist aber aufgrund der technischen Gegebenheiten eben keine Technologie, um Haushalte und Ortschaften mit Breitbandinternet zu versorgen.

Die Telekom und die anderen Mitbieter wurden bei der letzten Frequenzversteigerung vom Regulierer verpflichtet, auf dem "flachen Land" LTE flächendeckend auszubauen, bevor in den Ballungszentren das richtig schnelle LTE mit 100, 150 oder mehr MBit/s installiert werden durfte (mit 1800 und 2600 MHz). Bei staatlichem Zwang findet natürlich nur das Allernotwendigste statt - eben der Ausbau mit der billigen und langsamen 800 MHz-Technologie.

Hingegen ist Glasfaser eine wirklich sinnvolle Investition in die Zukunft. Eine einzelne Glasfaser erreicht Gigabit-Geschwindigkeit mit Laserlicht statt mit Funktechnik. Üblicherweise wird Glasfaser in Bündeln verlegt, um die Kapazität zu erhöhen. Und wenn die Bandbreite der Faser mit einem Laser ausgereizt ist, wird mit kleinem Aufwand ein weiterer Laser einer anderen Wellenlänge dazugenommen.

Nebenbei: dank der internationalen Zusammenarbeit bei der Standardisierung gibt es weltweit nicht weniger als 33 verschiedene Frequenzbänder - deshalb funktionieren die meisten LTE-fähigen Smartphones auch nur "fast überall". In Deutschland werden 800, 1800 und 2600 MHz verwendet, in anderen Ländern sind auch 700, 850, 900, 1500, 1700, 2100, 2300 und 2500 MHz in Verwendung. Das verhindert recht effektiv, billige Geräte aus dem Ausland zu kaufen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...

18.01.2014

Erbsen zählen - Perl und CGI - Dritter Teil

Im dritten Teil beschreibe ich nun das Interessanteste: die Auswertung der Daten in Text- und Grafikform, deren Prinzip ich im ersten Teil und Sammlung im zweiten Teil beschrieben habe.

Genau wie schon früher beschrieben, verwende ich das Grafikmodul GD für Perl. Dort kann man ein paar Daten hineinstecken und dann mit einem Aufruf unterschiedliche Schaubilder erzeugen lassen, als "line"-Graph, "bar"-Graph und viele andere. Der Output ist dann HTTP-konform eine Grafikdatei im gewünschten Format, z.B. PNG oder GIF, zusammen mit einer Headerzeile und dem passenden MIME-Typ.

Beim Design gibt es zwei grundsätzliche Überlegungen:
  1. Die Logdateien sammeln Daten pro überwachtem Hostname, ich muss also noch eine Summe bilden, um den Verbrauch pro Host im Verhältnis zum Rest beurteilen zu können.
  2. Ich würde gern sowohl eine Tabelle mit den aktuellen Daten sehen als auch einen Graphen, aus dem man Trends ablesen kann. Ich brauche also im CGI-Skript eine Fallunterscheidung - Text oder Grafik.
Hier kommt das komplette CGI-Skript. An ein paar Stellen füge ich Kommentare in rot oder blau ein, wenn es etwas zu erklären gibt.

Eine grundsätzliche Bemerkung vorneweg: die Datenübergabe erfolgt immer in Form von Referenzen (in C wären das Zeiger auf Datenstrukturen), deshalb verwende ich im Skript i.a. auch gleich Variablen, Arrays und Hashes, die Referenzen enthalten, damit die Übergabe an GD nicht noch unnötig Datenformate umwandeln muss.

Um das CGI-Skript bequem testen zu können, habe ich einen "Testmodus" eingebaut. Man kann generell Skripte, die das CGI-Modul verwenden, auch auf der Kommandozeile aufrufen. Die Argumente, die normalerweise in der Request-URL nach dem "?" folgen, schreibt man einfach als Pärchen mit "name=wert" hinter den Skriptnamen in die Kommandozeile, wie man hier am Beispiel sieht.
# ./accounting.pl scale=1000 testmode=99 xmax=400 ymax=300
Bei diesem Testmodus ist noch zu bedenken, dass natürlich die Umgebungsvariablen des Webservers nicht gesetzt  sind (QUERY_STRING, PATH_INFO, die SSL_*-Variablen, wenn das Skript mit https aufgerufen wurde, usw.). Ggfs. müsste man diese Variablen manuell mit passenden gefälschten Inhalten setzen, damit das Skript an den entsprechenden Stellen sinnvolle Werte bekommt.

Dem Skript kann man einen Parameter "filter" übergeben, um nur einen ganz bestimmten Hostnamen auszufiltern. Deshalb gibt es eine etwas unübersichtliche Fallunterscheidung, ob ein Filter gesetzt ist oder nicht.

Mit "mode=1" wird eine Grafik in voller Größe mit mehreren Graphen und der Gesamtsumme angezeigt; "mode=16" erzeugt eine Tabelle in Textform mit einer Zeile pro Hostname in der Logdatei und hinter jedem Hostnamen in einer Extraspalte eine wönzig kleine Grafik mit der Gesamtsumme und dem Verbrauch dieses Hosts.

#!/usr/bin/perl -w

use strict 'vars';
use strict 'refs';

use GD::Graph;
use GD::Graph::lines;
use GD::Graph::bars;
use GD::Graph::hbars;

# Die GD-Module zeichnen die verschiedenen Typen von Graphen
use CGI qw(:standard);

#use lib "/usr/local/bin";

my @data;

# Array mit Beschriftung, x-Skala und ein oder mehreren y-Datenpunkten
my %hosts;

# Array zum Speichern der Daten pro Hostname
my $graph;
my $format;
my ($xmax,$ymax);

# Größe des auszugebenden Bilds
my $query;
my $range;
my $filter;

# Regexfilter für Hostnamen
# mode=0 full graph mode all hosts
# mode=9 sum only graph
# mode=16 text mode
# mode=99 debug text mode
my $mode;
my @x;
my @y1;

# y1=summierte Daten IN
my @y2;

# y2=summierte Daten OUT
my $scale;
#my $offset;
my $title="LTE volume statistics";

# X-Beschriftung
# werte1
# werte2
# ...
@data=(
);

%hosts=(
# "dummy.moeller-seeling.local" => { "IN " => [ 0 ], "OUT" => [ 0 ] }
);

my $max=0;
my $lines=0;

# logfile inbound, outbound
my ($login,$logout);


$query=new CGI();
$mode=$query->param( 'mode' ) || 0;
$range=$query->param( 'range' ) || "60";
#$offset=$query->param( 'offset' ) || "0";
$scale=$query->param( 'scale' ) || "2500";
$filter=$query->param( 'filter' ) || "";
$xmax=$query->param( 'xmax' ) || "800";
$ymax=$query->param( 'ymax' ) || "600";
$login=$query->param( 'infile' ) || "/var/log/lte-acct.in";
$logout=$query->param( 'outfile' ) || "/var/log/lte-acct.out";
$graph = GD::Graph::lines->new($xmax, $ymax);
$format = $graph->export_format;

# 20140108-110202 IN  i9100.moeller-seeling.local              91M
# 20140108-110202 IN  lifetab.moeller-seeling.local            42M
# 20140108-110202 IN  nexus.moeller-seeling.local              8748K
# 20140108-110202 IN  vettie68.moeller-seeling.local           143M

#my $d;

sub readfile {
  my ($file,$tag,$y)=@_;

  if (open(F,"<",$file)) {
    my ($dt,$old)=("","");

      while (<F>) {
      my ($name,$num,$unit,$hm,$m);

      chomp;
# 20140107-184506 IN  lifetab.moeller-seeling.local            0
# dieser Regex zerlegt eine Zeile, $tag ist IN oder OUT      if ($filter) {
        ($name,$num,$unit,$dt,$hm,$m)=($filter,$7,$8,"$1$2$3-$4$5$6","$4$5",$5)
          if (/^(\d{4})(\d{2})(\d{2})-(\d{2})(\d{2})(\d{2}) $tag\s+$filter.*?\s*(\d+)([KMG]?$)/);
      }
      else {
        ($name,$num,$unit,$dt,$hm,$m)=($7,$8,$9,"$1$2$3-$4$5$6","$4$5",$5)
          if (/^(\d{4})(\d{2})(\d{2})-(\d{2})(\d{2})(\d{2}) $tag\s+([a-z.-][0-9a-z.-]+)\s*(\d+)([KMG]?)/);
      }
      if ($name && defined($num) && defined($unit)) {

