Posts mit dem Label Comic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Comic werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24.03.2026

Smallville - der junge Clark Kent - Serienkritik

Mit der "Joyn"-App ist es möglich, Filme und Serien aus der Mediathek der Pro7-Sat1-Gruppe zu schauen. Leider sind die Filme dort üblicherweise nur in deutsch und meistens auch ohne Untertitel verfügbar. Das schmerzt mich als Fan der Originalsprache schon sehr, aber als ich diesen Blogartikel begann, gab es in Deutschland nur diese eine Möglichkeit, als Liebhaber von Comicverfilmungen den jungen Clark Kent als Teenager von ca. 15-17 Jahren zu sehen. Also schaute ich zähneknirschend in deutsch ohne Untertitel bis irgendwo in der siebten Staffel, und das zog sich hin, weil es auf Deutsch eben weniger Spaß macht. Mittlerweile gibt es "Smallville" auch bei Netflix, und das macht nun in Englisch schon deutlich mehr Spaß, zumal die späteren Staffeln auch deutlich besser für meinen Geschmack sind, aber dazu gleich noch mehr. Dieser Artikel enthält jede Menge Spoiler - wer also gern beim Schauen überrascht wird, sollte nicht weiterlesen. Andererseits ist die Serie schon 25 Jahre alt, ich nehme keine Rücksichten :-)

Es gibt mehrere "Superman"-Verfilmungen mit realen Schauspielern im Kino- und Serienformat. Nach den Filmen mit Christopher Reeve gab es in den 90er Jahren eine Serie "Lois und Clark" mit Dean Cain und Teri Hatcher, die leider nur vier Staffeln hatte, mehrere offene Handlungsstränge hinterließ (Cliffhanger mit Findelbaby), und die sich mehr auf die Beziehung zwischen Lois und Clark fokussiert hat als auf Superkräfte. Der letzte Ableger "Superman und Lois" aus dem "Arrowverse" hat ebenfalls nur vier Staffeln bekommen und beleuchtet das Leben von Superman, Lois und ihren zwei Söhnen in Smallville, die unterschiedliche Kräfte entwickeln. Die Schauspieler kennt man aus der "Supergirl"-Serie, allerdings gab der Showrunner später bekannt, dass die Handlung nach der "Crisis" nicht auf "Earth Prime" spielt, sondern auf einer Parallelerde.

Durch eine kurze Szene im eben schon kurz erwähnten "Arrowverse"-Crossover "Crisis on infinite earths" wird die Smallville-Serie genau wie "Lucifer" ins "Arrowverse" geholt, als der Lex Luthor von Supergirls (ehemaliger) Erde-38 mit Hilfe des Buchs des Schicksals alle Superman-Inkarnationen im gesamten Multiversum töten will. Der erwachsene Superman von "Smallville" (Erde-167 im Multiversum) hat seine Kräfte aufgegeben, bewirtschaftet wieder die Farm in Smallville, und er hat keine Probleme, das grüne Kryptonit zu berühren, mit dem Luthor ihn bedroht. Zwischenzeitlich ist der "örtliche" Lex Luthor sogar Präsident geworden, was er früh in der Serie tatsächlich schon als Wunsch geäußert hatte. Dieses Detail bei der Einordnung ins Arrowverse kam bei vielen Fans nicht gut an, weil sich "Smallville" 10 Staffeln lang darauf konzentriert hat, wie sich Clark mit Hilfe einer Jor-El-KI in der Festung der Einsamkeit sowie vieler Freunde und Feinde auf seine spätere Rolle als Superman vorbereitet. Da ich hier schon vorgreife und die Präsidentenwahl erwähne: der gewählte Lex ist ein aus "Ersatzteilen" von vielen Klonen zusammengesetzter Körper - dieser Handlungsstrang in den letzten Staffeln ist etwas abstrus geworden. Weiter unten noch etwas mehr dazu.

Die einzige Serie aus dem DC-Universum, die sich nicht in das Arrowverse einpasst, ist somit "Gotham" mit dem jungen Bruce Wayne, der noch nicht Batman ist und die sich auf Jim Gordon als Hauptprotagonist fokussiert, wobei auch hier schon sehr viele Anspielungen auf DC-Charaktere zu bemerken sind, wie z.B. Selina Kyle als Catwoman, Pamela Isley als Poison Ivy oder der Pinguin.

Natürlich ist es schwieriger, Superkräfte in der Tricktechnik darzustellen als die technischen Gadgets von z.B. Batman, der schon in den 40er und 60er Jahren real verfilmt wurde. "Smallville" löst das Problem eigentlich ganz gut. Ähnlich wie in den frühen Comics hat Clark Kent noch nicht alle seine Superkräfte vollständig entwickelt, z.B. kann er (noch) nicht fliegen. Er läuft enorm schnell und ist sehr stark (aber nicht so schnell wie der "Flash" Bart Allen), und im Verlauf der Serie entwickeln sich erst sein Hitzeblick, Röntgenblick und das Supergehör sowie die Unverletzbarkeit. In den ersten paar Folgen fängt er sich noch blaue Flecken und leichte Verletzungen ein, später kann er Hieb-, Stich- und Schusswaffen problemlos ignorieren und sogar als Schutzschild andere Personen vor Kugeln, Beilen und Bussen retten. Interessanterweise kann aber seine Cousine Kara, die in der 7. Staffel als Charakter dazu stößt,  problemlos fliegen und fragt ihn verwundert, warum er die Gravitation nicht überwinden kann. In den letzten beiden Folgen bestätigt ihm die Jor-El-KI, dass er nun "bereit" sei und keine Hilfe mehr benötige. Er schaltet die KI ab und kann dann tatsächlich fliegen - was wesentlich für den Abschluss der Serie und den Endgegner ist.

Für einen erwachsenen Zuschauer sind das Highschool-Drama und die nie stattfindenden Liebesbeziehungen stark überbetont und nervig. Innerhalb der ersten vier Staffeln gibt es einige Techtelmechtel mit Lana Lang, aber daraus entwickelt sich erst spät eine Beziehung, bevor die Schauspielerin Kristin Kreuk mit Superkräften, aber kryptonitverseucht aus der Serie ausscheidet. Genau nervig ist die Notwendigkeit, Clark trotzdem verletzlich darzustellen, damit es nicht zu leicht wirkt, den Gegner der Woche zu besiegen.

Auch in der College-Zeit nach der Highschool gibt es immer noch Liebesdrama, weil Lana Lang (natürlich) Clark vorwirft, dass er weiterhin Geheimnisse vor ihr hat. Das Liebesdrama verlässt die Highschool, wird aber nicht besser, als Lana sich aufgrund der Geheimnistuerei von Clark trennt und sich Lex zuwendet. Sie wird scheinbar schwanger und heiratet ihn sogar in der sechsten Staffel. Um den Status Quo (das übliche Serienproblem) beizubehalten, erlebt sie eine Fehlgeburt und verliert Lex' Baby. Die Schwangerschaft war aber nur vorgetäuscht, indem Lex ihr heimlich Hormonmedikamente gab. Das führt erneut zu Liebesdrama, Lana wendet sich wieder Clark zu und sie werden für einige Zeit ein Paar. Nach einem Experiment entwickelt sie Superkräfte und kann Kryptonit entschärfen, wird dabei aber selbst "strahlend" und trennt sich deshalb endgültig von Clark. Später kommt es dann gemäß dem Superman-Kanon zur Partnerschaft und Liebelei mit Lois Lane. Sie erfährt spät in der 9. Staffel von seinen Kräften, wobei Clark zunächst nicht weiß, dass sie es weiß.

Das Highschooldrama endet zwangsläufig nach 4 Jahren - das ist die übliche Zeitdauer für den amerikanischen Schulbesuch zur Hochschulreife (bzw. College) nach der Mittelschule. Ab der 5. Staffel finden sich die Charaktere an diversen Universitäten wieder und es gibt immer noch kein Ende des Hin und Her zwischen Clark und Lana. Sie werden zwar kurz ein Paar, aber da Clark ihr seine Superkräfte nicht enthüllen will, trennt sie sich wieder von ihm. Unterhaltsam sind die verbalen Streitereien zwischen Lois und Clark, die sich in dieser Serie gar nicht grün sind (Anspielung auf Kryptonit, haha). Trotzdem gibt Lois einige Anmerkungen von sich, die man auf ihr - vermutlich - späteres gemeinsames Leben beziehen kann. Leider gibt der Schnipsel aus der "Crisis" des Arrowverse hier keine Hinweise - Clark tritt als Besitzer der Farm allein ohne Partnerin auf - was auch verwirrend ist, weil ihm Mutter Martha die Farm überschrieb und der Verkauf beschlossene Sache ist, um nach Metropolis zu ziehen.

Das nächste Liebesdrama spielt sich zwischen Chloe und Jimmy Olsen ab, als Chloe befürchtet, durch ihre Meteoriteninfektion in Lebensgefahr zu sein, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, und diesen Fakt nicht mit Jimmy besprechen will. Dieses Drama endet mit der gleichen Staffel, als Olsen getötet wird. Im Finale tritt der Schauspieler als Bruder nochmals auf, so dass es nach wie vor einen Fotografen "Olsen" beim Daily Planet gibt.

Die Serie führt viele bekannte Charaktere ein und erfindet auch einige neue, die es in den Comics in diesen Rollen so nicht gibt, z.B. Lois Lanes Cousine "Chloe Sullivan" oder Lex Luthors Vater "Lionel Luthor". Der Charakter von Lex Luthor ist ambivalent, aber zunächst durchaus positiv eingestellt, was Clark allerdings nicht immer so wahrnimmt. Er wird von Clark nach einem Autounfall gerettet und versucht danach mehrere Staffeln lang, exakt den Hergang seiner Rettung zu rekonstruieren, was dann für diverse Streits und Zerwürfnisse sorgt, weil Clark sich bespitzelt fühlt. Andererseits haben sowohl Clark als auch Lex Geheimnisse, die sie sich gegenseitig verschweigen. Chloe ist verliebt in Clark, was ihm auch bewusst ist, aber sie respektiert seine Gefühle für Lana. Im Verlauf der Serie entwickelt sich Lex immer skrupelloser und ordnet Experimente mit Meteoritengestein an Menschen an, um Supersoldaten zu entwickeln. Es gibt mehrere Episoden in Parallelwelten, und nachdem Lionel von Lex getötet wird, taucht der Lionel aus einer dieser Parallelwelten auf. Der Charakter Lex Luthor scheidet nach sieben Staffeln aus: Green Arrow sorgt für eine Explosion im LKW mit dem rollenden Krankenzimmer des schwer verletzten Lex, was Clark erst wesentlich später erfährt und zu einem (kurzen) Zerwürfnis mit Oliver führt. Im Finale gibt es ein kurzes Gastspiel, allerdings (wie oben schon erwähnt) ist dies ein aus Einzelteilen von vielen Klonen zusammengesetzter "neuer" Körper, der zunächst alle Erinnerungen des ursprünglichen Lex besitzt (wie?), die ihm dann allerdings durch eine Droge genommen werden, so dass er die geheime Identität von Clark Kent nicht mehr kennt.

Der rote Faden durch die Serie "Smallville" ist der Meteoritenschauer aus Kryptonit, der nach Kryptons Zerstörung im Großraum von Smallville niedergeht und kleinteilige Überreste wie Sand am Meer hinterlässt, die Jahre später noch von jedermann gesammelt und eingesetzt werden. Da grünes Kryptonit Clark enorm schwächt und sogar tödlich sein kann, wird in nahezu jeder Folge dieses Kryptonit eingesetzt, um auf diese Weise für Drama zu sorgen. Es gibt sogar grünes Kryptonit in Getränken, als Injektion, als Inhalation, als Bad, sogar als Autotreibstoff. Kryptonit tritt auch in anderen Farben und damit verbunden anderen Eigenschaften auf. Es gibt rotes Kryptonit als Schmuckstein, das in Clark negative Charaktereigenschaften wie Neid, Gier und Egoismus verstärkt, blaues Kryptonit, das ihm temporär seine Kräfte nimmt, und diverse andere Farben. Mit einem schwarzen Kristall kann Martha Kent dem gehirngewaschenen Kal-El sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit wiedergeben. Der Endgegner Darkseid will Clark im Finale der letzten, zehnten Staffel mit goldenem Kryptonit dauerhaft seine Kräfte nehmen, da Superman der einzige Gegner ist, den er wirklich fürchtet.

Interessant ist, dass keinerlei Gesundheitsorganisation sich zuständig fühlt, dieses merkwürdige außerirdische Gestein zu untersuchen und vielleicht sogar Quarantäne oder Evakuierung durchführen, wenn es doch so starke Auswirkungen auf Menschen hat. In einer Folge atmet Martha giftige grüne Gase ein, als sie im Kellerversteck des Miniraumschiffs etwas vergräbt, und die Seuchenschutzbehörde taucht auf. Allerdings hat dies auch keine längerfristigen Konsequenzen über diese Episode hinaus.

