10.09.2026

Warehouse 13 - noch ein Oldie in der Serienkritik

Bei Amazon Prime gibt es derzeit alle 5 Staffeln der Mystery-Serie "Warehouse 13" zu schauen. Da die Staffeln bis auf die vierte eher kurz sind, war ich schnell durch mit den insgesamt nur 65 Folgen. Die Serie wurde wegen schlechter Quoten abgesetzt und die fünfte Staffeln ist mit sechs Folgen der gnädig gewährte Abschluss, der viele losen Enden zusammenführt - immerhin gibt es diesen Abschluss für die Fans, im Gegensatz zu anderen Serien wie "Agent Carter" oder "Lois und Clark", bei denen die Serie abrupt mit Cliffhangern eingestellt wurde. Außerdem gibt es noch zwei Miniserien im Internet (Of Monsters and Men sowie Grand Designs), jeweils 10 sogenannte "Webisoden" mit einer Handlung ähnlich der "Telenovela" oder der "Scooby Doo"-Folge bei Supernatural. Diese Webisoden sind jeweils nur wenige Minuten lang und deshalb schnell geschaut.

Die Serie verfolgt eine ähnliche Idee wie die "Librarians" ("The Quest"), bei denen sich aus zunächst drei Kinofilmen eine Serie und dann erst kürzlich noch eine Serie als Spin-Off entwickelt hat. Es geht um die Sicherstellung von magischen Artefakten, die in den falschen Händen viel Schaden anrichten könnten und deshalb "neutralisiert" werden müssen. Hierzu gibt es eine nicht näher erläuterte Flüssigkeit, in die die Artefakten eingetaucht werden, um sie unschädlich zu machen oder bei besonders "starken" Artefakten die Magie zu bremsen. Warehouse 13 spielt im selben Serienuniversum wie die ebenso kurzlebige Serie "Eureka" über eine geheime Stadt mit Wissenschaftlern.

Die Serie nimmt viele Anleihen bei Steampunk,  Gothic und generell dem 19. Jahrhundert mit seinen frühen Gehversuchen in der Science Fiction und Technik, dabei fallen Namen wie H. G. Wells, Tesla, Mata Hari, Lewis Carroll, und natürlich viele erfundene Situationen, in denen die Artefakte entstanden sind oder magisch aufgeladen wurden, z.B. die Marie Celeste oder die Enola Gay.

Einer der Gründe für die Einstellung waren neben den schlechten Quoten der vierten Staffel die hohen Kosten, und spekulativ würde ich persönlich vermuten, dass die lange Latte an Gaststars aus anderen Serien mit ein Treiber für große Budgets war: Kate Mulgrew (Voyager), Jeri Ryan (Voyager), Mark Sheppard (Supernatural), René Auberjonois (Star Trek), Jaime Murray (Gotham, Dexter, Sleepy Hollow), Brent Spiner (Star Trek), Sasha Roiz (Grimm), Anthony Head (Buffy), James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood), Tia Carrere (James Bond), Judd Hirsch (Independence Day, Forever), Gareth David Lloyd (Torchwood), Paul Blackthorne (Arrow, Flash), Erica Cox (Bitten), Aaron Ashmore (Lost Girl, Smallville, Locke & Key), Amy Acker (Person of Interest, The Gifted, Angel).

Im Gegensatz zu den Librarians gibt es auch hier viele dramaturgisch fragwürdige Momente, bei denen sich der Zuschauer fragt, warum gerade diese Entwicklung stattfand. Ich kritisiere in vielen Serien, dass die Helden viel zu oft viel zu lang zögern, bevor sie handeln, und dadurch dem Bösewicht einen strategischen Vorteil verschaffen, einen neuen Angriff zu starten. In dieser Serie fällt das ganz besonders stark auf.

In nahezu jeder Folge müssen ein oder sogar mehrere Artefakte identifiziert und sichergestellt werden - die Agenten haben nahezu sofort aus dem Archiv des Warehouse ein Dokument, ein Buch, einen Papyrus o.ä., um zu klären, wie dieses Artefakt neutralisiert werden kann, so dass es eingelagert werden kann ("snag it, bag it, tag it" ist das Motto - einsammeln, unschädlich machen, beschildern und einlagern).  Ich kann nachvollziehen, dass die Zuschauer diese andauernde Verwendung von "deus ex machina" nach einer Toleranzphase nicht länger goutieren wollten

Wenn es nicht um Artefakte aus der "Wildnis" geht, die seit ihrer Entstehung noch kursieren, dann passiert im Warehouse irgendeine Form von Unfall, bei dem ein Artefakt ent-neutralisiert wird (z.B. fällt es durch eine Erschütterung aus seinem Regal und löst dadurch die Aktivierung aus). Diese "Zufälle" wirken nach ein paar Ereignissen dramaturgisch arg konstruiert.

Die Agenten des Warehouse geben sich während ihrer Fälle als Mitarbeiter des "Secret Service" aus. Im Städtchen "Univille" nahe dem Warehouse täuschen sie vor, für die Steuerbehörde "I.R.S." zu arbeiten, was sie dort per se extrem unbeliebt macht. Das Konzept des Warehouse sieht eine Art Aufsicht in Form der "Regents" vor, außerdem gibt es einen "Caretaker", der eine mentale Verbindung zum Warehouse und seinem Inventarverzeichnis hat und eine ominöse "Entscheider"-Instanz, die unerklärt in manchen Situationen erscheint, entscheidet und verschwindet, was auch nicht näher erläutert wird.

