04.04.2014

Captain America 2

Ich war mal wieder im Kino - in einer Comicverfilmung.

Sage ich schon, dass ich die verfilmten Marvel-Comics liebe? Ne, ich glaube nicht.

Also: ich liebe ja diese Comic-Verfilmungen von Marvel. Als Kind hab ich immer ganz fasziniert diese schrägen Helden gelesen, die alle auf die eine oder andere Weise eine Macke oder ein Handicap hatten.

Das wirkte damals auf mich schon wesentlich glaubwürdiger als diese blankpolierten Helden wie Superman oder Batman. Soweit man bei magischen Ringen, netzspritzenden Spinnenbissopfern, Dingen mit Steinpanzerung nach Weltraumflügen und ähnlichem überhaupt von Glaubwürdigkeit reden kann ;)

Natürlich hab ich auch Superman und Batman und alles andere gelesen, was ich in die Finger bekam. Das war einfach eine faszinierende Fantasiewelt, und die Vorstellung, dass es einen Beschützer gibt, hat doch 'was Beruhigendes, oder nicht?

Also, äh ... ja. Ich war mal wieder im Kino. Hm, sagte ich schon. Aber noch nicht, in welchem Film. Nun denn, irgendwann muss es raus. Oder lesen Sie Blogs, ohne die Überschrift wahr zu nehmen? Glaube ich eigentlich nicht. Aber ich sprech's trotzdem nochmal aus: es handelt sich um den zweiten Teil von Captain America, "The Winter Soldier".

Nervig ist die Angewohnheit, aus einem englischen Untertitel ("The Winter Soldier") einen anderen englischen Untertitel ("Return of the first Avenger") zu machen, das ist doch blödsinnig. Cap 2 handelt hauptsächlich von den Überresten der Organisation Hydra, und der "Winter Soldier" ist ein Experiment  des in den 70ern verstorbenen Nazi-Wissenschaftlers Zola.

Im Moment gibt es ja sozusagen eine Flut von Filmen, die alle so ein bißchen miteinander verbunden sind. Man erkennt eine zeitliche Reihenfolge in den Filmen über Iron Man (1-3), Thor (1-2), Captain America (1-2) und den Avengers, es werden immer mal wieder Anspielungen gemacht und insbesondere die Teaser nach dem Abspann deuten an, wie es weitergeht. Außerdem findet sich in nahezu allen Filmen entweder als Andeutung oder als Handlungselement der Tesserakt (mathematisch ein vierdimensionaler Würfel - in unserer eingeschränkten Sichtweise müsste die Projektion eigentlich anders aussehen, nämlich in etwa so wie auf diesem außergewöhnlichen Gemälde über die Kreuzigung, "Crucifixion (Corpus Hypercubus)" von Salvador Dalí).

Allerdings hat mich bei diesem Film die fehlende Glaubwürdigkeit der Handlung schon ein bißchen gestört: für die Invasion aus einer anderen Dimension in "Avengers I" wurden alle Avenger gebraucht, aber wenn fliegende Monstermaschinen, angetrieben von Starks Repulsor-Antrieb, 20 Mio. Menschen gezielt auf's Korn nehmen und umbringen wollen, muss Cap alleine 'ran (ok, mit Black Widow und Falcon), und Iron Man sitzt zuhause und kuschelt mit seiner mittlerweile geheilten Pepper Potts?

Allzuviel über den Verlauf der Handlung will ich nicht verraten, es gibt einige sehr überraschende Wendungen, und wenn man die vorher weiß, geht viel vom Spaß beim Schauen verloren.

Unglaublich spannend fand ich den Anschlag auf Nick Fury und die Verfolgungsjagd mit dem Auto. Überhaupt finde ich sehr erstaunlich, wie zuverlässig die Sprachsteuerung funktioniert, sowohl in Autos als auch in Bürocomputern, Flugzeugen und so weiter. So weit ist Siri noch nicht ;)

Sehr schön auch die Szene in dem alten Rechenzentrum von S.H.I.E.L.D. mit den Bandmaschinen, den riesigen Monitoren und Klackertastaturen. Erfrischend dann als Anachronismus der USB-Hub.

Naja, ansonsten ist das Ende nicht so überraschend. Es war klar, dass es einen Countdown geben muss, und das Narrativium sorgt dafür, dass der Held immer in der letzten Sekunde die Lösung findet (hier: den Chip einsetzt). Erstaunlich nur, dass der "böse" Chip entfernt wird, dann gibt es eine minutenlange Prügelei mit leerer Fassung, und der Heli-Carrier funktioniert trotzdem problemlos. Erst mit dem Einsetzen des neuen Chips verbreitet sich in allen beteiligten Maschinen die Manipulation und alles ist gut.

Rundum empfehlenswert, wenn man Actionfilme aus einem Comic-Universum mag. Als Software-Entwickler lassen mich die Fortschritte bei der Tricktechnik (CGI) immer wieder staunend und fassungslos zurück. Es ist genial, was an Filmqualität mittlerweile aus dem Computer kommt.

Aber auch der Charakter Steve Rogers kommt nicht zu kurz: der Film besteht nicht nur aus Action. Insbesondere konstatiert Cap, dass er im 2. Weltkrieg die Freiheit verteidigt hat. Zu Anfang des Films geht es darum, die Überwachung zu verstärken, und das schmeckt ihm gar nicht. Auf die Parallelen zur aktuellen Wirklichkeit brauche ich nicht weiter einzugehen, denke ich. Die Realität hat uns hier eingeholt, wie ich vor einiger Zeit schon schrieb. Ich finde es sehr sympathisch und die Dosierung war genau richtig, in der Cap an sich zweifelt.

Beeindruckend die Leistung eines namenlosen Technikers, der am Computer sitzt, von einem der Bösewichte mit der Pistole bedroht wird, damit er die Überwachungsmaschinerie startet. Man kann genau den Widerstreit zwischen Angst vor der Bedrohung und seinen Wunsch erkennen, eben nicht zur Überwachung beizutragen. Um was es geht, hat Cap ja vorher in einer Durchsage genau erklärt. Der Zuschauer fiebert mit und rechnet schon ziemlich fest damit, dass der Techniker erschossen wird, bis im letzten Moment ... Mehr verrate ich nicht ;)

Außerdem besucht Cap seine alte Liebe Peggy, die im Gegensatz zu ihm die 70 Jahre leider nicht so frisch überstanden hat. Er erinnert sie daran, dass sie ihm immer noch einen Tanz schulde ... sehr romantisch (erwähnte ich schon, dass ich auch gern tanze? Ich mag am liebsten Tango und Quickstep).

Achja: Robert Redford spielt mit, und gar nicht mal schlecht. Aber alt geworden ist der Mann. Ui. Typisch für Geheimdienst ist seine Rolle sehr ambivalent, erst ganz am Ende zeigt sich sein wahrer Standpunkt. Mehr verrate ich auch hier nicht ;)

Also: definitiv angucken. Die Logikschwächen sind verschmerzbar. Die Bilder sind toll. Es lohnt sich!