28.03.2013

Datenschutz und Privatsphäre: eine Hilfe

Vor einiger Zeit habe ich ja schon mal über die Zukunft mit der Technik geschrieben und erwähnt, dass ich nebenher ehrenamtlich Vorträge über Datenschutz und Privatsphäre halte. Darüber wollte ich schon einige Zeit etwas ausführlicher schreiben, jetzt hab ich mir endlich mal die Zeit dazu genommen ;)

Dieser Vortrag mit dem Titel "manage your identity" wurde im Jahr 2011 von einem Kollegen bei IBM anlässlich des 100. Geburtstags der Firma entworfen und freiwillige Mitarbeiter können diesen Vortrag seitdem kostenlos an z.B. Schulen oder vor anderen interessierten Gruppen halten. Darunter fallen natürlich auch Schulelternbeiräte, Schulkonferenzen oder Vereine, die ein Thema für einen Gastvortrag suchen.

Wer also nach dem Lesen des Blogartikels Interesse daran hat, dass ich mit diesem Vortrag zu Besuch komme, der kann sich gern per Email oder in den Kommentaren an mich wenden, damit wir einen Termin vereinbaren können. Das ist nicht mit Werbung für IBM verbunden, keine Angst ;). Ich würde das gern örtlich begrenzen, ich halte also keine Vorträge, für die ich eine stundenlange Anreise hätte.

IBM behauptet mit Recht, dass große Firmen, insbesondere aus dem Technologiesektor, eine besondere gesellschaftliche Verantwortung haben, um die Menschen mitzunehmen und sie nicht am Wegesrand stehen lassen. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: ich kann meine ehrenamtlich geleistete Zeit in eine besondere Zeiterfassung bei IBM eingeben und dann als Belohnung einmal im Jahr eine Spende für diese Institution beantragen. Auf diese Weise hat die Jim-Knopf-Schule schon zweimal eine Spende von IBM bekommen, einmal für das Frühstücksprojekt und einmal für die Lese-AG, in denen ich mitarbeite.

Dieser Blogartikel soll keine Werbeveranstaltung für IBM werden, aber ich wollte es wenigstens mal in einem Absatz erwähnen. Das Buch zum Geburtstag ist übrigens sehr interessant und flüssig geschrieben und lohnenswert zu lesen.

Wir stehen meiner Meinung nach vor einer gigantischen Umwälzung, und obwohl ich wie schon erwähnt in einer Technologiefirma arbeite, kann ich mir kaum vorstellen, wie die Technik unser weiteres Leben verändert.

Deshalb ist es mir wichtig, das weiterzugeben, was ich selbst lerne und erlebe. Viele Menschen verwenden Technik so gut sie können, die Betonung dabei ist: so gut sie es eben können. Das muss nicht unbedingt die optimale Weise sein, aber wenn es ausreicht, ist das ja auch in Ordnung. Man muss ja nicht das Gerät komplett ausreizen. Allerdings habe ich auch schon oft (am PC und am Smartphone) erlebt, dass jemand etwas besonders umständlich macht oder sich eine Arbeitsmethode ausgedacht hat, die unsicher ist, d.h. eine Methode, die gefährlich ist, weil dabei Daten kaputt oder verloren gehen können oder es eben Bösewichten leicht gemacht wird, Schaden anzurichten.

Meiner Meinung nach ist das "tragbare Internet" in Form von Smartphones eine der tollsten und grandiosesten Erfindungen, die überhaupt jemals gemacht wurden. Smartphones bieten den Zugriff auf Wissen wie Wikipedia, Google usw., aber ebenso können sie alltägliche Daten speichern, die man sich nicht mehr mit Mühe selbst merken muss (Termine, Einkaufslisten usw.). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von "Apps" auf Smartphones ist sicherlich noch nicht annähernd ausgereizt, und ich persönlich bin gespannt darauf, was alles noch kommen mag. Meine Frau z.B. will im Mai nach Hamburg auf den diesjährigen Kirchentag fahren. Dafür wurde eine eigene App angekündigt, damit man seine Veranstaltungen besser organisieren und leichter finden kann. Darauf ist sie jetzt schon ganz gespannt mit ihrem runderneuerten Motorola Milestone2 ;)

Diese Smartphones bieten natürlich nicht nur grandiose Möglichkeiten, sondern auch grandiose Gefahren. Gerade letztens habe ich von einer Schätzung gelesen, dass die Computerschädlinge (Viren, Trojaner, Datendiebe usw.) auf Smartphones jetzt erst richtig loslegen. Android hat einen Marktanteil von über 70% und hat Apple verdrängt. Damit ist zu erwarten -- genau wie bei Windows -- dass Android aufgrund der Verbreitung dieses Betriebssystem zu einem interessanten Angriffsziel wird. Das ganze übrigens nicht nur von Bösewichten, sondern auch staatlicherdings.