Im Verlauf der Serie stellt sich heraus, dass die Kryptonier schon lange über die Zerstörung ihres Heimatplaneten wussten und Vorbereitungen trafen, indem sie im Verlauf mehrerer Hundert Jahre eine Höhle auf dem damaligen Indianergebiet mit Informations- und Transporttechnologie ausstatteten, die durch einen "Schlüssel" aktiviert werden. Kara und Lara El besuchen sogar die Erde in Person und schauen sich im Haus der Kents um, hinterlassen sogar ein verstecktes Polaroid. Dramaturgisch geht der "Schlüssel" in Form eines Metallplättchens durch mehrere Hände, u.a. beide Luthors, und auch Jonathan Kent verschweigt Clark zunächst, dass dieser Schlüssel existiert. Im Verlauf scheint es so zu sein, dass mehrere dieser Schlüssel existieren, mit denen Aufzeichnungen, Hologramme etc. aktiviert werden können. Später entsteht aus diesem Schlüssel die "Festung der Einsamkeit" (fortress of solitude) in der Arktis mit vielen Informationskristallen, aus denen Clark gemäß Jor-Els Absichten über Krypton lernen soll. Mit einem bestimmten dieser Kristalle konnte Jor-El (oder eine KI mit seinem Wissen) sogar einmalig die Zeit um 24 Stunden zurückdrehen, um den Tod von Lana Lang ungeschehen zu machen - was allerdings zum Herztod von Jonathan Kent führt.

Viele Episoden handeln davon, dass sich Menschen durch den Meteoritenschauer und die Einwirkung oder sogar bewusste Einnahme oder Anwendung von Kryptonit verändert haben und selbst Fähigkeiten wie Telekinese, Teleportation, Hypnose, Liebeszauber usw. entwickeln. Lionel Luthor engagiert in einer Folge einen Mörder, der dem T-1000 aus "Terminator 2" nachempfunden ist und seinen Körper aus metamorphem Metall zu einer Waffe machen kann. Viele dieser Veränderungen führen dazu, dass diese "Metas" (um einen Begriff aus dem "Arrowverse" zu verwenden) ihre Fähigkeiten für Verbrechen oder zum Eigennutz einsetzen. Vermutlich aus dramaturgischen Gründen teilen die Hauptpersonen der Handlung ihr jeweiliges Wissen nicht mit den anderen Beteiligten, so dass kritische Situationen oft sehr künstlich wirken und zu offensichtlich hätten vermieden werden können.

Was mich immer wieder unglaublich stört und auch schon im Artikel über das Arrowverse kritisiert habe, ist das dramaturgisch meistens gar nicht notwendige endlose Erklären von Situationen - der Bösewicht verschwendet Zeit zum Erklären oder der/die "Gute" verschwendet Zeit zum Zuhören und Diskutieren, statt einen Überraschungsangriff zu starten. In den allermeisten Fällen könnte Clark aus der Entfernung mit Hitzeblick oder Supergeschwindigkeit seinen Gegner außer Gefecht setzen oder dessen Waffe zerstören. Stattdessen wird wertvolle Zeit verschenkt, in der der Gegner den Angriff vorbereitet.

Die "Todesquote" in Smallville ist für eine Teenage-Drama-Serie ganz schön hoch. Viele der Charaktere, die auf die eine oder andere Weise etwas über Clarks geheime Superkräfte erfahren, sterben oder fallen ins Koma. Besonders bitter ist der Tod der Teleporterin Alicia Baker, einer "love interest", die von einem wahnhaften Fanatiker als "Freak" "bestraft" und hinterrücks ermordet wird, kurz nachdem sie in Las Vegas eine (ungültige) Trauung vollzogen haben (Clark ist zu der Zeit noch minderjährig und hatte keine Vollmacht seiner Eltern für eine Hochzeit). Aber auch B-Helden sterben - Hawkman sieht seinem Tod nach einem verlorenen Kampf gelassen entgegen, weil er der Wiedergeburt und -vereinigung mit seiner Frau entgegen sieht.

Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass hier nach und nach über die zehn Staffeln ein Großteil des DC-Spektrums an Charakteren eingeführt wird, und nicht nur aus den Superman-Comics, sondern auch aus der gesamten Justice League of America, von der Suicide Squad unter Amanda Waller, und sogar aus der "Justice Society of America" aus den goldenen 40ern: Lana Lang, Lois Lane, Lex Luthor, Supergirl, Black Canary, Pete Ross, Victor Stone (Cyborg), Darkseid, Doomsday, Brainiac als Mitglied der "Legion" aus der Zukunft, Green Arrow, Aquaman und Mera, der Marsianer John Jones ("Martian Manhunter"), Bart Allen (in "Smallville" allerdings zunächst nicht als "Impulse", Sohn von Barry Allen, sondern ein Dieb ohne Hintergrundgeschichte - bis auf die Erwähnung des Blitzeinschlags), Dr. Fate, Hawkman, Starman (der von Icicles Sohn ermordet wird), Stargirl, der Hybrid Conner Kent (mit DNA von Lex und Clark) und diverse B-Charaktere wie Tess Mercer oder Desaad. Dabei ist die Bezeichnung "B-Charakter" für Tess Mercer tiefgestapelt: sie entpuppt sich in der finalen Staffel als Lex' Halbschwester Lutessa Lena Luthor, der von Granny Goodness auf Anordnung von Lionel Luthor als junges Mädchen das Gedächtnis genommen wurde. Auf ihrer echten Geburtsurkunde lautet der Name der Mutter "Pamela Jenkins", dem früheren Kindermädchen von Lex. Weitere Anspielungen sind der Flügelhelm des originalen Flash sowie die Laterne und der Ring eines Green Lantern, der Zeit nach zu urteilen der erste, Alan Scott.

Beim ersten Auftreten von Aquaman erwähnt dieser einen menschlichen Vater und eine Mutter, die schon lang verstorben ist. Erst durch die Begegnung mit Green Arrow ändert Bart sein Verhalten und nennt sich "Impulse". Hawkgirl ist schon vor längerer Zeit verstorben und Lois Lane erfährt in einem Gespräch mit Carter Hall von einem Tausend Jahre alten Fluch, der die beiden Liebenden immer wieder zusammen finden lässt, um sie dann sterben zu lassen. Allerdings gibt es hier keinen bösen Magier Vandal Savage wie im Arrowverse, der beider Tod benötigt, um Lebenskraft für sich selbst zu sammeln.

Spannend ist, dass der Green Arrow in dieser Serie ebenfalls beide Elternteile verloren hat, sich nach diversen Highschool- und Uni-Eskapaden "gebessert" hat und nun wie ein moderner Robin Hood von den Reichen stiehlt und den Armen spendet. Er versammelt Impulse, Cyborg und Aquaman in der zukünftigen "Justice League of America" und nimmt Clark das Versprechen ab, dort ebenfalls mitzuwirken, nachdem Clark sein Problem mit Lex und dessen Versuch gelöst hat, "Meteoriten-Freaks" als Waffe umzufunktionieren.

Spät in der Serie stellt sich heraus, dass Lionel Luthor mit den Queens, Swanns und Teagues eine Geheimgesellschaft "Veritas" gegründet hat, die Einzelteile einer Maschine besitzen, um "den Reisenden" zu kontrollieren - allerdings wissen sie nicht, wer der Reisende ist: Clark. Lionel will diese Maschine allein besitzen und lässt alle anderen Mitglieder der Gesellschaft ermorden, eben auch die Eltern von Oliver Queen. Im Showdown der siebten Staffel erfährt Lex, wer Clark ist. Durch die Zerstörung der Festung der Einsamkeit wird er schwer verletzt und taucht in der nächsten Staffel nur für einige kurze Gastauftritte als Charakter auf, aber nicht mehr gespielt von Michael Rosenbaum.

Es gab damals keine Lizenzrechte an Batman, den sich DC für die große Kinoleinwand aufheben wollte, nur gelegentlich eine Erwähnung von Gotham. Überraschend war es dann im "Arrowverse" möglich, einen gealterten Batman (ohne Kostüm) auf einer Parallelerde auftreten zu lassen, der zunächst Supergirl gegenüber sehr feindlich eingestellt war und sie sogar mit Kryptonit angriff. Gespielt wurde dieser Bruce Wayne vom Synchronsprecher Batmans in diversen Animationsserien, Kevin Conroy. In der "Batwoman"-Serie ebenso wie in "Arrow" wird erwähnt, dass Batman vor einigen Jahren spurlos verschwand. Hier wäre beide Male Potential für eine Fortführung gewesen, zumindest einige Episoden lang für die Suche nach ihm. Genau wie die Erwähnung von Harley Quinn in der 2. Staffel von Arrow wurde hier eine Andeutung gemacht, daraus eine eigene Serie zu etablieren oder wenigstens als Handlungsstrang innerhalb einer der Serien auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt also recht wenig aus dem DC-Universum, was nicht in "Smallville" zu finden ist: neben dem prominenten Batman auch Wonder Woman Diana Prince, und die "Green Lantern" gibt es hier auch nur als Reminiszenz im Museum der JSA. Immerhin erwähnt Lois' Cousine Chloe, dass sie auf ihren Unternehmungen und Reisen einen Milliardär mit vielen "tech gadgets" und eine "wondrous woman" kennengelernt habe.

Diverse Logik- und Continuity-Fehler stören immer mal wieder das durchwachsene Bild dieser Serie. Supergirl nimmt eine Auszeit von etwas mehr als einer Staffel, um "Kandor" zu suchen. Gemäß Superman-Kanon ist dies eine miniaturisierte Stadt in einer Flasche, in der Kryptonier keine Superkräfte haben. In "Smallville" ist Kandor eine Stadt auf Krypton, die in einem Krieg 20 Jahre vor Kryptons Explosion zerstört wurde. Bei ihrer Rückkehr berichtet Kara aber, dass sie lange nach ihrer Mutter (nicht nach Kandor!) gesucht, sie aber nicht gefunden habe. Bei einer Unterhaltung mit Clark sieht man deutlich, dass sie gepiercte Ohrringe trägt. Bei der Zerstörung der Festung in der Arktis verliert Clark seine Kräfte, aber man erfährt nicht konkret, wie das geschah und warum er dann in einem russischen Arbeitslager auftaucht, wo ihn Green Arrow freikauft. Warum Zod eine Maschine bauen will, die aus der gelben Sonne eine rote machen soll, ist vollkommen unklar - die Kryptonier würden ihre Kräfte verlieren. Fans spekulieren, dass die Klone eine rote Sonne brauchen, keine gelbe. Clark bekommt seine Kräfte zurück, indem der Martian Manhunter ihn näher zur gelben Sonne bringt, was seinerseits ihn seine Kräfte kostet (die er später auf "magische" Weise ebenfalls wieder zurück erhält).

Insgesamt bleibt als Fazit: es gibt an vielen Stellen ein "deus ex machina", also ein Gerät, das spontan auftaucht und genau dieses eine Problem löst, an dem die Helden gerade knabbern, oder ein vorhandenes Gadget entwickelt plötzlich eine zum Problem passende neue Fähigkeit.

Ich bin nebenbei ein großer Freund von Gastauftritten von Schauspielern, die man aus anderen Serien kennt. Das i-Tüpfelchen ist natürlich, wenn es "verwandte" Serien von Marvel oder DC sind.

Hier findet sich ganz prominent Christopher Reeve, der erste Superman-Darsteller, in zwei Episoden als Wissenschaftler Virgil Swann im Rollstuhl ein und bekommt sogar einen eigenen Abspann "in loving memory" nach seinem Tod 2004. Ein paar Folgen später stirbt auch der Charakter in der Serie und bekommt eine Nachrichtenmeldung im TV als Milliardär und großer Wohltäter der Menschheit. Seine Filmtochter Patricia Swann spielt in zwei Episoden mit und wird überraschend von ihrem Chauffeur verraten und umgebracht, um ein wichtiges Artefakt zu stehlen, das den "Reisenden" kontrollieren kann.

Annette O'Toole war die Darstellerin von Lana Lang neben Christopher Reeve in Teil III und spielt hier die Mutter Martha Kent. Nach dem Tod des Adoptivvaters Jonathan übernimmt sie seine politische Karriere, verschwindet bis auf kurze Gastauftritte, z.B. als "Red Queen", nach Washington aus der Serie und bandelt mit Perry White an, der hier noch nicht für den "Daily Planet" arbeitet.

Auch der Darsteller von Zod aus den ersten beiden Kinofilmen, Terence Stamp, ist Teil der Smallville-Serie: zunächst nur als Stimme, später auch in Person von Jor-El, Clarks Vater.  Der Charakter Zod aus Staffel 9 ist zunächst Major und befördert sich auf der Erde selbst zum General. Das Original kommt auf Krypton in einem Krieg um; durch eine von Jor-El entwickelte Maschine entstehen auf der Erde Klone seiner Kampftruppe, die zunächst trotz gelber Sonne keine Superkräfte haben. Erst durch Spuren von Clarks bzw. danach Zods Blut entwickeln sie Kräfte. Clark versucht, sie ohne Kräfte in die Welt der Menschen zu integrieren, aber Zod will mit Superkräften über die Erde herrschen. Dabei will er durch eine Maschine aus der gelben Sonne eine rote machen - was unlogisch ist, weil Kryptonier unter einer roten Sonne keine Superkräfte besitzen und sie Kräfte durch Kontakt mit kryptonischem Blut erhalten können.

