11.07.2018

Flash-Update auf Version 30

Mir fehlen langsam die Worte, wie die Versionsnummern inflationär in Höhen klettern. Google hat es mit Chrome vorgemacht, aus irgendwelchen Gründen macht es Mozilla mit Firefox und Thunderbird nach, und jetzt beschleunigt Adobe die Nummerierung des Flashplayers genauso.

Und weil mir die neuen Worte fehlen, nehme ich immer den alten Blogartikel, nur die Versionsnummern und die Links ändern sich ;)

Einen Hinweis muss ich aber nun doch noch einbauen: ab Ende Januar 2016 gibt es keine freien Downloads der Installationsdateien mehr. Genaue Modalitäten sind noch nicht bekannt, Adobe hat nur bekannt gegeben, dass die Downloadlinks über die "distribution3.html"-Seite nicht mehr zur Verfügung stehen werden und man eine Adobe-ID und eine Business-Lizenz benötige.

Wir sind jetzt schon bei Flash-Version 30 (mittlerweile zählt wohl auch ein Major release nicht mehr zu den besonders erwähnenswerten Ereignissen bei Adobe?). Wer sich selbst auf dem Laufenden halten will, kann das Blog des Security-Teams bei Adobe lesen oder als RSS abonnieren.

Wie üblich in ihrem freundlichen Service-Blog die passende Automation zum Herunterladen und Installieren. Falls ein Proxy verwendet wird, das "rem" bzw. "#" entfernen und eigene Proxy-Adresse eintragen.

Das Tool wget wird bei Windows noch benötigt wie hier beschrieben. Bei Linux sollte es schon vorhanden sein, da es von vielen anderen Programmen intern verwendet wird.

Für Windows wie üblich beide Varianten, ActiveX und Netscape Plugin (Achtung übrigens, Firefox wird demnächst das NPAPI komplett abschaffen - mal sehen, was Adobe und Flash dann machen).

Die Download-URL hat sich übrigens im Vergleich zu Version 23 leicht geändert, sowohl bei Windows als auch bei Linux.
@echo off
rem set https_proxy=http://192.168.100.100:3128/
set VNP=30.0.0.134
set VAX=30.0.0.134
set V=30
set H=fpdownload.adobe.com
set P=/get/flashplayer/pdc
set AX=install_flash_player_ax.exe
set NP=install_flash_player.exe
wget https://%H%%P%/%VAX%/%AX% -O flash-%VAX%_ax.exe
.\flash-%VAX%_ax -install
wget https://%H%%P%/%VNP%/%NP% -O flash-%VNP%_np.exe
.\flash-%VNP%_np -install
Für Linux 64 bit rpm (als root ausführen oder "sudo rpm" schreiben) gibt es jetzt auch wieder offiziell dieselbe Version wie für Windows. Eine Zeitlang war Flash für Linux bei Version 11.2 "eingefroren", Adobe hat es sich nun anders überlegt und liefert wieder, obwohl die Zeichen generell auf Untergang stehen - in Google Chrome ist Flash gar nicht mehr enthalten, und die anderen Browser-Hersteller wechseln auf Multimedia in HTML5 statt Flash. Es gäbe auch die Version "PPAPI" zum Herunterladen, das ist die Pluginvariante "Pepper" für das Google-API, ich gebe hier "NPAPI" für das Firefox-API im Skript an.
#!/bin/sh

# https_proxy=http://192.168.100.100:3128/

VL=${1:-30
.0.0.134}
H=fpdownload.adobe.com
PL=/get/flashplayer/pdc/${VL}

DL() { wget -N "$1/$2" -O "$3"; }

echo Linux 64 bit rpm ...
DL https://${H}${PL} \
   flash-player-npapi-${VL}-release.x86_64.rpm \
   flash-${VL}.x86_64.rpm
rpm -F --force flash-${VL}.x86_64.rpm
Der Filename für die 32bit-Variante ist "flash-player-npapi-${VL}-release.i386.rpm".

[20180607: Security Bulletin von Adobe]
[20180710: Security Bulletin von Adobe]

25.06.2018

Leserbrief: Heimrouter und Sicherheit

Die WZ hat regelmäßig in der Samstagsausgabe Sonderseiten zu bestimmten Themen, darunter auch Computer, Internet, Smartphones und verwandte Themen. Kürzlich erschien ein Artikel, wie nützlich und vielseitig die Router sind, die im privaten Heim den Internetzugang bereitstellen. Der Artikel ließ aber einen wesentlichen Aspekt aus, der mir aus Berufsparanoiker sehr wichtig ist: die Sicherheit.

