Tja, am Wochenende hatte ich endlich ein bißchen Zeit, um den dritten und letzten Teil von Eschbachs Erzählung über die Kohärenz fertig zu lesen.
Es war spannend geschrieben, aber das Ende war ein wenig enttäuschend, dafür, wie unbesiegbar und vorausschauend die Kohärenz in den ersten beiden Teilen geschildert wurde.
Auch der dritte Teil ist wieder eine Mischung aus Thriller, Roadmovie und Coming-of-age. Das Roadmovie beschreibt den Rückweg von Christopher und Serenity nach Europa, zunächst nach Paris, dann in die Bretagne und zum Showdown nach London. Christopher fasst sich ein Herz und gesteht Serenity, dass er in sie verliebt ist - das Erwachsenwerden nimmt breiten Raum ein, weil er sich viele Gedanken darüber macht, wie er es sagen soll, wie sie darauf reagiert, und wie er mit einer eventuellen Ablehnung zurecht kommen soll.
Ausgelöst wird die Rückkehr nach Europa durch einen geplanten Anschlag auf die Mobilfunkinfrastruktur von Cleveland, als die Gruppe im Hide-Out erfährt, dass der amerikanische Präsident mit großer Wahrscheinlichkeit bei einem Krankenhausaufenthalt dort in die Kohärenz aufgenommen werden soll. Jeremiah Jones und die anderen Helfer werden erwischt; das Hideout muss geräumt werden. In der Nacht davor flüchten Christopher und Serenity, weil Christopher eine Falle oder zumindest das Scheitern befürchtet, und er behält Recht.
Der "Penta-Byte-Mann" taucht jetzt auch als Person auf, nachdem er im
ersten Teil erwähnt wurde und im zweiten Teil schon Tipps per Internet
gegeben hat.
Beim Lesen des zweiten Teils hatte ich
mich schon gewundert, dass Eschbach ein so merkwürdiger Fehler
unterlaufen ist, den Präfix "Peta" falsch zu schreiben. Die Auflösung
des Rätsels folgt nun im dritten Teil: es war nicht falsch geschrieben,
sondern ein Wortspiel des Hackers mit seinem italienischen Nachnamen
"Forti" - "Penta" für die griechische Fünf und "Byte" für "8 bit" -
daraus ergibt sich als Produkt "Forty" - Vierzig.
Sehr schön beschrieben der Flug nach Paris als Luftfracht, die Weiterreise in die Bretagne, das Treffen mit Forti und seine cineastische Begeisterung. Ich vermute, dass die Filmaufnahmen und das Set in der Bretagne so ähnlich tatsächlich stattgefunden haben.
Die Nebenhandlung fand ich ebenso faszinierend: die Kohärenz entwickelt eine "Lightvariante" namens Lifehook, quasi ein implantiertes Mobiltelefon, und bewirbt es als logischen nächsten Schritt nach den sozialen Netzwerken (im Buch "FriendWeb", ganz klar ist Facebook gemeint). Sehr schön beschrieben, wie jemand durch die Nichtnutzung zum Außenseiter wird und durch diesen Druck der "Peergroup" seinen Widerstand schließlich aufgibt und teilnimmt.
Viele Puzzleteile aus den ersten beiden Teilen finden nun ihren Platz und fügen sich ins große Bild ein. Etwas sehr sportlich fand ich die Entwicklung einer selbstlernenden Bilderkennungssoftware, um in den Filmen, die der Penta-Byte-Mann aus seinem Leben aufgenommen hat, die eine Szene ausfindig zu machen, die vielleicht eine eklatante Schwachstelle der Kohärenz zeigen könnte.
Den Schluss fand ich eher unbefriedigend. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass eine "externe" Infrastruktur neben dem Mobilfunknetz nötig sein könnte, um die Verbindungen zwischen den "Upgradern" herzustellen, aber es ist bei der vorher so oft so stark betonten Weitsichtigkeit der Kohärenz kaum glaubhaft, dass der eine technische Knotenpunkt ohne Absicherung und ohne Redundanz verwendet werden kann, um den Sieg davonzutragen. In Fachsprache wäre das ein "Single point of Failure", und den kann sich ein neu entstandenes Intelligenzwesen einfach nicht leisten, das seine Existenz der ungestörten und ausfallsicheren Infrastruktur verdankt. Christopher sitzt also buchstäblich in einem Glaskasten (kugelsicher), durch einen Trick ganz allein gelassen, und kann an einem Terminal die "tödlichen" Befehle eingeben, weil die Kohärenz dieses Terminal nicht abschalten kann, ohne sich selbst zu gefährden? Wirklich kaum glaubhaft. Ein dummes Eingabeterminal kann man jederzeit abschalten. Den Zugang zur Datenbankschnittstelle kann man ebenso leicht blockieren. Und im allerschlechtesten Fall könnte man den Netzwerkport lahmlegen, durch den das Terminal ins Netz kommt. Oder das Kabel herausziehen. Mal wieder hatte ich das Gefühl, das Buch ist fast zu Ende, deswegen muss jetzt ein möglichst schneller Schluss her.
Fazit: gute Unterhaltung, man darf aber nicht allzusehr über die Details nachdenken, wenn man zufällig in der Branche arbeitet.
* Android * Linux * Terry Pratchett * Science Fiction * Fantasy * Bücher * Politik * Die Wetterau * Berstadt
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26.12.2014
23.05.2014
X-Men: days of future past - Kino
Ich war gestern schon wieder im Kino, diesmal im neuen X-Men-Film. Mein Nachbar ist ein ebenso großer Kino- und Comic-Fan wie ich, und es macht einen Riesenspaß, mit jemandem ins Kino zu gehen, der einen ähnlich abgedrehten Geschmack hat. Letzte Woche hatte ich einen Gast (dazu kommt auch noch mal ein Artikel), mit dem ich Godzilla angeschaut hatte, aber diese Sorte Katastrophenfilme mit viel Bums und wenig Handlung ist nicht ganz mein Geschmack, das hab ich nach langer Zeit mal wieder gemerkt.
Ich liebe ja Zeitreisen ganz besonders, weil man so schön drüber lästern kann, wenn es der Drehbuchschreiber mal wieder nicht hinbekommen hat und die Logik so gar nicht passen will.
Im aktuellen X-Men-Film trifft das in weiten Teilen zum Glück nicht zu: es gibt eine nachvollziehbare Handlung, die auf einer plausiblen Grundidee aufbaut, und insgesamt gesehen ist der Film in sich schlüssig.
Was am Ende natürlich offenbleibt, ist die Frage, ob sich durch die Zeitreise alles so entwickelt, wie wir es aus den bisherigen Filmen kennen, oder ob sich da noch subtile Änderungen einschleichen.
Auf jeden Fall war der Film großartig, und ich habe ihn von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Sehr schön aufgebaut der ruhige Schluss, der einen "ganz normalen Tag" in der "School for gifted youngsters" zeigt, nachdem Logan zu seinem eigenen Erstaunen dort aufwacht; man sieht u.a. Rogue, Iceman, Jean Grey, und viele andere aus den früheren Filmen.
Der Einstieg war hingegen von rasanter Action geprägt: es war eine Szenerie in der Zukunft, in der extrem anpassungsfähige Roboter Jagd auf Mutanten machen und mühelos deren Kräften widerstehen können. Dank einer Mutantin, die eine besondere Form der Zeitreise beherrscht, ist es einer kleinen Gruppe möglich, zu entkommen, indem sie sich - sozusagen aus der Zukunft - warnen lässt.
Der Bildaufbau mit zerstörten Städten und knochengefüllten Straßen erinnert wohl mit Absicht an Terminator, die "andere" prominente Zeitreisegeschichte, und es wird nebenbei berichtet, dass die "Sentinels" nicht nur Mutanten jagen, sondern auch Menschen, die ihnen helfen wollen, und deshalb die Menschheit nahezu ausgerottet wurde.
Da dies aber kein Dauerzustand bleiben soll, kommen sie auf die Idee, die Vergangenheit grundsätzlich zu verändern und die Entwicklung dieser übermächtigen Jagdroboter - "Sentinels" - zu verhindern. Ähnlich wie in der Serie "Seven days" gilt es, einen besonderen Moment in der Vergangenheit zu identifizieren, an dem die Geschichte den einen oder anderen Verlauf hätte nehmen können.
Natürlich wird dieser Schicksalspunkt in der Geschichte gefunden, und der einzige, der unbeschadet - wenn auch nur geistig in seinen jüngeren Körper - in die Vergangenheit reisen kann, ist "Logan" Wolverine. Diese Begründung fand ich etwas wirr, aber hinnehmbar für die weitere Dramaturgie. Interessant dann die Beobachtung, die eine weitere zeitliche Einschätzung erlaubt: in der Vergangenheit angekommen hat Logan noch nicht die Adamantium-Panzerung, sondern noch die knöchernen Krallen.
In der Vergangenheit angekommen gibt es schrille 70er-Jahre Szenen, und natürlich gibt es ein sekundengenaues Thriller-Ende, so dass wir am Ende nicht zusehen müssen, wie der "alte" Charles von den Sentinels getötet wird.
Eine besonders schöne Szene mit tollen Trickeffekten ist während der Befreiung des jungen Magneto aus einem metallfreien Gefängnis unter dem Pentagon zu sehen, als Quicksilver in der Küche alle Wächter außer Gefecht setzt, ohne Blut zu vergießen und dabei erst noch ganz gelassen Kopfhörer und Schutzbrille aufsetzt, um "Time in a bottle" zu hören.
Viele Charaktere werden schöner und ausführlicher geschildert als in den bisherigen Filmen, insbesondere Mystique gefällt mir sehr gut, und der junge Magneto spielt genauso wunderbar wie in "First Class". Im Gegensatz zu Florian in seiner Kritik fand ich den Wissenschaftler Trask eher nicht so herausragend, weder geschauspielert noch als Rolle bzw. Figur.
Genauso unspannend fand ich den Techniker im X-Team: in einigen Szenen wird zwar tricktechnisch brilliant die Verwandlung in "Beast" gezeigt, aber trotz alledem ist diese Figur eher blass geblieben - ein typischer "support act", der halt benötigt wird, um ein bestimmtes Problem zu lösen, damit die Handlung weitergehen kann, aber sonst auch nichts.
Die Auflösung will ich natürlich nicht im Detail verraten, aber es ist eine sehr schöne und glaubwürdige Lösung: Trask wird nicht getötet, weder von Mystique, noch Magneto oder einem der anderen Mutanten, Nixon bleibt am Leben, keiner der Mutanten reißt die Weltherrschaft an sich, und obwohl die Welt nun aufgrund der Fernsehübertragungen von den Mutanten weiß, gibt es einen - wenn auch brüchigen - Frieden. Auf dem Hinweg nach Washington im Flugzeug stellt Eric auch sehr glaubwürdig dar, dass er zwar in Dallas war, aber JFK retten und nicht töten wollte, auch wenn er dafür trotzdem in einem Hochsicherheitsgefängnis gefangen gesetzt wurde. Diese Andeutungen werden aber nicht vertieft, der Rest bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.
Zwei Bemerkungen noch zum Schluss:
Zum Ersten: die Pointe, nachdem Logan aus dem Fluss gefischt wurde, und Stryker seiner habhaft wird, hat einen sehr bitteren Beigeschmack, obwohl wir natürlich schon aus früheren Filmen wissen, wie grausam seine Behandlung war.