Eigentlich wollte ich ja ein bißchen mehr über diesen Vortrag "manage your identity" erzählen. Also mach ich das jetzt auch mal langsam ;)

Diesen Vortrag halte ich kostenlos nach Vereinbarung, eigentliche Zielgruppe sind Schulklassen oder Elternbeiräte, aber ist natürlich nicht darauf beschränkt. Es gibt zwei Varianten davon, für Sekundarstufe I (5.-10. Klasse) und für Sekundarstufe II (11.-13. Klasse). Der Vortrag ist sinnvoll ab der 7. Klasse, wenn die Kurzen loslegen mit Facebook und Co. Andererseits erlebe ich, dass sich unsere Kinder schon deutlich früher dafür interessieren und auch immer früher ein Smartphone mit Internet-Flatrate bekommen. SchülerVZ erlaubt den Beitritt ab dem 11. Geburtstag, das kommt zeitlich etwa mit der sechsten Klasse. Ich habe den Vortrag auch schon erfolgreich in sechsten Klassen gehalten und dabei die Akzente etwas anders gesetzt. Das lief auch ziemlich erfolgreich, Kinder und Lehrer waren zufrieden ;)

In dem Vortrag geht es schwerpunktmäßig erstmal darum, dem Publikum zu erklären, was alles persönliche Daten sind und wer sie bekommen darf (oder muss oder eben nicht). Einige Tatsachen sind den meisten durchaus schon klar, andere hingegen kommen ziemlich überraschend.

Danach geht es im Vortrag weiter, warum jemand unsere Daten haben will (staatliche Stellen, Firmen, usw.), ob die das dürfen, wo die Grenzen sind, und was auf keinen Fall erlaubt ist. Der Vortrag ist unterlegt mit einigen kurzen satirischen Videos, in denen gezeigt wird, wie großzügig manche Leute mit ihren Daten umgehen, weil ihnen gar nicht bewusst ist, wie sensibel das ist, was sie da gerade herauszugeben gebeten werden, oder wie es wäre, wenn man sich im "echten Leben" genauso benehmen würde wie in einem sozialen Netzwerk im Internet.

Meistens sind die Zuhörer (insbesondere die Lehrer) ganz schön erschrocken, was so alles mit ihren Daten passieren kann, insbesondere, wenn man Daten aus vielen verschiedenen Lebensbereichen zusammenführen kann ("big data"). Besonders erschrecken die meisten, wenn ich das Beispiel mit der iPhone-App "Where are the girls" anführe und beschreibe, dass mit der Löschung der App aus dem Store das grundsätzliche Problem der öffentlichen Daten ja eigentlich gar nicht gelöst ist ... Ein anderes schönes Beispiel dafür, was Konzerne aus ihren Daten alles schlussfolgern können, findet sich hier: Versandhaus weiß von Schwangerschaft vor den Eltern.

Auch die Anonymität und Pseudonymität im Internet ist ein Thema ("in the internet nobody knows you're a dog"): niemand kann sich absolut sicher sein, ob sein Gesprächspartner oder "Freund" bei Facebook der ist, für den er sich ausgibt oder ob sich z.B. in eine Chatgruppe von (Mädchen-) Fans einer Boygroup bei WhatsApp nicht ein Erwachsener eingeschlichen hat, der sich dort an die Jugendlichen heranmachen will.

Im Zuge der immer weiter verschärften Gesetzgebung zum Thema Urheberrecht und der Gefahr von Abmahnungen in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro muss natürlich auch das Kopieren und Weitergeben von Bildern, Musik, Filmen, ebooks etc. angesprochen werden, d.h. Tauschbörsen und Techniken wie eMule, BitTorrent usw.

Am Rand geht der Vortrag auch auf Cybermobbing ein, also das bewusste, dauerhafte Beleidigen und Herabsetzen von Mitmenschen (Mitschülern ...) im Internet (z.B. bei Facebook, in Chats usw.). Allerdings bin ich für dieses Thema kein Experte, das reiße ich an und empfehle danach, das Thema z.B. mit einem Schulsozialarbeiter weiter zu vertiefen.

In diesem Sinne: jeder sollte sich ein wenig mehr mit Technik beschäftigen, und sei es nur, um mit seiner Privatsphäre bewusst umzugehen. Nicht nur Facebook und Google wollen unsere Daten, sondern auch die Konzerne, die sich an Rabattkartensystemen und anderen Kundenbindungsprogrammen beteiligen, wollen gern soviel wie möglich über uns wissen.