22.04.2026

Supernatural zum Zweiten - Serienkritik

Ich bin gerade richtig begeistert von "Supernatural" und der Art, die Geschichte zu erzählen (neudeutsch "Storytelling"). Eine Staffel führt vollkommen kausal und nachvollziehbar in die nächste. Beim ersten Mal schauen war zwischen den Staffeln soviel Abstand, dass mir das leider gar nicht so aufgefallen ist.

Was mich in den frühen Staffeln aufregt: jeder behält Geheimnisse für sich, obwohl es sinnvoller wäre, soviele Informationen wie möglich auszutauschen, um die Bösen effektiver zu bekämpfen.

Warum sind Fans so aufgehangen am ersten Kennzeichen des Autos "KAZ 2Y5"? Das hat schon in der 2. Staffel ausgedient, und seitdem fährt der Impala mit "CNK 80Q3".

Die Befreiung von Luzifer aus seinem Käfig ist wirklich spannend gemacht: die Dämonin Ruby täuscht Sam vor, ihm zu helfen, dabei ist sie eine Doppelagentin, die ihn dazu bringt, Dämonenblut zu trinken, um magische Kräfte zu entwickeln, mit denen er Lilith töten kann. Dummerweise ist ihm nicht klar, dass Liliths Tod das letzte der 66 Siegel darstellt und Lilith ihren Tod für Luzifers Freiheit in Kauf nimmt. Ruby wird in der 3. Staffel von Katie Cassidy gespielt, der Laurel Lance bzw. Black Canary aus dem Arrowverse. Nach ihrem körperlichen Tod übernimmt die echte Ehefrau von Jared Padalecki, Genevieve, die Rolle der Ruby. Sagte ich schon, dass ich es spannend finde, in welchen "anderen" Serien Schauspieler:innen auftreten?

Spannend finde ich den Bruch mit den üblichen Mythen: die Engel sind die Guten und die Dämonen die Bösen. Im Verlauf der Serie gibt es eigentlich mehr böse oder egoistische Engel, was dann sogar in einem "Krieg im Himmel" mündet und später sogar alle Engel aus dem Himmel heraus schleudert.

Die Einführung von Gott war am Anfang noch ganz spannend gedacht: er lebt als Schriftsteller unter den Menschen und erfindet quasi live die Geschichte von Sam und Dean, indem er Bücher über sie schreibt. Der endgültige Kampf gegen "Chuck" in der finalen 15. Staffel ist allerdings für meinen Geschmack zu abgehoben. Durch magische Sprüche gehen bei der üblichen Prügelei alle "göttlichen" Kräfte auf Luzifers Sohn "Jack" über, der damit zu Gott wird, während "Chuck" menschlich wird. 

Bislang halte ich die 7. Staffel mit den Leviathanen für die Düsterste, einfach, weil die Bösewichte wirklich böse sind und skrupellos ihr Ziel verfolgen, aus der Menschheit (zumindest in USA) gefolgsame und zahme Schlachttiere zu machen, indem sie sie mit Drogen im Fastfood mental betäuben. Gleichzeitig wundert mich, wie dämlich Dean ist, nachdem Roman besiegt ist und die "Schwingungen" beginnen, dass er nicht sofort auf Abstand geht, sondern hirnlos in Romans Nähe bleibt, bis er auch mit erfasst wird und dann mit ins Fegefeuer (Purgatory) gesaugt wird. Die Rückblicke in der 8. Staffel, sowohl bei Dean als auch bei Sam, erinnern stark an die Rückblicke in der "Arrow"-Serie. Ironischerweise heißt die Insel, auf der Oliver Queen einige Zeit verbringt, ebenfalls "Purgatory", auch Chinesisch "Lian Yu".

Besonders schön finde ich die Querverweise auf andere Serien oder Ereignisse, z.B. die Zeitreise zur Titanic, die Comic-Folge im Scooby-Doo-Universum oder der Besuch in "unserem" Universum, wo Sam und Dean feststellen, dass sie Schauspieler in ihrer eigenen Serie sind und sich wundern, wer dies schauen würde. Umgekehrt finden sich die Figuren aus "Legends of Tomorrow" ebenfalls in einem Paralleluniversum wieder, in dem Supernatural spielt, allerdings wird dies nur durch den Impala angedeutet und nicht durch Seriencharaktere.

Die Serie entwickelt sich spannend weiter, und mit etwa der 10. Staffel funktioniert die Kommunikation zwischen den Brüdern tatsächlich besser; Dean ist wirklich in der Lage zuzugeben, dass es ihm schlecht geht.

Natürlich darf in einer amerikanischen Serie auch nicht fehlen, dass gegen böse Nazis gekämpft wird. Das hat bei "Indiana Jones" schon gut geklappt, und die Nazi-Necromancer passen gut in die Handlung. Besonders schön Deans Befriedigung, als er tatsächlich Hitler erschießen konnte, und Sams trockener Hinweis, dass ihm niemand glauben wird.

Auch filmisch und künstlerisch sind viele Episoden gut gelungen, die Schnitte und Umblendungen erinnern an den ersten Teil von "Highlander" mit den Wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Das Spin-off "Wayward Sisters" wird wirklich lang und episch aufgebaut - Jody Mills und ihre Begleiterinnen spielen regelmäßig ein- oder mehrmals in jeder Staffel in einer Episode mit. Und dann wird die geplante Serie leider doch abgesagt. Ich mag den trockenen Humor von Mills sehr.

Das Spin-off "The Winchesters" endete leider nach nur einer Staffel. Ich fand sie gelungen und die Handlung knüpft indirekt daran an, dass Gott die anderen Paralleluniversen vernichtet hat. Der Sieg über die Monster kommt mit einem ähnlichen Kniff wie beim Kampf Eowyns gegen den Hexenkönig ("ich bin kein Mann"): nur jemand aus einem anderen Universum kann das Obermonster besiegen.

Der Schluss der Serie ist ruhig und exakt so wie  erwartet: Dean stirbt im Kampf, und Sam erreicht ein hohes Alter. Dean hat relativ früh seine Freundin Lisa und den (vermuteten) Sohn Ben verlassen, um sie zu schützen - Sam verliert ja schon in der Pilotfolge am Schluss seine Freundin Jessica. Sams Frau und Mutter seines Sohnes wird nicht erwähnt. Der Sohn verabschiedet Sam mit denselben Worten wie Sam nach dem letzten Kampf gegen die Vampire seinen Bruder: "you can go now. it's ok.".

Schöner Schlusspunkt. Absolut empfehlenswert.

24.03.2026

Smallville - der junge Clark Kent - Serienkritik

Mit der "Joyn"-App ist es möglich, Filme und Serien aus der Mediathek der Pro7-Sat1-Gruppe zu schauen. Leider sind die Filme dort üblicherweise nur in deutsch und meistens auch ohne Untertitel verfügbar. Das schmerzt mich als Fan der Originalsprache schon sehr, aber als ich diesen Blogartikel begann, gab es in Deutschland nur diese eine Möglichkeit, als Liebhaber von Comicverfilmungen den jungen Clark Kent als Teenager von ca. 15-17 Jahren zu sehen. Also schaute ich zähneknirschend in deutsch ohne Untertitel bis irgendwo in der siebten Staffel, und das zog sich hin, weil es auf Deutsch eben weniger Spaß macht. Mittlerweile gibt es "Smallville" auch bei Netflix, und das macht nun in Englisch schon deutlich mehr Spaß, zumal die späteren Staffeln auch deutlich besser für meinen Geschmack sind, aber dazu gleich noch mehr. Dieser Artikel enthält jede Menge Spoiler - wer also gern beim Schauen überrascht wird, sollte nicht weiterlesen. Andererseits ist die Serie schon 25 Jahre alt, ich nehme keine Rücksichten :-)

Es gibt mehrere "Superman"-Verfilmungen mit realen Schauspielern im Kino- und Serienformat. Nach den Filmen mit Christopher Reeve gab es in den 90er Jahren eine Serie "Lois und Clark" mit Dean Cain und Teri Hatcher, die leider nur vier Staffeln hatte, mehrere offenenHandlungsstränge hinterließ (Cliffhanger mit Findelbaby), und die sich mehr auf die Beziehung zwischen Lois und Clark fokussiert hat als auf Superkräfte. Der letzte Ableger "Superman und Lois" aus dem "Arrowverse" hat ebenfalls nur vier Staffeln bekommen und beleuchtet das Leben von Superman, Lois und ihren zwei Söhnen in Smallville, die unterschiedliche Kräfte entwickeln. Die Schauspieler kennt man aus der "Supergirl"-Serie, allerdings gab der Showrunner später bekannt, dass die Handlung nach der "Crisis" nicht auf "Earth Prime" spielt, sondern auf einer Parallelerde.

Durch eine kurze Szene im eben schon kurz erwähnten "Arrowverse"-Crossover "Crisis on infinite earths" wird die Smallville-Serie genau wie "Lucifer" ins "Arrowverse" geholt, als der Lex Luthor von Supergirls (ehemaliger) Erde-38 mit Hilfe des Buchs des Schicksals alle Superman-Inkarnationen im gesamten Multiversum töten will. Der erwachsene Superman von "Smallville" (Erde-167 im Multiversum) hat seine Kräfte aufgegeben, bewirtschaftet wieder die Farm in Smallville, und er hat keine Probleme, das grüne Kryptonit zu berühren, mit dem Luthor ihn bedroht. Zwischenzeitlich ist der "örtliche" Lex Luthor sogar Präsident geworden, was er früh in der Serie tatsächlich schon als Wunsch geäußert hatte. Dieses Detail bei der Einordnung ins Arrowverse kam bei vielen Fans nicht gut an, weil sich "Smallville" 10 Staffeln lang darauf konzentriert hat, wie sich Clark mit Hilfe einer Jor-El-KI in der Festung der Einsamkeit sowie vieler Freunde und Feinde auf seine spätere Rolle als Superman vorbereitet. Da ich hier schon vorgreife und die Präsidentenwahl erwähne: der gewählte Lex ist ein aus "Ersatzteilen" von vielen Klonen zusammengesetzter Körper - dieser Handlungsstrang in den letzten Staffeln ist etwas abstrus geworden. Weiter unten noch etwas mehr dazu.

Die einzige Serie aus dem DC-Universum, die sich nicht in das Arrowverse einpasst, ist somit "Gotham" mit dem jungen Bruce Wayne, der noch nicht Batman ist und die sich auf Jim Gordon als Hauptprotagonist fokussiert, wobei auch hier schon sehr viele Anspielungen auf DC-Charaktere zu bemerken sind, wie z.B. Selina Kyle als Catwoman, Pamela Isley als Poison Ivy oder der Pinguin.

Natürlich ist es schwieriger, Superkräfte in der Tricktechnik darzustellen als die technischen Gadgets von z.B. Batman, der schon in den 40er und 60er Jahren real verfilmt wurde. "Smallville" löst das Problem eigentlich ganz gut. Ähnlich wie in den frühen Comics hat Clark Kent noch nicht alle seine Superkräfte vollständig entwickelt, z.B. kann er (noch) nicht fliegen. Er läuft enorm schnell und ist sehr stark (aber nicht so schnell wie der "Flash" Bart Allen), und im Verlauf der Serie entwickeln sich erst sein Hitzeblick, Röntgenblick und das Supergehör sowie die Unverletzbarkeit. In den ersten paar Folgen fängt er sich noch blaue Flecken und leichte Verletzungen ein, später kann er Hieb-, Stich- und Schusswaffen problemlos ignorieren und sogar als Schutzschild andere Personen vor Kugeln, Beilen und Bussen retten. Interessanterweise kann aber seine Cousine Kara, die in der 7. Staffel als Charakter dazu stößt,  problemlos fliegen und fragt ihn verwundert, warum er die Gravitation nicht überwinden kann. In den letzten beiden Folgen bestätigt ihm die Jor-El-KI, dass er nun "bereit" sei und keine Hilfe mehr benötige. Er schaltet die KI ab und kann dann tatsächlich fliegen - was wesentlich für den Abschluss der Serie und den Endgegner ist.

Für einen erwachsenen Zuschauer sind das Highschool-Drama und die nie stattfindenden Liebesbeziehungen stark überbetont und nervig. Innerhalb der ersten vier Staffeln gibt es einige Techtelmechtel mit Lana Lang, aber daraus entwickelt sich erst spät eine Beziehung, bevor die Schauspielerin Kristin Kreuk mit Superkräften, aber kryptonitverseucht aus der Serie ausscheidet. Genau nervig ist die Notwendigkeit, Clark trotzdem verletzlich darzustellen, damit es nicht zu leicht wirkt, den Gegner der Woche zu besiegen.

Auch in der College-Zeit nach der Highschool gibt es immer noch Liebesdrama, weil Lana Lang (natürlich) Clark vorwirft, dass er weiterhin Geheimnisse vor ihr hat. Das Liebesdrama verlässt die Highschool, wird aber nicht besser, als Lana sich aufgrund der Geheimnistuerei von Clark trennt und sich Lex zuwendet. Sie wird scheinbar schwanger und heiratet ihn sogar in der sechsten Staffel. Um den Status Quo (das übliche Serienproblem) beizubehalten, erlebt sie eine Fehlgeburt und verliert Lex' Baby. Die Schwangerschaft war aber nur vorgetäuscht, indem Lex ihr heimlich Hormonmedikamente gab. Das führt erneut zu Liebesdrama, Lana wendet sich wieder Clark zu und sie werden für einige Zeit ein Paar. Nach einem Experiment entwickelt sie Superkräfte und kann Kryptonit entschärfen, wird dabei aber selbst "strahlend" und trennt sich deshalb endgültig von Clark. Später kommt es dann gemäß dem Superman-Kanon zur Partnerschaft und Liebelei mit Lois Lane. Sie erfährt spät in der 9. Staffel von seinen Kräften, wobei Clark zunächst nicht weiß, dass sie es weiß.

