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16.01.2015

Display tauschen beim Motorola Moto G

Ich hab ja schon ein paarmal über meine destruktiven Kinder geschrieben, die regelmäßig zu meinem Leidwesen ihre Handys zerlegen ... Aber es beruhigt mich, dass ich nicht der einzige Leidgeprüfte bin ;)



Mein Nachbar bastelt gern mal am Auto und hat ein Rollbrett, mit dem er sich rücklings bequem unter sein Auto fahren kann. Dummerweise ist er dann beim Rausfahren mit dem Rollbrett über sein Handy gefahren, und das mochte das Displayglas nicht besonders ;(



Kurze Recherche bei Ebay ergab, dass man komplett montierte Ersatzdisplays für das Moto G (1. Generation) für knapp 40 Euronen erwerben kann, und das ist eine gute Investition. Das Moto G gehört zu den Handys, die ich wirklich empfehlen kann - technisch einigermaßen up-to-date (um ehrlich zu sein, würde man mittlerweile "Mittelklasse" sagen) und insbesondere wird es von Google und Motorola immer noch mit Software-Updates versorgt - Kunststück, Motorola gehörte ja mal einige Zeit zu Google, von 2011 bis 2014.

Auch das Auswechseln selbst ist relativ leicht, wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat. Bei youtube gibt es ziemlich viele Videos mit Anleitungen, worauf man achten muss (das Handy ist sehr reparaturfreundlich).

Allerdings muss man dann auch noch mitdenken, wenn man selbst Hand anlegt, und das habe ich leider versäumt ... dazu gleich.

Gerät ausschalten wäre jetzt eine gute Idee ...

Als Unterlage sollte man sich ein weiches Tuch besorgen, z.B. ein fusselfreies Küchentuch - ich habe ein größeres Brillenputztuch speziell für Handy-Arbeiten. Immerhin liegt das Handy mit dem Display nach unten, und bei einigen Handgriffen wird soviel Druck ausgeübt, dass das Risiko von Kratzern im Glas besteht, wenn die Unterseite nicht ordentlich sauber ist.

Nach dem Entfernen der hinteren Abdeckung mit den Fingernägeln sieht man 14 (!) Torx-Schrauben. Das ist für den Gelegenheitsbastler gleich das erste Hindernis: wer hat schon Werkzeuge für diese winzigen Spezialschrauben? Zum Glück war bei meiner Bestellung das passende T4-Werkzeug dabei.

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Entfernen der SIM-Karte - in beliebiger Reihenfolge - kann man nun wiederum mit den Fingernägeln den inneren Rückendeckel entfernen.

Dann den Stecker des Akkus lösen und den Akku vorsichtig von allen Seiten mit einem flachen Plastikwerkzeug lockern und dann abheben, er ist an den Außenseiten mit ein wenig Klebeband fixiert.

Beim Hin- und Herdrehen des Handys kann es sein, dass sich die Plastikknöpfe für Lautstärke und Schalter selbständig machen. Man sollte dem vorbeugen und sie selbst entnehmen und beiseite legen für später. Auf dem Bild da oben kann man sie gut sehen, umrundet von den Schrauben.

Ich habe mir übrigens angewöhnt, die Schrauben genau in der Position abzulegen, wie ich sie aus dem Handy entnehme. Bei manchen Modellen gibt es Schrauben in unterschiedlichen Größen und Längen, das wird hinterher schwierig. Natürlich muss man dann die Ablage in Ruhe lassen, damit die Schrauben auch so bleiben, wie man sie hingelegt hat ;)

Rechts oben die Verriegelung des Steckers lösen und die Frontkamera ablösen. Die Verriegelung ist auf der Seite, auf der auch das Folienkabel eingesteckt ist, und muss vorsichtig nach oben geklappt werden. Ein Fingernagel ist hier ebenfalls das beste Werkzeug. Die Klebefolie über dem Stecker muss man dazu eigentlich nicht lösen. Wenn der Kleber alt ist, kann die Folie aber gern mal von allein abfallen.

Rechts unten ebenfalls die Verriegelung des großen Steckers lösen und das Folienkabel möglichst ohne Verbiegen herausziehen. Das Kabel ist sehr empfindlich und wird von einem weichen blauen Plastikformteil geschützt, das man einfach abheben kann. Das Kabel ist umgebogen, damit es nach rechts zum Display geführt werden kann. Nicht drücken, sonst können die feinen Leiterbahnen auf der Folie brechen! Falls sich das Kabel nicht bewegen lässt, vorsichtig mit einem flachen Plastikwerkzeug von allen Seiten das Klebeband lösen.

