Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

26.05.2023

Führerschein nur nach Gesundheitsprüfung - Leserbrief

[veröffentlicht am 25.05.2023]
Fr. Warnecke hat eine schräge Vorstellung von kausalen Schlussfolgerungen. Zunächst stellt sie korrekt fest, dass das Risiko von Senioren, einen Unfall im Autoverkehr zu verursachen, deutlich höher ist als der Schnitt und vergleicht ihn mit dem Risiko von 18- bis 24-Jährigen.

Danach überlegt sie, dass es für bestimmte Berufsgruppen verpflichtende Gesundheitsprüfungen gibt (LKW- und Busfahrer z.B.), aber gleichzeitig nennt sie die Überlegung der EU, auch für Senioren eine Tauglichkeitsprüfung einzurichten, eine “Diskriminierung”.

Damit hat sie überhaupt nicht verstanden, was eine Diskriminierung ausmacht! Der Gesetzgeber kann selbstverständlich aus sachlichen Gründen seine Bürger unterschiedlich behandeln. Das ist hier nachweislich und wissenschaftlich - statistisch - erwiesen! Die Kennzeichnung von Diskriminierung ist die Willkür. Genau das Gegenteil ist hier der Fall.

Zum Schluss ihrer Glosse appelliert sie an die Senioren, das Auto stehen zu lassen, wenn sie “sich nicht wohl fühlen”. Das ist diese grandiose Eigenverantwortung, die wir seit Jahren beobachten, die zu unglaublicher Rücksichtnahme im Umgang miteinander geführt hat, z.B. zum Klatschen auf dem Balkon für das Pflegepersonal, oder für das freiwillige Tragen von Masken im Umgang mit vulnerablen Menschen.

Fr. Warnecke zeigt eindrücklich, wie man kognitive Dissonanz und Wissenschaftsleugnung in Worte fasst. Zunächst zitiert sie wissenschaftliche Erkenntnisse, verweigert aber die notwendigen Schlussfolgerungen daraus mit dem vollkommen falschen Argument der Diskriminierung, also der vermeintlichen Rücksichtnahme auf diejenigen, denen durch eine sinnvolle Regelung Nachteile entstehen könnten.

Man könnte alternativ auch darüber nachdenken, dass Senioren oder andere Gruppen, die die Gesundheitsprüfung für die Fahrerlaubnis nicht (mehr) bestehen, Anrecht auf eine kostenlose ÖPNV-Dauerkarte bekommen.

23.08.2020

Die Wissenschaft forscht noch, aber in Leserbriefen ist schon heile Welt - Leserbrief

 Herr L. antwortet mir auf meinen letzten Leserbrief und wirft mir vor, dass ich "nichts verstanden" hätte. Die "Süddeutsche" habe ja nicht immer recht, aber "Tichys Einblick" könne durchaus recht haben. Nun denn ...


Leserbrief zum Leserbrief von Hr. L.

Ich finde es sehr unterhaltsam zu lesen, wie Hr. L. eine Kehrtwende vollführt, ohne dass es der Leser merken soll, und dabei versucht, möglichst ausschweifend und verschwurbelt darzulegen, dass er doch die ganze Zeit Recht hatte.
Nebenbei finde ich es bezeichnend, wenn jemand, der gern die rechtsextreme Website "Tichys Einblick" oder das von amerikanischen Klimakrisenleugnern finanzierte EIKE e.V.-"Institut" zitiert, sich über den Faktencheck der "Süddeutschen" lustig macht (https://bit.ly/2XdKtl4).

Zur Klarstellung nochmals: zuerst hat Hr. L. behauptet, dass die Schweden die Corona-Krise wesentlich besser im Griff hatten als Deutschland. Das habe ich widerlegt und mit Zahlen untermauert, dass in Schweden mehr als viermal soviele Tote zu beklagen sind.

Daraufhin schwenkt Hr. L. um und erklärt lang und breit, warum und wo diese Todesfälle zu beklagen sind - als ob er's schon immer gewusst hätte, was in Schweden schlechter lief. In Deutschland gab es Besuchsverbote in Einrichtungen mit besonders gefährdeten Risikogruppen, z.B. Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheime. Das haben die Schweden vergeigt, obwohl recht früh bekannt war, wer zu einer Risikogruppe gehört - z.B. Senioren, Bluthochdruckpatienten, Diabetespatienten und Lungenvorgeschädigte.