Zum Zweiten: der traditionelle "Nachfilm" zeigt eine im Bau befindliche Pyramide oder ein ähnliches großes Bauwerk, deren Konstruktion offensichtlich von einer einzigen Person durchgeführt wird, und auf einem Nachbarhügel 4 Reiter. Aus der Sitzreihe hinter mir hörte ich "die 4 Reiter der Apokalypse", aber da ich kein allzu intensiver Marvel-Leser bin, ist mir diese Szene nicht klargeworden. Vielleicht weiß jemand mehr und hinterlässt einen Kommentar?
[Update: Link zum Besuch von Christoph Dittert nachgetragen]
Ich liebe ja Zeitreisen ganz besonders, weil man so schön drüber lästern kann, wenn es der Drehbuchschreiber mal wieder nicht hinbekommen hat und die Logik so gar nicht passen will.
Im aktuellen X-Men-Film trifft das in weiten Teilen zum Glück nicht zu: es gibt eine nachvollziehbare Handlung, die auf einer plausiblen Grundidee aufbaut, und insgesamt gesehen ist der Film in sich schlüssig.
Was am Ende natürlich offenbleibt, ist die Frage, ob sich durch die Zeitreise alles so entwickelt, wie wir es aus den bisherigen Filmen kennen, oder ob sich da noch subtile Änderungen einschleichen.
Auf jeden Fall war der Film großartig, und ich habe ihn von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Sehr schön aufgebaut der ruhige Schluss, der einen "ganz normalen Tag" in der "School for gifted youngsters" zeigt, nachdem Logan zu seinem eigenen Erstaunen dort aufwacht; man sieht u.a. Rogue, Iceman, Jean Grey, und viele andere aus den früheren Filmen.
Der Einstieg war hingegen von rasanter Action geprägt: es war eine Szenerie in der Zukunft, in der extrem anpassungsfähige Roboter Jagd auf Mutanten machen und mühelos deren Kräften widerstehen können. Dank einer Mutantin, die eine besondere Form der Zeitreise beherrscht, ist es einer kleinen Gruppe möglich, zu entkommen, indem sie sich - sozusagen aus der Zukunft - warnen lässt.
Der Bildaufbau mit zerstörten Städten und knochengefüllten Straßen erinnert wohl mit Absicht an Terminator, die "andere" prominente Zeitreisegeschichte, und es wird nebenbei berichtet, dass die "Sentinels" nicht nur Mutanten jagen, sondern auch Menschen, die ihnen helfen wollen, und deshalb die Menschheit nahezu ausgerottet wurde.
Da dies aber kein Dauerzustand bleiben soll, kommen sie auf die Idee, die Vergangenheit grundsätzlich zu verändern und die Entwicklung dieser übermächtigen Jagdroboter - "Sentinels" - zu verhindern. Ähnlich wie in der Serie "Seven days" gilt es, einen besonderen Moment in der Vergangenheit zu identifizieren, an dem die Geschichte den einen oder anderen Verlauf hätte nehmen können.
Natürlich wird dieser Schicksalspunkt in der Geschichte gefunden, und der einzige, der unbeschadet - wenn auch nur geistig in seinen jüngeren Körper - in die Vergangenheit reisen kann, ist "Logan" Wolverine. Diese Begründung fand ich etwas wirr, aber hinnehmbar für die weitere Dramaturgie. Interessant dann die Beobachtung, die eine weitere zeitliche Einschätzung erlaubt: in der Vergangenheit angekommen hat Logan noch nicht die Adamantium-Panzerung, sondern noch die knöchernen Krallen.
In der Vergangenheit angekommen gibt es schrille 70er-Jahre Szenen, und natürlich gibt es ein sekundengenaues Thriller-Ende, so dass wir am Ende nicht zusehen müssen, wie der "alte" Charles von den Sentinels getötet wird.
Eine besonders schöne Szene mit tollen Trickeffekten ist während der Befreiung des jungen Magneto aus einem metallfreien Gefängnis unter dem Pentagon zu sehen, als Quicksilver in der Küche alle Wächter außer Gefecht setzt, ohne Blut zu vergießen und dabei erst noch ganz gelassen Kopfhörer und Schutzbrille aufsetzt, um "Time in a bottle" zu hören.
Viele Charaktere werden schöner und ausführlicher geschildert als in den bisherigen Filmen, insbesondere Mystique gefällt mir sehr gut, und der junge Magneto spielt genauso wunderbar wie in "First Class". Im Gegensatz zu Florian in seiner Kritik fand ich den Wissenschaftler Trask eher nicht so herausragend, weder geschauspielert noch als Rolle bzw. Figur.
Genauso unspannend fand ich den Techniker im X-Team: in einigen Szenen wird zwar tricktechnisch brilliant die Verwandlung in "Beast" gezeigt, aber trotz alledem ist diese Figur eher blass geblieben - ein typischer "support act", der halt benötigt wird, um ein bestimmtes Problem zu lösen, damit die Handlung weitergehen kann, aber sonst auch nichts.
Die Auflösung will ich natürlich nicht im Detail verraten, aber es ist eine sehr schöne und glaubwürdige Lösung: Trask wird nicht getötet, weder von Mystique, noch Magneto oder einem der anderen Mutanten, Nixon bleibt am Leben, keiner der Mutanten reißt die Weltherrschaft an sich, und obwohl die Welt nun aufgrund der Fernsehübertragungen von den Mutanten weiß, gibt es einen - wenn auch brüchigen - Frieden. Auf dem Hinweg nach Washington im Flugzeug stellt Eric auch sehr glaubwürdig dar, dass er zwar in Dallas war, aber JFK retten und nicht töten wollte, auch wenn er dafür trotzdem in einem Hochsicherheitsgefängnis gefangen gesetzt wurde. Diese Andeutungen werden aber nicht vertieft, der Rest bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.
Zwei Bemerkungen noch zum Schluss:
Zum Ersten: die Pointe, nachdem Logan aus dem Fluss gefischt wurde, und Stryker seiner habhaft wird, hat einen sehr bitteren Beigeschmack, obwohl wir natürlich schon aus früheren Filmen wissen, wie grausam seine Behandlung war.
Zum Zweiten: der traditionelle "Nachfilm" zeigt eine im Bau befindliche Pyramide oder ein ähnliches großes Bauwerk, deren Konstruktion offensichtlich von einer einzigen Person durchgeführt wird, und auf einem Nachbarhügel 4 Reiter. Aus der Sitzreihe hinter mir hörte ich "die 4 Reiter der Apokalypse", aber da ich kein allzu intensiver Marvel-Leser bin, ist mir diese Szene nicht klargeworden. Vielleicht weiß jemand mehr und hinterlässt einen Kommentar?
[Update: Link zum Besuch von Christoph Dittert nachgetragen]
23.04.2014
Rosbach verweigert sich der Breitbandinitiative Wetterau
Die WZ meldete kürzlich, dass Rosbach und einige andere Gemeinden sich nicht an der kreisweiten Initiative zum Glasfaserausbau beteiligen wollen. Das finde ich sehr schade, und die genannte Alternative "LTE" ist nicht für stationäres Breitbandinternet geeignet, wenn sich die mobilfunkartigen Verträge nicht ändern.
Das habe ich etwas ausführlicher als Leserbrief geschrieben (veröffentlicht am 17.04.14):
Das habe ich etwas ausführlicher als Leserbrief geschrieben (veröffentlicht am 17.04.14):
Leserbrief zu "Breitband Wetterau", WZ 11.04.14
Ich lese mit Bedauern, dass die Breitbandinitiative des Wetteraukreises mehrere gewichtige Teilnehmer nicht gewinnen konnte. Rosbach, Karben, Bad Nauheim, Bad Vilbel und Altenstadt, die zusammen mehrere Tausend Haushalte darstellen, haben kein Interesse. Das ist sehr schade, weil der Ausbau durch die Masse an Teilnehmern insgesamt gesehen effektiver und billiger wäre.
Im Fall von Rosbach lese ich, dass die zukünftige Versorgung mit LTE ab 2015 ausreichen soll und "das Risiko zu groß" sei. Hier glaubt man den Versprechungen der Telekom, wie toll LTE ist. Schade, dass ausgerechnet bei wirklich sinnvollen Investitionen in die Zukunft die Risikofreude abnimmt, auf anderen Gebieten nimmt man gern Geld in die Hand und schaut nicht so streng hin. Die Attraktivität von Kommunen beim Zuzug bemisst sich zunehmend an der Internetbandbreite, das sollten Bürgermeister auch bedenken.
Berstadt erfreut sich seit Oktober 2012 an LTE. Am Anfang war auch alles toll, aber mit zunehmender Anzahl an LTE-Kunden wird das Surfen ein tageszeitabhängiges Vergnügen. Formal bietet mir die Telekom "bis zu 16 MBit/s" an. Tagsüber (ich arbeite viel von zuhause) habe ich tatsächlich gelegentlich 10 MBit/s, eher um die 5 MBit/s. Abends, wenn alle zuhause sind und surfen, kann ich froh sein, wenn es noch 1-2 MBit/s sind. Damit machen Videodienste wie Youtube keinen Spaß mehr.
LTE ist eine Funktechnologie, die auf verschiedenen Frequenzen arbeitet. Die billigste Lösung mit der größten Reichweite besteht darin, Funkmasten mit 800 MHz aufzustellen oder bestehende um LTE zu erweitern. Diese Frequenz hat aber mehrere Nachteile: die Geschwindigkeit ist begrenzt (derzeit max. 50 MBit/s), ebenso die Anzahl der Teilnehmer pro Funkzelle.
Außerdem verkaufen Telekom und Vodafone LTE nur mit Verträgen, denen man die Herkunft aus dem Mobilfunksektor ansieht: es gibt eine monatliche Volumenbegrenzung, und wenn das Volumen aufgebraucht ist, wird der Kunde auf 384 KBit/s gedrosselt. Man kann dann Volumen nachkaufen (Telekom: 10 GB für 14,95€), aber der Rest davon verfällt am Monatsende. Eine wirkliche "Flatrate" ist das nicht, und bei jedem größeren Download oder dem gelegentlichen Video greift die Schere im Kopf, ob das denn wirklich sein muss.
Es ist also ein Irrglaube anzunehmen, dass eine ausreichend schnelle Internetversorgung über LTE stattfinden kann. LTE ist eine sehr schöne Technologie, um kleine Datenmengen schnell an Smartphones auszuliefern und flächendeckendes Internet für mobile Geräte zu liefern. Es ist aber aufgrund der technischen Gegebenheiten eben keine Technologie, um Haushalte und Ortschaften mit Breitbandinternet zu versorgen.
Die Telekom und die anderen Mitbieter wurden bei der letzten Frequenzversteigerung vom Regulierer verpflichtet, auf dem "flachen Land" LTE flächendeckend auszubauen, bevor in den Ballungszentren das richtig schnelle LTE mit 100, 150 oder mehr MBit/s installiert werden durfte (mit 1800 und 2600 MHz). Bei staatlichem Zwang findet natürlich nur das Allernotwendigste statt - eben der Ausbau mit der billigen und langsamen 800 MHz-Technologie.
Hingegen ist Glasfaser eine wirklich sinnvolle Investition in die Zukunft. Eine einzelne Glasfaser erreicht Gigabit-Geschwindigkeit mit Laserlicht statt mit Funktechnik. Üblicherweise wird Glasfaser in Bündeln verlegt, um die Kapazität zu erhöhen. Und wenn die Bandbreite der Faser mit einem Laser ausgereizt ist, wird mit kleinem Aufwand ein weiterer Laser einer anderen Wellenlänge dazugenommen.
