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24.03.2026

Smallville - der junge Clark Kent - Serienkritik

Mit der "Joyn"-App ist es möglich, Filme und Serien aus der Mediathek der Pro7-Sat1-Gruppe zu schauen. Leider sind die Filme dort üblicherweise nur in deutsch und meistens auch ohne Untertitel verfügbar. Das schmerzt mich als Fan der Originalsprache schon sehr, aber als ich diesen Blogartikel begann, gab es in Deutschland nur diese eine Möglichkeit, als Liebhaber von Comicverfilmungen den jungen Clark Kent als Teenager von ca. 15-17 Jahren zu sehen. Also schaute ich zähneknirschend in deutsch ohne Untertitel bis irgendwo in der siebten Staffel, und das zog sich hin, weil es auf Deutsch eben weniger Spaß macht. Mittlerweile gibt es "Smallville" auch bei Netflix, und das macht nun in Englisch schon deutlich mehr Spaß, zumal die späteren Staffeln auch deutlich besser für meinen Geschmack sind, aber dazu gleich noch mehr. Dieser Artikel enthält jede Menge Spoiler - wer also gern beim Schauen überrascht wird, sollte nicht weiterlesen. Andererseits ist die Serie schon 25 Jahre alt, ich nehme keine Rücksichten :-)

Es gibt mehrere "Superman"-Verfilmungen mit realen Schauspielern im Kino- und Serienformat. Nach den Filmen mit Christopher Reeve gab es in den 90er Jahren eine Serie "Lois und Clark" mit Dean Cain und Teri Hatcher, die leider nur vier Staffeln hatte, mehrere offene Handlungsstränge hinterließ (Cliffhanger mit Findelbaby), und die sich mehr auf die Beziehung zwischen Lois und Clark fokussiert hat als auf Superkräfte. Der letzte Ableger "Superman und Lois" aus dem "Arrowverse" hat ebenfalls nur vier Staffeln bekommen und beleuchtet das Leben von Superman, Lois und ihren zwei Söhnen in Smallville, die unterschiedliche Kräfte entwickeln. Die Schauspieler kennt man aus der "Supergirl"-Serie, allerdings gab der Showrunner später bekannt, dass die Handlung nach der "Crisis" nicht auf "Earth Prime" spielt, sondern auf einer Parallelerde.

Durch eine kurze Szene im eben schon kurz erwähnten "Arrowverse"-Crossover "Crisis on infinite earths" wird die Smallville-Serie genau wie "Lucifer" ins "Arrowverse" geholt, als der Lex Luthor von Supergirls (ehemaliger) Erde-38 mit Hilfe des Buchs des Schicksals alle Superman-Inkarnationen im gesamten Multiversum töten will. Der erwachsene Superman von "Smallville" (Erde-167 im Multiversum) hat seine Kräfte aufgegeben, bewirtschaftet wieder die Farm in Smallville, und er hat keine Probleme, das grüne Kryptonit zu berühren, mit dem Luthor ihn bedroht. Zwischenzeitlich ist der "örtliche" Lex Luthor sogar Präsident geworden, was er früh in der Serie tatsächlich schon als Wunsch geäußert hatte. Dieses Detail bei der Einordnung ins Arrowverse kam bei vielen Fans nicht gut an, weil sich "Smallville" 10 Staffeln lang darauf konzentriert hat, wie sich Clark mit Hilfe einer Jor-El-KI in der Festung der Einsamkeit sowie vieler Freunde und Feinde auf seine spätere Rolle als Superman vorbereitet. Da ich hier schon vorgreife und die Präsidentenwahl erwähne: der gewählte Lex ist ein aus "Ersatzteilen" von vielen Klonen zusammengesetzter Körper - dieser Handlungsstrang in den letzten Staffeln ist etwas abstrus geworden. Weiter unten noch etwas mehr dazu.

Die einzige Serie aus dem DC-Universum, die sich nicht in das Arrowverse einpasst, ist somit "Gotham" mit dem jungen Bruce Wayne, der noch nicht Batman ist und die sich auf Jim Gordon als Hauptprotagonist fokussiert, wobei auch hier schon sehr viele Anspielungen auf DC-Charaktere zu bemerken sind, wie z.B. Selina Kyle als Catwoman, Pamela Isley als Poison Ivy oder der Pinguin.

Natürlich ist es schwieriger, Superkräfte in der Tricktechnik darzustellen als die technischen Gadgets von z.B. Batman, der schon in den 40er und 60er Jahren real verfilmt wurde. "Smallville" löst das Problem eigentlich ganz gut. Ähnlich wie in den frühen Comics hat Clark Kent noch nicht alle seine Superkräfte vollständig entwickelt, z.B. kann er (noch) nicht fliegen. Er läuft enorm schnell und ist sehr stark (aber nicht so schnell wie der "Flash" Bart Allen), und im Verlauf der Serie entwickeln sich erst sein Hitzeblick, Röntgenblick und das Supergehör sowie die Unverletzbarkeit. In den ersten paar Folgen fängt er sich noch blaue Flecken und leichte Verletzungen ein, später kann er Hieb-, Stich- und Schusswaffen problemlos ignorieren und sogar als Schutzschild andere Personen vor Kugeln, Beilen und Bussen retten. Interessanterweise kann aber seine Cousine Kara, die in der 7. Staffel als Charakter dazu stößt,  problemlos fliegen und fragt ihn verwundert, warum er die Gravitation nicht überwinden kann. In den letzten beiden Folgen bestätigt ihm die Jor-El-KI, dass er nun "bereit" sei und keine Hilfe mehr benötige. Er schaltet die KI ab und kann dann tatsächlich fliegen - was wesentlich für den Abschluss der Serie und den Endgegner ist.

Für einen erwachsenen Zuschauer sind das Highschool-Drama und die nie stattfindenden Liebesbeziehungen stark überbetont und nervig. Innerhalb der ersten vier Staffeln gibt es einige Techtelmechtel mit Lana Lang, aber daraus entwickelt sich erst spät eine Beziehung, bevor die Schauspielerin Kristin Kreuk mit Superkräften, aber kryptonitverseucht aus der Serie ausscheidet. Genau nervig ist die Notwendigkeit, Clark trotzdem verletzlich darzustellen, damit es nicht zu leicht wirkt, den Gegner der Woche zu besiegen.

