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13.02.2014

Das Abhören - neue Wege für die EU?

In letzter Zeit kommentiert die WZ erstaunlich kritisch zum Thema "Abhören". Die Autoren Ferber und Spang schreiben richtig gute und tatsächlich sachliche Glossen. Deshalb habe ich die beiden in einem Leserbrief auch ein bißchen gelobt:

Leserbrief zu Kommentaren am 18.01.2014 und 06.02.2014

Herr Spang und Herr Ferber, Ihre Kommentare sind erfrischend und benennen genau, worum es geht:
das Abhören ist ein Zeichen amerikanischer Machtausübung. Es geht bei weitem nicht um Terrorismusabwehr, auch wenn uns das immer eingeredet wird. Die USA sind nur an Erdöl und Informationen interessiert. Seit dem Anschlag 9/11 dreht sich die Eskalationsspirale immer schneller.

Genauso wie bei der Vorratsdatenspeicherung, die in Deutschland diskutiert wird, fehlt jeder sachliche Nachweis, dass das Abhören und Speichern der diversen amerikanischen Geheimdienste notwendig, angemessen und verhältnismäßig ist.
Jeden Tag hören wir in den Nachrichten von neuen Anschlägen. Sollte nicht genau das verhindert werden können, wenn das Abhören wirklich so umfassend ist, wie wir jeden Tag in immer neuen Details erfahren?

Der internationale Aufruhr ist entstanden, weil die Kanzlerin festgestellt hat, dass die Amerikaner keine Rücksichten nehmen und keine Freunde kennen, wenn es um ihre Interessen geht. Seit langem ist bekannt, dass alle Geheimdienste untereinander Daten austauschen. Vielleicht ist die Kanzlerin auch nur deshalb ärgerlich geworden, weil es bekannt wurde?

Offensichtlich fehlt der politische Wille sowohl zur Aufklärung als auch zum Abstellen dieser Zustände. Es gäbe durchaus Hebel, die die EU einsetzen kann: die Überlassung von Banktransferdaten (SWIFT), die Übermittlung von Fluggastdaten (Passenger Name records), internationale Abkommen wie ACTA, TTIP uvm.

Eine mittelfristige Überlegung wäre auch, die gesamte EU in der Außen- und Sicherheitspolitik neu und klar zu positionieren. Das ginge, allerdings sollte dazu das amerikanische U-Boot namens Großbritannien (diese Formulierung habe ich bei Bronski aus dem Blog der Frankfurter Rundschau entliehen) sich entweder deutlich zur EU bekennen oder die EU verlassen.

Nicht einmal die offensichtliche Gefahr von Wirtschaftsspionage bringt unsere Regierungen dazu, mit mehr Selbstbewusstsein aufzutreten. Es ist erstaunlich, dass die üblichen Lobbys sich so bedeckt halten, statt die Probleme anzusprechen und Lösungen einzufordern. Die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 wurde massiv abgehört, und weil die USA vorher wussten, dass ein Plan B als Kompromiß schon vorbereitet war, konnten sie bei den regulären Verhandlungen ungeniert alles Unliebsame ablehnen.

Wie Sie schon ganz richtig gefordert haben: wenn die USA weiter spionieren, müssen wir technisch dagegen vorgehen und nicht zahnlose Reisebittsteller wie Pofalla in die USA schicken und uns dann die Beendigung der Affäre vorlügen lassen.

Technische Möglichkeiten sehe ich genug:

1. flächendeckender Einsatz von Verschlüsselung, sowohl im privaten als auch geschäftlichen Bereich. Jeder sollte grundsätzlich seine Emails verschlüsseln (installieren Sie Thunderbird mit dem Zusatzprogramm Enigmail, das gibt es für Windows, Linux und Mac). Jeder sollte nur noch verschlüsselte Webseiten aufrufen und unnötige Signaturstellen, denen man nicht vertrauen kann, aus dem Browser löschen.

2. Amerikanische Signaturfirmen für SSL-Zertifikate sollten gemieden werden, weil nicht sicher ist, ob die Geheimdienste nicht Zugriff auf deren Basisschlüssel haben (sog. Rootzertifikate). In diesem Fall wären nahezu unerkennbare "man in the middle"-Attacken möglich.