In Staffel 4 tritt "Dean Winchester"-Darsteller Jensen Ackles als Football-Coach und heimtückischer Freund (mit Hintergedanken) von Lana Lang auf, bevor er seine Rolle in "Supernatural" bekam. Er versucht, Lana um magische Artefakte zu betrügen und kommt in der finalen Episode der 4. Staffel ums Leben; sein Tod wird aber nicht explizit gezeigt, um eine eventuelle Rückkehr offen zu lassen.

Cobie Smulders ("Avengers") und Diego Klattenhoff ("Blacklist") sind weitere bekannte Namen mit kurzen Gastauftritten - hier spielen sie die böse Rolle der Woche, bevor sie verhaftet werden.

Laura Vandervoort ("Bitten") spielt die "Supergirl"-Cousine Kara Zor-El.

Amy Adams (Lois Lane in "Justice League") spielt eine Meta mit viel Hunger. 

Teri Hatcher hat als an Krebs verstorbene Mutter Ella Lane eine Videobotschaft für Lois.

Helen Slater (Supergirl 1984) spielt Lara-El, Frau von Jor-El.

Carrie Fisher (Star Wars, When Harry met Sally) hat in einer Episode einen Gastauftritt als eklige, strenge Chefredakteurin des "Daily Planet". Der Chefredakteur Perry White aus den Comics tritt zwar als unsympathischer Charakter schon früh auf, ist aber noch nicht in dieser Rolle angekommen. In derselben Folge wie Prinzessin Leia treffen wir zum ersten Mal auf "Brainiac", gespielt von James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood). In späteren Staffeln spielt er dann einen geläuterten und umprogrammierten Brainiac 5 von der Legion aus dem 31. Jahrhundert.

Jane Seymour (Bondgirl mit Tarotkarten) spielt die böse Geneviève Teague (Mutter von Jason Teague, Jensen Ackles), die in der finalen Folge der 4. Staffel in Notwehr von Lana getötet wird. 

Um beim Thema "Gastauftritte" abzuschweifen: in der "Supergirl"-Serie des "Arrowverse" finden sich sowohl Helen Slater (Supergirl 1984), Dean Cain (Superman 1993) als auch Teri Hatcher (Lois Lane 1993) als Elternteile der Hauptcharaktere Kara bzw. Mon-El wieder.

30.10.2023

Der neue Asterix "Die weiße Iris"

Natürlich habe ich als großer Comic- und insbesondere Asterix-Fan Donnerstag morgen gleich den neuesten Band 40 gekauft und gelesen.

Die Zeichnungen sind sehr schön, die Texte sind intelligent, die Handlung ist nachvollziehbar und natürlich gibt es am Ende das übliche Grillfest mit Wildschweinen.

Trotzdem hinterlässt dieser Band gemischte Gefühle, nachdem die erste Begeisterung abgeklungen ist, dass die zwei Jahre seit dem letzten Band endlich herum sind. Es ist eigentlich zuviel von allem, was in diese Geschichte alles hineingestopft wurde, und alles ist schon so ein bisschen bekannt.

Der römische Intrigant Visusversus (eine Verballhornung von "vice versa"), der das Dorf besiegen will, ist eine Mischung aus dem "Seher" Lügfix, dem Architekten Quadratus aus der Trabantenstadt, dem intriganten Tullius Destructivus und dem Finanzbürokraten Technokratus, der die Gallier mit Geld dekadent machen will.

 Er erzählt den Galliern wie Lügfix, was sie hören wollen; er wirft mit Geld um sich und schmiert den Händlern (Automatix und Verleihnix) Honig um's Maul, und er ist hinterrücks intrigant wie Tullius Destructivus. Zum ersten Mal (in meiner Wahrnehmung) verkauft Verleihnix keine Fische aus Lutetia, sondern frischen, selbstgefangenen. Das war überraschend.

Die Geschichte ist zu voll mit Anspielungen auf frühere Asterix, die Klimakleber, Verkehrsstaus und andere moderne Widrigkeiten. Gutemine wird von Visusversus unter falschen Voraussetzungen nach Lutetia gelockt, ihr Bruder Homöopatix hat einen kurzen Gastauftritt und sogar ein Bühnenauftritt von Obelix mit Lampenfieber wird aus dem Band "Kupferkessel" neu aufgekocht. Die Versöhnung von Majestix und Gutemine kommt mit wenig Anlass und ist in meinen Augen unglaubwürdig, nachdem sie vorher - berechtigte! - Kritik an den familiären Rollen aufgebracht hat.

Fazit: nett, nicht so ein Reinfall wie "Gallien in Gefahr", aber nicht so gut gelungen wie die vorherigen "Pikten", "Greif", "Italien" und "Papyrus".

07.10.2022

Aufstieg und Fall des "Arrowverse" - Serienkritik (Update)

[Einige Absätze überarbeitet, nachdem ich die Gelegenheit hatte, die Serie "Superman und Lois" komplett zu schauen und damit ein endgültiges Fazit über alle Serien zu schreiben. Änderungen sind durchgestrichen, Ergänzungen sind kursiv] 

Ich bin seit längerer Zeit großer Fan der miteinander verwobenen Serien des "Arrowverse", benannt nach dem ersten Serienhelden "Green Arrow", wobei die Serie zunächst den Nicht-so-ganz-Helden Oliver Queen nur "Arrow" nennt und "Green Arrow" wesentlich später in die Handlung eingeführt wird. Der Name der TV-Serie bleibt aber über die gesamte Laufzeit derselbe.

Zu diesem Comic-Universum wurden nach und nach mehr Serien und Helden zugefügt, die man auch gut aus den Papier-Comics und teilweise früheren Verfilmungen kennt - Flash, Supergirl, Batwoman, und auch einige B- und C-Promis der Comicwelt, wie "Legends of Tomorrow", "Constantine", "Black Lightning", "Star Girl", und viele weitere haben Gastauftritte, wie z.B. Lucifer. Aus Gastauftritten von Superman in der Supergirl-Serie wurde dann später sogar seine eigene Serie - "Superman und Lois", in der das Super-Leben mit zwei Söhnen beleuchtet wird, ähnlich wie in der 90er-Jahre-Serie "Lois und Clark", die sich auch im Wesentlichen auf das Beziehungsleben von Clark Kent und Lois Lane fokussiert hat. Das Superman-Problem der Woche war dort eher nebensächlich oder wurde nur als Anlass für eine Beziehungsdiskussion konstruiert.

Das für mich besonders Faszinierende an diesen Serien sind die Anspielungen auf Personen, Ereignisse oder Orte, die in den anderen Serien bedeutsam sind. Barry Allen z.B. hat mehrere Auftritte in "Arrow" als Forensiker, noch bevor er zu Flash wird. Die "Ferris Airline" wird mehrfach erwähnt und damit für die Fans angedeutet, dass in diesem Comic-Universum auch Hal Jordan oder andere "Green Lantern" existieren könnten (Spoiler: es gibt gab Spekulationen, dass John Diggle in der Abschlussfolge von Arrow beim Absturz eines UFOs einen Ring bekommen hat - er verweigert sich aber später, als er die Chance bekommt, die Box zu öffnen). Dieses übergreifende Prinzip einer "großen" Geschichte funktioniert für mich auch bei der Verfilmung der Marvel-Comics unglaublich gut. Ich finde die Idee mit den Infinitysteinen bei den Avengers einfach großartig, aber ich wollte hier ja über DC und das Arrowverse schreiben ;).

In der weiteren Entwicklung der Serien gab und gibt es sog. "Crossover", das sind fortlaufende Geschichten, in denen Charaktere aus mehreren Serien auftreten und in einer kleinen Fortsetzungsgeschichte ein übergreifendes Problem lösen, das alle betrifft. Zunächst waren dies kleinere Crossover, z.B. zwischen Flash und Arrow, Flash und Supergirl, später dann ein Crossover zwischen Flash und Arrow als Vorbereitung für den Start der neuen "Legends of Tomorrow"-Serie, und die nachfolgenden Crossover umfassten sogar sämtliche der aktuellen Serien.

In diesen Folgen nehmen sich die Charaktere auch gern mal auf die Schippe oder sprengen die "vierte Wand" (den Bildschirm) mit Sprüchen wie "letztes Jahr war ich die Neue" oder "beim letzten Crossover waren die Legends nicht dabei", wie man das bisher nur von "Deadpool" kannte, der einzigen Comicfigur, die sich der Tatsache bewusst ist, dass sie in einem Comic existiert.

Der Spaß an diesen Crossover-Folgen geht dann verloren, wenn durch die deutsche Ausstrahlung der zeitliche Zusammenhang zerrissen wird oder eine bestimmte Serie gar nicht in Deutschland legal zu sehen ist - die letzte Arrow-Staffel ist erst seit August 2021 bei Netflix zu sehen, die den vierten Teil des fünfteiligen Crossovers enthält. Den Anfang und den Schluss konnte man schon letztes Jahr bei Pro7 sehen, die überraschend mit nur wenigen Monaten Abstand die damals aktuellen Staffeln von "Supergirl" und "Legends of Tomorrow" synchronisiert ausstrahlten, und halbwegs zeitlich dazu passend erschien die erste Staffel Batwoman bei Amazon Prime. Mittlerweile kann man alle Serien bei Amazon oder Netflix sehen - leider nicht alle bei einem Anbieter.

Es mag Geschmackssache sein, aber man sollte besser auf Englisch schauen - viele Wortspiele funktionieren im Deutschen nicht besonders gut. Bei Amazon gibt es manche Staffeln nur in einer deutschen Sprachvariante in Prime, andere Sprachen dann nur gegen Bezahlung.

Leider gibt es viele Andeutungen und vorbereitende Szenen, die später aus verschiedenen Gründen nicht weiter verfolgt wurden. In Arrow Staffel 2 gibt es z.B. mehrere Auftritte von Charakteren, die Mitglieder der "Suicide Squad" werden. Prominent wird dabei sogar Harley Quinn angedeutet ("ich habe einen Doktor in Psychologie"), aber leider nicht realisiert, weil kurze Zeit später ein Kinofilm mit ihr gedreht wurde und die Rechteinhaber hier sehr streng zwischen Kino und Serie unterscheiden und trennen. Diese externen Gründe der Rechteinhaber waren auch dafür verantwortlich, dass bei "Smallville" Batman niemals auftauchte und Green Arrow zum inoffiziellen Sidekick des jungen Superman wurde. Detail am Rand aus dem "Crisis"-Crossover: der Superman aus dieser Parallelerde hat seine Superkräfte aufgegeben und lebt als normaler Mensch in Smallville auf der Farm der Eltern.

Umso überraschender, dass im letzten Crossover "Crisis on Infinite Earths", lose angelehnt an das gleichnamige Thema in den Papiercomics, der Schauspieler Ezra Miller des Kino-DC-Universums auftauchen durfte. Gerüchteweise wird umgekehrt der Serien-Flash Grant Gustin im Flash-Kinofilm einen kurzen Auftritt haben - immerhin hat der Kino-Flash die Idee zum Namen "Flash" während des "Crisis"-Crossovers bekommen [Update: tat er nicht].

Nun, ich wollte vom "Aufstieg und Fall" schreiben. Die Serie "Arrow" gefällt mir immer noch ausnehmend gut, aber nicht alle Staffeln gleich. Die "Supergegner" mit besonderen Fähigkeiten (Staffeln 2 bis 4) faszinieren mich mehr als die schlicht kriminellen Widersacher der späteren Staffeln (5 und 6). Besonders gut gefallen mir Andeutungen auf kommende Ereignisse, z.B. erwähnt R'as al Ghul schon in der 3. Staffel seinen Schüler Damien Darkh, der dann der Bösewicht in der vierten Staffel und als Teil der "Legion of Doom" in "Legends of Tomorrow" auftritt, und R'as al Ghul selbst wird schon in der ersten und zweiten Staffel angedeutet.

Serien werden auch dadurch strategisch verändert, wenn es Probleme mit Darstellern gibt, wie z.B. dem abrupten Ausstieg von Ruby Rose aus "Batwoman". Dies führte zu Veränderungen in Staffel 2, um das Verschwinden ihrer Figur "Kate Kane" zu erklären und einen Ersatz zu etablieren. Die neue Darstellerin, die die Rolle der Batwoman übernimmt, schlägt sich aber nach einem zähen Beginn eigentlich ganz gut. Die zweite Staffel ist insgesamt recht gut gelungen, mal schauen [Spoiler], wie die chirurgisch wiederhergestellte, gehirngewaschene Kate Kane (andere Schauspielerin) sich als Figur etablieren kann. Die dritte Staffel gibt es nach wie vor nur gegen Bezahlung, und die Ausstrahlung im Streaming bei Joyn wurde nach ein paar wenigen Episoden abgebrochen, so dass mir hier immer noch der Schluss fehlt.

