30.11.2015

Galaxy S2 mit Cyanogenmod 12.1 installieren und Partitionen ändern

Heute war so ein Tag, an dem ich etwas in Schwitzen gekommen bin, weil ich etwas Neues ausprobieren wollte und mir nicht ganz sicher war, ob es funktionieren würde. Dummerweise wusste ich erst mittendrin während des Updates, dass ich etwas Gefährliches tun muss, damit das Update richtig funktioniert ...

Gute Nachricht vorneweg: alles hat gut funktioniert, ich konnte mir den Angstschweiß abwischen ;). Hier ist ein Beweisfoto:

Aber mal von vorn: da ich noch einige Galaxy S2 zum Testen und Ausprobieren daheim herumliegen habe, und auch noch genug Ersatzteile wie Mainboards und Kleinteile, wollte ich eins davon mit Android 5.1.1 installieren und das aktuellste Cyanogenmod 12.1 drauf werfen.

Also gesagt, getan: erst mal ein halbwegs aktuelles CM 12.1 für i9100 heruntergeladen und ein bißchen Informationen gesammelt, was noch zu tun ist. Dabei habe ich gelernt, dass es empfehlenswert ist, einen für Lollipop angepassten Kernel mitsamt aktuellem Recovery zu flashen. Bei Samsung wird das Custom Recovery zusammen mit einem Kernel geflasht, hier gibt es von verschiedenen XDA-Entwicklern fertige Pakete aus Linux-Kernel und Lollipop-geeignetem Recovery.

Wenn dieser Schritt getan ist (mit Odin als "PDA" flashen), kann man mit dem Samsung-üblichen Dreifingergriff das S2 in den Recoverymodus versetzen und die Zipdatei mit CM 12.1 installieren, und danach wie üblich ein Paket Google-Apps.

Hier hat sich viel für die Bequemlichkeit getan, seit ich das letzte Mal Google Apps herunterladen musste: es gibt ein cooles Projekt bei GitHub, das verschiedene Pakete anbietet, vom Minimalpaket mit gerade mal der Play Store-App ("pico"), über ein Mikro-Paket, das dann schon GMail, GKalender und einige Kleinigkeiten mehr enthält, bis hin zum "Super"-Paket, das wirklich alles enthält, was jemals bei Google aus dem Compiler geworfen wurde.

Das Flashen von CM 12.1 lief wie erwartet glatt, aber dann bekam ich einen kräftigen Schreck beim Flashen der Google-Apps: eine Fehlermeldung "#70" mit eher beunruhigenden Meldungen. Beim Nachschauen in der FAQ des OpenGApps-Projekts stellte ich dann fest, dass die Partition des Speichers im S2, das die System-Apps enthält, nur knapp 600 MB groß ist, und dies nicht ausreicht, um die Google Apps zu installieren. Bislang hat es immer funktioniert, aber Lollipop scheint etwas sehr stark gewachsen zu sein, und nun passten die Google Apps nicht mehr dazu. Das Booten lief trotz des Fehlers beim Flashen einwandfrei, es war also nichts lebenswichtiges zerstört oder unvollständig. Puh!


Mit ein wenig Forschen fand ich heraus, dass es leicht möglich ist, die Partitionsaufteilung des S2 zu verändern, damit die Systempartition mehr Speicherplatz erhält - natürlich zu Lasten des restlichen Telefonspeichers. Bei einem Bastelgerät mit 16 GB Ausstattung ist das natürlich kein allzu großes Problem, und selbst wenn man so ein Gerät dann als Alltagswerkzeug verwenden will, bleibt immer noch die Möglichkeit, eine 32 GB-Speicherkarte zusätzlich einzubauen.

Die Neupartitionierung kann man entweder manuell mit "adb shell" im Root-Modus durchführen und direkt am offenen Herzen des S2 mit dem "parted" Partitionseditor die Größen verändern, oder man verändert die Partitionen mit einem Hilfsprogramm wie Heimdall (für Linux und Windows) oder Odin (nur Windows), das eine Konfigurationsdatei mit der Endung ".pit" verwendet, um den Vorgang zu automatisieren.