Auch in der College-Zeit nach der Highschool gibt es immer noch Liebesdrama, weil Lana Lang (natürlich) Clark vorwirft, dass er weiterhin Geheimnisse vor ihr hat. Das Liebesdrama verlässt die Highschool, wird aber nicht besser, als Lana sich aufgrund der Geheimnistuerei von Clark trennt und sich Lex zuwendet. Sie wird scheinbar schwanger und heiratet ihn sogar in der sechsten Staffel. Um den Status Quo (das übliche Serienproblem) beizubehalten, erlebt sie eine Fehlgeburt und verliert Lex' Baby. Die Schwangerschaft war aber nur vorgetäuscht, indem Lex ihr heimlich Hormonmedikamente gab. Das führt erneut zu Liebesdrama, Lana wendet sich wieder Clark zu und sie werden für einige Zeit ein Paar. Nach einem Experiment entwickelt sie Superkräfte und kann Kryptonit entschärfen, wird dabei aber selbst "strahlend" und trennt sich deshalb endgültig von Clark. Später kommt es dann gemäß dem Superman-Kanon zur Partnerschaft und Liebelei mit Lois Lane. Sie erfährt spät in der 9. Staffel von seinen Kräften, wobei Clark zunächst nicht weiß, dass sie es weiß.

Das Highschooldrama endet zwangsläufig nach 4 Jahren - das ist die übliche Zeitdauer für den amerikanischen Schulbesuch zur Hochschulreife (bzw. College) nach der Mittelschule. Ab der 5. Staffel finden sich die Charaktere an diversen Universitäten wieder und es gibt immer noch kein Ende des Hin und Her zwischen Clark und Lana. Sie werden zwar kurz ein Paar, aber da Clark ihr seine Superkräfte nicht enthüllen will, trennt sie sich wieder von ihm. Unterhaltsam sind die verbalen Streitereien zwischen Lois und Clark, die sich in dieser Serie gar nicht grün sind (Anspielung auf Kryptonit, haha). Trotzdem gibt Lois einige Anmerkungen von sich, die man auf ihr - vermutlich - späteres gemeinsames Leben beziehen kann. Leider gibt der Schnipsel aus der "Crisis" des Arrowverse hier keine Hinweise - Clark tritt als Besitzer der Farm allein ohne Partnerin auf - was auch verwirrend ist, weil ihm Mutter Martha die Farm überschrieb und der Verkauf beschlossene Sache ist, um nach Metropolis zu ziehen.

Das nächste Liebesdrama spielt sich zwischen Chloe und Jimmy Olsen ab, als Chloe befürchtet, durch ihre Meteoriteninfektion in Lebensgefahr zu sein, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, und diesen Fakt nicht mit Jimmy besprechen will. Dieses Drama endet mit der gleichen Staffel, als Olsen getötet wird. Im Finale tritt der Schauspieler als Bruder nochmals auf, so dass es nach wie vor einen Fotografen "Olsen" beim Daily Planet gibt.

Die Serie führt viele bekannte Charaktere ein und erfindet auch einige neue, die es in den Comics in diesen Rollen so nicht gibt, z.B. Lois Lanes Cousine "Chloe Sullivan" oder Lex Luthors Vater "Lionel Luthor". Der Charakter von Lex Luthor ist ambivalent, aber zunächst durchaus positiv eingestellt, was Clark allerdings nicht immer so wahrnimmt. Er wird von Clark nach einem Autounfall gerettet und versucht danach mehrere Staffeln lang, exakt den Hergang seiner Rettung zu rekonstruieren, was dann für diverse Streits und Zerwürfnisse sorgt, weil Clark sich bespitzelt fühlt. Andererseits haben sowohl Clark als auch Lex Geheimnisse, die sie sich gegenseitig verschweigen. Chloe ist verliebt in Clark, was ihm auch bewusst ist, aber sie respektiert seine Gefühle für Lana. Im Verlauf der Serie entwickelt sich Lex immer skrupelloser und ordnet Experimente mit Meteoritengestein an Menschen an, um Supersoldaten zu entwickeln. Es gibt mehrere Episoden in Parallelwelten, und nachdem Lionel von Lex getötet wird, taucht der Lionel aus einer dieser Parallelwelten auf. Der Charakter Lex Luthor scheidet nach sieben Staffeln aus: Green Arrow sorgt für eine Explosion im LKW mit dem rollenden Krankenzimmer des schwer verletzten Lex, was Clark erst wesentlich später erfährt und zu einem (kurzen) Zerwürfnis mit Oliver führt. Im Finale gibt es ein kurzes Gastspiel, allerdings (wie oben schon erwähnt) ist dies ein aus Einzelteilen von vielen Klonen zusammengesetzter "neuer" Körper, der zunächst alle Erinnerungen des ursprünglichen Lex besitzt (wie?), die ihm dann allerdings durch eine Droge genommen werden, so dass er die geheime Identität von Clark Kent nicht mehr kennt.

Der rote Faden durch die Serie "Smallville" ist der Meteoritenschauer aus Kryptonit, der nach Kryptons Zerstörung im Großraum von Smallville niedergeht und kleinteilige Überreste wie Sand am Meer hinterlässt, die Jahre später noch von jedermann gesammelt und eingesetzt werden. Da grünes Kryptonit Clark enorm schwächt und sogar tödlich sein kann, wird in nahezu jeder Folge dieses Kryptonit eingesetzt, um auf diese Weise für Drama zu sorgen. Es gibt sogar grünes Kryptonit in Getränken, als Injektion, als Inhalation, als Bad, sogar als Autotreibstoff. Kryptonit tritt auch in anderen Farben und damit verbunden anderen Eigenschaften auf. Es gibt rotes Kryptonit als Schmuckstein, das in Clark negative Charaktereigenschaften wie Neid, Gier und Egoismus verstärkt, blaues Kryptonit, das ihm temporär seine Kräfte nimmt, und diverse andere Farben. Mit einem schwarzen Kristall kann Martha Kent dem gehirngewaschenen Kal-El sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit wiedergeben. Der Endgegner Darkseid will Clark im Finale der letzten, zehnten Staffel mit goldenem Kryptonit dauerhaft seine Kräfte nehmen, da Superman der einzige Gegner ist, den er wirklich fürchtet.

