06.05.2019

Avengers Endgame

Das war er also, der letzte Film der aktuellen Marvel-Phase 3, der alle roten Fäden der vergangenen 20 Filme zusammenführt und die Auflösung liefert. Gut, formal gehört "Spiderman - Far from Home" noch mit dazu, der im Juli erwartet wird, aber inhaltlich ist alles erzählt.

Der Film ist genial gemacht - er fängt sehr langsam und schwermütig an und beleuchtet dabei, wie die Überlebenden damit zurecht kommen, dass Thanos seinen Plan umgesetzt hat, das halbe Leben im gesamten Universum auszulöschen. Black Widow hält einsam die Stellung im Avengers-Hauptquartier, Hawkeye ist zum brutalen Verbrecherjäger geworden, der über Leichen geht, Cap leitet eine Selbsthilfegruppe für Schnips-Hinterbliebene, Thor hat in den letzten fünf Jahren einen beträchtlichen Bierbauch angesetzt, und mit Sonnenbrille sieht er aus wie einem Video von ZZ Top entsprungen ;-). Tony Stark ist der Einzige, dessen Situation sich verbessert hat - er lebt mit Pepper und Tochter Morgan in einem Haus am See.

Die Prämisse ist natürlich vollkommen hanebüchen, dass sich das Universum besser entwickeln kann und lebenswerter ist, wenn die Bevölkerung nur noch halb so groß ist. Wenn die Umstände entsprechend sind, wird sich Leben immer wieder neu entwickeln, und die Wachstumsrate in der Biologie ist immer exponentiell. Thanos hätte also nach meinem Dafürhalten nur ein paar Jährchen Aufschub bewirkt, aber nichts wesentliches geändert. Diese Erkenntnis scheint aber in der Comic-Logik nicht zuzutreffen - Thanos denkt wirklich, er hat die Überlebenden von einer Bürde befreit. Stattdessen hat er jeden unglücklich gemacht, der Angehörige verloren hat, und durch das urplötzliche Verschwinden sind natürlich Unfälle passiert, wenn Fahrer, Piloten etc. während ihrer Tätigkeit weggeschnipst wurden. Nun ja, das ist halt Comic, muss man so hinnehmen.

Wie am Ende von Ant-Man 2 zu vermuten war, hat Scott Lang überlebt und schafft es durch einen der üblichen Hollywood-Zufälle zurück ins echte Leben. Für ihn sind nur fünf Stunden vergangen, während in der Makrowelt mittlerweile fünf Jahre verstrichen sind. Damit ergibt sich die Chance, mit Hilfe der Quantenebene ("Quantum Realm") Zeitreisen durchzuführen. Nebenbei gibt es einen Streifzug durch andere Zeitreisefilme und eine pseudowissenschaftliche Diskussion darüber, warum man die Vergangenheit nicht ändern kann (was sie natürlich dann trotzdem tun, teilweise unbeabsichtigt, teilweise geplant).

Die Zeitreisen sollen dazu verwendet werden, alle sechs Infinitysteine aus der Vergangenheit "auszuleihen" und in der aktuellen Gegenwart von 2023 die Auslöschung ("the snap") wieder rückgängig zu machen, denn Thanos hat wenige Wochen nach dem Schnips die Steine ein letztes Mal verwendet, um sie zu zerstören. Es gibt in der Gegenwart keine absehbare Möglichkeit zur Rettung, es bleibt nur die Zeitreise. Danach sollen alle geliehenen Steine wieder in ihre alte Zeit und an ihre alte Stelle zurückgebracht werden, damit die vergangene Geschichte wiederum so stattfindet, wie es sein muss.