Ich war wenig mutig und habe Odin verwendet, nachdem ich mir aus einer Auswahl von fertig vorbereiteten ".pit"-Dateien die ausgesucht habe mit 4 GB für system und den Rest für Daten.

Danach muss im Recoverymodus die Systempartition, die Datenpartition und die simulierte Speicherkarte (üblicherweise "sdcard0" genannt) neu mit einem Linux-Filesystem formatiert werden. Ich empfehle "ext4", das ist erprobt und zuverlässig. Dabei gehen natürlich alle Daten verloren! Es ist also schlau, ein Backup der vorhandenen Inhalte zu machen (Bilder in DCIM usw.). Die Zipdateien für CM 12.1 und die Google Apps sollte man auf eine SD-Karte packen und als externen Speicher ins Telefon stecken. Beim S2 geht das ja, im Gegensatz zu den sonst von mir bevorzugten Nexus-Geräten, die prinzipiell keinen SD-Steckplatz haben.

Genauer gesagt läuft es so ab: unter "advanced" kann man /system, /data, /cache, und /storage/sdcard0 formatieren und dann mounten.

Danach werden mit "install zip" die Zipdatei von CM 12.1 und die Zipdatei der Google Apps installiert und neu gebootet. Die Frage nach dem "fix root" sollte man mit "yes" beantworten, schließlich will man hinterher noch mit "TriangleAway" das lästige gelbe Dreieck beseitigen, mit dem Samsung anzeigt, dass man einen unsignierten Kernel geflasht hat ;). TriangleAway benötigt root-Zugriff. Den muss man im Entwicklermenü dann auch erst aktivieren, CM 12.1 hat den Rootzugriff prinzipiell abgeschaltet, und man muss als Entwickler dann z.B. "Nur Apps" einschalten - oder auch "Apps und ADB", wenn man als Entwickler mit den adb-Befehlen als root arbeiten können will.

Der erste Start des neuen Android-Systems dauert ziemlich lang, weil wie üblich die Java-Dateien in den APK kompiliert und gecache't werden müssen. Seit Lollipop verwendet Android ein neues Verfahren zum Kompilieren und Cache'n, nämlich "ART" und nicht mehr "Dalvik". Dies ist nicht nur aus Performancegründen, sondern auch dem Patentstreit mit Oracle geschuldet. Genauer gesagt ist ART seit Kitkat, also Android 4.4 enthalten, aber nicht als Standardverfahren eingerichtet, und Cyanogenmod hat ausdrücklich erklärt, dass ART auf CM 11 nicht verwendet werden soll. Diese Aussage ist korrekt, ich habe es ausprobiert und hatte permanenten Abstürze der Apps.

Nach dem ersten Start sollte man aus dem Play Store oder von der Speicherkarte TriangleAway installieren. Falls die App nicht aus dem Play Store geladen wird, muss man in den Einstellungen die "unbekannten Quellen" erlauben. TriangleAway lädt einen handgeschnitzten Kernel nach, der genau zum Handymodell passt, startet das Telefon neu, und dann kann man mit der Lautstärketaste "Hoch" den "Flashcounter" wieder auf 0 setzen, damit das lästige gelbe Dreieck nicht mehr auf dem Einschaltbildschirm angezeigt wird.

Da sich der Installationsvorgang bei CM gelegentlich mal ändert, sollte man unbedingt in den Einstellungen einrichten, dass beim Flashen einer neuen CM-Version auch das aktuelle Recovery mit installiert wird. Diese Einstellung findet sich bei den Entwickleroptionen, die man erst sichtbar machen muss. Dazu im Menü "Über das Telefon" siebenmal auf die Buildnummer tippen.

Puh, das war Stress! Wenn man am Partitionslayout herumfummelt, kann es unter Umständen auch böse enden, wenn man eine der Partitionen beschädigt, die das Telefon für die ersten Phasen des Bootvorgangs - vor dem Laden des Linux-Kernels - benötigt. Also auf keinen Fall an den Partitionen für "SBL", "Radio", "Factory" usw. herumfummeln.

[Update 20151204: Links zu Custom Kernels nachgetragen]

13.11.2015

"70% der Flüchtlinge sind junge Männer" - Leserbrief

Seit Wochen wird immer wieder die falsche Behauptung verbreitet, dass wir von jungen, gewaltbereiten Männern unter den Flüchtlingen geradezu unterwandert werden.