[veröffentlicht am 23.06.2018]

Leserbrief zum Artikel über Auswahl des Routers für zuhause
Kürzlich hat die WZ einen Artikel über die Auswahl des richtigen Routers für zuhause abgedruckt.
Der Artikel war umfangreich, aber inhaltlich unbefriedigend. Ich habe z.B. vermisst, dass bestimmte Router nicht nur den Internetzugang bereitstellen, sondern auch als Heimserver dienen können, indem man Drucker und Speicher anschließt, die dann jeder nutzen kann. Manche Router können sogar über einen USB-Stick mit Mobilfunk einen alternativen Zugang bereitstellen, wenn die Internetverbindung ausfällt. Immerhin fand Erwähnung, dass neuere Router einen Gastzugang beherrschen.
Was mir aber massiv aufgestoßen ist, ist das Fehlen jeglicher Hinweise oder Empfehlungen auf die Sicherheit dieser Geräte. Immerhin ist der Router dasjenige Gerät, das direkt ans Internet angeschlossen ist, weil das naturgemäß der Sinn der Sache ist. Aus diesem Grund ist es immens wichtig, dass das Gerät regelmäßig Softwareupdates bekommt, um Sicherheitslücken zu schließen oder Fehler zu beheben. Die allermeisten Router funktionieren mit einem kleinen Linuxsystem, und hier gibt es regelmäßig Verbesserungen und Fehlerkorrekturen.
Erst vor kurzem wurde bekannt, dass sehr viele Router von durchaus bekannten Firmen (wie Asus, D-Link, Huawei, Linksys, Ubiquiti, Upvel, und ZTE, sowie verschiedene NAS und Router-Modelle von Linksys, Mikrotik, Netgear, Qnap und TP-Link) gegen einen bestimmten Angriff verwundbar sind und sich deshalb Trojaner einnisten konnten. Die c't berichtete, dass das FBI zwar den Kontrollserver dieses einen Botnetzes lahmlegen konnte, aber die Sicherheitslücken existieren nach wie vor für jeden anderen Bösewicht (eine Liste der betroffenen Geräte). In der Vergangenheit wurden auch schon oft Angriffe auf Heimrouter bekannt, aber mit zunehmender Breitbandversorgung wird es immer interessanter, diese Geräteklasse anzugreifen - eben weil sie schlecht gepflegt werden.
Das ist aus drei Gründen gefährlich:
Erstens haben die bösen Buben durch die weite Verbreitung dieser Geräte eine enorme Armee an Drohnen, die sie für ihre Zwecke einsetzen können, wie z.B. Erpressung mit einem sog. DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service), bei dem der Angegriffene mit Anfragen überschwemmt wird und sein Geschäft nicht mehr ausüben kann,
zum Zweiten ist der Router in der Lage, jedes Gerät im Heimnetz anzusprechen und zu belauschen,
und zum Dritten ist es möglich, dass der Internetverkehr nicht nur belauscht, sondern auch manipuliert wird, so dass z.B. Kreditkarteninformationen, Passwörter, Electronic Banking usw. kompromittiert werden können.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Software-Updates werden immer wichtiger in einer Welt, in der es sich lohnt, elektronische Verbrechen zu begehen. Einer aktuellen Meldung von heise zufolge kann man mit Spam bis zu 300.000 Dollar pro Monat verdienen, mit Trojanern für Klickbetrug (simulierte Abrufe von Werbung) sogar Millionen. Das soll jetzt aber keine Werbung sein, hier ins Geschäft einzusteigen, bitteschön!
Niemand sollte einen Router kaufen oder sich vom Internetprovider aufstellen lassen, wenn die Updatefrage für dieses Modell nicht geklärt ist. Die Hersteller aus der o.g. Liste liefern auch Geräte, die von Vodafone, Telekom, 1&1 und anderen Internetprovidern unter eigener Marke ausgeliefert werden (die Telekom und Vodafone verwenden u.a. gern Geräte von Asus, ZyXEL und Huawei). Jeder Besitzer sollte darauf achten, dass die Updates entweder automatisch installiert werden oder es sich zur Angewohnheit machen, regelmäßig zu kontrollieren, ob es neue Updates gibt.
Im Zweifelsfall kann der Internetprovider eine Updategarantie natürlich nicht geben. Hier empfiehlt es sich, das Gerät nicht von diesem zu kaufen oder zu mieten, sondern sich über Tests in Fachzeitschriften selbst ein gut - und vor allem lang! - gepflegtes Modell auszusuchen.
Tipp am Rand: das Standardpasswort des Geräts sollte auch auf etwas eigenes geändert werden. Manche Standardpasswörter der Hersteller werden nach einem eher langweiligen Algorithmus erzeugt und sind leicht berechenbar.