Im Verlauf der Serie werden auch frühere Warehouses erwähnt, die nicht mehr in Benutzung sind, angefangen beim ersten Warehouse, das von Alexander dem Großen 1.500 v.Chr. eingerichtet wurde. Warehouse 2 wurde von den Ägyptern ca. 450 v. Chr. betreut und ist aus ungeklärten Gründen "schlafen" geschickt worden, bis es von H.G. Wells in der 2. Staffel erweckt und geöffnet wird, weil sie dort ein Artefakt stehlen will, von dem sie erstaunlicherweise weiß, dass es sich dort befindet. Warehouse 8 war in Deutschland während des Heiligen Römischen Reiches (1260). Auch das vorherige Warehouse 12 in England, für das H.G. Wells um 1895 als Agentin gearbeitet hat, und das Warehouse 9, das um 1560 zu Paracelsus "erster" Lebzeit aktiv war, werden mehrfach erwähnt bzw. spielen sogar eine tragende Rolle bei der Suche nach älteren Artefakten oder Informationen darüber. Besonders merkwürdig mutet an, dass der Bösewicht der letzten Staffel den kompletten Inhalt von Warehouse 13 in ein neues Warehouse 14 nach China teleportieren will und dabei ein "Umzugsservice" verwendet wird, um alle Artefakte in das neue Warehouse zu übertragen. Diesen "Service" gab es offensichtlich bei den früheren Lagern nicht, sonst könnte man ja dort keine alten Artefakte mehr suchen.

Ethisch handelt das Führungspersonal des Warehouse oft eher fragwürdig, z.B. gibt es eine Art Gefängnis, in der Bösewichte bei vollem Bewusstsein bewegungslos "eingefroren" werden ("bronze"). Dies ist auch die (erste) Strafe für die Agentin H.G. Wells, die hier als Schwester Helena des bekannten Autors eingeführt wird. Sie wird auf eigenen Wunsch nach mehreren Verstößen bronziert und von einem anderen bösewichtigen Ex-Agenten nach 100 Jahren wieder befreit wird. Warum sie von MacPherson befreit wird, um ihre eigenen sinistren Ziele zu verfolgen, wird nicht geklärt, weil sie nach dem Diebstahl gewisser Artefakte aus Warehouse 13 MacPherson tötet, bevor er als Gefangener weiteres gestehen kann. Helena hatte eine Tochter Christina, die als Jugendliche bei einem Einbruch getötet wurde. Die Mutter sucht nun nach verschiedenen Möglichkeiten, entweder den Mord ungeschehen zu machen, z.B. mit einer Zeitreisemaschine, und nachdem ihr dies unmöglich erscheint, die Welt zu zerstören.

Genauso ethisch fragwürdig ist die Entwicklung des Bösewichts der dritten Staffel. Hier gibt es als Artefakt ein Armband, das einem querschnittgelähmten Jungen wieder das Gehen ermöglicht. Die Agenten nehmen ihm das Armband ab, weil es Moral und Empathie zerstört und das Risiko bestünde, dass der Junge später straffällig werden könnte. Allerdings könnte man natürlich einfach den Jungen unter Beobachtung stellen und die "weltliche" Strafjustiz damit umgehen lassen, statt ihm die Lebensqualität zu nehmen und ihn zurück in den Rollstuhl zu zwingen. Erst durch diese Handlung entwickelt sich sein Hass auf das Warehouse und er wird zum bösartigen Chef einer Gruppe, die das Warehouse infiltrieren und sogar zerstören kann und vor Mord und Folter nicht zurückschreckt. Auf diese Art von selbsterfüllender Voraussage hätte das Warehouse-Personal gern verzichten können. Immerhin müssen sie dafür ein gefährliches anderes Artefakt einsetzen, um die Zeit um 24 Stunden zurückzusetzen, was wiederum aus Arties Persönlichkeit ein zweites böses Ich abspaltet, das von Zeit zu Zeit die Kontrolle übernimmt und Schaden anrichtet, indem der "böse" Artie Artefakte entwendet und irgendwo einsetzt.

Unlogisch ist die generelle Aussage des Agenten Lattimer, dass keine Artefakte verwendet werden dürfen, da dies generell zu gefährlich sei - sie werden neutralisiert und eingelagert. Andererseits funktioniert die Bronzierungsmaschine nur, weil als Artefakt eine bronzene Stele mit magischen Kräften an die Maschine angeschlossen ist, die von Paracelsus gestohlen wird, weil er die Agentin Donovan bronziert hat und dies als Druckmittel verwendet, um den Stein der Weisen (den "Philosopher's Stone") im Austausch zu erhalten. Dieses Artefakt stabilisiert die bronzierten Gefangenen, die sich ansonsten nach einiger Zeit in Bronzesplitter auflösen würden.

In dieser Serie funktioniert sehr gut, dass sie sich selbst nicht ernst nimmt und viele Anleihen bei der damaligen Popkultur (bis 2014) nimmt, z.B. genau beim Philosopher's Stone, der bei Lattimer sofort die Assoziation zu Harry Potter auslöst. Die Continuity ist über alle Staffeln sehr gut: es gibt viele Anspielungen auf frühere Folgen, zum Teil auch mit gut eingepassten und schnell geschnittenen Rückblenden in Schwarz-Weiß.

Bildlich gibt es nichts auszusetzen: die Tricks sind gut gemacht, die Schauspielerei ist glaubwürdig, die Gastauftritte machen Spaß. Nur die Logik darf man nicht besonders bemühen. Für die abendliche Berieselung zur Unterhaltung ist die Serie allemal gut geeignet. Als Fan der englischen Originalsprache ist mir unschön aufgefallen, dass Amazon in Deutschland trotz fest ausgewählter englischer Sprache für die Untertitel sehr oft deutsche Texte einblendet, z.B. bei der "Telenovela"-Episode, die fast komplett in Spanisch gesprochen wird. Auch werden viele Schilder, Tafeln und Überblendungen in Deutsch gezeigt.

22.04.2026

Supernatural zum Zweiten - Serienkritik

Ich bin gerade richtig begeistert von "Supernatural" und der Art, die Geschichte zu erzählen (neudeutsch "Storytelling"). Eine Staffel führt vollkommen kausal und nachvollziehbar in die nächste. Beim ersten Mal schauen war zwischen den Staffeln soviel Abstand, dass mir das leider gar nicht so aufgefallen ist.

