27.08.2022

Ethanol und andere E-Fuels - Leserbrief

Die Rentner aus der Autozulieferindustrie verlangen "mathematische" Beweise für den Klimawandel. Schlimmer wird's heute nicht mehr.

Hoffe ich.

Hier meine Antwort auf den Leserbrief von Hr. F.

[veröffentlicht am 27.08.2022]

Der Leserbrief von Hr. F. ist ein trauriges Beispiel für selektive Wahrnehmung, verbunden mit aktiver Wissenschaftsleugnung, und von persönlichen Unterstellungen.

Hr. F. ist, soweit ich weiß, im Ruhestand und war lange Vorstand eines Autozulieferers. Ich unterstelle deshalb einen gewissen Unwillen, sich mit gegensätzlichen Positionen ergebnisoffen zu beschäftigen.

Ich weiß entgegen seiner Unterstellung, dass in Südamerika PKW mit Ethanol fahren, da diese ab Werk entsprechend gebaut werden (z.B. von Ford und VW). Der Großteil der PKW-Flotte in Deutschland, knapp 48 Mio. Fahrzeuge, ist technisch nicht für höhere Ethanolbeimischungen als E10 geeignet, und deswegen sind teure E-Fuels nicht für den Individualverkehr geeignet. Genau das war die Erkenntnis des Opel-Versuchs - es ist technisch möglich, wenn man massive Änderungen am Motor vornimmt. Welche Veränderungen das sein müssen, ist unerheblich: es geht um die schiere Anzahl der vorhandenen PKW. Und: E-Fuels werden in der Herstellung um die 5 € pro Liter kosten, Verkaufspreis dann 8-10 €?

Der Alkohol für den südamerikanischen Markt wird durch Biovergärung aus Mais und Zuckerrohr gewonnen. Für deren Anbau werden gigantische Flächen Regenwald gerodet. Auch diesen gleich zweifach ethisch relevanten Nebeneffekt erwähnt Hr. F. nicht in seiner Betrachtung - Rodung und Fehlnutzung von Lebensmitteln.

Die Klimaschädlichkeit von CO2 ist seit 1824 empirisch bekannt (Fourier), und wurde 1850 (Foote), 1862 (Tyndall) und 1896 (Arrhenius) weiter wissenschaftlich untermauert, wie man hier z.B. bei ARD alpha detailliert nachlesen kann, oder auch bei Hoimar von Ditfurth schon 1978 hören kann.

Im Übrigen muss die Klimakatastrophe nicht von Mathematikern “bewiesen” werden, sondern wurde oft genug von Klimawissenschaftlern erforscht und bestätigt. Es ist erschreckend, heutzutage noch solches Leugnen von Tatsachen zu lesen. Meinungsfreiheit ja, aber kein Recht auf Faktenfreiheit!

China baut (leider) neue Kohlekraftwerke, allerdings unterschlägt Hr. F., dass infolge der Neubauten mehrere Hundert alte, dreckigere Kraftwerke abgeschaltet werden. Das ist netto immer noch nicht gut, aber es ist eine deutliche Verbesserung zum vorherigen Ausstoß.

Hr. F., bitte unterlassen Sie rhetorische Tricks, dass die Grünen ein “psychologisches Problem” “brutal” ausnutzen. Angst ist ein wesentlicher Antrieb der Evolution, aber es ist ein Unterschied, ob Angst auf Fakten oder Gefühlen basiert. Der Atomausstieg wurde von der CDU/FDP beschlossen, nicht von den Grünen. Wenn Sie die Existenz der Klimakatastrophe ablehnen, ignorieren Sie wissenschaftliche Fakten. Wer in der Diskussion das Wort “ideologisch” verwendet, hat keine Fakten auf seiner Seite und spricht umgekehrt dem Diskussionsgegner die Kompetenz ab.

Es ist erschütternd, dass sich mittlerweile alle relevanten Wissenschaftler einig sind, dass wir wegen CO2 auf eine weltweite Erwärmung hinsteuern, die die Erde unbewohnbar machen könnte, und die Leugner dieser Tatsachen sind hauptsächlich Laien. Warum sollten wir im Angesicht von Fluten, Dürren, Hitzewellen, Stürmen und anderen Wetterereignissen auf Menschen hören, die in der Diskussion die harten Fakten nicht akzeptieren wollen und stattdessen lieber Personen angreifen?

Wen wollen Sie mit dem leeren Wort “händelbar” beeindrucken? Es gibt weltweit noch kein Endlager für radioaktiven Müll, obwohl wir schon Hunderte von Milliarden Euro in die Kernkraft gesteckt habe. Kernkraft ist mit Folgekosten die teuerste Art, Strom zu erzeugen.