Nebenbei: dank der internationalen Zusammenarbeit bei der Standardisierung gibt es weltweit nicht weniger als 33 verschiedene Frequenzbänder - deshalb funktionieren die meisten LTE-fähigen Smartphones auch nur "fast überall". In Deutschland werden 800, 1800 und 2600 MHz verwendet, in anderen Ländern sind auch 700, 850, 900, 1500, 1700, 2100, 2300 und 2500 MHz in Verwendung. Das verhindert recht effektiv, billige Geräte aus dem Ausland zu kaufen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...
07.04.2014
Boys day und Girls day
Letztens war mal wieder der jährliche Girls day.
Seit kurzem, genauer: seit 2011, gibt es als Ausgleich sogar einen Boys day.
Meine Tochter war bei IBM in Frankfurt. Dort haben sie in drei verschiedenen Projekten gearbeitet:
Was genau bringt nun so ein Tag?
Beim Mittagessen haben Kollegen und ich darüber diskutiert. Ein gleichalter Kollege hat ebenfalls "gemischte" Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Genau wie bei uns - obwohl sich die Eltern bemühen, beiden Kindern dieselben Angebote zum Spielen und zur Beschäftigung zu geben, sind "typisch männliche" und "typisch weibliche" Tendenzen erkennbar.
Söhne basteln Raumschiffe aus Lego. Mädchen spielen Familie. Ältere Jungs lesen oder schauen Science Fiction, Mädchen beschäftigen sich mit sozialen Beziehungen, verfolgen auf Twitter die angehimmelte Boyband ("wer mit wem") oder versuchen, der Freundin mit Liebeskummer zu helfen [die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, sondern im Gegenteil mit Absicht sehr plakativ].
Es fängt doch schon im Kindergarten an: fast nur weibliche Beschäftigte. Wo sind die männlichen Rollenvorbilder? Schon hier sehen Kinder, dass es anscheinend typisch weiblich ist, sich um Kinder zu sorgen und sich mit ihnen zu beschäftigen.
In der Grundschule setzt sich das fort: fast nur Lehrerinnen, und eine bestimmte Art von Methodik im Unterricht. Den gelegentlichen männlichen Lehrer muss man mit der Lupe suchen (die örtliche Grundschule hat einen männlichen Konrektor). Bedingt durch die Option auf Schwangerschaft haben die Kinder in der Grundschule so gut wie nie eine Klassenlehrerin über die gesamte (bei uns) vierjährige Grundschulzeit.
An den weiterführenden Schulen dann eine halbwegs "normale" Geschlechterverteilung in der Lehrerschaft.
Bei der Elternmitbestimmung ist erstaunlicherweise dasselbe zu beobachten (empirisch, aus meiner eigenen Beobachtung). Im Kindergarten und in der Grundschule fast ausschließlich weibliche Elternteile, die sich im Elternbeirat engagieren. Auch bei den Elternabenden sieht man fast nur die Mütter - wenn überhaupt. Viele Eltern interessieren sich so gut wie nicht für die Mitbestimmung. Erst in der weiterführenden Schule tauchen mehr Väter bei den Elternabenden auf, und manchmal lassen sie sich sogar als Elternbeirat wählen. In den weiteren Gremien - wie Schulkonferenz, Kreiselternbeirat, Landeselternbeirat - finden sich dann wiederum fast nur noch Mütter. Die Ausnahmen lassen sich nur mit der Lupe finden.
Ich will damit nicht sagen, dass es prinzipiell schlecht ist, aber es ist einseitig, und es vermittelt den Kindern einen falschen Blick auf die Welt.
Wie ich neulich im Artikel über die Frauenquote schon schrieb: ich halte Frauen und Männer prinzipiell für der gleichen Leistung fähig. Aber die gesellschaftlichen Strukturen favorisieren eine bestimmte ungleiche Rollenverteilung. Das fängt bei der schlechten Bezahlung von sozialen und Pflegeberufen an und hört beim Kopfkino bei Bewerbungsgesprächen noch lang nicht auf, bei denen der Personaler immer eine mögliche Schwangerschaft einer Bewerberin einkalkuliert. Er darf es natürlich nicht sagen (Stichwort AGG), genausowenig wie nach einer bestehenden Schwangerschaft gefragt werden darf, aber ich bin mir sicher, es wird gedacht.
Um noch mal den Bogen zum Anfang und dem Gespräch mit meinen Kollegen zu schlagen: suchen Frauen sich prinzipiell bestimmte Berufe aus (->Ursache), oder wird die Auswahl des Berufs durch bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen in eine bestimmte Richtung gedrängt (->Wirkung)? Ich kann es nicht beurteilen.
Zum Schluss noch etwas Positives: Google hat im Blog eine sehr schöne Hommage an Frauen in der IT zusammengestellt, sollte man gesehen haben.
Seit kurzem, genauer: seit 2011, gibt es als Ausgleich sogar einen Boys day.
Meine Tochter war bei IBM in Frankfurt. Dort haben sie in drei verschiedenen Projekten gearbeitet:
- Bau und Programmierung eines Lego-Mindstorm-Roboters
- Erstellen eines Werbevideos
- Präsentation
- Biologie, Physiologie, Anatomie
- Chemie (Blutuntersuchung)
- Physik (Röntgen, Ultraschall)
- Psychologie (Besitzer)
- BWL (der Tierarzt als Unternehmer)
Was genau bringt nun so ein Tag?
Beim Mittagessen haben Kollegen und ich darüber diskutiert. Ein gleichalter Kollege hat ebenfalls "gemischte" Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Genau wie bei uns - obwohl sich die Eltern bemühen, beiden Kindern dieselben Angebote zum Spielen und zur Beschäftigung zu geben, sind "typisch männliche" und "typisch weibliche" Tendenzen erkennbar.
Söhne basteln Raumschiffe aus Lego. Mädchen spielen Familie. Ältere Jungs lesen oder schauen Science Fiction, Mädchen beschäftigen sich mit sozialen Beziehungen, verfolgen auf Twitter die angehimmelte Boyband ("wer mit wem") oder versuchen, der Freundin mit Liebeskummer zu helfen [die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, sondern im Gegenteil mit Absicht sehr plakativ].
Es fängt doch schon im Kindergarten an: fast nur weibliche Beschäftigte. Wo sind die männlichen Rollenvorbilder? Schon hier sehen Kinder, dass es anscheinend typisch weiblich ist, sich um Kinder zu sorgen und sich mit ihnen zu beschäftigen.
In der Grundschule setzt sich das fort: fast nur Lehrerinnen, und eine bestimmte Art von Methodik im Unterricht. Den gelegentlichen männlichen Lehrer muss man mit der Lupe suchen (die örtliche Grundschule hat einen männlichen Konrektor). Bedingt durch die Option auf Schwangerschaft haben die Kinder in der Grundschule so gut wie nie eine Klassenlehrerin über die gesamte (bei uns) vierjährige Grundschulzeit.
An den weiterführenden Schulen dann eine halbwegs "normale" Geschlechterverteilung in der Lehrerschaft.
Bei der Elternmitbestimmung ist erstaunlicherweise dasselbe zu beobachten (empirisch, aus meiner eigenen Beobachtung). Im Kindergarten und in der Grundschule fast ausschließlich weibliche Elternteile, die sich im Elternbeirat engagieren. Auch bei den Elternabenden sieht man fast nur die Mütter - wenn überhaupt. Viele Eltern interessieren sich so gut wie nicht für die Mitbestimmung. Erst in der weiterführenden Schule tauchen mehr Väter bei den Elternabenden auf, und manchmal lassen sie sich sogar als Elternbeirat wählen. In den weiteren Gremien - wie Schulkonferenz, Kreiselternbeirat, Landeselternbeirat - finden sich dann wiederum fast nur noch Mütter. Die Ausnahmen lassen sich nur mit der Lupe finden.
Ich will damit nicht sagen, dass es prinzipiell schlecht ist, aber es ist einseitig, und es vermittelt den Kindern einen falschen Blick auf die Welt.
Wie ich neulich im Artikel über die Frauenquote schon schrieb: ich halte Frauen und Männer prinzipiell für der gleichen Leistung fähig. Aber die gesellschaftlichen Strukturen favorisieren eine bestimmte ungleiche Rollenverteilung. Das fängt bei der schlechten Bezahlung von sozialen und Pflegeberufen an und hört beim Kopfkino bei Bewerbungsgesprächen noch lang nicht auf, bei denen der Personaler immer eine mögliche Schwangerschaft einer Bewerberin einkalkuliert. Er darf es natürlich nicht sagen (Stichwort AGG), genausowenig wie nach einer bestehenden Schwangerschaft gefragt werden darf, aber ich bin mir sicher, es wird gedacht.
Um noch mal den Bogen zum Anfang und dem Gespräch mit meinen Kollegen zu schlagen: suchen Frauen sich prinzipiell bestimmte Berufe aus (->Ursache), oder wird die Auswahl des Berufs durch bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen in eine bestimmte Richtung gedrängt (->Wirkung)? Ich kann es nicht beurteilen.
Zum Schluss noch etwas Positives: Google hat im Blog eine sehr schöne Hommage an Frauen in der IT zusammengestellt, sollte man gesehen haben.
31.10.2013
Ausgebrannt - Andreas Eschbach - Buchbesprechung
Ja ja, ich weiß, dass ich zu spät bin. Dieser Roman ist 2007 erschienen. Ich hab' ihn auch schon vor einiger Zeit gekauft, aber aus Gründen bin ich jetzt erst zum Lesen gekommen. Geblättert hatte ich schon mal nach dem Kaufen, aber irgendwie kam mir immer etwas anderes dazwischen. Aber der Besuch der Lesung in Lauterbach, die mich total begeistert hat, hat mir dann doch einen Schub(s) gegeben.
Bücher werden zwar mit der Zeit nicht besser, wenn man sie wie Wein liegenlässt, aber die Neugierde steigt. Nachdem ich also endlich den Anfang gefunden hatte, konnte ich das Buch kaum weglegen, und manche Abende wurden etwas länger als sonst, weil ich gerade an eine besonders spannende oder interessante Stelle gekommen war. Dies ist eines der besten Werke von Eschbach, soviel schon vorneweg.
Über den Inhalt will ich nicht besonders viel erzählen, sondern eher etwas über meine Eindrücke während des Lesens. Eine gute Zusammenfassung findet sich in der Wikipedia. Einige kleine Spoiler kann man dort finden, aber ehrlich gesagt, finde ich nicht, dass dieses Buch das Attribut "Thriller" so verdient wie z.B. "Nobelpreis", in dem es wirklich um echte und vorgetäuschte Verbrechen geht und alles auf einen Höhepunkt zustrebt. Von daher schmerzt es nicht besonders, wenn man Zusammenhänge schon vorher kennt, mich schon gar nicht ;). Ich bin sowieso jemand, der zuerst den Schluss liest, genau wie Harry in "Harry und Sally". Nebenbei nennt Sally in der Flugzeugszene nach fünf Jahren genau deswegen Harry einen "Engel des Todes", und das ist jetzt die Überleitung zum nächsten Absatz ;)
Genau wie auch das spätere Buch "Todesengel" liest sich "Ausgebrannt" streckenweise wie ein Sachbuch mit sehr vielen fachlichen und numerischen Details zu Ölförderung, Eisenbahnbau, Strahlungsleistung der Sonne, Solarzellen, Plausibilitätsrechnungen u.ä. Genau das finde ich an Eschbachs Büchern extrem spannend: diese Fülle an akribischen Details trägt dazu bei, dass ich mich als wissenschaftlich interessierter Mensch in dieser fiktiven Welt so zuhause fühlte.