Das Highschooldrama endet zwangsläufig nach 4 Jahren - das ist die übliche Zeitdauer für den amerikanischen Schulbesuch zur Hochschulreife (bzw. College) nach der Mittelschule. Ab der 5. Staffel finden sich die Charaktere an diversen Universitäten wieder und es gibt immer noch kein Ende des Hin und Her zwischen Clark und Lana. Sie werden zwar kurz ein Paar, aber da Clark ihr seine Superkräfte nicht enthüllen will, trennt sie sich wieder von ihm. Unterhaltsam sind die verbalen Streitereien zwischen Lois und Clark, die sich in dieser Serie gar nicht grün sind (Anspielung auf Kryptonit, haha). Trotzdem gibt Lois einige Anmerkungen von sich, die man auf ihr - vermutlich - späteres gemeinsames Leben beziehen kann. Leider gibt der Schnipsel aus der "Crisis" des Arrowverse hier keine Hinweise - Clark tritt als Besitzer der Farm allein ohne Partnerin auf - was auch verwirrend ist, weil ihm Mutter Martha die Farm überschrieb und der Verkauf beschlossene Sache ist, um nach Metropolis zu ziehen.

Das nächste Liebesdrama spielt sich zwischen Chloe und Jimmy Olsen ab, als Chloe befürchtet, durch ihre Meteoriteninfektion in Lebensgefahr zu sein, wenn sie ihre Kräfte einsetzt, und diesen Fakt nicht mit Jimmy besprechen will. Dieses Drama endet mit der gleichen Staffel, als Olsen getötet wird. Im Finale tritt der Schauspieler als Bruder nochmals auf, so dass es nach wie vor einen Fotografen "Olsen" beim Daily Planet gibt.

Die Serie führt viele bekannte Charaktere ein und erfindet auch einige neue, die es in den Comics in diesen Rollen so nicht gibt, z.B. Lois Lanes Cousine "Chloe Sullivan" oder Lex Luthors Vater "Lionel Luthor". Der Charakter von Lex Luthor ist ambivalent, aber zunächst durchaus positiv eingestellt, was Clark allerdings nicht immer so wahrnimmt. Er wird von Clark nach einem Autounfall gerettet und versucht danach mehrere Staffeln lang, exakt den Hergang seiner Rettung zu rekonstruieren, was dann für diverse Streits und Zerwürfnisse sorgt, weil Clark sich bespitzelt fühlt. Andererseits haben sowohl Clark als auch Lex Geheimnisse, die sie sich gegenseitig verschweigen. Chloe ist verliebt in Clark, was ihm auch bewusst ist, aber sie respektiert seine Gefühle für Lana. Im Verlauf der Serie entwickelt sich Lex immer skrupelloser und ordnet Experimente mit Meteoritengestein an Menschen an, um Supersoldaten zu entwickeln. Es gibt mehrere Episoden in Parallelwelten, und nachdem Lionel von Lex getötet wird, taucht der Lionel aus einer dieser Parallelwelten auf. Der Charakter Lex Luthor scheidet nach sieben Staffeln aus: Green Arrow sorgt für eine Explosion im LKW mit dem rollenden Krankenzimmer des schwer verletzten Lex, was Clark erst wesentlich später erfährt und zu einem (kurzen) Zerwürfnis mit Oliver führt. Im Finale gibt es ein kurzes Gastspiel, allerdings (wie oben schon erwähnt) ist dies ein aus Einzelteilen von vielen Klonen zusammengesetzter "neuer" Körper, der zunächst alle Erinnerungen des ursprünglichen Lex besitzt (wie?), die ihm dann allerdings durch eine Droge genommen werden, so dass er die geheime Identität von Clark Kent nicht mehr kennt.

Der rote Faden durch die Serie "Smallville" ist der Meteoritenschauer aus Kryptonit, der nach Kryptons Zerstörung im Großraum von Smallville niedergeht und kleinteilige Überreste wie Sand am Meer hinterlässt, die Jahre später noch von jedermann gesammelt und eingesetzt werden. Da grünes Kryptonit Clark enorm schwächt und sogar tödlich sein kann, wird in nahezu jeder Folge dieses Kryptonit eingesetzt, um auf diese Weise für Drama zu sorgen. Es gibt sogar grünes Kryptonit in Getränken, als Injektion, als Inhalation, als Bad, sogar als Autotreibstoff. Kryptonit tritt auch in anderen Farben und damit verbunden anderen Eigenschaften auf. Es gibt rotes Kryptonit als Schmuckstein, das in Clark negative Charaktereigenschaften wie Neid, Gier und Egoismus verstärkt, blaues Kryptonit, das ihm temporär seine Kräfte nimmt, und diverse andere Farben. Mit einem schwarzen Kristall kann Martha Kent dem gehirngewaschenen Kal-El sein Gedächtnis und seine Persönlichkeit wiedergeben. Der Endgegner Darkseid will Clark im Finale der letzten, zehnten Staffel mit goldenem Kryptonit dauerhaft seine Kräfte nehmen, da Superman der einzige Gegner ist, den er wirklich fürchtet.

Interessant ist, dass keinerlei Gesundheitsorganisation sich zuständig fühlt, dieses merkwürdige außerirdische Gestein zu untersuchen und vielleicht sogar Quarantäne oder Evakuierung durchführen, wenn es doch so starke Auswirkungen auf Menschen hat. In einer Folge atmet Martha giftige grüne Gase ein, als sie im Kellerversteck des Miniraumschiffs etwas vergräbt, und die Seuchenschutzbehörde taucht auf. Allerdings hat dies auch keine längerfristigen Konsequenzen über diese Episode hinaus.

Im Verlauf der Serie stellt sich heraus, dass die Kryptonier schon lange über die Zerstörung ihres Heimatplaneten wussten und Vorbereitungen trafen, indem sie im Verlauf mehrerer Hundert Jahre eine Höhle auf dem damaligen Indianergebiet mit Informations- und Transporttechnologie ausstatteten, die durch einen "Schlüssel" aktiviert werden. Kara und Lara El besuchen sogar die Erde in Person und schauen sich im Haus der Kents um, hinterlassen sogar ein verstecktes Polaroid. Dramaturgisch geht der "Schlüssel" in Form eines Metallplättchens durch mehrere Hände, u.a. beide Luthors, und auch Jonathan Kent verschweigt Clark zunächst, dass dieser Schlüssel existiert. Im Verlauf scheint es so zu sein, dass mehrere dieser Schlüssel existieren, mit denen Aufzeichnungen, Hologramme etc. aktiviert werden können. Später entsteht aus diesem Schlüssel die "Festung der Einsamkeit" (fortress of solitude) in der Arktis mit vielen Informationskristallen, aus denen Clark gemäß Jor-Els Absichten über Krypton lernen soll. Mit einem bestimmten dieser Kristalle konnte Jor-El (oder eine KI mit seinem Wissen) sogar einmalig die Zeit um 24 Stunden zurückdrehen, um den Tod von Lana Lang ungeschehen zu machen - was allerdings zum Herztod von Jonathan Kent führt.

Viele Episoden handeln davon, dass sich Menschen durch den Meteoritenschauer und die Einwirkung oder sogar bewusste Einnahme oder Anwendung von Kryptonit verändert haben und selbst Fähigkeiten wie Telekinese, Teleportation, Hypnose, Liebeszauber usw. entwickeln. Lionel Luthor engagiert in einer Folge einen Mörder, der dem T-1000 aus "Terminator 2" nachempfunden ist und seinen Körper aus metamorphem Metall zu einer Waffe machen kann. Viele dieser Veränderungen führen dazu, dass diese "Metas" (um einen Begriff aus dem "Arrowverse" zu verwenden) ihre Fähigkeiten für Verbrechen oder zum Eigennutz einsetzen. Vermutlich aus dramaturgischen Gründen teilen die Hauptpersonen der Handlung ihr jeweiliges Wissen nicht mit den anderen Beteiligten, so dass kritische Situationen oft sehr künstlich wirken und zu offensichtlich hätten vermieden werden können.

Was mich immer wieder unglaublich stört und auch schon im Artikel über das Arrowverse kritisiert habe, ist das dramaturgisch meistens gar nicht notwendige endlose Erklären von Situationen - der Bösewicht verschwendet Zeit zum Erklären oder der/die "Gute" verschwendet Zeit zum Zuhören und Diskutieren, statt einen Überraschungsangriff zu starten. In den allermeisten Fällen könnte Clark aus der Entfernung mit Hitzeblick oder Supergeschwindigkeit seinen Gegner außer Gefecht setzen oder dessen Waffe zerstören. Stattdessen wird wertvolle Zeit verschenkt, in der der Gegner den Angriff vorbereitet.

Die "Todesquote" in Smallville ist für eine Teenage-Drama-Serie ganz schön hoch. Viele der Charaktere, die auf die eine oder andere Weise etwas über Clarks geheime Superkräfte erfahren, sterben oder fallen ins Koma. Besonders bitter ist der Tod der Teleporterin Alicia Baker, einer "love interest", die von einem wahnhaften Fanatiker als "Freak" "bestraft" und hinterrücks ermordet wird, kurz nachdem sie in Las Vegas eine (ungültige) Trauung vollzogen haben (Clark ist zu der Zeit noch minderjährig und hatte keine Vollmacht seiner Eltern für eine Hochzeit). Aber auch B-Helden sterben - Hawkman sieht seinem Tod nach einem verlorenen Kampf gelassen entgegen, weil er der Wiedergeburt und -vereinigung mit seiner Frau entgegen sieht.

Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass hier nach und nach über die zehn Staffeln ein Großteil des DC-Spektrums an Charakteren eingeführt wird, und nicht nur aus den Superman-Comics, sondern auch aus der gesamten Justice League of America, von der Suicide Squad unter Amanda Waller, und sogar aus der "Justice Society of America" aus den goldenen 40ern: Lana Lang, Lois Lane, Lex Luthor, Supergirl, Black Canary, Pete Ross, Victor Stone (Cyborg), Darkseid, Doomsday, Brainiac als Mitglied der "Legion" aus der Zukunft, Green Arrow, Aquaman und Mera, der Marsianer John Jones ("Martian Manhunter"), Bart Allen (in "Smallville" allerdings zunächst nicht als "Impulse", Sohn von Barry Allen, sondern ein Dieb ohne Hintergrundgeschichte - bis auf die Erwähnung des Blitzeinschlags), Dr. Fate, Hawkman, Starman (der von Icicles Sohn ermordet wird), Stargirl, der Hybrid Conner Kent (mit DNA von Lex und Clark) und diverse B-Charaktere wie Tess Mercer oder Desaad. Dabei ist die Bezeichnung "B-Charakter" für Tess Mercer tiefgestapelt: sie entpuppt sich in der finalen Staffel als Lex' Halbschwester Lutessa Lena Luthor, der von Granny Goodness auf Anordnung von Lionel Luthor als junges Mädchen das Gedächtnis genommen wurde. Auf ihrer echten Geburtsurkunde lautet der Name der Mutter "Pamela Jenkins", dem früheren Kindermädchen von Lex. Weitere Anspielungen sind der Flügelhelm des originalen Flash sowie die Laterne und der Ring eines Green Lantern, der Zeit nach zu urteilen der erste, Alan Scott.

Beim ersten Auftreten von Aquaman erwähnt dieser einen menschlichen Vater und eine Mutter, die schon lang verstorben ist. Erst durch die Begegnung mit Green Arrow ändert Bart sein Verhalten und nennt sich "Impulse". Hawkgirl ist schon vor längerer Zeit verstorben und Lois Lane erfährt in einem Gespräch mit Carter Hall von einem Tausend Jahre alten Fluch, der die beiden Liebenden immer wieder zusammen finden lässt, um sie dann sterben zu lassen. Allerdings gibt es hier keinen bösen Magier Vandal Savage wie im Arrowverse, der beider Tod benötigt, um Lebenskraft für sich selbst zu sammeln.

Spannend ist, dass der Green Arrow in dieser Serie ebenfalls beide Elternteile verloren hat, sich nach diversen Highschool- und Uni-Eskapaden "gebessert" hat und nun wie ein moderner Robin Hood von den Reichen stiehlt und den Armen spendet. Er versammelt Impulse, Cyborg und Aquaman in der zukünftigen "Justice League of America" und nimmt Clark das Versprechen ab, dort ebenfalls mitzuwirken, nachdem Clark sein Problem mit Lex und dessen Versuch gelöst hat, "Meteoriten-Freaks" als Waffe umzufunktionieren.

Spät in der Serie stellt sich heraus, dass Lionel Luthor mit den Queens, Swanns und Teagues eine Geheimgesellschaft "Veritas" gegründet hat, die Einzelteile einer Maschine besitzen, um "den Reisenden" zu kontrollieren - allerdings wissen sie nicht, wer der Reisende ist: Clark. Lionel will diese Maschine allein besitzen und lässt alle anderen Mitglieder der Gesellschaft ermorden, eben auch die Eltern von Oliver Queen. Im Showdown der siebten Staffel erfährt Lex, wer Clark ist. Durch die Zerstörung der Festung der Einsamkeit wird er schwer verletzt und taucht in der nächsten Staffel nur für einige kurze Gastauftritte als Charakter auf, aber nicht mehr gespielt von Michael Rosenbaum.

Es gab damals keine Lizenzrechte an Batman, den sich DC für die große Kinoleinwand aufheben wollte, nur gelegentlich eine Erwähnung von Gotham. Überraschend war es dann im "Arrowverse" möglich, einen gealterten Batman (ohne Kostüm) auf einer Parallelerde auftreten zu lassen, der zunächst Supergirl gegenüber sehr feindlich eingestellt war und sie sogar mit Kryptonit angriff. Gespielt wurde dieser Bruce Wayne vom Synchronsprecher Batmans in diversen Animationsserien, Kevin Conroy. In der "Batwoman"-Serie ebenso wie in "Arrow" wird erwähnt, dass Batman vor einigen Jahren spurlos verschwand. Hier wäre beide Male Potential für eine Fortführung gewesen, zumindest einige Episoden lang für die Suche nach ihm. Genau wie die Erwähnung von Harley Quinn in der 2. Staffel von Arrow wurde hier eine Andeutung gemacht, daraus eine eigene Serie zu etablieren oder wenigstens als Handlungsstrang innerhalb einer der Serien auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt also recht wenig aus dem DC-Universum, was nicht in "Smallville" zu finden ist: neben dem prominenten Batman auch Wonder Woman Diana Prince, und die "Green Lantern" gibt es hier auch nur als Reminiszenz im Museum der JSA. Immerhin erwähnt Lois' Cousine Chloe, dass sie auf ihren Unternehmungen und Reisen einen Milliardär mit vielen "tech gadgets" und eine "wondrous woman" kennengelernt habe.