Diese unbewiesene Behauptung wird vom Bildblog eindrucksvoll widerlegt.

Ein Leserbriefschreiber setzt in der WZ noch einen drauf. Er rundet die 70% zu 80% auf und behauptet aus dem Handgelenk, dass 30% davon "Kampferfahrung" hätten.

Daraufhin habe ich die Zahlen aus dem Bildblog-Artikel mal nachgerechnet und einen Leserbrief als Antwort geschrieben.


Leserbrief zum Leserbrief von Hr. B. (WZ 11.11.15)

Hr. B. verwendet unreflektiert Statistiken, die seit Wochen im Internet, z.B. bei Facebook, verbreitet werden. Niemand aber macht sich die Mühe, diese Zahlen in Frage zu stellen. Eine Statistik darf man aber nur bewerten, wenn man versteht, wie sie zustande kommt!

Im Internet kursiert eine Zahl von angeblich mehr als "70" %, je nach Beitrag und Intention sind dies dann Flüchtlinge oder Asylbewerber.
Hr. Becker rundet großzügig auf und behauptet mal eben, dass "80" % davon junge Männer seien.

Genauso locker aus dem Handgelenk entfließen ihm, dass davon 30 % "Kampferfahrung" hätten.

Woher stammt diese Zahl? Was war die ursprüngliche Frage, die dann in dieser Zahl resultiert? Was genau bedeutet "Kampferfahrung"? Fragen über Fragen.
Ich war mal vor über 30 Jahren bei der Bundeswehr. Je nach Fragestellung müsste ich wohl auch mit "ja" antworten.

Die Realität folgt leider - oder zum Glück - nicht den Behauptungen aus dem Internet, diesem unerschöpflichen Quell von Wissen und Gerüchten.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) teilt derzeit diese realen Zahlen mit, wenn man sich die Mühe macht zu fragen:

Für die von Januar 2015 bis einschließlich September 2015 gestellten Asyl-Anträge (gesamt 303443):

Altersgruppemännlichweiblich %männlich
relativ
%männlich
insg.
bis unter 16 43.48236.743 5414
16 bis unter 18 9.7062.948 773
18 bis unter 25 56.53914.743 7919
25 bis unter 30 34.51711.685 7511
30 bis unter 35 23.0759.858 708
35 bis unter 40 15.2137.549 675
40 bis unter 45 10.0585.003 673
45 bis unter 50 6.2633.336 652
50 bis unter 55 3.5132.213 611
55 bis unter 60 1.8701.521 551
60 bis unter 65 965839 530
65 und älter 834967 460
unbekannt 21 670
Gesamt 206.03797.406 6868


Um auf die Aussage "fast 70 %" zu kommen, muss man den Prozentsatz pro Altersstufe einzeln betrachten, aber daraus darf man dann natürlich nicht die bösartige Schlussfolgerung ziehen, dass dies "70 % aller Flüchtlinge" seien.

Falls man "junge Männer" zwischen 18 und 35 Jahre zählt, sind es also nicht 70 %, sondern ca. 40 %, bezogen auf alle Flüchtlinge (eben 303443).

Selbst wenn man "junge Männer" von 16 bis 40 Jahre addiert, kommt man nur auf 46 %.

Es stimmt, dass überwiegend männliche Flüchtlinge in Deutschland Asyl suchen (rund 70 %).

Doch fast die Hälfte davon ist entweder minderjährig oder älter als 35.
Den Hetzern kommt dabei zugute, dass durch die Betonung des (falsch berechneten) "junge Männer"-Anteils ein anderer Ausschnitt der (tatsächlichen) Migrationswirklichkeit verzerrt wird: der Anteil der Kinder.

Der - sonst eher auf Esoterik spezialisierte - "Kopp-Verlag" behauptet: "70 % der Flüchtlinge sind junge, alleinstehende Männer - es gibt kaum Kinder."

Die Rechnung scheint nicht schwer: Wenn schon 70 % der Flüchtlinge junge Männer sind, kommen noch alte Männer dazu, dann junge Frauen, alte Frauen - da muss die Zahl der Kinder ja gering sein.
In Wahrheit aber ist fast jeder dritte Flüchtling minderjährig, jeder vierte ist jünger als 16.