18.06.2018

Jährliches Theater mit den Dramateuren

Juhu, die Dramateure haben sich entschlossen, wieder ein Theaterstück von Sir Terry Pratchett aufzuführen!

Das diesjährige Stück war "Mummenschanz", im Original "Maskerade", und die Handlung orientiert sich vage am "Phantom der Oper", aber natürlich auf die ganz eigene und geniale Weise von Terry Pratchett.

Natürlich muss ein Pratchett-Fan dann mit einem passenden T-Shirt in's Theater gehen.

Die Aufführung fand wieder in Bischofsheim statt wie "Good Omens" letztes Jahr.

Dieses Jahr gab es sozusagen eine Fortsetzung von "Wyrd Sisters", das die Dramateure vor einigen Jahren aufgeführt haben - die Geschichte von "Mummenschanz" ("Maskerade" im Original) erzählt ein neues Kapitel im Leben der Hexen von Lancre, nachdem die dritte Hexe Magrat den König geheiratet und damit aus dem Hexenzirkel ausgeschieden ist. Esme Wetterwachs und Nanny Ogg suchen aus traditionellen Gründen wieder eine dritte Hexe, und ihre Wahl fällt auf Agnes Nitt. Die allerdings will lieber in Ankh-Morpork an der Oper singen.

Viel will ich über die Geschichte gar nicht erzählen - jeder Fan von STP wird die Scheibenwelt-Variante von "Phantom der Oper" sowieso kennen.

Die Schauspieler haben ihre Sache ausnahmslos sehr gut gemacht. Die beiden Hexen Esme und Nanny waren die Hauptpersonen und hatten eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Agnes hat es ebenfalls geschafft, ihre Rolle so auszufüllen, wie ich sie mir beim Lesen des Buchs vorgestellt hatte. Die stimmlichen Künste wurden durch geschickt eingesetzte Tontechnik dem Buch entsprechend umgesetzt - das war sehr glaubwürdig und hat sich wunderbar in den Ablauf eingepasst.

Die Kostüme waren liebevoll gestaltet und haben viel zur Opern- und Bühnenatmosphäre beigetragen. Wie üblich auch in den vergangenen Jahren waren die Requisiten eher minimalistisch, aber perfekt passend zur Szene und Situation ausgewählt. Die Bühne hatte sogar zwei Ebenen, wobei der hintere Bühnenteil erhöht war und abwechselnd als Zimmer der Sängerinnen und als Loge des Phantoms diente. Auch der Raum vor der ersten Sitzreihe und hinter den Zuschauern wurde zur Tiefengestaltung mit einbezogen.

Schon die Fahrt von Lancre nach Ankh-Morpork in der Kutsche war ein Erlebnis für sich, bei dem sie den Sänger Heinrich Nacktschneck kennenlernen, der sich als ausländischer Künstler ohne Sprachkenntnisse ausgibt, damit er Erfolg hat. Er muss aber lernen, dass ihn jeder im Bemühen, ihn gemäß seiner (vermeintlichen) Kultur zu verwöhnen, im Gegenteil aber fast schon foltert, weil er nur Spezialitäten seiner Heimat serviert bekommt - wie Pasta - aber eben leider nichts Örtliches. Er liegt dann selbstverständlich Nanny Ogg zu Füßen, von der er schmackhafteren Reiseproviant bekommt.

Die Fußnoten, von denen Sir Terry genau wie Douglas Adams gern und reichlich Gebrauch macht, wurden wie bei den bisherigen Aufführungen realisiert, indem nach einem Signalton die Handlung "eingefroren" wurde und eine Sprecherin mit einem riesigen Fußnotenschild (*) eine Erklärung zu einem bestimmten Detail abgab.