Diverse Logik- und Continuity-Fehler stören immer mal wieder das durchwachsene Bild dieser Serie. Supergirl nimmt eine Auszeit von etwas mehr als einer Staffel, um "Kandor" zu suchen. Gemäß Superman-Kanon ist dies eine miniaturisierte Stadt in einer Flasche, in der Kryptonier keine Superkräfte haben. In "Smallville" ist Kandor eine Stadt auf Krypton, die in einem Krieg 20 Jahre vor Kryptons Explosion zerstört wurde. Bei ihrer Rückkehr berichtet Kara aber, dass sie lange nach ihrer Mutter (nicht nach Kandor!) gesucht, sie aber nicht gefunden habe. Bei einer Unterhaltung mit Clark sieht man deutlich, dass sie gepiercte Ohrringe trägt. Bei der Zerstörung der Festung in der Arktis verliert Clark seine Kräfte, aber man erfährt nicht konkret, wie das geschah und warum er dann in einem russischen Arbeitslager auftaucht, wo ihn Green Arrow freikauft. Warum Zod eine Maschine bauen will, die aus der gelben Sonne eine rote machen soll, ist vollkommen unklar - die Kryptonier würden ihre Kräfte verlieren. Fans spekulieren, dass die Klone eine rote Sonne brauchen, keine gelbe. Clark bekommt seine Kräfte zurück, indem der Martian Manhunter ihn näher zur gelben Sonne bringt, was seinerseits ihn seine Kräfte kostet (die er später auf "magische" Weise ebenfalls wieder zurück erhält).

Insgesamt bleibt als Fazit: es gibt an vielen Stellen ein "deus ex machina", also ein Gerät, das spontan auftaucht und genau dieses eine Problem löst, an dem die Helden gerade knabbern, oder ein vorhandenes Gadget entwickelt plötzlich eine zum Problem passende neue Fähigkeit.

Ich bin nebenbei ein großer Freund von Gastauftritten von Schauspielern, die man aus anderen Serien kennt. Das i-Tüpfelchen ist natürlich, wenn es "verwandte" Serien von Marvel oder DC sind.

Hier findet sich ganz prominent Christopher Reeve, der erste Superman-Darsteller, in zwei Episoden als Wissenschaftler Virgil Swann im Rollstuhl ein und bekommt sogar einen eigenen Abspann "in loving memory" nach seinem Tod 2004. Ein paar Folgen später stirbt auch der Charakter in der Serie und bekommt eine Nachrichtenmeldung im TV als Milliardär und großer Wohltäter der Menschheit. Seine Filmtochter Patricia Swann spielt in zwei Episoden mit und wird überraschend von ihrem Chauffeur verraten und umgebracht, um ein wichtiges Artefakt zu stehlen, das den "Reisenden" kontrollieren kann.

Annette O'Toole war die Darstellerin von Lana Lang neben Christopher Reeve in Teil III und spielt hier die Mutter Martha Kent. Nach dem Tod des Adoptivvaters Jonathan übernimmt sie seine politische Karriere, verschwindet bis auf kurze Gastauftritte, z.B. als "Red Queen", nach Washington aus der Serie und bandelt mit Perry White an, der hier noch nicht für den "Daily Planet" arbeitet.

Auch der Darsteller von Zod aus den ersten beiden Kinofilmen, Terence Stamp, ist Teil der Smallville-Serie: zunächst nur als Stimme, später auch in Person von Jor-El, Clarks Vater.  Der Charakter Zod aus Staffel 9 ist zunächst Major und befördert sich auf der Erde selbst zum General. Das Original kommt auf Krypton in einem Krieg um; durch eine von Jor-El entwickelte Maschine entstehen auf der Erde Klone seiner Kampftruppe, die zunächst trotz gelber Sonne keine Superkräfte haben. Erst durch Spuren von Clarks bzw. danach Zods Blut entwickeln sie Kräfte. Clark versucht, sie ohne Kräfte in die Welt der Menschen zu integrieren, aber Zod will mit Superkräften über die Erde herrschen. Dabei will er durch eine Maschine aus der gelben Sonne eine rote machen - was unlogisch ist, weil Kryptonier unter einer roten Sonne keine Superkräfte besitzen und sie Kräfte durch Kontakt mit kryptonischem Blut erhalten können.

In Staffel 4 tritt "Dean Winchester"-Darsteller Jensen Ackles als Football-Coach und heimtückischer Freund (mit Hintergedanken) von Lana Lang auf, bevor er seine Rolle in "Supernatural" bekam. Er versucht, Lana um magische Artefakte zu betrügen und kommt in der finalen Episode der 4. Staffel ums Leben; sein Tod wird aber nicht explizit gezeigt, um eine eventuelle Rückkehr offen zu lassen.

Cobie Smulders ("Avengers") und Diego Klattenhoff ("Blacklist") sind weitere bekannte Namen mit kurzen Gastauftritten - hier spielen sie die böse Rolle der Woche, bevor sie verhaftet werden.

Laura Vandervoort ("Bitten") spielt die "Supergirl"-Cousine Kara Zor-El.

Amy Adams (Lois Lane in "Justice League") spielt eine Meta mit viel Hunger. 

Teri Hatcher hat als an Krebs verstorbene Mutter Ella Lane eine Videobotschaft für Lois.

Helen Slater (Supergirl 1984) spielt Lara-El, Frau von Jor-El.

Carrie Fisher (Star Wars, When Harry met Sally) hat in einer Episode einen Gastauftritt als eklige, strenge Chefredakteurin des "Daily Planet". Der Chefredakteur Perry White aus den Comics tritt zwar als unsympathischer Charakter schon früh auf, ist aber noch nicht in dieser Rolle angekommen. In derselben Folge wie Prinzessin Leia treffen wir zum ersten Mal auf "Brainiac", gespielt von James Marsters (Buffy, Angel, Torchwood). In späteren Staffeln spielt er dann einen geläuterten und umprogrammierten Brainiac 5 von der Legion aus dem 31. Jahrhundert.

Jane Seymour (Bondgirl mit Tarotkarten) spielt die böse Geneviève Teague (Mutter von Jason Teague, Jensen Ackles), die in der finalen Folge der 4. Staffel in Notwehr von Lana getötet wird. 

Um beim Thema "Gastauftritte" abzuschweifen: in der "Supergirl"-Serie des "Arrowverse" finden sich sowohl Helen Slater (Supergirl 1984), Dean Cain (Superman 1993) als auch Teri Hatcher (Lois Lane 1993) als Elternteile der Hauptcharaktere Kara bzw. Mon-El wieder.

04.12.2025

Das Chaos in der Ampel liegt nur an der FDP - Leserbrief nicht gesendet

[veröffentlicht am xx.03.2024]

Hr. Sattler hat wieder zugeschlagen und biegt sich die Realität zurecht, wie es ihm gefällt. Ich bezweifle zwar, dass er die Kritik und Faktenkorrektur an seinen Glossen zur Kenntnis nimmt, aber ich würde schon gern mal eine Reaktion darauf von ihm bekommen.

Entgegen seiner Einschätzung liegt das Chaos in der Ampelregierung allein bei der FDP, die schon mehrfach in Person sämtlicher Bundesminister den Koalitionsvertrag gebrochen hat und ebenso mehrfach extrem kurzfristig von gegebenen Zusagen und Kompromissen wieder abgerückt ist.

Das Verhalten der FDP ist kein “Aufmucken” gegen die größeren Regierungsparteien, sondern völlig lobbygesteuertes, rücksichtsloses Stören der Regierungsarbeit in der Koalition. Ich bedaure seit langem, dass sich die beiden anderen Partner das bieten lassen.

Ein paar Beispiele für die unfähige und unzuverlässige Arbeit der FDP in der Regierung:

Die FDP blockiert kurzfristig das bereits in den Ausschüssen verabschiedete Gebäude-Energie-Gesetz, das 2019 von Altmaier und Seehofer entworfen wurde, und verwässert es bis zur Unkenntlichkeit. Urheber: eine Krawallkampagne der “Bild”-Zeitung (“Heiz-Hammer”) mit deren 48%-Besitzer KKR. Sogar das Vorziehen von 2026 auf 2025 wegen einer EU-Vorgabe wird scharf angegriffen.

Die FDP verzögert das bereits beschlossene Verbrenner-Aus und erzwingt eine utopische Regelung für nach 2035 neu zugelassene Verbrenner-PKW, die nur mit Treibstoff aus erneuerbaren Energien betrieben werden können dürfen (z.B. E-Fuels, Biogas).

Wissing kürzt Forschungsgelder in der Stromspeicher-Forschung um 75 %. Kürzung bei der Wasserstoff-Forschung: Null. Stattdessen: ein Abteilungsleiter, der für das Thema Wasserstoff zuständig ist, soll befreundet sein mit einer Führungskraft des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbands (DWV) sowie einem bayerischen Unternehmer. Der Verband sowie mehrere Gesellschaften des Unternehmers sollen knapp 28 Millionen Euro aus einem nationalen Innovationsprogramm für Wasserstofftechnologie erhalten haben.

Wissing verfehlt seit Jahren krachend die CO2-Einsparziele im Verkehrssektor, und statt z.B. ein Tempolimit einzuführen oder auf 1300 km Straßenneubau zu verzichten, werden aus den “Sektorzielen” wieder globale Einsparziele gemacht, von denen er ohne eigenen Beitrag profitieren kann.

Buschmann hat in der EU das Lieferkettengesetz mit verhandelt - nun plötzlich will er davon nichts mehr wissen und lässt es durch deutsche Enthaltung bei der Abstimmung scheitern. Die FDP stellt somit die Wirtschaft über die Menschenrechte (Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Mindestlohn usw.). Die traurige Ironie dabei ist: Deutschland hat bereits ein strenges Lieferkettengesetz. Eine EU-weite Regelung würde sogar zum Abbau von Wettbewerbsnachteilen für die deutsche Wirtschaft führen, entgegen den Behauptungen der FDP.

Deutschland boykottiert im Herbst 2023 schärfere PKW-Abgasregelungen (Euro 7), obwohl schon seit Juli eine viel strengere Regelung in China gilt und der Absatz deutscher PKW dort von über 40 % auf knapp 5 % eingebrochen ist.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie VDA ist für den Vorschlag der EU für die neuen CO2-Grenzwerte bei LKWs und Bussen. Die FDP ist dagegen und Wissing blockiert. Dann erzwingt er eine Ausnahme und mit dem magischen Wort “Technologieoffenheit” sind plötzlich Verbrenner-LKWs erlaubt, die “nur mit E-Fuels” betrieben werden können.

Buschmann boykottiert das EU-Sexualstrafrecht (“nur ja heißt ja”), obwohl das deutsche Äquivalent 2015 einstimmig zusammen mit der Opposition (“nein heißt nein”) im Parlament angenommen wurde.

Diese Art von Zurückrudern und Abändern im letzten Moment wird in Brüssel mittlerweile als “German Vote” bezeichnet. Deutschland wird nicht mehr als verlässlicher Mitgliedsstaat angesehen!

Nur mal als Gegenbeispiele, dass die Ampel funktioniert, ein paar aktuelle Schlagzeilen:

  • VW überholt Tesla als größter Hersteller von E-Autos (manager magazin 17.01.24)
  • Dax über 17.000 Punkte (Handelsblatt 07.02.24)
  • Inflation sinkt trotz Ukrainekrieg und Corona-Wellen unter 3 % (Finanzmarktwelt 31.01.24)
  • Größter Auftragszuwachs im Dezember für deutsche Industrie (Spiegel 06.02.24)
  • Größter Zubau von Solar und Wind seit Jahren (außer in Bayern - dank Aiwanger und Söder).
  • Gasspeicher vor dem Winter zu 100 % gefüllt.

Wir erfinden die Deindustrialisierung neu - Leserbrief nicht gesendet

Die Antwort auf meinen Leserbrief geht auf keines meiner Argumente ein, sondern behauptet neue fragwürdige Dinge.

[veröffentlicht am xx.10.2024]

Hr. F. hat wieder viel starke Meinung für eher wenig faktischen Inhalt. Die Zukunft ist immer noch elektrisch. In einem Punkt gebe ich ihm recht: der Wirkungsgrad eines nichtstationären Dieselmotors kann laut Wikipedia knapp über 40 % liegen, das wird aber nur unter optimalen Bedingungen für sehr große Motoren erreicht. Übliche (kleine) Motorkonstruktionen in PKW erreichen diesen Wert definitiv nicht, da sie auf Kosten optimiert werden. Der Abstand zum Elektromotor mit über 80 % Wirkungsgrad ist dennoch deutlich, und Stirlingmotoren gibt es in PKW schon gar nicht. Da die meisten Autohersteller schon lange mit dem Ausstieg aus der Verbrennertechnik planen, ist es müssig, hier noch auf großartige Verbesserungen zu hoffen, und weder politisch noch ökologisch ist das wünschenswert. Die fossilen Lobbys versuchen aber trotzdem immer wieder, hier Unsicherheit zu verbreiten, um durch diese Verzögerungstaktik möglichst lang vom Ölgeschäft zu profitieren. Die großen Erdölfirmen erwirtschaften pro Tag über 2,5 Milliarden Euro Gewinn, und das ist ein beträchtlicher Anreiz, die Konkurrenz durch “FUD” (Fear, Uncertainty, Doubt) zu beschädigen.