Die Zeitpunkte sind großartig gewählt - in der Außensicht für die Zuschauer. Die Avengers kehren zurück zu Schauplätzen der vergangenen Marvelfilme und versuchen zu vermeiden, sich selbst zu begegnen. Dabei gibt es gefühlvolle Momente, wenn Cap bei S.H.I.E.L.D. seine junge Flamme Peggy Carter sieht, Thor seiner wenig später getöteten Mutter Frigga gegenübersteht, die natürlich mit ihren Hexenkräften sofort erkennt, dass er aus der Zukunft kommt, und Tony seinen Vater kurz vor der Niederkunft der Mutter trifft. Als Fan der "Agent Carter"-Serie fand ich wunderbar, dass Jarvis als Butler von Howard Stark in Person aufgetreten ist - es ist derselbe Schauspieler wie in der Serie und die Synchronstimme, die auch in den Iron Man-Rüstungen und im Avengers-Hauptquartier spricht. Hawkeye und Black Widow flachsen wie üblich und wieder erfährt man nicht, was in Budapest tatsächlich passiert ist. Etwas verwirrend fand ich zunächst, dass der späte Thor nicht nur den Stein, sondern auch seinen Hammer aus der Vergangenheit mitbringt. Der müsste ja dann dem früheren Thor fehlen. Dann wurde mir aber klar, dass nicht nur die Steine passend zurückgebracht werden können, sondern natürlich auch der Hammer.

Hier kommt ein weiterer Kritikpunkt an den typischen Filmhandlungen: fehlende Informationen untereinander. Banner begegnet der "Einen", der Vorgängerin von Dr. Strange, und erwähnt nur zufällig in einem Nebensatz, dass Strange den Zeitstein freiwillig an Thanos übergeben hat. Nur dadurch kommt es zum Ausleihen des Steins, weil die Eine feststellt, dass Strange einen guten Grund dafür gehabt haben muss. Warum haben sich die Avengers nicht vor der Zeitreise intensiv über ihre jeweiligen Erlebnisse ausgetauscht? Warum weiß Banner keine Details über den Kampf auf Titan? Schließlich hat Strange deutlich gesagt, dass es genau ein Szenario unter 14.000.605  gibt, in dem Thanos besiegt wird und er genau deshalb den Stein aufgibt und damit Tony Stark rettet. Wenn es um Zeitreise geht, braucht man sich nicht zu beeilen. Ob die Zeitreise ein paar Tage früher oder später begonnen wird, ist unerheblich. Aber gute Vorbereitung und ein einheitlicher Wissensstand sind essentiell.

Die Wahl der Zeitpunkte in der Innensicht halte ich in den meisten Fällen für fragwürdig. Es hätte für jeden der sechs Steine definitiv bessere Zeitpunkte mit weniger Gefahr des Auffallens und Scheiterns gegeben, aber wo wäre dann die Spannung geblieben? Hier bleibt ein Gefühl zurück, dass vieles um des Effekts willen absichtlich konstruiert war. Insbesondere beim violetten Machtstein, den Quill findet, wäre es deutlich besser gewesen, den Stein aus der Obhut des Nova Corps auszuleihen, also zeitlich direkt nach dem Ende des ersten Guardians of the Galaxy-Films. Den Tesserakt, also den Space stone, hätte man zu einem beliebigen Zeitpunkt ebenfalls auf Asgard ausleihen können. Statt Lokis Szepter auszuleihen, wäre ein Zeitpunkt am Anfang der Handlung von "Age of Ultron" ebenfalls besser gewesen, als Tony und Banner den Gedankenstein erforschen. Das ist aber natürlich Jammern auf hohem Niveau :-)

Captain Marvel als angeblich stärkste Figur wurde nur spärlich eingesetzt - laut den Comics hat sie auch Zeitreisefähigkeiten, und dann wäre die Geschichte mit dem Ausleihen der Infinitysteine natürlich vollkommen überflüssig. Sie darf am Anfang Tony Stark mit der havarierten "Benatar" retten (tatsächlich benannt nach Pat Benatar!), am Ende Thanos' Raumschiff angreifen und sich kurz mit Thanos prügeln.

Eine für mich vollkommen unerwartete Wendung war, dass Nebula durch ihre Cyborgimplantante mit ihrem vergangenen Körper interagiert und beidseitig Erinnerungen ausgetauscht werden. Dadurch erhält Thanos in der Vergangenheit Kenntnis von den Zeitreisen. Die "späte" Nebula wird gefangen und stattdessen reist die frühere, "böse" Nebula zurück in die Zukunft. Banner macht den Schnips rückgängig, weil er der stärkste Avenger ist (wie wir aus Thor 3 und der Szene im Quinjet wissen) und die böse Nebula holt das gesamte Raumschiff von Thanos in die Zukunft. Die übliche finale Schlacht entbrennt, und es gibt ein paar schöne Prügelszenen, Thanos nimmt den Handschuh in Besitz, den Tony Stark gebaut hat, aber durch einen Trick sind die Steine nicht mehr darin verankert. Besonders gut gefallen hat mir, wie selbstverständlich Captain America mit Thors Hammer umgehen kann und Thor begeistert ist ("ich wusste, dass er würdig ist"), was an die Szene aus "Age of Ultron" anschließt - dort wackelt der Hammer, als Cap ihn hochheben will und Thor fällt das Lachen aus dem Gesicht.