Interessant ist, dass keinerlei Gesundheitsorganisation sich zuständig fühlt, dieses merkwürdige außerirdische Gestein zu untersuchen und vielleicht sogar Quarantäne oder Evakuierung durchführen, wenn es doch so starke Auswirkungen auf Menschen hat. In einer Folge atmet Martha giftige grüne Gase ein, als sie im Kellerversteck des Miniraumschiffs etwas vergräbt, und die Seuchenschutzbehörde taucht auf. Allerdings hat dies auch keine längerfristigen Konsequenzen über diese Episode hinaus.

Im Verlauf der Serie stellt sich heraus, dass die Kryptonier schon lange über die Zerstörung ihres Heimatplaneten wussten und Vorbereitungen trafen, indem sie im Verlauf mehrerer Hundert Jahre eine Höhle auf dem damaligen Indianergebiet mit Informations- und Transporttechnologie ausstatteten, die durch einen "Schlüssel" aktiviert werden. Kara und Lara El besuchen sogar die Erde in Person und schauen sich im Haus der Kents um, hinterlassen sogar ein verstecktes Polaroid. Dramaturgisch geht der "Schlüssel" in Form eines Metallplättchens durch mehrere Hände, u.a. beide Luthors, und auch Jonathan Kent verschweigt Clark zunächst, dass dieser Schlüssel existiert. Im Verlauf scheint es so zu sein, dass mehrere dieser Schlüssel existieren, mit denen Aufzeichnungen, Hologramme etc. aktiviert werden können. Später entsteht aus diesem Schlüssel die "Festung der Einsamkeit" (fortress of solitude) in der Arktis mit vielen Informationskristallen, aus denen Clark gemäß Jor-Els Absichten über Krypton lernen soll. Mit einem bestimmten dieser Kristalle konnte Jor-El (oder eine KI mit seinem Wissen) sogar einmalig die Zeit um 24 Stunden zurückdrehen, um den Tod von Lana Lang ungeschehen zu machen - was allerdings zum Herztod von Jonathan Kent führt.

Viele Episoden handeln davon, dass sich Menschen durch den Meteoritenschauer und die Einwirkung oder sogar bewusste Einnahme oder Anwendung von Kryptonit verändert haben und selbst Fähigkeiten wie Telekinese, Teleportation, Hypnose, Liebeszauber usw. entwickeln. Lionel Luthor engagiert in einer Folge einen Mörder, der dem T-1000 aus "Terminator 2" nachempfunden ist und seinen Körper aus metamorphem Metall zu einer Waffe machen kann. Viele dieser Veränderungen führen dazu, dass diese "Metas" (um einen Begriff aus dem "Arrowverse" zu verwenden) ihre Fähigkeiten für Verbrechen oder zum Eigennutz einsetzen. Vermutlich aus dramaturgischen Gründen teilen die Hauptpersonen der Handlung ihr jeweiliges Wissen nicht mit den anderen Beteiligten, so dass kritische Situationen oft sehr künstlich wirken und zu offensichtlich hätten vermieden werden können.

Was mich immer wieder unglaublich stört und auch schon im Artikel über das Arrowverse kritisiert habe, ist das dramaturgisch meistens gar nicht notwendige endlose Erklären von Situationen - der Bösewicht verschwendet Zeit zum Erklären oder der/die "Gute" verschwendet Zeit zum Zuhören und Diskutieren, statt einen Überraschungsangriff zu starten. In den allermeisten Fällen könnte Clark aus der Entfernung mit Hitzeblick oder Supergeschwindigkeit seinen Gegner außer Gefecht setzen oder dessen Waffe zerstören. Stattdessen wird wertvolle Zeit verschenkt, in der der Gegner den Angriff vorbereitet.

Die "Todesquote" in Smallville ist für eine Teenage-Drama-Serie ganz schön hoch. Viele der Charaktere, die auf die eine oder andere Weise etwas über Clarks geheime Superkräfte erfahren, sterben oder fallen ins Koma. Besonders bitter ist der Tod der Teleporterin Alicia Baker, einer "love interest", die von einem wahnhaften Fanatiker als "Freak" "bestraft" und hinterrücks ermordet wird, kurz nachdem sie in Las Vegas eine (ungültige) Trauung vollzogen haben (Clark ist zu der Zeit noch minderjährig und hatte keine Vollmacht seiner Eltern für eine Hochzeit). Aber auch B-Helden sterben - Hawkman sieht seinem Tod nach einem verlorenen Kampf gelassen entgegen, weil er der Wiedergeburt und -vereinigung mit seiner Frau entgegen sieht.

Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass hier nach und nach über die zehn Staffeln ein Großteil des DC-Spektrums an Charakteren eingeführt wird, und nicht nur aus den Superman-Comics, sondern auch aus der gesamten Justice League of America, von der Suicide Squad unter Amanda Waller, und sogar aus der "Justice Society of America" aus den goldenen 40ern: Lana Lang, Lois Lane, Lex Luthor, Supergirl, Black Canary, Pete Ross, Victor Stone (Cyborg), Darkseid, Doomsday, Brainiac als Mitglied der "Legion" aus der Zukunft, Green Arrow, Aquaman und Mera, der Marsianer John Jones ("Martian Manhunter"), Bart Allen (in "Smallville" allerdings zunächst nicht als "Impulse", Sohn von Barry Allen, sondern ein Dieb ohne Hintergrundgeschichte - bis auf die Erwähnung des Blitzeinschlags), Dr. Fate, Hawkman, Starman (der von Icicles Sohn ermordet wird), Stargirl, der Hybrid Conner Kent (mit DNA von Lex und Clark) und diverse B-Charaktere wie Tess Mercer oder Desaad. Dabei ist die Bezeichnung "B-Charakter" für Tess Mercer tiefgestapelt: sie entpuppt sich in der finalen Staffel als Lex' Halbschwester Lutessa Lena Luthor, der von Granny Goodness auf Anordnung von Lionel Luthor als junges Mädchen das Gedächtnis genommen wurde. Auf ihrer echten Geburtsurkunde lautet der Name der Mutter "Pamela Jenkins", dem früheren Kindermädchen von Lex. Weitere Anspielungen sind der Flügelhelm des originalen Flash sowie die Laterne und der Ring eines Green Lantern, der Zeit nach zu urteilen der erste, Alan Scott.