Der Energieverbrauch von E-Autos mit 25 kWh auf 100 km zu beziffern mag für Zweitonner-SUVs gelten, die (leider) der Deutschen liebstes Automodell geworden sind. Der VW ID.3 hingegen (sozusagen der E-Golf) wird mit 14-16 kWh auf 100 km beworben.

Solarmodule für PV-Anlagen sind in den letzten zehn Jahren in der Herstellung um über 90 % im Preis gefallen. Eine PV-Anlage ist also nicht nur für “reiche Leute” machbar, zumal es auch Finanzierungsmodelle gibt, die ohne große Investitionen daherkommen.

Selbst bei einem enorm hohen Strompreis von 37 ct pro kWh kosten 100 elektrische Kilometer aus der Steckdose nur 7,40 € bei einem (hohen!) Verbrauch von 20 kWh auf 100 km. Bei diesem Strompreis würde ich Hr. F. ein Vergleichsportal empfehlen, um den Stromanbieter zu wechseln. Natürlich erreicht ein Diesel-PKW den geschönten Verbrauch von 7 Liter auf 100 km nur auf dem Prüfstand, in der Realität hängt dies von der Fahrweise, dem Wetter und der Fahrstrecke ab. Selbst wenn ich diese 7 Liter hinnehme, kosten 100 Dieselkilometer derzeit etwa 11,20 €. Der deutsche Strommix hatte vor 10 Jahren noch fast 800 g CO2 pro kWh, und hat sich mittlerweile auf 290 g CO2 pro kWh enorm verbessert. 100 elektrische Kilometer bedeuten also bei 20 kWh Verbrauch im schlechtesten Fall nur 5,8 kg CO2, im besten Fall gar kein CO2. 100 Dieselkilometer verursachen immer etwa 18 kg CO2 bei der Verbrennung. Diese Rechnung zeigt auch deutlich, wie ideologisch es daherkommt, wenn Hr. F. mit Vokabular aus der Waffenkammer der Rhetorik von “Klimaterror” spricht. Wie schäbig ist eine Diskussionsweise, bei der wissenschaftliche Argumente oder sogar ein simpler Dreisatz mit “Terrorismus” gleichgesetzt werden?

Hr. F. unterliegt wie gern in solchen Diskussionen genommen dem Irrglauben, dass ein PKW mindestens eine Reichweite von 1000 km haben muss und denkt dabei an den Vertreter, der im Dienstwagen jeden Tag diese 1000 km abspulen muss. Die Wahrheit ist: der durchschnittliche Weg eines deutschen Arbeitnehmers beträgt 17 km. Wer tatsächlich beruflich im PKW oder LKW unterwegs ist, muss Lenk- und Pausenzeiten einhalten, im Verlauf derer mühelos ein E-Auto wieder aufgeladen werden kann. Moderne E-Auto-Akkus an DC-Ladestationen sind in unter 30 min. auf 80 % vollgeladen. Der kleinste Tesla 3 hat gemäß WLTP 700 km Reichweite.

Weniger Platz für Autos, aber dafür Fahrradwege und mehr Lebensqualität: Schauen Sie sich Paris an, Hr. F.

Zwei aktuelle Meldungen zum Schluss: der Liebherr-Konzern hat einen milliardenschweren Großauftrag für elektrische Bergbaumaschinen erhalten. Das Statistische Bundesamt (Destatis) verzeichnet aufgrund einer starken Entwicklung bei den Autoherstellern eine Steigerung der Fertigung um 2,9 Prozent. Das widerspricht der Behauptung über die “Deindustrialisierung” Deutschlands doch recht deutlich.

Gedanken aus Berstadt nach der Wahl - Leserbrief nicht gesendet

[veröffentlicht am xx.03.2025]

Schauen wir mal mit etwas Abstand auf die Zeit der Ampel und auf die Zeit nach der Wahl zurück.

Die CDU ist wütend über die verlorene Wahl 2021 und geriert sich die kommenden drei Jahre als Fundamentalopposition. Mit Hilfe der Springerpresse und des Maulwurfs FDP wird jede Unternehmung der Ampel medial schlecht geredet. Absprachen und Entwürfe aus den Koalitionsausschüssen werden im Minutentakt an die “Bild”-Zeitung durchgestochen.

Merz blockiert jahrelang notwendige Investitionen und behauptet, man könne durch Kürzungen beim Bürgergeld alles regeln. Stattdessen wird die “Migration” zu einem globalen Thema aufgebauscht. Eine Reform der Schuldenbremse wird kategorisch abgelehnt. SPD und Grüne werden als “Spinner” bezeichnet und Vergleiche mit Küchenmöbeln und Tassen gezogen. Die CDU klagt gegen ein Sondervermögen von 60 Mrd. Euro vor dem Bundesverfassungsgericht. Der Klage wird stattgegeben, weil Lindner bei der Begründung des Sondervermögens Formfehler gemacht hat (ob aus Absicht und Inkompetenz, sei offengelassen). Schlussendlich zerbricht die Ampel am Streit über fehlende 3 Mrd. Euro im Haushalt.

Nur Tage nach der Wahl kippt Merz um und es wird ein Sondervermögen von zuerst 600, dann 800 und evtl. sogar 1.000 Mrd. Euro ernsthaft diskutiert. Es gab also nie ein “Ausgabenproblem”, sondern nur fehlenden Willen! Wie die Springermedien die öffentliche Meinung im Griff haben, bemerkt man daran, dass die Zustimmung für Investitionen bei Umfragen von 28 % auf 78 % stieg. Der Unterschied: Grüne schlagen vor: 28 % Zustimmung. CDU schlägt vor: 78 % Zustimmung. Ein Hoch auf Lobbyorganisationen wie das “INSM”! Alles, was Merz jetzt vorschlägt, hat Habeck im Verlauf der letzten 5 Jahre immer wieder vorgebetet, sogar bei Themen wie Sicherheit und Verteidung, die den Grünen sonst eigentlich immer Bauchschmerzen verursachen, und bis hin zu einem E-Auto von VW für 20.000 € (das jetzt mit 10 Jahren Verspätung 2027 kommen soll).

Habeck bezeichnet rückblickend die Teilnahme der FDP als “Geburtsfehler der Ampel”. Trotzdem verhielt er sich im Sinne des Koalitionsfriedens loyal zur Ampel und verzichtete (dummerweise) auf öffentliche Klarstellungen. Die “Bild”-Zeitung tobt über den “Heiz-Hammer” mit teilweise mehr als 20 Online-Artikeln pro Tag und lügt darüber, dass das Gebäude-Energie-Gesetz tatsächlich 2019 von Altmaier und Seehofer beschlossen wurde, weil es eine EU-Vorgabe ist. Nur wenige Tage nach der Wahl 2025 erklärt Linnemann, dass das “Heizungsgesetz” doch nicht kassiert wird (Stichwort: EU-Vorgabe).

Im politischen Aschermittwoch läuft die CSU erneut Amok und spottet mit billigen Klischees und persönlichen Angriffen (“Kinderbuchautor”, “Tofu-Schnitzel”, “Feminismuspolitik”, “Ramschware”) über die abgewählten Grünen.

Dabei ignoriert Huber geflissentlich, dass die Grünen das zweitbeste (!) Ergebnis seit Gründung eingefahren haben und sowohl die CDU als auch die CSU das jeweils zweitschlechteste (!) seit 1949. In dieser Situation auf den politischen Gegner einzudreschen, obwohl deren Stimmen wenige Tage später für die Zweidrittelmehrheit benötigt werden, ist hochgradig dumm und peinlich.

Neueste Entwicklung: auch die aktuellen Verhandlungen über gleich drei (!) Grundgesetzänderungen mit dem alten Parlament werden innerhalb von Minuten an die “Bild”-Zeitung durchgestochen. Merz schlägt einen mit 90 Tagessätzen verurteilten Lobbyisten des Bauernverbands als Landwirtschaftsminister vor, der Gülle in einem Schutzgebiet ausgebracht hat (“Tiere sind klimaneutral”).

Dies ist die unehrlichste CDU/CSU aller Zeiten. Es ging nur darum, die Wahl zu gewinnen. Dafür hat die Opposition drei Jahre lang Deutschland leiden lassen und alles blockiert, was längst dringend nötig gewesen wäre, angefangen bei ehrlichen Diskussionen im Parlament statt außerparlamentarischer Hetze in Bierzelten, Immigrationsgesetzen für Fachkräfte statt Anbiederung an die AfD, bis hin zu einer realistischen Einschätzung in der Außenpolitik statt Spahns und Merz’ Appeasement für Trump. Es war lang abzusehen, welche Katastrophe die Wiederwahl von Trump darstellen würde. Wenn Merz klug ist, nutzt er den momentanen europäischen Aufbruch, um Deutschland in Europa voranzubringen und die Abhängigkeit von den USA zu beenden.

Ist das schon eine Kampagne? - Leserbrief nicht gesendet

[veröffentlicht am xx.01.2025]

Man kann schon langsam den Eindruck gewinnen, die WZ arbeitet an einer Kampagne für die CDU mit, um dem abgestürzten Merz und seiner “Brandmauer war gestern”-Partei wenigstens noch ein bisschen zu helfen. Wenn man allerdings die Umfragewerte anschaut, sieht es mittlerweile so aus, dass Habeck führt und Merz heftig an Zustimmung verloren hat. Auch die Bemerkung, dass Merz lieber mit Weidel als mit Habeck ein TV-Duell führen möchte, spricht Bände über die zukünftige stramm rechte Ausrichtung der CDU.

Die Glossisten der WZ versuchen, ihr Scherflein dazu beizutragen, indem sie immer wieder gegen die Positionen der SPD und der Grünen anschreiben. Bedauerlicherweise sind in diesen Glossen immer wieder Blindgänger in Form von falschen oder irreführenden Behauptungen enthalten. Wie kann es kommen, dass Glossisten immer und immer wieder an der Realität vorbeischreiben? Sind wir schon beim Trump-Niveau von “alternativen Fakten” angekommen?

Die Glosse von Schier am 23.01. ist dafür ein Musterbeispiel: er behauptet, dass die Ampel an den “zu rigiden Gesetzen” gescheitert ist und blendet dabei vollkommen aus, wie die FDP sich seit Beginn der Koalition als U-Boot der Opposition betätigt hat.

Es ist offensichtlich - obwohl Schier es nicht ausspricht - das Gebäude-Energie-Gesetz, das Schier für “zu rigide” hält. Er greift das Mantra der "Bild"-Zeitung auf, das "Heizungsgesetz" oder der "Heiz-Hammer" sei ja eine ganz schlimme Sache.

Das Gegenteil ist der Fall: Habeck hat das GEG in der Reform massiv entschärft und wollte Förderungen für klimafreundliche Modernisierung in das Gesetz aufnehmen. An die "Bild" wurde damals (vermutlich von der FDP) ein früher Entwurf durchgestochen, der die Förderungspläne noch nicht enthielt - weil die FDP sich lang dagegen sperrte. Obwohl also das reformierte Gesetz eine deutliche Verbesserung für die Bürger dargestellt hat, wurde vom Springer-Verlag eine beispiellose hetzerische Kampagne gegen Habeck (mit teilweise 20 Online-Artikeln täglich) losgetreten. Besonders auffällig dabei ist, dass der korrekte Name “Gebäude-Energie-Gesetz” sorgfältig vermieden wurde, damit bloss niemand bemerkt, dass das tatsächlich "zu rigide Gesetz" in der Urfassung 2019 aus der Feder von Altmaier und Seehofer (CDU/CSU) stammt, wie ich schon mehrfach in Leserbriefen versucht habe zu korrigieren (z.B. am 12.10.2024):

"Des weiteren erwähnt Schäfer schon wieder das angebliche “Heizungsgesetz” und unterstellt erneut der Ampel, hier schlechte Gesetze zu Lasten der kleinen Bürger ins Parlament zu bringen. Erneut als Faktencheck: das korrekt “Gebäude-Energie-Gesetz” genannte Paket wurde 2019 von Altmaier und Seehofer geplant und war weitaus radikaler als die entschärfte Fassung, die die Ampel 2022 weiterentwickelt hat. Die frühere CDU-Fassung enthielt die knallharte Auflage, nach einem Stichtag veraltete Heizungen erneuern zu müssen. Die neue Ampelfassung hingegen bietet die Möglichkeit, auch alte fossile Heizungen weiter zu betreiben, solange sie reparierbar sind. Nebenbei sollte in der Gesetzesnovelle eine Frist um ein Jahr vorgezogen werden, um geänderten EU-Auflagen nachzukommen. Es ist natürlich trotzdem sinnvoll, alte Heizungen mit Öl oder Gas z.B. gegen eine Wärmepumpe auszutauschen, denn ab 2027 steigt der Preis für fossile Brennstoffe deutlich aufgrund der kommenden CO2-Abgabe."

Im Übrigen ist das GEG einfach nur die verpflichtende Umsetzung einer EU-Vorgabe, an der auch die nächste Regierung nicht vorbei kommen wird - es steht aber zu befürchten, dass die Fördergelder gestrichen werden, falls die CDU beteiligt ist.

Insgesamt kann man sagen, dass die Ampel trotz permanenter Sabotage durch die FDP mehr als zwei Drittel der Koalitionsvereinbarungen umgesetzt hat (etwa 450 Punkte). Das vorherige Merkel-Kabinett hatte sich ganz bescheiden nur um die 300 Punkte als gemeinsames Regierungsprogramm vorgenommen.

"Kleine" Anfrage mit 551 Fragen ganz normal - Leserbrief nicht gesendet

[veröffentlicht am xx.03.2025]

Üblicherweise schreibt der Glossist Kluger Beiträge, die nicht sofort zu Widerworten aufrufen; am 27.02. hingegen schon: er findet es eine “ganz normale” Sache, wenn die CDU eine “Kleine” Anfrage mit “nur” 551 Fragen an die Bundestagsverwaltung richtet. Es wäre wichtig, für “Transparenz” zu sorgen. Kluger meint auch, dass diese NGOs “politisch neutral” sein müssten, wenn sie Gelder vom Staat erhielten.