Problematisch für mich sind Figuren, die unlogisch oder sinnlos handeln und dadurch offensichtliche Chancen verschenken. Besonders extrem ist dies in der gesamten Flash-Staffel 5 aufgefallen, in der Cicada als Gegner nahezu in jeder Folge mit einem neuen Hilfsmittel hätte besiegt werden können, aber eine oder mehrere Figuren während eines Kampfes tatenlos zusehen, bis er sich wieder aufrappelt und weiterkämpft oder flüchtet. Hier wurde mehr als deutlich, wie schwach die Dramaturgie dieses Gegners geplant war. Natürlich muss die Handlung so ablaufen, dass die üblichen 22 Folgen einer Staffel sinnvoll gefüllt werden, aber es muss für die Zuschauer glaubwürdig sein, wie dies geschieht. Insbesondere haben die S.T.A.R.-Labs einen "Metadämpfer" in Handschellen oder als Halskrause, den Flash in Supergeschwindigkeit anlegen kann. Auch mit "Arrow" habe ich einige Probleme, weil der Charakter von Oliver Queen zu stark den dominanten "Einzelkämpfer" mit teilweise sehr fragwürdigen Entscheidungen und Befehlen heraushängen lässt, obwohl es sowohl objektiv als auch durch frühere Erfahrungen klar sein sollte, dass Teamarbeit und effektive Kommunikation essenziell für erfolgreiche Aktionen sind.

Arrow und die anderen Serien wurden ab 2010 bislang hauptsächlich für das altmodische lineare Fernsehen produziert, und die Zuschauerzahlen einer Staffel entscheiden über die Verlängerung des nächsten Jahres. Nach und nach wurden nun mehrere Serien wieder eingestellt, die letzten Opfer von Absagen sind nun auch Flash, Batwoman und Legends of Tomorrow geworden. Die einzige "Neugründung" ist die Serie "Superman und Lois" als Ableger der Supergirl-Serie, die aber nach der vierten Staffel mit einem schmalzigen Ende eingestellt wurde vermutlich auch keine vierte Staffel erleben wird. "Swamp Thing", "Titans", "Doom Patrol" und "Stargirl" existieren trotz der "Crisis" nach wie vor in Paralleluniversen, wie man am Abspann des fünften Teils des Crossover sehen konnte. Nun gut, "Lucifer" hat auch noch eine sechste Staffel bekommen, aber es wird wohl keinerlei Crossover oder ähnliches mehr geben (abgesehen davon, dass Lucifer mehrfach seine Begeisterung für die TV-Serie "Bones" erwähnt und seine Tochter Rory (Aurora) von "More Bones" mit Androiden in der Zukunft schwärmt). Die neue Serie "Naomie", die ganz lose ebenfalls im DC-Universum spielte, wurde nach nur einer Staffel schon wieder eingestellt, und derzeit gibt es keine legale Möglichkeit, diese Serie in Deutschland zu sehen.

Bei Streaminganbietern wie Netflix oder Amazon gibt es diese kurzfristige Sichtweise von Staffel zu Staffel nicht. Bei Netflix ist bekannt, dass die ersten Staffeln einer Serie relativ günstig lizensiert werden. Erst ab der dritten oder vierten Staffel wird Netflix mit höheren Lizenzkosten konfrontiert (z.B. von Marvel oder DC) und dies führt häufig zur Einstellung der Serie, wenn Netflix diesen Kostensprung nicht tragen will. Dies dürfte der Grund für das schnelle Ende von Serien wie "Jessica Jones", "Luke Cage", "Daredevil", "Punisher", "Iron Fist" oder "The Defenders" gewesen sein. Wie weiter oben schon erwähnt, führten Lizenzfragen auch zur Einstellung der "Daredevil"-Serie, weil die Gründung von Disney+ bevorstand und Disney die Figuren von Kingpin und Daredevil für eigene Filme und Serien verwenden wollte. Immerhin setzt Disney+ die Daredevil-Reihe mit "Born again" für drei neue Staffeln fort.

Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Netflix hohes Interesse sieht und Serien dann länger produziert als ursprünglich geplant, wie es z.B. bei "Lucifer" aufgrund von massiven Protesten der Konsumenten geschehen ist, oder auch bei "Manifest", wo Netflix noch eine vierte Staffel produzieren ließ lässt. Zunächst war Lucifer für Einstellung nach der dritten Staffel vorgesehen, wurde dann von Netflix übernommen und sogar nach und nach bis zur sechsten Staffel verlängert (nur in Deutschland läuft "Lucifer" bei Amazon in Lizenz).

Ein Fazit fällt mir schwer. Es gibt starke und schwache Handlungsbögen (Staffeln) bei allen Serien, je nachdem, wie gut und nachvollziehbar der jeweilige Bösewicht handelt. Ein Teil der Einstellungen ist sicherlich aufgrund finanzieller Erwägungen geschehen als Folge von schwachen Drehbüchern. Andererseits wurden Serien wie Arrow und Flash auch durch Lizenzentscheidungen beschädigt, als die Lizenzgeber in Kinofilmen oder einer eigenen Streamingplattform lukrativere Chancen sahen (Suicide Squad bzw. Disney+).

Insgesamt lebt(e) das Arrowverse davon, dass es Verbindungen zwischen den Serien gab und z.B. neu aufgelegte Serien schon frühzeitig angedeutet wurden (die Explosion bei Star Labs war eine Nachrichtenmeldung in Arrow, Flash befreit Arrow aus R'as al Ghuls Festung, Star Labs liefert Technik an Black Lightning, Argus liefert Technik an General Lane uvm.). Durch die Einstellung der Serien und die Entfernung von Figuren aus Lizenzgründen hat für mich die Glaubwürdigkeit des Gesamtkunstwerks deutlich gelitten. Flash und Supergirl leiden darunter, dass in vielen Folgen das Beziehungsdrama viel stärker gewichtet wird als die eigentliche Superheldenhandlung - besonders krass bei Flash. Iris West-Allen ist m.E. die meistgehasste Figur bei den Fans.

Für mich nach wie vor das Highlight aller Serien ist "Arrow". Die Rückblicke - immer 5 Jahre - passen dramaturgisch zur jeweils aktuellen Handlung und geben gleichzeitig Auskunft über die Entwicklung vom Playboy zum Vigilanten. Der Schluss der Rückblicke der fünften Staffel geht nahtlos und perfekt in den realen Anfang der ersten Staffel über - man kann also nach der fünften Staffel sofort wieder bei der ersten Staffel anfangen zu schauen.

Dicht gefolgt in meiner persönlichen Hitliste wird Arrow von "Legends of Tomorrow", die mit jeder Staffel mehr skurrilen Humor und Referenzen auf die Popkultur in das Serienuniversum bringen, z.B. die Erwähnung von "Supernatural" und der Besuch des Drehorts in einem Paralleluniversum. Dort mag ich besonders gern "John Constantine", und es gibt mir durchaus Befriedigung, dass es nach dem abrupten Ende seiner eigenen Serie nach nur einer Staffel wenigstens bei den "Legends" ein Happy End für Astra Logue gibt, die nicht mehr in der Hölle gefangen ist.

Das Fazit fällt aber immer bei den anderen Serien mehr negativ aus. Die neue Superman-Serie spielt in einem Alternativ-Universum ("Earth-TUD25" mit zwei Flüchtlingen aus "Earth-TUD22", die zerstört wird) und nicht (mehr) in "Earth Prime", so dass hier bequem auf Konsistenz zu anderen Serien verzichtet werden kann. John Diggle hat zwar einen zweiten Gastauftritt und [Spoiler] verzichtet darauf, die geheimnisvolle Kiste zu öffnen, die er am Ende der letzten Arrow-Folge bekommen hat. Er wählt seine Familie statt eines ungewissen Abenteuers. Damit ist vermutlich die Chance auf eine John-Diggle-Green Lantern dahin und alle bisherigen noch offenen Anspielungen werden wir auch nicht mehr erleben.

Auch der Hintergrund der Papier-Comics wird in der "Superman und Lois"-Serie sehr frei interpretiert - in der dritten Staffel wird Lois' Krebserkrankung zum Erbrechen massiv ausgewalzt, und in der vierten Staffel taucht ein Doomsday auf, der haargenau wie der Doomsday aus den 90er Comics aussieht, aber aus dem Bizarro-Superman einer Parallelerde durch ein Serum entstand, das Bruno Mannheim, der Boss von Intergang, aus Supermans Blut entwickeln ließ - eigentlich, um seine eigene krebskranke Frau Peia zu heilen. Dieser Bizarro starb in der zweiten Staffel, wird durch das Serum wiederbelebt und durch mehrfache erneute Ermordung zu Doomsday, als Lex Luthor aus dem Gefängnis frei kommt und ihn verwenden will, um sich an Superman und insbesondere Lois zu rächen. Die beiden letzten Staffeln der Serie sind abgesehen von diesem Detail sehr nah an den schon erwähnten Comics, inklusive des realen Tods Supermans. Er wird aber durch ein Spenderherz wiederbelebt und nicht durch Sonnenlicht wie im Comic. Das Staffelfinale zeigt in einem Ausblick die zahlreichen Kinder von Jordan und Jonathan, den Krebstod von Lois und tatsächlich den Tod Supermans "32 Jahre in der Zukunft", vermutlich bedingt durch das menschliche Spenderherz, das trotz Serum nicht so leistungsfähig war wie sein eigenes kryptonisches, das von Doomsday herausgerissen wurde. Ob Supermans Enkel, die "nur noch" ein Viertel Kryptonier sind, auch Kräfte entwickeln (werden), bleibt vollkommen offen. Die Söhne Jordan und Jonathan haben Superkräfte, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie Superman.

Die privaten Beziehungen der Charaktere haben bei allen Serien einen zu hohen Stellenwert. Dadurch werden zwar auch oft mehr oder weniger subtil, manchmal auch mit dem Vorschlaghammer, aktuelle politische und gesellschaftliche Themen problematisiert, wie z.B. Gleichberechtigung, sexuelle Orientierung, Rassismus, LGBTIQ, aber es wirkt nicht organisch integriert, sondern eher gekünstelt in die Serie aufgenommen, weil es gerade Mode ist.

Die beste Integration von LGBTIQ war in der Verfilmung des Comics "Umbrella Academy" das "Coming Out" von Viktor in Staffel 3 als trans (FtM). Es gibt eine kurze Feststellung ("ich bin Viktor"), die anderen Geschwister nehmen es zur Kenntnis und fertig. Halbwegs geschmeidig funktioniert das LGBTIQ bei den "Legends", als Sarah Lance zunächst mit Oliver Queen liiert war und dann nach einem kurzen Techtelmechtel mit Supergirls Stiefschwester Alex (im Earth X-Crossover) dann den Klon Ava heiratet.

Leider haben die Legends ein sehr abruptes Ende genommen - sie können zwar am Schluss der letzten Staffel die böse KI der Waverider reparieren bzw. "bekehren", werden aber am Ende von der Zeitpolizei festgenommen und natürlich erfahren wir durch diesen Cliffhanger zur stornierten achten Staffel nicht, wie das ausgeht.

14.07.2021

Black Widow - Filmkritik

Hurra, ein bißchen Kino geht wieder! Das Lumos-Kino in Nidda hatte ab 8. Juli "Black Widow" nach mehreren Verschiebungen im Angebot. Als großer Fan von Comicverfilmungen konnte und musste ich das natürlich sofort ausnutzen - das Kino hat strikte Hygieneregeln, und im Kinosaal waren insgesamt nur 10 Personen, die mit großem Abstand saßen. Das tat aber meinem Vergnügen keinen Abbruch! Auch andere Kritiker sind sehr zufrieden mit dem Film.

Black Widow füllt eine Lücke aus und erzählt, was zwischen "Civil War" und "Infinity War" geschah. In Civil War weigerten sich einige der Avengers, das Sokovia-Abkommen zu unterzeichnen und sich damit der UNO zu unterstellen, darunter auch Captain America, Steve Rogers, und Black Widow, Natasha Romanoff. Sie wird vom ehemaligen General Ross, jetzigem Außenminister, gejagt. Wir kennen Ross seit dem ersten offiziellen Marvel-Film der Serie, "Hulk" von 2008, noch mit Edward Norton und nicht Mark Ruffalo.

Die Jagd von Ross nach Black Widow wird allerdings nur am Anfang und gegen Ende des Films thematisiert, den Hauptteil der Handlung machen die Jagd und der Kampf gegen den Schöpfer des "Widow"-Programms aus, Draykov.

