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18.06.2018

Jährliches Theater mit den Dramateuren

Juhu, die Dramateure haben sich entschlossen, wieder ein Theaterstück von Sir Terry Pratchett aufzuführen!

Das diesjährige Stück war "Mummenschanz", im Original "Maskerade", und die Handlung orientiert sich vage am "Phantom der Oper", aber natürlich auf die ganz eigene und geniale Weise von Terry Pratchett.

Natürlich muss ein Pratchett-Fan dann mit einem passenden T-Shirt in's Theater gehen.

Die Aufführung fand wieder in Bischofsheim statt wie "Good Omens" letztes Jahr.

Dieses Jahr gab es sozusagen eine Fortsetzung von "Wyrd Sisters", das die Dramateure vor einigen Jahren aufgeführt haben - die Geschichte von "Mummenschanz" ("Maskerade" im Original) erzählt ein neues Kapitel im Leben der Hexen von Lancre, nachdem die dritte Hexe Magrat den König geheiratet und damit aus dem Hexenzirkel ausgeschieden ist. Esme Wetterwachs und Nanny Ogg suchen aus traditionellen Gründen wieder eine dritte Hexe, und ihre Wahl fällt auf Agnes Nitt. Die allerdings will lieber in Ankh-Morpork an der Oper singen.

Viel will ich über die Geschichte gar nicht erzählen - jeder Fan von STP wird die Scheibenwelt-Variante von "Phantom der Oper" sowieso kennen.

Die Schauspieler haben ihre Sache ausnahmslos sehr gut gemacht. Die beiden Hexen Esme und Nanny waren die Hauptpersonen und hatten eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Agnes hat es ebenfalls geschafft, ihre Rolle so auszufüllen, wie ich sie mir beim Lesen des Buchs vorgestellt hatte. Die stimmlichen Künste wurden durch geschickt eingesetzte Tontechnik dem Buch entsprechend umgesetzt - das war sehr glaubwürdig und hat sich wunderbar in den Ablauf eingepasst.

Die Kostüme waren liebevoll gestaltet und haben viel zur Opern- und Bühnenatmosphäre beigetragen. Wie üblich auch in den vergangenen Jahren waren die Requisiten eher minimalistisch, aber perfekt passend zur Szene und Situation ausgewählt. Die Bühne hatte sogar zwei Ebenen, wobei der hintere Bühnenteil erhöht war und abwechselnd als Zimmer der Sängerinnen und als Loge des Phantoms diente. Auch der Raum vor der ersten Sitzreihe und hinter den Zuschauern wurde zur Tiefengestaltung mit einbezogen.

Schon die Fahrt von Lancre nach Ankh-Morpork in der Kutsche war ein Erlebnis für sich, bei dem sie den Sänger Heinrich Nacktschneck kennenlernen, der sich als ausländischer Künstler ohne Sprachkenntnisse ausgibt, damit er Erfolg hat. Er muss aber lernen, dass ihn jeder im Bemühen, ihn gemäß seiner (vermeintlichen) Kultur zu verwöhnen, im Gegenteil aber fast schon foltert, weil er nur Spezialitäten seiner Heimat serviert bekommt - wie Pasta - aber eben leider nichts Örtliches. Er liegt dann selbstverständlich Nanny Ogg zu Füßen, von der er schmackhafteren Reiseproviant bekommt.

Die Fußnoten, von denen Sir Terry genau wie Douglas Adams gern und reichlich Gebrauch macht, wurden wie bei den bisherigen Aufführungen realisiert, indem nach einem Signalton die Handlung "eingefroren" wurde und eine Sprecherin mit einem riesigen Fußnotenschild (*) eine Erklärung zu einem bestimmten Detail abgab.

Die Auszahlung der Tantiemen für Nannys Kochbuch wird schnell erledigt, als Esme dem Buchverleger recht deutlich macht, wie sehr sie es mißbilligt, dass Nanny über den Tisch gezogen wurde, was die Auflage und den Gewinn aus dem Buchverkauf angeht.

Im weiteren Ablauf wird dann klar, dass es zwei "Geister" in der Oper gibt, und am Schluss gibt es einen dramatischen Showdown zwischen dem Sheldon-ähnlichen leicht autistischen, kunstliebenden Geist und dem geldgierigen Regisseur, der den Mythos dazu mißbraucht, jeden zu beseitigen, der ihm auf die Schliche kommt.

Das Stück und die Realisierung haben mir ausnehmend gut gefallen und die Schauspieler haben alle ein großes Lob verdient.