Die ganze Sache hat nur gleich mehrere Haken: da ist zum einen die schiere Anzahl an Fragen, die sich auf die Zuwendung von Geldern an 17 (!) Organisationen richten. Diese Taktik kennt man sonst nur von der AfD, die damit gerne die Landesparlamente beschäftigt und ihren Anhängern gegenüber vortäuscht, den “tiefen Staat” aufzuklären.

Zum anderen ist allein die Überschrift der Kleinen Anfrage verräterisch: es geht ausdrücklich um die Demonstrationen “gegen die CDU”. Hier fühlt sich also jemand direkt und persönlich angegriffen und möchte gern mit aller Macht zurückschlagen. Das erinnert an Trump und seine Drohungen gegen seine politischen Gegner.

Auch die “politische Neutralität” ist ein Irrtum und eine verkehrte Forderung: zum Kern unseres Staats gehört der Diskurs verschiedener Meinungen, um Kompromisse zu schließen, und solange diese Meinungen die freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO) achten, ist das absolut in Ordnung.

Interessant hierbei besonders, dass es sich ausdrücklich um Demonstrationen von z.B. “Omas gegen Rechts”, NABU, BUND, PETA etc. gegen Rechtsextremismus gehandelt hat. Es ist bezeichnend, dass die CDU sich hier tatsächlich angegriffen fühlt. Das verwundert aber dann doch nicht mehr besonders, wenn der Wahl-O-Mat feststellt, dass sich die Wahlprogramme von CDU und AfD für die Bundestagswahl um die Kleinigkeit von nur 70 % überschnitten haben.

Auch bemerkenswert ist die Tatsache, das die “parteinahen” Stiftungen von CDU, SPD und FDP von der Anfrage ausgeschlossen sind, alle anderen aber nicht. Hier wird also die Forderung nach “Neutralität” ausdrücklich nicht gestellt! Den 185 Mio. Euro für die 17 aufgeführten NGOs steht allein ein jährlicher Zuschuss von 215 Mio. Euro an die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung gegenüber, der offensichtlich nicht erklärt werden muss oder soll.

Insgesamt geht es bei der “Kleinen Anfrage” also um die Summe von 185 Mio. Euro, die in Projekte, Vorträge, Fortbildungen u.ä. geflossen sind. Da gemeinnützige Institutionen zur Dokumentation ihrer Ausgaben verpflichtet sind, hätte die CDU sich auch selbst aus deren Jahresberichten informieren können, statt die Parlamentsverwaltung damit zu beschäftigen. Des weiteren sind für die Prüfung der Mittelverwendung üblicherweise die Finanzbehörden zuständig. Eine derartige exzessive “Kleine Anfrage” ist also nur Schaumschlägerei und PR.

Die “Omas gegen Rechts” haben schon in einer Pressemitteilung geantwortet, dass keine staatlichen Zuschüsse für die Organisation oder die Teilnahme an den kritisierten Demonstrationen gegen Rechtsextremismus verwendet oder überhaupt dafür erhalten wurden. Ähnlich wird es bei den anderen angegriffenen Organisationen aussehen.

Ich finde es begrüßenswert, dass nach dem parlamentarischen Eklat, den sich Merz und die CDU Ende Januar im Bundestag geleistet haben, mehrere Millionen Menschen aufgestanden sind und ihr grundgesetzliches Recht auf Versammlungsfreiheit, Demonstration und freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben (meine Familie und ich auch, in Gießen, beide Male!). Damit haben sie Merz klargemacht, dass gemeinsame Abstimmungen von CDU und AfD in Parlamenten nicht akzeptabel sind, weder auf Bundes-, noch auf Landes- oder Kommunalebene.

Der Glossist Kluger sollte seinen politischen und vor allem demokratischen Kompass etwas nachjustieren, wenn er solche Einschüchterungstaktiken gutheißt, insbesondere sollte er sich fragen, warum Organisationen und Medien wie “Reporter ohne Grenzen”, das “Netzwerk Recherche”, die “Deutsche Journalisten-Union” in Verdi, der “Deutsche Journalisten-Verband”, “Attac”, die “Amadeu Antonio Stiftung”, “Campact” und die “Frankfurter Rundschau” unisono harsche Kritik üben, während er das im Sinne der “Transparenz” alles gut findet.

Nachtreten auf die alte Ampel - Leserbrief nicht gesendet

[veröffentlicht am xx.03.2025]

Im Allgemeinen sind die Beiträge von Hr. Seligmann so lesbar, dass man nicht sofort zähneknirschend in die Tasten greift. Aber die Glosse vom Samstag war doch schmerzhaft genug dafür. Politik und Seligmann sind zwei Dinge, die nicht zueinander passen. Das hat man schon bemerken können, als er zu Beginn Trumps erster Amtszeit versucht hat, ihn sich schön zu reden, und auch zur aktuellen deutschen Politikrealität hat Seligmann eine eher flexible Sichtweise.

Es ist traurig zu lesen, dass nach dem Ende der Ampel immer noch auf einzelne Politiker nachgetreten wird, insbesondere auf die der Grünen. Habeck war entgegen Seligmanns Behauptung ein erfolgreicher Wirtschaftsminister, der sich im Sinne des Koalitionsfriedens so gut wie nie zu den FDP- und insbesondere Lindner-Eskapaden und Querschüssen geäußert hat - obwohl er sehr darunter hat leiden müssen (z.B. das plötzliche Aus für die E-Auto-Zuschüsse). Habeck hat die an Gazprom verkauften (!) deutschen Gasspeicher bei Amtsantritt fast leer übernehmen müssen und hat in einem gewaltigen Kraftakt nichtrussische Alternativen aufgetan, bevor Putin die Deutschen mit einem Lieferstopp erpressen konnte. Nur Tage vorher wurde die deutsche Gazprom verstaatlicht. Habeck hat die vorhandene Merkel-Bürokratie entfilzt und Genehmigungsvorgänge auf Monate statt Jahre reduziert, z.B. bei Windkraftanlagen und Stromtrassen. Baerbock hat sich bei allen europäischen und internationalen Amtskollegen großen Respekt erarbeitet. Den Spott von Merz über mangelnde Regierungserfahrung hat sie erfolgreich widerlegt. Merz hingegen hat genau Null Führungserfahrung in der Politik und wird sich noch beweisen müssen.

Wenn Seligmann zur Abwechslung mal Wirtschaftsnachrichten lesen würde, wäre ihm aufgefallen, dass die Energiekonzerne hochzufrieden mit Habeck waren und der Vorstand von Tennet ausdrücklich gesagt hat “wir brauchen nicht alle 4 Jahre einen Richtungswechsel”. Auch die deutsche Stahlindustrie ist fest auf Kurs für “grünen Stahl”, um auf dem Weltmarkt überhaupt bestehen zu können.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass beim Regierungswechsel 2021 die Medien so aggressiv auf der Vorgängerregierung herum gehackt haben wie es jetzt gerade zu beobachten ist. Dabei wäre es durchaus angemessen gewesen, die katastrophalen Fehlleistungen von Blindgängern wie Spahn, Scheuer, Dobrindt, Altmaier, Seehofer, Klöckner aufzuarbeiten. Nach mehreren Gerichtsurteilen ist Spahn dafür verantwortlich, dass der Staat aus Maskengeschäften fast 3 Mrd. Euro an Schadenersatzzahlungen leisten muss oder für nie gelieferte Beatmungsgeräte viele Millionen Euro gezahlt hat - dagegen ist die fehlgeschlagene PKW-Maut von Scheuer mit “nur” 243 Mio. Euro Schadenersatz schon fast ein Schnäppchen. Die Lobbyarbeit von Klöckner für Nestle wäre auch ein interessantes Thema gewesen, oder die flexiblen Meinungen von Söder - jeden Tag eine andere Richtung.

Allein die Tatsache, dass Merz schon wieder die abgeschalteten Kernkraftwerke ins Gespräch bringt, zeigt deutlich, dass Wirtschaftsnähe nicht einher gehen muss mit erfolgreicher Wahrnehmung der Realität. Genau wie Söder träumt Merz weiterhin von deutscher Atomkraft, obwohl alle Betreiber ausdrücklich mehrfach öffentlich gesagt haben, dass diese Zeit in Deutschland definitiv vorbei ist.

25.11.2025

Lenovo M600 BIOS update without Windows (en)

Some time ago I picked up a mini-PC as a bargain for 25 €, which I use from time to time for experiments. The device has a Celeron N3010 at 1 GHz, so it’s at the lower limit for using a Linux desktop. Windows definitely isn’t fun on this little box.

But with 4 or 8 GB of RAM (in a SODIMM format like a laptop) and an SSD (unfortunately only SATA, no M.2) the little box is tolerable for a small home‐server for automation or as a Pi-Hole for global ad-blocking — after all it doesn’t always have to be a Raspberry Pi :-)

At some point I happened to notice that on the Lenovo website there is a BIOS update. My PC had version 50, and I could update to version 68A. As an old update-junkie I naturally have to actually do this :-)

Well, the update is offered as a Windows file, so I would need Windows on the PC. As alternatives there is an ISO file and a file that works under FreeDOS. Read that right: there are enthusiasts who maintain DOS, and FreeDOS is a free variant of MS-DOS, even with network support, and in the “full” variant there are also apps, including even GNU’s wget.

The ISO file can be written to a USB stick under Linux using the command dd. That option didn’t work for me; the USB stick refused to boot.

The other option then was to create a USB stick with FreeDOS. That too didn’t work at first, but for a different reason: I had first downloaded a trial image of FreeDOS that works with a boot diskette in a RAM‐disk and doesn’t let the USB stick be visible from within DOS. I had copied the Lenovo files onto the USB stick, but with that FreeDOS I could not access the USB stick. So another attempt …

The solution: Download the Install file for FreeDOS (full or lite version makes no difference), create a USB stick with it (again with dd), and then copy the files from Lenovo for the BIOS update onto the USB stick (of course adjust /dev/sdb as your device!).

unzip FD14-LiteUSB.zip dd if=FD14LITE.img of=/dev/sdb status=progress bs=4M mkdir -p /mnt/usb mount /dev/sdb1 /mnt/usb unzip m00jt68usa.zip -d /mnt/usb/m600

With this bootable USB stick you can then update the BIOS. Plug the USB stick into the PC and immediately after switching on, while “Lenovo” is displayed, press F12 so that the boot-device selection options appear. Lenovo recommends resetting all settings in the BIOS to “Default” before the update. Also you should check that “Legacy Boot” with the “CSM” is turned on, otherwise the USB stick will not be displayed in the boot menu.

After booting the PC looks like 40 years ago with a DOS prompt in text mode.

cd m600 autoexec.bat

24.11.2025

Lenovo M600 BIOS-Update ohne Windows

Vor einiger Zeit habe ich mir für 25 € einen Mini-PC als Schnäppchen zugelegt, mit dem ich ab und zu experimentiere. Das Gerät hat einen Celereon N3010 mit 1 GHz und ist damit an der unteren Grenze, um einen Linux-Desktop zu verwenden. Windows macht auf diesem Kistchen definitiv keinen Spaß. Aber mit 4 oder 8 GB RAM (mit einem RAM-Riegel im Format SODIMM wie Laptops) und einer SSD (leider nur SATA, kein M.2) ist das Kistchen erträglich für einen kleinen Heimserver für Automation oder als Pi-Hole für eine globale Werbeblockade - es muss ja nicht immer ein Raspi sein :-)

Irgendwann fiel mir zufällig auf, dass es auf der Lenovo-Website ein BIOS-Update gibt. Mein PC hatte die Version 50, und ich könnte auf Version 68A updaten. Als alter Update-Junkie muss ich das natürlich tatsächlich tun :-)

Tja, das Update wird als Windows-Datei angeboten, ich müsste also ein Windows auf dem PC haben. Als Alternativen gibt es eine ISO-Datei und eine Datei, die unter FreeDOS funktioniert. Richtig gelesen: es gibt Enthusiasten, die DOS pflegen, und FreeDOS ist eine freie Variante von MS-DOS, sogar mit Netzwerkunterstützung, und bei der "vollen" Variante gibt es auch Apps, darunter sogar das wget von GNU.

Die ISO-Datei kann man unter Linux mit dem Befehl dd auf einen USB-Stick schieben. Diese Option hat bei mir nicht funktioniert, der USB-Stick wollte nicht booten.

Die andere Option war dann, einen USB-Stick mit FreeDOS zu erstellen. Auch das hat zuerst nicht funktioniert, aber aus einem anderen Grund: ich hatte mir zuerst ein Probier-Image von FreeDOS heruntergeladen, das mit einer Bootdiskette in einer RAM-Disk arbeitet und den USB-Stick im laufenden DOS nicht sichtbar macht. Ich hatte die Lenovo-Dateien auf den USB-Stick kopiert, aber ich konnte mit diesem FreeDOS nicht auf den USB-Stick zugreifen. Also neuer Versuch ...

Die Lösung: die Installationsdatei für FreeDOS herunterladen (full oder lite macht keinen Unterschied), damit einen USB-Stick erzeugen (auch wieder mit ddund dann die Dateien von Lenovo für das BIOS-Update auf den USB-Stick kopieren (/dev/sdb natürlich anpassen!).

unzip FD14-LiteUSB.zip dd if=FD14LITE.img of=/dev/sdb status=progress bs=4M mkdir -p /mnt/usb mount /dev/sdb1 /mnt/usb
unzip m00jt68usa.zip -d /mnt/usb/m600 

Mit diesem bootfähigen USB-Stick lässt sich dann das BIOS updaten. Den USB-Stick an den PC anschließen und sofort nach dem Einschalten, solange "Lenovo" angezeigt wird, die Taste F12 drücken, damit die Auswahl des Bootgeräts möglich ist. Lenovo empfiehlt, vor dem Update im BIOS alle Einstellungen auf "Default" zurückzusetzen. Außerdem sollte man kontrollieren, dass "Legacy Boot" mit dem "CSM" eingeschaltet ist, sonst wird der USB-Stick nicht im Bootmenü angezeigt. Nach dem Booten sieht der PC aus wie vor 40 Jahren mit einem DOS-Prompt im Textmodus.

cd m600 autoexec.bat

12.06.2025

Heart of Stone - Filmkritik

Ich bin bei Netflix auf einen Film mit Gal Gadot von 2023 ("Wonder Woman") gestoßen und hab ihn mir angeschaut.