Die Schlussszene mit Captain America und Peggy Carter beim Tanz finde ich absolut angemessen, um den Figuren einen würdigen Abschluss zu setzen, ohne jemanden ins Gras beissen zu lassen. Cap hat während des gesamten Films immer wieder auf das Bild von Peggy in seiner Uhr geschaut. Die Weitergabe des Schilds des gealterten Captains an Falcon passt auch.

Insgesamt lässt der Film natürlich noch Fragen offen, wenn man tiefer über Zeitreisen nachdenkt. Thanos ist durch Nebulas Manipulation in die Zukunft gereist und stirbt dort zusammen mit seinen Handlangern und Untertanen. Das heißt natürlich, dass die Realität in der Vergangenheit ab diesem Zeitpunkt vollkommen anders verläuft. Er jagt also nicht mehr den Steinen nach, wie wir das aus den bisherigen Filmen kennen und schnipst dann, sondern versucht, auf einen Schlag die in die Zukunft "ausgeliehenen" Steine an sich zu bringen. Ich wollte das Wort "Zeitparadoxon" wenigstens mal erwähnt haben ;-)

In Interviews haben die Russo-Brüder mittlerweile einige Informationen und Gedanken über den Film nachgeschoben: man kann die Vergangenheit nicht ändern, sondern bei jeder divergierenden Entscheidung entsteht eine neue "Zeitlinie", d.h. ein alternatives Universum, in dem die Handlungen dementsprechend unterschiedliche Auswirkungen haben. Cap ist also in einem Paralleluniversum zusammen mit Peggy gealtert und erst am Ende ihres gemeinsamen Lebens, vermutlich nach ihrem Tod, zurückgekehrt, um einen Abschluss zu finden. Andere Kritiker haben eine andere Meinung zu diesem Ende, haben aber offensichtlich die Erklärung "hintendran" nicht wahrgenommen oder anders verstanden.

Die Verträge von Robert Downey Jr. (Iron Man), Chris Hemsworth (Thor) und Chris Evans (Captain America) sind mit diesem Film ausgelaufen. Da Thor mit den "Asgardians of the Galaxy" zusammen aufgebrochen ist, könnte es aber ein Wiedersehen in Teil 3 geben. Vermutlich suchen sie nach Gamora, die sich aus dem Staub gemacht hat, nachdem sie Quill verprügelt hat ("der erste hat nicht richtig getroffen"). Dies ist ja die "alte" Gamora, die durch den Zeitsprung keine Beziehung mit Quill entwickeln konnte. Schau'n mer mal.

05.04.2019

Leserbrief zum Interview mit Oswin Veith in der WZ

Und ein neuer Kracher von Oswin Veith, den er diese Woche in einem Interview mit der Wetterauer Zeitung heraus gehauen hat: der Untersuchungsausschuss zu den Beraterverträgen im Verteidigungsministerium habe nur das Ziel, die "Ministerin zu stürzen". Vielleicht sollte er öfter mal seinen Aluhut tragen, damit die Verschwörungstheorien nicht so wirken.
[veröffentlicht am 04.04.19]