Mein Fazit: Top Theater, jederzeit gerne wieder!


(Verwendung der Fotos mit freundlicher Genehmigung des Regisseurs Jonas Milke)

02.12.2015

[de] Mort - Terry Pratchett - Theater in Friedberg

Es ist schon ein paar Tage her, aber ab und zu soll es doch mal vorkommen, dass ich an die frische Luft komme und nicht nur vor dem Computer hocke ;)

Aber es muss natürlich schon ein besonderer Anlass sein, wenn ich mich dem Risiko aussetze, vor die Tür zu gehen - und das war es tatsächlich!

In letzter Zeit kann ich ja kaum glauben, dass ich wirklich in einer so vorteilhaften Gegend von Deutschland wohne (mal abgesehen vom fehlenden Glasfaseranschluss, aber das ist ein ganz anderes Thema ...). Gleich zwei Theatergruppen sind in bequemer Reichweise, die Stücke von Sir Terry Pratchett spielen!

Da sind zum einen die Dramateure, die in und um Hanau spielen und mich seit mehreren Jahren einmal jährlich ganz wunderbar unterhalten, und seit diesem Jahr gibt es eine weitere Möglichkeit, und das sogar noch näher, nämlich in Friedberg. Hier ist es die Gruppe Heldentheater um Andreas Arnold, der auch mit anderen Projekten wie dem "Poetry Slam" unterwegs ist (am 12.12.15 übrigens in Wölfersheim zu Gast!).

Ich bin ja sehr leicht zu überraschen und zu begeistern, aber einen Artikel über ein Theaterstück von Sir Terry in der regionalen Wetterauer Zeitung war dann durchaus beides - überraschend und begeisternd! Im Handumdrehen hatte ich online eine Karte reserviert und konnte es dann kaum abwarten.

Die Aufführung sollte im katholischen Gemeindehaus in Friedberg stattfinden, benannt nach Albert Stohr, einem ganz bemerkenswerten Mainzer Bischof während des 2. Weltkriegs und bis 1961 (unbedingt in Wikipedia nachlesen!).

Das aufgeführte Stück ist allen Pratchett-Fans bestens bekannt. Mort(imer) ist ein eher erfolgloser junger Mann, der schon mehrfach bei der jährlichen Gewerbeschau keine Lehrlingsstelle gefunden hat. Dieses Jahr wird alles anders: der TOD selbst, eine anthropomorphische Personifizierung, erwählt ihn als Lehrling, allerdings hat er ganz eigene Gründe dafür ...

Entgegen der landläufigen Vorstellung ist der TOD "nur" für die Überbringung der guten (oder schlechten) Nachricht zuständig und nicht für das eigentliche Sterben. Er begrüßt die Seelen im Jenseits und führt sie zu dem, was sie für sich selbst erwarten. Aber das muss ich ja keinem mehr erzählen ;)

Die Schauspieler des Heldentheaters haben ein wunderbares Stück abgeliefert, und sie haben das Buch sehr schön umgesetzt. Etwas gekürzt, ja, aber immer noch in sich geschlossen und verständlich. Mit einer kurzen Pause hat es etwas mehr als zwei Stunden gebraucht, bis Mort den Mord an der Prinzessin verhindert, an der Unsichtbaren Universität in Ankh-Morpork Rincewind und die anderen Zauberer den Ritus von Ashk'Ente durchführen und daraufhin der TOD mit einer Schürze von Hargas Rippchen auftaucht, der Zauberer Schneidgut zum "königlichen Wiedererkenner" ernannt und dann die Prinzessin zur Königin gekrönt werden konnte, der Anstifter zum Mord an ihrem Vater seine Strafe erhalten hatte, Mort mit dem TOD bis auf den Tod kämpft, der TOD seine Sanduhr umdreht und Mort seine Ysabell in die Arme schließen konnte.

Dazwischen hatten die Theaterhelden das übliche Problem von Pratchett-Büchern zu meistern: es wimmelt von Fußnoten mit Erklärungen, die zwar nicht notwendig zum Verständnis sind, aber einen beträchtlichen Teil des Spaßes ausmachen. Bei den Dramateuren gibt es dann ein Schild mit einem Fußnoten-Sternchen (*) und ein Sprecher erklärt etwas, und ganz ähnlich haben es die Theaterhelden auch gemacht: ein Sprecher taucht auf und danach geht es dann erst mit der Handlung weiter.