Vorneweg: viel nette Action, gut inszeniert, interessante Wendung relativ früh im Film.

Aber: die Geschichte, die erzählt wird, ist so voller Löcher und Logikfehler, dass es eigentlich schon beim Schauen wehtut.

Zur Handlung muss ich leider etwas spoilern, sonst lassen sich die Schwächen und Fehler im Film nicht erklären. Kern der Handlung ist eine "KI" namens "Heart", die von einer geheimen supranationalen Organisation "Charter" verwendet wird, um kriminelle Aktivitäten vorherzusagen und um Aktivitäten zu planen, sie zu bekämpfen. Charter benennt seine Agenten nach dem Kartenspiel - es gibt vier "Könige", Kreuz, Pik, Herz und Karo (Club, Spades, Heart, Diamond), die Agenten nennen sich nach den einzelnen Spielkarten ("9 of Hearts", "Jack of Hearts" usw.).

Gal Gadot spielt die "Charter"-Superagentin Rachel Stone ("9 of Hearts"), die undercover bei MI6 als angebliche Computerexpertin arbeitet, aber gerade nicht an die vorderste Front darf ("in the field"), sondern nur im Hintergrund vor sich hin hackt. Bei der versuchten Festnahme eines Waffenhändlers geht einiges schief, und sie muss versuchen zu retten, was zu retten ist, ohne ihre Tarnung aufzugeben. Dabei wird sie mit Augmented Reality von einem Kollegen ("Jack of Hearts", Matthias Schweighöfer) in der Zentrale unterstützt, der ihr mit "KI"-Computerhilfe Optionen einblendet, denen sie folgt. Sie löst das Problem, ohne aufzufliegen, allerdings begeht der Bösewicht augenscheinlich Selbstmord.

Während des Einsatzes dringt eine andere Computerhackerin in den verschlüsselten Funkverkehr von MI6 ein und offenbart sich. MI6 versucht daraufhin, diese Hackerin Keya Dhawan zu finden und nach Hinweisen auf Lissabon bekommt Stone das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Tatsächlich geht der dortige Einsatz schon beim Bezug der konspirativen Wohnung fürchterlich schief. Ein Mordanschlag auf das Team von Stone schlägt fehl, allerdings muss sie ihre Tarnung aufgeben, um ihrer aller Leben zu retten.

Einer ihrer Kollegen, Parker, ist ein Maulwurf. Er tötet die beiden anderen Teammitglieder und lähmt Stone mit einem vergifteten Messer. Lissabon war eine Falle von Parker, um den Charter-Agenten in MI6 zu zwingen, sich zu offenbaren. Während sie noch wach ist, injiziert er ihr eine Kapsel mit Elektronik. Sie wird in die Zentrale von Charter gebracht und bekommt das Gegenmittel. Die Kapsel in ihrem Arm ist allerdings ein Virus und dringt in das lokale Netzwerk von Charter ein. Dort legt sie einen schlafenden Wurm ab, der sich erst später aktiviert. Parker wusste von Charter und aufgrund seiner persönlichen Vergangenheit während eines fehlgeschlagenen Einsatzes bei einem Waffenhandel will er Charter zerstören.

Es stellt sich heraus, dass das zentrale Element von "Heart" ein Bauteil ist, das in einem Zeppelin in 30 km Höhe fliegt. Parkers und Keyas Computerwurm löst ein Absinken des Zeppelins aus, damit Parker mit einem Hubschrauber das Herz von "Heart" aus dem Zeppelin stehlen kann. Stone landet ebenfalls auf dem Zeppelin, kann aber den Diebstahl nicht verhindern. Zusammen mit der Hackerin stürzt sie in der Wüste ab und kann entkommen. Die Hackerin bekommt Zweifel an Parkers Zielen, unterstützt ihn aber weiterhin.

Schlussendlich - nach mehreren Actionszenen - kommt es zum Showdown in einem Rechenzentrum, das Parker aufgebaut hat. Stone kann nach einem Zweikampf Parker mit Keyas Hilfe besiegen. Allerdings konnte Parker vorher "Heart" in Betrieb nehmen und mit dessen Hilfe die Könige von Karo und Kreuz ermorden. Karo stürzt mit ihrer Familie in einem Aufzug ab, Kreuz wird mit einem Einsatzteam in eine Falle in ein Rechenzentrum in Reykjavik gelockt, das dann explodiert.

Soweit, so Action. Die Geschichte ist im Prinzip gut, aber die Fehler in der Erzählung und die Fehler, die die Charaktere begehen, sind so eklatant, dass meine Gesamtnote auf "schwach" lautet. Eine Geheimorganisation, die nur aus 30-50 Personen besteht (Kartenspiel), hat Geldmittel und mehrere geheime Basen in einem unglaublichen Ausmaß. Nirgends wird das erklärt. Wie schon bei James Bond, wo Q in "Skyfall" den feindlichen Laptop von Silva mit einem Kabel in der Zentrale anschließt, wird eine kompromittierte Agentin in die Basis gebracht, der Tracker unter ihrer Haut offenbart den Standort und kann in das Computernetzwerk eindringen. Der Bösewicht Parker hat einen ähnlichen Antrieb wie Trevelyan in "Goldeneye" - eine persönliche Rache nach einem Einsatz; dort die Kosaken bei Lienz, hier Waffenhändler in Tschetschenien.

Was genau "Heart" ist und wer diese Technologie entwickelt hat, wird nicht erklärt. Es sieht aus wie ein Raspi in einer Glasröhre. Offensichtlich kann aber Charter kein redundantes zweites Gerät herstellen oder das gestohlene mit einem Killswitch lahmlegen.

Der Zeppelin hat eine innere Achse, die mit Solarzellen gepflastert ist. Nochmal: Solarzellen. Drinnen. Im Zeppelin. Auf der Längsachse der Konstruktion, die die Hülle trägt. Drinnen. Mitten drin im Zeppelin. Nicht außen. Drinnen. Trotz früherer Gegenbeispiele ist der Zeppelin mit Wasserstoff gefüllt und explodiert natürlich recht heftig, als eine kleine Bombe gezündet wird. Da der Auftrieb des Zeppelins mit Wasserstoff erreicht wird, leuchtet es total ein, dass auf der tragenden Innenachse ohne Atemhilfsmittel gekämpft wird. Drinnen. Im lichten Zeppelin. Drinnen.

Das Herz von "Heart" (pun intended) wird also gestohlen. Parker hat innerhalb von Stunden dieses Gerät in sein eigenes Rechenzentrum gebracht und hat dort genau die richtigen Anschlüsse und Geräte, um "Heart" in Betrieb zu nehmen. Warum der Zeppelin "nur" von 80.000 auf 40.000 Fuß Höhe abgesenkt wird, ist auch unklar - man könnte ihn auch noch niedriger steuern oder landen lassen. Aber das würde die Option auf Stunts mit Wingsuits und Fallschirmen zerstören.

Der Mord an Karokönig (eine Ex-Chefin des CIA) wird durch den Absturz eines Aufzugs durchgeführt. "Heart" kann also in die Steuerung des Gebäudes eindringen und alle - insbesondere die mechanischen! - Schutzmechanismen des Aufzugs aufheben. Üblicherweise sind Aufzüge dreifach redundant ausgelegt (sowohl zulässiges Gewicht als auch Seile). Außerdem gibt es Sperrhaken, die bei zu starker Beschleunigung ausfahren und sich in den Wänden festkrallen.

Offen ist auch die Frage, warum niemand auf die Idee kommt, dass es eine Falle sein könnte, wenn ein Rechenzentrum der Uni Reykjavik der total einleuchtende Ort ist, an dem ein Bösewicht jahrelang eine Serverfarm aufbauen kann, die nur auf das Herzstück (Wortspiel) aus dem Zeppelin wartet. Oder ob es eine Falle sein könnte, wenn die gesamte Führungsriege von Charter in ein Ausweichhauptquartier umzieht und dann dort ohne Luftaustausch eingeschlossen wird. Oder warum keiner der Angestellten der Uni sich wundert, dass ein Untergeschoss vermint wird.

Im Großen und Ganzen also ein nettes Actionspektakel, bei dem man das Mitdenken über Strategie unterlassen sollte. Respekt für die Schauspieler, die trotz der eklatanten Schwächen ihr Bestes gegeben haben.

20.05.2025

Grenzkontrollen - Leserbrief

[veröffentlicht am 20.05.2025, unschöne Änderungen der Red. in rot]

Ich glaube nicht, dass dem Glossisten Schier in seinem Beitrag vom 09.05. klar ist, wie groß seine kognitive Dissonanz ist. Er wundert sich über Umfragen, in denen 67 % der Befragten die AfD für rechtsextrem halten, aber trotzdem 23 % sie wählen würden.

Im nächsten Absatz schwadroniert er dann wieder munter mit genau den Narrativen weiter, die die AfD geprägt haben hat: die (angeblich) illegalen Zuwanderer, die man aus Europa und insbesondere Deutschland fernhalten müsse.

Schon Dobrindt hat sich bei seinem Antrittsbesuch in Polen eine deutliche Abfuhr von Tusk geholt. Tusk hat die Idee von Schengen betont und damit Dobrindt deutlich widersprochen. Bei den neu eingeführten Grenzkontrollen der letzten Tage wurde keine einzige Zurückweisung durchgeführt.

Die unmittelbare Abweisung von Ausländern an europäischen Binnen- oder Außengrenzen ist schlicht und einfach rechtswidrig. Jeder Mensch hat nach dem Schengen-Abkommen das Recht, einzureisen und Asyl oder Aufenthalt zu beantragen. Dazu gibt es rechtsstaatliche Verfahren und Abläufe, die von Behörden zwingend eingehalten werden müssen. Diese Verfahren basieren auf deutschen Gesetzen, der EU-Gesetzgebung, der Genfer Flüchtlingskonvention und der UN-Menschenrechtscharta.

Eine Abweisung an der Grenze direkt bei der Einreise ist rechtswidrig, denn erst durch ein rechtsstaatliches Verfahren kann festgestellt werden, ob die Einreise legitim ist. Dazu ist – Überraschung! – die Einreise notwendig. Das Dublin-Abkommen ist an sich schon eine Pervertierung dieses Grundsatzes und wird oft verwendet, um die Zurückweisung direkt an der Grenze zu begründen, denn der Asylantrag soll im Land der ersten Einreise geschehen. Sobald diese Tatsache unklar ist, muss die Einreise ermöglicht werden.

Das Gutachten über die gesichert rechtsextreme AfD enthält auf 1.100 Seiten genau die Feststellung, dass sie solche rechtsstaatlichen Grundsätze ablehnt. Wenn die Glossisten der WZ dies immer und immer wieder aufschreiben, festigen und normalisieren sie diese Standpunkte der AfD.

Seit mehreren Jahren ist – nicht nur – bei der WZ ein deutlicher, beunruhigender Rechtsruck in den Meinungsbeiträgen festzustellen. Sämtliche Beiträge lamentieren über „illegale“ oder „irreguläre“ Migration und fordern Tätigkeiten, statt festzustellen, dass die Kriminalität seit Jahren kontinuierlich sinkt und die Medien massiv dazu beitragen, die Ausländerfeindlichkeit herbeizuschreiben und in Talkshows herbeizureden. Über Straftaten von Ausländern wird tendenziell intensiver berichtet als über die von Einheimischen. Die grundsätzliche Gemeinsamkeit bei Gewalttaten ist: der Täter ist männlich. Die Ethnie spielt in der Statistik nur eine nachrangige Rolle. Und nur ganz nebenbei: die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sinkt schon seit Jahren kontinuierlich, der Handlungsdruck wird künstlich herbeigeredet.

In den ostdeutschen Flächenländern (ohne Berlin) leben rund 65 % weniger Menschen mit Migrationshintergrund als im Westen (mit Berlin). 2023 lag die Kriminalitätsrate in den ostdeutschen Flächenländern (ohne Berlin) etwa 17 % höher als in den westdeutschen Flächenländern. Trotzdem fährt die AfD in Ostdeutschland hohe Wahlergebnisse ein?

Und dann wundert man sich über den Rechtsruck in der Gesellschaft, wenn man selbst so intensiv dazu beigetragen hat und weiterhin beiträgt? Ich nenne hier ausdrücklich die Glossisten Sattler, Schier, Anastasiadis und Deutschländer, die alle seit Jahren ins selbe Horn stoßen.

08.05.2025

Wenn Laien sich für Profis halten - Leserbrief

Eine Kolumnistin schrieb über das Bedürfnis, sich "leicht zu merkende" Passwörter auszudenken. Ganz blöde Idee auf so vielen Ebenen.

[veröffentlicht am 07.05.2025]

Die Kolumne von Fr. Rolfs kommt zwar im humoristischen Gewand daher, aber die Kernaussage dahinter ist eine gefährliche Verharmlosung der falschen Benutzung von Passwörtern. Sie fabuliert, dass Menschen sich “einfache” Passwörter ausdenken und natürlich dann überall dasselbe, leicht zu merkende Passwort verwenden, weil es ja so anstrengend sei, für regelmäßige Passwortänderungen immer wieder “gute” Passwörter zu finden. Dieses Konzept ist grundfalsch.

