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20.09.2024

Deutscher Dieselmotor stays forever! - Leserbrief

Ein Leserbrief beschwört die Überlegenheit des deutschen Dieselmotors, und der Klimaterror ist nur eine Erfindung!
[veröffentlicht am 20.09.2024, Änderungen und Streichungen der Red. markiert]

Hr. F., Sie müssen jetzt ganz stark sein und der Realität ins Auge schauen.

Nichts von dem, was Sie im Leserbrief vom 18.09. behaupten, entspricht der Wahrheit.

Ihr toller Diesel mit fast 7 Liter auf 100 km hat in den von Ihnen genannten 20.000 km Laufleistung über 3.600 kg CO2 in die Luft geblasen. Bei einem Preis von 1,60 pro Liter Diesel (optimistisch geschätzt) waren das 2.200 Euro nur an Sprit, hinzu noch Steuer, Versicherung, Betriebskosten. Mit einer eigenen Solaranlage auf dem Dach kann man dieselbe Strecke mit einem E-Auto für unter 500 Euro fahren. Selbst wenn man Strom aus der Steckdose für 28 ct pro kWh bezieht, kosten elektrische 20.000 km nur knapp 1.000 Euro (18 kWh auf 100 km angenommen). Und Sie sind auch noch stolz darauf, dass der neue Wagen einen halben Liter mehr verbraucht als der Alte? Nebenbei: E-Autos fahren mehrere Jahre lang steuerfrei (sogar Hybridfahrzeuge!). Unser Hybrid fährt noch zwei Jahre steuerfrei und kostet danach 10 Euro pro Jahr.

Nur in Deutschland hängt man aufgrund der Propaganda der fossilen Lobbys noch dem Märchen vom Verbrenner nach.

Die Zukunft ist elektrisch. Auch wenn Sie als ehemaliger Vorstand eines Autozulieferers natürlich einen Bias haben - die Zeit der Verbrenner ist politisch, technisch, ökonomisch und ökologisch vorbei. Nahezu alle Hersteller haben Termine angekündigt, wann der Bau von Verbrennern eingestellt wird. Die anderen werden aussterben oder Mondpreise für Liebhaber aufrufen. Tut Ihnen als Ingenieur die Tatsache nicht weh, dass ein Dieselmotor [hat] einen Wirkungsgrad von unter 30 % hat? Also verpuffen 70 % der Energie aus jedem Liter Diesel als Wärme. Ein Elektromotor hat einen Wirkungsgrad von über 80 % und bei jeder Drehzahl das volle Drehmoment. Jeder E-Smart lässt Ihren BMW an der Ampel stehen.

Hören Sie auf zu erzählen, dass E-Autos ein hohes Risiko haben, in Brand zu geraten. Nach Statistiken der Versicherungsbranche ist das Risiko bei einem E-Auto 20-mal geringer als bei einem Verbrenner-Auto.

Hören Sie auf zu erzählen, dass die Energiepreise immer weiter steigen und Deutschland deindustrialisiert wird. Das sind Behauptungen der Krawallpresse aus dem Springerverlag und von russischen Desinformationskampagnen. Auf sowas fallen nur Querdenker herein, die weder quer noch sonstwie denken, sondern vordenken lassen und unreflektiert weiterverbreiten, was ihnen vorgekaut wird. Die Wahrheit ist: je mehr EE-Strom wir produzieren können, desto billiger wird es. Der Börsenpreis in Leipzig ist schon teilweise unter 7 ct pro kWh gefallen. Die Probleme von VW sind hausgemacht, dort hängt man durch den Schlingerkurs und die “Technologieoffenheit” der weltweiten Entwicklung ein Jahrzehnt hinterher (und muss 30 Mrd Euro Strafzahlungen wegen Schummelsoftware verkraften). Deutschland produziert derzeit im Schnitt 70 % des Strombedarfs als EE-Strom, und die Tendenz ist weiter steigend.