Leserbrief zum Interview Oswin Veith, Untersuchungsausschuss
Herr Veith zeigt wieder einmal deutlich, dass ihm die Demokratie und ihre Werkzeuge vollkommen egal sind.
In letzter Zeit scheint die CDU für sich entdeckt zu haben, dass man nicht sachlich arbeiten muss, wenn es doch viel einfacher ist, die Personen und die Institutionen anzugreifen und schlecht über sie zu reden. Das hat man bei den Protesten gegen die Urheberrechtsreform gesehen, als die Demonstranten als „Bots“ (Roboter) oder „gekauft“ denunziert wurden, und setzt sich bei Hr. Veith ähnlich fort.
Die Opposition hat es trotz erheblicher parlamentarischer Hürden geschafft, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, der die Mittelverwendung im Verteidigungsministerium untersuchen soll, und alles, was Hr. Veith dazu einfällt, ist die Unterstellung einer Verschwörungstheorie, dass die Ministerin gestürzt werden soll.
Angeblich sei ja schon alles "aufgeklärt" und "abgestellt", was in der "Verwaltung" falsch gelaufen sei. Aber es ist ganz schön billig, nur die kleinen Fische zu fangen. Es muss geklärt werden, welche Leitungsebenen in die Vergabeentscheidungen eingebunden waren, zumal bei der Größenordnung, um die es hier geht.
Es ist ein legitimes Verfahren, einen Ausschuss zu bilden, um Informationen zu erhalten, und es ist eines der legitimen Werkzeuge der Opposition im Parlament, die Regierung zu kontrollieren, wie es ihr verfassungsrechtlicher Auftrag ist.
Außerdem halte ich den rhetorischen Trick von Herrn Veith für ganz schäbig, dass er mit Prozentzahlen die Summe klein reden will, um die es geht. Der Etat des Ministeriums sind knapp 40 Milliarden €, und die schöngefärbte Behauptung, es sei ein "niedriger einstelliger Prozentbetrag" geflossen, verschleiert sehr effektiv, dass wir hier für jedes dieser "einstelligen" Prozente immerhin von fast 400 Millionen € reden!
Aus meiner eigenen Berufstätigkeit weiß ich, dass ein Beratertag nicht unter 1000 € zu bekommen ist (und selbst das ist sicher noch sehr niedrig gegriffen bei großen Firmen wie PwC, Accenture usw.). Um das mal umzurechnen, wenn ich diesen Betrag verwende: hier sind also mehr als 100.000 Mannjahre Beratertätigkeit von unseren Steuergeldern bezahlt worden.
Ein besonderes Geschmäckle erhält diese hemdsärmelige Auftragsvergabe noch dadurch, dass zwei Kinder der Ministerin bei Beratungsfirmen arbeiten, die "bedacht" wurden.


21.03.2019

The Umbrella Academy - Staffel 1

Über das letzte Wochenende habe ich die neue Serie "The Umbrella Academy" bei Netflix gesehen. Die Serie wurde vor dem Start massiv beworben, u.a. auch durch Werbespots im traditionellen Fernsehen, und der Ansatz klang wie eine Mischung aus Avengers, X-Men, Justice League und ähnlichen Superheldenserien, nur "kaputter".

Mein Fazit: durchwachsen. Interessante Ideen, aber für eine zehnteilige Serie hatten die einzelnen Folgen enorme Längen, die mir den Spaß ein wenig vergällt haben.

Die Handlung in kurz: eine Gruppe von jungen Menschen mit besonderen Fähigkeiten versucht, die Apokalypse zu verhindern. Spoiler: sie scheitern und vielleicht doch nicht. Bei Zeitreise-Geschichten weiß man ja nie.

Die Handlung in lang: aus ungeklärten Umständen wurden am 1. Oktober 1989 43 Frauen spontan innerhalb eines Tages schwanger und entbinden ein Kind. Ein exzentrischer Milliardär nimmt sieben dieser Babys als Adoptivkinder auf und zieht sie mit Hilfe eines genmanipulierten Schimpansen und eines Androidenkindermädchens auf. Er trainiert ihre Fähigkeiten und bringt sie dazu, als Superheldenteam aufzutreten. Allerdings hat das Team nur sechs Mitglieder: "7" oder "Vanya" glaubt, dass sie keine besonderen Fähigkeiten hat, was sich aber im Verlauf als falsch erweist. Der Zuschauer ahnt das natürlich sofort, aber der erste Gedanke, dass die Fähigkeiten von 7 wichtig für das Team sind, entpuppt sich als falsch.

In der ersten Staffel wird die Entstehung des Teams geschildert und retrospektiv gezeigt, wie die Gruppe wieder auseinanderbricht und das Haus des Adoptivvaters Hargreeves verlässt. Er ist streng, unbarmherzig und absolut unempathisch. Er verletzt permanent die Gefühle und die gesunde Entwicklung der Kinder und ordnet alles seinem Ziel unter. Eins nach dem anderen verlassen ihn die Mitglieder des Teams, die er nur mit Nummern und nicht mit Namen anspricht.