Erstens ist es falsch, sich selbst als Mensch ein “gut zu merkendes” Passwort auszudenken. Darin sind Menschen nicht gut. “Gut zu merken” ist ein Synonym für “schlechtes, leicht ermittelbares Passwort”. Mittlerweile sind Passwortgeneratoren in jedem Handy und in jedem Browser enthalten und es gibt spezielle Software, die richtig gute zufällige Passwörter zusammenbauen kann. Niemand muss sich heutzutage mehr Passwörter selbst merken!

Zweitens ist es falsch, regelmäßige Passwortänderungen zu erzwingen (leider machen das gerade viele Firmen immer noch falsch, monatlich oder im Quartal neue Passwörter zu verlangen). Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) schreibt seit längerem, dass die Sicherheit von der Länge des Passworts abhängt und gerade nicht vom regelmäßigen Wechsel. Es schlägt sogar vor, dass Passwörter nur bei Verdacht auf Kompromittierung geändert werden sollten. Im BSI-Grundschutz Punkt ORP4.A23 heißt es ausdrücklich: "IT-Systeme oder Anwendungen sollten Anwender nur mit einem validen Grund auffordern, das Passwort zu wechseln, reine zeitgesteuerte Wechsel werden nicht empfohlen."

Drittens ist es seit Jahren gängige Praxis, einen zweiten Faktor zu verwenden, z.B. einen PIN-Generator wie den Google oder Microsoft Authenticator auf dem Handy (2FA). SMS als zweiten Faktor sollte man vermeiden, da SMS ungeschützt übermittelt werden und mehrere Arten von Angriffen möglich sind. Mit diesem zweiten Faktor wird das Eindringen und Hacken deutlich erschwert. Dieses Verfahren sollte überall zwingend eingesetzt werden.

Google, Apple und viele andere Firmen empfehlen mittlerweile statt Passwörtern die sog. “Passkeys” zu verwenden, die das eigene Gerät nie verlassen, sondern nur mit einem mathematischen Verfahren “beweisen”, das der Inhaber legitim handelt. Hier sollte man überlegen, ob man sich an das Ökosystem von Android bzw. Apple bindet und die Passkeys direkt auf dem Smartphone speichert, man eine Drittanbietersoftware wie z.B. “1Password” oder sogar spezielle Zusatzgeräte wie USB-Sticks mit “Fido2”-Technik verwendet. Letztere erleichtern den Wechsel des Geräts bei Verlust oder Neuanschaffung und auch den Wechsel von einem Hersteller zu einem anderen.

Insgesamt bleibt zu wünschen, dass sich Kolumnisten auch bei Beiträgen mit humoristischen Hintergrund auf ihr Fachgebiet beschränken sollten und nicht bei Ausflügen in fachfremde Gebiete verklausuliert Empfehlungen aussprechen, die bei Laien einen falschen Eindruck hervorrufen könnten und die Sicherheit ihrer Geräte verschlechtert.


15.04.2025

Nachhilfe nötig - Leserbrief

[veröffentlicht am 15.04.2025]

Erneut zeigt der Glossist Deutschländer, dass er dringend Nachhilfe in Demokratie und Politik benötigt. Er nennt den Bundestag, der noch im Amt war, einen “Nicht-Mehr-Bundestag”. Das Bundesverfassungsgericht hat schon vor längerer Zeit bestätigt, dass ein Parlament bis zum Ende der Formalien für den nächsten gewählten Bundestag weiterhin im Amt ist und immer noch die Kompetenz hat, um Gesetze - und auch Änderungen am Grundgesetz - zu verabschieden.

Der neue Bundestag ist erst im Amt, wenn die konstituierende Sitzung erfolgreich beendet ist und alle Ämter und Institutionen gewählt sind, die zur Arbeitsfähigkeit nötig sind. Wenn sich Mehrheiten finden lassen, wie es jetzt offensichtlich der Fall war, kann der amtierende Bundestag weiterhin arbeiten.

Die Behauptung, dass die 100 Mrd. Euro “für die Grünen” sind, ist eine krasse Ignoranz gegenüber den wissenschaftlichen Tatsachen. Man kann vielleicht darüber sprechen, die Klimaziele zwischen den einzelnen Sektoren zu verschieben, um Härten abzumildern, aber die Klimaziele sind keine ideologische Wunschvorstellung der Grünen, sondern eine notwendige Folgerung aus den Erkenntnissen der Wissenschaft. 2024 war erneut das wärmste Jahr der letzten zehn Jahre, dieser März war wieder der trockenste und wärmste seit langem. Es ist traurig anzusehen, dass ein von Söder betreuter Kanzlerkandidat wie Merz, der noch nie ein politisches Führungsamt inne hatte, schon vor seiner zu befürchtenden Wahl zum Kanzler so wenig Verhandlungsgeschick und Diplomatie hat und wieviel Porzellan er mit seinen Tiraden jetzt schon zerschlagen hat. Peinlich war natürlich auch, wie bei den Verhandlungen über Sondervermögen und Schuldenbremse die Grünen außen vor gelassen wurden (eine Sternstunde der politischen Diplomatie) und trotzdem ihre Zustimmung im Parlament erwartet wurde. Zynisch dabei die Formulierung, dass die Grünen aufgrund ihrer “staatstragenden Verantwortung” ja zustimmen müssten. Wo war dieselbe Verantwortung bei der CDU in den letzten drei Jahren?

Leider hat der “Noch-nicht-Bundeskanzler” Merz (diese Formulierung gestehe ich Deutschländer zu) es drei Jahre lang geschafft, viele Vorhaben der Ampel zu torpedieren. Es mutet merkwürdig an, dass er mit einer Lüge über faktisch ungedeckte 100 Mrd. Euro Haushaltslücke trotzdem gewählt wurde und nach der Wahl nun eins-zu-eins das bisherige Programm der Ampel um- und fortsetzt. Das hätte man einfacher und ohne diesen jahrelangen Zeitverlust haben können, aber da Merz kompromisslos und narzisstisch aus Rache an Merkel Kanzler werden wollte, ist er mit einer Klage beim Bundesverfassungsgericht vorstellig geworden. Nun befürwortet er selbst ein Sondervermögen von mehr als 13-facher Höhe dessen, was er verhindert hat. Exakt das, was jetzt vereinbart wurde, hatte Habeck schon Ende 2024 im Parlament vorgeschlagen, und damals hat Merz noch behauptet, ein Sondervermögen für Investitionen sei nicht notwendig. Unter der Hand wurde bestätigt, dass die Reform der Schuldenbremse auch innerhalb der CDU schon mehrere Monate lang als nötig angesehen wurde. Die Politik der nächsten vier Jahre wird also wieder aus Tarnen, Täuschen, Tricksen bestehen mit bewiesen erfolglosen Politikern wie Klöckner, Spahn, Dobrindt, Scheuer, Amthor, aber immerhin ist uns ein wegen Umweltschutzverstößen strafrechtlich vorbelasteter Umweltminister Felßner erspart geblieben (der Gülle in ein Wasserschutzgebiet einleitete). Das ist derselbe Vorsitzende des Bauernverbands, der es gar nicht schlimm fand, dass ein Mob die Fähre stürmen wollte, auf der Habeck mit Familie aus dem Urlaub zurückkehrte.

01.04.2025

Gegen die Grünen oder gegen Frauen? - Leserbrief

[veröffentlicht am 01.04.2025]

Die Glosse vom 20.03. ist leider wieder mal ein fieses Nachtreten gegen eine gute Politikerin. Baerbock hat sich international viel Respekt erarbeitet, auch wenn Deutschländer substanzlos das Gegenteil behauptet. Insbesondere hat sie deutlich vor dem Angriff auf die Ukraine vor Russland und vor einer Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen gewarnt, im Gegensatz zu Politikern der CDU/CSU, die sich mit Nordstream 1 und 2 Putin geradezu in die Arme geworfen haben, und das sogar nach dem Scheitern von Minsk I und II und der völkerrechtswidrigen Annexion von Krim und Donbas.

Das Amt der Präsidentin der Vollversammlung der UN ist ein Posten, der auf ein Jahr befristet ist. Baerbock hat sich also keineswegs durch ihre “gute Vernetzung” einen “sicheren Versorgungsposten” beschafft, sondern verzichtet im Gegenteil auf vier sichere Jahre im Bundestag als Abgeordnete. Auch die Entlohnung ist deutlich geringer als die deutsche Abgeordnetendiät.

Wenn wir über “Versorgungsbeschaffung” reden wollen, würde ich gern mal eine gleichlautende Glosse über die Partner und Verwandten von z.B. Heusgen, Spahn, Lindner und Streeck lesen.

Der Posten als Vorsitzende der Vollversammlung der UN ist traditionell mit einem ehemaligen Außenminister besetzt, und Baerbock ist die ideale Wahl dafür. Ihre Vorgänger Steinmeier, Gabriel, Westerwelle und Maas waren aus offensichtlichen Gründen nicht nominiert. Turnusgemäß steht der Posten Europa zu, die Wahl eines oder einer Deutschen gilt seit längerem als sicher.

Langsam ist es wirklich auffällig, mit welcher Vehemenz nach wie vor auf die Grünen - oder vielleicht diesmal auf eine Frau? - eingeschlagen wird. Kann Deutschländer vielleicht vor seinen nächsten Glossen etwas Recherche betreiben, bevor er vor Geifer triefende verbale Rundumschläge austeilt?

13.03.2025

CDU-Wahlwerbung als Interview getarnt (2) - Leserbrief

Die WZ setzt ihre Reihe von fragwürdigen Interviews fort - mit Politikern, die nichts, aber auch gar nichts mit der Wetterau zu tun haben.

[nicht veröffentlich im Dezember 2024]

Die WZ setzt ihre Kuschel- und Wohlfühlinterviews mit Politikern der rechten Parteien fort. Nun war am 04.12. der CDU-Bundestagsgeschäftsführer Freis an der Reihe. Das Interview war sehr meinungsstark, aber faktenarm wie in letzter Zeit üblich bei der CDU/CSU.

Er behauptet “Unser eigenes Personal und unsere Programmatik überzeugen” und jede Woche blamiert sich z.B. Spahn erneut, wenn er Vorträge vor Wirtschaftsvertretern hält. Letzte Woche Gegenwind von der Wärmepumpenindustrie, diese Woche von Kraftwerksbetreibern und dem VDI. Und das war nur ein Beispiel von vielen!

Freis wiederholt, dass er das “Heizungsgesetz” rasieren will. Erneut zur Erinnerung: die massive Kampagne gegen das Gebäude-Energie-Gesetz hat die Krawallpresse aus dem Springerverlag in Gang gesetzt und vermeidet dabei auffällig den korrekten Namen, damit der Leser nicht merkt, dass das Gesetz in noch viel schärferer Form 2019 von der CDU-SPD-Koalition verfasst wurde. Das ursprüngliche Gesetz hätte noch viel stärker “in die Heizungskeller regiert”, denn die Fristen und Pflichten zum Abschaffen alter Öl- und Gasheizungen waren brutal. Habeck hat das GEG deutlich entschärft und die Reparaturoption zur Bestandserhaltung hinzugefügt.

Abgesehen davon muss das GEG bestehen bleiben, denn es ist im Wesentlichen nur eine Umsetzung von EU-Vorgaben.

Was Freis nicht ausspricht, aber meint: die uns drohende CDU-Regierung will die Fördermittel für die Umrüstung streichen. Den Rest des Gesetzes kann sie nicht streichen.

Freis behauptet erneut eine “schleichende Deindustrialisierung” und vergisst dabei, dass zweimal 16 Jahre CDU-Kanzlerschaft Deutschland gelähmt und geschadet haben und nicht die letzten drei Jahre SPD und Grüne. Die fehlenden Investitionen lassen sich bis ins Jahr 2018 zurück verfolgen. Scholz und Habeck haben in den letzten drei Jahren viel mehr bewegt als die letzten drei Merkel-Kabinette zusammen. Wenn die FDP sich nicht von Anfang an dermaßen destruktiv verhalten hätte, wäre Deutschland noch wesentlich weiter gekommen. Die Regierung Merkel II hat 2011 ca. 120.000 Arbeitsplätze in der Solarindustrie zerstört, Merkel IV hat uns ab 2016 weitere 70.000 Arbeitsplätze in der Windkraftindustrie gekostet, z.B. mit Abstandsregeln und viel Bürokratie.

Freis erwähnt die Autoindustrie (VW, Ford) und lässt dabei geflissentlich aus, dass gerade die von der CDU und FDP propagierte “Technologieoffenheit” dazu geführt hat, dass die deutschen Autobauer im E-Auto-Geschäft zehn Jahre lang geschlafen und alle Trends verpasst haben. Stattdessen gab es Klein-Klein bei der “Optimierung” von Verbrennermotoren und einen Abgasskandal, der VW 30 Milliarden Euro Strafzahlungen gekostet hat. Die CDU hat in der EU immer sehr intensiv die deutschen Autobauer vor schärferen Umweltauflagen geschützt und damit Innovationen verhindert. Warum konnte VW in den letzten beiden Jahre jeweils 4 Milliarden Euro Dividende ausschütten und will ein paar Monate später Tausende Arbeitsplätze streichen? Warum nicht bei den Bonuszahlungen der schlechten Manager anfangen?

Freis behauptet “hohe Energiepreise” und ignoriert, dass der durchschnittliche Strompreis von 36 auf 25 ct/kWh gefallen ist. Der Strompreis für die Industrie liegt im Schnitt bei 16 ct/kWh. Je mehr Erneuerbare Energien wir aufbauen, desto billiger wird es, denn dann müssen wir auch immer weniger Öl und Gas importieren. Deutschland hat jetzt schon im Schnitt 70 % nahezu kostenlosen Strom aus Windkraft und Sonne.