Faszinierend fand ich an diesem Buch, wie glaubwürdig die Intrigen der diversen Geheimdienste, Firmenlenker und Politiker beschrieben wurden. Teilweise hat Eschbach hier die Realität von 2013, z.B. die NSA-Abhörgeschichte, vorweggenommen. Er bezieht sich zwar auf das früher bekanntgewordene ECHELON, aber grundsätzlich wirkt alles so extrem nachvollziehbar, dass es beunruhigend ist.
Die Charaktere handeln einfach, sie haben keine besonderen Eigenschaften, auf die das Buch eingeht. Im Wesentlichen ist "Ausgebrannt" ein buchgewordenes Roadmovie, in dem Markus Westermann immerzu hin und her reist. Sein Unfall und das Koma geschehen auf den ersten paar Seiten, und ungefähr in der Mitte bei Buches, nach knapp 300 Seiten, hat die Handlung den Bogen zurück zu diesem dämlichen Autounfall geschlagen. Dieser, ausgelöst durch einen leeren Tank, ist natürlich symptomatisch für die gesamte Geschichte, in der es darum geht, wie wichtig Erdöl ist und wie abhängig unsere gesamte Gesellschaft davon geworden ist.
Wenn ich versuchen wollte, die Ziele chronologisch aufzuzählen, wird das ein ganz schön langer Absatz ... Mal sehen: Westermann reist als Software-Entwickler in die USA, um eine amerikanische Finanzsoftware an die deutsche Sprache und Rechtsprechung anzupassen. Auf dem ersten Stück der Reise trifft er Block und besucht mehrere Ölförderstätten, darunter auch in Saudi-Arabien. Block verschwindet, er reist zurück nach USA, will die Unterlagen aus dem Schließfach holen und stellt fest, dass es von der CIA per Gerichtsbeschluss leergeräumt wurde. Er forscht nach Taggard und findet ihn über Kommilitonen, frühere Freunde, Nachbarn und den Wohnort seiner Eltern. Auf dem Weg zu Taggard geschieht der Autounfall. Sein Bruder schmuggelt ihn nach Deutschland in eine Klinik. Von dort reist er mit einem Zweit-Reisepass über die Niederlande zurück nach USA und findet Taggard in "Bare Hands Creek". Von dort flüchtet er und findet Amy in dem aufgegebenen Forschungszentrum. Dann trifft er eine Senatorin und den Präsidenten der USA in Washington. Im Epilog reist er per Schiff und Luftschiff zu seinem Neffen nach Deutschland.
Abgesehen von seinem Ehrgeiz und dem Drang, "etwas" in USA zu erreichen, hat Westermann nicht viel, was ihn dem Leser näherbringt (mir zumindest nicht). Es gibt einige minimal übernatürlich angehauchte Andeutungen, so haben er und seine Geliebte Amy Visionen über die Zukunft. Amys Vision allerdings stellt sich als kindliche Erinnerung heraus, weil sie damals zufällig im Keller die Akte "Alfred Westermann" beim Spielen gefunden hat, dazu gleich noch mehr. Markus' Vision von einem "gläsernen Turm" ist kein Hochhaus, das ihm gehört und in dem er residiert, sondern die "Westerman"-Maschine, die billig Alkohol gewinnen kann.
Seitenhiebe auf aktuelle (genauer: damals schon aktuelle) Entwicklungen machen das gesamte Buch sehr unterhaltsam, z.B. erlebt Dorothea das Auftreten eines Rechtsanwalts, der ihr eine Abmahnung persönlich zustellt und verlangt, dass sie ihren Dorfladen schließt. Die Begründung dafür klingt aberwitzig, aber juristisch vermutlich haltbar, so dass sich der "normale Menschenverstand" sträubt, das für bare Münze zu nehmen: ihr Sohn hat Werbezettel verteilt, in denen er die (an dieser Stelle schon massiv gestiegenen) Spritkosten in Relation zum Einkauf beim Dorfladen und beim 30 km entfernten Supermarkt setzt. Die Abmahnung behauptet nun, sie habe unerlaubte "vergleichende Werbung" betrieben. Denkbar ist das natürlich, andererseits gab es vor einigen Jahren eine Gesetzesreform, die - sachliche - vergleichende Werbung erlaubt, und was wäre sachlicher, als die konkreten Preise zu benennen und die eigenen Transportkosten zu addieren?
Einige dramaturgisch nachvollziehbare, aber auch nicht wirklich glaubwürdige Verrenkungen beschreiben, dass der ehemalige CIA-Agent Taggard Markus' Vater Alfred kannte und dessen Erfindung zugunsten der amerikanischen (Erdöl-)Wirtschaft verschwinden lässt, sogar hilft, ihn am Ende durch Manipulationen am Auto ermorden zu lassen. Rein zufällig landen die Unterlagen über diese Erfindung bei Amys Vater, und bei Markus' Einbruch in ein abgelegenes, geheimes Forschungslabor stellt sich heraus, dass es deren Vater gehört und von der mittlerweile von Markus hochschwangeren Amy bewohnt wird.
Der Schluss ist abrupt, aber das bin ich mittlerweile von Eschbach gewöhnt. Das Buch hat etwas Happy End, aber nicht viel.
Durch die wiederentdeckte Erfindung von Alfred Westermann ist es möglich, mit wenig Aufwand Gärungsalkohol zum Antrieb für Motoren zu gewinnen, ohne aufwändig Energie in die Destillation zu stecken. Die Idee mit einer osmotisch wirksamen Folie ist plausibel genug für das Buch. Nicht wirklich plausibel ist das generöse Auftreten der USA, die der ganzen Welt diese "Westerman"-Maschinen zur Verfügung stellt, nachdem vorher eher der Führungsanspruch durchschimmerte und der Versuch, sich Vorteile zu verschaffen.
Mir hat nicht besonders gut gefallen, wie leicht die Massenherstellung der "Westermans" anläuft. Eine unterhaltsame Anekdote am Rand findet sich aber auch hier in einem Seitenhieb: eine bestimmte Maschine zur Stoffherstellung wird benötigt. Der Geheimdienst hat aber "rein zufällig" die Pläne dieser deutschen Maschine greifbar.
Die Welt verändert sich massiv, die Regionalität nimmt zwangsläufig zu, auf Erdöl basierende Produkte werden extrem teuer oder fallen ganz weg (Plastik, Medikamente, Dünger, ...), aber die USA bleiben noch lange Zeit eine starke Hegemonialmacht, auch wenn der föderale Staatenverbund im Epilog 30 Jahre später massiv zu bröckeln begonnen hat. Es gibt kaum noch Flugverkehr, kaum noch Tourismus, religiöser Extremismus nimmt wieder zu.
Die Rolle der USA und ihr massives geheimdienstliches Eingreifen zum Schutz der eigenen Politik und Wirtschaft klingt heute weniger überraschend als zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Hier ist nichts erfunden, durch die Enthüllungen von Snowden wissen wir, dass es tatsächlich so ist, und vielleicht noch schlimmer.
Hier kann sich jeder Leser selbst eine Meinung darüber bilden, wie selbstverständlich Mächte ohne Rücksicht auf Menschen, Staaten und Umwelt in fremde Politik eingreifen und auf Menschen- und Bürgerrechte pfeifen. Auch andere Verschwörungstheorien werden aufgegriffen und plausibel eingeordnet, z.B. der Bau des Panama-Kanals, die Ausbeutung von Erdölfeldern in Venezuela und Ecuador, der Bau von Pipelines, die Protektion der saudi-arabischen Königsfamilie und vieles mehr.
Fazit: heute lesenswerter denn je. Unbedingt zugreifen!
Bücher werden zwar mit der Zeit nicht besser, wenn man sie wie Wein liegenlässt, aber die Neugierde steigt. Nachdem ich also endlich den Anfang gefunden hatte, konnte ich das Buch kaum weglegen, und manche Abende wurden etwas länger als sonst, weil ich gerade an eine besonders spannende oder interessante Stelle gekommen war. Dies ist eines der besten Werke von Eschbach, soviel schon vorneweg.
Über den Inhalt will ich nicht besonders viel erzählen, sondern eher etwas über meine Eindrücke während des Lesens. Eine gute Zusammenfassung findet sich in der Wikipedia. Einige kleine Spoiler kann man dort finden, aber ehrlich gesagt, finde ich nicht, dass dieses Buch das Attribut "Thriller" so verdient wie z.B. "Nobelpreis", in dem es wirklich um echte und vorgetäuschte Verbrechen geht und alles auf einen Höhepunkt zustrebt. Von daher schmerzt es nicht besonders, wenn man Zusammenhänge schon vorher kennt, mich schon gar nicht ;). Ich bin sowieso jemand, der zuerst den Schluss liest, genau wie Harry in "Harry und Sally". Nebenbei nennt Sally in der Flugzeugszene nach fünf Jahren genau deswegen Harry einen "Engel des Todes", und das ist jetzt die Überleitung zum nächsten Absatz ;)
Genau wie auch das spätere Buch "Todesengel" liest sich "Ausgebrannt" streckenweise wie ein Sachbuch mit sehr vielen fachlichen und numerischen Details zu Ölförderung, Eisenbahnbau, Strahlungsleistung der Sonne, Solarzellen, Plausibilitätsrechnungen u.ä. Genau das finde ich an Eschbachs Büchern extrem spannend: diese Fülle an akribischen Details trägt dazu bei, dass ich mich als wissenschaftlich interessierter Mensch in dieser fiktiven Welt so zuhause fühlte.
Faszinierend fand ich an diesem Buch, wie glaubwürdig die Intrigen der diversen Geheimdienste, Firmenlenker und Politiker beschrieben wurden. Teilweise hat Eschbach hier die Realität von 2013, z.B. die NSA-Abhörgeschichte, vorweggenommen. Er bezieht sich zwar auf das früher bekanntgewordene ECHELON, aber grundsätzlich wirkt alles so extrem nachvollziehbar, dass es beunruhigend ist.
Die Charaktere handeln einfach, sie haben keine besonderen Eigenschaften, auf die das Buch eingeht. Im Wesentlichen ist "Ausgebrannt" ein buchgewordenes Roadmovie, in dem Markus Westermann immerzu hin und her reist. Sein Unfall und das Koma geschehen auf den ersten paar Seiten, und ungefähr in der Mitte bei Buches, nach knapp 300 Seiten, hat die Handlung den Bogen zurück zu diesem dämlichen Autounfall geschlagen. Dieser, ausgelöst durch einen leeren Tank, ist natürlich symptomatisch für die gesamte Geschichte, in der es darum geht, wie wichtig Erdöl ist und wie abhängig unsere gesamte Gesellschaft davon geworden ist.