        ++$lines;
        if ($unit eq "")  { $num>>=10; }
#       if ($unit eq "K") { $num<<=10; }
        if ($unit eq "M") { $num<<=10; }
        if ($unit eq "G") { $num<<=20; }
# alle Zahlenwerte sind in KB        if ($num>1000) {
          if ($ymax<100) { push(@x,$m); }
          else { push(@x,$hm); }
          $num>>=10;
          push(@{$hosts{$name}->{$tag}},$num);
if ($mode==99) { print STDERR "# <$_>\n# $hm $tag $filter $num $unit | $max\n"; }

# in den Logfiles stehen kumulierte Daten pro Host
# alle Werte vom selben Timestamp addieren für Gesamtsumme
          if ($dt eq $old) { $num+=pop(@{$y}); }
#         else { $num+=$offset; }
          push(@{$y},$num);
          $old=$dt;

# Timestamp aufheben für Vergleich mit nächster Zeile
          if ($max<$num) { $max=$num; }

# Maximum merken für y-Skalierung
if ($mode==99) { print STDERR "# @{$y}\n"; }
        }
      }

    }
    close(F);
  }
}

readfile($login, "IN ",\@y1);
readfile($logout,"OUT",\@y2);

if ($mode==99) {
  local($,=", ");
  foreach my $h (keys(%hosts)) {
    print STDERR "# h $h\n";
    print STDERR "# i @{$hosts{$h}->{'IN '}}\n";
    print STDERR "# o @{$hosts{$h}->{'OUT'}}\n";
  }
  print STDERR "# Sum\n";
  print STDERR "# i @y1\n";
  print STDERR "# o @y2\n";
}


# maximal die letzten $range werte aus der Datei darstellen


if ($range>0) {
  splice(@x,0,-$range);
  splice(@y1,0,-$range);
  splice(@y2,0,-$range);
  $lines=$range;
}
$data[0]=\@x;

# mode=9 nur die Summe
# mode !=9 alle Hostnamen auch einzeln zeigen
if ($mode!=9) {
  foreach my $h (keys(%hosts)) {

# inbound ist interessanter
# man könnte aber in und out anzeigen
    push(@data,$hosts{$h}->{'IN '});
#   push(@data,$hosts{$h}->{'OUT'});
  }
}
# sum of all hosts IN
push(@data,\@y1);
# sum of all hosts OUT
#push(@data,\@y2);

$max=$scale*int($max/$scale+1);

# sinnvolle obere y-Grenze ausrechnen

if ($mode==99) { print STDERR "# max=$max\n"; }

# Daten übergeben$graph->set(
  x_label       => 'Volume Date/Time, ' . $lines . " samples",
  y_label       => 'max ' . $max . ' GB',
  title         => 'LTE volume (GB)',
  y_max_value   => $max,
  y_tick_number => 20,
  y_label_skip  => ($ymax<200) ? 5: 2,
  x_labels_vertical => 1,
  x_label_skip  => $lines / 12,
) or die $graph->error;

# optional die Farben selbst festlegen
#$graph->set( dclrs => [ qw(green lred blue cyan) ] );

# gibt es überhaupt daten?

if ($lines>0) {
  if ($mode<16) {

# bilddatei erzeugen
# binmode ist nur mit windows-webserver wichtig
    print header("image/$format");
    binmode STDOUT;
    print $graph->plot(\@data)->$format();
  }

# textmodus output als tabelle
  elsif ($mode==16) {
    print CGI::header();

    print <<__HEADER__;
<HTML>
<HEAD>
<TITLE>$title</TITLE>
<META http-equiv="refresh" content="300" />
<style type="text/css">
th {
  padding : 3px;
  text-align : left;
}
td {
  padding : 3px;
  text-align : right;
}
</style>
</HEAD>
__HEADER__

print "<!-- ";
print join( " -->\n<!-- ",
           map( "$_ => $ENV{$_}", sort(keys(%ENV)))
          );
print "-->\n";

    print <<__BODY__;
<BODY>
<H1>$title</H1>
<table border="1">
<tr>
<th> Hostname </th>
<th> Download </th>
<th> Upload </th>
</tr>
__BODY__

    foreach my $h (keys(%hosts)) {
      print "<tr>\n";
      print "<th> $h</th>\n";
      print "<td>",pop(@{$hosts{$h}->{'IN '}})," MB </td>\n";
      print "<td>",pop(@{$hosts{$h}->{'OUT'}})," MB </td>\n";

# hinter jeden hostnamen einen wönzigen Detailgraphen anzeigen
if (defined($ENV{'HTTP_HOST'})) {
      print "<td><IMG SRC=http://",$ENV{'HTTP_HOST'},$ENV{'SCRIPT_NAME'},"?filter=$h&xmax=300&ymax=100&scale=",int($max/10),"</IMG></td>\n";
}
      print "</tr>\n";
    }
    print "<tr>\n";
    print "<th style='text-align:right'> &Sigma; </th>\n";
    print "<td>",pop(@y1)," MB </td>\n";
    print "<td>",pop(@y2)," MB </td>\n";
if (defined($ENV{'HTTP_HOST'})) {
      print "<td><IMG SRC=http://",$ENV{'HTTP_HOST'},$ENV{'SCRIPT_NAME'},"?mode=9&xmax=300&ymax=100&scale=",int($max/10),"</IMG></td>\n";
}
    print "</tr>\n";

    print <<__BODY__;
</table>
<DIV>
<HR/>
<ADDRESS>
ths, last changed 09.01.2014
</ADDRESS>
</DIV>
</BODY>
</HTML>
__BODY__

  }
}


[Update 20140122: Links zum 1. und 2. Teil eingefügt]

10.01.2014

Erbsen zählen - zweiter Teil

Nachdem ich also im 1. Teil das Grundprinzip des Erbsenzählens beschrieben habe, kommt hier ein bißchen mehr Skripting zum Einsatz, damit sich der Tag "Automation" auch lohnt ;)

Das Datensammeln an sich ist eine triviale Sache. Man braucht ein kleines Skript, das mit Hilfe von cron regelmäßig ausgeführt wird.

Ich habe einfach mal willkürlich festgelegt, dass es einmal stündlich laufen soll:

2 * * * * /usr/local/sbin/ip-accounting.sh -I /var/log/lte-acct.in -O /var/log/lte-acct.out >/dev/null 2>&1

Der Inhalt des Skripts sieht ein bißchen aufgebläht aus, weil ein paar Kommandozeilenargumente ausgewertet werden wollen. Die wichtigste Zeile im Skript habe ich nochmal extra rot markiert, das ist die eigentliche Datensammlung.
#!/bin/sh

PATH=/opt/sbin:/opt/bin:/usr/bin:/usr/sbin${PATH:+:$PATH}

bytesin=0
bytesout=0
while getopts "iI:oO:" opt
do
  case "$opt" in
  i) bytesin=1;;
  I) filein="$OPTARG";;
  o) bytesout=1;;
  O) fileout="$OPTARG";;
  esac
done
shift $(expr $OPTIND - 1)
if [ "$bytesin$bytesout$filein$fileout" = "00" ]
then
  bytesin=1
  bytesout=1
fi

dt=$(date +%Y%m%d-%H%M%S)

out=$(iptables -L INET_OUT -v | awk -v D="$dt" '{if(NR>2){printf"%s OUT %-40s %s\n",D,$7,$2}}'|sort)
if [ "$bytesout" -eq 1 ]
then
  echo "$out"
fi
if [ -n "$fileout" ]
then
  echo "$out" >> "$fileout"
fi

out=$(iptables -L INET_IN  -v | awk -v D="$dt" '{if(NR>2){printf"%s IN  %-40s %s\n",D,$8,$2}}'|sort)
if [ "$bytesin" -eq 1 ]
then
  echo "$out"
fi
if [ -n "$filein" ]
then
  echo "$out" >> "$filein"
fi
Und was genau macht diese rot markierte Zeile? Schauen wir mal genauer hin. Es sind mehrere Befehle in einer Zeile, verbunden mit dem Weiterleitungszeichen | (pipe). Diese Pipe verbindet den Output des Programms vorne mit dem Input des Programms dahinter.
iptables -L INET_IN  -v |