Natürlich ist die Radioaktivität des Restmülls über Millionen von Jahre hinweg ein Problem und kein “Totschlag-Argument”. Wenn es so toll “händelbar” ist, dann lagern Sie bitte den Restmüll in Ihrem Vorgarten. Tote aus Verkehrsunfällen gegen Kernkraftunfälle aufzurechnen ist höchst unredlich. Ein Tschernobyl-ähnlicher Unfall im dicht besiedelten Deutschland macht Landstriche von Hunderten Kilometern Umkreis unbewohnbar. Lesen Sie doch mal in Ihrer Hausratversicherung, ob Schäden oder Umzug durch Kernkraftunfälle abgedeckt sind.

Jeder Euro, den wir jetzt noch in fossile Brennstoffe und Kernkraft investieren, ist verschwendet, weil das Ende dieser Technologien absehbar ist.

26.08.2022

Vortrag: Förderverein der Wölfersheimer Schulen "Schüler und neue Medien"

Die letzten Jahre habe ich die Vorträge im Rahmen von elan angeboten, dieses Jahr im Namen des Fördervereins der Wölfersheimer Schulen, in dem ich Schriftführer bin. Zu den Themen "Datenschutz", "Privatsphäre" und "Digitale Selbstverteidigung" schreibe ich seit langem und halte Vorträge bzw. Videokonferenzen, z.B. hier und hier zum Nachlesen.
 
Zum Schuljahresbeginn ein wichtiger Informationsvortrag zum Thema „Umgang mit neuen Medien“ für alle Eltern an, deren Kinder ein Smartphone bekommen sollen. Der Vortrag kann bequem als Videokonferenz verfolgt werden. Er enthält einen Überblick über die Risiken und die Möglichkeiten, denen die Kinder und Jugendlichen mit dem „Internet in der Hosentasche“ begegnen. Begriffe wie TikTok, WhatsApp, In-App-Käufe, Soziale Netzwerke, Mobbing, Sexting, Grooming werden ebenfalls besprochen.
 
Nach dem Vortrag können gern Fragen gestellt werden.
 
Dieser kostenlose Vortrag ist eine Informationsangebot des Fördervereins der Wölfersheimer Schulen. 
 
Der Termin: 30.08.2022 19.30 Uhr-21.30 Uhr
Einloggen über: senfcall.de

Wir freuen uns über Ihre Teilnahme!
Thomas Seeling
Förderverein der Wölfersheimer Schulen

12.07.2022

Das Märchen von den e-Fuels - Leserbrief

[veröffentlicht am 12.07.2022]

Diverse fachfremde und offensichtlich wissenschaftsferne Politiker wie z.B. der Finanzminister werfen immer gern das Wort "Technologieoffenheit" in den Raum, wenn ihnen oder einer interessierten Lobby die bereits vorhandenen, einsetzbaren Lösungen nicht gefallen.

Besonders massiv fällt dies im Moment auf, wenn Lindner und der VDA davon träumen, dass Neuwagen mit Verbrennermotor länger eine Neuzulassung erhalten sollen als die EU und selbst die Autohersteller planen.

Generell ein paar Anmerkungen hierzu: nahezu alle großen und kleinen Autohersteller haben sich mit dem Umstieg auf E-Autos abgefunden, der Zeitrahmen geht von 2024 (DS) über 2025 (Jaguar), 2026 (Audi), 2028 (Opel), 2030 (Fiat, Bentley, Volvo, Cadillac, Ford), 2031 (Mini), 2033 (VW) bis 2035 (Hyundai), dem Ende der Neuzulassungen nach den aktuellen EU-Plänen. Deshalb ist es so überraschend, dass sich der VDA mit dem Cheflobbyisten Wissmann (früherer Verkehrsminister) so massiv für e-Fuels einsetzt. Auch der Spiegel findet diesen Lobbyismus nicht gut. Vermutlich breitet sich eher bei den Zulieferbetrieben Panik aus.

Der Otto- bzw. Dieselmotor als Antriebsquelle für den Individualverkehr ist "ausentwickelt", es gibt keine wesentlichen Verbesserungen mehr zu erfinden, die rechtzeitig auf den Markt kommen könnten. Die Hersteller versuchen jetzt noch, mit kleinen Tricks die Emissionen zu verringern, aber niemand kann an den physikalischen Grundlagen rütteln. Ein Ottomotor hat einen Wirkungsgrad von ca. 30 %. Mehr als Zweidrittel der Energie, die man aus fossilem Sprit gewinnen könnte, verpuffen als Wärme und müssen aufwändig abgeleitet und entsorgt werden. Es gibt zwar Wärmekraftmaschinen wie den Stirling-Motor mit einem Wirkungsgrad von 80 %, aber nicht als Antrieb für Autos. Ein E-Auto erreicht diesen Wirkungsgrad!

Gasthermen als Heizung erreichen rechnerisch einen hohen Wirkungsgrad, weil sie die Abwärme aus dem "Auspuff" ebenfalls verwerten können. Die Abwärme bei Automotoren verpufft buchstäblich.

Wir müssen uns davon trennen, flüssige Brennstoffe zu verwenden, die nicht vollständig klimaneutral hergestellt wurden. Die grundlegende chemische Tatsache ist: ein Liter Diesel verbrennt zu 2,6 kg klimaschädlichem CO2.