Beim ersten Auftreten von Aquaman erwähnt dieser einen menschlichen Vater und eine Mutter, die schon lang verstorben ist. Erst durch die Begegnung mit Green Arrow ändert Bart sein Verhalten und nennt sich "Impulse". Hawkgirl ist schon vor längerer Zeit verstorben und Lois Lane erfährt in einem Gespräch mit Carter Hall von einem Tausend Jahre alten Fluch, der die beiden Liebenden immer wieder zusammen finden lässt, um sie dann sterben zu lassen. Allerdings gibt es hier keinen bösen Magier Vandal Savage wie im Arrowverse, der beider Tod benötigt, um Lebenskraft für sich selbst zu sammeln.

Spannend ist, dass der Green Arrow in dieser Serie ebenfalls beide Elternteile verloren hat, sich nach diversen Highschool- und Uni-Eskapaden "gebessert" hat und nun wie ein moderner Robin Hood von den Reichen stiehlt und den Armen spendet. Er versammelt Impulse, Cyborg und Aquaman in der zukünftigen "Justice League of America" und nimmt Clark das Versprechen ab, dort ebenfalls mitzuwirken, nachdem Clark sein Problem mit Lex und dessen Versuch gelöst hat, "Meteoriten-Freaks" als Waffe umzufunktionieren.

Spät in der Serie stellt sich heraus, dass Lionel Luthor mit den Queens, Swanns und Teagues eine Geheimgesellschaft "Veritas" gegründet hat, die Einzelteile einer Maschine besitzen, um "den Reisenden" zu kontrollieren - allerdings wissen sie nicht, wer der Reisende ist: Clark. Lionel will diese Maschine allein besitzen und lässt alle anderen Mitglieder der Gesellschaft ermorden, eben auch die Eltern von Oliver Queen. Im Showdown der siebten Staffel erfährt Lex, wer Clark ist. Durch die Zerstörung der Festung der Einsamkeit wird er schwer verletzt und taucht in der nächsten Staffel nur für einige kurze Gastauftritte als Charakter auf, aber nicht mehr gespielt von Michael Rosenbaum.

Es gab damals keine Lizenzrechte an Batman, den sich DC für die große Kinoleinwand aufheben wollte, nur gelegentlich eine Erwähnung von Gotham. Überraschend war es dann im "Arrowverse" möglich, einen gealterten Batman (ohne Kostüm) auf einer Parallelerde auftreten zu lassen, der zunächst Supergirl gegenüber sehr feindlich eingestellt war und sie sogar mit Kryptonit angriff. Gespielt wurde dieser Bruce Wayne vom Synchronsprecher Batmans in diversen Animationsserien, Kevin Conroy. In der "Batwoman"-Serie ebenso wie in "Arrow" wird erwähnt, dass Batman vor einigen Jahren spurlos verschwand. Hier wäre beide Male Potential für eine Fortführung gewesen, zumindest einige Episoden lang für die Suche nach ihm. Genau wie die Erwähnung von Harley Quinn in der 2. Staffel von Arrow wurde hier eine Andeutung gemacht, daraus eine eigene Serie zu etablieren oder wenigstens als Handlungsstrang innerhalb einer der Serien auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt also recht wenig aus dem DC-Universum, was nicht in "Smallville" zu finden ist: neben dem prominenten Batman auch Wonder Woman Diana Prince, und die "Green Lantern" gibt es hier auch nur als Reminiszenz im Museum der JSA. Immerhin erwähnt Lois' Cousine Chloe, dass sie auf ihren Unternehmungen und Reisen einen Milliardär mit vielen "tech gadgets" und eine "wondrous woman" kennengelernt habe.

Diverse Logik- und Continuity-Fehler stören immer mal wieder das durchwachsene Bild dieser Serie. Supergirl nimmt eine Auszeit von etwas mehr als einer Staffel, um "Kandor" zu suchen. Gemäß Superman-Kanon ist dies eine miniaturisierte Stadt in einer Flasche, in der Kryptonier keine Superkräfte haben. In "Smallville" ist Kandor eine Stadt auf Krypton, die in einem Krieg 20 Jahre vor Kryptons Explosion zerstört wurde. Bei ihrer Rückkehr berichtet Kara aber, dass sie lange nach ihrer Mutter (nicht nach Kandor!) gesucht, sie aber nicht gefunden habe. Bei einer Unterhaltung mit Clark sieht man deutlich, dass sie gepiercte Ohrringe trägt. Bei der Zerstörung der Festung in der Arktis verliert Clark seine Kräfte, aber man erfährt nicht konkret, wie das geschah und warum er dann in einem russischen Arbeitslager auftaucht, wo ihn Green Arrow freikauft. Warum Zod eine Maschine bauen will, die aus der gelben Sonne eine rote machen soll, ist vollkommen unklar - die Kryptonier würden ihre Kräfte verlieren. Fans spekulieren, dass die Klone eine rote Sonne brauchen, keine gelbe. Clark bekommt seine Kräfte zurück, indem der Martian Manhunter ihn näher zur gelben Sonne bringt, was seinerseits ihn seine Kräfte kostet (die er später auf "magische" Weise ebenfalls wieder zurück erhält).

Insgesamt bleibt als Fazit: es gibt an vielen Stellen ein "deus ex machina", also ein Gerät, das spontan auftaucht und genau dieses eine Problem löst, an dem die Helden gerade knabbern, oder ein vorhandenes Gadget entwickelt plötzlich eine zum Problem passende neue Fähigkeit.