Allein in diesem Jahr haben laut BAMF bis Ende September fast 7.500 unbegleitete und 85.000 begleitete Minderjährige Asylanträge gestellt.

Die Statistiken für 2014 sehen übrigens ähnlich aus: Anteil der jungen Männer: 37 %. Anteil der Kinder unter 16: 28 %.

(Quelle der Zahlen: BAMF und bildblog.de/73416).

30.09.2015

Netzneutralität und die autonomen Autos - Leserbrief

Letzte Woche gab es eine Glosse, dass autonome Autos und Telemedizin ja schwer im Kommen sind, aber dass man dafür mehr Internetausbau und/oder weniger Netzneutralität brauche, damit die Autos auch immer brav fahren können.
Daraus hab ich einen Leserbrief für die Netzneutralität gemacht.
Leserbrief zum Internetausbau wegen autonomer Autos (Glosse 17.09.15)

Die Glosse vom 17.09. behauptet, dass der Internetausbau mächtig vorangetrieben werden muss, weil ja die autonomen Autos immer eine Internetverbindung benötigen.
Diese Argumentationskette verwenden die üblichen Lobbyisten gern, die in Europa die Netzneutralität kippen wollen.

Zur Erinnerung: Netzneutralität bedeutet, dass ein Internet-Anbieter alle Datenpakete von allen "Lieferanten" gleich behandeln muss, d.h. keine Bevorzugung und keine künstliche Benachteiligung anwenden darf.
Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat dies vor Kurzem gegen starken Lobby-Widerstand tatsächlich durchgesetzt.

In Deutschland und Europa argumentiert die Lobby etwa so: ohne Bevorzugung wären angeblich keine autonomen Autos und keine Telemedizin möglich.
Dies soll mithilfe von "Qualitätsstufen" festgelegt werden, die unterschiedlich schnell und unterschiedlich teuer sind.

Aber natürlich geht es nur um Geld. Die Internet-Anbieter wollen nochmals kassieren.
Sie stellen nämlich fest, dass man durch gesetzlich erlaubte "Erpressung" mehr Geld verdienen kann.

Ein Beispiel: Google mit Sitz in USA zahlt an den Betreiber Orange in Frankreich "Gebühren", damit youtube-Datenverkehr nicht verlangsamt wird. Möglich wird dies, weil Orange einer der größten Internetbetreiber in Afrika ist und Google sich dort stark engagieren will. Deshalb gibt man dem Druck nach und zahlt an jemanden, mit dem man eigentlich keinen Vertrag hat.

Und warum genau ist das schlecht? Google ist doch sooo böse, sollen die doch zahlen!
Ganz einfach: große Firmen können es sich vielleicht noch leisten, in mehreren Ländern Schutzgeld dafür zu zahlen, dass der Datenverkehr nicht gebremst wird.
Kleine Firmen nicht. Tatsächlich werden also die "Großen" noch größer gemacht, und der Rest wird kleingehalten.

Politiker faseln gern von "Überholspuren" im Internet. Aber ohne Netzneutralität passiert genau das Gegenteil: es gibt keinen Turbo für wichtige Daten, sondern alles andere muss warten.
Es wäre also keine Verbesserung, sondern im Durchschnitt eine Verschlechterung für alle. Eine echte Überholspur würde konsequenten Ausbau erfordern.

Übertragen auf die echte Welt würde das so aussehen: Autos von deutschen Herstellern dürfen in Deutschland 120 km/h fahren, Autos von Peugeot nur 80 km/h. Wenn ein Peugeot-Fahrer aber im Autoradio FFH hört, darf er 100 km/h fahren, weil FFH häufig freundlich über die CDU berichtet. Und weil die NSA pikante Einzelheiten über Merkel weiß, dürfen Autos von Ford ohne Tempolimit fahren (den letzten Teil habe ich erfunden). Und zur Durchsetzung werden alle überwacht.