Was mich in den frühen Staffeln aufregt: jeder behält Geheimnisse für sich, obwohl es sinnvoller wäre, soviele Informationen wie möglich auszutauschen, um die Bösen effektiver zu bekämpfen.

Warum sind Fans so aufgehangen am ersten Kennzeichen des Autos "KAZ 2Y5"? Das hat schon in der 2. Staffel ausgedient, und seitdem fährt der Impala mit "CNK 80Q3".

Die Befreiung von Luzifer aus seinem Käfig ist wirklich spannend gemacht: die Dämonin Ruby täuscht Sam vor, ihm zu helfen, dabei ist sie eine Doppelagentin, die ihn dazu bringt, Dämonenblut zu trinken, um magische Kräfte zu entwickeln, mit denen er Lilith töten kann. Dummerweise ist ihm nicht klar, dass Liliths Tod das letzte der 66 Siegel darstellt und Lilith ihren Tod für Luzifers Freiheit in Kauf nimmt. Ruby wird in der 3. Staffel von Katie Cassidy gespielt, der Laurel Lance bzw. Black Canary aus dem Arrowverse. Nach ihrem körperlichen Tod übernimmt die echte Ehefrau von Jared Padalecki, Genevieve, die Rolle der Ruby. Sagte ich schon, dass ich es spannend finde, in welchen "anderen" Serien Schauspieler:innen auftreten?

Spannend finde ich den Bruch mit den üblichen Mythen: die Engel sind die Guten und die Dämonen die Bösen. Im Verlauf der Serie gibt es eigentlich mehr böse oder egoistische Engel, was dann sogar in einem "Krieg im Himmel" mündet und später sogar alle Engel aus dem Himmel heraus schleudert.

Die Einführung von Gott war am Anfang noch ganz spannend gedacht: er lebt als Schriftsteller unter den Menschen und erfindet quasi live die Geschichte von Sam und Dean, indem er Bücher über sie schreibt. Der endgültige Kampf gegen "Chuck" in der finalen 15. Staffel ist allerdings für meinen Geschmack zu abgehoben. Durch magische Sprüche gehen bei der üblichen Prügelei alle "göttlichen" Kräfte auf Luzifers Sohn "Jack" über, der damit zu Gott wird, während "Chuck" menschlich wird. 

Bislang halte ich die 7. Staffel mit den Leviathanen für die Düsterste, einfach, weil die Bösewichte wirklich böse sind und skrupellos ihr Ziel verfolgen, aus der Menschheit (zumindest in USA) gefolgsame und zahme Schlachttiere zu machen, indem sie sie mit Drogen im Fastfood mental betäuben. Gleichzeitig wundert mich, wie dämlich Dean ist, nachdem Roman besiegt ist und die "Schwingungen" beginnen, dass er nicht sofort auf Abstand geht, sondern hirnlos in Romans Nähe bleibt, bis er auch mit erfasst wird und dann mit ins Fegefeuer (Purgatory) gesaugt wird. Die Rückblicke in der 8. Staffel, sowohl bei Dean als auch bei Sam, erinnern stark an die Rückblicke in der "Arrow"-Serie. Ironischerweise heißt die Insel, auf der Oliver Queen einige Zeit verbringt, ebenfalls "Purgatory", auch Chinesisch "Lian Yu".

Besonders schön finde ich die Querverweise auf andere Serien oder Ereignisse, z.B. die Zeitreise zur Titanic, die Comic-Folge im Scooby-Doo-Universum oder der Besuch in "unserem" Universum, wo Sam und Dean feststellen, dass sie Schauspieler in ihrer eigenen Serie sind und sich wundern, wer dies schauen würde. Umgekehrt finden sich die Figuren aus "Legends of Tomorrow" ebenfalls in einem Paralleluniversum wieder, in dem Supernatural spielt, allerdings wird dies nur durch den Impala angedeutet und nicht durch Seriencharaktere.

Die Serie entwickelt sich spannend weiter, und mit etwa der 10. Staffel funktioniert die Kommunikation zwischen den Brüdern tatsächlich besser; Dean ist wirklich in der Lage zuzugeben, dass es ihm schlecht geht.

Natürlich darf in einer amerikanischen Serie auch nicht fehlen, dass gegen böse Nazis gekämpft wird. Das hat bei "Indiana Jones" schon gut geklappt, und die Nazi-Necromancer passen gut in die Handlung. Besonders schön Deans Befriedigung, als er tatsächlich Hitler erschießen konnte, und Sams trockener Hinweis, dass ihm niemand glauben wird.

Auch filmisch und künstlerisch sind viele Episoden gut gelungen, die Schnitte und Umblendungen erinnern an den ersten Teil von "Highlander" mit den Wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Das Spin-off "Wayward Sisters" wird wirklich lang und episch aufgebaut - Jody Mills und ihre Begleiterinnen spielen regelmäßig ein- oder mehrmals in jeder Staffel in einer Episode mit. Und dann wird die geplante Serie leider doch abgesagt. Ich mag den trockenen Humor von Mills sehr.

Das Spin-off "The Winchesters" endete leider nach nur einer Staffel. Ich fand sie gelungen und die Handlung knüpft indirekt daran an, dass Gott die anderen Paralleluniversen vernichtet hat. Der Sieg über die Monster kommt mit einem ähnlichen Kniff wie beim Kampf Eowyns gegen den Hexenkönig ("ich bin kein Mann"): nur jemand aus einem anderen Universum kann das Obermonster besiegen.

Der Schluss der Serie ist ruhig und exakt so wie  erwartet: Dean stirbt im Kampf, und Sam erreicht ein hohes Alter. Dean hat relativ früh seine Freundin Lisa und den (vermuteten) Sohn Ben verlassen, um sie zu schützen - Sam verliert ja schon in der Pilotfolge am Schluss seine Freundin Jessica. Sams Frau und Mutter seines Sohnes wird nicht erwähnt. Der Sohn verabschiedet Sam mit denselben Worten wie Sam nach dem letzten Kampf gegen die Vampire seinen Bruder: "you can go now. it's ok.".