In der Video-Anleitung wird zuerst ein kleineres inneres Folienkabel gelöst, aber diesen Schritt muss man nicht unbedingt machen. Beim neuen Display ist dieses gesamte Folienteil mitsamt Chip enthalten.

Jetzt kann das Folienkabel nach rechts weggeklappt werden und das Mainboard des Telefons kann entfernt werden, es ist nur eingelegt. Da es ebenfalls am Außenrand mit feinen Klebebändern fixiert ist, muss man es mit viel Geduld heraushebeln. An allen Seiten mit den Fingernägeln druntergreifen und anheben, bis es sich löst.

Der nächste Schritt wäre auch wichtig, leider hab ich es erst gemerkt, als das Handy schon wieder zugeschraubt war: das neue Display enthielt keinen Lautsprecher zum Telefonieren. Man muss von außen durch den Schlitz ganz vorsichtig auf das Gitter drücken, damit der ebenfalls verklebte Lautsprecher mitsamt dem Gitter abgelöst und nach innen gedrückt werden kann. Ich habe dazu einen Inbus-Schlüssel verwendet, der genau in den Schlitz gepasst hat. Die stumpfe Unterseite hilft, das sichtbare Gitter nicht zu beschädigen. Tja, ich musste dann das ganze Telefon gleich wieder zerlegen, um den Lautsprecher einzubauen ;)

Auf keinen Fall den Lautsprecher von der Innenseite hebeln, dabei können sich Magnet und Spule trennen und die feinen Kupferlackdrähte abreißen. Aber auch dieses Ersatzteil gibt es einzeln bei Ebay ;). Merken, wie die Federkontakte liegen, damit es nachher wieder genauso eingebaut werden kann.

Zwischen Mainboard und Display liegt noch ein Abschirmblech, das man jetzt als erstes in das neue Display einlegt. Prüfen, dass alles gut passt, nichts über den Rand ragt und Orientierung beibehalten.

Den ausgebauten Lautsprecher in derselben Orientierung in das neue Display einstecken.


Folienstecker des neuen Displays vorsichtig aufklappen und beiseite drücken, damit das Mainboard hineinpasst. Kabel herunterklappen, evtl. Schutzverpackung entfernen und Stecker in die Buchse einfädeln. Die Farbmarkierung auf dem Kabel muss in Linie mit der Markierung auf dem Mainboard sein, damit alle Leitungen richtig Kontakt haben! Nun die Arretierung vorsichtig herunterdrücken.

Das Kabel der Frontkamera einfädeln und Arretierung herunterdrücken. Die Markierung auf dem Kabel muss bündig an der Buchse anliegen.

Den blauen Plastikschutz auf das große Folienkabel legen (die Unterseite ist strukturiert, es gibt genau eine Möglichkeit).

Den Stecker des Akkus von oben aufstecken und andrücken. Danach den Akku wieder so an seine Stelle legen, dass das Folienkabel keine Spannung hat.

Die Plastikknöpfe für Lautstärke und Schalter wieder in die Aussparungen einlegen.

Rückendeckel auflegen, vorsichtig wackeln, ob alles passt, nochmal prüfen, dass keine Kabel eingeklemmt sind, und dann andrücken, bis alles einrastet.

Noch nicht zuschrauben, erst mal eine Einschaltprobe machen und prüfen, ob alle Pixel richtig anzeigen. Unbedingt auch den Touchscreen testen. Entweder bei der Eingabe der PIN für die SIM oder einfach beim Bedienen merkt man schnell, ob alle Bereiche des Bildschirms auf Berührung reagieren.

Vorsichtshalber wieder ausschalten, umdrehen, flach hinlegen und die Schrauben befestigen. Nicht zu fest drehen, denn nach "fest" kommt "ab"!

SIM wieder einbauen.

Rückendeckel festdrücken und fertig ist das nagelneue Display!

08.04.2013

Wenn der Papa mit dem Lötkolben ...

Manche Kinder sind destruktiver als andere. Die kriegen alles kaputt, meistens sind die Geschenke schon am Tag nach Weihnachten ein Fall für die Müllabfuhr.

Und dann gibt es da noch mein Kind 1 ...