Im Gegensatz zu den Dramateuren spielen die Theaterhelden ihr Stück deutlich häufiger, es gibt also noch genug Chancen, sie sich anzusehen, und ich empfehle das ganz ausdrücklich. Es macht einen Riesenspaß, und die Zeit und das Geld für den Eintritt sind gut investiert. Termine kann man auf ihrer Webseite nachlesen.

Die Kostüme sind sehr schön gewählt: der König sieht sehr königlich aus, die Prinzessin hat den größten Kostümfundus, bis sie schlußendlich gekrönt wird, und alles andere ist ziemlich genauso, wie man sich Handwerker, Kneipenwirte, Töchter und TODe vorstellt ;)


Nach dem Schlussapplaus gab es noch einige Erklärungen des Regisseurs (der den Zauberer spielte), der u.a. wie oben erwähnt auf das Problem mit den Fußnoten einging und die Kürzungen gegenüber dem Buch etwas detaillierter erklärte, auf 11 Monate Probenzeit hinwies, und noch ein bißchen auf die unglaubliche Sprachgewalt von Sir Terry einging, dessen Wortwitz und Wortspiele kaum zu übersetzen sind. Er fragte, wer denn alle 41 Scheibenwelt-Bücher gelesen habe, und wenn ich mich nicht irre, war ich der einzige, der sich gemeldet hat ;)

Andreas Brandhorst, der langjährige deutsche Übersetzer, hat leider nur den klamaukartigen Teil ins Deutsche gebracht und den philosophisch-humanistischen Teil größtenteils geopfert. Seit ich Anfang der 90er "Pyramids" in einem Geschäft auf Malta kaufen konnte, lese ich deshalb die Bücher nur im englischen Original. Das ist am Anfang etwas holprig, aber wenn man nicht den Fehler macht, jedes einzelne unbekannte Worte nachzuschlagen, kommt man trotzdem ziemlich schnell in ein flüssiges, genussvolles Lesen.

Ein eher schlichtes Beispiel, das Arnold anführte, stammt aus dem gespielten Stück "Mort", als TOD sagt "es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt nur mich". Im Original spricht er "there's no justice, there's just me". Hier spielt Sir Terry mit der Doppelbedeutung von "just" - eben entweder "gerecht" oder "nur". Der Übersetzer muss sich für eins von beiden entscheiden, um nach Möglichkeit den Sinn zu transportieren, und dabei bleibt das andere auf der Strecke.

[en] Mort - Terry Pratchett - theatre play in Friedberg

It's been a while since I attended the play but finally I found some minutes of spare time to write about it.

In the last weeks I've come to think about my fortunate situation: there are not one, not three, but two theatre groups playing Sir Terry Pratchett's works in my immediate vicinity where I can attend their plays within 30 minutes of driving. Isn't this incredibly lucky? Some time ago I complained that there are lots of opportunities to watch a play in UK, Ireland, Fourecks and other foreign places, but not in Germany.

Number one: I love to visit the Dramateure in Hanau once a year who do a wonderful job of entertaining me and my hunger for STP's wit and humour.

Number two: new on stage (this is a pune, or play on words) are the actors from the Heldentheater with director Andreas Arnold (who also does projects like "Poetry Slam", e.g. on 12.12.15 in Wölfersheim!). They started playing STP only this year, but having experience with other authors and plays in the past (visit their website).

I am able to be surprised and excited quite easily, but getting to read an article about a forthcoming STP play in my local newspaper one morning was exceptionally surprising and exciting (given the fact that I tend to criticize that newspaper quite often and write readers' letters frequently). 5 minutes later I had my ticket - easily reserved and ordered online.

The play would take place in a catholic community hall in Friedberg/Hessen, named after Albert Stohr, a most remarkable bishop in Mainz during WWII and until his death 1961 (be sure to read about him in Wikipedia. Sadly the english text doesn't really honour his achievements and braveness against Nazis in Germany's darkest period).

Of course all of you Pratchett-Fans know the story of "Mort". Mort(imer) is quite some luckless young man seeking and not getting any apprenticeship during the yearly county fairs until DEATH comes along and employs him.

Against all usual assumptions DEATH does not kill the people whose lifetimer has expired but he only greets them to afterlife and introduces whatever they expect for themselves. But I don't need to tell you that ;)

The actors deliver a fine piece of artwork bringing the book to life. It is abridged but you hardly notice because it still contains all of the core elements. There was a short pause, and the whole play entertained me for a bit more than 2 hours. In this time Mort prevented murder to Princess Keli, the wizard Cutwell (with one "z") became appointed "royal recognizer", Rincewind and the other wizards from Unseen University in Ankh-Morpork performed the rite of Ashk'Ente to summon DEATH who appears with an apron from Harga's ribs, Keli was crowned, the instigator of the king's murderer received his punishment, Mort fought DEATH to the death, got awarded a flip of his lifetimer and finally could embrace Ysabell.