Und vielleicht kommt es sogar so weit, dass man für jeden Dienst, den der Kunde nutzen möchte, ein separates "Abo" abschließt, also z.B. Extragebühren für Youtube, Netflix, Spotify an den Internetanbieter bezahlen muss (selbstredend zusätzlich zu den Abo-Kosten für den Dienst selbst). Wenn in Zukunft ein Unternehmen eine Idee wie youtube hätte, könnte es gleich wieder einpacken: die zahlreichen Zusatzgebühren überall würgen junge Unternehmen und Geschäftsideen ab.

Mein Fazit zu dieser Misere: es muss ausgebaut werden, und zwar vernünftig - flächendeckend mit Glasfaser, und nicht mit dem unsäglichen "Vectoring", mit dem das Kupferkabel immer noch ein bißchen länger am Leben erhalten wird und neue Monopole auf Anschlüsse und Endkunden entstehen. Die aktuelle Breitbandförderung des Bundes klingt zwar auf den ersten Blick toll, aber der vorgegebene Zeitplan führt dazu, dass voraussichtlich nur Vectoring ausgebaut wird, denn bis Sommer 2016 muss ein förderwürdiges Projekt abgeschlossen sein. Vectoring ist aber die schlechtestmögliche Antwort auf das Problem des Breitbandausbaus: es zementiert das Monopol des Kabelbesitzers (i.a. die Telekom) und drängt wegen der Kabelbündelung alle anderen Anbieter aus dem Konkurrenzkampf um die Kunden heraus, denn bei Vectoring benutzt die Telekom das Kabel exklusiv.

26.09.2015

Berichterstattung über Flüchtlinge in der WZ - Leserbrief

Die WZ berichtet im redaktionellen Teil eigentlich neutral über die verschiedenen Initiativen, um Flüchtlingen zu helfen und sie zu integrieren. Im Gegensatz dazu ergießt sich seit etwa Mitte August eine Flut von schlimmen Leserbriefen im Meinungstreff über den Leser. Um dem entgegen zu wirken, habe ich auch einen Leserbrief zum Thema "Flüchtlinge" geschrieben - ich bin familiär auch betroffen und deshalb zwangsläufig nicht neutral.
(veröffentlicht am 26.09.2015, Änderungen und Streichungen der WZ in blau bzw. durchgestrichen)

Leserbrief zu vielen anderen Leserbriefen in der WZ

In den letzten Wochen sind in der WZ erstaunlich viele Leserbriefe abgedruckt worden, die eine erschreckende Tendenz zeigen.
Die WZ berichtet im redaktionellen Teil, wie sensationell hilfsbereit und freundlich die Flüchtlinge aufgenommen werden, aber die Leserbriefe sprechen fast alle eine vollkommen andere Sprache.

Da wird der Sprachgebrauch direkt aus dem Parteiprogramm der braunen Partei genommen: die Flüchtlinge müssen "zurückgeführt" werden.
Am besten werden sie vorher noch an "modernen Waffen" ausgebildet, damit sie in der Heimat auch effizient "Islamisten erledigen" können.
Auch die Rückreise in eine "stabile Diktatur" wird als erstrebenswert bezeichnet. Schließlich ist eine "stabile Diktatur" ja viel besser als eine wacklige, oder?

Und früher war überhaupt alles viel besser: nach dem zweiten Weltkrieg, das waren ja "anständige" Flüchtlinge, besser noch "Vertriebene" mit demselben Glauben, die waren ja nicht wirklich Ausländer, sondern Deutsche aus den Ostgebieten.

Nebenbei: auch die unsägliche Erika Steinbach pflegt immer noch den Opferstatus als "Vertriebene". Dabei war ihr Vater ein Nazi-Soldat, der zufällig 1941 nach Danzig versetzt wurde. Fr. Steinbach, geboren 1943, ist dann bereits 1945 zurück nach Schleswig-Holstein gekommen. Das hält sie aber nicht davon ab, energisch immer wieder Öl ins Feuer zu gießen und die Versöhnung mit den Nachbarn zu untergraben mit ihren kruden Thesen.

Und so war es wirklich: die Flüchtlinge wurden damals 1945 nicht mit offenen Armen willkommen geheißen, wie heute so schönfärberisch in einem Leserbrief behauptet wurde.
Die Flüchtlinge hatten nichts und wurden in Wöllstadt und sicherlich auch woanders als "Pollacken" u.ä.und anderes beschimpft, verprügelt und gemobbt.
Meine Oma war durch die Flucht so traumatisiert, dass sie nie wieder polnisch gesprochen hat, nicht einmal mit ihrem eigenen Bruder zu Besuch aus Polen.