Das umfasst auch die eingangs erwähnten e-Fuels, also Brennstoffe, die mit elektrischer Energie hergestellt wurden. Die Fabrik, die z.B. Porsche mit Exxon in Chile für 500 Mio. Liter e-Methanol pro Jahr plant, stellt eine Form von Alkohol her, der nur als Beimischung zu maximal 40 % verwendet werden kann ("blending").

Durch die aufwändige Herstellung aus Wasserstoff und CO2 und den Strombedarf ergibt sich insgesamt bei der Verwendung in Autos ein Wirkungsgrad von ca. 10 % (Quelle: ADAC), also nochmals einen gigantischen Faktor schlechter als bei der Verwendung von raffiniertem Erdöl. Auch der Wasserstoff als Zwischenprodukt muss zunächst unter Einsatz von immensen Strommengen durch die Aufspaltung von Wasser hergestellt werden. Um die linksgrüne Kampfzeitschrift "Auto Motor Sport" zu zitieren: "e-Fuels verursachen 4-fache CO2-Emissionen" und "e-Fuels sind zu ineffizient und zu teuer".

e-Fuels und Wasserstoff sind in gewissem Umfang sinnvoll in Situationen, in denen man Treibstoff braucht, aber nicht im Individualverkehr. Durch die Herstellung sind e-Fuels viel zu teuer für die Verwendung in Autos, gerade, wenn man nicht genügend umweltfreundlichen Strom hat, weil z.B. die Atomkraftwerke wegen Wassermangel abgeschaltet werden müssen

Opel hat einen Prototypen auf e-Fuel umgerüstet, laut Pressemitteilung mit "massiven Veränderungen" am Motor. Technisch ist es möglich, aber industriell und in großem Maßstab sinnlos und zu teuer. Zudem sind wasserlösliche e-Fuels (Alkohole wie 2-Butanol) bei Unfällen eine große Umweltkatastrophe.

Wenn man bedenkt, wie groß der öffentliche Aufschrei war, als das E10-Benzin mit einer Beimischung von Ethanol eingeführt wurde, bin ich gespannt darauf, wie man den Autobesitzern nun die Verwendung von e-Fuels verkaufen will, wenn das nur mit starken Veränderungen am Motor möglich sein wird.

Fracking ist keine gute Idee - Leserbrief

[gekürzt veröffentlicht am 08.07.2022]

Hr. F. gibt sich nun genau wie Jens Spahn als Experte für Energiewirtschaft aus, und die Glosse vom Dienstag von Hr. Astanasiadis schlägt in dieselbe Kerbe. Voller Selbstvertrauen schreibt Hr. F. in seinem Leserbrief, dass “sämtliche Gutachten” dem Fracking (kurz für “Hydraulic Fracturing”) die Harmlosigkeit bescheinigen und schwärmt von der riesigen Menge an Gas im deutschen Schiefergestein. Die Glosse fordert, es dürfe keine “ideologischen Denkverbote” für Fracking und Atomkraft geben.

Das sind ganz schön mutige Aussagen, wenn ich auf der Seite des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz finde: “Am 11. Februar 2017 ist ein Gesetzes- und Verordnungspaket in Kraft getreten, durch das die Erdgasgewinnung in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein (sogenannte unkonventionelle Fracking-Vorhaben) aufgrund der fehlenden Erfahrungen und Kenntnisse in Deutschland grundsätzlich verboten ist. Lediglich zu wissenschaftlichen Zwecken können die Bundesländer bundesweit maximal vier Erprobungsmaßnahmen im Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgestein zulassen. Dafür sind strenge Bedingungen vorgesehen. Ebenso werden an das sogenannte konventionelle Fracking in anderen Gesteinen strenge Anforderungen gestellt.”

Bislang war keine wissenschaftliche Auswertung dieser Probebohrungen möglich, weil “die für entsprechende Forschungsbohrungen in Frage kommenden Bundesländer, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, das Fracking im Schiefergestein ablehnen.” - Tja, warum nur?

Entgegen seiner Behauptung über “sämtliche Gutachten sind positiv” finde ich nach kurzer Recherche genau gegensätzliche Untersuchungen:

“Eine Auswertung der im Zeitraum 2009 bis 2015 veröffentlichten rund 685 Studien und Berichte zum Thema Fracking, ergab folgendes Bild:

  • 84 Prozent der Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen wiesen auf potenzielle Risiken für die öffentliche Gesundheit oder tatsächlich beobachtete negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hin;
  • 69 Prozent der Studien zur Wasserqualität zeigten potenzielle oder ein tatsächliches Auftreten von Wasserkontaminationen
  • 87 Prozent der Studien zur Luftqualität wiesen auf erhöhte Luftschadstoffemissionen und/oder eine erhöhte Konzentration in der Atmosphäre hin.”

Wenn neben den beim Verbrennen entstehenden CO2-Emissionen auch die bei Förderung, Transport und Lagerung anfallenden Methanleckagen berücksichtigt werden, fällt die Klimabilanz von Erdgas – insbesondere von gefracktem Erdgas – so schlecht wie die von Kohle aus.