Inbetween the actors had to deal with the usual footnote problem: STP loves to sprinkle his books with lots of them, mostly for entertainment only, but sometimes required to fully comprehend that part of the book. The "Dramateure" bring the footnote asterisk to stage quite literally: they have a speaker with a huge footnote "*" sign, the play freezes and the footnote gets told. The "Heldentheater" do it quite similarly but without the footnote sign.

This Friedberg theatre group will go regional with their play and at least until June you will have ample opportunities to watch it. You won't regret it! Read their website for schedule and locations.

The costumes are quite nice: the king looks very royal, the princess has a lot of costumes for every situation, and all of the other actors, e.g. craftsmen, innkeepers, wizards, daughters, DEATHs, look exactly as you will expect them to look.


After all of the applause and kudos (and well-earned they were!) the director - who also happened to play the wizard Cutwell - came to front and had some final words about the play and the author. He explained the difficulties between book and stage, telling a story on the back of 41 DW books, studying the english theatre version, leaving out some things, adding things back, rehearsing for 11 months, and so on. He asked the audience if anyone had read all of the DW books, and if I was not mistaken I was the only one to show up ;(. Then he continued and gave some examples of what gets lost in translation, although the german translator really tries hard, but you simply can't get every nuance in translation.

One prominent example of sacrifice in translation is DEATHs famous "there's no justice, there's just me". Of course the pun is "just" which means both of "only" and "fair". There's only one possible grammatically correct translation to german which transports the meaning of "only" but then the "fair" meaning is lost forever and the pun has gone AWOL. This is the reason I read the originals since I bought the english version of "Pyramids" in a maltese book shop during a vacation back in the 90s.

26.09.2015

Berichterstattung über Flüchtlinge in der WZ - Leserbrief

Die WZ berichtet im redaktionellen Teil eigentlich neutral über die verschiedenen Initiativen, um Flüchtlingen zu helfen und sie zu integrieren. Im Gegensatz dazu ergießt sich seit etwa Mitte August eine Flut von schlimmen Leserbriefen im Meinungstreff über den Leser. Um dem entgegen zu wirken, habe ich auch einen Leserbrief zum Thema "Flüchtlinge" geschrieben - ich bin familiär auch betroffen und deshalb zwangsläufig nicht neutral.
(veröffentlicht am 26.09.2015, Änderungen und Streichungen der WZ in blau bzw. durchgestrichen)

Leserbrief zu vielen anderen Leserbriefen in der WZ

In den letzten Wochen sind in der WZ erstaunlich viele Leserbriefe abgedruckt worden, die eine erschreckende Tendenz zeigen.
Die WZ berichtet im redaktionellen Teil, wie sensationell hilfsbereit und freundlich die Flüchtlinge aufgenommen werden, aber die Leserbriefe sprechen fast alle eine vollkommen andere Sprache.

Da wird der Sprachgebrauch direkt aus dem Parteiprogramm der braunen Partei genommen: die Flüchtlinge müssen "zurückgeführt" werden.
Am besten werden sie vorher noch an "modernen Waffen" ausgebildet, damit sie in der Heimat auch effizient "Islamisten erledigen" können.
Auch die Rückreise in eine "stabile Diktatur" wird als erstrebenswert bezeichnet. Schließlich ist eine "stabile Diktatur" ja viel besser als eine wacklige, oder?

Und früher war überhaupt alles viel besser: nach dem zweiten Weltkrieg, das waren ja "anständige" Flüchtlinge, besser noch "Vertriebene" mit demselben Glauben, die waren ja nicht wirklich Ausländer, sondern Deutsche aus den Ostgebieten.

Nebenbei: auch die unsägliche Erika Steinbach pflegt immer noch den Opferstatus als "Vertriebene". Dabei war ihr Vater ein Nazi-Soldat, der zufällig 1941 nach Danzig versetzt wurde. Fr. Steinbach, geboren 1943, ist dann bereits 1945 zurück nach Schleswig-Holstein gekommen. Das hält sie aber nicht davon ab, energisch immer wieder Öl ins Feuer zu gießen und die Versöhnung mit den Nachbarn zu untergraben mit ihren kruden Thesen.