Mittlerweile haben wir sogar Chancen, unseren billigen Strom aus dem Norden Deutschlands in den Süden zu transportieren, wenn weitere Stromtrassen gebaut werden und merkwürdig rückständige Politiker wie Aiwanger und Söder ihren Widerstand aufgeben. Mit besserem Stromtransport werden auch die Netzentgelte sinken und auch dadurch wird der Strom billiger. Mit mehr Transportkapazität werden auch die internationalen Redispatch-Kosten sinken.

Es gibt Schätzungen, dass bis 2040 die elektrischen LKWs die Modelle mit Verbrenner überholt haben. Daimler stellt einen 40-Tonner LKW mit 600 kWh-Akku vor, der am Stück 500 km fahren kann und mit 1 MW geladen werden kann! Auch in der Schwertransportlogistik ist die Zukunft elektrisch!

09.04.2024

HVO als Dieselersatz - Leserbrief

[veröffentlicht am 09.04.2024]

[Update: Größenordnung HVO Herstellung und Bedarf in Deutschland korrigiert: 35 Mio. Tonnen statt 35 Mio. Liter]

Wenn man sonst nix zu sagen hat, wird das Thema “flüssige Ersatztreibstoffe” aus der Mottenkiste geholt. Vor längerem waren es Leserbriefe über e-Fuels aus Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2), nun ist es die FDP, die wie immer das Banner der “Technologieoffenheit” vor sich her trägt und über eine der wenigen Tankstellen in der Wetterau jubelt, die künstlich hergestellten Diesel-Ersatz verkauft (HVO, hydro-treated vegetable oil).

Dieser Ersatztreibstoff gehört zu den zahlreichen Varianten von künstlichem Diesel, der aus Abfallfett hergestellt wird. Andere Varianten verwenden Erdgas, Kohle oder sonstige kohlenstoffhaltige Grundstoffe.

Die Energiebilanz allein bei der Herstellung von HVO reicht von “naja” (2 kWh pro Liter) über “schlimm” (10 kWh pro Liter) bis “katastrophal” (16 kWh pro Liter), je nach verwendeten Ausgangsstoffen, und über die Größenordnung der Herstellung (also die lieferbare Menge in den Handel) decken wir auch lieber den Mantel des Schweigens. Zum Vergleich: ein Liter “klassischer” Diesel aus Erdöl erfordert einen Aufwand von ca. 4 kWh pro Liter.

Aber damit ist die Betrachtung der Energiebilanz noch nicht zu Ende gedacht: für die Herstellung von HVO wird nämlich Wasserstoff benötigt und es fällt Propan als “Abfall” an. Nunja, mag man meinen, Propan ist ja nicht schlimm: kann man zum Heizen verbrennen oder industriell verwerten. Aber auch das feuert natürlich wieder die Klimakatastrophe an.

Der benötigte Wasserstoff müsste “grün” sein, also aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Alle anderen Varianten von Wasserstoff (blau, grau, türkis) haben eine katastrophale Umwelt- und Energiebilanz (bis zu 55 kWh Strom und 10 Liter Wasser pro kg Wasserstoff). Pro Liter HVO wird (je nach Zusammensetzung) geschätzt, dass etwa 40 Liter Wasserstoff benötigt werden. Das Verfahren erfordert außerdem einen teuren Katalysator, üblicherweise Platin, Palladium oder Nickel, der auch zu anderen industriellen Zwecken benötigt wird.

Des weiteren gibt es bei der Verwertung von Fettabfällen ein gravierendes Konkurrenz- und auch Skalierungsproblem: bislang wurde ein Großteil dieser Abfälle, in Deutschland ca. 1,9 Mio. t pro Jahr, bei hohen Temperaturen in Kraftwerken verbrannt und hat dort einen Wirkungsgrad von über 40 %. Ein Dieselmotor im Auto hat im Bestfall nur einen Wirkungsgrad von knapp 30 %. Wenn nun HVO als Dieselersatz verwendet wird, ist für Kraftwerke eine Alternative nötig. Allein unter diesem Aspekt erscheint es nicht sinnvoll, die Ausgangsstoffe für die energieintensive Herstellung eines Treibstoffs mit schlechterem Wirkungsgrad zu verwenden. An der Uni Graz stellt eine Masterarbeit fest, dass der Ertrag an HVO ungefähr 80 % des eingesetzten Rohstoffs beträgt, der Rest entweicht als kurzkettige Alkane oder Wasser. Und: es gibt gar nicht genügend Abfallfett für den deutschen Bedarf von 35 Mio. Liter Tonnen Diesel pro Jahr.