In der Gegenwart der Erzählung treffen die Kinder zu Hargreeves Beerdigung zusammen, bis auf "6" bzw. Ben, der unter unerzählten Umständen bei einem Einsatz starb. Nach und nach wird in Rückblicken gezeigt, wie rücksichtslos Hargreeves ist und den Kindern dadurch seelische Verletzungen zufügt.

Nummer 5 ist ein Teleporter durch Raum und Zeit. Hargreeves verbietet ihm, durch die Zeit zu reisen. Er tut es trotzdem und erreicht eine postapokalyptische Erde, von der er nicht mehr zurückreisen kann - der Grund dafür bleibt unklar. Dort verbringt er Jahre, bis er von einer mysteriösen Frau für eine Organisation, die "Kommission", angeworben wird. Diese Organisation aus Zeitreisenden will dafür sorgen, dass die Geschichte immer einen bestimmten Verlauf nimmt, z.B. stellt sie sicher, dass der Zeppelin Hindenburg wirklich in Lakehurst in Flammen aufgeht. Die "Zeitagenten", auch "temporal assassins" genannt, bekommen Aufträge von Analysten, um bestimmte Ereignisse zu forcieren, und dabei gehen sie buchstäblich über Leichen.

Nach Jahren im Dienst der Kommission kann 5 zurückkehren und wird dabei wieder zu seinem 13-jährigen Ich verjüngt, ist aber geistig auf dem Stand seines 58-jährigen Selbst geblieben. Er will unbedingt die Apokalypse verhindern und weiß, dass sie in den nächsten acht Tagen stattfinden wird, aber nicht, durch wen oder warum. Sein einziger Hinweis ist ein Glasauge mit einer Seriennummer.

All das ist aber effektiv vollkommen unwichtig: alle Handlungen zur Aufklärung führen nur dazu, dass die Apokalypse tatsächlich herbeigeführt wird. Schlussendlich war Hargreeves sogar der Auslöser durch die folterähnlichen Methoden und die seelischen Schäden an seinen Adoptivkindern. Im Bemühen, den Weltuntergang zu verhindern, führen die sieben Kinder ihn gerade herbei. Im letzten Moment kann 5 sie alle durch eine Zeitreise retten und dadurch den Cliffhanger zur zweiten Staffel aufbauen.

Was mich immer wieder an Filmen und Serien wundert: viele Situationen, die man als Zuschauer erkennt, führen in  der Handlung zu vorhersehbaren schlimmen Folgen und hätten vermieden werden können, wenn die Figuren ihr Wissen teilen würden. Fünf z.B. weiß unglaublich viele Details, aber er teilt sie nicht mit seinen Adoptivgeschwistern. Vanya nimmt täglich Tabletten zur Unterdrückung ihrer Fähigkeiten. Außer dem Affen und der Nanny weiß das aber niemand, und Vanya hinterfragt nicht ein einziges Mal die Einnahme. Offensichtlich wissen auch die anderen Geschwister nichts von ihren Fähigkeiten. All diese Nichtkommunikation führt letztendlich zum Showdown während des Konzerts, in dem Vanya die erste Geige spielt. Ich verstehe nicht, warum Drehbuchautoren so eklatante logische Schwächen verzapfen, statt die Figuren sinnvoll handeln zu lassen.

Aber wie schon gesagt: bei Zeitreisegeschichten darf man die Logik ein wenig beiseite schieben. Insgesamt war es gute Unterhaltung.