Wenn ich versuchen wollte, die Ziele chronologisch aufzuzählen, wird das ein ganz schön langer Absatz ... Mal sehen: Westermann reist als Software-Entwickler in die USA, um eine amerikanische Finanzsoftware an die deutsche Sprache und Rechtsprechung anzupassen. Auf dem ersten Stück der Reise trifft er Block und besucht mehrere Ölförderstätten, darunter auch in Saudi-Arabien. Block verschwindet, er reist zurück nach USA, will die Unterlagen aus dem Schließfach holen und stellt fest, dass es von der CIA per Gerichtsbeschluss leergeräumt wurde. Er forscht nach Taggard und findet ihn über Kommilitonen, frühere Freunde, Nachbarn und den Wohnort seiner Eltern. Auf dem Weg zu Taggard geschieht der Autounfall. Sein Bruder schmuggelt ihn nach Deutschland in eine Klinik. Von dort reist er mit einem Zweit-Reisepass über die Niederlande zurück nach USA und findet Taggard in "Bare Hands Creek". Von dort flüchtet er und findet Amy in dem aufgegebenen Forschungszentrum. Dann trifft er eine Senatorin und den Präsidenten der USA in Washington. Im Epilog reist er per Schiff und Luftschiff zu seinem Neffen nach Deutschland.
Abgesehen von seinem Ehrgeiz und dem Drang, "etwas" in USA zu erreichen, hat Westermann nicht viel, was ihn dem Leser näherbringt (mir zumindest nicht). Es gibt einige minimal übernatürlich angehauchte Andeutungen, so haben er und seine Geliebte Amy Visionen über die Zukunft. Amys Vision allerdings stellt sich als kindliche Erinnerung heraus, weil sie damals zufällig im Keller die Akte "Alfred Westermann" beim Spielen gefunden hat, dazu gleich noch mehr. Markus' Vision von einem "gläsernen Turm" ist kein Hochhaus, das ihm gehört und in dem er residiert, sondern die "Westerman"-Maschine, die billig Alkohol gewinnen kann.
Seitenhiebe auf aktuelle (genauer: damals schon aktuelle) Entwicklungen machen das gesamte Buch sehr unterhaltsam, z.B. erlebt Dorothea das Auftreten eines Rechtsanwalts, der ihr eine Abmahnung persönlich zustellt und verlangt, dass sie ihren Dorfladen schließt. Die Begründung dafür klingt aberwitzig, aber juristisch vermutlich haltbar, so dass sich der "normale Menschenverstand" sträubt, das für bare Münze zu nehmen: ihr Sohn hat Werbezettel verteilt, in denen er die (an dieser Stelle schon massiv gestiegenen) Spritkosten in Relation zum Einkauf beim Dorfladen und beim 30 km entfernten Supermarkt setzt. Die Abmahnung behauptet nun, sie habe unerlaubte "vergleichende Werbung" betrieben. Denkbar ist das natürlich, andererseits gab es vor einigen Jahren eine Gesetzesreform, die - sachliche - vergleichende Werbung erlaubt, und was wäre sachlicher, als die konkreten Preise zu benennen und die eigenen Transportkosten zu addieren?
Einige dramaturgisch nachvollziehbare, aber auch nicht wirklich glaubwürdige Verrenkungen beschreiben, dass der ehemalige CIA-Agent Taggard Markus' Vater Alfred kannte und dessen Erfindung zugunsten der amerikanischen (Erdöl-)Wirtschaft verschwinden lässt, sogar hilft, ihn am Ende durch Manipulationen am Auto ermorden zu lassen. Rein zufällig landen die Unterlagen über diese Erfindung bei Amys Vater, und bei Markus' Einbruch in ein abgelegenes, geheimes Forschungslabor stellt sich heraus, dass es deren Vater gehört und von der mittlerweile von Markus hochschwangeren Amy bewohnt wird.
Der Schluss ist abrupt, aber das bin ich mittlerweile von Eschbach gewöhnt. Das Buch hat etwas Happy End, aber nicht viel.
Durch die wiederentdeckte Erfindung von Alfred Westermann ist es möglich, mit wenig Aufwand Gärungsalkohol zum Antrieb für Motoren zu gewinnen, ohne aufwändig Energie in die Destillation zu stecken. Die Idee mit einer osmotisch wirksamen Folie ist plausibel genug für das Buch. Nicht wirklich plausibel ist das generöse Auftreten der USA, die der ganzen Welt diese "Westerman"-Maschinen zur Verfügung stellt, nachdem vorher eher der Führungsanspruch durchschimmerte und der Versuch, sich Vorteile zu verschaffen.
Mir hat nicht besonders gut gefallen, wie leicht die Massenherstellung der "Westermans" anläuft. Eine unterhaltsame Anekdote am Rand findet sich aber auch hier in einem Seitenhieb: eine bestimmte Maschine zur Stoffherstellung wird benötigt. Der Geheimdienst hat aber "rein zufällig" die Pläne dieser deutschen Maschine greifbar.
Die Welt verändert sich massiv, die Regionalität nimmt zwangsläufig zu, auf Erdöl basierende Produkte werden extrem teuer oder fallen ganz weg (Plastik, Medikamente, Dünger, ...), aber die USA bleiben noch lange Zeit eine starke Hegemonialmacht, auch wenn der föderale Staatenverbund im Epilog 30 Jahre später massiv zu bröckeln begonnen hat. Es gibt kaum noch Flugverkehr, kaum noch Tourismus, religiöser Extremismus nimmt wieder zu.
Die Rolle der USA und ihr massives geheimdienstliches Eingreifen zum Schutz der eigenen Politik und Wirtschaft klingt heute weniger überraschend als zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Hier ist nichts erfunden, durch die Enthüllungen von Snowden wissen wir, dass es tatsächlich so ist, und vielleicht noch schlimmer.
Hier kann sich jeder Leser selbst eine Meinung darüber bilden, wie selbstverständlich Mächte ohne Rücksicht auf Menschen, Staaten und Umwelt in fremde Politik eingreifen und auf Menschen- und Bürgerrechte pfeifen. Auch andere Verschwörungstheorien werden aufgegriffen und plausibel eingeordnet, z.B. der Bau des Panama-Kanals, die Ausbeutung von Erdölfeldern in Venezuela und Ecuador, der Bau von Pipelines, die Protektion der saudi-arabischen Königsfamilie und vieles mehr.
Fazit: heute lesenswerter denn je. Unbedingt zugreifen!
05.05.2013
Die Frankfurter Rundschau regt mich schon wieder auf
In der Samstagsausgabe vom 04.05.2013 ist schon wieder ein Artikel vom selben Journalisten, dem ich letzte Woche schon geschrieben habe zum selben Thema DSL-Drosselung. Diesmal führt er ein Interview mit Prof. Torsten Gerpott von der Uni Essen, dort hat er den Lehrstuhl für Telekommunikationswirtschaft inne. Ich finde das Interview sehr schlecht.
Leserbrief zu „Interview zu Drosselkom“ von Hr. Wenzel, FR vom Sa. 04.05.2013[Update 05.05.2013: Quelle für Zitat Breitbandstudie 18. Platz D eingefügt]
Lieber Herr Wenzel,
Sie haben schon wieder so einen unkritischen Artikel zur DSL-Drosselung der Telekom veröffentlicht.
Ihr Experte behauptet ohne Quellenangabe, dass Deutschland beim Kabelausbau im 16-MBit/s-Bereich weit vorne liegt. Ich empfinde den 18. Platz nicht als "weit vorne".
Die Studie der Breitband-Rangliste wird seit 2008 jährlich von der Oxford University durchgeführt und von Cisco Systems in Auftrag gegeben. Innerhalb dieser Studie wird eine Rangliste nach Werten erstellt, welche die Qualität der Breitbandnetze (vor allem die Geschwindigkeit) und deren Verbreitung in städtischen und ländlichen Gebieten messen. Spitzenreiter ist Südkorea mit einer Haushaltsanschlussquote von 100%. Die Downloadgeschwindigkeit beträgt hier 33,5 Megabit pro Sekunde, die Uploadgeschwindigkeit 17Mbps. Mit dem weiter hinten liegenden 18. Platz und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 11,63Mbps (D) bzw. 1,28Mbps (U) wird deutlich, dass in der Bundesrepublik noch Nachholbedarf besteht. Die Anschlussquote hierzulande beträgt 66%. (Zitiert aus DStGb-Newsletter).
Machen Sie doch mal eine Umfrage, wer die "bis zu" 16 MBit/s auch wirklich bekommt. Ich wette mit Ihnen um einen Meter Glasfaser, dass die meisten Telekom-Kunden irgendwo zwischen 8 und 12 MBit/s herumdümpeln. Bezahlen dürfen sie aber trotzdem den Preis für 16 MBit/s.
Außerdem behauptet er auch wiederum ohne Belege, dass es "einige wenige Vielnutzer" gibt, die deshalb unsolidarisch mehr Geld für den kommenden Ausbau bei der Telekom abliefern sollen. Der Anschluss als solcher hat doch überhaupt nichts damit zu tun, wie stark er genutzt wird! Meiner Meinung nach sollte der grundsätzliche Anschluss mit einer menschenwürdigen Geschwindigkeit für alle gleich viel kosten.
Ich bin gern bereit, für eine höhere Geschwindigkeit mehr zu bezahlen, aber eine Drosselung auf 384 KBit/s ist moderne Folter. Wenn sogar die veraltete Breitbandstrategie der Bundesregierung von 2010 ein Ziel von 1 MBit/s vorgibt, kann eine Drosselung auf 384 KBit/s nur ein schlechter Scherz sein.
In meinem ursprünglichen DSL-Vertrag (von 2004 etwa) steht auch drin, dass ich aufgrund "technischer Gegebenheiten" vielleicht nur 384 oder 768 KBit/s bekommen werde, aber trotzdem für 1 MBit/s bezahlen muss.
Ich kann die "technischen Gegebenheiten" nachvollziehen, weil ich mich ein bißchen für diese Technik interessiere, aber nicht die geschäftlichen Konsequenzen, die die Telekom daraus ableitet.
Die Konkurrenz z.B. bietet auf der gemieteten "letzten Meile" meistens höhere Geschwindigkeiten an, weil sie die Toleranzgrenze für die sog. "Dämpfung" aggressiver einstellen, auch wenn die Entfernung von der Basisstation (DSLAM) höher ist als jeweils vorgesehen. Das erlaubt höhere Geschwindigkeiten, kann aber zu gelegentlichen Ausfällen führen, wenn sich die beiden Gegenstellen erst wieder auf bestimmte Übertragungsmechanismen einstellen müssen (nennt sich "Re-Training"). Mir wären gelegentliche kurze Abbrüche lieber als dauerhaftes Langsamsurfen.
Auf die ländlichen Gebiete gehen Sie im Interview kaum ein. Es wird am Rand erwähnt, dass die Telekom sich insbesondere in Städten engagieren will, weil hier mit wenig Aufwand viel Rendite erzielt werden kann. Der Ausbau auf dem Land ist Ihrem Experten aber lediglich ein Schulterzucken wert. Die Gekniffenen sind aber hauptsächlich die Menschen auf dem Land! Die Landeier dürfen also mit langsamen Anschlüssen leben, sollen aber auch kräftig zahlen und sich solidarisch zeigen. Hört sich doch merkwürdig an, oder?