Der erste Befehl zeigt die bis dahin aufgelaufene Datenmenge für alle überwachten Systeme an. Wichtig ist der Switch -v, sonst bekomme ich die Datenmenge nicht zu sehen.
awk -v D="$dt" '{if(NR>2){printf"%s IN  %-40s %s\n",D,$8,$2}}' |

Die Ausgabe enthält allerdings ziemlich viel Kram, der mich gar nicht interessiert, deswegen verwende ich awk, um mir gezielt nur das zu extrahieren, was ich für meine Neugier brauche. Natürlich könnte ich normalerweise auch grep verwenden, um etwas zu suchen, aber weil ich gleichzeitig ein wenig programmieren will und einzelne Felder aus jeder Zeile des Outputs ausschneiden will, verwende ich ganz gern awk, statt grep mit cut o.ä. zu kombinieren. Spart ein wenig CPU ;)

Bei diesem Befehl benutze ich zwei eingebaute Fähigkeiten von awk: es zählt automatisch die Zeilennummern in der Variablen NR (number of records) mit, was ich verwende, um die ersten zwei Zeilen mit der Überschrift des iptables-Outputs wegzuwerfen, und es zerlegt automatisch die Zeile in "Felder" gemäß einem vorgegebenen Trennzeichen (üblicherweise Whitespace). awk arbeitet also den printf-Befehl nur ab der dritten Zeile des Inputs ab und zeigt davon nur das achte und das zweite Feld an (Hostname und Datenmenge)

Bei der Chain INET_OUT ist  übrigens  der Hostname im siebten Feld enthalten, und bei der Chain INET_IN im achten Feld, weil ich ja einmal nach "source" und einmal nach "destination" suche.

Randbemerkung: damit awk einen Timestamp mit ausgeben kann, gebe ich dem Aufruf von awk einen solchen vorgefertigten Timestamp auf der Kommandozeile mit dem Switch -v NAME=WERT mit. Das können nicht alle awk unter allen Unix-Varianten, m.W. wurde das mit dem "new awk" (nawk) unter SunOS eingeführt, GNU awk unter Linux kann es auf jeden Fall.
sort
Der letzte Befehl sortiert das ganze schlicht und einfach alphabetisch. Ich könnte auch iptables mit dem Switch -n verwenden, um die IP-Adressen zu sehen anstatt der Hostnamen. Dann wäre es angebracht, bei sort ebenfalls -n zu verwenden, um numerische Sortierung zu erzwingen.

Dieses Skript sammelt also stündlich Daten pro überwachtem Hostname. Die gesammelten Daten sehen dann so aus:
server:/share/www/cgi-bin # tail -n2 /var/log/lte-acct.in /var/log/lte-acct.out
==> /var/log/lte-acct.in <==
20140109-150202 IN  nexus.moeller-seeling.local              23M
20140109-150202 IN  vettie68.moeller-seeling.local           286M


==> /var/log/lte-acct.out <==
20140109-150202 OUT nexus.moeller-seeling.local              6752K
20140109-150202 OUT vettie68.moeller-seeling.local           13M

Wie man sieht, ist der Output menschenfreundlich und es wird immer eine halbwegs lesbare Größenordnung bei der Datenmenge angezeigt: KB, MB oder GB. Ohne Einheit sind "Byte" gemeint. Diese Kleinigkeit ist beim Programmieren einer kleiner Stolperstein gewesen ;)

Das Auswerte-Skript habe ich als CGI-Skript in Perl gelöst. Es kann sowohl eine Tabelle als auch eine Grafik erzeugen (mit dem Perl-Modul GD). Das folgt dann im nächsten Teil.

Am Ersten des Monats sollte man übrigens die Zähler wieder auf Null setzen:
iptables -L INET_IN -Z
iptables -L INET_OUT -Z
Ich habe schon ein Skript, das mir meinen Verbrauchszähler auf Null setzt, dort werde ich das noch mit einbauen.

09.01.2014

Erbsen zählen mit Linux - IP Traffic accounting

Manche unter uns wurden geplagt von langsamem DSL.

Ein paar von denen sind mutig auf LTE umgestiegen, das die Telekom und andere Anbieter in unterversorgten Gebieten anbieten müssen (zwar nur im 800 MHz-Band, aber immerhin).

Und ein paar von denen sind neugierig, welcher Mitbewohner denn nun den Traffic verursacht und schon am 20. die Quote für den ganzen Monat aufgebraucht hat ;)

Das alles und noch viel mehr kann man mit einem Linux-Server machen, wenn man seine PCs und Smartphones im Haushalt nicht direkt ins Internet lässt, sondern den Linux-Rechner als Gateway dazwischenklemmt.

Dieser Ansatz hat nebenher noch den Vorteil, dass auf dem Linux-Server ein Caching Proxy laufen kann und damit potentiell ein bißchen vom Traffic nur einmal über die externe Internetverbindung abgerufen werden muss.

Hauptsächlich ist aber das interessanteste, dass nun wirklich jede Internetverbindung am Linux sichtbar ist.

Mit dem Modul "iptables", das bei jeder Linux-Distribution dabei sein sollte, kann man eine Statistik führen, welcher Rechner oder welches Smartphone wieviel Traffic verursacht hat.

Normalerweise wird "iptables" dazu verwendet, mit Regeln festzulegen, was erlaubt ist und was nicht. Nebenbei wird aber auch mitgezählt, wieviele Bytes durch die Regeln geflossen sind. Man kann diesen Mechanismus also für den Nebeneffekt des Zählens verwenden, wenn man schlicht "keine Regel" festlegt.

Nebenbei könnte man aber natürlich auch am Proxy datenintensive Sites wie spotify usw. sperren, die besonders viel vom Datenvolumen verbrauchen.

Grundsätzlich muss man dazu einen Linux-Server mit zwei Ethernet-Schnittstellen aufbauen. Manche Mainboards haben schon zwei davon; falls nicht, kann man für sehr wenig Geld eine zweite Karte in den PC einbauen. Es bietet sich an, den Linux-Server dann auch gleich zum NAS auszubauen mit einer zweiten Festplatte (für ein gespiegeltes RAID1) oder mit mehreren (wenn man ein RAID5 haben will).

Das wichtigste kommt nun: der Router (DSL oder LTE) kommt an die zweite Schnittstelle (oBdA ab jetzt eth1 genannt), und niemand sonst darf direkt mit dem Router verbunden sein. Es ist also sinnvoll, das WLAN am Router abzuschalten oder das Passwort so zu ändern, dass sich niemand mehr anmelden kann. Außerdem muss am Linux-Server das IP-Forwarding eingeschaltet sein, damit die anderen Systeme im Haushalt die Chance haben, trotzdem ins Internet zu kommen. Wenn man das WLAN am Router abschaltet, handelt man sich noch ein zu lösendes Problem ein: man benötigt einen separaten WLAN-Access Point für das interne Netz, der für Smartphones die Basisstation wird.

Alle anderen PCs und der Linux-Server mit seiner ersten Schnittstelle (eth0) müssen an einen "internen" Switch angeschlossen werden. Das kann der interne, neue WLAN-Access Point sein, oder eine eigene kleine Kiste, ganz nach Geschmack und örtlichen Gegebenheiten.

Am Linux muss nun prinzipiell das IP-Forwarding eingeschaltet werden. Dies bedeutet, dass aller Traffic, der an eth0 ankommt und nicht für eine andere interne Station gedacht ist, automatisch an eth1 weitergeleitet wird (und von dort natürlich weiter ins Internet).

Das deute ich hier nur an, für Details mal ein bißchen im Internet nach "linux ip forwarding" suchen.
    iptables -A FORWARD -j ACCEPT -m state --state ESTABLISHED
    echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_forward
    net=192.168.1.0/24
    iptables        -A FORWARD     -j ACCEPT     -i eth0 -s "$net"
    iptables -t nat -A POSTROUTING -j MASQUERADE -o eth1 -s "$net"

    iptables -A FORWARD -j REJECT
Statt des gesamten Netzes (in der Variablen $net) kann man auch gezielt einzelne Hostnamen oder IPs angeben, aber das Setup des IP-Forwardings soll hier nicht das Thema sein.