Berechnungen zufolge ist gefracktes Gas für mehr als die Hälfte des globalen Anstiegs der Emissionen aus fossilen Brennstoffen sowie für etwa ein Drittel des Anstiegs aus allen Quellen in den letzten zehn Jahren verantwortlich.

Nebenbei benötigt das Fracking unglaubliche Mengen an Wasser, um unter hohem Druck und Zusetzung von teilweise höchst gefährlichen Chemikalien Gesteine aufzubrechen, um das darin enthaltene Gas zu extrahieren. Für jede Bohrstelle ist soviel Wasser nötig, wie eine mittlere Großstadt pro Tag verbraucht (ca. 175.000 m3).

Offensichtlich greift Hr. F. verzweifelt nach jedem Strohhalm, damit sein Leben so weitergehen kann wie bisher. Genau wie in seinem letzten Leserbrief zur Atomkraft sind ihm die Auswirkungen auf die Umwelt und die Gefahren vollkommen gleichgültig.

Wir müssen endlich aufhören, fossile Brennstoffe aus dem Boden zu holen, die dem atmosphärischen Kreislauf Millionen von Jahren entzogen waren. Wir sehen heute die Erwärmung der Atmosphäre durch die CO2-Emissionen von vor ca. zehn Jahren (390 ppm). Die Auswirkungen von 420 ppm CO2 (heutiger Stand) werden wir erst in zehn Jahren erleben, und sie werden nicht schön sein.

Zum Abschluss nochmals zur Atomkraft: die Betreiber haben schon mit dem Abbau der Bauwerke begonnen, z.B. werden keine Sicherheitsüberprüfungen mehr durchgeführt. Auch werden schon mit aggressiven Reinigungsmitteln Dekontaminationsmaßnahmen durchgeführt, die das Material angreifen. All das müsste rückgängig gemacht bzw. repariert werden, bevor nur an einen Weiterbetrieb zu denken ist. Die jetzigen Brennstäbe haben eine kalkulierte Lebenszeit und Kapazität bis Ende 2022 und werden für jedes Kraftwerk speziell hergestellt. Die Lieferzeit für eine Neubestellung betrüge dadurch 18 bis 24 Monate.

Abgesehen davon haben wir kein Energieproblem, sondern ein Wärmeproblem: Strom ist genug da, aber mit Atomkraftwerken können wir nicht heizen.

09.06.2022

Selbsttäuschung als Ausweg aus der Klimakatastrophe

Ein weiterer Leserbrief behauptet, dass Deutschland nicht aus der Kernkraft aussteigen soll. Herr F. findet, dass wir mehr kaputte Atome brauchen. Auf Bagatellen wie Versicherung, Gefahren oder Atommüll geht er nicht weiter ein - das sind vermutlich alles Probleme für nachfolgende Generationen?

All diese hilflosen Versuche sind Symptome einer Flucht vor der Wirklichkeit und ignorieren, wie aufwändig es wäre, bestehende Kernkraftwerke weiter zu betreiben oder neue zu bauen. Atomstrom ist, wenn man alle Folgekosten betrachtet, die teuerste Option. Statista hat eine Aufstellung über die Kosten der verschiedenen Arten der Stromerzeugung:

Atomkraft

37,8 ct/kWh

Braunkohle

25,5 ct/kWh

Steinkohle

23,3 ct/kWh

Solar

22,8 ct/kWh

Wind Offshore

18,5 ct/kWh

Wind Onshore

8,8 ct/kWh

Selbst wenn man annimmt, dass das Ausmaß der Klimakatastrophe verstanden wurde - was ich bezweifle - ist die Forderung nach mehr Kernkraft ein Zeichen für ein "weiter so". Man verschiebt die vermeintliche Lösung des Problems immer weiter in die Zukunft, damit jetzt in der Gegenwart keine Einschnitte nötig sind. Das ist Raubbau auf Kosten unserer Kinder. Ein Großteil der Brennstäbe kommt aus Russland. Wollen wir Putin noch mehr Geld für Kriege geben?

Die Befürworter von Kernkraft wollen nicht akzeptieren, dass der Zeitrahmen für wirksame Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe zu kurz ist, um neue Kernkraftwerke zu bauen und damit fossile Brennstoffe stark genug zu reduzieren. Wir sollten kein Geld in die Zukunft verschieben, das wir jetzt brauchen, um erneuerbare Energien auszubauen.

Ein neues Kernkraftwerk hat eine Bauzeit von zehn bis fünfzehn Jahren, und wenn ein Feldhamster gesichtet wird, dauert es nochmals fünf Jahre länger.

Wir haben aber insgesamt nur noch 5 Jahre Zeit, und selbst diese Zeitspanne garantiert uns nur ungefähr eine Zweidrittel-Chance, unter dem Ziel von 1,5 ° C zu bleiben, das im Pariser Abkommen 2015 festgelegt wurde. Zur Erinnerung: Deutschland hat dieses Ziel ratifiziert, es hat also Gesetzeskraft. Nur leider handelt man nicht danach.

