14.03.2013

Leserbrief zum Leserbrief: Lebensmittelskandale und die Presse

Hach ja, es wogt hin und her. Manch einer regt sich über Lebensmittelskandale auf, und andere regen sich dann über die Aufregung auf, weil das ja alles viel zu viel Aufregung für so ein bißchen Skandal sei ...
Meine Meinung dazu in einem Leserbrief an die WZ (keine Verlinkung wegen #LSR).

ich habe einige Anmerkungen zum Leserbrief von Hr. H., der sich über "sogenannte" Skandale äußert.

Herr H., Sie versuchen hier genau dieselbe Beschwichtigungstaktik, die derzeit auch von amtlichen Stellen betrieben wird.

Meiner Meinung nach ist das grundsätzliche Problem nicht die Quantität der gefundenen Problemstoffe in all den von Ihnen aufgezählten Fällen, sondern die Qualität, nämlich, dass diese Verunreinigungen stattgefunden haben und Verbraucher betrogen wurden.

Sie zählen auf: undeklariertes Pferdefleisch, Schimmelpilzgift in Futtermais, falsch deklarierte Eier, und dann fragen Sie, wo das Problem ist?

Das Problem ist, dass skrupellose Menschen ihren Profit mit Betrug maximieren wollen.

1. Wenn schon Pferdefleisch nicht als Bestandteil deklariert ist, greifen auch die Lebensmittelvorschriften nicht, da nicht kontrolliert werden kann. Mit welchen Medikamenten wurden die Pferde vielleicht behandelt, die für Lebensmitteltiere gar nicht oder nur nach Wartezeit zugelassen sind?

2. Das Gift Aflatoxin B1 aus Schimmelpilzen auf z.B. Mais reichert sich nach Verfütterung in der Milch, aber auch in der Leber an. Selbst wenn *jetzt* die Grenzwerte für das Futtermittel nicht überschritten sind, wird das Gift oder seine giftigen Abbauprodukte vielleicht trotzdem über einen längeren Zeitraum im Körper der Tiere angesammelt und wirkt dann bei Verzehr giftig? Die jetzigen Stichproben wurden als belastet erkannt, also sind bei Lagerung oder Transport Mängel aufgetreten, die beseitigt werden müssen.

3. Sie haben teilweise recht, der Kauf von Bio-Eiern statt Käfighaltungseiern ist eine moralische Einstellung. Ich will nicht an der Quälerei von Hühnern in winzigen Käfigen beteiligt sein und kaufe Freilandhaltungseier. Wenn ich betrogen werde, weil ich mehr bezahle, aber trotzdem das moralisch schlechtere Ei kaufe, gefällt mir das nicht, und ich will, dass die Presse angemessen darüber berichtet, damit ich als Verbraucher gewisse Geschäfte oder Hersteller meiden kann.

Es gehört zu einer aufgeklärten Gesellschaft, dass man sich frei informieren kann. Leider gibt es Auswüchse und Sensationsjournalismus, besonders bei Zeitungen mit großen Buchstaben im Namen, aber insgesamt ist es mir lieber, es wird berichtet, und ich kann mein Verhalten danach ausrichten, als dass es (amtlich?) kleingeredet wird.

Mir ist es wesentlich lieber, es wird früh und schnell berichtet; trotzdem sollte es korrekt und sachlich vollständig recherchiert sein. Zweckmäßig scheint mir zu sein, dass man sich aus mehreren Quellen informiert, und nicht nur aus einer. 

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