Ich bin nebenbei ein großer Freund von Gastauftritten von Schauspielern, die man aus anderen Serien kennt. Das i-Tüpfelchen ist natürlich, wenn es "verwandte" Serien von Marvel oder DC sind.

Hier findet sich ganz prominent Christopher Reeve, der erste Superman-Darsteller, in zwei Episoden als Wissenschaftler Virgil Swann im Rollstuhl ein und bekommt sogar einen eigenen Abspann "in loving memory" nach seinem Tod 2004. Ein paar Folgen später stirbt auch der Charakter in der Serie und bekommt eine Nachrichtenmeldung im TV als Milliardär und großer Wohltäter der Menschheit. Seine Filmtochter Patricia Swann spielt in zwei Episoden mit und wird überraschend von ihrem Chauffeur verraten und umgebracht, um ein wichtiges Artefakt zu stehlen, das den "Reisenden" kontrollieren kann.

Annette O'Toole war die Darstellerin von Lana Lang neben Christopher Reeve in Teil III und spielt hier die Mutter Martha Kent. Nach dem Tod des Adoptivvaters Jonathan übernimmt sie seine politische Karriere, verschwindet bis auf kurze Gastauftritte, z.B. als "Red Queen", nach Washington aus der Serie und bandelt mit Perry White an, der hier noch nicht für den "Daily Planet" arbeitet.

Auch der Darsteller von Zod aus den ersten beiden Kinofilmen, Terence Stamp, ist Teil der Smallville-Serie: zunächst nur als Stimme, später auch in Person von Jor-El, Clarks Vater.  Der Charakter Zod aus Staffel 9 ist zunächst Major und befördert sich auf der Erde selbst zum General. Das Original kommt auf Krypton in einem Krieg um; durch eine von Jor-El entwickelte Maschine entstehen auf der Erde Klone seiner Kampftruppe, die zunächst trotz gelber Sonne keine Superkräfte haben. Erst durch Spuren von Clarks bzw. danach Zods Blut entwickeln sie Kräfte. Clark versucht, sie ohne Kräfte in die Welt der Menschen zu integrieren, aber Zod will mit Superkräften über die Erde herrschen. Dabei will er durch eine Maschine aus der gelben Sonne eine rote machen - was unlogisch ist, weil Kryptonier unter einer roten Sonne keine Superkräfte besitzen und sie Kräfte durch Kontakt mit kryptonischem Blut erhalten können.

In Staffel 4 tritt "Dean Winchester"-Darsteller Jensen Ackles als Football-Coach und heimtückischer Freund (mit Hintergedanken) von Lana Lang auf, bevor er seine Rolle in "Supernatural" bekam. Er versucht, Lana um magische Artefakte zu betrügen und kommt in der finalen Episode der 4. Staffel ums Leben; sein Tod wird aber nicht explizit gezeigt, um eine eventuelle Rückkehr offen zu lassen.

Cobie Smulders ("Avengers") und Diego Klattenhoff ("Blacklist") sind weitere bekannte Namen mit kurzen Gastauftritten - hier spielen sie die böse Rolle der Woche, bevor sie verhaftet werden.

Laura Vandervoort ("Bitten") spielt die "Supergirl"-Cousine Kara Zor-El.

Amy Adams (Lois Lane in "Justice League") spielt eine Meta mit viel Hunger. 

Teri Hatcher hat als an Krebs verstorbene Mutter Ella Lane eine Videobotschaft für Lois.

Helen Slater (Supergirl 1984) spielt Lara-El, Frau von Jor-El.

Carrie Fisher (Star Wars, When Harry met Sally) hat in einer Episode einen Gastauftritt als eklige, strenge Chefredakteurin des "Daily Planet". Der Chefredakteur Perry White aus den Comics tritt zwar als unsympathischer Charakter schon früh auf, ist aber noch nicht in dieser Rolle angekommen. In derselben Folge wie Prinzessin Leia treffen wir zum ersten Mal auf "Brainiac", gespielt von James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood). In späteren Staffeln spielt er dann einen geläuterten und umprogrammierten Brainiac 5 von der Legion aus dem 31. Jahrhundert.

Jane Seymour (Bondgirl mit Tarotkarten) spielt die böse Geneviève Teague (Mutter von Jason Teague, Jensen Ackles), die in der finalen Folge der 4. Staffel in Notwehr von Lana getötet wird. 

Um beim Thema "Gastauftritte" abzuschweifen: in der "Supergirl"-Serie des "Arrowverse" finden sich sowohl Helen Slater (Supergirl 1984), Dean Cain (Superman 1993) als auch Teri Hatcher (Lois Lane 1993) als Elternteile der Hauptcharaktere Kara bzw. Mon-El wieder.

07.10.2022

Aufstieg und Fall des "Arrowverse" - Serienkritik (Update)

[Einige Absätze überarbeitet, nachdem ich die Gelegenheit hatte, die Serie "Superman und Lois" komplett zu schauen und damit ein endgültiges Fazit über alle Serien zu schreiben. Änderungen sind durchgestrichen, Ergänzungen sind kursiv] 

Ich bin seit längerer Zeit großer Fan der miteinander verwobenen Serien des "Arrowverse", benannt nach dem ersten Serienhelden "Green Arrow", wobei die Serie zunächst den Nicht-so-ganz-Helden Oliver Queen nur "Arrow" nennt und "Green Arrow" wesentlich später in die Handlung eingeführt wird. Der Name der TV-Serie bleibt aber über die gesamte Laufzeit derselbe.

Zu diesem Comic-Universum wurden nach und nach mehr Serien und Helden zugefügt, die man auch gut aus den Papier-Comics und teilweise früheren Verfilmungen kennt - Flash, Supergirl, Batwoman, und auch einige B- und C-Promis der Comicwelt, wie "Legends of Tomorrow", "Constantine", "Black Lightning", "Star Girl", und viele weitere haben Gastauftritte, wie z.B. Lucifer. Aus Gastauftritten von Superman in der Supergirl-Serie wurde dann später sogar seine eigene Serie - "Superman und Lois", in der das Super-Leben mit zwei Söhnen beleuchtet wird, ähnlich wie in der 90er-Jahre-Serie "Lois und Clark", die sich auch im Wesentlichen auf das Beziehungsleben von Clark Kent und Lois Lane fokussiert hat. Das Superman-Problem der Woche war dort eher nebensächlich oder wurde nur als Anlass für eine Beziehungsdiskussion konstruiert.