Ein weiteres Problem ist die Verwendung von derzeit 10-20 % Palmöl als Ausgangsstoff. Wenn die Nachfrage nach HVO steigt, ist zu befürchten, dass noch mehr Regenwald abgeholzt wird, um Ölpalmen anzubauen, die dann noch zur Verarbeitung transportiert werden müssen. Die Fläche dafür fällt dann auch für den Anbau von Lebensmitteln weg. Fettabfälle müssen außerdem gereinigt werden, und die Schadstoffe können je nach vorherigem Einsatzzweck giftig oder krebserregend sein.

Ein kleiner Vorteil für Oldtimerfans: HVO enthält wenig Sauerstoff, deshalb vergammelt es im Tank nicht (wichtig für Autos, die lange still stehen). HVO-Verbrennung hat einen etwas geringeren CO2-Ausstoß als Diesel aus Erdöl: doch immerhin gigantische 2 % weniger. Und noch ein Trost: wenn das Abfallfett pflanzlich war, fährt das Auto dann immerhin vegan.

Fazit: die FDP jubelt hier ein Thema hoch, das nicht dazu beiträgt, die Klimakatastrophe zu verhindern. Leider hat sie vor dem Jubeln vergessen, die Fakten zu prüfen. Es ist zwar technisch machbar, aber wirtschaftlich und ökologisch sinnlos, wenn man die gesamte Herstellungs- und Lieferkette betrachtet. Die FDP zeigt damit erneut, dass sie in der Vergangenheit bleiben will.

07.12.2023

Das Märchen von der Technologieoffenheit - Leserbrief

[veröffentlicht am 07.12.2023]

Das war mal wieder ein Leserbrief von Hr. F., der ein heftiges Kopfschütteln auslöst ob der Faktenfreiheit bei allem, was er an “Argumenten” anführt, um über die amtierende Regierung zu jammern.

Es war nicht Habeck und auch sonst war es nicht die Ampel, sondern die vorherigen CDU/FDP- bzw. CDU/SPD-Regierungen, die die meisten Kernkraftwerke abgeschaltet haben. Die letzten drei Kraftwerke sind während der Regierungszeit der Ampel abgeschaltet worden, aber das dazu erlassene Gesetz stammt noch von der Vorgängerregierung und wurde jetzt nur (fast) fristgerecht umgesetzt.

Hr. F. erwähnt “Dual Fluid Reaktoren” - auch dazu gibt es ein paar magere Forschungsergebnisse, aber nichts, was sich großmaßstäblich einsetzen ließe, um unsere derzeitigen akuten Probleme durch die Klimakatastrophe zu lösen. In den USA wurden die Bauarbeiten an einem Mini-Fusionsreaktor aus Kostengründen wieder eingestellt - Kernfusion kommt wie üblich erst in 40 Jahren.

Genauso weiß Hr. F., dass Fracking ungefährlich ist wegen der “Verdünnung”. Das Umweltministerium denkt seit 2017 anders darüber: “Erdgasgewinnung in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein (...) aufgrund der fehlenden Erfahrungen und Kenntnisse in Deutschland grundsätzlich verboten ist. Lediglich zu wissenschaftlichen Zwecken können die Bundesländer bundesweit maximal vier Erprobungsmaßnahmen im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zulassen.”.

Warum weinen Laien immer noch den Kernkraftwerken nach? Die Abschaltung war aus vielerlei Gründen vollkommen richtig. Seit dieser Entscheidung ist die Kohleverbrennung für die Stromerzeugung um fast die Hälfte zurückgegangen. Deutlich weniger Wind und Solar musste abgeregelt werden, mal ganz abgesehen davon, dass es immer noch keine vernünftige Endlagerlösung für Atommüll gibt. Atomstrom ist der teuerste Strom überhaupt. In Frankreich wurde der Energieversorger EDF verstaatlicht und häuft weiterhin massiv Schulden an, weil die Kernkraftwerke dort soviele Probleme machen.