Dann kehrt Hr. L. , um die Leser weiter zu verwirren, zu seinem üblichen Lebensprinzip zurück: dem Prinzip Hoffnung - die Herdenimmunität sei bald erreicht. Ich wiederhole nochmals: es ist derzeit wissenschaftlich vollkommen ungeklärt, ob es eine Herdenimmunität gegen CoVid-19 geben wird. Die Anzeichen machen uns im Moment nicht wirklich Hoffnung darauf. Es gibt Meldungen, dass sich - wie bei anderen Infektionskrankheiten auch - Gesundete erneut angesteckt hätten (wir haben doch alle jedes Jahr erneut Schnupfen).

Insgesamt ist die Sterblichkeit bei einer Corona-Erkrankung 5-10 mal höher als bei der Grippe - allein diese Größenordnung sollte uns zeigen, dass weiter Vorsicht das Gebot der Stunde ist und nicht Lockerung "auf Teufel komm 'raus". Abgesehen davon ist der in Europa vorherrschende Virustyp "G" eine noch stärker infektiöse Mutation des ursprünglichen Virus, unter dem China zu leiden hat.

Außerdem ist überhaupt unklar, ob es eine dauerhafte Immunität geben wird, oder nur eine saisonale Immunität, wie sie z.B. bei der Grippeimpfung angestrebt wird. Die Grippeimpfung hat übrigens nur eine Erfolgsquote von 50-70%, d.h. ein hoher Prozentsatz geimpfter Personen könnte bei Infektion trotzdem erkranken. Es sieht danach aus, als ob wir noch lange mit dem Virus werden leben müssen.

Es wäre also besser, hier nicht vorschnell Behauptungen in die Welt zu setzen und darauf zu setzen, dass die Realität sich nach diesem Wunschkonzert richtet. Die derzeit wieder stärker ansteigenden Fallzahlen sind eine äußerst beunruhigende Entwicklung, die durch solche unbedachten Behauptungen in Leserbriefen eine falsche Sicherheit hervorrufen könnten.

07.04.2020

Gesundheitssysteme in USA und Deutschland - Leserbrief

Am 24.03. veröffentlichte die WZ eine Glosse über das amerikanische Gesundheitssystem. Ich dachte mir, dass wir in Deutschland auch nicht mehr weit von diesen Verhältnissen entfernt sind, und schrieb einen Leserbrief.
[veröffentlicht am 07.04.2020]

Leserbrief zur Glosse von Hr. Spang, 24.03.2020
Hr. Spang schreibt zwar sehr unterhaltsam und ausführlich über das katastrophale Gesundheitssystem in den USA und beklagt die Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit. Ironischerweise sind all die amerikanischen Politiker, die das System dort immer weiter schwächen und als "sozialistisch" beschimpfen, auf Steuerzahlerkosten gut versichert. Das sind dieselben Politiker, die jetzt öffentlich darüber diskutieren, welches Leben einen "Wert" für die Volkswirtschaft hat und spekulieren, dass die Senioren "gern" zugunsten ihrer Enkel sterben würden (das hat der Vizegouverneur von Texas tatsächlich gesagt!). Wann hatten wir zuletzt nochmal eine Diskussion in Deutschland, welches Leben welchen "Wert" hat? Achja: bei Big Brother 2020 werden gelbe Sterne verteilt. Halt, Moment mal, war da nicht früher schon mal so etwas Ähnliches? ...
Natürlich kann man trefflich über den amerikanischen Sozialdarwinismus herziehen, aber in Deutschland sind wir auf demselben Weg! Wer erinnert sich nicht an die ungefragt erstellte Studie der Bertelsmannstiftung, dass 800 von 1400 Kliniken in Deutschland wegen "Unwirtschaftlichkeit" geschlossen werden können? Rein zufällig ist die Mohn-Familie, die dieser Stiftung vorsteht, auch großer Anteilhaber an den privat geführten Rhön-Kliniken. Und rein zufällig erscheint am 25.03. eine Meldung in der WZ, dass die Rhön-Kliniken ganz wunderbar Gewinn erwirtschaftet haben. Ebenfalls rein zufällig herausgepickt: die vier größten privaten Krankenhausbetreiber Helios, Asklepios, Sana und Rhön machen zusammen über 1 Mrd. € Reingewinn pro Jahr (UnionWatch 09.10.2018). Jens Spahn meinte 2018 noch: „Wenn es zuwenig Pflegekräfte für zuviele Patienten gibt, müssen Betten abgebaut werden“. Ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich jetzt aufopfern. Aber immerhin bekommen sie Applaus im Bundestag, von dem sie dann einkaufen gehen können.
Und mittlerweile mehren sich bei uns die Stimmen (vorwiegend aus dem neoliberalen Lager der „Der Markt regelt alles“-Apologeten), die lauthals denken, dass die Beschränkungen gelockert werden müssen, damit die Wirtschaft keinen Schaden nimmt. Auch hier schimmert wieder durch, dass es Leben gibt, das nicht wert ist, geschützt zu werden – Hauptsache, die Kasse klingelt!
Das mag jetzt kommunistisch klingen, aber ich finde, es gibt Dinge, die müssen nicht in privater Hand gehalten werden, und es gibt Institutionen, die nicht wirtschaftlich sein müssen. Die Gesundheitsversorgung gehört dazu.

