07.08.2013

Vom Nexus 7 die Spiderman-App entfernen. Oder: Displaytausch leicht gemacht.

Ich sach ja: mit Kindern kann man was erleben. Kind 2 bekam zum Geburtstag ein Nexus-7-Tablet geschenkt und freute sich riesig.

Dummerweise hat er es schon wenige Tage später gedankenlos schräg auf einen vorhandenen Stapel voller Unordnung gelegt und bei einer Erschütterung ist es zu Boden gefallen.

Nexus 7 Display kaputt
Eine Ecke des Displays war gesplittert, und viel schlimmer: die untere Hälfte des Touchscreens hat nicht mehr reagiert.

Auf dem Bild sieht man das zerlegte Display nach dem Entfernen des dünnen Rahmens. Beim Zerlegen sind noch ein paar Risse dazugekommen, aber es ist deutlich zu sehen: da ist nix mehr zu wollen.

Üble Sache, zumal auch bei diesem Modell von Asus (im Auftrag von Google) der eigentliche Touchscreen, der sogenannte Digitizer, und das LCD flächig miteinander verklebt sind. Man kann zwar jedes der Bauteile einzeln bei ebay kaufen, aber die Trennung und das Zusammenbauen ohne Luftblasen dazwischen werden nur Profis gelingen.

Dank ebay ist es aber problemlos möglich, international einzukaufen, und so habe ich bei einer Firma in Hongkong ein fertig zusammengesetztes Display mitsamt Digitizer für 89 Dollar gefunden (knapp 60 Euro). Für versicherten Eiltransport hab ich nochmal 10 Dollar hingeblättert, und heute kam ein extrem gut verschnürtes Päckchen bei mir an. Wow.

Eigentlich ist ein Tablet, das neu 199 Euro kostet, mit einem defekten Display ein Totalschaden. Bei meinen früheren Recherchen  (das Tablet lag einige Wochen defekt herum) hab ich nur komplette Displays für 120 bis 160 Euro gefunden. Da ist ein Display in "Erstausrüsterqualität" für 89 Dollar natürlich ein totales Schnäppchen. Ich hab ernsthafte Probleme, ein Gerät, das mir lieb geworden ist, zum Elektronikschrott zu geben, wenn es Chancen auf eine Reparatur gibt.

Freundlicherweise gibt es wie für alles im Leben praktische Lebenshilfe bei Youtube, d.h. Videos, in denen man Schritt für Schritt sehen kann, was gemacht werden muss, und worauf man achten muss.

Das Zerlegen des Nexus 7 ist ein bißchen kniffliger als die Reparatur des S2 neulich. Asus arbeitet mit deutlich mehr Klebeband, und nach dem zweiten Zerlegen wird das sicherlich nicht mehr gut halten.

Den Deckel kann man mit den Fingernägeln rundherum abheben und beiseite legen. Danach muss man als erstes sehr vorsichtig das Kabel zum Akku aus dem Sockel schieben, und zwar in die Richtung, in die die Kabel zeigen. Abwechselnd am linken und rechten Ende flach aus der Buchse schieben, z.B. mit einem feinen Schraubenzieher.

Danach das schwarze Klebeband lösen und das Folienkabel möglichst nicht aus der Fassung ziehen, es ist sehr schwierig wieder einzubauen.

Dann müssen drei Stecker zum Display gelöst werden. Ein einzelner wird nach oben abgehoben, und ein Doppelstecker mit einem Folienkabel (am Außenrand) kann herausgezogen werden, nachdem die Arretierung an den beiden Buchsen gelöst ist.

Das Mainboard ist mit 15 bis 18 Schrauben fixiert (je nach Video werden unterschiedliche Zahlen genannt). Auch unter dem Klebeband bei der Kopfhörerbuchse schauen ;). Es gibt helle und dunkle Schrauben; die dunklen sind etwas länger. Merken, wo die waren!

Jetzt kann das Mainboard abgehoben werden, auch hier ist wieder doppelseitiges Klebeband am Werk, also sehr vorsichtig auseinander ziehen. Evtl. mit dem Fön erwärmen, damit es leichter geht.

Nexus 7 Bezel ohne Display
Wenn man ein Display ohne den Rahmen gekauft hat, muss man den dünnen silbernen Rahmen (die "Bezel") vom Glas trennen. Dazu habe ich das Display bei 75° ca. 10 min. in den Backofen gelegt, damit der Kleber rundherum weich wird. Danach kann man das Display heraustrennen. Nicht an den Glassplittern schneiden! Evtl. muss man das kleine flache Klebeband lösen und das mittige Folienkabel vom alten an das neue Display montieren.

Achtung auch, dass die 4 Pogo-Pins für die Dockingstation nicht verbiegen oder abbrechen.

Displayreste
Das Klebeband sollte am Rahmen bleiben. Sorgfältig alle Glassplitter entfernen, sonst passt das neue Display nicht bündig hinein und steht über.

Auf dem rechten Bild sieht man die abgepopelten Glassplitter. Das doppelseitige Klebeband ist extrem dünn. Ich wusste nicht, wo ich so etwas kaufen kann, also wollte ich das vorhandene Klebeband weiter benutzen. Nach dem Aufwand, den ich da treiben musste, ist meine Empfehlung: lieber ein montiertes Display mitsamt Bezel fertig geklebt kaufen. Ich habe mehr als eine Stunde gebraucht, bis ich alle Glassplitter vom Klebeband gelöst hatte.

Danach das neue Display in den Rahmen einsetzen und andrücken. Zuerst das äußere Folienkabel (mit dem Doppelstecker) vorsichtig durch die Bezel stecken, danach an einer Ecke anfangen, anzudrücken. Es sitzt recht stramm, nicht zu stark, sonst ist das neue Display auch gleich wieder kaputt.

Nexus 7 Mainboard

Dann auf einer weichen Unterlage das Mainboard montieren. Das mittige Kabelchen durch den Schlitz im Mainboard stecken. Ein paar Schrauben hineindrehen, damit das Mainboard richtig sitzt, dann die Folienstecker montieren und bei dem Doppelstecker die Arretierung wieder andrücken. Vorsichtig! Wenn so ein Folienkabel zu stark gebogen oder gar geknickt wird, können die Leiterbahnen kaputt gehen, dann war alles umsonst.

Als letztes das Akkukabel andrücken, alle restlichen Schrauben einsetzen und den Deckel wieder aufdrücken. Auf die Orientierung achten, sonst gibt es kein NFC und die seitlichen Schalter sind an der falschen Stelle ;)

Danach hatte ich erstmal Stress, weil beim Anschließen des Ladekabels das Display nur kurz aufblitzte und gleich wieder ausging. Auseinanderbauen, alles kontrollieren ... beim nächsten Versuch genauso. Auch nach 15 min. Laden wurde es nicht besser. Also Tante Google fragen. Mögliche Lösung: das USB-Netzteil an meinem Bastelarbeitsplatz ist zu schwach, das Nexus-7-Ladegerät hat 2 A.

Also Tablet und Kabel zum anderen Ladegerät gebracht (nur 1 A, aber einen Versuch ist es ja wert), ein paar Minuten laden lassen, und tatsächlich: das Gerät lässt sich einschalten und funktioniert wieder.

Juhu!

Ab jetzt bekommen meine Kinder wieder Bauklötze geschenkt und Murmelbahnen, aber keine elektronischen Geräte mehr! Da muss man ja dauernd reparieren.