Stattdessen will ich ein bißchen genauer auf das eigentliche Thema eingehen: das Zählen des Traffics.

Dazu richtet man mit iptables zwei zusätzliche "Chains" ein, und klinkt beide in die immer vorhandene FORWARD-Chain mit ein. Das bedeutet so etwas wie ein Verdoppeln der Daten, wobei die Duplikate in den neuen Chains (eine für Input, eine für Output) nur für das Zählen verwendet und dann weggeworfen werden.
    iptables -N INET_OUT
    iptables -N INET_IN 
    iptables -I FORWARD -j INET_IN
    iptables -I FORWARD -j INET_OUT
Diese beiden neuen Chains stattet man als nächstes mit der Information aus, für welche IP-Adresse überhaupt gezählt werden soll. Dabei muss zum Zählen pro IP-Adresse natürlich dieselbige angegeben werden als "Selektor". Einmal muss der Selektor als "source" (ausgehender Traffic) und einmal als "destination" (eingehender Traffic) verwendet werden (die Variable $ip geeignet setzen).
    iptables -I INET_OUT -s "$ip"
    iptables -I INET_IN  -d "$ip"
Danach kann man schon mal ein bißchen mit dem Gerät spielen (am Smartphone den App Store/Play Store aufrufen oder eine andere App mit Internetabrufen) und beobachten, ob sich bei den Zählern etwas bewegt.
iptables -L INET_IN -v
Um das regelmäßig anzuschauen, kann man den Befehl "watch" verwenden, der ein anderes Kommando regelmäßig aufruft. Meinem Smartphone habe ich im DNS den Namen "nexus" gegeben, und nach diesem Namen suche ich nun:

# watch -n 60 "iptables -L INET_IN -v|grep nexus"

Every 60.0s: iptables -L INET_IN -v|grep nexus
1567 1198K all -- any any anywhere nexus.moeller-seeling.local
Das Interessanteste dürfte der "inbound" sein, der hereinkommt. Typischerweise ist das Downloadvolumen eher groß, und der "outbound" besteht hauptsächlich darin, die Anfragen zu verschicken. Außer natürlich, man lädt gerade große Bilder zu Flickr oder Videos zu Youtube hoch ;)

Als nächstes richtet man dann einen cron-job ein, der diese Daten in regelmäßigen Abständen protokolliert und daraus lustige Reports erstellt. Davon erzähle ich im nächsten Beitrag, wenn ich mit Programmieren fertig bin ;)


[Update: Idee von Robert Dahlem von der LUG Frankfurt, außerdem diese FAQ]

15.11.2013

Die Telekom und das Schland-Routing

Von allerorten tönt es derzeit, dass "man" ja unbedingt etwas gegen die ausufernde Schnüffelei tun muss.

Es hagelt Vorschläge, und man bekommt den Eindruck, wenn man nicht mindestens alle diese Vorschläge befolgt, steht der Geheimdienst quasi schon hinter der nächsten Wand und wenn man nur aus Versehen "Bombe" sagt oder schreibt, hört man im nächsten Moment das "hoi hoi hoi", wenn sich das SEK vom Dach abseilt.

Da gibt es Vorschläge für Emails mit Verschlüsselung (GPG), da gibt es Vorschläge, anonym mit dem Browser zu surfen, indem man Zwischenstationen verwendet, die keine Verbindungen aufzeichnen (TOR als Proxyfunktion), und es gibt auch Vorschläge, dass Datenverbindungen von den großen Providern nicht mehr durch das weltweite Warten geschickt werden, wenn Anfang und Ende der Verbindung doch beide im selben Land liegen.

Prinzipiell eine gute Idee, nur: größtenteils wird das schon längst umgesetzt, weil sich über 200 Provider in Frankfurt am DE-CIX zusammengetan haben, um genau das umzusetzen.

Nur: wer beteiligt sich nicht? Ausgerechnet die Telekom, die immer noch ihrer Monopolstellung aus dem letzten Jahrhundert nachtrauert und sich dem Prinzip der "kurzen Wege" verweigert. Die Telekom findet, dass sich alle nach ihr richten sollen, und versucht, die anderen Provider zu "privatem Peering" zu zwingen, d.h. zum Einrichten von bilateralen Übergabestellen, statt sich am genossenschaftlichen Multilateralismus in Frankfurt zu beteiligen.

Genau diese engstirnige Geschäftspolitik führt ja gerade dazu, dass ein Risiko besteht, dass eine Verbindung von einem Provider ohne direktes Peering zur Telekom durch Nichtschland geroutet werden muss, damit es letztendlich doch wieder bei der Telekom landet. Immerhin hat die Telekom einen Marktanteil von knapp 30 % auf dem deutschen DSL-Markt.

Abgesehen davon löst selbst das "Schlandrouting" (oder Schengen-Routing, wie es die Telekom nennt), nicht das grundsätzliche Problem, dass am DE-CIX fröhlich weiter direkt an den Knotenstellen des Austauschs abgehört wird. Auch das wissen wir ja leider und zum Glück durch Edward Snowden. Ich hätte mir bis vor kurzem nicht vorstellen können (und wollen ...), dass tatsächlich jemand die Chuzpe besitzt, die gigantischen Datenmengen (mehrere TB/s) anlasslos zu durchsuchen und vermutlich auch komplett zu speichern.

Lösen ließe sich dieses Problem nur, wenn man eine starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einführt, die nicht auf der kaputten Vertrauenshierarchie von SSL beruht. Zur Erinnerung: wenn ich ein SSL-Zertifikat nicht persönlich kenne (also mein PC oder sonstiges Endgerät ...), muss ich darauf vertrauen, dass die Zertifizierungsstelle sorgfältig gearbeitet hat, dass also die Root-CA-Stelle ordentlich geprüft hat, wem sie ein Zertifikat ausstellt.

Bis vor einem Jahr hätte ich als grundsätzliche Empfehlung geschrieben, dass man auf https-Verschlüsselung beim Browsen im WWW achten soll. Viele Anbieter haben inzwischen eine automatische Umleitung eingebaut, so dass man bei http-Verbindungen automatisch auf https umgelenkt wird. Allerdings setzt dies voraus, dass man der SSL-Verschlüsselung vertraut. Das schützt also nur gegen Mitlauschen durch böse Buben, die es auf Geld oder ähnliches abgesehen haben.

Da wir aber mittlerweile wissen, dass auch die Root-CA-Stellen korrumpiert sind, weil die fast alle in USA sitzen und deshalb von amerikanischen Gerichten zu allen möglichen Schweinereien gezwungen werden können, kann sich mit großer Sicherheit ein Geheimdienst selbst ein gültiges Zertifikat für eine belauschte Verbindung ausstellen und somit eine "man in the middle"-Attacke ausführen, die fast nicht erkannt werden kann.

Statt der zentralisierten Behauptung von Vertrauenswürdigkeit durch Root-CA-Stellen müsste es peer-to-peer-Schlüsselaustausch geben, wie z.B. in Bruce Schneiers "Applied Cryptography" beschrieben, mit einer Vertrauenswürdigkeit ähnlich wie bei GPG, wobei hier natürlich das Problem von Agenten existiert, die verdeckt für einen Geheimdienst arbeiten und sich in so ein "web of trust" einschleichen können.

Die Angriffe, die (vermutlich) staatliche Stellen letztes Jahr im Iran gegen Google Mail durchgeführt haben, sind nur deshalb aufgeflogen, weil im Google-Chrome-Browser geprüft wird, ob beim empfangenen Zertifikat der Signierer wirklich der ist, von dem Google das Zertifikat gekauft hat. Hier ist der Geheimdienst daran gescheitert, dass sie von dieser zusätzlichen Kontrolle nichts wussten und einfach mit der falschen Identität das Zertifikat signiert haben, mit dem die Antwort nach dem Lauschen weitergegeben wurde.

Auch wenn das alles ziemlich düster aussieht, was Bürgerrechte und Privatsphäre angeht, sollte man nach wie vor im Privat- und Geschäftsleben die Tipps für sicheren Umgang mit WWW, Email und dem Internet beherzigen, die ich schon mal zusammengestellt hatte, etwa hier und hier und hier. Elternbeiräte, Lehrer oder andere interessierte Gruppen können mich für einen kostenlosen Vortrag über Datenschutz und Privatsphäre einladen, den ich hier etwas genauer beschrieben habe.