05.03.2019

Klimawandel x+1

Der emeritierte Professor L. ist genervt vom "Ping-Pong" unserer Leserbriefe. Ich stimme ihm zu, dass es ermüdend ist, auf seine unwissenschaftlichen Leserbriefe zu antworten. Außerdem beklagt er, dass die WZ seinen Titel weglässt, der eine Autorität suggeriert, die er auf dem Forschungsgebiet gar nicht vorweisen kann, über die er spricht.
[Veröffentlicht am 22.02.2019, wie üblich an den falschen Stellen von der WZ redigiert]

Herr L., ich gebe Ihnen Recht.
Wir sollten dieses unwürdige Ping-Pong-Spiel beenden, da wir offensichtlich unterschiedliche Vorstellungen von wissenschaftlicher Methodik und Diskurs haben.
Bitte unterstellen Sie keine Verschwörungstheorien und schwammige Behauptungen, dass missliebige Forscher gemobbt und "mundtot" gemacht werden.
Sie begeben sich damit auf das schäbige Niveau von Tichy, der auch gerade publikumswirksam jammert, dass man ja doch nicht alles sagen dürfe.
Es gibt Meinungsfreiheit und Forschungsfreiheit, aber das garantiert nicht, dass man unwidersprochen bleiben kann.
Die Realität ist, dass jede Studie durch Peer-Reviews angezweifelt werden kann - das ist kein Mobbing, sondern einfach wissenschaftlicher Standard.
Forscher, die eine gegenläufige Theorie entwickeln, müssen sich dem genauso stellen wie jeder andere.
Alle die wenigen Studien, auf die Sie und andere Zweifler sich stützen, wurden kurze Zeit später widerlegt.
Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, warum ein seit Jahrzehnten bestehender wissenschaftlicher Konsens von einzelnen fachfremden Zweiflern immer noch angefochten wird.
Schon die Meldungen der Tagespresse widerlegen, was Sie zum Klimawandel behaupten: die letzten 5 Jahre gehören mit zu den wärmsten seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen.
Obwohl v. Storch, den Sie zitieren, den Klimawandel grundsätzlich bestätigt, nutzt er gern statistische Tricks, wie z.B., nur die Daten seit 1998 zu betrachten, statt den gesamten Zeitraum.
Von daher ist sein Zitat von 2013 auch heute sinnlos, dass die Temperaturen nicht mehr gestiegen seien, genauso wie die damalige Spekulation "wenn die Temperatur fünf Jahre nicht mehr steigen würde ...".
"Nur in drei Jahren seit 1880 waren die Temperaturen auf der Erde noch höher, als 2018. Das haben die NASA und die US-Ozean- und Atmosphärenbehörde in unabhängigen Analysen ermittelt. NASA und NOAA warnen deswegen, die Erderwärmung halte unvermindert an. Lediglich die Jahre 2015, 2016 und 2017 seien noch wärmer gewesen, als das vergangene und die jüngsten fünf Jahre seien zusammen auch die wärmsten fünf seit Beginn der weltweiten Messungen. Seit 1880 sei die Durchschnittstemperatur auf der Erdoberfläche um 1 Grad Celsius angestiegen. Schuld sei der vom Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen." (Zitiert aus https://heise.de/-4301316)
Dieselbe traurige Geschichte passiert gerade bei der Diskussion um Schadstoffe - hier folgt die Politik willig einzelnen Schreihälsen wie Köhler, der nachweislich Zahlen um einen Faktor 1.000 und mehr falsch in die Welt gesetzt hat.
Seine einzige Entschuldigung für die gravierenden Fehler: er sei Rentner und habe nicht einmal eine Sekretärin.
Ist das wirklich eine Rechtfertigung, aufmerksamheischend mit so einen Paukenschlag an die Medien zu gehen und durch alle Talkshows zu tingeln?
Die Mitunterzeichner seines fragwürdigen Papiers sind nicht nur eine Minderheit unter den Lungenärzten, sondern auch Motorkonstrukteure und andere Akteure aus der Autoindustrie und Politik.
Abgesehen davon haben weder Köhler noch die unterzeichnenden Ärzte Expertise in der wissenschaftlichen epidemiologischen Forschung - von keinem der Namen auf der Liste sind wissenschaftliche Arbeiten zum Thema bekannt.
Die weiteren 3900 Ärzte in der DPG (Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V.) vertreten genau die gegensätzliche Position - Feinstaub und NOx sind definitiv gefährlich.
Wenn urplötzlich so ein "Rufer in der Wüste" auftritt, sollte man erst einmal die Frage stellen, wem nutzt diese bequeme Gegenposition?
Ganz offensichtlich handelt es sich um handfeste wirtschaftliche Interessen, sonst nichts.
Die Umwelt soll hier hintan treten, damit die Quartalszahlen bloß nicht leiden.
Und Minister Scheuer, der seinen tschechischen "kleinen" Doktortitel in Deutschland gar nicht führen dürfte, springt begeistert über das Stöckchen, weil es gerade opportun ist.
Ich wiederhole gern erneut meinen Lesetipp: 10 Fakten über den Klimawandel bei ZEIT Online.