3. Jeder sollte bei der Auswahl von Dienstleistern darauf achten, ob diese ihr Rechenzentrum in der EU betreiben, oder eine Mutterfirma in USA haben, die der Jurisdiktion mit Geheimgerichten und Schweigeanordnungen unterliegt (prominente Beispiele: Facebook, Google, Amazon, Twitter).

4. Die Telekom sollte am Frankfurter Internet-Austauschknoten DE-CIX teilnehmen statt mit jedem Partnerunternehmen eigene Internetrouten auszuhandeln ("peering"), die unkontrolliert durch ausländisches Gebiet verlaufen können.

5. Da der englische Geheimdienst GCHQ die Seekabel zwischen der Insel und USA abhört und die Daten mit den Geheimdiensten von USA, Australien, Kanada und Neuseeland austauscht ("5 eyes-Gruppe"), könnten langfristig Seekabel vom Kontinent aus gebaut werden, wie z.B. jetzt gerade ein Seekabel von Europa nach Brasilien in Planung ist.

[Update: abgedruckt 13.02., von de WZ-Red. gekürzte Stellen markiert]

22.04.2013

Thunderbird Tipp: RSS-Feeds öffnen ungefragt Webseiten im Browser

Hier kommt mal eben kurz ein nützlicher Tipp für Thunderbird, wenn man wie ich gern RSS-Feeds für die täglichen Nachrichten liest.

Manche Feeds rufen ungefragt, wenn man die HTML-Ansicht eingestellt hat, Webseiten auf, teilweise mit Werbung, teilweise zum Tracking, und wofür noch nicht alles (googleusercontent.com, twimg.com, doubleclick.net usw.usf). Sehr lästig und unverschämt. Normalerweise stoppt der Werbeblocker im Browser solche Aufrufe, aber offensichtlich nicht, wenn man über RSS mitliest.

Wenn man das nicht mehr haben will, kann man sich mit einem kleinen Trick behelfen: man schaltet Javascript in Thunderbird aus. Das tut in den allermeisten Fällen nicht weh. Ich habe wissentlich noch nie JavaScript in Thunderbird gebraucht, weder für Emails noch für RSS oder News.

Je nach Betriebssystem und Sprache ruft man den Button "Config Editor" auf und in der Filterbox als Suchbegriff "javascript.enabled". Wenn die angezeigte Zeile ein "true" enthält, mit der Maus doppelt draufklicken und - fertig!

Ok, und wo finde ich diesen Button nun? Hier in der Tabelle nachgucken, wie der Weg dahin führt:

EnglischDeutsch
LinuxEdit -> Preferences -> Advanced -> GeneralBearbeiten -> Einstellungen -> Erweitert -> Allgemein
WindowsTools -> Preferences -> Advanced -> GeneralExtras -> Einstellungen -> Erweitert -> Allgemein

Und dann ganz beherzt: Thunderbird Config Editor button anklicken und die Warnung lesen. Dann auf den Button für "weitermachen!" klicken ("ja, ich bin vorsichtig ...").

Der Eintrag wird jetzt fett dargestellt mit dem Text false. Dies bedeutet, dass Javascript in den HTML-Seiten der RSS-Feeds nicht mehr ausgeführt wird. Fenster der Reihe nach wieder schließen und erledigt.

Zur Kontrolle: wenn man den Postillon über RSS liest, passiert das gern. Nach der Änderung nicht mehr.

08.04.2013

Aktuelle Mozilla-Programme downloaden

Mal wieder ein kleines, nützliches Skript, um bei den Updates für Firefox und Thunderbird auf Windows Schritt zu halten. Das ist sehr praktisch, wenn man ein eigenes kleines Netzwerk verwalten muss und nicht jeder PC einzeln die Updates runterladen soll.

Das Skript verlässt sich auf die Symlinks "latest" bzw. "latest-esr" auf dem Downloadserver. Die sind leider nicht so spontan aktuell, aber doch durchaus noch im vertretbaren Rahmen. Wenn man eine ganz bestimmte Version haben will oder die Symlinks doch länger nicht aktuell sind, kann man auch auf der Kommandozeile die gewünschte Versionsnummer direkt angeben (z.B. "19.0.42" oder "17.0.5esr"). Erste Angabe ist für Firefox, zweite Angabe für Thunderbird.