[Update 20131206: Tippfehler in URL]

05.05.2013

Die Frankfurter Rundschau regt mich schon wieder auf

In der Samstagsausgabe vom 04.05.2013 ist schon wieder ein Artikel vom selben Journalisten, dem ich letzte Woche schon geschrieben habe zum selben Thema DSL-Drosselung. Diesmal führt er ein Interview mit Prof. Torsten Gerpott von der Uni Essen, dort hat er den Lehrstuhl für Telekommunikationswirtschaft inne. Ich finde das Interview sehr schlecht.

Leserbrief zu „Interview zu Drosselkom“ von Hr. Wenzel, FR vom Sa. 04.05.2013

Lieber Herr Wenzel,

Sie haben schon wieder so einen unkritischen Artikel zur DSL-Drosselung der Telekom veröffentlicht.

Ihr Experte behauptet ohne Quellenangabe, dass Deutschland beim Kabelausbau im 16-MBit/s-Bereich weit vorne liegt. Ich empfinde den 18. Platz nicht als "weit vorne".

Die Studie der Breitband-Rangliste wird seit 2008 jährlich von der Oxford University durchgeführt und von Cisco Systems in Auftrag gegeben. Innerhalb dieser Studie wird eine Rangliste nach Werten erstellt, welche die Qualität der Breitbandnetze (vor allem die Geschwindigkeit) und deren Verbreitung in städtischen und ländlichen Gebieten messen. Spitzenreiter ist Südkorea mit einer Haushaltsanschlussquote von 100%. Die Downloadgeschwindigkeit beträgt hier 33,5 Megabit pro Sekunde, die Uploadgeschwindigkeit 17Mbps. Mit dem weiter hinten liegenden 18. Platz und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 11,63Mbps (D) bzw. 1,28Mbps (U) wird deutlich, dass in der Bundesrepublik noch Nachholbedarf besteht. Die Anschlussquote hierzulande beträgt 66%. (Zitiert aus DStGb-Newsletter).

Machen Sie doch mal eine Umfrage, wer die "bis zu" 16 MBit/s auch wirklich bekommt. Ich wette mit Ihnen um einen Meter Glasfaser, dass die meisten Telekom-Kunden irgendwo zwischen 8 und 12 MBit/s herumdümpeln. Bezahlen dürfen sie aber trotzdem den Preis für 16 MBit/s.

Außerdem behauptet er auch wiederum ohne Belege, dass es "einige wenige Vielnutzer" gibt, die deshalb unsolidarisch mehr Geld für den kommenden Ausbau bei der Telekom abliefern sollen. Der Anschluss als solcher hat doch überhaupt nichts damit zu tun, wie stark er genutzt wird! Meiner Meinung nach sollte der grundsätzliche Anschluss mit einer menschenwürdigen Geschwindigkeit für alle gleich viel kosten.

Ich bin gern bereit, für eine höhere Geschwindigkeit mehr zu bezahlen, aber eine Drosselung auf 384 KBit/s ist moderne Folter. Wenn sogar die veraltete Breitbandstrategie der Bundesregierung von 2010 ein Ziel von 1 MBit/s vorgibt, kann eine Drosselung auf 384 KBit/s nur ein schlechter Scherz sein.

In meinem ursprünglichen DSL-Vertrag (von 2004 etwa) steht auch drin, dass ich aufgrund "technischer Gegebenheiten" vielleicht nur 384 oder 768 KBit/s bekommen werde, aber trotzdem für 1 MBit/s bezahlen muss.

Ich kann die "technischen Gegebenheiten" nachvollziehen, weil ich mich ein bißchen für diese Technik interessiere, aber nicht die geschäftlichen Konsequenzen, die die Telekom daraus ableitet.

Die Konkurrenz z.B. bietet auf der gemieteten "letzten Meile" meistens höhere Geschwindigkeiten an, weil sie die Toleranzgrenze für die sog. "Dämpfung" aggressiver einstellen, auch wenn die Entfernung von der Basisstation (DSLAM) höher ist als jeweils vorgesehen. Das erlaubt höhere Geschwindigkeiten, kann aber zu gelegentlichen Ausfällen führen, wenn sich die beiden Gegenstellen erst wieder auf bestimmte Übertragungsmechanismen einstellen müssen (nennt sich "Re-Training"). Mir wären gelegentliche kurze Abbrüche lieber als dauerhaftes Langsamsurfen.

Auf die ländlichen Gebiete gehen Sie im Interview kaum ein. Es wird am Rand erwähnt, dass die Telekom sich insbesondere in Städten engagieren will, weil hier mit wenig Aufwand viel Rendite erzielt werden kann. Der Ausbau auf dem Land ist Ihrem Experten aber lediglich ein Schulterzucken wert. Die Gekniffenen sind aber hauptsächlich die Menschen auf dem Land! Die Landeier dürfen also mit langsamen Anschlüssen leben, sollen aber auch kräftig zahlen und sich solidarisch zeigen. Hört sich doch merkwürdig an, oder?

Das Ziel der Breitbandstrategie der Bundesregierung, bis Ende 2010 alle Haushalte flächendeckend mit Breitbandanschlüssen von mindestens 1 MBit/s zu versorgen, wurde verfehlt und wurde jetzt einfach in die Zukunft verlegt, außerdem mit Mobilfunk-Lösungen wie LTE krückenhaft geflickt. Leider haben die LTE-Anschlüsse denselben Nachteil, nur noch schlimmer: eine Zwangsdrosselung nach 10/15/30 GB im Monat (bei Telekom, Vodafone ähnlich), je nach Vertrag. Man kann einmalig für 14,95 nochmals Kontingent nachkaufen, aber dieses nachgekaufte Kontingent verfällt am Monatsende. Viele Kunden werden also nicht am 28. nochmals 14,95 bezahlen; das Geld wäre größtenteils zum Fenster hinausgeworfen.

Genau das ist aber nicht der Sinn einer deutschlandweiten Breitbandpolitik! Die sog. weißen Flecken auf dem Land hinken dann immer hinterher. Es klingt ja so toll, dass ich zu einem anderen Anbieter gehen könnte. Das ist insofern korrekt, als der "andere Anbieter" dann die letzte Meile von der Telekom anmietet. Das ist aber auch nur möglich, wenn diese letzte Meile nicht mit "DSL Vectoring" unter die alleinige Kontrolle der Telekom zurückgeholt wird. Die Kabelgesellschaften haben denselben Standpunkt wie die Telekom: ein neues Kabel wird nur vergraben, wenn sich genügend Interessenten finden. Mein Wohnort z.B. bekommt in den nächsten zehn Jahren sicherlich kein Kabel, und von Glasfaser kann ich nur träumen.

Insgesamt gesehen finde ich das Interview sehr schwach und einseitig und Sie hätten ruhig mit mehr Fakten kritischer nachfragen sollen. Außerdem würde ich gern wissen, ob Ihr interviewter Experte oder sein Institut irgendwelche finanziellen Beziehungen zur Telekom hat. Es soll ja vorkommen, dass Firmen Drittmittel an Unis geben und forschen lassen. Dann könnte ich dieses Hurra-Interview besser einordnen.
[Update 05.05.2013: Quelle für Zitat Breitbandstudie 18. Platz D eingefügt]

29.04.2013

Tempolimit auf der Datenautobahn

Meinen Leserbrief an die Frankfurter Rundschau hab ich auch gekürzt an die Wetterauer Zeitung geschickt. Hier gibt es bei Leserbriefen ein Limit von 600 Worten.
[Update 04.05.2013: der Leserbrief wurde heute im Meinungstreff der WZ veröffentlicht]

