23.04.2014

Rosbach verweigert sich der Breitbandinitiative Wetterau

 Die WZ meldete kürzlich, dass Rosbach und einige andere Gemeinden sich nicht an der kreisweiten Initiative zum Glasfaserausbau beteiligen wollen. Das finde ich sehr schade, und die genannte Alternative "LTE" ist nicht für stationäres Breitbandinternet geeignet, wenn sich die mobilfunkartigen Verträge nicht ändern.

Das habe ich etwas ausführlicher als Leserbrief geschrieben (veröffentlicht am 17.04.14):
Leserbrief zu "Breitband Wetterau", WZ 11.04.14

Ich lese mit Bedauern, dass die Breitbandinitiative des Wetteraukreises mehrere gewichtige Teilnehmer nicht gewinnen konnte. Rosbach, Karben, Bad Nauheim, Bad Vilbel und Altenstadt, die zusammen mehrere Tausend Haushalte darstellen, haben kein Interesse. Das ist sehr schade, weil der Ausbau durch die Masse an Teilnehmern insgesamt gesehen effektiver und billiger wäre.

Im Fall von Rosbach lese ich, dass die zukünftige Versorgung mit LTE ab 2015 ausreichen soll und "das Risiko zu groß" sei. Hier glaubt man den Versprechungen der Telekom, wie toll LTE ist. Schade, dass ausgerechnet bei wirklich sinnvollen Investitionen in die Zukunft die Risikofreude abnimmt, auf anderen Gebieten nimmt man gern Geld in die Hand und schaut nicht so streng hin. Die Attraktivität von Kommunen beim Zuzug bemisst sich zunehmend an der Internetbandbreite, das sollten Bürgermeister auch bedenken.

Berstadt erfreut sich seit Oktober 2012 an LTE. Am Anfang war auch alles toll, aber mit zunehmender Anzahl an LTE-Kunden wird das Surfen ein tageszeitabhängiges Vergnügen. Formal bietet mir die Telekom "bis zu 16 MBit/s" an. Tagsüber (ich arbeite viel von zuhause) habe ich tatsächlich gelegentlich 10 MBit/s, eher um die 5 MBit/s. Abends, wenn alle zuhause sind und surfen, kann ich froh sein, wenn es noch 1-2 MBit/s sind. Damit machen Videodienste wie Youtube keinen Spaß mehr.

LTE ist eine Funktechnologie, die auf verschiedenen Frequenzen arbeitet. Die billigste Lösung mit der größten Reichweite besteht darin, Funkmasten mit 800 MHz aufzustellen oder bestehende um LTE zu erweitern. Diese Frequenz hat aber mehrere Nachteile: die Geschwindigkeit ist begrenzt (derzeit max. 50 MBit/s), ebenso die Anzahl der Teilnehmer pro Funkzelle.

Außerdem verkaufen Telekom und Vodafone LTE nur mit Verträgen, denen man die Herkunft aus dem Mobilfunksektor ansieht: es gibt eine monatliche Volumenbegrenzung, und wenn das Volumen aufgebraucht ist, wird der Kunde auf 384 KBit/s gedrosselt. Man kann dann Volumen nachkaufen (Telekom: 10 GB für 14,95€), aber der Rest davon verfällt am Monatsende. Eine wirkliche "Flatrate" ist das nicht, und bei jedem größeren Download oder dem gelegentlichen Video greift die Schere im Kopf, ob das denn wirklich sein muss.

Es ist also ein Irrglaube anzunehmen, dass eine ausreichend schnelle Internetversorgung über LTE stattfinden kann. LTE ist eine sehr schöne Technologie, um kleine Datenmengen schnell an Smartphones auszuliefern und flächendeckendes Internet für mobile Geräte zu liefern. Es ist aber aufgrund der technischen Gegebenheiten eben keine Technologie, um Haushalte und Ortschaften mit Breitbandinternet zu versorgen.

Die Telekom und die anderen Mitbieter wurden bei der letzten Frequenzversteigerung vom Regulierer verpflichtet, auf dem "flachen Land" LTE flächendeckend auszubauen, bevor in den Ballungszentren das richtig schnelle LTE mit 100, 150 oder mehr MBit/s installiert werden durfte (mit 1800 und 2600 MHz). Bei staatlichem Zwang findet natürlich nur das Allernotwendigste statt - eben der Ausbau mit der billigen und langsamen 800 MHz-Technologie.

Hingegen ist Glasfaser eine wirklich sinnvolle Investition in die Zukunft. Eine einzelne Glasfaser erreicht Gigabit-Geschwindigkeit mit Laserlicht statt mit Funktechnik. Üblicherweise wird Glasfaser in Bündeln verlegt, um die Kapazität zu erhöhen. Und wenn die Bandbreite der Faser mit einem Laser ausgereizt ist, wird mit kleinem Aufwand ein weiterer Laser einer anderen Wellenlänge dazugenommen.

Nebenbei: dank der internationalen Zusammenarbeit bei der Standardisierung gibt es weltweit nicht weniger als 33 verschiedene Frequenzbänder - deshalb funktionieren die meisten LTE-fähigen Smartphones auch nur "fast überall". In Deutschland werden 800, 1800 und 2600 MHz verwendet, in anderen Ländern sind auch 700, 850, 900, 1500, 1700, 2100, 2300 und 2500 MHz in Verwendung. Das verhindert recht effektiv, billige Geräte aus dem Ausland zu kaufen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...