Um ihn ausfindig zu machen, befreit Romanoff ihren Vater Alexi aus einem Gefängnis irgendwo in einer eisigen Einöde. Dazu holt sie sich Hilfe bei ihrer Schwester Yelena. Das Wiedersehen mit ihrer Schwester wird von einer Gestalt in Rüstung, dem "Taskmaster", gestört. Der Taskmaster ist auf der Jagd nach dem Gegenmittel, das Romanoff in ihrem Budapester Versteck aufbewahrt hatte, von dessen Zweck sie aber erst durch ihre Schwester erfährt: das Gegenmittel kann die chemische Konditionierung zum unbedingten Gehorsam aufheben, der die 2. Generation der Widows unterzogen wurde, während die 1. Generation, der Natasha angehört, nur psychologisch manipuliert wurde (naja, fast - Spoiler).

Dabei ergibt sich durch Rückblicke nebenbei, dass Alexi, Yelena, Natasha und die Mutter Melina eine künstliche Familie sind, um als russische Untergrundagenten in Amerika Industriespionage durchzuführen. Sie werden aufgedeckt und können im letzten Moment nach Kuba fliehen. Dabei stellt sich heraus, dass Alexi auch ein Supersoldat wie Captain America ist, der "Red Guardian".

Ich bin begeistert und trotzdem leicht ratlos aus dem Kino gegangen. Nachdem in "Agent Carter" alle Blutproben von Captain America vernichtet wurden, gibt es nun erneut eine Inflation von Supersoldaten - neben Cap noch den Ruheständler Isaiah Bradley, den Interims-Captain America, Walker, und die Terroristen aus "The Falcon and the Winter Soldier", und nun auch noch der russische Red Guardian, und vermutlich wird es zum "U.S. Agent" auch noch eine Serie bei Disney+ geben. Abgesehen davon hat mir der Film sehr gut gefallen, man muss ihn gesehen haben.

Der Film ist toll gemacht, die Action und die Special Effects sind hervorragend. Der Kampf auf Draykovs Station ist spannend inszeniert. Die Auflösung, wer der Taskmaster ist, fand ich hingegen reichlich unbefriedigend. Die Anspielung auf das gemeinsame Erlebnis in Budapast mit Clint Barton wird im Gespräch zwischen Natasha und Yelena erzählt. Warum der Anschlag auf Draykov gescheitert ist, wird nicht geklärt, vermutlich weiß es Natasha selbst nicht.

Als Profi sitzt man natürlich den ewig langen Abspann aus und genießt noch einen kleinen Nachfilm: Yelena besucht Natashas Grab (zumindest gibt es einen Gedenkstein, da sie vermutlich nicht von Vormir abgeholt wurde) und die "Contessa" Valentina, die wir jetzt doch schon aus der Falcon-Serie kennen, behauptet, dass Hawkeye Natashas Mörder sei. Leviathan wurde ja tatsächlich schon in "Agent Carter" angedeutet - mal sehen, ob hier zur Contessa eine Verbindung besteht. Andere Kritiker spekulieren nochmal ganz anders: die Contessa baut ihre eigene Avengerstruppe auf. Es wird erwartet, dass sie in der kommenden Hawkeye-Serie ebenfalls einen Auftritt haben wird. Es hat einen leicht schalen Beigeschmack, dass die Perlen im Abspann jetzt für Serienwerbung auf Disney+ genutzt werden, aber ich kann damit leben.

23.06.2016

X-Men: Apocalypse - Kino

Tja, nach Captain America 3 nun die nächste Comic-Verfilmung von Marvel.

Der neue X-Men-Film hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen. Einzelne Schauspieler fand ich herausragend (weiter unten mehr). Kurze Zusammenfassung: der  Supermutant En Sabah Nur erwacht nach Jahrtausenden wieder und will die Erde in Schutt und Asche legen, um auf den Trümmern ein Mutantenimperium zu errichten ("survival of the strongest", nicht wie bei Darwin "... the fittest").

In Summe fand ich den Film technisch ok, aber inhaltlich mäßig.

Generell muss ich ja sagen, dass ich es sehr merkwürdig finde, wenn die Comicfiguren an verschiedene Vermarktungsfirmen vermietet werden und damit verschiedene, vollkommen getrennte Welten entstehen. In den Comics existieren alle Figuren nebeneinander (gut, es gibt die Alternativwelt-Comics und bei DC sowas wie Erde-2, Erde-3, Erde-616 ...), und gelegentlich gibt es auch mal Crossover, bei denen sich die Figuren gegenseitig besuchen. Langsam scheint sich hier die Situation zu entspannen, was man neulich daran sah, dass Spiderman in Cap 3 auftauchen "durfte", obwohl er bislang von Sony vermarktet wurde. Mal schauen, ob das noch weiter geht ... Die Comic-Universen sind ja bislang strikt getrennt, es gibt X-Men, Avengers, Spiderman, Die Fantastischen 4 und das DC-Universum (Superman, Batman, Green Lantern, Wonder Woman, Flash, ...) ist ja davon ebenfalls streng getrennt.

Erik "Magneto" Lehnsherr ist ein toller Charakter und Michael Fassbender spielt ihn sehr vielschichtig. Nach den Geschehnissen mit der Zeitreise in "Days of future past" (von der außer Wolverine und Xavier niemand weiß, weil ja eben die Vergangenheit geändert wurde) hat er sich zurückgezogen und verzichtet auf den Einsatz seiner Kräfte. Ausgerechnet beim Versuch, einen Arbeitskollegen im Stahlwerk zu retten, offenbart er sich und die Angst der "normalen" Menschen führt zu einer persönlichen Tragödie, durch die er zu einem Gefolgsmann von En Sabah Nur wird, der ihm Rache bietet und seine Kräfte weiter verstärkt.

Mystique taucht wieder auf - sie arbeitet im Untergrund und zeigt sich getarnt, aber nicht in ihrer normalen, blauen Gestalt. Sie sammelt weltweit Mutanten, die in üblen Situationen stecken, z.B. Kurt "Nightcrawler" Wagner bei einem inszenierten Schaukampf, und hilft ihnen bei der Flucht mittels einer Art Mutanten-Untergrundbewegung. Ansonsten hat sie von ein paar Action-Szenen im Kampf gegen En Sabah Nur abgesehen keine hervorstechenden Eigenschaften im Film.

Natürlich gibt es Verbündete auf beiden Seiten und auch neue Figuren, die man aus den Comics kennt, tauchen auf. Die Figur "Angel" aus den ersten drei Filmen wird - ähnlich wie Wolverine - metallisch "gehärtet" und ist einer der vier Reiter der Apokalypse, genau wie Psylocke, Storm und Magneto. In der neuen Zeitlinie ist Angel ein flach gezeichneter gnadenloser Kämpfer ohne Hintergrund.

Mal sehen ... welche Mutanten sind mir aufgefallen ... Große Rollen spielen Hank "Beast" McCoy, Scott "Cyclops" Summers (nicht verwandt mit Buffy ;-) ), und Quicksilver taucht als Magnetos Sohn wieder auf, allerdings nicht Wanda "Scarlet Witch" Maximoff, was ich als Gesamtsituation etwas verwirrend finde, weil sie als Geschwisterpaar bei "Captain America" sind, aber dort wiederum nicht als Magnetos Kinder. Die Szene, in der Quicksilver das gesamte Haus evakuiert, während die Explosion sich im Zeitlupentempo ausbreitet, ist noch genialer gemacht als Eriks Befreiung im vorherigen Film.

Quicksilver verzichtet bei der Konfrontation darauf, sich als Eriks Sohn zu offenbaren - er will sich vermutlich noch über seine Beziehung zu ihm klar werden, nachdem er die gnadenlose Seite seines Vaters kennenlernt, der rücksichtslos alles zerstört, um neue Bauten für seinen Meister zu errichten. In den Credits taucht übrigens auch der "Pizza dog" auf, ein häßlicher Mops, dem der größte Teil seiner Pizza geklaut wird.

Auch wenn er eine der Hauptpersonen ist, hat für mich Xavier keine besonders große Rolle gespielt. Immerhin wissen wir jetzt, warum er eine Glatze hat - es ist nicht das Testosteron, sondern der abgebrochene Versuch von En Sabah Nur, den Körper zu übernehmen. Er hat Cerebro bedient und übermittelt Nurs Botschaft an die Menschheit, aber überzeugend war der Charakter in diesem Film nicht.

Wolverine taucht auf - Stryker hat ihn auch in dieser neuen Zeitlinie zum Adamantium-gestählten Kämpfer gemacht und ihn einer Gehirnwäsche unterzogen, durch die er sich an nichts erinnert. Jean Grey befreit ihn und kann ihm einen Teil seiner Erinnerung zurückgeben, bevor er aus Strykers Geheimlabor flieht. Wie wir aus dem Ende von "Days of future past" wissen, wird er in dieser Zeitlinie später zum X-Team stoßen und Lehrer an der "School for gifted youngsters". Vermutlich sehen wir einen Teil seiner Odyssee bis dahin im nächsten Wolverine-Film.

Die gesamte Situation von der Entführung der X-Küken, ihre Befreiung und die Rückkehr wirken allerdings etwas gekünstelt in den Film gebastelt, um die Überleitung zu den nächsten Filmen herzustellen. Mich würde mal interessieren, was passiert, wenn Adamantium und Vibranium aufeinander treffen würden. Caps Schild hat ja beträchtliche Kratzer von Black Panthers Krallen bekommen ...

Erst gegen Ende, als sich En Sabah Nur in seiner Hybris auch gegen Mutanten wendet, vereinen sich alle zum Team X und bekämpfen ihn gemeinsam, sogar Magneto und Storm wechseln die Seiten; Psylocke verdrückt sich unauffällig und vermeidet, eine Seite zu wählen. Diese Wende im Film war absolut nachvollziehbar geschildert - im Detail hat mich allerdings gewundert, wie sich Jean Greys Kräfte manifestieren, nachdem sie "on the go" gelernt hat, sie zu entfesseln. Ich hatte eher erwartet, dass sie sich geistig mit Xavier verbindet, um En Sabah Nur zu bekämpfen. Stattdessen wird er durch einen körperlichen Angriff besiegt.

Was mich vollkommen ratlos zurücklässt, ist die Tatsache, dass der Film die Menschen vollkommen passiv darstellt - man sieht nur gelegentlich Schnitte, dass die Militärs weltweit ratlos durcheinander reden. An keiner Stelle wird darauf eingegangen, dass En Sabah Nur mit Magnetos Hilfe mehrere Großstädte vollständig zerstört und aus dem Rohmaterial seinen Pyramidenpalast errichtet.

Die Motivation von En Sabah Nur besteht auch nur daraus, alles kaputt zu machen und zu sehen, wer überlebt. Das ist mir viel zu flach. Hingegen ist der Charakter von Erik vielschichtig: als Kind im KZ, das zuschauen muss, wie die Mutter erschossen wird, später als Jäger der nach Südamerika geflüchteten Nazis, als Ehemann und Vater einer Tochter, und als durchaus zum Nachdenken fähiger Mutant, der darauf verzichtet, zu töten und mit Xavier hofft, dass sich Menschen und Mutanten zusammen raufen. Der Wendepunkt, sich Apocalypse anzuschließen, war psychologisch raffiniert gewählt: dies findet in Auschwitz statt, direkt bei dem metallenen Tor, durch das Erik damals von seiner Mutter getrennt wurde und zum ersten Mal seine Kräfte erwachten. Hier gibt es eine elegante Blende zwischen den "alten" und "neuen" X-Men-Filmen.

Dieser Plan, die Welt vollständig zu zerstören, ist auch mein hauptsächlicher Kritikpunkt: unglaublich tolle CGI-Computergrafik mit viel Bumms, die aber am Ende vollständig ausblendet, dass dabei vermutlich Millionen von Menschen umgekommen sind - Kairo wird vollständig zerstört und auch andere Städte haben schwer zu leiden. Es gibt nirgends eine Reflexion darüber, wie sich Mutanten und Menschen zukünftig verhalten und obwohl es eindeutig einen Bösewicht gab, haben schätzungsweise alle "normalen" Menschen jetzt erstmal Angst vor den ausgeflippten Mutanten. Auch aus der Situation, dass alle Atomwaffen abgefeuert werden und harmlos im Weltall verpuffen, entwickelt sich wenig außer der resignierten Bemerkung am Schluss, dass die Menschheit schon wieder beginnt, aufzurüsten.

In Avengers 2 war die finale Situation hauptsächlich dadurch charakterisiert, dass die Avengers die Bevölkerung der Stadt retten und quasi nebenbei gegen Ultron kämpfen. Die Superhelden kümmern und sorgen sich um die "normalen" Menschen. Dieser Teil der Menschheit wird im X-Men-Film total ausgeblendet, abgesehen von ein paar kurzen Dialogen, dass die Menschen seit "Washington" von den Mutanten wissen.