Schöner Schlusspunkt. Absolut empfehlenswert.

24.03.2026

Smallville - der junge Clark Kent - Serienkritik

Mit der "Joyn"-App ist es möglich, Filme und Serien aus der Mediathek der Pro7-Sat1-Gruppe zu schauen. Leider sind die Filme dort üblicherweise nur in deutsch und meistens auch ohne Untertitel verfügbar. Das schmerzt mich als Fan der Originalsprache schon sehr, aber als ich diesen Blogartikel begann, gab es in Deutschland nur diese eine Möglichkeit, als Liebhaber von Comicverfilmungen den jungen Clark Kent als Teenager von ca. 15-17 Jahren zu sehen. Also schaute ich zähneknirschend in deutsch ohne Untertitel bis irgendwo in der siebten Staffel, und das zog sich hin, weil es auf Deutsch eben weniger Spaß macht. Mittlerweile gibt es "Smallville" auch bei Netflix, und das macht nun in Englisch schon deutlich mehr Spaß, zumal die späteren Staffeln auch deutlich besser für meinen Geschmack sind, aber dazu gleich noch mehr. Dieser Artikel enthält jede Menge Spoiler - wer also gern beim Schauen überrascht wird, sollte nicht weiterlesen. Andererseits ist die Serie schon 25 Jahre alt, ich nehme keine Rücksichten :-)

Es gibt mehrere "Superman"-Verfilmungen mit realen Schauspielern im Kino- und Serienformat. Nach den Filmen mit Christopher Reeve gab es in den 90er Jahren eine Serie "Lois und Clark" mit Dean Cain und Teri Hatcher, die leider nur vier Staffeln hatte, mehrere offenenHandlungsstränge hinterließ (Cliffhanger mit Findelbaby), und die sich mehr auf die Beziehung zwischen Lois und Clark fokussiert hat als auf Superkräfte. Der letzte Ableger "Superman und Lois" aus dem "Arrowverse" hat ebenfalls nur vier Staffeln bekommen und beleuchtet das Leben von Superman, Lois und ihren zwei Söhnen in Smallville, die unterschiedliche Kräfte entwickeln. Die Schauspieler kennt man aus der "Supergirl"-Serie, allerdings gab der Showrunner später bekannt, dass die Handlung nach der "Crisis" nicht auf "Earth Prime" spielt, sondern auf einer Parallelerde.

Durch eine kurze Szene im eben schon kurz erwähnten "Arrowverse"-Crossover "Crisis on infinite earths" wird die Smallville-Serie genau wie "Lucifer" ins "Arrowverse" geholt, als der Lex Luthor von Supergirls (ehemaliger) Erde-38 mit Hilfe des Buchs des Schicksals alle Superman-Inkarnationen im gesamten Multiversum töten will. Der erwachsene Superman von "Smallville" (Erde-167 im Multiversum) hat seine Kräfte aufgegeben, bewirtschaftet wieder die Farm in Smallville, und er hat keine Probleme, das grüne Kryptonit zu berühren, mit dem Luthor ihn bedroht. Zwischenzeitlich ist der "örtliche" Lex Luthor sogar Präsident geworden, was er früh in der Serie tatsächlich schon als Wunsch geäußert hatte. Dieses Detail bei der Einordnung ins Arrowverse kam bei vielen Fans nicht gut an, weil sich "Smallville" 10 Staffeln lang darauf konzentriert hat, wie sich Clark mit Hilfe einer Jor-El-KI in der Festung der Einsamkeit sowie vieler Freunde und Feinde auf seine spätere Rolle als Superman vorbereitet. Da ich hier schon vorgreife und die Präsidentenwahl erwähne: der gewählte Lex ist ein aus "Ersatzteilen" von vielen Klonen zusammengesetzter Körper - dieser Handlungsstrang in den letzten Staffeln ist etwas abstrus geworden. Weiter unten noch etwas mehr dazu.

Die einzige Serie aus dem DC-Universum, die sich nicht in das Arrowverse einpasst, ist somit "Gotham" mit dem jungen Bruce Wayne, der noch nicht Batman ist und die sich auf Jim Gordon als Hauptprotagonist fokussiert, wobei auch hier schon sehr viele Anspielungen auf DC-Charaktere zu bemerken sind, wie z.B. Selina Kyle als Catwoman, Pamela Isley als Poison Ivy oder der Pinguin.

Natürlich ist es schwieriger, Superkräfte in der Tricktechnik darzustellen als die technischen Gadgets von z.B. Batman, der schon in den 40er und 60er Jahren real verfilmt wurde. "Smallville" löst das Problem eigentlich ganz gut. Ähnlich wie in den frühen Comics hat Clark Kent noch nicht alle seine Superkräfte vollständig entwickelt, z.B. kann er (noch) nicht fliegen. Er läuft enorm schnell und ist sehr stark (aber nicht so schnell wie der "Flash" Bart Allen), und im Verlauf der Serie entwickeln sich erst sein Hitzeblick, Röntgenblick und das Supergehör sowie die Unverletzbarkeit. In den ersten paar Folgen fängt er sich noch blaue Flecken und leichte Verletzungen ein, später kann er Hieb-, Stich- und Schusswaffen problemlos ignorieren und sogar als Schutzschild andere Personen vor Kugeln, Beilen und Bussen retten. Interessanterweise kann aber seine Cousine Kara, die in der 7. Staffel als Charakter dazu stößt,  problemlos fliegen und fragt ihn verwundert, warum er die Gravitation nicht überwinden kann. In den letzten beiden Folgen bestätigt ihm die Jor-El-KI, dass er nun "bereit" sei und keine Hilfe mehr benötige. Er schaltet die KI ab und kann dann tatsächlich fliegen - was wesentlich für den Abschluss der Serie und den Endgegner ist.