Und so war es wirklich: die Flüchtlinge wurden damals 1945 nicht mit offenen Armen willkommen geheißen, wie heute so schönfärberisch in einem Leserbrief behauptet wurde.
Die Flüchtlinge hatten nichts und wurden in Wöllstadt und sicherlich auch woanders als "Pollacken" u.ä.und anderes beschimpft, verprügelt und gemobbt.
Meine Oma war durch die Flucht so traumatisiert, dass sie nie wieder polnisch gesprochen hat, nicht einmal mit ihrem eigenen Bruder zu Besuch aus Polen.

Hört sich denn hier keiner mehr beim Reden und Denken zu? Das sind Menschen, die vor Krieg, Gewalt, Hunger flüchten und hier Schutz suchen.

Mein Lieblingsautor, Sir Terry Pratchett, hat in einem seiner sehr empfehlenswerten Bücher festgestellt: "Das Böse fängt an, wenn man Menschen wie Dinge behandelt".

Und genau das passiert seit lLangem tagtäglich: es wird nur noch geschachert, welches Land wie viele Flüchtlinge aufnimmt, und dabei wird das Elend dieser Menschen wahlweise ignoriert oder als Druckmittel verwendet.

Auch die Zahlen, die genannt werden, um angebliche "Überforderung" zu belegen, sind so lächerlich, dass man sich fragen muss: warum?

Im Vergleich zu 250 Milliarden Euro für die Banken - für ein bißchen Papier und ein paar Zahlen in Computern - mutet es beinahe traurig an, wenn über einen ähnlichen Zeitraum 5 Milliarden Euro für Flüchtlinge kalkuliert werden und Menschen dagegen auf die Straße gehen.

Weltweit sind nach Schätzungen 60 Millionen Menschen auf der Flucht. In einem anderen Leserbrief wird vermutet, ob Deutschland die knappe Hälfte davon (25 Mio.) verkraften könne. Wie kommt jemand auf die Idee zu so einer perfiden Rechnung?

Auf die Bevölkerungsgröße umgerechnet, nimmt sogar die Schweiz mehr Flüchtlinge auf als wir. Die wirklichen Zahlen sind nur Tausendstel von der demagogischen Zahl im Leserbrief von Hr. H.

Ein paar weitere Zahlen (Quelle: UNHCR, Anzahl syrische Flüchtlinge)
Syrien Inland7.600.000
Türkei1.550.000
Libanon1.140.000
Jordanien623.000
Europa insgesamt150.000
Deutschland41.000
Schweden34.000

Nochmal: für die Bankenrettung sind in den letzten Jahren fast 250 Milliarden Euro verpufft.
Ist das nicht absurd, wenn man darüber nachdenkt?

Es geht um Menschen!
[Update 20151202: Eigennamen abgekürzt]

28.05.2015

[en] Wyrd sisters - theatre play in Hanau

It's been a while already since I enjoyed this play, because there was a lot of everything else, both private and professional, but I finally wanted to report about another wonderful piece of drama in Hanau, Germany (some kilometres from Frankfurt), before I forget too much of it.

Once a year we can expect a new play from the young Dramateure ensemble. Well, obviously it won't be "new" anymore since the regrettable passing of Sir Terry Pratchett earlier this march, but "new" as in "it's new in our repertoire".

Just as a sidenote the last piece of work by STP will be published late this autumn and it will be the long-expected 5th part of the Tiffany Aching series called "The shepherd's crown".
The Dramateure ensemble

"Wyrd Sisters" resp. "MacBest", as it is titled in german translation, is one of the early works by STP in which he used up dramas and fairy tales from our roundworld. The german title reveals a lot more about the main topic than the english one: obviously it deals with "MacBeth" by Shakespeare, the instigated king's murder, bad conscious afterwards, narrowly rescued king's son and of course the three witches who want to meet again ("next tuesday would be fine" ...). Nevertheless STP adds his very own special flavour to this mixture of threads.