Das derzeitige Problem in Deutschland ist der Stromtransport aus dem Norden, der jedes Jahr mehrere Hundert Windkraftanlagen baut, in den ideologisch verblendeten Süden (obwohl ich ansonsten den Begriff “ideologisch” ablehne). Söder hat sogar vor zehn Jahren mit Rücktritt gedroht, wenn die Kernkraftwerke nicht abgeschaltet werden. Allerdings haben er und sein Vize Aiwanger von der FW es ebenfalls zehn Jahre versäumt, Alternativen zu bauen: in Bayern wurden dieses Jahr gerade mal 6 Windkraftanlagen genehmigt und zwei gebaut. Im Vergleich dazu: In ganz Deutschland wurden allein im ersten Halbjahr 2023 on-shore 331 neue Windenergieanlagen gebaut.

In den letzten zwei Jahren hat die Verbrennung von Gas und Öl massiv zugenommen. Wir sind derzeit auf dem Weg zu mehr als 2,5 Grad globaler Erwärmung. Der Pazifik heizt sich unglaublich auf, und Forscher befürchten, dass die ersten Kipppunkte schon erreicht sind, nämlich die Arktis und der Amazonas. Auch wenn es gefühlt nicht so war: in Deutschland ist 2023 die durchschnittliche Temperatur 2 Grad über dem langjährigen Jahresmittel gewesen. Wir haben die gesetzlich festgelegte Grenze von 1,5 Grad (Paris 2015), der die deutsche Regierung verpflichtet ist (Grundgesetz Art. 20a), bei weitem gerissen.

“Technologieoffenheit” ist ein Schlagwort, das gern verwendet wird, um die ökologische Energiewende mit Solar, Wind, Wasser und Biogas zu behindern. Besonders die FDP liebt diesen Begriff. Das ist dieselbe FDP, die immer gern von “Der Markt regelt” spricht, bis eine Lobbygruppe anklopft und nach Subventionen fragt, weil der “Markt” zwar durchaus regelt, aber dies schlicht nicht den Wünschen der Lobbys entspricht. Das war aktuell bei E-Fuels so, als postwendend eine Porsche-Managerin nach staatlichen Hilfen rief, weil die Herstellung von E-Fuels teuer und ineffizient ist.

“Technologieoffenheit” ist ein Begriff zur Verzögerung und ein Zeichen von Entscheidungsunwillen. Während der Forschungsphase sollte man natürlich in alle Richtungen offen sein, aber wenn sich ein Lösungsweg anbietet, der besser ist als alle anderen, wird es Zeit, die vorhandenen begrenzten Mittel auf den besten Weg zu konzentrieren statt sich weiterhin zu verzetteln.

04.12.2023

Private Wasserstoff-Autos sind sinnlos - Leserbrief

[veröffentlicht am 02.12.2023]

In der Kolumne von Prof. Breckow am 22.11. erwähnt er sehr häufig Wasserstoff (H2) als Treibstoff für PKWs. Wasserstoff wird üblicherweise durch Elektrolyse aus Wasser gewonnen und wird gerade sehr intensiv diskutiert. Medienwirksam werden dazu von Politikern gern “Elektro-Lyseure” eingeweiht. Dazu ein paar Gedanken über die Effizienz.

Für die elektrolytische Produktion von 1 kg Wasserstoff benötigt man ca. 55 kWh an Strom und mehr als 10 Liter Wasser. Der Energiegehalt von 1 kg Wasserstoff ist aber “nur” 33 kWh bei der Nutzung in einem PKW. Ganz offensichtlich ist Wasserstoff also keine sinnvolle Option für den Antrieb von PKW oder LKW. Auch Busse und Schienenverkehr erscheinen unter diesem Aspekt nicht brauchbar. BMW hat die Produktion von wasserstoffgetriebenen PKW aufgegeben. Mercedes forscht seit Jahrzehnten an Brennstoffzellen und liefert nicht.

Falls man Wasserstoff aus Kohlenwasserstoffen herstellt (z.B. Methan), erhält man wiederum unerwünschte Abfallprodukte.