Das Ziel der Breitbandstrategie der Bundesregierung, bis Ende 2010 alle Haushalte flächendeckend mit Breitbandanschlüssen von mindestens 1 MBit/s zu versorgen, wurde verfehlt und wurde jetzt einfach in die Zukunft verlegt, außerdem mit Mobilfunk-Lösungen wie LTE krückenhaft geflickt. Leider haben die LTE-Anschlüsse denselben Nachteil, nur noch schlimmer: eine Zwangsdrosselung nach 10/15/30 GB im Monat (bei Telekom, Vodafone ähnlich), je nach Vertrag. Man kann einmalig für 14,95 nochmals Kontingent nachkaufen, aber dieses nachgekaufte Kontingent verfällt am Monatsende. Viele Kunden werden also nicht am 28. nochmals 14,95 bezahlen; das Geld wäre größtenteils zum Fenster hinausgeworfen.
Genau das ist aber nicht der Sinn einer deutschlandweiten Breitbandpolitik! Die sog. weißen Flecken auf dem Land hinken dann immer hinterher. Es klingt ja so toll, dass ich zu einem anderen Anbieter gehen könnte. Das ist insofern korrekt, als der "andere Anbieter" dann die letzte Meile von der Telekom anmietet. Das ist aber auch nur möglich, wenn diese letzte Meile nicht mit "DSL Vectoring" unter die alleinige Kontrolle der Telekom zurückgeholt wird. Die Kabelgesellschaften haben denselben Standpunkt wie die Telekom: ein neues Kabel wird nur vergraben, wenn sich genügend Interessenten finden. Mein Wohnort z.B. bekommt in den nächsten zehn Jahren sicherlich kein Kabel, und von Glasfaser kann ich nur träumen.
Insgesamt gesehen finde ich das Interview sehr schwach und einseitig und Sie hätten ruhig mit mehr Fakten kritischer nachfragen sollen. Außerdem würde ich gern wissen, ob Ihr interviewter Experte oder sein Institut irgendwelche finanziellen Beziehungen zur Telekom hat. Es soll ja vorkommen, dass Firmen Drittmittel an Unis geben und forschen lassen. Dann könnte ich dieses Hurra-Interview besser einordnen.
29.04.2013
Tempolimit auf der Datenautobahn
Meinen Leserbrief an die Frankfurter Rundschau hab ich auch gekürzt an die Wetterauer Zeitung geschickt. Hier gibt es bei Leserbriefen ein Limit von 600 Worten.
[Update 04.05.2013: der Leserbrief wurde heute im Meinungstreff der WZ veröffentlicht]
[Update 04.05.2013: der Leserbrief wurde heute im Meinungstreff der WZ veröffentlicht]
Leserbrief zur Telekom-DSL-Drosselung
Seit einigen Tagen wird heiß diskutiert, ob und welche Auswirkungen die von der Telekom angekündigte Geschwindigkeitsdrosselung bei DSL-Anschlüssen haben wird. In einer Pressemitteilung heißt es, dass alle Neuverträge ab Mai eine Klausel enthalten werden, dass nach 75 Gigabyte Verbrauch je Monat die Geschwindigkeit auf DSL-light-Niveau von 384 KBit/s gedrosselt wird. Technisch soll diese Drosselfunktion ab 2016 eingesetzt werden. 75 Gigabyte hört sich jetzt viel an; laut Telekom liegt der durchschnittliche Verbrauch derzeit bei 15-20 Gigabyte. Aber es ist absehbar, dass diese Größenordnung bis 2016 vollkommen überholt ist, wenn Filme und Radio immer mehr über Internet abgerufen werden und die "Cloud"-Angebote von mehr Kunden genutzt werden.
Begründet wird die Drosselungsklausel damit, dass angeblich 3% der Kunden etwa 30% des gesamten Datenverkehrs ausmachen und dies unfair gegenüber den "normalen" Benutzern wäre. Die Transportkosten für die Daten seien so hoch, dass die "normalen" Kunden nicht für die "heavy User" mitbezahlen sollten.
In anderen Artikeln und Kommentaren zum Thema wird nun diese Behauptung munter weiter kolportiert. Allerdings ist dies nicht ansatzweise die Realität. Im Gegenteil ist es so, dass sich die Preise für das transportierte Gigabyte im sogenannten „Backbone“, dem Herzstück des Datenaustauschs, im freien Fall befinden (ich hörte in Berichten von 0,26 cent pro Gigabyte). Das, was richtig teuer ist, ist hingegen der Ausbau der letzten Meile auf eine menschenwürdige Geschwindigkeit (das klingt pathetisch, ist aber mein Ernst). Und diese „letzte Meile“ benötigt jeder, ob er nun ein „heavy User“ ist oder Lieschen Müller. Um den Ausbau der letzten Meile drücken sich aber wiederum alle Telekom-Unternehmen, weil hier genau wie im Backbone kein Geld mehr zu verdienen ist. In Berstadt weiß ich davon ein Lied zu singen, und zwar in Moll.
In anderen Ländern, wie z.B. Österreich oder Japan gibt es "echte" Flatrates, also Pauschalangebote, für 25-50 Euro im Monat ohne Volumenlimit und ohne Tempolimit. In einer Landkarte des Internet-Ausbaus befindet sich Deutschland weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen, und beim Glasfaserausbau ist noch nicht mal das erste Prozent Abdeckung erreicht.
Die Telekom hat es satt, nur als Netzbetreiber aufzutreten. Hier ist nur wenig Geld zu verdienen. Das Geld wird mit den Inhalten gemacht. Die Telekom will für den Datentransport abhängig vom Inhalt von beiden Seiten Geld kassieren: vom Kunden für den DSL-Anschluss und nochmal vom Inhalteanbieter oder, wenn letzteres nicht klappt, nochmal vom Kunden für die diskriminierungsfreie Durchleitung bestimmter Dienste.
Diese Wandlung vom Netzbetreiber zum Inhalteanbieter merkt man daran, dass der "Entertain"-Dienst (also Fernsehen über DSL) nicht auf die 75 Gigabyte Kontingent angerechnet wird, ebenso der Datenverbrauch des Internetradios "Spotify". Bestimmte Dienste werden also bevorzugt, indem sie immer schnell geliefert werden. Es ist absehbar, dass die Telekom entweder vom Kunden oder vom Programmanbieter zusätzliches Geld sehen will, wenn sein Inhalt ebenfalls ohne Tempolimit zum Kunden gebracht werden soll. Dann wird es neben dem DSL-Grundpreis ein "youtube"-Paket, ein "lovefilm"-Paket usw. geben, die man - natürlich - extra bezahlen muss.
Es könnte auch ein wenig politisches Interesse mit hineinspielen. Wenn nämlich keine „Flatrates“ mehr angeboten werden, müssen wieder Abrechnungsdaten gespeichert werden. Holger Voss hat ja in einem aufsehenerregenden, mehrjährigen Prozess bis zum BGH durchgefochten, dass die Telekom seine DSL-Einwahldaten nicht speichern darf, weil bei einer Flatrate kein nachträglicher Abrechnungsbedarf existiert. Diese Abrechnungsdaten finden die Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sowie die Abmahner aus der Unterhaltungsbranche bestimmt sehr spannend.
So wird das bestimmt nichts mit dem Technologie-Standort Deutschland, wenn jeder sich Gedanken machen muss, was er abrufen darf, bevor er auf eine Kriechrate gedrosselt wird, bei der gerade mal Emails ohne Anhänge noch funktionieren.
28.04.2013
Die Internet-Bremse Telekom
Seit einigen Tagen tobt es in der Netzwelt über die Mitteilung, dass die Telekom eine Tempobremse bei DSL-Anschlüssen einführen will. Als Mobilfunknutzer ist man solche Klauseln im Vertrag ja schon gewöhnt und nimmt sie üblicherweise auch hin. Hier hat sich herumgesprochen, dass man für sein Geld nur eine bestimmte Datenmenge mit normaler Geschwindigkeit bekommt (UMTS oder dessen schnellere Varianten HSDPA, HSUPA oder HSPA+). Die Kunden sind schon glücklich, dass sie auch nach Aufbrauchen dieser Datenmenge weiterhin - zwar gedrosselt - ihr Smartphone benutzen können, aber immerhin, ohne dass weitere Kosten für die Internetnutzung anfallen.
Diese Drosselung soll jetzt auch im kabelgebundenen DSL-Netz der Telekom eingeführt werden. Im Gespräch sind derzeit 75 Gigabyte pro Monat, weil ja angeblich der durchschnittliche Nutzer im Monat nur 15 bis 20 Gigabyte verbraucht. Eine einfache Rechnung zeigt, wie massiv der Kunde dadurch wirklich beeinträchtigt wird.
Bei angenommenen 6 MBit/s. kann man überschlägig pro Tag ca. 40 Gigabyte und in 30 Tagen ca. 1200 Gigabyte Daten abrufen und senden. Bei einer Drosselung nach 75 Gigabyte hat man die volle Geschwindigkeit nur 6% der Zeit pro Monat zur Verfügung, in Zahlen: einen Tag und 21 Stunden lang. Zur Erinnerung: ein Film bei Google Play, Lovefilm oder anderen Internet-Verleihern schlägt in HD-Qualität mit ca. 10 Gigabyte zu Buche. Nach 7 Filmen ist also Schluss. Da müssten doch alle Couch-Potatoes Sturm laufen! ;)
Mein eigener LTE-Anschluss leistet manchmal 1400 KB/s. Das wären dann pro Tag schon bis zu 115 Gigabyte. Ich hätte rechnerisch nur 2% des Monats die volle Geschwindigkeit, genauer: nach 14 Stunden und 52 Minuten (62% eines einzigen Tages) wäre der Traum vom schnellen Internet für den Rest des Monats ausgeträumt.
Spiele herunterladen kann schon mal 15 bis 30 Gigabyte verbrauchen. Eine Software für meine Tochter, die ich gekauft habe, verbrauchte auch mal eben 2 Gigabyte meines Download-Volumens.
In der "Frankfurter Rundschau" gab es dazu gestern einen Leitartikel (keine Verlinkung, zum Einen ist dieser Artikel nicht online, und zum Anderen wegen #LSR, Sie wissen schon) von Frank-Thomas Wenzel. Da er nicht online zu finden ist, fasse ich mal kurz zusammen: Er fand das im Prinzip gar nicht so schlimm, weil ja "der Netzausbau viel Geld koste". Das einzige Problematische für ihn war, dass dann eine Trennung im Entertain-Paket zwischen Entertain-TV (das bedeutet für ihn nur Live-Streaming) und Konservenfilmen gemacht werden müsste wegen der Fairness. Das war das einzige Kriterium, damit für ihn weiterhin die nötige Netzneutralität gegeben sei.
Das Kostenargument für den Datentransport lasse ich nicht gelten: der Transport kostet derzeit ca. 0,26 Cent pro Gigabyte. Wie sagt der Amerikaner so schön? "You do the math!".
Das sehe ich massiv anders, und wenn ich eine Meinung habe, dann sage ich die auch und schreibe Leserbriefe. Kennt man ja schon hier aus dem Blog ;)
Vielleicht vorneweg noch ein paar interessante Zahlen:
Hier sind meine Gedanken zum Thema DSL-Drosselung und Netzneutralität:
Leserbrief zu „Schwarzer Bildschirm“ von Hr. Wenzel, FR vom Sa. 27.04.2013
Lieber Herr Wenzel,
Ihr Leitartikel zur DSL-Drosselung der Telekom geht so weit an der Wahrheit vorbei, dass die Telekom sich sicherlich in Kürze bei Ihnen bedanken dürfte für die Fürsprache.