Leserbrief zur Telekom-DSL-Drosselung
Seit einigen Tagen wird heiß diskutiert, ob und welche Auswirkungen die von der Telekom angekündigte Geschwindigkeitsdrosselung bei DSL-Anschlüssen haben wird. In einer Pressemitteilung heißt es, dass alle Neuverträge ab Mai eine Klausel enthalten werden, dass nach 75 Gigabyte Verbrauch je Monat die Geschwindigkeit auf DSL-light-Niveau von 384 KBit/s gedrosselt wird. Technisch soll diese Drosselfunktion ab 2016 eingesetzt werden. 75 Gigabyte hört sich jetzt viel an; laut Telekom liegt der durchschnittliche Verbrauch derzeit bei 15-20 Gigabyte. Aber es ist absehbar, dass diese Größenordnung bis 2016 vollkommen überholt ist, wenn Filme und Radio immer mehr über Internet abgerufen werden und die "Cloud"-Angebote von mehr Kunden genutzt werden.
Begründet wird die Drosselungsklausel damit, dass angeblich 3% der Kunden etwa 30% des gesamten Datenverkehrs ausmachen und dies unfair gegenüber den "normalen" Benutzern wäre. Die Transportkosten für die Daten seien so hoch, dass die "normalen" Kunden nicht für die "heavy User" mitbezahlen sollten.
In anderen Artikeln und Kommentaren zum Thema wird nun diese Behauptung munter weiter kolportiert. Allerdings ist dies nicht ansatzweise die Realität. Im Gegenteil ist es so, dass sich die Preise für das transportierte Gigabyte im sogenannten „Backbone“, dem Herzstück des Datenaustauschs, im freien Fall befinden (ich hörte in Berichten von 0,26 cent pro Gigabyte). Das, was richtig teuer ist, ist hingegen der Ausbau der letzten Meile auf eine menschenwürdige Geschwindigkeit (das klingt pathetisch, ist aber mein Ernst). Und diese „letzte Meile“ benötigt jeder, ob er nun ein „heavy User“ ist oder Lieschen Müller. Um den Ausbau der letzten Meile drücken sich aber wiederum alle Telekom-Unternehmen, weil hier genau wie im Backbone kein Geld mehr zu verdienen ist. In Berstadt weiß ich davon ein Lied zu singen, und zwar in Moll.
In anderen Ländern, wie z.B. Österreich oder Japan gibt es "echte" Flatrates, also Pauschalangebote, für 25-50 Euro im Monat ohne Volumenlimit und ohne Tempolimit. In einer Landkarte des Internet-Ausbaus befindet sich Deutschland weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen, und beim Glasfaserausbau ist noch nicht mal das erste Prozent Abdeckung erreicht.
Die Telekom hat es satt, nur als Netzbetreiber aufzutreten. Hier ist nur wenig Geld zu verdienen. Das Geld wird mit den Inhalten gemacht. Die Telekom will für den Datentransport abhängig vom Inhalt von beiden Seiten Geld kassieren: vom Kunden für den DSL-Anschluss und nochmal vom Inhalteanbieter oder, wenn letzteres nicht klappt, nochmal vom Kunden für die diskriminierungsfreie Durchleitung bestimmter Dienste.
Diese Wandlung vom Netzbetreiber zum Inhalteanbieter merkt man daran, dass der "Entertain"-Dienst (also Fernsehen über DSL) nicht auf die 75 Gigabyte Kontingent angerechnet wird, ebenso der Datenverbrauch des Internetradios "Spotify". Bestimmte Dienste werden also bevorzugt, indem sie immer schnell geliefert werden. Es ist absehbar, dass die Telekom entweder vom Kunden oder vom Programmanbieter zusätzliches Geld sehen will, wenn sein Inhalt ebenfalls ohne Tempolimit zum Kunden gebracht werden soll. Dann wird es neben dem DSL-Grundpreis ein "youtube"-Paket, ein "lovefilm"-Paket usw. geben, die man - natürlich - extra bezahlen muss.
Es könnte auch ein wenig politisches Interesse mit hineinspielen. Wenn nämlich keine „Flatrates“ mehr angeboten werden, müssen wieder Abrechnungsdaten gespeichert werden. Holger Voss hat ja in einem aufsehenerregenden, mehrjährigen Prozess bis zum BGH durchgefochten, dass die Telekom seine DSL-Einwahldaten nicht speichern darf, weil bei einer Flatrate kein nachträglicher Abrechnungsbedarf existiert. Diese Abrechnungsdaten finden die Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sowie die Abmahner aus der Unterhaltungsbranche bestimmt sehr spannend.
So wird das bestimmt nichts mit dem Technologie-Standort Deutschland, wenn jeder sich Gedanken machen muss, was er abrufen darf, bevor er auf eine Kriechrate gedrosselt wird, bei der gerade mal Emails ohne Anhänge noch funktionieren.

28.04.2013

Die Internet-Bremse Telekom

Seit einigen Tagen tobt es in der Netzwelt über die Mitteilung, dass die Telekom eine Tempobremse bei DSL-Anschlüssen einführen will. Als Mobilfunknutzer ist man solche Klauseln im Vertrag ja schon gewöhnt und nimmt sie üblicherweise auch hin. Hier hat sich herumgesprochen, dass man für sein Geld nur eine bestimmte Datenmenge mit normaler Geschwindigkeit bekommt (UMTS oder dessen schnellere Varianten HSDPA, HSUPA oder HSPA+). Die Kunden sind schon glücklich, dass sie auch nach Aufbrauchen dieser Datenmenge weiterhin - zwar gedrosselt - ihr Smartphone benutzen können, aber immerhin, ohne dass weitere Kosten für die Internetnutzung anfallen.

Diese Drosselung soll jetzt auch im kabelgebundenen DSL-Netz der Telekom eingeführt werden. Im Gespräch sind derzeit 75 Gigabyte pro Monat, weil ja angeblich der durchschnittliche Nutzer im Monat nur 15 bis 20 Gigabyte verbraucht. Eine einfache Rechnung zeigt, wie massiv der Kunde dadurch wirklich beeinträchtigt wird.

Bei angenommenen 6 MBit/s. kann man überschlägig pro Tag ca. 40 Gigabyte und in 30 Tagen ca. 1200 Gigabyte Daten abrufen und senden. Bei einer Drosselung nach 75 Gigabyte hat man die volle Geschwindigkeit nur 6% der Zeit pro Monat zur Verfügung, in Zahlen: einen Tag und 21 Stunden lang. Zur Erinnerung: ein Film bei Google Play, Lovefilm oder anderen Internet-Verleihern schlägt in HD-Qualität mit ca. 10 Gigabyte zu Buche. Nach 7 Filmen ist also Schluss. Da müssten doch alle Couch-Potatoes Sturm laufen! ;)

Mein eigener LTE-Anschluss leistet manchmal 1400 KB/s. Das wären dann pro Tag schon bis zu 115 Gigabyte. Ich hätte rechnerisch nur 2% des Monats die volle Geschwindigkeit, genauer: nach 14 Stunden und 52 Minuten (62% eines einzigen Tages) wäre der Traum vom schnellen Internet für den Rest des Monats ausgeträumt.

Spiele herunterladen kann schon mal 15 bis 30 Gigabyte verbrauchen. Eine Software für meine Tochter, die ich gekauft habe, verbrauchte auch mal eben 2 Gigabyte meines Download-Volumens.

In der "Frankfurter Rundschau" gab es dazu gestern einen Leitartikel (keine Verlinkung, zum Einen ist dieser Artikel nicht online, und zum Anderen wegen #LSR, Sie wissen schon) von Frank-Thomas Wenzel. Da er nicht online zu finden ist, fasse ich mal kurz zusammen: Er fand das im Prinzip gar nicht so schlimm, weil ja "der Netzausbau viel Geld koste". Das einzige Problematische für ihn war, dass dann eine Trennung im Entertain-Paket zwischen Entertain-TV (das bedeutet für ihn nur Live-Streaming) und Konservenfilmen gemacht werden müsste wegen der Fairness. Das war das einzige Kriterium, damit für ihn weiterhin die nötige Netzneutralität gegeben sei.

Das Kostenargument für den Datentransport lasse ich nicht gelten: der Transport kostet derzeit ca. 0,26 Cent pro Gigabyte. Wie sagt der Amerikaner so schön? "You do the math!".

Das sehe ich massiv anders, und wenn ich eine Meinung habe, dann sage ich die auch und schreibe Leserbriefe. Kennt man ja schon hier aus dem Blog ;)

Vielleicht vorneweg noch ein paar interessante Zahlen:


 Auf einer Rangliste des durchschnittlichen Netzausbaus ist Deutschland mit im Schnitt weniger als 6 MBit/s. deutlich auf den hinteren Plätzen. Auf einer Rangliste, die den Glasfaser-Ausbau zeigt, ist Deutschland gar nicht erst enthalten, es gibt weniger als 1% Glasfaser-Anschlüsse in Deutschland. Nur England ist in diesen Ranglisten noch schlechter als Deutschland, Länder wie Litauen und Schweden haben das Land der Dichter, Denker, Ingenieure und Erfinder schon längst abgehängt.