Mit 55 kWh Strom fährt ein E-Auto knapp 400 km, und man vermeidet den Verlust von 22 kWh Strom, wenn man den Zwischenschritt Wasserstoff einfach weglässt und die Energie direkt im Akku eines E-Autos speichert. Nebenbei ist jedes Wasserstoff-Auto ein E-Auto, denn der Wasserstoff wird in einer Brennstoffzelle wieder in elektrischem Strom umgewandelt.

Abgesehen davon gibt es nicht genügend Strom, um umweltverträglich “grünen” Wasserstoff für den Individualverkehr zu produzieren. Wasserstoff wird jetzt und künftig in großem Umfang in der Industrie benötigt. Wenn man nun “blauen” oder gar “grauen” Wasserstoff verwenden muss, ist man umweltmäßig ganz schlecht unterwegs.

Genau wie die Totgeburt E-Fuels ist Wasserstoff für private PKW sinnlos, weil die nötige Größenordnung der Herstellung absolut unpraktikabel und vor allem eine gigantische Energieverschwendung ist. Der Weg zum E-Auto ist alternativlos, alle Autohersteller haben angekündigt, bis zu welchem Zeitpunkt sie keine Verbrenner mehr herstellen und verkaufen wollen.

Wasserstoff ist kein Treibstoff, sondern ein Speichermechanismus, wenn man überschüssigen Strom hat, und in der Industrie nützlich, aber auf keinen Fall im Verkehrs- und Transportwesen.

Für lebenswerte Innenstädte wäre natürlich weniger Individualverkehr noch viel besser, vorausgesetzt, der ÖPNV wird so stark ausgebaut, dass Politiker nicht mehr mit dem Strohmannargument hantieren können, der “Rentner auf dem Land” müsse mobil bleiben und ein Auto zum Einkaufen verwenden.

Außerdem hat Prof. Breckow die Zahlen für den Energiegehalt von Benzin und Diesel etwas übertrieben: Benzin hat einen Heizwert von ungefähr 8 kWh pro Liter, Diesel von etwa 10 kWh pro Liter, also nicht 10 bzw. 12, wie er schrieb. Der Wirkungsgrad ist nochmals schlechter: ein Otto-Motor erreicht keine 25%, ein Diesel auch nur knapp 30%. Im Vergleich dazu kann ein E-Auto mehr als 80% der aufgewendeten Energie in Bewegung umsetzen statt in Wärme und Abgase, und beim Bremsen wird sogar Energie zurückgewonnen (rekuperiert).

27.10.2023

Bewahren wir unsere Schöpfung! - Leserbrief

[veröffentlicht am 27.10.2023]

Zur Abwechslung möchte ich mal den Konservativen und den extrem Konservativen und den religiösen Menschen ein paar Gedanken anbieten.

Die Bibel spricht von “macht Euch die Erde untertan”. Damit ist gemeint, dass wir pfleglich mit unserer Umwelt umgehen, und nicht, dass wir sie ausbeuten und zerstören. Wenn Sie als Gläubige nicht mit dieser Interpretation des Bibelworts übereinstimmen, sollten Sie mit einem Theologen Ihrer Wahl sprechen.

Die Klimakatastrophe wird dazu führen, dass ein Großteil der Südhalbkugel durch Dürre und Überflutung unbewohnbar und vor allem landwirtschaftlich unbenutzbar werden wird.

Das wird eine gigantische Fluchtwelle von Menschen in Gang setzen, die in den kühleren Norden ziehen wollen.

Allein diese Überlegung sollte alle AfD-Anhänger dazu bringen, dass man nicht am Symptom - den Flüchtlingen - herumdoktern sollte, sondern die Ursache angehen muss: und das wäre in diesem Fall eine Umweltpolitik fahren, die eben dafür sorgt, dass unsere Welt bewohnbar bleibt. Jeder, der “Deutschland den Deutschen” rufen will, sollte also ein glühender Verfechter von Umweltschutz, Energiewende, Wärmewende, Heizwende und vielleicht auch Mentalitätswende werden.