Freis behauptet “Das Bürgergeld muss weg” und ignoriert, dass diese Leistung das Existenzminimum darstellt, das vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde. Er könnte ja stattdessen auch vorschlagen, dass der Mindestlohn erhöht wird, so dass nicht 800.000 Arbeitnehmer aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt einen Mindestlohn von ca. 15 € pro Std. vor. Der Arbeitskräftemangel liegt auch an der schlechten Finanzierung von Familien und Bildung. Die meisten Bürgergeldempfänger sind alleinerziehend, krank, pflegen Angehörige oder sind schlicht Rentner und Kinder. Es ist ein Märchen, dass man eine Million Bürgergeldempfänger zu Arbeitnehmern machen könnte.

10.03.2025

CDU-Wahlwerbung als Interview getarnt (4) Spahn - Leserbrief

[nicht veröffentlicht im Januar 2025]

Die WZ setzt ihre Reihe von Kuschelinterviews fort: diesmal darf der Politikversager und Geldverbrenner Spahn sich zu Themen äußern, von denen er nichts versteht. Dennoch scheint uns dieser leistungslose Berufspolitiker als nächster Wirtschaftsminister bevorzustehen, falls tatsächlich die CDU an der nächsten Regierung beteiligt sein sollte.

Das Interview ist immerhin bemüht, ihn bei kontroversen Themen zu stellen: bei der behaupteten Kürzung des Bürgergelds wird immerhin darauf hingewiesen, dass es nur um geschätzte 15.000 Personen geht und er dennoch fünf Millionen Bezieher unter Generalverdacht stellt. Spahn geht (natürlich) nicht auf den Faktencheck ein und das Interview verschenkt die Chance, ihm weiter auf den Zahn zu fühlen. Spahn scheint entgangen zu sein, dass unter den Bürgergeldempfängern auch “Aufstocker” und Menschen sind, die nicht arbeiten können, z.B. weil sie krank sind oder Angehörige oder Kinder pflegen oder betreuen. Hier wäre z.B. auch eine Erhöhung des Mindestlohns einen Gedanken und eine Frage wert gewesen zu sein, um staatliche Subventionen bei Niedriglohnempfängern zu verringern. Nebenbei fehlt der Hinweis, dass das Bürgergeld das vom Bundesverfassungsgericht garantierte Existenzminimum darstellt.

Mit der Forderung, bei den ärmeren Bevölkerungsschichten zu sparen, reiht sich Spahn nahtlos in die unchristliche und menschenfeindliche Rhetorik der neoliberalen Sparbrötchen ein, die lobbygesteuert als Anti-Robin Hood von den Armen nehmen und den Reichen geben. Die Finanzpläne der CDU nach der Wahl kommen hauptsächlich den einkommensstärksten 10 % der Bevölkerung zugute.

Im Interview wäre die Chance gewesen, nachzufragen, von wem Spahn sich seine Anwesenheit bei einem Abendessen mit 9999 Euro pro Gast vergüten ließ. Bis heute weigert er sich, die Namen offen zu legen. Er kann sich eine Villa für mehrere Millionen Euro leisten und besitzt laut “Stern” weitere Immobilien in Berlin, von denen eine pikanterweise an den Ampelsaboteur Lindner vermietet ist.

Spahn ist ein noch schlimmerer Steuergeldvernichter als Scheuer: der Bund hat kürzlich ein weiteres Urteil um Schadenersatz für Maskenbestellungen verloren - damit erhöht sich die aktuelle Schadenssumme für den Bund auf knapp drei Milliarden Euro, für die Spahn als damaliger Gesundheitsminister verantwortlich ist. Dagegen ist Scheuer mit 243 Millionen Euro Schadenersatz für die fehlgeschlagene Pkw-Maut ja mittlerweile ein Schnäppchen gewesen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Verkehrsminister von 2009 bis 2021 sämtlich von der CSU gestellt wurden. Das merkt man z.B. am Zustand der Bahn und von Brücken und Straßen. Und ganz banal daran, dass Söder “seine” Minister dafür gelobt hat, wieviele Gelder nach Bayern geflossen sind.

Nicht zu vergessen hat Spahn eine Gesetzesänderung zu verantworten, nach der die gesetzlichen Krankenkassen ihre Rücklagen fast vollständig auflösen mussten. Spahn hat sich damit einen schlanken Fuß gemacht und in seiner Vita kann er stolz behaupten, dass in seiner Amtszeit die Krankenkassen ihre Beiträge nicht erhöhen mussten. Obwohl gelernter Bankkaufmann, hat er vollständig ignoriert, dass ein gesundes Mass an Rücklagen für unvorhergesehene Notfälle (wie z.B. Corona!) eine volkswirtschaftliche Selbstverständlichkeit sein sollte.

09.03.2025

Genörgel oder Demokratie? - Leserbrief

[veröffentlicht am 08.03.2025]

“Das nennt man Demokratie”, meint Hr. F. zu den (zugegeben zahlreichen) Anmerkungen, die ich über die Glossisten der WZ einreiche. Das ist ironisch: ich tue einfach genau das, wofür er den Erklärbär gibt. Nun gut, das müssen er und ich aushalten. Glossen sind subjektiv gefärbte Beiträge in einer Zeitung und dürfen somit auch politische Neigungen erkennen lassen. Für Hr. F. scheint aber das Recht auf Meinungsäußerung nur dann zu gelten, wenn es ihm genehm ist - alles andere ist “Genörgel”. Erneut Respekt für die WZ, das abzudrucken, auch wenn es gelegentlich heftig gekürzt wird.

Was ich aber regelmäßig an den Glossen kritisiere, ist nicht die politische Nähe (Anastasiadis z.B. ist hauptberuflich Chefredakteur des Münchner Merkur), sondern falsche Behauptungen und Tatsachenverdrehungen. Insbesondere Sattler hat seit Jahren ein nahezu tägliches Monopol darauf, etwas zu behaupten, was beim zweiten und dritten Lesen dann doch aufstößt. Er übernimmt Sprachkonstruktionen der AfD (z.B. die “irreguläre Migration”) und ignoriert dabei die Tatsache, dass die Flüchtlingszahlen seit Jahren stetig zurückgehen. Außerdem werden auf diese Weise Kriegsflüchtlinge, die vermutlich nach Ende des Kriegs zurückkehren wollen, mit Asylbewerbern in einen Topf geworfen. Auch Bürgergeldempfänger sind regelmäßig Opfer der WZ-Glossen: dabei wird gern unterschlagen, wieviele Empfänger Zuschüsse zum Lohn erhalten oder nicht arbeiten können aufgrund von Krankheiten, Angehörigen- oder Kinderpflege und ähnlichen Gründen.

Besonders auf die Grünen hat es Sattler immer wieder abgesehen: am Dienstag 25.02. und Mittwoch 26.02. erneut. Dabei unterschlägt er, dass die CDU und die CSU jeweils die zweitschlechtesten seit 1949 und die Grünen das zweitbeste Ergebnis seit Gründung eingefahren haben. Es ist also nicht die Ampel “krachend” gescheitert, sondern die Ampel ist am Saboteur Lindner gescheitert.

Auch Hr. F. ist Opfer dieser Tatsachenverdrehungen geworden: die wirtschaftliche Schieflage, die er der Ampel anlastet, lässt sich mindestens bis ins Jahr 2018 zurückverfolgen. Die marode Infrastruktur mit Brücken, Bahnen und Straßen “verdanken” wir mehreren Verkehrsministern von CDU und CSU, die Gelder gern hauptsächlich nach Bayern geschickt haben. Die Merkelkabinette haben zwar die Atomkraft abgeschaltet (14 von 17 KKW), haben es aber versäumt, Alternativen aufzubauen. Stattdessen wurden Solar- und Windindustrie mit maximaler Bürokratie behindert und zerstört (120.000 bzw. 70.000 Arbeitsplätze). Immerhin hat Habeck vorgesorgt und die Genehmigungen für die Energiewende reichen bis ins Jahr 2030. Natürlich wird sich Merz diese Erfolge gern für seine kommende Regierungszeit anrechnen lassen.

Ja, wir haben wirtschaftliche Probleme. Statt diese Probleme anzugehen, haben CDU, CSU und FDP die letzten drei Jahre destruktivste Oppositionspolitik betrieben und die Ampel schlecht geredet. Das hat zum massiven Erstarken der AfD geführt. Die Gründe sind aber global: Corona und Ukraine. Daran ist nicht die Ampel schuld. 2020 gab es erstmals seit 10 Jahren einen Einbruch beim BIP von über - 4 %, 2021 eine Steigerung um über + 3 %, dann + 1 %, und mit Kriegsbeginn - 0,3 % und letztes Jahr - 0,2 %. Für nächstes Jahr werden + 0,8 % prognostiziert (Quelle: Statista). Sooo schlimm klingt das eigentlich gar nicht. Der DAX steht über 20.000, es sind nach wie vor mehr als 46 Mio. Arbeitnehmer in Lohn und Brot, die Reallöhne steigen mit 3 % so stark wie seit 16 Jahren nicht mehr, und die Telekom schüttet eine Rekorddividende aus (leider: statt Infrastruktur zu bauen).

Schaut man sich die Wahlprogramme der CDU und der AfD an: Entlastung der Reichen, Streichung von Subventionen (auch Agrardiesel und Wärmepumpen), Mehrwertsteuererhöhung, Steuersenkungen am oberen Ende der Skala, Streichung des Soli II (der sowieso nur noch die höchsten 5 % der Einkommen betrifft). Gehören Sie zu den Millionären, die von diesem Programm profitieren werden? Haben Sie nebenbei bemerkt, dass die Wahlprogramme von CDU und AfD sich (laut Wahl-O-Mat) zu über 70 % überschneiden?

12.02.2025

Was rauchen die so? - Leserbrief

[veröffentlicht am 12.02.2025, Änderungen der Red. in rot]

Langsam frage ich mich, was die Glossisten der WZ rauchen, wenn sie tagtäglich schreiben, wie schlecht die Regierungspolitik der letzten drei Jahre war. Anastasiadis schreibt von “eklatanten” Fehlern, Deutschländer steigert sich in noch stärkere Adjektive hinein und schreibt am 03.02. von “skurril”, um zu verschleiern, dass die Ampel trotz der FDP als Maulwurf und mehr oder minder offener Oppositionspartei halbwegs funktioniert hat, wenn man die abgeschlossenen und in Arbeit befindlichen Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag als Maßstab nimmt (und die Ampel nicht auf das Kriterium “Wirtschaftswachstum” reduziert). Sattler hat am 04.02. erneut eine Meinung ohne Fakten: es ist eben keine “klare Mehrheit”, wenn nur knapp 20 % die (in seinen Augen) “irreguläre” Migration als wichtig für die künftige Politik bewerten (im Osten 16 %, im Westen 21 %). Saugt sich Sattler die Zahlen aus den Fingern der linken oder doch eher der rechten Hand?

Habeck hat in seinem Bereich massiv die Merkel-Bürokratie abgebaut und das Ausland schaut ernsthaft erstaunt auf die Geschwindigkeit, in der die Energiewende in den letzten drei Jahren Fahrt aufgenommen hat. Im vergangenen Jahr haben die Erneuerbaren Energien fast 65 % des deutschen Stroms erzeugt. Habeck und Scholz haben einen geplanten russischen Erpressungsversuch in letzter Minute verhindert. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie eine CDU-Regierung zu Beginn des Ukrainekriegs mit den leeren Gasspeichern umgegangen wäre (die sie vorher sogar selbst an Gazprom verkauft hat!).

Offensichtlich ist nicht nur bei den Propagandaprodukten aus dem Springerverlag, sondern auch bei Ippen eine Kampagne unterwegs, um SPD/Grüne schlecht- und die CDU/FDP schön zu schreiben. Anders kann ich mir das tägliche Trommelfeuer der Glossisten nicht erklären. Wird es denn nicht langweilig, jeden Tag zu einem aktuellen Thema zu schreiben und dabei geistige Verrenkungen zu veranstalten, nur um die Politik der letzten drei Jahre negativ verdrehen zu können?

Warum wird denn z.B. nicht kritisiert, wie erfolglos die FDP-Minister auftragsgemäß in ihren Ressorts waren? Mittlerweile klärt sich ja, dass ein entfesselter Wissing ohne Parteizwänge tatsächlich sinnvolle Arbeit leisten kann. Daran zeigt sich, wie sehr die FDP die Ampel im Würgegriff hatte. Buschmann und Stark-Watzinger waren die wahren Enttäuschungen im Kabinett, Lindner ein aktiver Saboteur.

Nach der demokratischen Katastrophe, die Merz letzte Woche im Bundestag ausgelöst hat und die zu Protestveranstaltungen mit Millionen von Menschen geführt hat (zu denen die Glossisten überraschend keine Meinung haben), ist die CDU auf Bundesebene unwählbar geworden. Wer will denn einen erpresserischen Kanzler ohne Regierungserfahrung, der realitätsverweigernd die Schuld für die Stimmen von AfD und BSW der SPD und den Grünen in die Schuhe schieben will? Der an Trump handschriftlich einen Brief verfasst und ihm schleimend zur Wahl gratuliert? Der Antrag vom Mittwoch war in allen Punkten, wie viele Experten bestätigt hatten, rechtswidrig und verstößt gegen nahezu alles, was deutsches und EU-Recht und vor allem den europäischen Gedanken vom Humanismus ausmacht. Nichts in diesem Antrag wäre geeignet gewesen, die Terroranschläge in Aschaffenburg oder Magdeburg zu verhindern. Das war Schmierentheater vom Feinsten. Der Gesetzesvorschlag vom Freitag ist wegen Abwesenheit diverser Abgeordneter gescheitert, darunter z.B. auch Braun aus Gießen. Kleines Lob hierfür aus der Wetterau.

Wo war denn die Berichterstattung über die regionalen Proteste in der WZ? Die Schwesterblätter aus Gießen hatten große Artikel mit Bild über die Veranstaltung auf dem Gießener Kirchenplatz mit 4.000 Teilnehmern. Auch die zahlreichen Proteste, Mahnwachen und Demonstrationen in vielen anderen Städten wie Hamburg, Berlin, Ulm, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Dachau hätten eine größere Berichterstattung verdient.