Die Auszahlung der Tantiemen für Nannys Kochbuch wird schnell erledigt, als Esme dem Buchverleger recht deutlich macht, wie sehr sie es mißbilligt, dass Nanny über den Tisch gezogen wurde, was die Auflage und den Gewinn aus dem Buchverkauf angeht.

Im weiteren Ablauf wird dann klar, dass es zwei "Geister" in der Oper gibt, und am Schluss gibt es einen dramatischen Showdown zwischen dem Sheldon-ähnlichen leicht autistischen, kunstliebenden Geist und dem geldgierigen Regisseur, der den Mythos dazu mißbraucht, jeden zu beseitigen, der ihm auf die Schliche kommt.

Das Stück und die Realisierung haben mir ausnehmend gut gefallen und die Schauspieler haben alle ein großes Lob verdient.

Mein Fazit: Top Theater, jederzeit gerne wieder!


(Verwendung der Fotos mit freundlicher Genehmigung des Regisseurs Jonas Milke)

16.06.2018

Leserbrief: Gesetzesänderungen zur Verbrechensaufklärung

In der WZ vom 12.06. war ein kurzer, fast unauffälliger Leserinnenbrief abgedruckt, in dem Gesetzesänderungen gefordert wurden, weil aus "Datenschutzgründen" Dinge gelöscht werden müssten, die für die Verbrechensaufklärung wichtig seien.
Damit ist die Dame offensichtlich der Propaganda der Polizeibehörden auf den Leim gegangen, die vor einigen Tagen falsch gemeldet haben, dass 8.500 Straftaten nicht aufgeklärt werden konnten. Später ist das BKA dann zurückgerudert, als Zweifel an dieser Darstellung aufkamen.
[Veröffentlicht am 17.06.2018]

Leserbrief zum Leserbrief über Verbrechensaufklärung
Fr. S. schreibt in ihrem Leserbrief, dass die Polizei mehr Möglichkeiten zur Verbrechensaufklärung benötigt und deshalb Gesetze geändert werden müssten.
Sie schreibt weiter, dass aus "Datenschutzgründen" Hinweise wie z.B. Logdateien gelöscht werden "müssen". Das ist technisch falsch, denn da es derzeit rechtlich keine Vorratsdatenspeicherung gibt, fallen gar keine Daten an, die die Internetprovider speichern müssen, und deshalb muss auch nichts "gelöscht" werden, da es schlicht nicht vorhanden ist.
Damit geht sie der vorsätzlich falschen und unklaren Berichterstattung von Polizeibehörden, allen voran dem Bundeskriminalamt BKA, auf den Leim.
Dort wurde nämlich vor ein paar Tagen eine Pressemeldung in Umlauf gebracht, dass angeblich 8.500 Taten aus dem Bereich der Kinderpornographie nicht aufgeklärt werden konnten, weil die Vorratsdatenspeicherung nicht in Kraft getreten ist.
Kinderpornographie ist im Allgemeinen nur ein vorgeschobenes Argument, um die Überwachung prinzipiell zu intensivieren und das Grundgesetz weiter zu demolieren.
Diese BKA-Meldung ist in zweierlei Hinsicht falsch: es gab in Deutschland insgesamt nur um die 6500 Fälle von Kinderpornographie, und diese wurden zu 90% aufgeklärt. 
Später ist das BKA dann zurückgerudert, als Zweifel an dieser Darstellung aufkamen, und hat versucht, die Unstimmigkeiten der Meldung zu verschleiern.
Die 8.500 angeblich nicht aufklärbaren Fälle entstammten einem "Hinweis" einer nicht näher benannten "Organisation" aus den USA, es handelt sich also bei weitem nicht um Fälle, die in Deutschland verfolgt werden können.
Zur Quote von 90% bleibt noch anzumerken, dass dieser Wert sich gegenüber dem Vorjahr um 3,7% verbesser hat.
Zum Vergleich: die durchschnittliche Aufklärungsquote von Straftaten in Deutschland liegt bei 57%. Damit sind die 90% ein extrem guter Wert und die Steigerung dieser Quote ist ein sehr gutes Zeichen, dass die Methodik der Polizei auch ohne Vorratsdatenspeicherung bereits in der Lage ist, diese Straftaten aufzuklären und die Quellen auszutrocknen.
Es gibt bereits ein internationales Meldesystem für illegale Angebote wie Kinderpornographie, und dort werden ca. 80% aller gemeldeten Seiten innerhalb von weniger als 6 Stunden blockiert.
Und man bemerkt einmal mehr: die Vorratsdatenspeicherung mit extrem starken Eingriffen in die Grundrechte aller Bürger ist bei weitem nicht nötig.
Außerdem wurden sowohl die deutschen als auch die entsprechenden Pläne zur Vorratsdatenspeicherung auf EU-Ebene von den höchsten Verfassungsgerichten mehrfach vernichtend abgeschmettert, wie man u.a. hier bei den heise-Nachrichten nachlesen kann.