Magrat Garlick, youngest witch
At least equal in quality to their previous plays the actors together with director Jonas Milke do a wonderful performance. In fact I dare say they continually improve, while keeping the same scarce scenery as in previous years. I absolutely love it each time. Since I like footnotes very much after I started playing "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" around 1985 on my Apple ][ I especially enjoyed them in the play. Footnotes are characteristic for nearly all of Pratchett's books and they add a very particular piece of fun and pun (sorry, "pune" it is in the books - a play on words). Approaching certain keywords in the play the whole acting froze, one of them picked up a big * sign and a speaker appeared, explaining - quite hilariously - some detail that had just been mentioned but required a little bit more of a definition or sidenote. After the speaker disappearing the frozen time thawed and acting continued ;)

v.r.t.l.: Magrat, Esme, Nanny
As already mentioned the scenery was mostly rather scarce apart from some notable exceptions (see later), but this was not the least negative, it perfectly matched - the actors were always so present as to create the exact impression of the scenery the audience should have. One example for this acting presence was the "play in the play" when the witches and some peasants were watching a play on stage but Esme Weatherwax does not or does not want to recognize that it's only a play. Whenever there's a twist she jumps up and shouts it out to the actors on stage. The other viewers start to think that the witches (easily recognized as such) are part of the play being placed inbetween the audience by intent. Grand!

Timeshift
In comparison to that the scenery becomes overwhelmingly copious when the witches move Lancre into the future by 20 years. They are so impatient that the king's son stands in as a heir and fights the murderers that they employ magic and travel the whole kingdom with their magic brooms to accomplish this time travel, and they have to do this in just one night.
Witches at work


The director did not of course hire a company like ILM or Pixar to make the brooms fly but instead settled on a wallet-friendly implementation by moving the scenery around and the witches' actors only move in slow-motion through the countryside.

Encarcerated





Same is true for the incarceration: a huge steel grid door cannot keep the witches.

DEATH and late king
At the beginning and of course near end of the play we meet DEATH which is a recurring and probably one of the most popular characters on the discworld. He explains facts about his passing to the quite surprised king Verence I. The late king is dressed and rouged completely in white (I admit the verb "rouged" sounds like a pun in itself for this role). The king is playing superbly and during the "showdown" theatre play in the castle even takes control of the living actor's king's role to confront the acting king being a murderer. Both actors - live and late king - speak in unison and this is so great and so creepy!
Evil queen

The queen, being the real evil person in this play, and having instigated the murder in the first place, flees into the forest and makes some unpleasant encounters there which did not like trees being cut ...

Murderous King

The acting king removes himself from life - he thinks that he's dead already and tries to fly from the castle's tower. Reminds me of a funny poem by 50's writer and actor Heinz Erhard, "Ritter Fips und sein anderes Ende" ... (I cannot translate this, sorry!)



Tomjohn
Tomjohn, the real son of the late king Verence I., wants to stay with the actors troupe, and the jester, hinted to maybe be an illegitimate son of the late king, is crowned as Verence II., and we already know from succeeding books as well as from one of the previous plays that he will marry Magrat.
Jester and king


My final conclusion: I enjoyed the play very much as did my daughter, and I can't wait for next year's plans.




Ensemble at encore
There was no particular actor who excelled - they all acted equally fine and performed together perfectly as a team - I loved all of them. I could not name a single favourite when asked. Kudos to all of them!

23.05.2015

[de] Wyrd Sisters - Theater in Hanau

Eigentlich ist es ja schon eine ganze Weile her, aber irgendwie bin ich nicht zum Schreiben gekommen, weil so viele andere Dinge zu tun waren, sowohl privat als auch beruflich ist im Moment ziemlich viel Hektik. Aber bevor ich zuviel vergesse, wollte ich unbedingt noch einen kurzen Bericht über einen Theaterbesuch abliefern.

Jährlich einmal kann man sich auf eine Darbietung der Dramateure freuen, wenn sie ein neues Stück von Terry Pratchett aufführen. "Neu" natürlich nur in dem Sinne, dass es neu auf der Bühne der Dramateure zu sehen ist. Leider gibt es ja nach "The shepherd's crown" (Ende 2015) keine neuen Werke mehr von Sir Terry Pratchett (STP), nachdem er im März leider verstorben ist.
Das Ensemble der Dramateure

"Wyrd Sisters" bzw. "MacBest", so der eingedeutschte Titel, gehört zu den Frühwerken von STP, bei denen er verschiedene Märchen und Dramen von der "Rundwelt" verarbeitet hat. In diesem Fall ist der deutsche Titel wesentlich suggestiver und verrät schon eine ganze Menge über die Handlung: es geht natürlich um "MacBeth" von Shakespeare, um den angestifteten Königsmord, das schlechte Gewissen nach dem Mord, den um Haaresbreite geretteten Königssohn und um die drei Hexen, die sich wieder treffen wollen ("nächsten Dienstag hätte ich Zeit" ...). Allerdings verleiht Pratchett diesem Thema eine ganz eigene Note, und das Ende ist einigermaßen überraschend, obwohl es sich im Verlauf der Handlung durch die eine oder andere harmlose Bemerkung fast schon andeutet.