Hört sich denn hier keiner mehr beim Reden und Denken zu? Das sind Menschen, die vor Krieg, Gewalt, Hunger flüchten und hier Schutz suchen.

Mein Lieblingsautor, Sir Terry Pratchett, hat in einem seiner sehr empfehlenswerten Bücher festgestellt: "Das Böse fängt an, wenn man Menschen wie Dinge behandelt".

Und genau das passiert seit lLangem tagtäglich: es wird nur noch geschachert, welches Land wie viele Flüchtlinge aufnimmt, und dabei wird das Elend dieser Menschen wahlweise ignoriert oder als Druckmittel verwendet.

Auch die Zahlen, die genannt werden, um angebliche "Überforderung" zu belegen, sind so lächerlich, dass man sich fragen muss: warum?

Im Vergleich zu 250 Milliarden Euro für die Banken - für ein bißchen Papier und ein paar Zahlen in Computern - mutet es beinahe traurig an, wenn über einen ähnlichen Zeitraum 5 Milliarden Euro für Flüchtlinge kalkuliert werden und Menschen dagegen auf die Straße gehen.

Weltweit sind nach Schätzungen 60 Millionen Menschen auf der Flucht. In einem anderen Leserbrief wird vermutet, ob Deutschland die knappe Hälfte davon (25 Mio.) verkraften könne. Wie kommt jemand auf die Idee zu so einer perfiden Rechnung?

Auf die Bevölkerungsgröße umgerechnet, nimmt sogar die Schweiz mehr Flüchtlinge auf als wir. Die wirklichen Zahlen sind nur Tausendstel von der demagogischen Zahl im Leserbrief von Hr. H.

Ein paar weitere Zahlen (Quelle: UNHCR, Anzahl syrische Flüchtlinge)
Syrien Inland7.600.000
Türkei1.550.000
Libanon1.140.000
Jordanien623.000
Europa insgesamt150.000
Deutschland41.000
Schweden34.000

Nochmal: für die Bankenrettung sind in den letzten Jahren fast 250 Milliarden Euro verpufft.
Ist das nicht absurd, wenn man darüber nachdenkt?

Es geht um Menschen!
[Update 20151202: Eigennamen abgekürzt]

21.09.2015

Flash-Update auf Version 19

Mir fehlen langsam die Worte, wie die Versionsnummern inflationär in Höhen klettern. Google hat es mit Chrome vorgemacht, aus irgendwelchen Gründen macht es Mozilla mit Firefox und Thunderbird nach, und jetzt beschleunigt Adobe die Nummerierung des Flashplayers genauso.

Und weil mir die neuen Worte fehlen, nehme ich immer den alten Blogartikel, nur die Versionsnummern und die Links ändern sich ;)

Grade erst Version 16 (siehe meinen älteren Blogartikel von November) und 17 (hier) und 18 (hier im Blog), jetzt schon 19 (mittlerweile zählt wohl auch ein Major release nicht mehr zu den besonders erwähnenswerten Ereignissen bei Adobe?). Wer sich selbst auf dem Laufenden halten will, kann das Blog des Security-Teams bei Adobe lesen oder als RSS abonnieren.

Wie üblich in ihrem freundlichen Service-Blog die passende Automation zum Herunterladen und Installieren. Falls ein Proxy verwendet wird, das "rem" bzw. "#" entfernen.

Das Tool wget wird bei Windows noch benötigt wie hier beschrieben. Bei Linux sollte es schon vorhanden sein, da es von vielen anderen Programmen intern verwendet wird.

