20.01.2015

Das Marsprojekt (Fünf Teile) - Andreas Eschbach - Buchbesprechung

Ich habe vor Weihnachten noch mehr Jugendbücher von Andreas Eschbach gelesen, nämlich eine Serie über die Besiedlung des Mars. Genau wie die Trilogie über die Kohärenz (Blackout, Hideout, Timeout) können diese Bücher aber auch problemlos und mit Genuss von Erwachsenen gelesen werden.

Eschbach bringt es fertig, astronomische Fakten über den Mars und die Raumfahrt zwischen den Planeten lebendig und unterhaltsam zu präsentieren. Es macht Spaß, diese Gedankenspiele aus der näheren Zukunft zu lesen. Ich würde diese Buchserie vollkommen hemmungslos mit "Lucky Starr" von Isaac Asimov vergleichen - auch dort erlebt der jugendliche Held in sechs Teilen Abenteuer im heimischen Sonnensystem, wenn auch dort etwas weiter entfernt in der Zukunft, und natürlich dürfen bei Asimov Roboter und die berühmten drei Robotgesetze nicht fehlen.

Aber zurück zu Eschbach: die Handlung spielt so nah in der Zukunft, dass ich mir problemlos vorstellen könnte, wie alles funktionieren kann. Den einzigen Kunstgriff stellt die Beherrschung der Kernfusion dar, die nötig ist, um beliebig Energie herzustellen, die die Siedlung auf dem Mars versorgt. Ganz wunderbar an diesem Randthema finde ich, dass Eschbach den Erfinder der Kernfusion als ähnlich menschenfreundlich zeichnet wie Jonas Salk, den Erfinder der modernen Polio-Impfung (Salk verzichtete auf die Patentierung, um die Herstellung nicht unnötig zu verteuern, und verlor dadurch geschätzte 5 Mrd. Dollar Einnahmen).

Wie eben schon angedeutet, handelt die fünfteilige Buchserie von Siedlern auf dem Mars und hauptsächlich von den Jugendlichen, unter ihnen sogar das erste Kind, das auf dem Mars geboren wurde. Natürlich gibt es Geheimnisse zu entdecken, natürlich können die Marskinder bestimmte Dinge besser als die Erwachsenen, natürlich finden die Jugendlichen keinen Glauben und behalten am Ende natürlich doch recht. In dieser Hinsicht enthält das Buch alles, was eine erfolgreiche Abenteuergeschichte für Jugendliche ausmacht. Nichtsdestotrotz gibt es eine handfeste Story, die mit jedem Teil der Fortsetzung spannender wird und die Bücher auch für "uns Erwachsene" problemlos lesbar macht.

Zu Beginn der Geschichte finden die "Marskinder" bei verschiedenen Exkursionen "Artefakte", d.h. edelsteinartige Gebilde. Merkwürdigerweise ist in diesen Artefakte der Name der Kinder eingebettet. Dem Auffinden der Steine geht immer eine Art "Leuchten" voran, das nur von einem der Kinder, Elinn, wahrgenommen werden kann. Im weiteren Verlauf der Geschichte ist sie auch diejenige mit einer Art Vorahnung, und sie kann mit den Außerirdischen kommunizieren.

In jedem Folgeband wird die Situation spannender, und die Kinder erleben einzeln oder gemeinsam durchaus gefährliche Abenteuer. Besonders gut beschrieben fand ich den Ausflug zweier Kinder auf eine fremde Welt, nachdem sie entdecken, dass sie mit den Artefakten als "Schlüssel" die Tore passieren können. Welche Welt das ist, und was sie dort entdecken, behalte ich als Pointe für mich, es würde viel verderben, wenn ich das verriete ;)

Als roter Faden ziehen sich sowohl persönliche Schicksale als auch politische Ränkespiele durch alle Bände, wobei letztere durchaus spannend und plausibel, aber dennoch auf jugendlichem Niveau konstruiert sind. Ein ebenfalls wiederkehrendes Thema ist die Zeit, die verstreicht, um Mails oder Funk zwischen Mars, Erde und Raumschiffen zu verschicken. Eschbach schafft es wirklich, dem Leser eine  Ahnung davon zu verschaffen, wie gigantisch die Entfernungen im Weltraum sind, wenn sogar das Licht und die Funkwellen Minuten brauchen, um den Abgrund zu überqueren.

Schon früh werden Außerirdische im Kälteschlaf entdeckt, die tatsächlich im finalen Band aufwachen und den Menschen eine Aufgabe hinterlassen, ähnlich wie es beim Klassiker "2001" und der Fortsetzung "2010" der Fall ist, nur gibt es bei Arthur C. Clarke keinen wirklichen Kontakt zu den Außerirdischen. Ein ähnliches Konzept verfolgte auch W.K. Giesa mit seiner Romanserie "Star Gate", die 1986 erschien, lange vor der gleichnamigen Fernsehserie mit MacGyver ;). Auch dort gibt es ein galaxisweites "Transmitternetz", mit dem Unterschied, dass die Menschen sich mit selbstentwickelter Technik zufällig in dieses Netz einklinken. Die "Tore" auf Eschbachs Mars wurden von den Außerirdischen gebaut, und sie erwarten die Menschen, um sie in die galaktische Völkergemeinschaft aufzunehmen, sobald sie sie bedienen können.

Natürlich ist nichts an der Geschichte wirklich neu, wie man auch an meinen Querverweisen ablesen kann - Außerirdische auf Planeten des Sonnensystems gab es schon häufiger, Außerirdische im Krieg, politische Streitereien, Intrigen, Raumfahrt, Sprungtore, Telepathie - alles schon dagewesen. Trotzdem schafft es Eschbach, diese "ausgelutschten" Themen zu einem abgerundeten Ganzen zusammenzufügen und den Leser für ein paar Stunden in eine Fantasiewelt zu entführen, die fast greifbar nah erscheint, wenn die Menschheit nur ein bißchen mehr zusammenrücken würde, statt sich hier vor Ort gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.