08.08.2012

The Long Earth - Terry Pratchett+Stephen Baxter - Buchbesprechung

Nachdem ich im Urlaub neulich Snuff fertiggelesen hatte (ich konnte es kaum aus der Hand legen, so ein Tempo hatte die Geschichte), bin ich jetzt auch mit dem zweiten Pratchett-Buch fertig geworden, dass ich mir auf dem Kindle mit in den Urlaub genommen hatte. Zu Snuff mehr in einem eigenen Posting ...

Allein an der Tatsache, dass ich TLE im Urlaub nicht beendet habe, merke ich, dass es mir nicht besonders gut gefallen hat. Ich habe es angefangen, dann aber doch lieber zuerst zum Discworld-Buch gegriffen.

Nebenher hab ich immer mal wieder TLE weitergelesen. Das Buch ist in viele kurze Kapitel unterteilt, die das spontane Lesen und auch Weglegen fördern ;). Bei mir war's eher das Weglegen.

Eigentlich ist es keine Geschichte im klassischen Sinn, die einem Höhepunkt zuläuft, dann gibt es einen Knall (im positiven oder negativen Sinn), und dann noch etwas Ruhiges Dahinplätschern (wie sonst üblich bei Sir Terry). Es gibt zwar eine Art von Höhepunkt, aber der passiert so unauffällig, dass er vorbei ist, bevor man es bemerkt hat.

Das Buch handelt davon, dass es viele "Parallelwelten" gibt, und dass es Menschen (und später andere Lebewesen ...) gibt, die "springen" können. Weder die Wissenschaft in dieser Realität noch die Autoren erklären genauer, welchen Hintergrund diese Parallelwelten haben. Die anderen Erden scheinen und sind unbewohnt. Es gab zwar Evolution, aber keine höheren Arten. Manche Welten haben keinen Mond, oder der Meteor-Einschlag, der bei uns die Dinos ausgerottet hat, ist anders oder gar nicht passiert ... Viele Möglichkeiten, aber das meiste davon wird nur kurz erwähnt und dann ad acta gelegt.

In einer nicht definierten Zeit nahe der Jetzt-Zeit erfindet ein Wissenschaftler ein "step device", das jeder selbst nachbauen kann (und das auch selbst muss, sonst funktioniert es nicht). Mit diesem Gerät kann dann fast jeder Mensch "springen" mit einigen kleinen Ausnahmen, den "phobics". Damit nicht eine Regierung oder Organisation sich das unter den Nagel reisst, veröffentlicht er den Schaltplan und eine Anleitung zum Nachbauen im Internet. Diese Entdeckung hat massive ökonomische und politische Auswirkungen (brain drain, Steuern, Grundbesitz in anderen Erden, Schürfen nach Bodenschätzen, Entwertung von Gold, usw.), die alle nur kurz angerissen werden.

Hauptsächlich geht es in der Geschichte um eine Expedition in einem Luftschiff, um die Grenzen der "Long Earth" auszuloten, also der Gesamtheit aller Erden. Im Verlauf der Reise ändert sich das Ziel dahin, herauszufinden, warum die anderen Lebewesen ("Trolle" und "Elfen" genannt) von den hohen West-Erden weg flüchten in "Richtung" auf unsere Erde. Naja, der Grund dafür wird gefunden, wird aber auch nur flüchtig und oberflächlich beschrieben. Der Rückweg (minus das Bewußtsein der KI namens Lobsang) sind dann nur ein paar Schritte, weil - oh Wunder - eine Abkürzung beim Springen gefunden wird.

Was mich am meisten gestört hat, kann ich gar nicht so genau beschreiben. Im Grund ist es ein sehr oberflächliches Buch, das viele Themen extrem kurz anreißt und den Leser dann mit der Erwartung zurücklässt, da käme später noch mehr als Vertiefung.
Der "Held" ist ein leicht soziopathischer junger "natural stepper", dessen größte Fähigkeit die ist, dass er lange Zeit ohne andere Menschen auskommen kann und deshalb perfekt geeignet für die große Expedition ist.
Was seine Beweggründe sind, warum er sich zusammen mit einer KI im Computer eines Luftschiffs auf die Reise macht, ist mir nicht klar geworden. Auch, ob die "Black Company"  nun eine "gute" oder "böse" Firma ist, wurde überhaupt nicht klar.

Die Charaktere werden alle nur sehr wenig ausgearbeitet. Was mich am meisten verblüfft hat, war die Beschreibung, dass eine Familie mit mehreren Kindern auswandert auf Erde 101.753, aber einen 13-jährigen Sohn zurücklässt, der nicht "springen" kann. Das würde ich nicht annähernd in Betracht ziehen.
Kein Wunder (Spoiler!), dass dieser Junge später mit 18 zum Terroristen wird und sich der "humans first"-Bewegung anschließt, die eine kleine schmutzige Atombombe in der Originalwelt ("Datum Earth") zündet.

Der Schreibstil war nicht typisch Pratchett. Ich frage mich, wie die Aufteilung  der Autorenschaft war, ob Sir Terry und Baxter gleichviel Text geschrieben haben oder ob TP nur eine Art Exposé geliefert hat, das von Baxter dann gefüllt wurde (ähnlich wie die Romanserien "Perry Rhodan" oder "Prof. Zamorra").

In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass dies keine abgeschlossene Geschichte, sondern eine "Saga" sein soll. Ob Fortsetzungen folgen, ist unklar. Ich werde auf jeden Fall keine davon mehr kaufen oder lesen.

Update [10.04.13]:
Der zweite Band "The Long War" erscheint Mitte 2013, und es wurde bekannt gegeben, dass die Saga aus insgesamt drei Bänden bestehen soll.