Für Windows wie üblich beide Varianten, ActiveX und Netscape Plugin (Achtung übrigens, Firefox wird demnächst das NPAPI komplett abschaffen - mal sehen, was Adobe und Flash dann machen).
@echo off

rem set http_proxy=http://192.168.100.100:3128/
set VNP=
19.0.0.245
set VAX=19.0.0.245
set V=19
set H=fpdownload.macromedia.com
set P=/get/flashplayer/current/licensing/win
set AX=install_flash_player_%V%_active_x.exe
set NP=install_flash_player_%V%_plugin.exe

wget http://%H%%P%/%AX% -O flash-%VAX%_ax.exe
.\flash-%VAX%_ax -install
wget http://%H%%P%/%NP% -O flash-%VNP%_np.exe
.\flash-%VNP%_np -install

Für Linux 64 bit rpm (als root ausführen oder "sudo rpm" schreiben) gibt es nach wie vor "nur" Version 11, aber zur Abwechslung haben sich der Downloadlink und der Dateiname für .rpm geändert. Für .tar.gz-Format ist immer noch der erste Downloadlink gültig, deshalb belasse ich beide im Skript.
#!/bin/sh

# http_proxy=http://192.168.100.100:3128/

VL=11.2.202.548
H=fpdownload.macromedia.com

PL1=/get/flashplayer/current/licensing/linux
PL2=/get/flashplayer/pdc/${VL}


DL() { wget -N "$1/$2"; mv "$2" "$3"; }

echo Linux 64 bit rpm ...
DL http://${H}${PL2} \
   flash-plugin-${VL}-release.x86_64.rpm \
  
flash-${VL}.x86_64.rpm
rpm -F --force
flash-${VL}.x86_64.rpm

[Update 20150921: Security-Hinweis von Adobe]
[Update 20151013: Security-Hinweis von Adobe]
[Update 20151020: Security-Hinweis von Adobe]
[Update 20151111: Security-Hinweis von Adobe]
[Hier ist noch der Verweis auf die Anleitung für Version 18, 17, 16, 15, 14 und 13]

26.08.2015

Oswin Veith hat keine Argumente und keine Antworten auf Argumente

Schüler der Singbergschule besuchen Oswin Veith an seinem Arbeitsplatz in Berlin. Dort erzählt er das übliche Märchen, dass die Vorratsdatenspeicherung so unglaublich wichtig ist. Auf Gegenargumente geht er nicht ein - weil er es nicht kann. Er kann nur die Scheinargumente bringen, die die üblichen Scharfmacher als Nebelkerzen verbreiten. Meine konkreten Nachfragen wurden nicht mehr beantwortet.
Und natürlich speichern Anbieter nicht alle "Verbindungsdaten", insbesondere speichern sie nicht die Metadaten von Email, WWW usw., wie es das Gesetz vorsieht.


20.08.2015

ssh-Bibliothek für Java

Nach dem ganzen politischen und schulischen Kram, mit dem ich mich letztens beschäftigt habe, mal wieder 'was Interessantes für Programmierer.

Ich habe durch ein berufliches Projekt von einer coolen Java-Bibliothek erfahren, mit der man SSH verwenden kann, ohne externe Programme aufzurufen. Und diese Bibliothek nutzt sogar das OpenSSH-Format für persönliche und Host-Keys! Das gefällt mir gut ;)

Die Rede ist von JSch (Java Secure channel), das in einer sehr frühen Version vorliegt, aber schon ganz gut funktioniert.

So bekommt man es zum Laufen:

Man braucht ant zum Selberbauen, wenn man nicht das fertige Jar als Archiv von sourceforge herunterladen will.
Nach dem Auspacken wechselt man einfach in das JSch-Verzeichnis und ruft build.sh auf. Wie üblich sollte JAVA_HOME gesetzt sein.
Danach findet sich in dist/lib die jar-Datei, die man dann in den CLASSPATH aufnehmen kann.

jsch-0.1.53 $ PATH=$PATH:~/apache-ant/bin
jsch-0.1.53 $ ant
Buildfile: /home/tseeling/java/jsch-0.1.53/build.xml

init:

compile:

dist:
      [jar] Building jar: /home/tseeling/java/jsch-0.1.53/dist/lib/jsch-0.1.53.jar

BUILD SUCCESSFUL




Danach kann man dann im eigenen Java-Programm den private key laden, die known_hosts laden und auf einem anderen System Befehl ausführen. Außerdem ist es möglich, Subsysteme wie sftp direkt anzusprechen. Cool ;)