Beispiel von Aufrufen mit "verbose"-Option:

get-mozilla.sh -v 20.0.1 17.0.5
get-mozilla.sh -ve 17.0.5esr 17.0.5esr
Das Skript besorgt sich mit "lynx -dump" für die gewünschte Version ("release" bzw. "esr", "de" bzw. "en") die Download-Seite bei einem der gespiegelten Mozilla-Server im Klartext, sucht sich aus dem Anhang der Seite die Downloadlinks heraus, und lädt dann die neuen Versionen herunter, sofern sie nicht schon lokal vorhanden sind. Es wird also nix doppelt runtergeladen. Wer kein rsync verwendet, kann den letzten "if"-Befehl im Skript entfernen, das kopiert die heruntergeladenen Dateien auf einen anderen Server.


Da die ESR-Versionen (Extended Support Release, d.h. nur Sicherheitsupdates, keine neuen Features für den Support-Zeitraum) nicht überall gespiegelt werden, gibt es einen expliziten Server, von dem diese "Enterprise"-Versionen geholt werden.

Wenn man also die "normalen" rapid-release und die ESR-Versionen benötigt, muss man das Skript 2x aufrufen, einmal mit "-e", einmal ohne diesen Switch. Danach hat man vier Dateien pro Variante, TB und FF jeweils in deutsch und englisch. Wer weniger oder andere Sprachen haben will, muss das Skript entsprechend anpassen.

Gesteuert wird das Skript über einige Switches:
  • -e ESR-Version herunterladen
  • -v verbose
  • -s nur Anzeigen, nix herunterladen
  • -S rsync zum Kopieren auf einen anderen Server
#!/bin/sh

# ftp.mozilla.org
# /pub/mozilla.org/firefox/releases/17.0esr/win32/en-US
# /pub/mozilla.org/firefox/releases/17.0esr/win32/de
# Firefox Setup 17.0.2esr.exe
# /pub/mozilla.org/thunderbird/releases/17.0esr/win32/de/
# /pub/mozilla.org/thunderbird/releases/17.0esr/win32/en-US/
# Thunderbird Setup 17.0.2esr.exe
# https://download-installer.cdn.mozilla.net/pub/mozilla.org/

latestff=latest
latesttb=latest
esrff=latest-esr
esrtb=latest-esr
show=0
sync=0
verbose=-q
url=http://download-installer.cdn.mozilla.net/pub/mozilla.org
mirror=ftp.mozilla.org/pub/mozilla.org

while getopts "esSv" opt
do
  case "$opt" in
  S) sync=1;;
  s) show=1;;
  v) verbose=-v;;
  e) latestff=$esrff
     latesttb=$esrtb
     url=$mirror
  ;;
  esac
done
shift $(expr $OPTIND - 1)

PATH=/opt/bin${PATH:+:$PATH}

ff=$url/firefox/releases/%s/win32
tb=$url/thunderbird/releases/%s/win32
ffde=$ff/de
ffen=$ff/en-US
tbde=$tb/de
tben=$tb/en-US
mail=0

msg() { echo "$*" 1>&2; }
error() { msg "$*"; exit 1; }

download() {
  ver=${4}
  u=$(printf "$1" $ver)
  name=$(lynx -dump $u | awk '/\.exe$/{sub(/.*\//,"",$2);print$2;exit;}')
  ver=${name%.exe}
  ver=${ver#*Setup%20}
  fn=$2-$ver-$3.exe
  if [ $show -eq 1 ]
  then
    echo "$u"
    lynx -dump $u | awk '/\.exe$/{sub(/.*\//,"",$2);print$2;exit;}'
    echo "$fn"
  else
    if [ -f "$fn" ]
    then
      echo found $2 $ver $3
    else
      echo downloading $2 $ver $3
      wget $verbose $u/$name -O "$fn"
      if [ -s "$fn" ]
      then
        mail=1
      else
        rm "$fn"
      fi
    fi
  fi
}

cd /install/mozilla

download "$ffde" firefox de ${1:-$latestff}
download "$ffen" firefox en ${1:-$latestff}
shift
download "$tbde" thunderbird de ${1:-$latesttb}
download "$tben" thunderbird en ${1:-$latesttb}

if [ "$mail" -eq 1 ]
then
  echo send mail ...
  ls -1rt | \
  grep -i '\.exe' | \
  /bin/mail -s "New Mozilla software (FF $latestff) (TB $latesttb)" ths
fi
if [ "$sync" -eq 1 ]
then
  echo sync to nas ...
  rsync -v -e /opt/bin/ssh *.exe root@nas:/mnt/nas1/install/mozilla
fi