Leider ist das grundsätzliche Problem nicht, wie Sie kolportieren, der hohe Preis des Netzausbaus. Im Gegenteil ist es so, dass sich die Preise für das transportierte Gigabyte im sogenannten „Backbone“, dem Herzstück des Datenaustauschs, im freien Fall befinden. Das, was richtig teuer ist, ist hingegen der Ausbau der letzten Meile auf eine menschenwürdige Geschwindigkeit (Tschuldigung, das klingt pathetisch, ist aber mein Ernst). Und diese „letzte Meile“ benötigt jeder, ob er nun ein „Heavy User“ ist oder Lieschen Müller. Um den Ausbau der letzten Meile drücken sich aber wiederum alle Telekom-Unternehmen, weil hier genau wie im Backbone kein Geld mehr zu verdienen ist.
Spannenderweise bietet die Telekom in Österreich eine „echte“ Flatrate ohne Volumenlimit und ohne Tempolimit für 27 Euro im Monat an. Irgendwie scheint es also doch zu gehen. In Japan steht der Kunde vor der schwierigen Entscheidung, ob er 50 oder 100 Mbit/s. Glasfaser für ca. 40 Euro pro Monat bestellen soll.
Worum es wirklich geht, klingt in Ihrem Artikel recht harmlos: Sie wollen einfach nur das Streaming der TV-Sender vom Geschäft mit Konservenfilm trennen, weil ja angeblich das Streaming ein „managed Service“ ist – diesen Begriff verwendet die Telekom. Technisch ist aber beides IP-Datenverkehr, und diese künstliche Trennung gehört zum Rechtfertigungs-Tralala der Telekom. Die Telekom verfolgt meiner Meinung nach mehrere Ziele mit der Drosselung der DSL-Leistung:
- eine künstliche Spaltung der Netzgemeinde in „die und wir“, nämlich in die, die gefühlt das Internet wenig benutzen und deshalb gefühlt die unterschwellige Drohung einer Preiserhöhung wahrnehmen, wenn diese Drosselung für die schlimmen „Heavy User“ nicht eingeführt wird, und in die anderen, denen klar ist, dass es keine sachlichen Gründe für die Drosselung gibt und sich gegeneinander ausgespielt fühlen;
- außerdem hat die Telekom es satt, nur als Netzbetreiber aufzutreten. Hier ist – wie oben angeführt – nur wenig Geld zu verdienen. Das Geld wird mit den Inhalten gemacht. Orange in Frankreich hat es vorgemacht: mit dem Druckmittel des Netzausbaus in Afrika erpresst Orange von Google zusätzliches Geld für die Durchleitung von Youtube-Inhalten. Darauf läuft es hauptsächlich hinaus: die Telekom will für den Datentransport von beiden Seiten Geld kassieren: vom Kunden für den DSL-Anschluss und vom Inhalteanbieter oder nochmal vom Kunden für die diskriminierungsfreie Durchleitung bestimmter Dienste;´
Aber so einfach wird es nicht werden, wenn man „nur“ die Filmkonserven aus dem Entertain-Paket herauslöst. Die Telekom hat ja auch schon Kooperationen mit anderen Anbietern wie Spotify für Internet-Radio. Es wird also sicherlich in Zukunft in der Planung der Telekom „Pakete“ geben, die der Kunde einzeln bezahlen darf. Oder eben als „Einspeisegebühr“ vom Anbieter, so wie es Kabelbetreiber ja im Moment vehement vor Gericht einfordern, nachdem ARD und ZDF den Einspeisevertrag gekündigt haben. Ist das nicht toll? 75 Gigabyte im Monat mit normaler Geschwindigkeit; danach kostet es extra, wenn man Youtube gucken will.
- es könnte auch ein wenig politisches Interesse mit hineinspielen. Wenn nämlich keine „Flatrates“ mehr angeboten werden, müssen wieder Abrechnungsdaten gespeichert werden. Holger Voss hat ja in einem aufsehenerregenden, mehrjährigen Prozess durchgefochten, dass die Telekom seine DSL-Einwahldaten nicht speichern darf, weil bei einer Flatrate kein nachträglicher Abrechnungsbedarf existiert. Diese Abrechnungsdaten finden die Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden sowie die Abmahner aus der Musik- und sonstigen Unterhaltungsbranche bestimmt sehr spannend.
Die Telekom müsste m.E. aufgeteilt werden in einen reinen Netzanbieter, der geschäftlich getrennt von der Entertainment-Sparte ist. Wenn nämlich alle Anbieter eine Einspeisegebühr berappen müssten, wäre das ganze wieder plausibel. Dann müsste auch der Entertain-Anbieter für sich genommen rentabel werden. Im Moment sieht es wieder nach Mauschelei und Quersubventionierung aus: auch die, die einen Dienst nicht nutzen, bezahlen dafür mit. Das verstehe ich nicht unter Solidarität. Zumal bei der derzeitigen inhaltlichen TV-Qualität mit „Bauer tauscht Frau“ und „Deutschland sucht Autobahnkontrolleure“ ...
Ich habe auf dem Land in einem der bisherigen „weißen Flecken“ diesen Spaß schon heute: ich bin im Herbst von DSL light mit 384 Kbit/s. umgestiegen auf LTE mit nominal 16 Mbit/s., real erreiche ich zwischen 11 und 14 Mbit/s. Hier hat die Telekom leider die Mobilfunk-Logik beibehalten: ursprünglich hatte ich im normalen „call und surf comfort via Funk“ 10 Gigabyte im Monat frei mit normaler Geschwindigkeit, danach Drosselung auf DSL-light-Niveau, jetzt im „Tarif L“ immerhin 30 Gigabyte.
Da ich von zuhause aus arbeite, zwei Teenager im Haushalt habe und meine Frau und Schwiegermutter beide auch gern mal das Internet benutzen, gibt es bei uns auch schon die „Schere im Kopf“: wir überlegen uns, ob wir uns dieses und jenes Video anschauen, weil es ja vom Kontingent abgeht. Beim Telefonat mit der Telekom-Hotline musste ich mir tatsächlich von einem Mitarbeiter die entgeisterte Frage anhören, was ich denn mit mehr als 10 Gigabyte im Monat wolle.
So wird das bestimmt nichts mit dem Technologie-Standort Deutschland, wenn jeder sich Gedanken machen muss, was er abrufen darf, bevor er auf eine Kriechrate gedrosselt wird, bei der gerade mal Emails ohne Anhänge noch funktionieren.
17.12.2012
Die digitale Kluft auf dem Dorf
In letzter Zeit mache ich mir immer öfter Gedanken über die digitale und reale Zukunft, insbesondere unserer eigenen Kinder natürlich, aber ebenso auch etwas abstrakter um die Zukunft meiner Mitmenschen, Kinder und Erwachsener. In den folgenden Absätzen mal eine Sammlung von interessanten Stellen, die mir letztens über den Weg gelaufen sind, und ein paar Gedanken, wie schnell das dann auch wirklich bei den Menschen ankommt.
Wir stehen vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich in einer Technologiefirma arbeite (mit dem blaugestreiften Logo ...), kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert. IBM z.B. behauptet in einer kühnen Voraussage, dass in fünf Jahren Computer die 5 Sinne des Menschen nachbilden können, als "Versteher", d.h. Konsument von Reizen, und damit nicht nur z.B. Pixel auf einem Bild wahrnehmen, sondern den Inhalt des Bildes erkennen und damit dem Bild einen Sinngehalt zuordnen können.
Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag.
Auf die Vernetzung von Geräten will ich gar schon mal gar nicht eingehen, zum Einen gibt es die "Car-2-Car"-Kommunikation. die gerade mit WLAN rund um Frankfurt erprobt wird, und der Opel Adam baut da bei der Unterhaltung und Bedienung auf ein ganz neues Konzept. Und auch der Unterhaltungswert ist mit tragbaren Geräten ganz anders, die GPS, Lagesensoren wie Gyroskop, Beschleunigungssensor, manche sogar ein Barometer enthalten. Google macht es mit dem Spiel Ingress vor (derzeit beta nur mit Einladung), was alles mit "augmented reality" möglich ist, also der Überlagerung von realen Informationen mit computergenerierten.
"Google Now" ist auch eine ganz hübsche Idee, bei der persönliche Lebensdaten in ihrer Gesamtheit ausgewertet werden, um daraus zu schlussfolgern, was als nächstes ansteht, und dann zielgerichtet Vorschläge dazu zu machen (z.B. im Terminkalender feststellen, dass eine Besprechung in Frankfurt stattfindet, die Verkehrsnachrichten auswerten und dann selbständig vorschlagen, wann auf welcher Route loszufahren ist).
Was ich mir aber außerdem durchaus vorstellen kann, ist, dass dabei ganz viele Menschen abgehängt werden und sich auf diese Weise eine Kluft bildet, die kaum aufzuholen ist, und die noch viel schlimmer werden wird als die Industrialisierung im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei denke ich nicht nur daran, dass die Smartphones Geld für Anschaffung und Betrieb kosten, sondern auch, dass für die sinnvolle Nutzung von Smartphones ein gewisses Interesse und - derzeit noch - Neugierde bei der Erforschung und leider auch ein dickes Fell bei der Duldung von Problemen und Fehlern bedeutet. Der Normalfall ist, dass die "üblichen" Dinge einwandfrei funktionieren, dass aber eben manchmal der Teufel im Detail steckt und eben nur mit Ausprobieren oder Ändern von Einstellungen zum Funktionieren gebracht werden können. Da geben viele bestimmt entnervt auf, bevor sie zuviel Zeit hineinstecken ... Ich könnte auch mal wieder meckern, wie langsam Smartphone-Hersteller Android-Updates liefern, aber das hab ich schon ein paarmal gemacht und spar's mir hier ;-)
Nebenbei könnte ich mir auch noch im Sinne von 1984 vorstellen, dass die Lieferanten von Inhalten und Apps damit eine Filterfunktion entfalten können und damit Möglichkeiten zur Meinungssteuerung haben ... Das klingt ganz schön gruselig. Wenn man nicht über ein Ereignis berichtet, und man nicht zufällig direkt daneben wohnt, findet es in der Wahrnehmung der Menschen nicht statt.
In den Vorträgen über Privatsphäre und Datenschutz ("manage your identity" - halte ich kostenlos nach Vereinbarung für Schulklassen oder Elternbeiräte; sinnvoll ca. ab 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co.) sind die Zuhörer meistens ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann. Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.
Zurück zum Thema "Filterfunktion": da haben sich die deutschen Verlage z.B. im Moment nicht gerade mit Ruhm bekleckert, weil in der Totholzindustrie (=Presseverlage) die Diskussion um das Leistungsschutzrecht zu 99% totgeschwiegen wird, und auch die Gegenseite quasi gar nicht zu Wort kommt (ich erinnere an meinen abgelehnten Leserbrief für die WZ ...). Eine Diskussion, die nur "im Internet" geführt wird, wird von geschätzt 80% der Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommen.
Ich und meine Frau sind in diversen Institutionen ehrenamtlich (ein wenig ...) tätig, z.B. im Elternbeirat (Kindergarten, dann Grundschule, Gymnasium), Förderverein der jeweiligen Schulen, Kirchenvorstand, und in Vereinen.