Hier ist ein kleines Programm, das ähnlich wie das "echte" ssh einen Befehl auf einen anderen Rechner schickt. Natürlich steckt man die Passphrase nicht hartkodiert ins Programm oder übergibt sie auf der Kommandozeile, das ist nur ein kleines Beispiel ;)

$ javac -classpath jsch-0.1.53.jar shell.java
$ java -classpath .:jsch-0.1.53.jar shell ths server ~/.ssh/id_rsa ***
Linux

Und hier das Beispielprogramm:

import com.jcraft.jsch.*;
import java.util.Properties;
import java.io.BufferedReader;
import java.io.InputStreamReader;

public class shell{
  public static void main(String[] argv){

    try{
      JSch jsch=new JSch();
      Properties config = new Properties();
      String home=System.getProperty("user.home");
      String user=System.getProperty("user.name");
      String key=home+"/.ssh/id_rsa";
      String passphrase="";
      String host="localhost";
      String cmd="uname";

      if (argv.length>0) { user      =argv[0]; }
      if (argv.length>1) { host      =argv[1]; }
      if (argv.length>2) { key       =argv[2]; }
      if (argv.length>3) { passphrase=argv[3]; }
      if (argv.length>4) { cmd       =argv[4]; }

      jsch.addIdentity(key,passphrase);
      jsch.setKnownHosts(home+"/.ssh/known_hosts");
      config.put("StrictHostKeyChecking", "no");

      Session session=jsch.getSession(user, host, 22);
      session.setConfig(config);
      session.connect();
      ChannelExec channel=(ChannelExec) session.openChannel("exec");
      BufferedReader in=new BufferedReader(new InputStreamReader(channel.getInputStream()));
      channel.setCommand(cmd);
      channel.connect();

      String msg=null;
      while((msg=in.readLine())!=null){
        System.out.println(msg);
      }

      channel.disconnect();
      session.disconnect();

    }
    catch(Exception e){
      System.out.println(e);
    }
  }
}

10.08.2015

Werbetrojaner auf dem PC sind lästig

Jetzt bin ich auch mal Opfer geworden.
Wenigstens ein bißchen.
Eigentlich eher Kind 2 mit dem neuen Laptop.
Nicht ich direkt.

Kaum war das Kind aus dem Ferienzeltlager zurück, schoss der Internetverbrauch in die Höhe. Sehe ich bequem an der LTE-Statusseite. Leider muss ich das wegen der monatlichen Quote ein wenig im Blick behalten. Hoffentlich liefert die BIGO bald Glasfaser für den Wetteraukreis, nur mal so nebenbei.

Handy im Firewall gesperrt, aber das war's nicht.
Also Laptop gefilzt und jede Menge Werbetrojaner beseitigt.
Ist das ein lästiges Kroppzeug!

CinemaPlus, CrossBrowser, FastSearch, MyStartSearch, Pro PC Cleaner und noch mehr Schädlinge. Schrecklich. Und wie und wo die sich überall einklinken, das geht ja auf keine Kuhhaut!

Wenn ich mir vorstelle, wie der durchschnittliche deutsche PC aussieht, graut es mir. Ich denke, man bräuchte das Internet nicht so heftig ausbauen, wenn es diesen Schrott nicht gäbe. Kind 2 kam am Mittwoch abend wieder, und bis Samstag abend waren 12 GB verbraucht. Davon ungefähr 11,5 GB von seinem Laptop, der Rest mein Homeoffice. Das Schlimme ist: die meisten Leute merken es nicht, weil sie eine "richtige" Flatrate haben, oder es ist ihnen dann auch egal. Für die normalen DSL-Zugänge gibt es ja keine leicht zugängliche Kontrollmöglichkeit, wieviel Volumen diesen Monat verbraucht wurde.

Das Beste (oder Schlimmste) war ein Uninstall-Programm, das allen Ernstes ein Captcha verlangt hat und sich nach 5 Sekunden ohne Eingabe beendet hat. So eine Unverschämtheit. Grummel.

Das meiste konnte ich manuell beseitigen, aber für die Endkontrolle hab ich dann doch noch ein Hilfsprogramm verwendet, das ähnlich wie ein Antivirus nach Werbeschädlingen sucht.

Musste mal raus.