Für einen erwachsenen Zuschauer sind das Highschool-Drama und die nie stattfindenden Liebesbeziehungen stark überbetont und nervig. Innerhalb der ersten vier Staffeln gibt es einige Techtelmechtel mit Lana Lang, aber daraus entwickelt sich erst spät eine Beziehung, bevor die Schauspielerin Kristin Kreuk mit Superkräften, aber kryptonitverseucht aus der Serie ausscheidet. Genau nervig ist die Notwendigkeit, Clark trotzdem verletzlich darzustellen, damit es nicht zu leicht wirkt, den Gegner der Woche zu besiegen.

Auch in der College-Zeit nach der Highschool gibt es immer noch Liebesdrama, weil Lana Lang (natürlich) Clark vorwirft, dass er weiterhin Geheimnisse vor ihr hat. Das Liebesdrama verlässt die Highschool, wird aber nicht besser, als Lana sich aufgrund der Geheimnistuerei von Clark trennt und sich Lex zuwendet. Sie wird scheinbar schwanger und heiratet ihn sogar in der sechsten Staffel. Um den Status Quo (das übliche Serienproblem) beizubehalten, erlebt sie eine Fehlgeburt und verliert Lex' Baby. Die Schwangerschaft war aber nur vorgetäuscht, indem Lex ihr heimlich Hormonmedikamente gab. Das führt erneut zu Liebesdrama, Lana wendet sich wieder Clark zu und sie werden für einige Zeit ein Paar. Nach einem Experiment entwickelt sie Superkräfte und kann Kryptonit entschärfen, wird dabei aber selbst "strahlend" und trennt sich deshalb endgültig von Clark. Später kommt es dann gemäß dem Superman-Kanon zur Partnerschaft und Liebelei mit Lois Lane. Sie erfährt spät in der 9. Staffel von seinen Kräften, wobei Clark zunächst nicht weiß, dass sie es weiß.

Das Highschooldrama endet zwangsläufig nach 4 Jahren - das ist die übliche Zeitdauer für den amerikanischen Schulbesuch zur Hochschulreife (bzw. College) nach der Mittelschule. Ab der 5. Staffel finden sich die Charaktere an diversen Universitäten wieder und es gibt immer noch kein Ende des Hin und Her zwischen Clark und Lana. Sie werden zwar kurz ein Paar, aber da Clark ihr seine Superkräfte nicht enthüllen will, trennt sie sich wieder von ihm. Unterhaltsam sind die verbalen Streitereien zwischen Lois und Clark, die sich in dieser Serie gar nicht grün sind (Anspielung auf Kryptonit, haha). Trotzdem gibt Lois einige Anmerkungen von sich, die man auf ihr - vermutlich - späteres gemeinsames Leben beziehen kann. Leider gibt der Schnipsel aus der "Crisis" des Arrowverse hier keine Hinweise - Clark tritt als Besitzer der Farm allein ohne Partnerin auf - was auch verwirrend ist, weil ihm Mutter Martha die Farm überschrieb und der Verkauf beschlossene Sache ist, um nach Metropolis zu ziehen.

Das nächste Liebesdrama spielt sich zwischen Chloe und Jimmy Olsen ab, als Chloe befürchtet, durch ihre Meteoriteninfektion in Lebensgefahr zu sein, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, und diesen Fakt nicht mit Jimmy besprechen will. Dieses Drama endet mit der gleichen Staffel, als Olsen getötet wird. Im Finale tritt der Schauspieler als Bruder nochmals auf, so dass es nach wie vor einen Fotografen "Olsen" beim Daily Planet gibt.

Die Serie führt viele bekannte Charaktere ein und erfindet auch einige neue, die es in den Comics in diesen Rollen so nicht gibt, z.B. Lois Lanes Cousine "Chloe Sullivan" oder Lex Luthors Vater "Lionel Luthor". Der Charakter von Lex Luthor ist ambivalent, aber zunächst durchaus positiv eingestellt, was Clark allerdings nicht immer so wahrnimmt. Er wird von Clark nach einem Autounfall gerettet und versucht danach mehrere Staffeln lang, exakt den Hergang seiner Rettung zu rekonstruieren, was dann für diverse Streits und Zerwürfnisse sorgt, weil Clark sich bespitzelt fühlt. Andererseits haben sowohl Clark als auch Lex Geheimnisse, die sie sich gegenseitig verschweigen. Chloe ist verliebt in Clark, was ihm auch bewusst ist, aber sie respektiert seine Gefühle für Lana. Im Verlauf der Serie entwickelt sich Lex immer skrupelloser und ordnet Experimente mit Meteoritengestein an Menschen an, um Supersoldaten zu entwickeln. Es gibt mehrere Episoden in Parallelwelten, und nachdem Lionel von Lex getötet wird, taucht der Lionel aus einer dieser Parallelwelten auf. Der Charakter Lex Luthor scheidet nach sieben Staffeln aus: Green Arrow sorgt für eine Explosion im LKW mit dem rollenden Krankenzimmer des schwer verletzten Lex, was Clark erst wesentlich später erfährt und zu einem (kurzen) Zerwürfnis mit Oliver führt. Im Finale gibt es ein kurzes Gastspiel, allerdings (wie oben schon erwähnt) ist dies ein aus Einzelteilen von vielen Klonen zusammengesetzter "neuer" Körper, der zunächst alle Erinnerungen des ursprünglichen Lex besitzt (wie?), die ihm dann allerdings durch eine Droge genommen werden, so dass er die geheime Identität von Clark Kent nicht mehr kennt.