23.05.2018

Update von LineageOS 14.1 auf 15.1

Wie kürzlich versprochen wollte ich auch noch darüber berichten, ob das zerstörungsfreie Update von LineageOS 14.1 auf 15.1 funktioniert. Meine erste Probeinstallation von 15.1 auf dem Nexus 6 mit der Spiderman-App war eine komplette Neuinstallation, verbunden mit Löschen des Geräts. Mein eigenes Handy (seit April ein Moto Z von 2016) wollte ich aber ungern löschen und komplett neu einrichten. Es ist sehr lästig, in jeder App dann wieder die Anmeldung durchzuführen, den Google-Authenticator für die Zweifaktor-Authentisierung für alle Konten neu einzurichten usw. Wäre also schön, wenn das Update einfach so funktioniert ;-)

Spoiler: es funktioniert.

Es gibt einen wichtigen Punkt zu beachten, den ich letztes Jahr noch nicht kannte, als ich eine Zeitlang nach dem Niedergang von Cyanogen Inc. auf dem damaligen Nexus 5 statt CM für einige Monate das "nackte" Android aus dem AOSP-Projekt verwendete.

Damals hatte ich nach jedem Flashen eines Updates das Problem, dass die Google-Apps nicht mehr richtig funktionierten und z.B. dauernd die "Play Services" beendet werden, und auch einige andere Dinge merkwürdige Fehlermeldungen zeigten. Ich bin dann jedesmal wieder den steinigen Weg gegangen und habe komplett neu beispielt, also "wipe data" und Flashen von Android und Google-Apps.

Der simple Trick ist, dass man nach dem Flashen des Android-Pakets auch sofort die Google-Apps flashen muss. Beim Neustart des Geräts mit einer neuen Androidversion werden den Google-Apps spezielle Systemberechtigungen erteilt. Allerdings nur beim allerersten Neustart nach dem Flashen, danach nicht mehr. Wenn man also ein neues Android alleine flasht und bootet, hat man sich gerade die Google-Apps zerschossen. Diesen Trick hat mir ein freundlicher Kommentator bei XDA verraten.

Dieses Problem tritt bei "kleinen Updates" nicht auf, die man innerhalb von LineageOS mit dem eingebauten Updater durchführt, das war letztes Jahr mit dem AOSP-Android anders. Mit LineageOS kann man unbesorgt updaten. Es ist aber ratsam, in den Einstellungen des Updaters alte Updates automatisch löschen zu lassen, sonst ist irgendwann die Systempartition voll.

Wenn man das berücksichtigt, ist der Übergang von Nougat auf Oreo süß und schmerzfrei. Was man bei einem älteren Gerät allerdings nicht bekommt, ist das Update der Androidsoftware im Hintergrund bei laufendem Betrieb - "Project Treble" bekommt man nur mit Neugeräten, die vom Hersteller mit Oreo ausgeliefert werden und die Partitionierung des Speichers schon vorsieht, dass man zwei Betriebssystempartitionen hat - eine zum Booten und die zweite zum Umschalten nach einem Update.