Magrat Garlick, die jüngste Hexe
Wie schon bei den bisherigen Stücken legen die Dramateure mit Regisseur Jonas Milke eine tolle Vorführung hin, und ich wage zu behaupten, dass sie sich von Jahr zu Jahr steigern, und das alles wie gewohnt bei minimaler Bühnendekoration. Ich bin jedesmal begeistert. Da ich seit dem damaligen "Hitchhiker's Guide to the Galaxy"-Spiel auf dem Apple ][ ein Anhänger von Fußnoten bin, hat mir die Umsetzung der Fußnoten, die charakteristisch für Pratchetts Bücher sind, besonders gut gefallen. Bei bestimmten Stichworten hielt einer der Schauspieler ein Schild mit einem sehr großen * hoch, die Zeit fror für alle Schauspieler ein, und die Fußnotensprecherin fügte eine Erklärung ein. Nachdem sie verschwunden war, durfte die Zeit im Stück weiter verfließen ;)

v.r.n.l.: Magrat, Esme, Nanny
Wie oben schon erwähnt, ist die Bühnendekoration meistens sehr sparsam (Ausnahme siehe weiter unten), aber dies passt perfekt zur Aufführung - die Darsteller schaffen es, durch ihre Präsenz zu jeder Zeit genau den richtigen Eindruck bei den Zuschauern hervorzurufen. Die Szene, in der die Hexen Zuschauer des Theaterstücks (ein Stück im Stück ...) sind, ist brillant gespielt. Esme Weatherwax erkennt nicht oder will nicht erkennen, dass es geschauspielert ist und ruft den Darstellern auf der (nicht sichtbaren) Bühne immer wieder Hinweise zu, so dass am Ende die "normalen" Theaterbesucher im Stück denken, dass die drei Hexen Teil des aufgeführten Stücks seien und absichtlich im Saal platziert wurden. Grandios!

Zeitenwechsel
 Gerade verschwenderisch umfangreich ist das Bühnenbild während der Beschleunigung des Zeitablaufs.
Hexen bei der Arbeit
Die Hexen sind extrem ungeduldig und wollen nicht abwarten, bis der gerettete Königssohn auf natürlichem Weg ins thronfolgerreife Alter gekommen ist, sondern sie versetzen das gesamte Königreich Lancre mittels Magie um knapp 20 Jahre in die Zukunft. Dazu müssen sie in einer Nacht mit ihren Besen rund um das gesamte Königreich fliegen, um ihre Magie wirken zu lassen. Der Regisseur lässt nun nicht die Besen rund um die Bühne fliegen, sondern das Land bewegt sich, während die Darsteller still stehen.

Hinter Gittern
Auch der Kerkeraufenthalt der drei Hexen während der Theateraufführung auf dem Schloss ist für Dramateure-Verhältnisse ziemlich üppig: ein riesiges Eisengitter, das die Hexen aber nicht wirklich aufhalten kann.

Der TOD und der tote König
Beginn und Ende des Stücks bringen klassisch den TOD der Scheibenwelt auf die Bühne, der den ermordeten König über sein Schicksal aufklärt. Verence I. - ganz in weiß - spielt dann weiterhin mit und hat am Ende sogar die Gelegenheit, die Kontrolle über Tomjohn, den Schauspieler des Königs, zu übernehmen, als die Theatertruppe am Hof spielt. Er konfrontiert den Mörder mit seiner Tat. Dabei sprechen Verence I. (tot) und Verence II. (lebend) im Gleichklang extrem schaurig. Toll gemacht!
Die böse Königin

Die Königin als Anstifterin des Mordes findet natürlich ihr wohlverdientes Ende, als die Bewohner des Waldes sich für das Fällen der Bäume auf ihre Weise bedanken ...

Der König hat Blut an den Händen
Auch der König selbst verschwindet aus eigenem Antrieb aus der Welt der Lebenden. Er hält sich selbst bereits für tot und glaubt, als Gespenst könne er vom Wehrturm fliegen. Die Schwerkraft belehrt ihn dann kurz und knapp eines Besseren. Das erinnert ein klein wenig an "Ritter Fips und sein anderes Ende" von Heinz Erhard ...