In Frankreich sind mittlerweile die Hälfte aller Atomkraftwerke abgeschaltet, größtenteils langfristig wegen schwerer Baumängel, teilweise wegen Wassermangel für die Kühlung - auch diese Trockenheit ist eine Folge der Klimakatastrophe.

Über Pfingsten lag der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung in Deutschland bei über 70 %, Deutschland konnte zu einem guten Preis von über 10 ct/kWh Strom ins Ausland verkaufen. So schwer kann es also nicht mehr werden, den Anteil noch weiter zu steigern. Der Schritt der Ampel, länderspezifische Abstandsregeln zu verbieten, ist ein richtiger und überfälliger Schritt, um die Fortschrittsverhinderer Söder in Bayern und die AfD in Thüringen einzubremsen.

Selbst eine globale Erwärmung um "nur" 1,5 ° C hat schon gravierende Auswirkungen, die uns teuer zu stehen kommen werden. Die letzten Jahre waren in Deutschland ungewöhnlich heiß und trocken. In Indien, Pakistan, Afrika und Südamerika gibt es Hitzewellen mit über 50 ° C. Die Schwankungen des Wetters, d.h. die extremen "Ausreißer" zu beiden Seiten, werden immer stärker.

Die "National Oceanic and Atmospheric Administration" NOAA, die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA, hat einen erschreckenden Vergleich der auf uns zukommenden Probleme erstellt:

5 ° C

Ein Großteil der Erde wird unbewohnbar

4 ° C

Hunderte überschwemmte Städte

3 ° C

Dürren und Hungersnöte für Milliarden Menschen

2 ° C

Tödliche Hitzewellen und Essensknappheit

1,5 ° C

Hitzewellen, Fluten, Dürren

1 ° C

Instabile Lebensmittelversorgung

0,5 ° C

Mehr extreme Wetterereignisse

Was wir anstatt von Kernkraftwerken brauchen, sind kurzfristige Maßnahmen, um fossile Verbrennung zu reduzieren:

  • Photovoltaik auf alle öffentlichen Gebäude
  • Mehr Windkraftanlagen statt Verhinderung wie in Thüringen oder Bayern
  • Luftfiltergeräte mit Wärmetauschern in Schulen statt Lüften
  • Billiger, gut getakteter ÖPNV
  • Weniger Individualverkehr
  • Mehr Homeoffice, wo immer möglich
  • Weniger LKW
  • Güter auf die Schiene

02.05.2022

Zurück zur Kernenergie? - Leserbrief

Die Diskussion um die Energieversorgung in Deutschland hat durch den Ukraine-Konflikt einen neuen Impuls bekommen. Immer mehr Stimmen fordern, Atomkraftwerke nicht abzuschalten, oder wieder in Betrieb zu nehmen oder sogar neu zu bauen. Einer der energischsten Verfechter schreibt dazu Leserbriefe. Auf den ersten davon antwortete ich. Nach einem ersten Widerspruch eines anderen Leserbriefschreibers kam dann als Antwort auf den Einwand "Atommüll" die lapidare Erwiderung "Atommüll haben wir doch schon, da macht ein bisschen mehr auch nichts mehr aus".

[veröffentlicht am 30.04.2022]

In letzter Zeit mehren sich die Rufe, den Atomausstieg rückgängig zu machen oder wenigstens die derzeit noch funktionsfähigen Atomkraftwerke länger als geplant zu betreiben, wie z.B. kürzlich in einem Leserbrief von Hr. F.

Diese Idee hat mehrere gravierende Nachteile:

  1. Kraftwerksbesitzer haben in Hinblick auf den Atomausstieg die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfungen verringert oder ganz ausgesetzt. Für eine längere Laufzeit müssen diese Überprüfungen nun nachgeholt werden. Falls dabei Mängel erkannt werden, müssen diese mit hohem finanziellen Aufwand behoben werden.
  2. Kernkraftwerke sind real nicht versicherbar, weil die Schäden unabsehbar sind. Keine Versicherungsgesellschaft schließt mehr neue Haftpflichtversicherungen ab. Es gibt zwar formal den “Atompool”, einen Verbund von Versicherern, aber die Versicherungssumme für einen Schaden beträgt nur 255 Mio €. Höhere Schäden werden bis 2,5 Mrd. € vom Gesamtkonsortium der Mitglieder getragen. Das bedeutet, dass der Staat für alle weiteren Schäden aus Atomunfällen haftet. Dieser “Atompool” bestand vor 10 Jahren noch aus mehr als 30 Mitgliedern, von denen bis jetzt über 20 wieder ausgeschieden sind, weil die Risiken zu groß sind.
  3. Die Besitzer haben Entschädigungszahlungen erhalten, die der Staat zurückfordern müsste.
  4. Europaweit gibt es Vereinbarungen über Einspeisemengen. Falls "zuviel" produziert wird, müssen Anlagen abgeregelt werden, um weniger Strom zu erzeugen. Ältere Kernkraftwerke sind nicht sehr flexibel im "Abregeln" - dies hat hauptsächlich Kostengründe. Deswegen trifft es in der Regel die flexibleren Wind- oder Solarkraftwerke, die ihren Strom dann nicht mehr einspeisen können.
  5. Einer der Hauptlieferanten von Kernbrennstäben ist Russland. Wollen wir uns darauf verlassen?
  6. Die Entsorgung ist nach wie vor nicht geklärt. Es gibt kein Endlager.
Zumindest für den letzten Punkt scheint es aber eine Lösung zu geben: einer der lautesten Schreier nach einer Verlängerung der Laufzeiten ist Markus Söder. Dann wird es sicherlich auch bald einen Standort in Bayern für ein Endlager geben (das wäre natürlich blöd für uns Hessen als unmittelbare Nachbarn). Herr Söder würde sich doch nie die Blöße geben, Kernkraft zu fordern und dennoch ein Endlager in Bayern wegen der Gefahren abzulehnen.