Leider scheint es so zu sein, dass gerade konservative Menschen gern die Zeitungen aus dem Springerverlag lesen. Die berichten leider sehr einseitig und bei der Größe der Buchstaben bleibt die notwendige Komplexität auf der Strecke. Die Einseitigkeit könnte vielleicht daher rühren, dass der größte Investor des Springerverlags außerdem hohe Investitionen in fossile Konzerne und Mietwohnungen mit fossilen Heizungen getätigt hat und nun ohne Rücksicht auf die Zukunft diese Investitionen schützen möchte. Das geht am besten durch ein “weiter so” - jeder soll weiterhin mit Öl und Gas heizen und die Brötchen mit dem Auto beim Bäcker holen. Anders lässt sich die Blockadepolitik der FDP in der Koalition nicht erklären.

Da nun das Gebäude-Energie-Gesetz durch tatkräftige Sabotage der FDP noch weiter verwässert wurde, müsste umgekehrt nun jeder der anderen “Sektoren” mehr CO2 einsparen, und insbesondere müsste nun Wissing in die Pflicht genommen werden, seine konkreten Ziele jedes Jahr zu erreichen (11 Mio. t CO2-Einsparung). Ein Tempolimit wäre volkswirtschaftlich und für die Umwelt sinnvoll (Einsparungspotenzial 5-7 Mio t CO2, nachweislich weniger Verkehrsunfälle).

Außerdem wäre es sinnvoll, umweltschädliche Subventionen zu streichen und dadurch eine Lenkungswirkung zu erreichen (z.B. stärkere Förderung von elektrischem ÖPNV, Streichung von Dienstwagensubventionen, Car-Sharing, noch mehr Förderung für PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, Schulen, Behörden, Stop der Quatsch-Argumentation über e-Fuels und “grünen” Wasserstoff für den Individualverkehr ...).

Stattdessen werden die Ampelparteien bei den beiden Landtagswahlen abgestraft (alle Parteien verlieren - leider - deutlich an die AfD) und sowohl Söder als auch Kubicki irrlichtern noch schlimmer herum, dass die Ampel alles ändern muss, statt zu überlegen, ob ihre destruktive Art dazu beiträgt, dass die Politikverdrossenheit insgesamt immer stärker zunimmt.

13.10.2022

E-Fuels sind immer noch unrealistisch - Leserbrief

[veröffentlicht am 13.10.2022]

ADAC:
  • bei der Verwendung in Autos haben e-Fuels einen Wirkungsgrad von ca. 10 %.
"Auto Motor Sport":
  • "e-Fuels verursachen 4-fache CO2-Emissionen"
  • "e-Fuels sind zu ineffizient und zu teuer".
Opel:
  • E-Fuels möglich, aber erfordern starke Veränderungen am Motor (Baujahr 2021).
VW-Aufsichtsrat:
  • synthetische Kraftstoffe sind keine Alternative für die Massen
Hr. F.:
  • Hold my beer, die FAZ als Quelle ist viel besser.
Hr. F.schreibt, dass alle Autos ab 2015 fähig sind, mit E-Fuels zu fahren. Umgekehrt schreibt Opel, dass ein aktuelles Modell (Grandland 1.2L) erst nach massiven Umbauten mit E-Fuels fahren konnte. Alle gängigen Autoportale schreiben derzeit, dass nur spezielle Automodelle für z.B. E85 geeignet sind, man könne aber FFV-Sensoren nachrüsten. Es gibt deutschlandweit um die 350 Tankstellen für E85. Wie im letzten Leserbrief geschrieben: wie realistisch ist das Nachrüsten von 40 Millionen Fahrzeugen? Ich lasse diese Diskrepanz jetzt unkommentiert. Auf die weiteren Argumente wie Herstellungskosten und den Energiebedarf der Vorstufen von E-Fuels oder die Unterschiede zwischen Benzin und Diesel wollte Hr. F. ebenfalls nicht weiter eingehen.

Stattdessen packt er ein weiteres Thema aus, das gern zur Ablenkung in Diskussionen verwendet wird, wenn man beim eigentlichen Thema nichts mehr zu sagen hat außer “Ideologie”: die “Seltenen Erden”, die hauptsächlich in Afrika und Südamerika unter teils haarsträubenden, blutigen Bedingungen abgebaut werden, z.B. Kobalt, Lithium und weitere.