Die Folgen der Zerstörung des Atomwaffenarsenals werden nicht mal thematisiert. Gut, es muss nicht *das* Topos sein wie bei Cap 3, dass die Superhelden formal reglementiert werden, aber es ist so eine gravierende Folge des Kampfes gegen den Bösewicht, dass das Fehlen dieses Sachverhalts massiv auffällt. Ein Randthema ist auch Stryker, der daran arbeitet, Mutanten für Forschungszwecke zu mißbrauchen, um Superkämpfer zu basteln, die - auf wessen Befehl auch immer - dann aktiv werden. Da die letzten Filme sich zeitlich in den 60ern (First Class), 70ern (Days of future past) und 80ern (Apocalypse) einordnen, hat mir auch gefehlt, ob es als Folge des Kalten Kriegs auch ein "sowjetisches" Mutantenteam gibt. Es würde mich wundern, wenn Stryker der einzige Militär ist, der das Potential der Mutanten erkannt hat. Sogar in der Perry-Rhodan-Serie war es naheliegend, dass ein Bösewicht (der "Overhead") ein Anti-Team von Mutanten aufbaut und versucht, nach der Macht zu greifen.

Unlogisch fand ich auch, dass En Sabah Nur seine Langlebigkeit dem Wechsel des Körpers verdankt und dabei Mutantenfähigkeiten ansammelt. Für den Wechsel bevorzugt er wiederum Mutanten und übernimmt mit dem Transfer auch ihre Kräfte. Das bedeutet also, dass die Fähigkeiten eine Eigenschaft des Körpers sind. En Sabah Nur "sammelt" aber diese Fähigkeiten und behält auch die alten, wenn er den Körper verlässt. Aber hey, es ist ein Comic ;)

Der Marvel-übliche Nachspann zeigt die Aufräumarbeiten in Strykers Basis und einen Mitarbeiter von "Essex Corp", der eine Blutprobe aus einem Safe entnimmt und zu anderen Proben in einen Koffer packt. Das lässt auf das Auftreten von Mr. Sinister in den nächsten Filmen schließen, möglicherweise werden mit diesen Blutproben Gen-Experimente durchgeführt und ein Wolverine-Klon erzeugt. Angeblich soll Wolverine 3 der letzte Film mit Hugh Jackman werden - schade, ich mag den Schauspieler sehr gern, und er füllt diese Rolle perfekt aus.

Auch die beiden vorherigen Wolverine-Filme haben mir sehr gut gefallen, in denen - in der früheren Zeitlinie - seine Kindheit, seine Behandlung mit Adamantium, sein Gedächtnisverlust und die obligatorische Liebesgeschichte erzählt wurden. Auch die Geschichte in Japan fand ich ok, obwohl mir nicht klar war, wie der Verlust seiner metallenen Krallen in die weitere Serienlogik passt. Aber das hat sich ja mit der Zeitreise und der Veränderung der Vergangenheit erledigt.

27.05.2016

Captain America - Civil War

Der Hype in allen Medien war enorm - Marvel hat wirklich alles aufgeboten, um den Film schon Monate vorab ins Gespräch zu bringen. Instagram, Tumblr, Facebook, Twitter - überall gab es Werbebilder, Trailer, Teaser und was die Werbemaschinerie an Modewörtern noch alles aufbieten konnte. Als Merchandising-Artikel gab es jede Menge Tassen, T-Shirts und andere Andenken für Fans, um entweder zum "Team Cap" oder "Team Iron Man" zu gehören.
Unabhängig davon war natürlich klar, dass ich auf jeden Fall in den Film gehen muss. "Ant-Man" war der Schlusspunkt der sogenannten Phase 2, und mit Cap 3 beginnt die nächste Evolutionsstufe im Marvel Cinematic Universe, dem "Handlungsort" für die Kinofilme. Das MCU verwendet zwar die Figuren und Konzepte aus den Comics, aber erschafft eine eigenständige Handlung und eine ganz eigene Logik und vor allem auch Bildsprache. Die Handlung orientiert sich zwar grob an den schon veröffentlichten Comics, aber setzt sie nicht zwingend vollständig um. Das hat man nun auch bei Cap 3 gesehen. Die Comic-Vorlage ist sehr düster, und Steve Rogers stirbt dort. Im Kino hingegen stirbt niemand, da ja alle zu den "Guten" gehören und das Kinopublikum vermutlich auf tote Hauptpersonen anders reagieren würde als Comic-Leser. Die können sich demnächst darauf einstellen, dass es einen Sam Wilson (Falcon) als Cap geben wird, und auch Bucky Barnes hat ja in den Comics schon mal den Schild mit dem Stern getragen. Alles sehr verwirrend ;)
Zum Film selbst gibt es nicht viel zu sagen: entgegen den vorab bekannten Informationen war der Film über lange Strecken sehr ruhig, und die Charaktere konnten sich entwickeln. Das hat mir gut gefallen, der Film war kein bißchen langweilig, auch in den ruhigen Szenen. Die Action-Szenen hatten viel Bumms. Wir hatten uns für die 3D-Variante entschieden (Kind 2 und ich sind beides große Fans von Marvel- und DC-Comics), aber ehrlich gesagt lohnt es sich nicht, dafür mehr Geld auszugeben. Der Tiefeneindruck war vorhanden, aber es hat nichts zur "Experience" beigetragen. Ganz nett, aber mehr auch nicht.
Zur Handlung ganz kurz: die Ereignisse entwickeln sich absolut logisch. In Nigeria geschieht bei der Abwehr eines terroristischen Angriffs mit dem Ziel, eine Biowaffe zu stehlen, ein heftiger Kollateralschaden. Rumlo, der sich in Cap 2 als Bösewicht entpuppte, löst eine Bombe aus, die er versteckt am Körper trägt, um Rogers zu töten. Scarlett Witch kapselt die sich entwickelnde Explosion mit ihren Kräften ein und schleudert das flammende Inferno nach oben und seitlich weg - leider mitten hinein in ein Bürohochhaus. Das ist vermutlich der noch nicht perfekten Beherrschung ihrer Kräfte geschuldet - sie ist ja quasi erst ein "Avenger-Azubi", seit sie in "Age of Ultron" die Seiten gewechselt hat.
Sehr realistisch folgt dann ohne großartige Bewertung der Gesamtsituation eine politische Gegenreaktion, die sehr heftig ausfällt, wie wir das auch aus dem echten Leben(TM) gewöhnt sind: die "Öffentlichkeit" soll mit drastischen Maßnahmen davon überzeugt werden, dass die Politik alles im Griff hat - unterschwellig eine deutliche Kritik daran, dass die meisten Staaten mittlerweile die unbedingte Sicherheit vorziehen und keinerlei Abwägung mehr zwischen Sicherheit und Bürgerrechten vornehmen, oder überhaupt versuchen, die Situation zu untersuchen und zu bewerten.
Als Folge des Einsatzes in Nigeria soll das "Sokovia-Abkommen" in Wien bei der UN ratifiziert werden, das die Avengers unter UN-Kontrolle stellt und erreichen soll, dass die Avengers nur zum Einsatz kommen, wenn die UN es ausdrücklich befiehlt (bzw. nicht, wenn nicht). Während der König von Wakanda spricht, geschieht ein Anschlag, der König T'Chaka tötet. Sein Sohn T'Challa folgt ihm damit automatisch auf den Thron und schwört Rache. Bequemerweise gibt es Kameraaufnahmen, die nahelegen, dass Bucky Barnes den Anschlag verübt hat - man macht weltweit Jagd auf ihn. Relativ früh enttarnt sich der "Black Panther" als eben jener T'Challa, dessen Anzug aus Vibranium besteht, demselben Material wie Caps Schild.
Die Avengers entzweien sich immer mehr - überraschend stimmt Tony Stark für das Abkommen und versucht auch Rogers zu überzeugen. Cap ist allerdings nicht überzeugt und vermutet eine Intrige. Im Verlauf des Films bekommt er tatsächlich recht - es gibt ein Intrige mit dem Ziel, die Avengers aufeinander zu hetzen. Ausgelöst wird dies von einem der Hinterbliebenen, die durch die Aktionen von Ultron in Sokovia Angehörige verloren haben. Er täuscht vor, dass der "Winter Soldier" Bucky Barnes für alles verantwortlich ist, aber Cap bezweifelt dies und hilft Bucky bis zum bitteren Ende.
Abgesehen davon, dass dieser Plot gut in die Filmlogik passt, bleibt davon trotzdem unberührt, ob man wirklich eine Truppe von Superhelden mit fragwürdiger psychischer Stabilität unkontrolliert gewähren lassen sollte. Die Antwort auf diese Frage bleibt der Film schuldig, weil ja "der Rebell" Rogers irgendwie am Ende Recht behält, und trotz aller Schlüssigkeit der Handlung beim Zuschauer das Gefühl bleibt, dass beide Seiten irgendwie ein Argument haben. Vision stellt sogar die These auf, dass mit der Zunahme von "Begabten" auch die Anzahl der Angriffe steigt, weil die Existenz von besonders mächtigen Kämpfern den Anreiz zum "Kräftemessen" steigert, was in sich natürlich eine gewisse innere Logik birgt.
Die meisten Kollateralschäden entstehen übrigens beim Versuch, die "Rebellen" aufzuhalten, was in sich auch wieder eine gewisse Ironie birgt. Hätten die zwei Fraktionen der Avengers nicht so vehement gegeneinander gekämpft, wäre alles wesentlich entspannter geblieben. So wurden in Berlin und Leipzig jede Menge Straßen, Tunnels, Gebäude, Flughafenausstattung, Fahrzeuge und Flugzeuge beschädigt und zerstört - alles sehr bildgewaltig in Szene gesetzt. Trotzdem hätte man für die 3D-Variante mehr daraus machen können.
Insgesamt bleiben einige Plotelemente unbefriedigend offen: Zemo ist auf der Suche nach Beweismaterial für ein ominöses Datum "16. Dezember 1991". Nach und nach wird das Geheimnis gelüftet, aber nie wirklich erklärt, woher Zemo überhaupt wusste, wonach er zu suchen hat. Andererseits ist nun bekannt, warum es nie weitere Supersoldaten in den USA gegeben hat - das restliche Serum wurde vom Winter Soldier gestohlen und verbraucht
Auch die Logik der Einschränkung der Avengers-Einsätze ist nicht wirklich schlüssig. In Avengers 1 ist es eine außerirdische Bedrohung, hergerufen durch Loki; in Cap 2 tritt Hydra erneut ans Licht der Öffentlichkeit und will mit den neugebauten Heli-Carriern Systemfeinde eliminieren, in Thor 2 greifen die Dunkelelfen die Erde an und legen London in Schutt und Asche, nachdem Jane Foster (Natalie Portman) den "Aether" in sich aufgenommen hat, in den Iron Man-Filmen sind es Terroristen bzw. Bösewichte, im Hulk-Film sogar das Militär selbst, das nach Möglichkeiten für Supersoldaten sucht, und in "Age of Ultron" ist es ausgerechnet Tony Stark, unterstützt von Bruce Banner, der das künstliche Wesen Ultron erschafft. In dem Comics ist Ultron übrigens ein Geschöpf von Starks Konkurrent Hank Pym, dem ersten Ant-Man.
Der einzige Anlass, die Avengers zu kontrollieren, ist in "Age of Ultron", als Tony Stark selbst den Gegner in die Welt setzt. Alles andere sind unkontrollierbare Einflüsse von außen, und die Schäden bei deren Abwehr kann man nicht den Avengers anlasten.
In der Berliner Handlung taucht Martin Freeman als "Everett Ross" auf, allerdings hat er nur ein paar wenige Sätze und hofft am Ende im Gespräch mit dem inhaftierten Zemo, dass er sich tatsächlich "daneben benehmen" würde, um Gelegenheit zur Bestrafung zu bekommen. Diesen Charakterzug finde ich sehr daneben. Ob eine Verwandschaft zum Außenminister Ross (ehemals General Ross aus dem Hulk-Film) besteht, wird nicht erwähnt. Schön allerdings, dass Sherlock und Watson jetzt beide bei Marvel-Filmen mitspielen ;)
Generell in den Szenen in Deutschland gibt es Seitenhiebe auf die Bürokratie, von der ja alle Welt denkt, dass sie in Deutschland erfunden wurde: nach der Verhaftung von Rogers und Falcon werden ihre Ausrüstungsgegenstände, d.h. der Schild und das "Vogel-Kostüm" beschlagnahmt und den Verhafteten werden dafür "selbstverständlich" Quittungen ausgestellt.
Leider ist die Ausstrahlung der zeitlich parallel ablaufenden TV-Serien nur in USA wirklich synchron zur Veröffentlichung der Kinofilme. Im deutschen TV wird gerade erst die 2. Staffel von "Agents of S.H.I.E.L.D." ausgestrahlt, die ja bekanntlich in der Handlung von "Age of Ultron" kulminiert (in der Folge von gestern wird zum ersten Mal Strucker erwähnt, der in "Age of Ultron" mit Lokis Szepter und dem Gedankenstein darin experimentiert). In der 2. Staffel wird die detektivische Arbeit geleistet, durch die die Avengers erst von Struckers Aufenthaltsort erfahren und dann die Burg angreifen, was die Eingangsszene von "Age of Ultron" darstellt. In den USA läuft derzeit schon das Finale der 3. Staffel dieser Serie.
Eine weitere Remineszenz an das weit gefächerte MCU ist die Erwähnung von Peggy Carter, der Gründerin von S.H.I.E.L.D., die im zarten Alter von 95 Jahren verstirbt und von Rogers zu Grabe getragen wird. Agent 13, die in Cap 2 als "Nachbarin" auftrat, hält eine Abschiedsrede und gibt sich erst jetzt als ihre Nichte Sharon Carter (Emily Van Camp) zu erkennen. Sie hilft Rogers und Wilson, ihre Ausstattung zurückzubekommen und aus der Haft zu fliehen, um Barnes aufzuspüren. Peggy Carter (Hayley Atwell) hat mehrere Gastauftritte in der 2. Staffel von "Agents of S.H.I.E.L.D.", was damals natürlich eine Vorbereitung für ihre eigene TV-Serie "Agent Carter" war, die nun leider nach 2 Staffeln nicht weiter verlängert wird. Die "Agents of S.H.I.E.L.D." werden möglicherweise in einen weiteren Kinofilm über die "Inhumans" münden, d.h. die Wesen, deren Kräfte durch den Obelisken geweckt werden. Außerdem gibt es bei Netflix die Serien "Jessica Jones" und "Daredevil", die dann zusammen mit Luke Cage und Iron Fist die "Defenders" bilden (... werden, nehme ich an).
Das Auftauchen von Spiderman war für mich eher gekünstelt in Szene gesetzt. Wirklich geholfen hat er nicht. Der Kampf am Flughafen hat dadurch ein paar nette Szenen gewonnen, aber entscheidend war es nicht, ob er da war oder nicht. Die Szenen mit dem fliegenden Falcon und dem schwingenden Teenie Peter Parker waren sehr schön anzusehen, und auch der Humor war ok. In diesem Film-Universum hat Peter Parker seine Kräfte seit ca. 6 Monaten und Tante May ist eine erstaunlich junge, gut aussehende Frau (Marisa Tomei), die natürlich von nichts weiß. Tony Stark bringt ihm zu den Avengers und stattet ihn mit leicht verbesserter Superheldenkleidung aus. Die Spinnfäden hat Parker selbst entwickelt und Stark zollt ihm dafür viel Respekt. Die Entstehungsgeschichte von Spiderman wird vermutlich der Film "Homecoming" schildern, den wir für nächstes Jahr Juli erwarten.
Es gab nicht ganz so viele lockere Sprüche wie in den früheren Filmen. Hier ist mir im Wesentlichen ein kurzer Dialog zwischen Hawkeye und Black Widow im Gedächtnis geblieben: "Sind wir noch Freunde?" - "Kommt drauf an, wie fest Du zuschlägst.". Unerreicht bleibt immer noch der Running Gag mit "Watch your language" in "Age of Ultron", das immer wieder verwendet wird, um Cap damit aufzuziehen.
Natürlich hatte der Film als Auftakt für die Phase 3 nicht nur das Ziel, die Zuschauer zu unterhalten, sondern auch das Fundament zu legen für die weitere Handlung bis zum finalen zweiteiligen Knaller mit dem "Infinity War" gegen Thanos und seinen "Gauntlet" (Handschuh) mit den 6 Infinity-Steinen. Bis dahin werden wir uns an weiteren Filmen wie "Dr. Strange" mit Benedict Cumberbatch erfreuen, außerdem "Thor 3" mit Thor und Hulk, "Ant-Man 2" mit Ant-Man und Wasp, "Black Panther", "Guardians of the Galaxy 2" mit Kurt Russell als Quills Vater, sowie "Captain Marvel" mit einer weiteren weiblichen Superheldin, und ich hoffe auch weiterhin, dass es tatsächlich einen Solo-Film mit Black Widow geben wird und der Inhumans-Film realisiert wird, vielleicht sogar mit Sky (Daisy Johnson, "Quake").
Warum nun ein Film, der nach wenigen Wochen schon auf einen Milliarden-Umsatz hinsteuert, vom deutschen Steuerzahler noch siebenstellig bezuschusst wird (gemäß Wikipedia), kann ich nicht verstehen. "Der FilmFernsehFonds Bayern förderte den Film für digitale Effekte mit 450.000 Euro. Die Produktion erhielt von der Mitteldeutschen Medienförderung 350.000 Euro. Von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg wurden nochmals 350.000 Euro bezuschusst."