Kind 1 zeichnet sich dadurch aus, dass es seit einiger Zeit ein Smartphone besitzt. Zuerst ein Motorola Flipout, das meine Tochter heiß und innig geliebt hat, weil die über Eck ausklappbare Tastatur ja sooo cool ist. Leider hat es einen Bildschirm, den man mit 320x240 eher als zierlich bezeichnen muss. Nicht mal meine Frau wollte das abgelegte Handy noch benutzen. Da sie aber ebenfalls ein Tastatur-Liebhaber ist, wurde es für sie dann ein etwas größeres Motorola Milestone 2, mittlerweile mit Android 4.1.2 aufgepeppt ;)

Nach dem Flipout hat Kind 1 mit mächtigen Spar-Anstrengungen das Oster-, Weihnachts- und sonstiges Geld in ein gebrauchtes Samsung Galaxy S2 investiert. Eigentlich ein tolles Gerät ... Wenn ... Ja wenn der USB-Anschluss aus massivem Titan gefertigt wäre.

Meine Tochter hat die Angewohnheit, das Handy auch zu benutzen, wenn der Akku eigentlich schon leer ist. Die Lösung: man steckt einfach das Ladegerät ein und daddelt weiter. Trotz aller Warnungen und Hinweise auf das Hebelgesetz ... Eine Zeitlang geht das gut, aber gesund ist das für die filigrane Mechanik nicht, die das an Ort und Stelle hält.

Das ist dann ganz schön dumm, wenn das Ladegerät das Gerät nicht mehr lädt ... Das Entladegerät sitzt aber weiterhin vor dem Bildschirm und will spielen und whatsappen und kiken und vibern, was das Zeug hält; allein, es ist kein Strom da.

Weil Papa Ladestationen so toll findet, wurde vor einiger Zeit schon mal eine "Dockingstation" angeschafft. Die hatte rein zufällig auch einen zusätzlichen Ladeschacht für einen nackigen Akku. Kind 1 findet Ladestationen aber eher unspannend und verwendet sie kaum. Dachte Papa ...

Das wäre jetzt richtig praktisch gewesen, wenigstens als Notbehelf bis zur Reparatur des Handys, den Akku auszubauen, in die Ladestation zu stecken und dann wieder die ganze Geschichte rückwärts.

Also wird die Ladestation gesucht. Irgendwo im Kinderzimmer vergraben muss sie doch ... zwischen den Noten und den Pferdebüchern und dem ... ich schreib's lieber nicht. Ja! Da ist sie wirklich. Aber warum klappert das so beim Hochheben? Da wird doch wohl nicht ...

Doch! An der Ladestation ist ebenfalls der USB-Stecker kaputt. Durch brutale Gewalt von der kleinen Platine im Innern der Station abgerissen. Er fällt mir dann lose entgegen, als ich die Ladestation aufschraube. Da hat wohl jemand beim Anschließen des Ladekabels zuviel Kraft gehabt ;(. Oder wollte das Hebelgesetz zum zweiten Mal ausprobieren. Wie auch immer, die Notlösung entschwindet also auch gerade am Horizont. Oder gibt es noch eine Möglichkeit? ...



Was macht der Papa mit der Lizenz zum Löten? Ein USB-Ladegerät mit Micro-Stecker nehmen, den Stecker mit einem großzügigen Entlastungsschnitt abschneiden und an die Lötpunkte anlöten, die zu Vcc und Gnd gehören. Nochmals vorsichtshalber alles nachmessen, ob kein Kurzschluss beim Löten passiert ist ... Stecker in die Steckdose ...

Juhu, die Kontroll-LEDs leuchten schon mal!

Auf dem Bild unter dem angelöteten Kabel (schwarz/weiß, geht nach links weg) sieht man die leere Stelle, wo eigentlich eine USB-Buchse sitzen sollte. Die USB-Buchse hab ich da weiter oben auf dem Bild schon mal ... Aber naja, das ist Vergangenheit.






Akku reingesteckt und fängt an zu laden, die Kontroll-LED wechselt von grün auf orange (ladend) und wird hoffentlich morgen früh wieder grün sein, wenn der Akku voll geladen ist. Bis morgen sollten dann der extradicke Akku und vielleicht auch der normale Akku zum Gerät voll geladen sein. Dann können die abwechselnd laden und benutzt werden.

Und Kind 1 ist wieder online. Wenigstens ab und zu. Mit Unterbrechungen.