01.02.2013

Leserbrief zum Leserbrief über "Augstein in den Top Ten der Antisemiten"

Mal wieder ein Leserbrief an die WZ (abgedruckt am 29.01., leider wurde der Verweis auf das Bildblog gekürzt, so dass im folgenden Satz "... an dieser Analyse ..." etwas leer dasteht) ... als Reaktion auf einen Leserbrief, in dem über die Verwendung des Begriffs "Antisemitismus" reflektiert wird. Der Schreiber kritisiert die inflationäre Verwendung des Begriffs, so dass dadurch eine Verharmlosung erreicht wird, statt dass es wirklich nur streng für Neo-Nazis und ihre Umtriebe gilt.
Hr. S. macht in seinem Leserbrief denselben Fehler wie die meisten anderen Journalisten in ihren Artikeln auch: er kennt offensichtlich die Quelle nicht, aus der alle anderen FALSCH zitieren.

Das Wiesenthal-Center hat nicht Augstein auf eine "Top Ten" der schlimmsten Antisemiten gesetzt, sondern seine Äußerungen, die er letztes Jahr getätigt hat. Das ist ein durchaus differenzierender Unterschied.

Es gibt vom Wiesenthal-Center keine "Liste der schlimmsten Antisemiten".
Diese Organisation veröffentlicht jedes Jahr eine Liste der schlimmsten antisemitischen Sprüche, die irgendjemand von sich gegeben hat. Von daher finde ich auch die Bemerkung von Harald Martenstein ziemlich schlimm, dass er als Deutscher zufrieden ist, wenn er sich in Gesellschaft von Augstein befindet, der wäre ja erwiesenermaßen harmlos und "nur" auf Platz 9 der Liste.

Nachzulesen in einer kurzen Analyse im bildblog.
Besonders entlarvend an dieser Analyse ist, dass die Presse, allen voran die Bild-Zeitung, zunächst intensiv gegen das Wiesenthal-Center gehetzt hat, und nun zurückrudert, indem sie die zweite Pressemitteilung der Organisation jetzt als "Richtigstellung" verkaufen statt zuzugeben, dass ihre eigene Berichterstattung an erster Stelle falsch war und erst diese "Korrektur" nötig gemacht hat.

Andererseits stimme ich der Aussage voll und ganz zu, dass der Begriff "Antisemitismus" durch solche sinnlosen journalistischen Eskalationen und verfälschenden Zitate schleichend entwertet wird. Es bleibt weiterhin nötig, sich gesellschaftlich eindeutig gegen Neo-Nazis zu positionieren und aufzustehen, wenn es nötig ist. Andererseits darf und muss es auch erlaubt sein, die israelische Politik zu kritisieren, ohne dass man gleich als Antisemit gezeiht wird.