19.05.2015

Avengers 2 - wow

Gestern war ich mit Kind 2 im Kino - seit einiger Zeit haben wir dieselben Vorlieben für Comic-Verfilmungen ;). Mutter und Kind 1 waren zu einem Konzert unterwegs und deshalb den ganzen Nachmittag und Abend abwesend. Also gab es analog zum Vater-Tochter-Tag mit Justin Bieber jetzt mal einen Vater-Sohn-Tag. Und der hat diesmal auch dem Papa richtig gut gefallen ;)

Ich bin ja eher der "alles vorher wissen"-Typ. Ich lese die letzten paar Seiten in Büchern zuerst, und ich lese auch Filmkritiken und Zusammenfassungen, bevor ich ins Kino gehe. Für mich ist die Überraschung dann die künstlerische Ausführung und nicht so sehr das Ergebnis. Ich mag eigentlich keine Überraschungen. Das ist dann genauso wie bei Harry und Sally ("ich lese das Ende zuerst, damit ich weiß, wie es ausging, falls ich vorher sterbe").

Deshalb hatte ich vorher ein bißchen im Netz gelesen, was andere schon über Avengers 2 geschrieben haben, und hinterher mache ich mir dann meine eigenen Gedanken.

Nicht unerwähnt lassen will ich auch den finanziellen Aspekt und die Marktmacht von Disney, die bei diesem Film versucht haben, kleinen Kinos eine höhere Filmmiete abzuverlangen. Das kann man hier sehr schön nachlesen - auch die Kommentare sind hochinteressant (manche).

Bei phantanews.de findet sich eine wunderbare, recht kurz geratene Schwärmerei, die mir voll aus der Seele spricht.

Der Film ist eine geniale Mischung aus Action und ruhigen Szenen, in denen die bisherige Handlung recht intelligent reflektiert wird. Besonders gut gefallen hat mir der "Wettbewerb", Thors Hammer hochzuheben, und keinem gelingt es. Allerdings wackelt der Hammer ein bißchen, als Cap es versucht, und man sieht im Hintergrund, wie Thor das Lachen aus dem Gesicht fällt ;)

Als eher paranoid denkender Software-Entwickler mit der Tendenz, zuviele Mailinglisten über Sicherheitsprobleme zu lesen, hat mich sehr gewundert, dass Tony Stark eine Software mit "künstlicher Intelligenz", deren Fähigkeiten er nicht abschätzen kann, ungefiltert mit seinen eigenen Rechnersystemen, mit Jarvis und mit dem Internet verbindet. Eigentlich sollte ihm als passionierten Hacker doch klar sein, dass nicht nur er in Regierungssysteme einbrechen kann (wie in Iron Man 2 schön gezeigt), sondern umgekehrt auch er Opfer werden könnte. Diese Idiotie hat mich schon bei James Bond in Skyfall gewundert, als der neue, junge Q eine ähnliche Dummheit begeht, einen unbekannten Laptop über Kabel ans interne Firmennetz anzuschließen.

Genau das passiert natürlich: Ultron "erwacht" (gewisse Ähnlichkeiten mit Skynet und Terminator sind natürlich rein zufällig ...), zerstört Jarvis und erzeugt erstmal jede Menge Sicherheitskopien seines Bewusstseins im Internet.

Andere Kritiken bejammern, dass Black Widow das Frauchen-Schema bedient, indem sie bei der Diskussion mit Banner (Hulk) über ihre Sterilisation spricht, als Banner erwähnt, dass er wegen seiner Gefährlichkeit Angst hat, eine Familie zu gründen. Ich finde, dass das Gespräch ziemlich gut abgelaufen ist und die gegenseitigen Geständnisse zusammen gepasst haben - Natascha wollte ihn trösten und ihm zeigen, dass er nicht allein Probleme hat. Ganz offensichtlich wollte sie ihm eine goldene Brücke bauen, damit er sich auf die Freundschaft einlässt. Leider hat's dann doch nicht geklappt, er flieht vor ihr, oder auch vor sich selbst, und am Ende sind die ursprünglichen Avengers wieder in alle Winde verstreut. Immerhin hat Thor jetzt eine Idee, dass das kurzfristige Auftauchen von gleich 4 der 6 Infinity-Steine kein gutes Omen ist, und er plant Nachforschungen in Asgard. Offensichtlich weiß er also davon, dass der "Star Lord" ebenfalls eines dieser Artefakte gefunden hat.

Die Entstehungsgeschichte von Vision finde ich außerordentlich gelungen: durch Thors Eingreifen wird Vision Leben eingehaucht und ich bin sicher, dass Mjölnir für ein Wesen mit hohem ethischen Standard gesorgt hat - immerhin kann er den Hammer auch heben und benutzen.

Das Auftauchen von Nick Fury war relativ überflüssig. Eigentlich ist ja nicht mehr er Boss von S.H.I.E.L.D., sondern Coulson (Finale von Staffel 1 der "Agents of S.H.I.E.L.D."). Aber naja, er darf halt mal wieder einen Heli-Carrier fliegen. Ich finde diese Dinger toll, und wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das Lego-Modell kaufen und bauen.

Bis vor einigen Wochen lief die Fernsehserie der ersten Staffel in RTL2, und genau zeitlich passend dazu hatte ich die DVD von Captain America 2 beschafft, dessen Handlung genau das Ende dieser Staffel darstellt. Ähnlich hat Marvel die zweite Staffel von S.H.I.E.L.D. konzipiert, die exakt in Avengers 2 mündet. Leider bringen es die Sender nicht fertig, die Serien zeitnah auszustrahlen. In USA ist die zweite Staffel durch, und in Deutschland gibt es sie nicht gegen Geld und gute Worte - zumindest nicht, wenn das Internet über LTE mit Volumenquote zu mir kommt.

Wunderbar finde ich den "Running Gag" durch den ganzen Film hindurch, dass Captain America keine Kraftausdrücke wünscht. Dieser Spruch rutscht ihm zu Beginn des Films einmal heraus, und durch eine gezielte Indiskretion spötteln alle anderen Figuren bei guter Gelegenheit dann darüber. Diese kleinen Scherze halten den Film inhaltlich auf einem höheren Niveau, als es reine Action- und Ballerszenen könnten.

Aus den Zwillingen hätte man mehr machen können: ich finde es bedauerlich, dass der Charakter Quicksilver schon wieder aus der Handlung geschrieben wurde, und es ist auch ärgerlich, dass es hier zu Widersprüchen kommt: in der X-Men-Reihe hat Quicksilver einen ganz anderen Hintergrund (in "Days of Future Past") und bleibt am Leben. Dumm, dass Marvel hier die Franchise-Rechte aufgeteilt hat und daraus heftige Logikbrüche resultieren. In den Comics sind Quicksilver und Scarlet Witch die Kinder Magnetos und keine künstlich leistungsgesteigerten Geschöpfe, deren Eltern bei einem Raketenangriff starben (natürlich mit damals von Stark Industries gefertigten Raketen ..., ähnlicher Ablauf wie am Anfang von Iron Man 1). Schön immerhin, dass das frisch geschlüpfte Kind von Hawkeye "Pietro" als zweiten Vornamen bekommt, hat er doch Hawkeye mit seinem Opfer das Leben gerettet.

Auch Nataschas Gefangenschaft in Struckers ehemaliger Burg finde ich halbwegs plausibel: sie kann mit einem primitiven Funkgerät ihre Position im Morsecode melden und die restlichen Avengers rufen, um gemeinsam anzugreifen. Offensichtlich erkennt sie anhand der Maschinen wieder, wo sie ist. Hydra-Chef Strucker wollte offensichtlich ebenfalls Roboter herstellen lassen, als er mit Lokis Szepter Experimente durchgeführt hat.

Der übliche Nachfilm, um die Neugierde zu wecken, kommt diesmal unmittelbar nach dem Ende - der Oberbösewicht Thanos ist zu sehen, wie er den Handschuh anzieht und ankündigt, dass er sich ab jetzt selbst der Sache annehmen wird. Es ist nicht nötig, den ewig langen Abspann bis zum Ende auszusitzen. Schade, dass hatte ich nicht kommen sehen ;)

Man erkennt die "Halterungen" im Handschuh, in die die Infinity-Steine eingesetzt werden können. Offen bleibt noch, wie Thanos an den Handschuh gelangt ist - in "Thor 1" war der "Gauntlet" noch in Odins Schatzkammer in Aufbewahrung. Am Ende von "Thor 2" ist zu vermuten, dass Loki sich zurück nach Asgard geschlichen und Odin getötet hat, aber richtig offiziell ist diese Tatsache nicht. Insbesondere weiß Thor nicht, dass Loki ihm vorgetäuscht hat, er sei Odin, und ihm Befehle gegeben hat.

Vision ist tatsächlich ein toller Charakter - ich habe nur die Befürchtung, dass aus Spannungsgründen tatsächlich im Showdown alle 6 Infinity-Steine in den Handschuh eingesetzt werden, und das impliziert, dass der gelbe Gedankenstein aus Vision herausgerissen wird. Ob er das irgendwie wird überleben können? Ich bin gespannt.