Der rote Faden durch die Serie "Smallville" ist der Meteoritenschauer aus Kryptonit, der nach Kryptons Zerstörung im Großraum von Smallville niedergeht und kleinteilige Überreste wie Sand am Meer hinterlässt, die Jahre später noch von jedermann gesammelt und eingesetzt werden. Da grünes Kryptonit Clark enorm schwächt und sogar tödlich sein kann, wird in nahezu jeder Folge dieses Kryptonit eingesetzt, um auf diese Weise für Drama zu sorgen. Es gibt sogar grünes Kryptonit in Getränken, als Injektion, als Inhalation, als Bad, sogar als Autotreibstoff. Kryptonit tritt auch in anderen Farben und damit verbunden anderen Eigenschaften auf. Es gibt rotes Kryptonit als Schmuckstein, das in Clark negative Charaktereigenschaften wie Neid, Gier und Egoismus verstärkt, blaues Kryptonit, das ihm temporär seine Kräfte nimmt, und diverse andere Farben. Mit einem schwarzen Kristall kann Martha Kent dem gehirngewaschenen Kal-El sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit wiedergeben. Der Endgegner Darkseid will Clark im Finale der letzten, zehnten Staffel mit goldenem Kryptonit dauerhaft seine Kräfte nehmen, da Superman der einzige Gegner ist, den er wirklich fürchtet.

Interessant ist, dass keinerlei Gesundheitsorganisation sich zuständig fühlt, dieses merkwürdige außerirdische Gestein zu untersuchen und vielleicht sogar Quarantäne oder Evakuierung durchführen, wenn es doch so starke Auswirkungen auf Menschen hat. In einer Folge atmet Martha giftige grüne Gase ein, als sie im Kellerversteck des Miniraumschiffs etwas vergräbt, und die Seuchenschutzbehörde taucht auf. Allerdings hat dies auch keine längerfristigen Konsequenzen über diese Episode hinaus.

Im Verlauf der Serie stellt sich heraus, dass die Kryptonier schon lange über die Zerstörung ihres Heimatplaneten wussten und Vorbereitungen trafen, indem sie im Verlauf mehrerer Hundert Jahre eine Höhle auf dem damaligen Indianergebiet mit Informations- und Transporttechnologie ausstatteten, die durch einen "Schlüssel" aktiviert werden. Kara und Lara El besuchen sogar die Erde in Person und schauen sich im Haus der Kents um, hinterlassen sogar ein verstecktes Polaroid. Dramaturgisch geht der "Schlüssel" in Form eines Metallplättchens durch mehrere Hände, u.a. beide Luthors, und auch Jonathan Kent verschweigt Clark zunächst, dass dieser Schlüssel existiert. Im Verlauf scheint es so zu sein, dass mehrere dieser Schlüssel existieren, mit denen Aufzeichnungen, Hologramme etc. aktiviert werden können. Später entsteht aus diesem Schlüssel die "Festung der Einsamkeit" (fortress of solitude) in der Arktis mit vielen Informationskristallen, aus denen Clark gemäß Jor-Els Absichten über Krypton lernen soll. Mit einem bestimmten dieser Kristalle konnte Jor-El (oder eine KI mit seinem Wissen) sogar einmalig die Zeit um 24 Stunden zurückdrehen, um den Tod von Lana Lang ungeschehen zu machen - was allerdings zum Herztod von Jonathan Kent führt.

Viele Episoden handeln davon, dass sich Menschen durch den Meteoritenschauer und die Einwirkung oder sogar bewusste Einnahme oder Anwendung von Kryptonit verändert haben und selbst Fähigkeiten wie Telekinese, Teleportation, Hypnose, Liebeszauber usw. entwickeln. Lionel Luthor engagiert in einer Folge einen Mörder, der dem T-1000 aus "Terminator 2" nachempfunden ist und seinen Körper aus metamorphem Metall zu einer Waffe machen kann. Viele dieser Veränderungen führen dazu, dass diese "Metas" (um einen Begriff aus dem "Arrowverse" zu verwenden) ihre Fähigkeiten für Verbrechen oder zum Eigennutz einsetzen. Vermutlich aus dramaturgischen Gründen teilen die Hauptpersonen der Handlung ihr jeweiliges Wissen nicht mit den anderen Beteiligten, so dass kritische Situationen oft sehr künstlich wirken und zu offensichtlich hätten vermieden werden können.

Was mich immer wieder unglaublich stört und auch schon im Artikel über das Arrowverse kritisiert habe, ist das dramaturgisch meistens gar nicht notwendige endlose Erklären von Situationen - der Bösewicht verschwendet Zeit zum Erklären oder der/die "Gute" verschwendet Zeit zum Zuhören und Diskutieren, statt einen Überraschungsangriff zu starten. In den allermeisten Fällen könnte Clark aus der Entfernung mit Hitzeblick oder Supergeschwindigkeit seinen Gegner außer Gefecht setzen oder dessen Waffe zerstören. Stattdessen wird wertvolle Zeit verschenkt, in der der Gegner den Angriff vorbereitet.

Die "Todesquote" in Smallville ist für eine Teenage-Drama-Serie ganz schön hoch. Viele der Charaktere, die auf die eine oder andere Weise etwas über Clarks geheime Superkräfte erfahren, sterben oder fallen ins Koma. Besonders bitter ist der Tod der Teleporterin Alicia Baker, einer "love interest", die von einem wahnhaften Fanatiker als "Freak" "bestraft" und hinterrücks ermordet wird, kurz nachdem sie in Las Vegas eine (ungültige) Trauung vollzogen haben (Clark ist zu der Zeit noch minderjährig und hatte keine Vollmacht seiner Eltern für eine Hochzeit). Aber auch B-Helden sterben - Hawkman sieht seinem Tod nach einem verlorenen Kampf gelassen entgegen, weil er der Wiedergeburt und -vereinigung mit seiner Frau entgegen sieht.

Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass hier nach und nach über die zehn Staffeln ein Großteil des DC-Spektrums an Charakteren eingeführt wird, und nicht nur aus den Superman-Comics, sondern auch aus der gesamten Justice League of America, von der Suicide Squad unter Amanda Waller, und sogar aus der "Justice Society of America" aus den goldenen 40ern: Lana Lang, Lois Lane, Lex Luthor, Supergirl, Black Canary, Pete Ross, Victor Stone (Cyborg), Darkseid, Doomsday, Brainiac als Mitglied der "Legion" aus der Zukunft, Green Arrow, Aquaman und Mera, der Marsianer John Jones ("Martian Manhunter"), Bart Allen (in "Smallville" allerdings zunächst nicht als "Impulse", Sohn von Barry Allen, sondern ein Dieb ohne Hintergrundgeschichte - bis auf die Erwähnung des Blitzeinschlags), Dr. Fate, Hawkman, Starman (der von Icicles Sohn ermordet wird), Stargirl, der Hybrid Conner Kent (mit DNA von Lex und Clark) und diverse B-Charaktere wie Tess Mercer oder Desaad. Dabei ist die Bezeichnung "B-Charakter" für Tess Mercer tiefgestapelt: sie entpuppt sich in der finalen Staffel als Lex' Halbschwester Lutessa Lena Luthor, der von Granny Goodness auf Anordnung von Lionel Luthor als junges Mädchen das Gedächtnis genommen wurde. Auf ihrer echten Geburtsurkunde lautet der Name der Mutter "Pamela Jenkins", dem früheren Kindermädchen von Lex. Weitere Anspielungen sind der Flügelhelm des originalen Flash sowie die Laterne und der Ring eines Green Lantern, der Zeit nach zu urteilen der erste, Alan Scott.

Beim ersten Auftreten von Aquaman erwähnt dieser einen menschlichen Vater und eine Mutter, die schon lang verstorben ist. Erst durch die Begegnung mit Green Arrow ändert Bart sein Verhalten und nennt sich "Impulse". Hawkgirl ist schon vor längerer Zeit verstorben und Lois Lane erfährt in einem Gespräch mit Carter Hall von einem Tausend Jahre alten Fluch, der die beiden Liebenden immer wieder zusammen finden lässt, um sie dann sterben zu lassen. Allerdings gibt es hier keinen bösen Magier Vandal Savage wie im Arrowverse, der beider Tod benötigt, um Lebenskraft für sich selbst zu sammeln.

Spannend ist, dass der Green Arrow in dieser Serie ebenfalls beide Elternteile verloren hat, sich nach diversen Highschool- und Uni-Eskapaden "gebessert" hat und nun wie ein moderner Robin Hood von den Reichen stiehlt und den Armen spendet. Er versammelt Impulse, Cyborg und Aquaman in der zukünftigen "Justice League of America" und nimmt Clark das Versprechen ab, dort ebenfalls mitzuwirken, nachdem Clark sein Problem mit Lex und dessen Versuch gelöst hat, "Meteoriten-Freaks" als Waffe umzufunktionieren.

Spät in der Serie stellt sich heraus, dass Lionel Luthor mit den Queens, Swanns und Teagues eine Geheimgesellschaft "Veritas" gegründet hat, die Einzelteile einer Maschine besitzen, um "den Reisenden" zu kontrollieren - allerdings wissen sie nicht, wer der Reisende ist: Clark. Lionel will diese Maschine allein besitzen und lässt alle anderen Mitglieder der Gesellschaft ermorden, eben auch die Eltern von Oliver Queen. Im Showdown der siebten Staffel erfährt Lex, wer Clark ist. Durch die Zerstörung der Festung der Einsamkeit wird er schwer verletzt und taucht in der nächsten Staffel nur für einige kurze Gastauftritte als Charakter auf, aber nicht mehr gespielt von Michael Rosenbaum.

Es gab damals keine Lizenzrechte an Batman, den sich DC für die große Kinoleinwand aufheben wollte, nur gelegentlich eine Erwähnung von Gotham. Überraschend war es dann im "Arrowverse" möglich, einen gealterten Batman (ohne Kostüm) auf einer Parallelerde auftreten zu lassen, der zunächst Supergirl gegenüber sehr feindlich eingestellt war und sie sogar mit Kryptonit angriff. Gespielt wurde dieser Bruce Wayne vom Synchronsprecher Batmans in diversen Animationsserien, Kevin Conroy. In der "Batwoman"-Serie ebenso wie in "Arrow" wird erwähnt, dass Batman vor einigen Jahren spurlos verschwand. Hier wäre beide Male Potential für eine Fortführung gewesen, zumindest einige Episoden lang für die Suche nach ihm. Genau wie die Erwähnung von Harley Quinn in der 2. Staffel von Arrow wurde hier eine Andeutung gemacht, daraus eine eigene Serie zu etablieren oder wenigstens als Handlungsstrang innerhalb einer der Serien auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt also recht wenig aus dem DC-Universum, was nicht in "Smallville" zu finden ist: neben dem prominenten Batman auch Wonder Woman Diana Prince, und die "Green Lantern" gibt es hier auch nur als Reminiszenz im Museum der JSA. Immerhin erwähnt Lois' Cousine Chloe, dass sie auf ihren Unternehmungen und Reisen einen Milliardär mit vielen "tech gadgets" und eine "wondrous woman" kennengelernt habe.