Überall wird Kobalt verwendet, nicht nur in E-Autos. Für die Benzinherstellung ist Kobalt nötig, um das Benzin zu entschwefeln. In täglichen Dingen vom Ceranfeld bis zur Küchenmaschine ist überall Kobalt enthalten.

Maschinen fast jeder Art brauchen Kobalt, weil sie gehärteten Stahl enthalten. Industrielle Prozesse brauchen ebenfalls Lithium, nicht nur E-Autos. Ohne Lithium wäre die Fensterherstellung oder generell das Herstellen von Aluminium nicht möglich. Es sind also nicht nur Akkus, in denen Lithium verbaut wird.

Es ist einseitig und rhetorisch sehr durchsichtig, jetzt die Elektrifizierung im Verkehrssektor als Argument gegen die Verwendung von Seltenen Erden einzusetzen. Industriell werden sie seit langem verwendet, und so gut wie niemand beschwerte sich bislang (leider) über die blutigen Hintergründe. Aber jetzt plötzlich, weil es gerade ins Konzept passt, wird dagegen gewettert?

Inzwischen setzen Akkuhersteller auf immer weniger Kobalt und insbesondere auf Recycling: der Akku eines E-Autos bekommt ein zweites Leben als Hausspeicher für Photovoltaik.

Die weltgrößte Kobaltmine im Kongo schließt, aufgrund mangelnder Nachfrage nach Kobalt.

In Bolivien wird gerade nach einer in Deutschland erfundenen, wesentlich ökologischeren Methode Lithium abgebaut. Durch Handelsverträge profitieren deutsche Firmen davon.

Bolivien soll zwar die größten Vorkommen an Lithium weltweit haben, aber Bolivien gehört noch lange nicht zu den großen Lieferländern und steht erst am Anfang. Spannend ist, dass die sozialistische Morales-Regierung das Land befähigen will, Akkus selbst herzustellen.

Fazit: E-Fuels für private Fahrzeuge sind eine unrealistische und teure Annahme. Wir werden E-Fuels benötigen, aber das wird sich ökonomisch nur dort durchsetzen, wo es keine Alternativen gibt (oder im Auto-Rennsport, wo Geld keine Rolle spielt). Klimaneutrale E-Fuels lassen sich nur herstellen, wenn es einen Stromüberschuss gibt. Diesen Überschuss sollte man direkt in Akkus speichern und nicht für mehrstufige Umwandlungen in E-Fuels vergeuden. Durch die aufwändige Herstellung haben E-Fuels in Autos einen effektiven Wirkungsgrad von nicht mehr als 10 %, E-Autos hingegen über 80 %.

27.08.2022

Ethanol und andere E-Fuels - Leserbrief

Die Rentner aus der Autozulieferindustrie verlangen "mathematische" Beweise für den Klimawandel. Schlimmer wird's heute nicht mehr.

Hoffe ich.

Hier meine Antwort auf den Leserbrief von Hr. F.

[veröffentlicht am 27.08.2022]

Der Leserbrief von Hr. F. ist ein trauriges Beispiel für selektive Wahrnehmung, verbunden mit aktiver Wissenschaftsleugnung, und von persönlichen Unterstellungen.

Hr. F. ist, soweit ich weiß, im Ruhestand und war lange Vorstand eines Autozulieferers. Ich unterstelle deshalb einen gewissen Unwillen, sich mit gegensätzlichen Positionen ergebnisoffen zu beschäftigen.

Ich weiß entgegen seiner Unterstellung, dass in Südamerika PKW mit Ethanol fahren, da diese ab Werk entsprechend gebaut werden (z.B. von Ford und VW). Der Großteil der PKW-Flotte in Deutschland, knapp 48 Mio. Fahrzeuge, ist technisch nicht für höhere Ethanolbeimischungen als E10 geeignet, und deswegen sind teure E-Fuels nicht für den Individualverkehr geeignet. Genau das war die Erkenntnis des Opel-Versuchs - es ist technisch möglich, wenn man massive Änderungen am Motor vornimmt. Welche Veränderungen das sein müssen, ist unerheblich: es geht um die schiere Anzahl der vorhandenen PKW. Und: E-Fuels werden in der Herstellung um die 5 € pro Liter kosten, Verkaufspreis dann 8-10 €?