Was mich im Licht der aktuellen Debatte um Sicherheitslücken in Prozessorhardware etwas beunruhigt: die Kernelversion ist hier bei 3.18, kompiliert wird mit einem gcc 4.9, der die derzeit notwendigen Workarounds für Spectre und Meltdown sicherlich nicht enthält. Die Baureihe 4.9 hat das letzte Update im August 2016 bekommen. Diese Sicherheitslücken sind zwar Presseberichten zufolge nur kritisch für Serverbetreiber, die keine Kontrolle über die virtuellen Maschinen von Kunden haben (z.B. ein Cloudbetreiber wie Amazon oder IBM), aber der Angriffsvektor ist bei einem Smartphone mit strikter Trennung der Apps durch Unix-Rechte natürlich genauso gegeben: eine App, die eine solche Lücke ausnutzen kann, ist in der Lage, "fremden" Speicher zu belauschen, der einer anderen App gehört, und dort könnte ein Private Key oder ein Zugangspasswort zum electronic banking zu stehlen sein.

Alt: Nougat 7.1.2, April 2018   Neu: Oreo 8.1, Mai 2018



25.04.2018

Ein erster Blick auf Android 8.1 mit LineageOS

Letzte Woche sah ich, dass es für das Nexus 6 keine weiteren Updates der 7er Androidversion von LineageOS geben wird - die "nightly updates" - eigentlich sind es ja "weekly" updates - enthalten jetzt 15.1.

Kurze Erklärung der Nummerierung: Android nummeriert zum Einen mit Zahlen (von 1.0, 1.1, 1.5, usw. bis jetzt hin zu 8.1) und zum Zweiten mit einem Spitznamen (Donut, Eclair, Froyo, bis jetzt hin zu Oreo). LineageOS orientiert sich bei der Nummerierung an den Anfangsbuchstaben der Spitznamen. Die Nummer von LineageOS entspricht der Position des Buchstabens im Alphabet, und "O" ist der 15. Buchstabe. Wenn Android dann eine "minor release" hat, wird diese Releasenummer hinten angehängt. Ganz kurz gab es also mal LineageOS 15.0, aber das wurde abgebrochen und die Entwickler bauen nur an 15.1 weiter. Von "Jelly Bean" gab es drei Versionen (4.1, 4.2, 4.3), und die dazugehörigen CyanogenMod-Versionen waren 10.0, 10.1 und 10.2 (bevor CyanogenMod in LineageOS überging und die Firma hinter CM pleite ging).

Rein zufällig ;-) hatte ich noch ein Nexus 6 mit ziemlich kaputtem Glas, aber intakter Technik herum liegen - ich schrieb ja schon ein paar Mal, dass meine Kinder beide sehr ruppig mit ihren Geräten umgehen und öfter mal mit gebrochenen Glasscheiben oder defekten Displays ankommen. Beim Nexus 6 lohnt sich eine Reparatur leider nicht mehr: ein neues Display kostet immer noch einzeln um die 125 €, und die Tatsache, dass alles geklebt ist, macht die Reparatur auch sehr aufwändig. Also lag das Gerät längere Zeit im Regal und Kind 2 musste sich ein identisches Gerät zulegen unter massiver Kostenbeteiligung vom Konfi-Geld ;-).

Also Herunterladen der aktuellen Version von LineageOS 15.1 und der erste Versuch, das Handy mit der neuen Version zu flashen.

Leider war das nicht erfolgreich: das TWRP-Recovery lehnte die Zip-Datei ab, obwohl es die korrekte Version war (Codename "shamu" für das Motorola Nexus 6, Modell XT1100). Die Fehlermeldung war beunruhigend: "E3004: This package is for device: shamu; this device is .". Also schien etwas mit dem Gerät nicht in Ordnung zu sein - es wusste nicht von sich selbst, dass es vom Typ "shamu" ist.

Nachdem ich überprüft hatte, dass die Zip-Datei wirklich in Ordnung ist, stellte sich nach ein wenig Recherche heraus, dass dieser Fehler sehr leicht behoben werden kann: Neuinstallation des Recovery-Images sollte helfen. Irgendwie war dem Gerät die Information abhanden gekommen, welchen Typ es selbst hat, aber das erneute Bespielen mit einem Recovery bringt das wieder in's Lot.

Praktischerweise kann man mit den halbwegs aktuellen TWRP-Versionen sogar ein Recovery updaten, wenn man sich im Recovery befindet. Ich dachte bislang, ich müsste erst neu starten, um dann im Fastbootmodus das Recovery-Image zu flashen. Das geht aber auch einfacher. Wenn TWRP läuft, ist das Handy am PC sichtbar, und ich konnte das neueste TWRP direkt mit MTP auf das Smartphone kopieren. Mit "Install" und dann dem Menüpunkt "install image" liess sich das Recovery updaten. Als letzten Schritt dann die Zielpartition aussuchen (offensichtlich "Recovery") und neu booten.