Ein Blick ins Nachbarland Frankreich zeigt, dass die Atomkraft nicht dauerhaft handhabbar ist. Von den 56 Kraftwerken dort sind 26 langfristig (!) außer Betrieb, weil aus Sicherheitsgründen größere Instandsetzungen nötig sind. Netto ist Frankreich ein Stromimporteur, und Deutschland ist im Jahresmittel ein Stromexporteur.

Letztes Wochenende Am letzten April-Wochenende z.B. hat Deutschland nur mit erneuerbaren Energien (!) netto mehr Strom erzeugt als verbraucht (also mehr als 100 %) und konnte den Überschuss gut ins Ausland verkaufen. Eine Kombination von Photovoltaik und Windkraft kann uns langfristig von Öl, Gas und Kernkraft unabhängig machen.

Es ist also sinnvoll, in die sterbende Kernkraft kein gutes Geld mehr zu investieren, sondern dieses Geld in Technologien für erneuerbare Energien zu stecken. Dazu können Subventionen für private Photovoltaik zählen, aber auch Infrastruktur für ein “Smart Grid”, also ein leistungsfähiges Stromnetz, in das man z.B. die Akkus von E-Autos integrieren kann, während sie an einer Ladestation angeschlossen sind. Auch ein Recycling von alten E-Auto-Akkus als Puffer wird schon erforscht.

27.04.2022

"Endemisch" heißt nicht "harmlos" - Leserbrief

Heute war wieder der Tag der grausamen Leserbriefe in unserer regionalen Tageszeitung, der WZ.

Einer stach besonders hervor: eine Mathematikerin (nach eigenen Angaben) schrieb, dass das Virus endemisch werde, dass die beste Vorgehensweise eine durchstandene Infektion sei und dass man nach einer Infektion immun sei. Das ist sehr traurig, weil nichts davon stimmt und damit nur die Argumentationslinie von Streeck und Konsorten aufgegriffen wird, alles laufen zu lassen ("wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben" ...).

[veröffentlicht am 22.04.22]

Frau B. schreibt, dass wir in einem Stadium der Pandemie angelangt seien, in dem wir das Virus als normalen Bestandteil unseres Lebens akzeptieren sollen. Sie argumentiert damit, dass das Virus mittlerweile endemisch sei und die beste Vorgehensweise eine durchstandene Infektion sei, und dass man nach einer Infektion immun sei.

Leider stimmt nichts davon: "endemisch" ist nur der Fachbegriff für eine weite Verbreitung einer Krankheit. Das heißt nicht automatisch, dass die Krankheit deswegen harmlos geworden ist. Tuberkulose und Malaria sind auch endemisch und gute Gegenbeispiele dafür, dass das Wort "endemisch" allein keine Begründung sein kann.

Dinge einfach laufen zu lassen, führt zu den katastrophalen Ergebnissen wie in Dänemark und Schweden. Diese Länder haben absichtlich auf das Prinzip "Durchseuchung" gesetzt, wie eine Untersuchung letzte Woche aufgedeckt hat.

Wir wissen inzwischen genau, dass weder eine durchstandene Infektion noch eine Impfung eine Immunität hervorruft. Das Risiko, bei einer Infektion schwer zu erkranken, ist nicht zu vernachlässigen, deswegen ist eine Impfung die einzige sinnvolle Möglichkeit, das Risiko bei erfolgter Infektion so weit wie möglich zu reduzieren. Alles andere (AHA+L+A usw.) sind Hilfsmaßnahmen, die zusätzlich erforderlich sind oder waren.

Der Verlauf einer durchstandenen Infektion gibt außerdem keinerlei Hinweises darauf, dass die nächste Infektion denselben Verlauf haben wird. Jede Infektion kann harmloser oder schlimmer aufallen.