Entgegen früheren Vermutungen ist das Ende des derzeitigen 2. Zyklus erst mit "Ant-Man" erreicht, der im Sommer ansteht. Die Vorschau sah schon mal sehr nett aus, ich freu mich drauf.

23.05.2014

X-Men: days of future past - Kino

Ich war gestern schon wieder im Kino, diesmal im neuen X-Men-Film. Mein Nachbar ist ein ebenso großer Kino- und Comic-Fan wie ich, und es macht einen Riesenspaß, mit jemandem ins Kino zu gehen, der einen ähnlich abgedrehten Geschmack hat. Letzte Woche hatte ich einen Gast (dazu kommt auch noch mal ein Artikel), mit dem ich Godzilla angeschaut hatte, aber diese Sorte Katastrophenfilme mit viel Bums und wenig Handlung ist nicht ganz mein Geschmack, das hab ich nach langer Zeit mal wieder gemerkt.

Ich liebe ja Zeitreisen ganz besonders, weil man so schön drüber lästern kann, wenn es der Drehbuchschreiber mal wieder nicht hinbekommen hat und die Logik so gar nicht passen will.

Im aktuellen X-Men-Film trifft das in weiten Teilen zum Glück nicht zu: es gibt eine nachvollziehbare Handlung, die auf einer plausiblen Grundidee aufbaut, und insgesamt gesehen ist der Film in sich schlüssig.

Was am Ende natürlich offenbleibt, ist die Frage, ob sich durch die Zeitreise alles so entwickelt, wie wir es aus den bisherigen Filmen kennen, oder ob sich da noch subtile Änderungen einschleichen.

Auf jeden Fall war der Film großartig, und ich habe ihn von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Sehr schön aufgebaut der ruhige Schluss, der einen "ganz normalen Tag" in der "School for gifted youngsters" zeigt, nachdem Logan zu seinem eigenen Erstaunen dort aufwacht; man sieht u.a. Rogue, Iceman, Jean Grey, und viele andere aus den früheren Filmen.

Der Einstieg war hingegen von rasanter Action geprägt: es war eine Szenerie in der Zukunft, in der extrem anpassungsfähige Roboter Jagd auf Mutanten machen und mühelos deren Kräften widerstehen können. Dank einer Mutantin, die eine besondere Form der Zeitreise beherrscht, ist es einer kleinen Gruppe möglich, zu entkommen, indem sie sich - sozusagen aus der Zukunft - warnen lässt.

Der Bildaufbau mit zerstörten Städten und knochengefüllten Straßen erinnert wohl mit Absicht an Terminator, die "andere" prominente Zeitreisegeschichte, und es wird nebenbei berichtet, dass die "Sentinels" nicht nur Mutanten jagen, sondern auch Menschen, die ihnen helfen wollen, und deshalb die Menschheit nahezu ausgerottet wurde.

Da dies aber kein Dauerzustand bleiben soll, kommen sie auf die Idee, die Vergangenheit grundsätzlich zu verändern und die Entwicklung dieser übermächtigen Jagdroboter - "Sentinels" - zu verhindern. Ähnlich wie in der Serie "Seven days" gilt es, einen besonderen Moment in der Vergangenheit zu identifizieren, an dem die Geschichte den einen oder anderen Verlauf hätte nehmen können.
Natürlich wird dieser Schicksalspunkt in der Geschichte gefunden, und der einzige, der unbeschadet - wenn auch nur geistig in seinen jüngeren Körper - in die Vergangenheit reisen kann, ist "Logan" Wolverine. Diese Begründung fand ich etwas wirr, aber hinnehmbar für die weitere Dramaturgie. Interessant dann die Beobachtung, die eine weitere zeitliche Einschätzung erlaubt: in der Vergangenheit angekommen hat Logan noch nicht die Adamantium-Panzerung, sondern noch die knöchernen Krallen.

In der Vergangenheit angekommen gibt es schrille 70er-Jahre Szenen, und natürlich gibt es ein sekundengenaues Thriller-Ende, so dass wir am Ende nicht zusehen müssen, wie der "alte" Charles von den Sentinels getötet wird.

Eine besonders schöne Szene mit tollen Trickeffekten ist während der Befreiung des jungen Magneto aus einem metallfreien Gefängnis unter dem Pentagon zu sehen, als Quicksilver in der Küche alle Wächter außer Gefecht setzt, ohne Blut zu vergießen und dabei erst noch ganz gelassen Kopfhörer und Schutzbrille aufsetzt, um "Time in a bottle" zu hören.

Viele Charaktere werden schöner und ausführlicher geschildert als in den bisherigen Filmen, insbesondere Mystique gefällt mir sehr gut, und der junge Magneto spielt genauso wunderbar wie in "First Class". Im Gegensatz zu Florian in seiner Kritik fand ich den Wissenschaftler Trask eher nicht so herausragend, weder geschauspielert noch als Rolle bzw. Figur.

Genauso unspannend fand ich den Techniker im X-Team: in einigen Szenen wird zwar tricktechnisch brilliant die Verwandlung in "Beast" gezeigt, aber trotz alledem ist diese Figur eher blass geblieben - ein typischer "support act", der halt benötigt wird, um ein bestimmtes Problem zu lösen, damit die Handlung weitergehen kann, aber sonst auch nichts.

Die Auflösung will ich natürlich nicht im Detail verraten, aber es ist eine sehr schöne und glaubwürdige Lösung: Trask wird nicht getötet, weder von Mystique, noch Magneto oder einem der anderen Mutanten, Nixon bleibt am Leben, keiner der Mutanten reißt die Weltherrschaft an sich, und obwohl die Welt nun aufgrund der Fernsehübertragungen von den Mutanten weiß, gibt es einen - wenn auch brüchigen - Frieden. Auf dem Hinweg nach Washington im Flugzeug stellt Eric auch sehr glaubwürdig dar, dass er zwar in Dallas war, aber JFK retten und nicht töten wollte, auch wenn er dafür trotzdem in einem Hochsicherheitsgefängnis gefangen gesetzt wurde. Diese Andeutungen werden aber nicht vertieft, der Rest bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

Zwei Bemerkungen noch zum Schluss:

Zum Ersten: die Pointe, nachdem Logan aus dem Fluss gefischt wurde, und Stryker seiner habhaft wird, hat einen sehr bitteren Beigeschmack, obwohl wir natürlich schon aus früheren Filmen wissen, wie grausam seine Behandlung war.

Zum Zweiten: der traditionelle "Nachfilm" zeigt eine im Bau befindliche Pyramide oder ein ähnliches großes Bauwerk, deren Konstruktion offensichtlich von einer einzigen Person durchgeführt wird, und auf einem Nachbarhügel 4 Reiter. Aus der Sitzreihe hinter mir hörte ich "die 4 Reiter der Apokalypse", aber da ich kein allzu intensiver Marvel-Leser bin, ist mir diese Szene nicht klargeworden. Vielleicht weiß jemand mehr und hinterlässt einen Kommentar?

[Update: Link zum Besuch von Christoph Dittert nachgetragen]

22.11.2013

Thor 2 - The dark kingdom

Ich liebe ja Comics und Comic-Verfilmungen ... von Iron Man 3 und dem zeitlichen direkten Vorgänger Avengers war ich begeistert.

Gestern war ich mit einem guten Kumpel im neuesten "Thor" und bin etwas enttäuscht zurückgeblieben.

Unglaublich großes und bombastisches Bumms. Fans von Actionfilmen kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, und besonders tief ist meine Enttäuschung auch nicht. Es war auf jeden Fall gute Unterhaltung.

Ein Bösewicht will gleich das ganze Universum mit einer Superwaffe zerstören, die er vor langer Zeit erfunden hat und ihm in einem fulminanten Kampf von Odins Vater Bor abgenommen wird. Das "ganze Universum" umfasst dabei die "Neun Welten" aus der nordischen Mythologie, also Midgard (unsere Welt), Asgard (die Welt der Götter), Jotunheim (die Eiswelt), und so weiter ... Wie diese neun Welten mit dem Dimensionsriss zusammenpassen, durch den Loki in "Avengers" eine Invasion der Erde ermöglichen wollte, ist unklar geblieben. Vielleicht gibt es da auch gar keinen Zusammenhang, und ich hätte nur gern einen ;)

Der Oberböse Malekith hat einen Namen, der förmlich nach dem Wortspiel Malefiz verlangt. Nun, bitte schön, da war es - das Wortspiel ;). Offensichtlich ist Malekith so an die Dunkelheit gewohnt, dass er alles Licht auslöschen will. Später heißt es dann, er will alles vernichten, und das Universum, wie wir es kennen (hell), hätte nie entstehen dürfen. Leider wird auch dieses Thema nicht weiter vertieft. Warum nun "Verdunkelung" im späteren Verlauf gleich zu totaler Vernichtung wird, war einer der Punkte, warum ich ratlos aus dem Film gegangen bin. Außerdem sind die besonders starken und widerstandsfähigen Dunkelelfen-Kämpfer, die Karedh, sehr heiß und stark leuchtend, es sollte wohl nach glühender Lava aussehen, die ja auch nicht wirklich besonders dunkel wirkt. Etwas widersprüchlich.

Außerdem war mir in den ganzen letzten Filmen zuviel umherfliegendes Zeugs (Autos, Busse, Häuser, Panzer, Flugzeuge, ...). Das erschöpft sich ganz schnell ... im "Man of Steel" war es am Ende genauso chaotisch, als der Superheld gegen General Zod gekämpft hat.

Ziemlich cool waren die Szenen, in denen durch die "Konvergenz" Durchlässe zwischen den Welten entstanden und Menschen, Autos und Jets sich plötzlich in einer Welt wiederfanden (und an einer anderen Stelle wieder zurück).

Meine Lieblingsfigur seit dem ersten Thor-Film ist der Wächter der Brücke Bifröst, Heimdall. In diesem Film scheitert er daran, das Raumschiff von Malekith zu sehen, wenn es sich unsichtbar macht, obwohl er alles sehen kann. Genausowenig kann er Jane sehen, als sie sich eine Zeit lang im Versteck des Aethers befindet, das sie durch einen Übergang zufällig betritt und dann vom Aether "besessen" wird.

Ziemlich unpassend fand ich auch, dass der Wissenschaftler Dr. Eric Selvig plötzlich nackt in Stonehenge herumgetobt ist, verhaftet wurde und dann vom Praktikanten der Praktikantin so mir-nichts-dir-nichts aus der Psychiatrie abgeholt wurde und plötzlich wieder geistig gesund war. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass Stonehenge eine besondere Bedeutung hat; stattdessen wurde dann London/Greenwich zum Ort des finalen Showdown, obwohl sich astronomische Ereignisse sicherlich nicht an eine menschliche Metrik mit Längengraden halten müssen (durch Greenwich verläuft per Definition der Nullte Längengrad, dort gibt es das "Royal observatory" und eine Militärakademie der Royal Navy).

Andere Kritiken fanden die Lichtschwerter, Space-Elfen, die Mischung von Göttern und Raumschiffen, Einstein-Rosen-Brücken und magischer flüssiger Materie, die sich in Menschen flüchten kann, ganz toll, aber mir hat diese merkwürdige Mischung von Fantasy und SF nicht besonders gefallen.

Zugegeben, die Effekte waren toll; es war ein gigantischer Film, und wenn man die Personen im Abspann zählt, weiß man auch, warum der Film so teuer war ;)

Der Film hatte auch einige gute Szenen in den ruhigen Teilen. Die vorgetäuschte Sterbeszene war klasse gemacht. Ich war fast geneigt, Loki zu glauben. Die Handgranaten waren offensichtlich kleine Schwarze Löcher, ähnlich wie die Waffen der Kolonne TRAITOR bei Perry Rhodan. Der Aether hat mich ein bißchen an das "Element der Finsternis" erinnert ;). Eine nichtgezeigte Szene dürfte enthalten haben, dass der doch nicht tote Loki Odins Platz einnimmt und für das Gespräch mit Thor kurz vor Schluss, als Thor auf den Thron verzichten will, Odins Aussehen vortäuscht.

Jeder, der den Film gesehen hat, weist darauf hin, dass man unbedingt beide Kurzfilme im Abspann ansehen muss. Ehrlich gesagt, lohnt sich das elendige Warten auf den zweiten Abspann kein bißchen. Man sieht eine Knutschszene und danach hüpft ein lustiges Monsterli auf einem Parkplatz herum und versucht, Tauben zu haschen.

Die 3D-Effekte waren mäßig, und im Nachhinein hätte ich mir lieber die billigere 2D-Variante anschauen sollen. Im Hanauer Kinopolis schlägt der Film in 3D eine 11 Euro tiefe Kerbe ins Portemonnaie. Immerhin ist im Preis ein kostenloses Ticket für maximal vier Stunden im benachbarten Parkhaus enthalten, das man an der Kinokasse gleich im Voraus entwerten kann.

[Update 2013-11-22: Link zu Phantanews]