Hier sind meine Gedanken zum Thema DSL-Drosselung und Netzneutralität:

Leserbrief zu „Schwarzer Bildschirm“ von Hr. Wenzel, FR vom Sa. 27.04.2013
Lieber Herr Wenzel,
Ihr Leitartikel zur DSL-Drosselung der Telekom geht so weit an der Wahrheit vorbei, dass die Telekom sich sicherlich in Kürze bei Ihnen bedanken dürfte für die Fürsprache.
Leider ist das grundsätzliche Problem nicht, wie Sie kolportieren, der hohe Preis des Netzausbaus. Im Gegenteil ist es so, dass sich die Preise für das transportierte Gigabyte im sogenannten „Backbone“, dem Herzstück des Datenaustauschs, im freien Fall befinden. Das, was richtig teuer ist, ist hingegen der Ausbau der letzten Meile auf eine menschenwürdige Geschwindigkeit (Tschuldigung, das klingt pathetisch, ist aber mein Ernst). Und diese „letzte Meile“ benötigt jeder, ob er nun ein „Heavy User“ ist oder Lieschen Müller. Um den Ausbau der letzten Meile drücken sich aber wiederum alle Telekom-Unternehmen, weil hier genau wie im Backbone kein Geld mehr zu verdienen ist.

Spannenderweise bietet die Telekom in Österreich eine „echte“ Flatrate ohne Volumenlimit und ohne Tempolimit für 27 Euro im Monat an. Irgendwie scheint es also doch zu gehen. In Japan steht der Kunde vor der schwierigen Entscheidung, ob er 50 oder 100 Mbit/s. Glasfaser für ca. 40 Euro pro Monat bestellen soll.
Worum es wirklich geht, klingt in Ihrem Artikel recht harmlos: Sie wollen einfach nur das Streaming der TV-Sender vom Geschäft mit Konservenfilm trennen, weil ja angeblich das Streaming ein „managed Service“ ist – diesen Begriff verwendet die Telekom. Technisch ist aber beides IP-Datenverkehr, und diese künstliche Trennung gehört zum Rechtfertigungs-Tralala der Telekom. Die Telekom verfolgt meiner Meinung nach mehrere Ziele mit der Drosselung der DSL-Leistung:
  • eine künstliche Spaltung der Netzgemeinde in „die und wir“, nämlich in die, die gefühlt das Internet wenig benutzen und deshalb gefühlt die unterschwellige Drohung einer Preiserhöhung wahrnehmen, wenn diese Drosselung für die schlimmen „Heavy User“ nicht eingeführt wird, und in die anderen, denen klar ist, dass es keine sachlichen Gründe für die Drosselung gibt und sich gegeneinander ausgespielt fühlen;
  • außerdem hat die Telekom es satt, nur als Netzbetreiber aufzutreten. Hier ist – wie oben angeführt – nur wenig Geld zu verdienen. Das Geld wird mit den Inhalten gemacht. Orange in Frankreich hat es vorgemacht: mit dem Druckmittel des Netzausbaus in Afrika erpresst Orange von Google zusätzliches Geld für die Durchleitung von Youtube-Inhalten. Darauf läuft es hauptsächlich hinaus: die Telekom will für den Datentransport von beiden Seiten Geld kassieren: vom Kunden für den DSL-Anschluss und vom Inhalteanbieter oder nochmal vom Kunden für die diskriminierungsfreie Durchleitung bestimmter Dienste;´
  • es könnte auch ein wenig politisches Interesse mit hineinspielen. Wenn nämlich keine „Flatrates“ mehr angeboten werden, müssen wieder Abrechnungsdaten gespeichert werden. Holger Voss hat ja in einem aufsehenerregenden, mehrjährigen Prozess durchgefochten, dass die Telekom seine DSL-Einwahldaten nicht speichern darf, weil bei einer Flatrate kein nachträglicher Abrechnungsbedarf existiert. Diese Abrechnungsdaten finden die Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sowie die Abmahner aus der Musik- und sonstigen Unterhaltungsbranche bestimmt sehr spannend.
Aber so einfach wird es nicht werden, wenn man „nur“ die Filmkonserven aus dem Entertain-Paket herauslöst. Die Telekom hat ja auch schon Kooperationen mit anderen Anbietern wie Spotify für Internet-Radio. Es wird also sicherlich in Zukunft in der Planung der Telekom „Pakete“ geben, die der Kunde einzeln bezahlen darf. Oder eben als „Einspeisegebühr“ vom Anbieter, so wie es Kabelbetreiber ja im Moment vehement vor Gericht einfordern, nachdem ARD und ZDF den Einspeisevertrag gekündigt haben. Ist das nicht toll? 75 Gigabyte im Monat mit normaler Geschwindigkeit; danach kostet es extra, wenn man Youtube gucken will.
Die Telekom müsste m.E. aufgeteilt werden in einen reinen Netzanbieter, der geschäftlich getrennt von der Entertainment-Sparte ist. Wenn nämlich alle Anbieter eine Einspeisegebühr berappen müssten, wäre das ganze wieder plausibel. Dann müsste auch der Entertain-Anbieter für sich genommen rentabel werden. Im Moment sieht es wieder nach Mauschelei und Quersubventionierung aus: auch die, die einen Dienst nicht nutzen, bezahlen dafür mit. Das verstehe ich nicht unter Solidarität. Zumal bei der derzeitigen inhaltlichen TV-Qualität mit „Bauer tauscht Frau“ und „Deutschland sucht Autobahnkontrolleure“ ...
Ich habe auf dem Land in einem der bisherigen „weißen Flecken“ diesen Spaß schon heute: ich bin im Herbst von DSL light mit 384 Kbit/s. umgestiegen auf LTE mit nominal 16 Mbit/s., real erreiche ich zwischen 11 und 14 Mbit/s. Hier hat die Telekom leider die Mobilfunk-Logik beibehalten: ursprünglich hatte ich im normalen „call und surf comfort via Funk“ 10 Gigabyte im Monat frei mit normaler Geschwindigkeit, danach Drosselung auf DSL-light-Niveau, jetzt im „Tarif L“ immerhin 30 Gigabyte.
Da ich von zuhause aus arbeite, zwei Teenager im Haushalt habe und meine Frau und Schwiegermutter beide auch gern mal das Internet benutzen, gibt es bei uns auch schon die „Schere im Kopf“: wir überlegen uns, ob wir uns dieses und jenes Video anschauen, weil es ja vom Kontingent abgeht. Beim Telefonat mit der Telekom-Hotline musste ich mir tatsächlich von einem Mitarbeiter die entgeisterte Frage anhören, was ich denn mit mehr als 10 Gigabyte im Monat wolle.
So wird das bestimmt nichts mit dem Technologie-Standort Deutschland, wenn jeder sich Gedanken machen muss, was er abrufen darf, bevor er auf eine Kriechrate gedrosselt wird, bei der gerade mal Emails ohne Anhänge noch funktionieren.

17.12.2012

Die digitale Kluft auf dem Dorf

In letzter Zeit mache ich mir immer öfter Gedanken über die digitale und reale Zukunft, insbesondere unserer eigenen Kinder natürlich, aber ebenso auch etwas abstrakter um die Zukunft meiner Mitmenschen, Kinder und Erwachsener. In den folgenden Absätzen mal eine Sammlung von interessanten Stellen, die mir letztens über den Weg gelaufen sind, und ein paar Gedanken, wie schnell das dann auch wirklich bei den Menschen ankommt.

Wir stehen vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich in einer Technologiefirma arbeite (mit dem blaugestreiften Logo ...), kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert. IBM z.B. behauptet in einer kühnen Voraussage, dass in fünf Jahren Computer die 5 Sinne des Menschen nachbilden können, als "Versteher", d.h. Konsument von Reizen, und damit nicht nur z.B. Pixel auf einem Bild wahrnehmen, sondern den Inhalt des Bildes erkennen und damit dem Bild einen Sinngehalt zuordnen können.

Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag.