Diverse Logik- und Continuity-Fehler stören immer mal wieder das durchwachsene Bild dieser Serie. Supergirl nimmt eine Auszeit von etwas mehr als einer Staffel, um "Kandor" zu suchen. Gemäß Superman-Kanon ist dies eine miniaturisierte Stadt in einer Flasche, in der Kryptonier keine Superkräfte haben. In "Smallville" ist Kandor eine Stadt auf Krypton, die in einem Krieg 20 Jahre vor Kryptons Explosion zerstört wurde. Bei ihrer Rückkehr berichtet Kara aber, dass sie lange nach ihrer Mutter (nicht nach Kandor!) gesucht, sie aber nicht gefunden habe. Bei einer Unterhaltung mit Clark sieht man deutlich, dass sie gepiercte Ohrringe trägt. Bei der Zerstörung der Festung in der Arktis verliert Clark seine Kräfte, aber man erfährt nicht konkret, wie das geschah und warum er dann in einem russischen Arbeitslager auftaucht, wo ihn Green Arrow freikauft. Warum Zod eine Maschine bauen will, die aus der gelben Sonne eine rote machen soll, ist vollkommen unklar - die Kryptonier würden ihre Kräfte verlieren. Fans spekulieren, dass die Klone eine rote Sonne brauchen, keine gelbe. Clark bekommt seine Kräfte zurück, indem der Martian Manhunter ihn näher zur gelben Sonne bringt, was seinerseits ihn seine Kräfte kostet (die er später auf "magische" Weise ebenfalls wieder zurück erhält).

Insgesamt bleibt als Fazit: es gibt an vielen Stellen ein "deus ex machina", also ein Gerät, das spontan auftaucht und genau dieses eine Problem löst, an dem die Helden gerade knabbern, oder ein vorhandenes Gadget entwickelt plötzlich eine zum Problem passende neue Fähigkeit.

Ich bin nebenbei ein großer Freund von Gastauftritten von Schauspielern, die man aus anderen Serien kennt. Das i-Tüpfelchen ist natürlich, wenn es "verwandte" Serien von Marvel oder DC sind.

Hier findet sich ganz prominent Christopher Reeve, der erste Superman-Darsteller, in zwei Episoden als Wissenschaftler Virgil Swann im Rollstuhl ein und bekommt sogar einen eigenen Abspann "in loving memory" nach seinem Tod 2004. Ein paar Folgen später stirbt auch der Charakter in der Serie und bekommt eine Nachrichtenmeldung im TV als Milliardär und großer Wohltäter der Menschheit. Seine Filmtochter Patricia Swann spielt in zwei Episoden mit und wird überraschend von ihrem Chauffeur verraten und umgebracht, um ein wichtiges Artefakt zu stehlen, das den "Reisenden" kontrollieren kann.

Annette O'Toole war die Darstellerin von Lana Lang neben Christopher Reeve in Teil III und spielt hier die Mutter Martha Kent. Nach dem Tod des Adoptivvaters Jonathan übernimmt sie seine politische Karriere, verschwindet bis auf kurze Gastauftritte, z.B. als "Red Queen", nach Washington aus der Serie und bandelt mit Perry White an, der hier noch nicht für den "Daily Planet" arbeitet.

Auch der Darsteller von Zod aus den ersten beiden Kinofilmen, Terence Stamp, ist Teil der Smallville-Serie: zunächst nur als Stimme, später auch in Person von Jor-El, Clarks Vater.  Der Charakter Zod aus Staffel 9 ist zunächst Major und befördert sich auf der Erde selbst zum General. Das Original kommt auf Krypton in einem Krieg um; durch eine von Jor-El entwickelte Maschine entstehen auf der Erde Klone seiner Kampftruppe, die zunächst trotz gelber Sonne keine Superkräfte haben. Erst durch Spuren von Clarks bzw. danach Zods Blut entwickeln sie Kräfte. Clark versucht, sie ohne Kräfte in die Welt der Menschen zu integrieren, aber Zod will mit Superkräften über die Erde herrschen. Dabei will er durch eine Maschine aus der gelben Sonne eine rote machen - was unlogisch ist, weil Kryptonier unter einer roten Sonne keine Superkräfte besitzen und sie Kräfte durch Kontakt mit kryptonischem Blut erhalten können.

In Staffel 4 tritt "Dean Winchester"-Darsteller Jensen Ackles als Football-Coach und heimtückischer Freund (mit Hintergedanken) von Lana Lang auf, bevor er seine Rolle in "Supernatural" bekam. Er versucht, Lana um magische Artefakte zu betrügen und kommt in der finalen Episode der 4. Staffel ums Leben; sein Tod wird aber nicht explizit gezeigt, um eine eventuelle Rückkehr offen zu lassen.

Cobie Smulders ("Avengers") und Diego Klattenhoff ("Blacklist") sind weitere bekannte Namen mit kurzen Gastauftritten - hier spielen sie die böse Rolle der Woche, bevor sie verhaftet werden.

Laura Vandervoort ("Bitten") spielt die "Supergirl"-Cousine Kara Zor-El.

Amy Adams (Lois Lane in "Justice League") spielt eine Meta mit viel Hunger. 

Teri Hatcher hat als an Krebs verstorbene Mutter Ella Lane eine Videobotschaft für Lois.

Helen Slater (Supergirl 1984) spielt Lara-El, Frau von Jor-El.

Carrie Fisher (Star Wars, When Harry met Sally) hat in einer Episode einen Gastauftritt als eklige, strenge Chefredakteurin des "Daily Planet". Der Chefredakteur Perry White aus den Comics tritt zwar als unsympathischer Charakter schon früh auf, ist aber noch nicht in dieser Rolle angekommen. In derselben Folge wie Prinzessin Leia treffen wir zum ersten Mal auf "Brainiac", gespielt von James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood). In späteren Staffeln spielt er dann einen geläuterten und umprogrammierten Brainiac 5 von der Legion aus dem 31. Jahrhundert.

Jane Seymour (Bondgirl mit Tarotkarten) spielt die böse Geneviève Teague (Mutter von Jason Teague, Jensen Ackles), die in der finalen Folge der 4. Staffel in Notwehr von Lana getötet wird. 

Um beim Thema "Gastauftritte" abzuschweifen: in der "Supergirl"-Serie des "Arrowverse" finden sich sowohl Helen Slater (Supergirl 1984), Dean Cain (Superman 1993) als auch Teri Hatcher (Lois Lane 1993) als Elternteile der Hauptcharaktere Kara bzw. Mon-El wieder.