Das für mich besonders Faszinierende an diesen Serien sind die Anspielungen auf Personen, Ereignisse oder Orte, die in den anderen Serien bedeutsam sind. Barry Allen z.B. hat mehrere Auftritte in "Arrow" als Forensiker, noch bevor er zu Flash wird. Die "Ferris Airline" wird mehrfach erwähnt und damit für die Fans angedeutet, dass in diesem Comic-Universum auch Hal Jordan oder andere "Green Lantern" existieren könnten (Spoiler: es gibt gab Spekulationen, dass John Diggle in der Abschlussfolge von Arrow beim Absturz eines UFOs einen Ring bekommen hat - er verweigert sich aber später, als er die Chance bekommt, die Box zu öffnen). Dieses übergreifende Prinzip einer "großen" Geschichte funktioniert für mich auch bei der Verfilmung der Marvel-Comics unglaublich gut. Ich finde die Idee mit den Infinitysteinen bei den Avengers einfach großartig, aber ich wollte hier ja über DC und das Arrowverse schreiben ;).

In der weiteren Entwicklung der Serien gab und gibt es sog. "Crossover", das sind fortlaufende Geschichten, in denen Charaktere aus mehreren Serien auftreten und in einer kleinen Fortsetzungsgeschichte ein übergreifendes Problem lösen, das alle betrifft. Zunächst waren dies kleinere Crossover, z.B. zwischen Flash und Arrow, Flash und Supergirl, später dann ein Crossover zwischen Flash und Arrow als Vorbereitung für den Start der neuen "Legends of Tomorrow"-Serie, und die nachfolgenden Crossover umfassten sogar sämtliche der aktuellen Serien.

In diesen Folgen nehmen sich die Charaktere auch gern mal auf die Schippe oder sprengen die "vierte Wand" (den Bildschirm) mit Sprüchen wie "letztes Jahr war ich die Neue" oder "beim letzten Crossover waren die Legends nicht dabei", wie man das bisher nur von "Deadpool" kannte, der einzigen Comicfigur, die sich der Tatsache bewusst ist, dass sie in einem Comic existiert.

Der Spaß an diesen Crossover-Folgen geht dann verloren, wenn durch die deutsche Ausstrahlung der zeitliche Zusammenhang zerrissen wird oder eine bestimmte Serie gar nicht in Deutschland legal zu sehen ist - die letzte Arrow-Staffel ist erst seit August 2021 bei Netflix zu sehen, die den vierten Teil des fünfteiligen Crossovers enthält. Den Anfang und den Schluss konnte man schon letztes Jahr bei Pro7 sehen, die überraschend mit nur wenigen Monaten Abstand die damals aktuellen Staffeln von "Supergirl" und "Legends of Tomorrow" synchronisiert ausstrahlten, und halbwegs zeitlich dazu passend erschien die erste Staffel Batwoman bei Amazon Prime. Mittlerweile kann man alle Serien bei Amazon oder Netflix sehen - leider nicht alle bei einem Anbieter.

Es mag Geschmackssache sein, aber man sollte besser auf Englisch schauen - viele Wortspiele funktionieren im Deutschen nicht besonders gut. Bei Amazon gibt es manche Staffeln nur in einer deutschen Sprachvariante in Prime, andere Sprachen dann nur gegen Bezahlung.

Leider gibt es viele Andeutungen und vorbereitende Szenen, die später aus verschiedenen Gründen nicht weiter verfolgt wurden. In Arrow Staffel 2 gibt es z.B. mehrere Auftritte von Charakteren, die Mitglieder der "Suicide Squad" werden. Prominent wird dabei sogar Harley Quinn angedeutet ("ich habe einen Doktor in Psychologie"), aber leider nicht realisiert, weil kurze Zeit später ein Kinofilm mit ihr gedreht wurde und die Rechteinhaber hier sehr streng zwischen Kino und Serie unterscheiden und trennen. Diese externen Gründe der Rechteinhaber waren auch dafür verantwortlich, dass bei "Smallville" Batman niemals auftauchte und Green Arrow zum inoffiziellen Sidekick des jungen Superman wurde. Detail am Rand aus dem "Crisis"-Crossover: der Superman aus dieser Parallelerde hat seine Superkräfte aufgegeben und lebt als normaler Mensch in Smallville auf der Farm der Eltern.

Umso überraschender, dass im letzten Crossover "Crisis on Infinite Earths", lose angelehnt an das gleichnamige Thema in den Papiercomics, der Schauspieler Ezra Miller des Kino-DC-Universums auftauchen durfte. Gerüchteweise wird umgekehrt der Serien-Flash Grant Gustin im Flash-Kinofilm einen kurzen Auftritt haben - immerhin hat der Kino-Flash die Idee zum Namen "Flash" während des "Crisis"-Crossovers bekommen [Update: tat er nicht].

Nun, ich wollte vom "Aufstieg und Fall" schreiben. Die Serie "Arrow" gefällt mir immer noch ausnehmend gut, aber nicht alle Staffeln gleich. Die "Supergegner" mit besonderen Fähigkeiten (Staffeln 2 bis 4) faszinieren mich mehr als die schlicht kriminellen Widersacher der späteren Staffeln (5 und 6). Besonders gut gefallen mir Andeutungen auf kommende Ereignisse, z.B. erwähnt R'as al Ghul schon in der 3. Staffel seinen Schüler Damien Darkh, der dann der Bösewicht in der vierten Staffel und als Teil der "Legion of Doom" in "Legends of Tomorrow" auftritt, und R'as al Ghul selbst wird schon in der ersten und zweiten Staffel angedeutet.