Der Alkohol für den südamerikanischen Markt wird durch Biovergärung aus Mais und Zuckerrohr gewonnen. Für deren Anbau werden gigantische Flächen Regenwald gerodet. Auch diesen gleich zweifach ethisch relevanten Nebeneffekt erwähnt Hr. F. nicht in seiner Betrachtung - Rodung und Fehlnutzung von Lebensmitteln.

Die Klimaschädlichkeit von CO2 ist seit 1824 empirisch bekannt (Fourier), und wurde 1850 (Foote), 1862 (Tyndall) und 1896 (Arrhenius) weiter wissenschaftlich untermauert, wie man hier z.B. bei ARD alpha detailliert nachlesen kann, oder auch bei Hoimar von Ditfurth schon 1978 hören kann.

Im Übrigen muss die Klimakatastrophe nicht von Mathematikern “bewiesen” werden, sondern wurde oft genug von Klimawissenschaftlern erforscht und bestätigt. Es ist erschreckend, heutzutage noch solches Leugnen von Tatsachen zu lesen. Meinungsfreiheit ja, aber kein Recht auf Faktenfreiheit!

China baut (leider) neue Kohlekraftwerke, allerdings unterschlägt Hr. F., dass infolge der Neubauten mehrere Hundert alte, dreckigere Kraftwerke abgeschaltet werden. Das ist netto immer noch nicht gut, aber es ist eine deutliche Verbesserung zum vorherigen Ausstoß.

Hr. F., bitte unterlassen Sie rhetorische Tricks, dass die Grünen ein “psychologisches Problem” “brutal” ausnutzen. Angst ist ein wesentlicher Antrieb der Evolution, aber es ist ein Unterschied, ob Angst auf Fakten oder Gefühlen basiert. Der Atomausstieg wurde von der CDU/FDP beschlossen, nicht von den Grünen. Wenn Sie die Existenz der Klimakatastrophe ablehnen, ignorieren Sie wissenschaftliche Fakten. Wer in der Diskussion das Wort “ideologisch” verwendet, hat keine Fakten auf seiner Seite und spricht umgekehrt dem Diskussionsgegner die Kompetenz ab.

Es ist erschütternd, dass sich mittlerweile alle relevanten Wissenschaftler einig sind, dass wir wegen CO2 auf eine weltweite Erwärmung hinsteuern, die die Erde unbewohnbar machen könnte, und die Leugner dieser Tatsachen sind hauptsächlich Laien. Warum sollten wir im Angesicht von Fluten, Dürren, Hitzewellen, Stürmen und anderen Wetterereignissen auf Menschen hören, die in der Diskussion die harten Fakten nicht akzeptieren wollen und stattdessen lieber Personen angreifen?

Wen wollen Sie mit dem leeren Wort “händelbar” beeindrucken? Es gibt weltweit noch kein Endlager für radioaktiven Müll, obwohl wir schon Hunderte von Milliarden Euro in die Kernkraft gesteckt habe. Kernkraft ist mit Folgekosten die teuerste Art, Strom zu erzeugen.

Natürlich ist die Radioaktivität des Restmülls über Millionen von Jahre hinweg ein Problem und kein “Totschlag-Argument”. Wenn es so toll “händelbar” ist, dann lagern Sie bitte den Restmüll in Ihrem Vorgarten. Tote aus Verkehrsunfällen gegen Kernkraftunfälle aufzurechnen ist höchst unredlich. Ein Tschernobyl-ähnlicher Unfall im dicht besiedelten Deutschland macht Landstriche von Hunderten Kilometern Umkreis unbewohnbar. Lesen Sie doch mal in Ihrer Hausratversicherung, ob Schäden oder Umzug durch Kernkraftunfälle abgedeckt sind.

Jeder Euro, den wir jetzt noch in fossile Brennstoffe und Kernkraft investieren, ist verschwendet, weil das Ende dieser Technologien absehbar ist.