Bei den Sitzungen oder sonstigen Besprechungen fällt mir in letzter Zeit ganz massiv auf, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt, zumindest, was die Nutzung und überhaupt den Nutzungswillen von Technik angeht. Die folgende Liste betrifft nicht nur Smartphones, sondern ganz allgemein alles, was mit Strom betrieben wird ;)
Diese Klassifizierung ist sicherlich nicht erschöpfend, aber nahezu meine komplette eigene Umgebung kann ich da schon ziemlich vollständig einsortieren ;)
In einer Elternbeiratssitzung der 6. Klasse von Kind 1 hatte ich mal vorgeschlagen, ein Wiki mit einer geschlossenen Benutzergruppe einzurichten, um dort Informationen abzulegen, die für die ganze Klasse relevant sind. In einer Klasse von 30 Kindern waren gerade mal 3 Eltern, die überhaupt verstanden, von was ich eigentlich gesprochen hatte. Wikipedia kannten zwar fast alle, aber die Tatsache, dass man a) so etwas selbst einrichten und b) selbst darin schreiben kann, kam für *alle* total überraschend.
Im Elternbeirat der Grundschule haben wir es nichtmal geschafft, unsere Mitteilungen als Email zu schicken ("ich guck nur alle 3 Wochen in meine Email ..."). Also weiterhin ausdrucken und in die Ranzenpost ...
Immerhin: Email funktioniert im Gymnasium, aber das war's auch schon. Termine über Doodle? Blog? Google-Kalender? Ach nö, danke.
Ganz bemerkenswert und total klasse finde ich, dass die Gemeinde Wölfersheim die Müllabfuhr-Termine als öffentlichen Google-Kalender anbietet. Das ist simpel und genial bequem. Ich liebe es.
Zu diesem Dilemma der Aufspaltung in "Umarmer" und "Ablehner" trägt natürlich auch bei, dass sich die Telekom-Konzerne nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was die Internet-Versorgung auf dem platten Land betrifft. Mit ein klein wenig Verschwörungstheorie könnte ich mir sogar erklären, warum bei meinem DSL der variable RAM-Modus abgeschaltet wurde und ich plötzlich wieder mit 384 statt 1700 KBit/s surfen musste.
Seit Oktober haben wir stattdessen LTE mit 7200 KBit/s, aber dafür mit einer mobilfunktypischen Beschränkung auf 10 GB Volumen pro Monat (Korrektur: seit Dezember gibt es S/M/L-Tarife mit 10/15/30 GB pro Monat und für 9,95 Euro sogar zusätzliche 30 GB auf Zuruf), und danach mit Drosselung auf die vorherige DSL-384-Geschwindigkeit. Das führt dazu, dass man immer mit dem Hintergedanken surft, wann die Drosselung zuschlägt ;(. Dienste wie Internet-Radio und Streaming sind so natürlich illusorisch.
In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.
Wir stehen vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich in einer Technologiefirma arbeite (mit dem blaugestreiften Logo ...), kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert. IBM z.B. behauptet in einer kühnen Voraussage, dass in fünf Jahren Computer die 5 Sinne des Menschen nachbilden können, als "Versteher", d.h. Konsument von Reizen, und damit nicht nur z.B. Pixel auf einem Bild wahrnehmen, sondern den Inhalt des Bildes erkennen und damit dem Bild einen Sinngehalt zuordnen können.
Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag.
Auf die Vernetzung von Geräten will ich gar schon mal gar nicht eingehen, zum Einen gibt es die "Car-2-Car"-Kommunikation. die gerade mit WLAN rund um Frankfurt erprobt wird, und der Opel Adam baut da bei der Unterhaltung und Bedienung auf ein ganz neues Konzept. Und auch der Unterhaltungswert ist mit tragbaren Geräten ganz anders, die GPS, Lagesensoren wie Gyroskop, Beschleunigungssensor, manche sogar ein Barometer enthalten. Google macht es mit dem Spiel Ingress vor (derzeit beta nur mit Einladung), was alles mit "augmented reality" möglich ist, also der Überlagerung von realen Informationen mit computergenerierten.
"Google Now" ist auch eine ganz hübsche Idee, bei der persönliche Lebensdaten in ihrer Gesamtheit ausgewertet werden, um daraus zu schlussfolgern, was als nächstes ansteht, und dann zielgerichtet Vorschläge dazu zu machen (z.B. im Terminkalender feststellen, dass eine Besprechung in Frankfurt stattfindet, die Verkehrsnachrichten auswerten und dann selbständig vorschlagen, wann auf welcher Route loszufahren ist).
Was ich mir aber außerdem durchaus vorstellen kann, ist, dass dabei ganz viele Menschen abgehängt werden und sich auf diese Weise eine Kluft bildet, die kaum aufzuholen ist, und die noch viel schlimmer werden wird als die Industrialisierung im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei denke ich nicht nur daran, dass die Smartphones Geld für Anschaffung und Betrieb kosten, sondern auch, dass für die sinnvolle Nutzung von Smartphones ein gewisses Interesse und - derzeit noch - Neugierde bei der Erforschung und leider auch ein dickes Fell bei der Duldung von Problemen und Fehlern bedeutet. Der Normalfall ist, dass die "üblichen" Dinge einwandfrei funktionieren, dass aber eben manchmal der Teufel im Detail steckt und eben nur mit Ausprobieren oder Ändern von Einstellungen zum Funktionieren gebracht werden können. Da geben viele bestimmt entnervt auf, bevor sie zuviel Zeit hineinstecken ... Ich könnte auch mal wieder meckern, wie langsam Smartphone-Hersteller Android-Updates liefern, aber das hab ich schon ein paarmal gemacht und spar's mir hier ;-)
Nebenbei könnte ich mir auch noch im Sinne von 1984 vorstellen, dass die Lieferanten von Inhalten und Apps damit eine Filterfunktion entfalten können und damit Möglichkeiten zur Meinungssteuerung haben ... Das klingt ganz schön gruselig. Wenn man nicht über ein Ereignis berichtet, und man nicht zufällig direkt daneben wohnt, findet es in der Wahrnehmung der Menschen nicht statt.
In den Vorträgen über Privatsphäre und Datenschutz ("manage your identity" - halte ich kostenlos nach Vereinbarung für Schulklassen oder Elternbeiräte; sinnvoll ca. ab 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co.) sind die Zuhörer meistens ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann. Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.
Zurück zum Thema "Filterfunktion": da haben sich die deutschen Verlage z.B. im Moment nicht gerade mit Ruhm bekleckert, weil in der Totholzindustrie (=Presseverlage) die Diskussion um das Leistungsschutzrecht zu 99% totgeschwiegen wird, und auch die Gegenseite quasi gar nicht zu Wort kommt (ich erinnere an meinen abgelehnten Leserbrief für die WZ ...). Eine Diskussion, die nur "im Internet" geführt wird, wird von geschätzt 80% der Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommen.
Ich und meine Frau sind in diversen Institutionen ehrenamtlich (ein wenig ...) tätig, z.B. im Elternbeirat (Kindergarten, dann Grundschule, Gymnasium), Förderverein der jeweiligen Schulen, Kirchenvorstand, und in Vereinen.
Bei den Sitzungen oder sonstigen Besprechungen fällt mir in letzter Zeit ganz massiv auf, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt, zumindest, was die Nutzung und überhaupt den Nutzungswillen von Technik angeht. Die folgende Liste betrifft nicht nur Smartphones, sondern ganz allgemein alles, was mit Strom betrieben wird ;)
- Early adopter, die unbedingt sofort das Neueste haben wollen (dazu zähle ich nicht, nebenbei ... obwohl ich zugeben muss, dass ich unbedingt so schnell wie möglich ein Nexus7-Tablet haben wollte)
- Aufgeschlossene Neugierige, die Wert auf Ausgereiftheit legen (jo, das bin ich ;) ... mittlerweile, mein Fell ist nicht mehr so dick, was die Toleranz von Fehlern im Produkt angeht)
- Zögerliche, die man mit ein wenig Überredung dazu bringen kann, etwas zu nutzen (dazu zählt meine Frau, die seit neuestem ein Motorola Milestone 2 hat, nachdem ihr das abgelegte Motorola Flipout von Kind 1 zu klein war - jetzt muss sie sich "nur noch" an den Google-Kalender und Einladungen gewöhnen und das Dings immer dabei haben)
- Widerstrebende, die Technik nutzen, wenn man sie ihnen erklärt und vorbereitet. Dann nutzen sie sie auch gern, weil es einen Mehrwert bietet (meine Schwiegermutter lässt mich Anleitungen lesen und erwartet dann, dass mit einem Knopf alles funktioniert - schwierig, wenn man für Fernseher und Sat-Receiver zwei Fernbedienungen hat ;) )
- Ignorierer, die von der Existenz einer Technik wissen, aber sie nicht nutzen *wollen* und das auch unmißverständlich alle spüren lassen.
- Widerstrebende, die eine Technik nutzen, weil es von ihnen "irgendwie" erwartet wird; aber eigentlich wollen sie nicht, trauen sich aber nicht, dies so vehement zu vertreten wie die "Ignorierer". Der Widerstand besteht darin, die Technik (z.B. Email) so selten zu nutzen, dass das Gegenüber es nach einem oder zwei Fehlschlägen aufgibt, z.B. weil eine Einladung per Email nicht wahrgenommen wurde.
Diese Klassifizierung ist sicherlich nicht erschöpfend, aber nahezu meine komplette eigene Umgebung kann ich da schon ziemlich vollständig einsortieren ;)
In einer Elternbeiratssitzung der 6. Klasse von Kind 1 hatte ich mal vorgeschlagen, ein Wiki mit einer geschlossenen Benutzergruppe einzurichten, um dort Informationen abzulegen, die für die ganze Klasse relevant sind. In einer Klasse von 30 Kindern waren gerade mal 3 Eltern, die überhaupt verstanden, von was ich eigentlich gesprochen hatte. Wikipedia kannten zwar fast alle, aber die Tatsache, dass man a) so etwas selbst einrichten und b) selbst darin schreiben kann, kam für *alle* total überraschend.
Im Elternbeirat der Grundschule haben wir es nichtmal geschafft, unsere Mitteilungen als Email zu schicken ("ich guck nur alle 3 Wochen in meine Email ..."). Also weiterhin ausdrucken und in die Ranzenpost ...
Immerhin: Email funktioniert im Gymnasium, aber das war's auch schon. Termine über Doodle? Blog? Google-Kalender? Ach nö, danke.
Ganz bemerkenswert und total klasse finde ich, dass die Gemeinde Wölfersheim die Müllabfuhr-Termine als öffentlichen Google-Kalender anbietet. Das ist simpel und genial bequem. Ich liebe es.
Zu diesem Dilemma der Aufspaltung in "Umarmer" und "Ablehner" trägt natürlich auch bei, dass sich die Telekom-Konzerne nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was die Internet-Versorgung auf dem platten Land betrifft. Mit ein klein wenig Verschwörungstheorie könnte ich mir sogar erklären, warum bei meinem DSL der variable RAM-Modus abgeschaltet wurde und ich plötzlich wieder mit 384 statt 1700 KBit/s surfen musste.
Seit Oktober haben wir stattdessen LTE mit 7200 KBit/s, aber dafür mit einer mobilfunktypischen Beschränkung auf 10 GB Volumen pro Monat (Korrektur: seit Dezember gibt es S/M/L-Tarife mit 10/15/30 GB pro Monat und für 9,95 Euro sogar zusätzliche 30 GB auf Zuruf), und danach mit Drosselung auf die vorherige DSL-384-Geschwindigkeit. Das führt dazu, dass man immer mit dem Hintergedanken surft, wann die Drosselung zuschlägt ;(. Dienste wie Internet-Radio und Streaming sind so natürlich illusorisch.
In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.
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