Danach war die Installation von LineageOS 15.1 ein Kinderspiel: Löschen der vorherigen Benutzerdaten ("wipe data"), Kopieren der Zip-Datei, Beschaffen der aktuellen Google Apps von opengapps.org für Android 8.1, Variante ARM 32 bit, in der Größe "nano". Normalerweise tendiere ich zum kleinsten Paket "pico", aber der Hinweis auf der Downloadseite "contains some apps that are not available in the Play Store" ließ mich dann doch die nächstgrößere Variante wählen - ist ja sowieso nur ein Testgerät. Danach gleich noch das Addon für "su" (32 bit), damit bei Bedarf auch gerootete Anwendungen möglich sind (wie z.B. das Backupprogramm Helium oder ein Filemanager).

Wie üblich, dauert das erste Booten recht lang, danach folgt dann die übliche Grundeinstellung mit WLAN, Benutzername, Google-Konto (wenn man das will), und dann kann es losgehen mit dem Testen der neuesten Androidversion, und das sogar mit dem monatlich aktuellen Securitylevel. LineageOS ist ungefähr zwei Wochen nach dem Release der Updates in das AOSP-Repository durch Google auch auf dem neusten Stand. Damit kann eigentlich so gut wie kein anderer Handyhersteller mithalten.

Die Optik und die Icons von 8.1 sind gewöhnungsbedürftig, wie man an den beiden Screenshots des Startbildschirms und der App-Auswahl sieht.

Was ich sehr schön finde: in der Statusleiste kann man jetzt die aktuelle Download/Upload-Geschwindigkeit einblenden, und die Einstellungen sind deutlich aufgeräumter und übersichtlicher.

Laut XDA ist es auch möglich, das Update von 14.1 auf 15.1 ohne Reset durchzuführen. Das werde ich auch noch testen ;-)

17.04.2018

Leserbrief zur Diskussion über Impfpflicht

Tja nun, die WZ dachte sich wohl "wir brauchen mehr Klicks" und hat auf Facebook eine Diskussion angefangen über das Impfen und die Impfpflicht.
Wen wundert's - die Impfgegner gießen die üblichen Verschwörungstheorien und wilden Behauptungen in die Kommentare unter den Facebook-Beitrag.

Ein paar Tage danach folgt dann ein scheinheiliger Artikel in der gedruckten Ausgabe, der die Facebook-Kommentare zusammenzufassen versucht.
Garniert wird der Artikel von einem "Pro"- und einem "Kontra"-Kommentar von zwei Redakteuren der WZ.

Es ist absolut in Ordnung, dass jeder eine Meinung hat und sie auch äußern kann - aber wenn man zu einem Thema inkompetent ist, sollte man vielleicht einfach mal das Motto von Dieter Nuhr beherzigen ("wenn man keine Ahnung hat ..."). Insbesondere regt es mich unglaublich auf, wenn Impfgegner mit harten wissenschaftlichen Fakten konfrontiert werden und das mit einem Achselzucken abtun. Schade ist nur, dass die meisten Impfgegner eine starke Meinung haben und keinerlei Hemmungen, dies auch öffentlich kund zu tun, aber sie erkennen leider nicht, dass diese Meinung falsch ist - ein schönes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt ;-)

Das gute an Wissenschaft ist: sie funktioniert auch, wenn man nicht daran glaubt. Das Schlimme an Impfgegnern: wenn sie nicht daran glauben und das Impfen verweigern, gefährden sie nicht nur sich selbst (das wäre mir ja noch egal), sondern auch jeden anderen, den sie anstecken könnten.

[Der Leserbrief wurde am 14. April 2018 veröffentlich.]


Leserbrief zur Diskussion über Impfen und Impfpflicht (Facebook und gedruckt)
Liebe WZ-Redaktion,

was hat Sie denn geritten, dieses Fass aufzumachen? Geht es um Klicks und Onlinewerbung?