13.12.2019

Impfgegner mal wieder - Leserbrief

Erneut schreibt Herr J. einen Leserbrief, in dem er gegen das Impfen wettert. Diesmal geht er sogar noch einen Schritt weiter als in seinem letzten Leserbrief, in der er sich als Impfgeschädigter bezeichnet. Im aktuellen Leserbrief vom 06.12. bezeichnet er es als Lüge, dass die Masernimpfung gegen die Masern hilft. Das kann ich so nicht stehenlassen, ich halte Impfen für enorm wichtig, gerade bei einer hochansteckenden, tödlichen Krankheit.
[abgedruckt 13.12.2019]

Leserbrief zum Leserbrief über Impfen und Impfpflicht
Herr J. schreibt erneut vehement gegen das Impfen und die Impfpflicht an und nennt die Wirksamkeit der Masernimpfung eine "Lüge". Wie entsetzlich verbohrt muss man sein, um gegen jede medizinische Evidenz zu behaupten, dass das Impfen nichts nutzt? Wie tief kann man sinken, um die vermeidbaren Dauerschäden und die möglichen Maserntoten gegen eine andere Zahl von Todesopfern durch andere Ursachen aufzurechnen? 
Hr. J. mag persönliches Leid erfahren haben, wie er in einem früheren Leserbrief schrieb. Trotzdem ist das ein bedauerlicher Einzelfall und darf nicht verallgemeinert werden.
Beim Impfen kann es eigentlich gar keine Diskussion mehr geben. Das Thema ist medizinisch hervorragend erforscht. 
Statistisch gesehen gibt es überhaupt keinen einzigen Grund, gegen das Impfen zu sein: Auf 45 Millionen Impfdosen kommen in Deutschland lediglich 34 anerkannte Impfschäden (Nationaler Impfplan, 2012). 
Durch Schutzimpfungen sind viele Krankheiten nahezu ausgerottet. 
Es kann nicht sein, dass ein dogmatischer Impfgegner sich oder seine Kinder nicht impfen lässt und sie damit zu Trägern der Erreger macht. Dabei verletzt er nämlich offensichtlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit aller Personen in seinem Umfeld. Wenn es hier Neugeborene oder Menschen mit Immunschwäche gibt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, provoziert er damit vorsätzlich deren Ansteckung und Gefährdung. 
Es heißt nicht "Kinderkrankheit", weil es so ungefährlich ist, sondern weil hauptsächlich ungeschützte Kinder daran erkranken und womöglich sterben. 
Die Impfschäden, die in Deutschland in den letzten Jahren gemeldet wurden, waren hauptsächlich Bagatellen wie Fieber oder Hautausschlag, die nach wenigen Tagen abklingen. Statistisch ist ohne Impfung in derselben Zeit allein mit 800 Maserntoten zu rechnen, die sonstigen Folge- und Dauerschäden wie Hirnhautentzündung noch gar nicht eingerechnet. Natürlich ist jeder Impfschaden eine schlimme Sache für die Betroffenen, aber die Chance auf ein sorgenfreies, langes Leben ist mit Impfung wesentlich höher. Die Sterblichkeit bei Masern liegt bei ca 3 Promille (3 von Tausend), das Risiko von Impfschäden dagegen um den Faktor Tausend geringer. 
Seit der Impfpflicht und Durchimpfung beginnend in den 60ern ist Amerika masernfrei. Pocken sind weltweit ausgerottet. Bei Polio gibt es nur einige fundamentalmuslimische Länder in Afrika, die generell alle Impfungen verteufeln. Durch Einschleppen gab es leider seit letztem Jahr in Amerika auch wieder Ausbrüche von Masern. 
Eine Langzeitstudie an der Charité in Berlin hat übrigens festgestellt, dass der plötzliche Kindstod (SIDS) statistisch wesentlich seltener bei Säuglingen auftritt, die gegen Keuchhusten, Diphtherie und Polio geimpft sind. 
Es steht jedem frei, das Risiko von Impfungen für sich abzuwägen. Aber niemand darf für sein ganzes Umfeld entscheiden. Deshalb ist die Impfpflicht für den Besuch von öffentlichen Einrichtungen eine sinnvolle Sache, insbesondere bei der zunehmenden Energie, mit der Impfgegner in der Öffentlichkeit auftreten und ihre hanebüchenen Theorien verbreiten.