Es gibt zwar Forschungsansätze, dass manche Menschen immun zu sein scheinen, weil ihr Immunsystem andere Marker des Virus erkennt, so dass sie nicht auf das Spike-Protein reagieren, sondern auf Teile des Virus, die für dessen Reproduktion nötig sind und kaum mutieren. Diese Forschung könnte irgendwann zu besseren Impfstoffen führen, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Wenn wir nicht alles daran setzen, die Infektionen zu reduzieren, bieten wir mit jeder Infektion dem Virus die Chance zu mutieren, und niemand kann vorhersagen, ob die neuen Mutationen harmloser oder gefährlicher sein werden.

Abgesehen davon gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass viele Infizierte (je nach Studie um die 10%) ein oder mehrere Post- oder LongCovid-Symptome entwickeln. Diese Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und den Arbeitsmarkt sind langfristig überhaupt noch nicht absehbar.

23.04.2022

was ist das "Institut Mobile Zukunft"? - Leserbrief

Mitte März druckte die WZ ein großes Interview mit einem Vertreter des "Instituts für mobile Zukunft" (IMZU), Johannes Hübner. Das Institut wurde als Sammlung von Experten für quasi alles und jedes vorgestellt. Das machte mich neugierig und ich versuchte herauszufinden, welche Experten das sind und in welchen Fachgebieten sie das sind.

Außerdem fragte ich die Redaktion der WZ, wie das Interview zustande kam, ob Hr. Hübner sich als Interviewpartner anbot oder ob die WZ auf ihn zuging, um ein Interview zu führen. Diese Frage wollte die WZ-Redaktion nicht beantworten, da grundsätzlich keine Interna zu redaktionellen Entscheidungen nach außen gegeben würden. Ich denke aber, das beantwortet sich von selbst.

Spoiler: es sind im Wesentlichen Experten für bezahlte PR, das Interview erschien auch in anderen Blättern der Ippen-Verlagsgruppe (FR, FNP u.a.). Das schrieb ich der WZ in einem Leserbrief. Respekt trotz allem dafür, den Leserbrief abzudrucken.

Mit Hr. Hübner hatte ich nach Veröffentlichung einen eher schrägen Emailaustausch, in dessen Verlauf ich einen "Fragebogen" ausfüllen sollte, um mich zu "identifizieren". Vermutlich ist damit gemeint, dass Hr. Hübner herausfinden wollte, wie ich zum Klimawandel stehe. Er blieb hartnäckig bei der Behauptung, dass sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre nicht verändert hat. Seine wissenschaftlichen Kenntnisse erschöpfen sich darin, zu behaupten, dass 1 Liter Kraftstoff (850 g Diesel) nicht zu 2,6 kg CO2 verbrennen könne. Also Chemie: setzen, sechs.

Aus Platzgründen nicht mehr in den Leserbrief gepasst hat eine Beispielrechnung, warum eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe keine besonders große Entlastung darstellt. Nebenbei gibt es eine rechtliche Hürde: die Mehrwertsteuer ist EU-weit harmonisiert, es gibt Mindestsätze von 15 bzw. 5 %, die die Mitgliedsstaaten nicht unterschreiten dürfen. Eine Halbierung ist also gar nicht möglich. Die Corona-bedingte Reduzierung auf 16 bzw. 5% war schon hart am rechtlichen Limit. Kraftstoffe stehen übrigens auf einer Liste von Waren, die ausdrücklich nicht für die reduzierte Mehrwertsteuer in Frage kommen, also könnte der Staat auch nicht einfach den Satz für Kraftstoffe auf 7 % senken.

Die Preissteigerung beim Benzin und Diesel dem Finanzamt anzulasten, ist unterkomplex.
Einfach mal als Rechenbeispiel, wieviel Einfluss die Mehrwertsteuer auf den Preis hat:

Zur Vereinfachung der Rechnerei mal angenommen, Diesel hat vor der Erhöhung 1,50 gekostet, davon sind dann 0,24 MwSt. (1,50 geteilt durch 1,19).

Jetzt kostet Diesel 2,00, davon sind dann 0,32 MwSt., ohne MwSt. also 1,68 (2,00 geteilt durch 1,19).

Diesel mit halbierter MwSt. (ich rechne mit 1,09) würde dann 1,83 kosten (1,68 mal 1,09), die MwSt betrüge 0,15 statt 0,32.

Eine Halbierung der MwSt auf Diesel würde den Verbraucher also um gigantische 17 Cent pro Liter entlasten, bei einem Tankinhalt von 50l macht das immerhin 8,50 pro Tankvorgang. Diese Entlastung wäre ziemlich ungerecht, weil sie PKW mit hohem Verbrauch massiv bevorteilt. Wer ein dickes Auto und/oder weite Strecken fährt und deswegen viel verbraucht, hat also deutlich mehr von dieser selektiven Steuerentlastung als Autofahrer mit einem kleinen Auto, wenig Fahrtstrecke oder Personen, die gar kein Auto fahren. Da die meisten Firmenwagen mit Diesel fahren, fehlt hier jeglicher Anreiz, spritsparend zu fahren - es zahlt ja die Firma und nicht der Fahrer.