Serien werden auch dadurch strategisch verändert, wenn es Probleme mit Darstellern gibt, wie z.B. dem abrupten Ausstieg von Ruby Rose aus "Batwoman". Dies führte zu Veränderungen in Staffel 2, um das Verschwinden ihrer Figur "Kate Kane" zu erklären und einen Ersatz zu etablieren. Die neue Darstellerin, die die Rolle der Batwoman übernimmt, schlägt sich aber nach einem zähen Beginn eigentlich ganz gut. Die zweite Staffel ist insgesamt recht gut gelungen, mal schauen [Spoiler], wie die chirurgisch wiederhergestellte, gehirngewaschene Kate Kane (andere Schauspielerin) sich als Figur etablieren kann. Die dritte Staffel gibt es nach wie vor nur gegen Bezahlung, und die Ausstrahlung im Streaming bei Joyn wurde nach ein paar wenigen Episoden abgebrochen, so dass mir hier immer noch der Schluss fehlt.

Problematisch für mich sind Figuren, die unlogisch oder sinnlos handeln und dadurch offensichtliche Chancen verschenken. Besonders extrem ist dies in der gesamten Flash-Staffel 5 aufgefallen, in der Cicada als Gegner nahezu in jeder Folge mit einem neuen Hilfsmittel hätte besiegt werden können, aber eine oder mehrere Figuren während eines Kampfes tatenlos zusehen, bis er sich wieder aufrappelt und weiterkämpft oder flüchtet. Hier wurde mehr als deutlich, wie schwach die Dramaturgie dieses Gegners geplant war. Natürlich muss die Handlung so ablaufen, dass die üblichen 22 Folgen einer Staffel sinnvoll gefüllt werden, aber es muss für die Zuschauer glaubwürdig sein, wie dies geschieht. Insbesondere haben die S.T.A.R.-Labs einen "Metadämpfer" in Handschellen oder als Halskrause, den Flash in Supergeschwindigkeit anlegen kann. Auch mit "Arrow" habe ich einige Probleme, weil der Charakter von Oliver Queen zu stark den dominanten "Einzelkämpfer" mit teilweise sehr fragwürdigen Entscheidungen und Befehlen heraushängen lässt, obwohl es sowohl objektiv als auch durch frühere Erfahrungen klar sein sollte, dass Teamarbeit und effektive Kommunikation essenziell für erfolgreiche Aktionen sind.

Arrow und die anderen Serien wurden ab 2010 bislang hauptsächlich für das altmodische lineare Fernsehen produziert, und die Zuschauerzahlen einer Staffel entscheiden über die Verlängerung des nächsten Jahres. Nach und nach wurden nun mehrere Serien wieder eingestellt, die letzten Opfer von Absagen sind nun auch Flash, Batwoman und Legends of Tomorrow geworden. Die einzige "Neugründung" ist die Serie "Superman und Lois" als Ableger der Supergirl-Serie, die aber nach der vierten Staffel mit einem schmalzigen Ende eingestellt wurde vermutlich auch keine vierte Staffel erleben wird. "Swamp Thing", "Titans", "Doom Patrol" und "Stargirl" existieren trotz der "Crisis" nach wie vor in Paralleluniversen, wie man am Abspann des fünften Teils des Crossover sehen konnte. Nun gut, "Lucifer" hat auch noch eine sechste Staffel bekommen, aber es wird wohl keinerlei Crossover oder ähnliches mehr geben (abgesehen davon, dass Lucifer mehrfach seine Begeisterung für die TV-Serie "Bones" erwähnt und seine Tochter Rory (Aurora) von "More Bones" mit Androiden in der Zukunft schwärmt). Die neue Serie "Naomie", die ganz lose ebenfalls im DC-Universum spielte, wurde nach nur einer Staffel schon wieder eingestellt, und derzeit gibt es keine legale Möglichkeit, diese Serie in Deutschland zu sehen.

Bei Streaminganbietern wie Netflix oder Amazon gibt es diese kurzfristige Sichtweise von Staffel zu Staffel nicht. Bei Netflix ist bekannt, dass die ersten Staffeln einer Serie relativ günstig lizensiert werden. Erst ab der dritten oder vierten Staffel wird Netflix mit höheren Lizenzkosten konfrontiert (z.B. von Marvel oder DC) und dies führt häufig zur Einstellung der Serie, wenn Netflix diesen Kostensprung nicht tragen will. Dies dürfte der Grund für das schnelle Ende von Serien wie "Jessica Jones", "Luke Cage", "Daredevil", "Punisher", "Iron Fist" oder "The Defenders" gewesen sein. Wie weiter oben schon erwähnt, führten Lizenzfragen auch zur Einstellung der "Daredevil"-Serie, weil die Gründung von Disney+ bevorstand und Disney die Figuren von Kingpin und Daredevil für eigene Filme und Serien verwenden wollte. Immerhin setzt Disney+ die Daredevil-Reihe mit "Born again" für drei neue Staffeln fort.

Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Netflix hohes Interesse sieht und Serien dann länger produziert als ursprünglich geplant, wie es z.B. bei "Lucifer" aufgrund von massiven Protesten der Konsumenten geschehen ist, oder auch bei "Manifest", wo Netflix noch eine vierte Staffel produzieren ließ lässt. Zunächst war Lucifer für Einstellung nach der dritten Staffel vorgesehen, wurde dann von Netflix übernommen und sogar nach und nach bis zur sechsten Staffel verlängert (nur in Deutschland läuft "Lucifer" bei Amazon in Lizenz).

Ein Fazit fällt mir schwer. Es gibt starke und schwache Handlungsbögen (Staffeln) bei allen Serien, je nachdem, wie gut und nachvollziehbar der jeweilige Bösewicht handelt. Ein Teil der Einstellungen ist sicherlich aufgrund finanzieller Erwägungen geschehen als Folge von schwachen Drehbüchern. Andererseits wurden Serien wie Arrow und Flash auch durch Lizenzentscheidungen beschädigt, als die Lizenzgeber in Kinofilmen oder einer eigenen Streamingplattform lukrativere Chancen sahen (Suicide Squad bzw. Disney+).