Beim Impfen kann es eigentlich gar keine Diskussion mehr geben. Das Thema ist medizinisch hervorragend erforscht.
Statistisch gesehen gibt es überhaupt keinen einzigen Grund, gegen das Impfen zu sein.
Durch Schutzimpfungen sind viele Krankheiten nahezu ausgerottet.

Stattdessen eröffnen Sie die Diskussion auf Ihrer Facebookseite erneut und bieten dadurch Impfgegnern eine willkommene Plattform, um größtenteils unwidersprochen Behauptungen in die Welt zu setzen und zu wiederholen, dass das Impfen "nutzlos" sei und mehr Schaden verursache als es Gutes tue.

In Venezuela sind seit Jahresbeginn mindestens 54 ungeimpfte Kinder an Masern gestorben. 2016 galt das Land noch als masernfrei.

In Serbien gab es eine Masernepidemie mit 4000 Ansteckungen und fast 20 Toten.

Die Diskutanten, die lautstark in den Facebook-Kommentaren Verschwörungstheorien über die Geldgier der Pharmakonzerne äußern, sind dieselbe Sorte Mensch, durch deren Schuld in Berlin vor kurzem Masern mit über 700 Ansteckungen und einem toten Säugling ausgebrochen sind.

Als Krönung des Ganzen darf Frau Kaufmann in ihrem "Kontra"-Kommentar in der Druckausgabe noch zeigen, dass sie in der Schule nicht aufgepasst hat, als das Grundgesetz besprochen wurde. Sie fabuliert munter drauflos, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz verankert ist und nicht durch eine Impfpflicht gebrochen werden kann. Dabei vergisst sie leider die Tatsache, dass alle Grundrechte nicht absolut gelten, sondern immer gegeneinander abgewogen werden müssen. Jedes Grundrecht findet seine Grenzen dort, wo die Grundrechte anderer verletzt werden, und das ist beim Impfen ganz klar der Fall. In Deutschland gab es jahrelang eine Impfpflicht gegen die Pocken. Das Bundesverwaltungsgericht entschied schon 1959, dass die verpflichtende Pockenschutzimpfung mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

Es kann nicht sein, dass ein dogmatischer Impfgegner sich oder seine Kinder nicht impfen lässt und sie damit zu Trägern der Erreger macht. Dabei verletzt er nämlich offensichtlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit aller Personen in seinem Umfeld. Wenn es hier Neugeborene oder Menschen mit Immunschwäche gibt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, provoziert er damit vorsätzlich deren Ansteckung und Gefährdung.
Manche Impfungen kann man erst ab einem Mindestalter impfen. Wenn nun die Mama das große Kind im Kindergarten abliefert und hat ihren 2 Monate alten Säugling dabei, dann ist so ein Schild an der Eingangstür "wir haben einen Fall von Masern" für mich schon vorsätzliche Körperverletzung, begangen von den Eltern, die ihr Kind nicht impfen lassen und trotzdem in den Kindergarten geben.
Es heißt nicht "Kinderkrankheit", weil es so ungefährlich ist, sondern weil hauptsächlich ungeschützte Kinder daran erkranken und womöglich sterben.

In Deutschland wurden in 10 Jahren ca. 180 Fälle von Impfschäden gemeldet, die meisten davon Bagatellen wie Fieber oder Hautausschlag. Statistisch ist ohne Impfung in derselben Zeit allein mit 800 Maserntoten zu rechnen, die sonstigen Folge- und Dauerschäden noch gar nicht eingerechnet. Natürlich ist jeder Impfschaden eine schlimme Sache für die Betroffenen, aber die Chance auf ein sorgenfreies, langes Leben ist mit Impfung wesentlich höher.

Eine Langzeitstudie an der Charité in Berlin hat übrigens festgestellt, dass der plötzliche Kindstod (SIDS) statistisch wesentlich seltener bei Säuglingen auftritt, die gegen Keuchhusten, Diphtherie und Polio geimpft sind.

Ich sehe das so ähnlich wie beim Führerschein oder beim Gesundheitspass für Beschäftigte in der Lebensmittelverarbeitung: ohne Schein kein Rein. Ganz einfach. Ohne Impfung kein Zugang zu öffentlichen KiTas, Schulen usw. Eine Impfpflicht muss es nicht geben - es steht jedem frei, das Risiko für sich einzugehen. Aber niemand darf für sein Umfeld entscheiden.