22.01.2019

Datenklau und digitale Selbstverteidigung

Zum Datenklau vor einigen Wochen habe ich mir einige allgemeinere Gedanken gemacht und als Leserbrief aufgeschrieben. Leider ist mir bei den Links zu meinem Blog ein Fehler passiert: es wurde zweimal dieselbe URL abgedruckt. Hier im Blog ist es natürlich korrigiert.
[abgedruckt am 22.01.2019]

Der letzte Woche bekannt gewordene "Datenklau" verursacht bei den Betroffenen zu Recht große Empörung.
Hier werden private Informationen bekannt gemacht und die Opfer fühlen sich gefährdet.
Wer sofort nach den ersten Pressemeldungen schon Schuldzuweisungen zu treffen wagte, ob es nun staatliche Hacker aus China, Russland, Nordkorea oder anderen Ländern wären, schmückt sich zu Unrecht mit dem Titel "Experte". Im Internet ist es unglaublich einfach, falsche Fährten zu legen und in seinen Datenpaketen als Herkunft ein beliebiges Land vorzutäuschen. Am Ende war es dann ein Scriptkiddie aus Homberg. Oder vielleicht doch nicht?
Abgesehen davon finde ich die Reaktionen auf die Veröffentlichung der Daten sehr interessant.
Es hängt offensichtlich davon ab, wer betroffen ist. Der Staat und Firmen bedienen sich ganz ungeniert an persönlichen Daten und wollen immer mehr davon. Es wird gesammelt, was das Zeug hält, und wenn es nicht ausreicht, werden neue Gesetze und technische Möglichkeiten verlangt und geschaffen, wie z.B. die seit Jahren vom Bundesverfassungsgericht immer wieder abgelehnte Vorratsdatenspeicherung oder die Pkw-Maut. Aber andererseits müssen nur "ein paar Prominente" betroffen sein, und schon laufen die Sicherheitsbehörden Amok und das Harmloseste ist noch die Behauptung, dies wäre ein "Angriff auf die Demokratie".
Wer jetzt immer noch auf dem Standpunkt steht, er habe "nichts zu verbergen", sollte mal ganz genau hin schauen, wie die "Prominenten" jetzt eine Welle der Empörung vor sich her schieben. Natürlich hat jeder etwas zu verbergen. Es ist ganz normal, wenn man seine Privatsphäre für sich behalten will.
Nach bisherigem Stand wurde nicht bei Anbietern "eingebrochen" und abgeschöpft, sondern schlicht und einfach schlechte Passwörter geknackt oder erraten, um einzelne Daten von Benutzern abzugreifen.
Daraus sollten wir als Gesellschaft und Computernutzer mehrere Lehren ziehen:
  • nur Daten, die nicht im Internet sind, sind gute Daten ("think before you post").
  • wenn Daten denn unbedingt im Internet sein sollten, dann so wenig wie möglich davon (Datensparsamkeit).
  • Jede Datensammlung weckt Begehrlichkeiten und die Möglichkeit zum Diebstahl und Mißbrauch. Wehren wir uns als Gesellschaft weiterhin gegen die Vorratsdatenspeicherung! Auch der Staat darf nur die Daten besitzen, die unbedingt nötig sind (und nicht auf Vorrat).
  • Daten liegen im Internet auf fremden Computern ("Cloud"), denen wir nicht vertrauen dürfen.
  • Kommunikation sollte immer verschlüsselt sein.
  • Nicht auf Links in Emails oder im Chat klicken.
  • Passwörter möglichst lang und nicht erratbar wählen (keine Haustiere, Geburtstage, Kosenamen). Die Faustregeln über Sonderzeichen und das regelmäßige Wechseln sind Humbug. Länge ist Trumpf.
  • Alle Geräte müssen aktuelle Software verwenden. Wer jetzt noch Windows XP oder ein Smartphone mit Android 4 oder 5 verwendet, spielt mit dem Feuer.
Mehr Tipps zur Sicherheit in meinem Blog: hier und hier