Insgesamt lebt(e) das Arrowverse davon, dass es Verbindungen zwischen den Serien gab und z.B. neu aufgelegte Serien schon frühzeitig angedeutet wurden (die Explosion bei Star Labs war eine Nachrichtenmeldung in Arrow, Flash befreit Arrow aus R'as al Ghuls Festung, Star Labs liefert Technik an Black Lightning, Argus liefert Technik an General Lane uvm.). Durch die Einstellung der Serien und die Entfernung von Figuren aus Lizenzgründen hat für mich die Glaubwürdigkeit des Gesamtkunstwerks deutlich gelitten. Flash und Supergirl leiden darunter, dass in vielen Folgen das Beziehungsdrama viel stärker gewichtet wird als die eigentliche Superheldenhandlung - besonders krass bei Flash. Iris West-Allen ist m.E. die meistgehasste Figur bei den Fans.

Für mich nach wie vor das Highlight aller Serien ist "Arrow". Die Rückblicke - immer 5 Jahre - passen dramaturgisch zur jeweils aktuellen Handlung und geben gleichzeitig Auskunft über die Entwicklung vom Playboy zum Vigilanten. Der Schluss der Rückblicke der fünften Staffel geht nahtlos und perfekt in den realen Anfang der ersten Staffel über - man kann also nach der fünften Staffel sofort wieder bei der ersten Staffel anfangen zu schauen.

Dicht gefolgt in meiner persönlichen Hitliste wird Arrow von "Legends of Tomorrow", die mit jeder Staffel mehr skurrilen Humor und Referenzen auf die Popkultur in das Serienuniversum bringen, z.B. die Erwähnung von "Supernatural" und der Besuch des Drehorts in einem Paralleluniversum. Dort mag ich besonders gern "John Constantine", und es gibt mir durchaus Befriedigung, dass es nach dem abrupten Ende seiner eigenen Serie nach nur einer Staffel wenigstens bei den "Legends" ein Happy End für Astra Logue gibt, die nicht mehr in der Hölle gefangen ist.

Das Fazit fällt aber immer bei den anderen Serien mehr negativ aus. Die neue Superman-Serie spielt in einem Alternativ-Universum ("Earth-TUD25" mit zwei Flüchtlingen aus "Earth-TUD22", die zerstört wird) und nicht (mehr) in "Earth Prime", so dass hier bequem auf Konsistenz zu anderen Serien verzichtet werden kann. John Diggle hat zwar einen zweiten Gastauftritt und [Spoiler] verzichtet darauf, die geheimnisvolle Kiste zu öffnen, die er am Ende der letzten Arrow-Folge bekommen hat. Er wählt seine Familie statt eines ungewissen Abenteuers. Damit ist vermutlich die Chance auf eine John-Diggle-Green Lantern dahin und alle bisherigen noch offenen Anspielungen werden wir auch nicht mehr erleben.

Auch der Hintergrund der Papier-Comics wird in der "Superman und Lois"-Serie sehr frei interpretiert - in der dritten Staffel wird Lois' Krebserkrankung zum Erbrechen massiv ausgewalzt, und in der vierten Staffel taucht ein Doomsday auf, der haargenau wie der Doomsday aus den 90er Comics aussieht, aber aus dem Bizarro-Superman einer Parallelerde durch ein Serum entstand, das Bruno Mannheim, der Boss von Intergang, aus Supermans Blut entwickeln ließ - eigentlich, um seine eigene krebskranke Frau Peia zu heilen. Dieser Bizarro starb in der zweiten Staffel, wird durch das Serum wiederbelebt und durch mehrfache erneute Ermordung zu Doomsday, als Lex Luthor aus dem Gefängnis frei kommt und ihn verwenden will, um sich an Superman und insbesondere Lois zu rächen. Die beiden letzten Staffeln der Serie sind abgesehen von diesem Detail sehr nah an den schon erwähnten Comics, inklusive des realen Tods Supermans. Er wird aber durch ein Spenderherz wiederbelebt und nicht durch Sonnenlicht wie im Comic. Das Staffelfinale zeigt in einem Ausblick die zahlreichen Kinder von Jordan und Jonathan, den Krebstod von Lois und tatsächlich den Tod Supermans "32 Jahre in der Zukunft", vermutlich bedingt durch das menschliche Spenderherz, das trotz Serum nicht so leistungsfähig war wie sein eigenes kryptonisches, das von Doomsday herausgerissen wurde. Ob Supermans Enkel, die "nur noch" ein Viertel Kryptonier sind, auch Kräfte entwickeln (werden), bleibt vollkommen offen. Die Söhne Jordan und Jonathan haben Superkräfte, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie Superman.

Die privaten Beziehungen der Charaktere haben bei allen Serien einen zu hohen Stellenwert. Dadurch werden zwar auch oft mehr oder weniger subtil, manchmal auch mit dem Vorschlaghammer, aktuelle politische und gesellschaftliche Themen problematisiert, wie z.B. Gleichberechtigung, sexuelle Orientierung, Rassismus, LGBTIQ, aber es wirkt nicht organisch integriert, sondern eher gekünstelt in die Serie aufgenommen, weil es gerade Mode ist.

Die beste Integration von LGBTIQ war in der Verfilmung des Comics "Umbrella Academy" das "Coming Out" von Viktor in Staffel 3 als trans (FtM). Es gibt eine kurze Feststellung ("ich bin Viktor"), die anderen Geschwister nehmen es zur Kenntnis und fertig. Halbwegs geschmeidig funktioniert das LGBTIQ bei den "Legends", als Sarah Lance zunächst mit Oliver Queen liiert war und dann nach einem kurzen Techtelmechtel mit Supergirls Stiefschwester Alex (im Earth X-Crossover) dann den Klon Ava heiratet.

Leider haben die Legends ein sehr abruptes Ende genommen - sie können zwar am Schluss der letzten Staffel die böse KI der Waverider reparieren bzw. "bekehren", werden aber am Ende von der Zeitpolizei festgenommen und natürlich erfahren wir durch diesen Cliffhanger zur stornierten achten Staffel nicht, wie das ausgeht.