09.07.2021

The Tomorrow War - Filmkritik

 Ich habe am Wochenende den Film "The Tomorrow War" geschaut und bin ziemlich ratlos. Das ist einer der Filme, die man nicht allzu logisch angehen sollte.

Der Film enthält viele Versatzstücke und Zitate aus anderen Filmen. Die Außerirdischen sind blutrünstige Monster, die mich an T-Rex mit bissigen Tentakeln als Schwänze erinnern (die Aliens haben zwei sehr lange, sehr bewegliche, sehr gefährliche Schwänze mit dreigeteilten bissigen Mäulern). Man fragt sich eigentlich den ganzen Film über, wie sie zu einer raumfahrenden Spezies werden konnten.

Der Film nimmt Anleihen bei Terminator (jemand kommt aus der Zukunft und hat "dort" ein Problem), der Alien-Reihe (die Aliens sind sehr bissig, viel Splatter), Dune (die wurmähnlichen Schwänze) und Independence Day 2 (das Weibchen kämpft und wird besiegt - auch nochmal Aliens 2). Die Optik im Alienraumschiff am Schluss ist sehr stark an das H.R. Giger-Raumschiff angelehnt, das die Eier der Aliens transportiert und auf Acheron (LV-426) abgestürzt ist. Die Massenszenen, vor allem beim Eindringen der Aliens in die Forschungsbasis im Meer erinnern an die Orks-Massenszenen bei Herr der Ringe.

Die Glaubwürdigkeit der inneren Handlungslogik leidet schwer: Soldaten aus der Zukunft von 2050 reisen in die Vergangenheit von 2020, um dort Soldaten zu rekrutieren, die mit schlechter Ausstattung in der Zukunft sieben Tage lang kämpfen sollen, bevor sie wieder zurück gebracht werden (sofern sie überleben). Man kann jetzt streiten, ob die Vergangenheit dadurch geändert wird, dass jemand aus seiner Zeit gerissen wird und in der Zukunft stirbt, oder ob das genau der Lauf der Dinge sein soll.

Der Protagonist (Dan Forester, Chris Pratt, der "Star Lord" aus Guardians of the Galaxy) trifft in der Zukunft seine Tochter Muri, die an gefangenen Aliens forscht, um Giftkampfstoff herzustellen. Die bislang vorhandenen Gifte wirken nur bei den Männchen gut, bei den Weibchen der Aliens hingegen kaum. Sie schaffen es, ein Weibchen zu fangen und ein wirksames Gift zu entwickeln, das Dan in die Vergangenheit mitnehmen kann. Die männlichen Aliens reagieren extrem aggressiv auf die Gefangennahme und versuchen, das Weibchen zu befreien. In der Zukunft ist nicht bekannt, wie die Aliens auf die Erde gelangt sind. Nach der Rückkehr gelingt dies einem Schüler aus Dans Schulklasse: sie finden heraus, dass es ein eingefrorenes, abgestürztes Raumschiff in Russland sein muss, das durch den Klimawandel auftaut und die Aliens freisetzt. Hier klärt sich auch das Verhalten der Aliens auf: sie sind nur Passagiere oder Zuchtvieh auf dem Raumschiff gewesen, möglicherweise auf dem Weg zu einer anderen Welt, als der Absturz geschah. Die Menschen schaffen es, alle Aliens zu töten und das Raumschiff zu sprengen - damit ist die Zukunft geändert und der Grund für die Existenz der Zeitmaschine entfällt. An dieser Stelle passiert das übliche Zeitparadoxon: in der Zukunft gibt es keine Aliens, deshalb wird man dort keine Zeitmaschine bauen und in die Vergangenheit reisen, um dort die Menschen über die Aliens zu informieren. Dadurch wird das Alienraumschiff nicht zerstört, sondern taut auf, die Aliens breiten sich aus und - zack! Alles zurück auf Anfang.

An der Handlung gibt es viele Stellen, die mich stören und nicht nachvollziehbar sind:

  • Die Besucher aus der Zukunft legen keine Beweise vor - sie verweigern den Soldaten Bilder oder Videos der Aliens, um sie "nicht zu verunsichern" (woher kennen wir diesen Spruch?). Die Politiker glauben es trotzdem und etablieren eine Rekrutierungsorganisation. Es gibt keine Möglichkeit, der Einberufung zu widersprechen.
  • Statt in der Vergangenheit Grundlagen für einen erfolgreichen Kampf zu legen, werden nicht ausgebildete Menschen in der Zukunft verheizt (Überlebensquote in den sieben Tagen unter 20%). Dadurch wird die Vergangenheit natürlich auch geändert, wenn Rekruten nicht zurückkehren.
  • Der Endkampf in Russland ist angeblich geheim wegen diplomatischer Verwicklungen.
  • Nach dem Tod aller Aliens müsste das Wissen um die Aliens sofort erlöschen, weil sich zwangsläufig die Vergangenheit ändert. Schon während der gezielten Tötung von einzelnen Aliens in den Brutkammern müsste sich graduell die Vergangenheit ändern, weil sich die Ausgangssituation damit schon ändert. Allein das Aufschweißen des Raumschiffs ist eine Veränderung.
  • Ein Schüler findet innerhalb weniger Minuten heraus, dass es ein Raumschiff in Russland geben muss, und die Menschheit der Zukunft in ihrem verzweifelten Überlebenskampf schafft das nicht?

Ein Detail, das genannt, aber auch nicht weiter ausgearbeitet wird: es werden nur Söldner rekrutiert, die in der Zukunft, d.h. vor der Ankunftszeit, schon tot sind, um sich nicht selbst zu begegnen. Dan würde in sieben Jahren sterben. Muri teilt ihm mit, dass es ein Autounfall gewesen sein werden worden wird (Futur III für Zeitreisende).

Insgesamt hinterlässt der Film einen mäßigen Eindruck. Viel Action, viel Bumms, viel Splatter, keine schlüssige Geschichte, wenig Hintergrund, warum und weshalb. Aus dem abgestürzten Alienraumschiff hätte man mehr machen können.

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