Tomjohn
Der eigentliche Königssohn Tomjohn bleibt bei den Schauspielern, weil er sich selbst nicht für die Königswürde würdig befindet, und stattdessen wird der Hofnarr, andeutungsweise ein Seitensprung des alten Königs, als Verence II. gekrönt, und wie wir aus den folgenden Büchern bzw. einem der vorhergehenden Theaterstücke wissen, wird er Magrat heiraten.
Narr und König

Alles in allem erneut eine wunderbare Vorstellung, insbesondere, aber nicht nur für Terry-Pratchett-Fans. Ich bin wie immer gespannt auf die Pläne für das nächste Jahr.





Das Ensemble verabschiedet sich
Alle Schauspieler haben in meinen Augen wunderbar zusammen gespielt, es würde mir schwerfallen, wenn ich einen Favoriten benennen müsste. Chapeau!

17.03.2015

Terry Pratchett lebt weiter ... im Netz

Hach, das ist eine schöne Idee, und genauso absurd wie die Scheibenwelt, die sich Sir Terry Pratchett ausgedacht hat!

Terry Pratchett ist leider am 12.03.2015 von uns gegangen, aber es gibt Fans, die eine Petition an den TOD gestartet haben, und andere Fans, die ihn im Internet weiterleben lassen wollen, indem sein Name nicht in Vergessenheit gerät. Hier ist noch ein wunderschöner Nachruf.

In einigen der neueren Bücher, in denen langsam, aber sicher, die Industrialisierung einzieht, gibt es ein System namens "Clacks", das eine Mischung aus Fax, Telex und Internet darstellt. Es wird verwendet, um Nachrichten auszutauschen, und verwendet dazu Relaisstationen, die zueinander in Sichtweite stehen müssen, die "Clacks Tower".

Adora Belle Dearhart, eine der Hauptpersonen in "Going Postal" und die Angebetete von Moist von Lipwig, verlor ihren Bruder John Dearhart durch üble Machenschaften einer Teilhaberfirma, als er sich weigerte, die Clacks Tower den Geschäftspraktiken der Firma anzupassen, um mehr Geld zu verdienen.

Seit seinem Tod wird zum Andenken immer wieder von einem Ende der Türme zum anderen die Nachricht "GNU John Dearhart" verschickt.
His name is in the code, in the wind, in the rigging and the shutters. Haven't you ever heard the saying “A man's not dead while his name is still spoken”?'

Jeder, der eine Website betreibt, hat nun die Möglichkeit, etwas Vergleichbares für Terry Pratchett zu tun:
  • entweder die folgenden Zeilen in die httpd.conf des Apache eintragen (wenn man Zugang hat), dann muss man das "Headers" Module noch einschalten mit
    LoadModule headers_module modules/mod_headers.so
  • oder eine .htaccess-Datei mit diesen Zeilen im / ablegen (dann braucht man noch vom Betreiber des Servers die Erlaubnis für das fettgedruckte)
    <Directory />
      AllowOverride All
    </Directory>

Und genau diese drei Zeilen muss man dann einbauen:



<IfModule headers_module>
    header set X-Clacks-Overhead "GNU Terry Pratchett"
</IfModule>
Mit normalen Mitteln kann man diese zusätzliche HTTP-Header-Zeile nicht erkennen, aber mit Hilfsmitteln wie "wget" auf der Kommandozeile oder seit kurzem auch mit einer Extension für Chrome kann man sehen, ob ein Webserver diesen Header ausliefert.

Für die Praxis meiner Frau hab ich das soeben getan, und die Antwort finde ich sehr schön:

# wget -O/dev/null -Sv http://www.tierarzt-berstadt.de
--2015-03-17 15:38:07--  http://www.tierarzt-berstadt.de/
Resolving www.tierarzt-berstadt.de (www.tierarzt-berstadt.de)... 81.169.145.86
Connecting to www.tierarzt-berstadt.de (www.tierarzt-berstadt.de) |81.169.145.86 |:80... connected.
HTTP request sent, awaiting response...
  HTTP/1.1 200 OK
  Date: Tue, 17 Mar 2015 15:38:14 GMT
  Server: Apache/2.2.29 (Unix)
  Last-Modified: Fri, 05 Jul 2013 12:49:50 GMT
  ETag: "334cd49-4c5-4e0c3215f9780"
  Accept-Ranges: bytes
  Content-Length: 1221
  X-Clacks-Overhead: GNU Terry Pratchett
  Keep-Alive: timeout=3, max=100
  Connection: Keep-Alive
  Content-Type: text/html
Length: 1221 (1.2K) [text/html]