[abgedruckt am 31.03.2022]

Das „Institut Mobile Zukunft (IMZU)“ hat seinen Sitz angeblich in Friedberg, auch wenn das Impressum der Website Frankfurt nennt. Die WZ feiert die „Experten für Fachrichtungen der Wissenschaft, Technik, Politik und Gesellschaft“ – also Experten für quasi alles, und das so nah!

Nur verwunderlich, dass man über das IMZU so gut wie nichts findet, wenn man recherchiert. Die Namen im Impressum sind unbeschriebene Blätter in der Welt der Klimawissenschaft, man erfährt von der Website nicht, welche Fachgebiete die „Experten“ beherrschen und inwieweit sie darin Besonderes geleistet haben. Die letzte offizielle Publikation war von 2020, kurz nach dem Beginn der Corona-Pandemie. Die Titel der aufgeführten Werke lassen eher auf eine Nähe zur Industrie schließen als auf „Unabhängigkeit“. Sogar noch 2015 findet sich ein Beitrag „Irrweg Elektromobilität“, und der Klimawandel durch CO2 wird schlicht geleugnet. Zitat: „die behauptete Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 und NOx seit Beginn der Industrialisierung ist in der Atmosphäre nicht nachweisbar - die o.a. Zusammensetzung der Atmosphäre ist, wie obige Fakten belegen, seit Jahrhunderten gleich.“

So weit kann es mit der Kompetenz des Gremiums nicht her sein, wenn alle sonstigen Fachleute den Vorstoß Lindners zu Rabatten in der Luft zerreißen, sogar die Tankstellenbetreiber, die eine ausufernde Bürokratie bei der Rückerstattung des Rabatts befürchten.

Ein paar weitere Nachforschungen über dieses „Institut“ und damit verbundene Namen lässt erkennen, dass die weiteren an IMZU Beteiligten trotz beeindruckender akademischer Titel im Wesentlichen Journalisten und PR-Profis sind, die das schreiben, was ihre Auftraggeber bestellen und bezahlen: Johannes Hübner - Institut für zielgerichtete Kommunikation, Johannes Hübner autoconsult, Johannes Hübner PubliZitat, Das Fuhrwerk - Alfred F. Fuhr - AIVS, Dr. Susanne Roeder (Doktortitel in englischer Philologie).

Die fragwürdige Kompetenz erkennt man daran, dass Hr. Hübner eine Senkung der Steuern fordert und behauptet, dass die Preissteigerung auf die Steuern zurückzuführen ist. Aber: die Energiesteuer auf Diesel und Benzin beträgt fix 47 bzw. 65 ct. Der Löwenanteil der Preissteigerung fließt an die Mineralölfirmen! Natürlich steigt auch der Mehrwertsteueranteil, aber im Verhältnis ist das nur ein kleiner Teil (Details beim Datenjournalisten Kreutzfeldt). Die Erdölfirmen machen sich nun mit Spekulationsgewinnen die Taschen voll, sogar das Kartellamt ist eingeschaltet.

Die Gaspipeline Nordstream 2 war von Anfang an eine Totgeburt, und als Nebeneffekt der derzeitigen Krise freuen sich die Amerikaner, dass Europa nun dreckiges, umweltschädliches Frackinggas aus den USA bezieht.

Die Gasspeicher, die nun nur zu 30% gefüllt sind, sind eine Folge der Kündigung von langfristigen Lieferverträgen zugunsten von Einkäufen auf dem Spotmarkt. Das mag vor einiger Zeit aus BWL-Sicht billiger gewesen sein, aber man hat dabei der Hoffnung auf weiterhin niedrige Preise Vorrang vor Versorgungssicherheit gegeben und sich verzockt. Die Speicher selbst sind gar nicht mehr in deutschem Besitz, man hat sie vor einiger Zeit verkauft – Überraschung: an Gazprom.

Abgesehen davon ist es absolut sinnvoll, dass Diesel teurer ist als Benzin, denn Diesel ist deutlich umweltschädlicher als Benzin, und selbstverständlich sollte sich das bei der CO2-Bepreisung auch widerspiegeln. Ein Liter Diesel verbrennt zu ca. 2,6 kg CO2, ein Liter Benzin zu 2,3 kg CO2. Die derzeitige CO2-Abgabe war von Anfang an zu niedrig angesetzt und müsste noch deutlicher steigen. Die ersten Kipppunkte sind überschritten, wir haben effektiv nur noch knapp 5 Jahre, um deutliche ökologische Verbesserungen zu erzielen. Dazu gehört auch, die Blockade des Neubaus von Windkraftanlagen aufzuheben, z.B. die 10H-Regel. Der Flächenverbrauch von Windkraftanlagen ist lächerlich gering, und durch die Aufforstung an anderen Standorten gibt es sogar netto einen Gewinn an Bewuchs. Die Mär vom gefährlichen Infraschall ist lang widerlegt und resultiert nur aus einem Rechenfehler, und Hauskatzen töten jährlich mehr Vögel als alle Windkraftanlagen zusammen.