28.04.2015

Überraschender Leserbrief zum Thema Impfen

Am Samstag war ein Leserbrief von mir in der WZ, obwohl ich gar keinen geschrieben hatte - dachte ich.

Und was war nun wirklich passiert?

Eigentlich hatte ich eine Email an die Redaktion geschrieben und mich darüber gewundert, warum ein ausgesprochener Impfgegner in einem Leserbrief fast eine halbe Seite lang seine eigenen schlimmen Erlebnisse mit vermuteten Impfschäden aufgrund einer Tetanusimpfung ausbreiten durfte. Der Leserbrief gipfelte darin, dass er sich seit seiner Frühpensionierung 8 Jahre lang selbst zum Impfexperten ausgebildet habe und jetzt von Impfungen abrate, weil die Impfschäden viel zu riskant seien. Er hat viele Zahlen aus "Studien" zitiert und die üblichen Arien der Impfgegner verwendet.

Eigentlich wollte ich wirklich einen Leserbrief mit Fakten schreiben. Dann dachte ich mir, es wird ja wohl hoffentlich jemand mit medizinischer Ausbildung schreiben und den Leserbrief widerlegen.

Leider ist das fast zwei Wochen lang nicht passiert, deshalb schrieb ich dann folgendes:

vor knapp zwei Wochen gab es einen in meinen Augen sehr fragwürdigen Leserbrief von K. J., in dem er sich massiv gegen das Impfen ausgesprochen hat, weil er selbst - angeblich - durch das Tetanus-Impfen geschädigt und zum Frührentner wurde.

Abgesehen davon, dass er nicht die Kenntnisse hat, um seinen Rundumschlag gegen das Impfen fachlich und kompetent zu untermauern, sorgt so ein Leserbrief zu Verunsicherung unter Eltern, die dann vielleicht ihre Kinder nicht impfen lassen, wenn sie eine solche Horrorgeschichte lesen und das Verhältnis von Impfrisiko zu Impfschadenrisiko selbst nicht bewerten können.

Selbst wenn ursächlich die Impfung die Ursache war, ist wissenschaftlich hervorragend erforscht, dass Impfen generell sinnvoll ist - Einzelfälle sind immer tragisch, das streite ich auch gar nicht ab, aber sie dürfen nicht ohne Prüfung Grundlage für Entscheidungen werden.

Ich selbst bin kein Mediziner, meine Frau ist Tierärztin, aber als Elternteil finde ich beunruhigend, wenn die WZ einem radikalen Impfgegner auf diese Weise ein Forum bietet und dem überhaupt nichts entgegensetzt.

Ich hätte gehofft, dass Sie als Reaktion darauf - z.B. mit einem Kinderarzt zusammen - einen redaktionellen Beitrag veröffentlichen, der das Impfen und die jeweiligen Risiken sachlich beschreibt und die Irrationalität der Impfgegner auf's Korn nimmt.

Ansonsten verweise ich auf die Diskussionen, die z.B. beim Blog von Kinderdoc (das sind 3 Links!) und auf der Facebookseite von hr1 toben.

Und eine schöne Zusammenstellung der Mythen, mit denen Impfgegner gern argumentieren. 
Überraschenderweise hat die Redaktion sich aber nicht selbst als Adressaten empfunden und meine Email kurzerhand als Leserbrief veröffentlicht. Und dummerweise habe ich meine mitgeschickten URLs nicht bei goo.gl abgekürzt, und die WZ hat drei davon wirklich in voller Länge als Fußnote gedruckt. Natürlich tippt so etwas niemand ab. Deshalb hier alles nochmal bequem zum Anklicken ;)