Auf die Vernetzung von Geräten will ich gar schon mal gar nicht eingehen, zum Einen gibt es die "Car-2-Car"-Kommunikation. die gerade mit WLAN rund um Frankfurt erprobt wird, und der Opel Adam baut da bei der Unterhaltung und Bedienung auf ein ganz neues Konzept. Und auch der Unterhaltungswert ist mit tragbaren Geräten ganz anders, die GPS, Lagesensoren wie Gyroskop, Beschleunigungssensor, manche sogar ein Barometer enthalten. Google macht es mit dem Spiel Ingress vor (derzeit beta nur mit Einladung), was alles mit "augmented reality" möglich ist, also der Überlagerung von realen Informationen mit computergenerierten.

"Google Now" ist auch eine ganz hübsche Idee, bei der persönliche Lebensdaten in ihrer Gesamtheit ausgewertet werden, um daraus zu schlussfolgern, was als nächstes ansteht, und dann zielgerichtet Vorschläge dazu zu machen (z.B. im Terminkalender feststellen, dass eine Besprechung in Frankfurt stattfindet, die Verkehrsnachrichten auswerten und dann selbständig vorschlagen, wann auf welcher Route loszufahren ist).

Was ich mir aber außerdem durchaus vorstellen kann, ist, dass dabei ganz viele Menschen abgehängt werden und sich auf diese Weise eine Kluft bildet, die kaum aufzuholen ist, und die noch viel schlimmer werden wird als die Industrialisierung im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei denke ich nicht nur daran, dass die Smartphones Geld für Anschaffung und Betrieb kosten, sondern auch, dass für die sinnvolle Nutzung von Smartphones ein gewisses Interesse und - derzeit noch - Neugierde bei der Erforschung und leider auch ein dickes Fell bei der Duldung von Problemen und Fehlern bedeutet. Der Normalfall ist, dass die "üblichen" Dinge einwandfrei funktionieren, dass aber eben manchmal der Teufel im Detail steckt und eben nur mit Ausprobieren oder Ändern von Einstellungen zum Funktionieren gebracht werden können. Da geben viele bestimmt entnervt auf, bevor sie zuviel Zeit hineinstecken ... Ich könnte auch mal wieder meckern, wie langsam Smartphone-Hersteller Android-Updates liefern, aber das hab ich schon ein paarmal gemacht und spar's mir hier ;-)

Nebenbei könnte ich mir auch noch im Sinne von 1984 vorstellen, dass die Lieferanten von Inhalten und Apps damit eine Filterfunktion entfalten können und damit Möglichkeiten zur Meinungssteuerung haben ... Das klingt ganz schön gruselig. Wenn man nicht über ein Ereignis berichtet, und man nicht zufällig direkt daneben wohnt, findet es in der Wahrnehmung der Menschen nicht statt.

In den Vorträgen über Privatsphäre und Datenschutz ("manage your identity" - halte ich kostenlos nach Vereinbarung für Schulklassen oder Elternbeiräte; sinnvoll ca. ab 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co.) sind die Zuhörer meistens ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann. Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.

Zurück zum Thema "Filterfunktion": da haben sich die deutschen Verlage z.B. im Moment nicht gerade mit Ruhm bekleckert, weil in der Totholzindustrie (=Presseverlage) die Diskussion um das Leistungsschutzrecht zu 99% totgeschwiegen wird, und auch die Gegenseite quasi gar nicht zu Wort kommt (ich erinnere an meinen abgelehnten Leserbrief für die WZ ...). Eine Diskussion, die nur "im Internet" geführt wird, wird von geschätzt 80% der Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommen.

Ich und meine Frau sind in diversen Institutionen ehrenamtlich (ein wenig ...) tätig, z.B. im Elternbeirat (Kindergarten, dann Grundschule, Gymnasium), Förderverein der jeweiligen Schulen, Kirchenvorstand, und in Vereinen.

Bei den Sitzungen oder sonstigen Besprechungen fällt mir in letzter Zeit ganz massiv auf, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt, zumindest, was die Nutzung und überhaupt den Nutzungswillen von Technik angeht. Die folgende Liste betrifft nicht nur Smartphones, sondern ganz allgemein alles, was mit Strom betrieben wird ;)

  • Aufgeschlossene Neugierige, die Wert auf Ausgereiftheit legen (jo, das bin ich ;) ... mittlerweile, mein Fell ist nicht mehr so dick, was die Toleranz von Fehlern im Produkt angeht)
  • Zögerliche, die man mit ein wenig Überredung dazu bringen kann, etwas zu nutzen (dazu zählt meine Frau, die seit neuestem ein Motorola Milestone 2 hat, nachdem ihr das abgelegte Motorola Flipout von Kind 1 zu klein war - jetzt muss sie sich "nur noch" an den Google-Kalender und Einladungen gewöhnen und das Dings immer dabei haben)
  • Widerstrebende, die Technik nutzen, wenn man sie ihnen erklärt und vorbereitet. Dann nutzen sie sie auch gern, weil es einen Mehrwert bietet (meine Schwiegermutter lässt mich Anleitungen lesen und erwartet dann, dass mit einem Knopf alles funktioniert - schwierig, wenn man für Fernseher und Sat-Receiver zwei Fernbedienungen hat ;) )
  • Ignorierer, die von der Existenz einer Technik wissen, aber sie nicht nutzen *wollen* und das auch unmißverständlich alle spüren lassen.
  • Widerstrebende, die eine Technik nutzen, weil es von ihnen "irgendwie" erwartet wird; aber eigentlich wollen sie nicht, trauen sich aber nicht, dies so vehement zu vertreten wie die "Ignorierer". Der Widerstand besteht darin, die Technik (z.B. Email) so selten zu nutzen, dass das Gegenüber es nach einem oder zwei Fehlschlägen aufgibt, z.B. weil eine Einladung per Email nicht wahrgenommen wurde.

Diese Klassifizierung ist sicherlich nicht erschöpfend, aber nahezu meine komplette eigene Umgebung kann ich da schon ziemlich vollständig einsortieren ;)

In einer Elternbeiratssitzung der 6. Klasse von Kind 1 hatte ich mal vorgeschlagen, ein Wiki mit einer geschlossenen Benutzergruppe einzurichten, um dort Informationen abzulegen, die für die ganze Klasse relevant sind. In einer Klasse von 30 Kindern waren gerade mal 3 Eltern, die überhaupt verstanden, von was ich eigentlich gesprochen hatte. Wikipedia kannten zwar fast alle, aber die Tatsache, dass man a) so etwas selbst einrichten und b) selbst darin schreiben kann, kam für *alle* total überraschend.

Im Elternbeirat der Grundschule haben wir es nichtmal geschafft, unsere Mitteilungen als Email zu schicken ("ich guck nur alle 3 Wochen in meine Email ..."). Also weiterhin ausdrucken und in die Ranzenpost ...

Immerhin: Email funktioniert im Gymnasium, aber das war's auch schon. Termine über Doodle? Blog? Google-Kalender? Ach nö, danke.

Ganz bemerkenswert und total klasse finde ich, dass die Gemeinde Wölfersheim die Müllabfuhr-Termine als öffentlichen Google-Kalender anbietet. Das ist simpel und genial bequem. Ich liebe es.

Zu diesem Dilemma der Aufspaltung in "Umarmer" und "Ablehner" trägt natürlich auch bei, dass sich die Telekom-Konzerne nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was die Internet-Versorgung auf dem platten Land betrifft. Mit ein klein wenig Verschwörungstheorie könnte ich mir sogar erklären, warum bei meinem DSL der variable RAM-Modus abgeschaltet wurde und ich plötzlich wieder mit 384 statt 1700 KBit/s surfen musste.

Seit Oktober haben wir stattdessen LTE mit 7200 KBit/s, aber dafür mit einer mobilfunktypischen Beschränkung auf 10 GB Volumen pro Monat (Korrektur: seit Dezember gibt es S/M/L-Tarife mit 10/15/30 GB pro Monat und für 9,95 Euro sogar zusätzliche 30 GB auf Zuruf), und danach mit Drosselung auf die vorherige DSL-384-Geschwindigkeit. Das führt dazu, dass man immer mit dem Hintergedanken surft, wann die Drosselung zuschlägt ;(. Dienste wie Internet-Radio und Streaming sind so natürlich illusorisch.

In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.