06.04.2017

Logan

Tja, das war's also mit Hugh Jackman als Wolverine. Wie angekündigt und im Film auch ziemlich deutlich dargestellt, wird er den Charakter nicht mehr spielen.

Der Film lässt mich ein wenig ratlos zurück. Ich halte es mit Doctor Who - ich mag eigentlich keine finalen Enden mit toten Hauptcharakteren. Genauso wie in Star Wars Rogue. Der Schluss dort war absolut logisch und nachvollziehbar, aber für mich halt doch ziemlich traurig.

Kurze Übersicht: der Film spielt 2029; die Zukunft unterscheidet sich nicht wesentlich von unserer heutigen Zeit. Es gibt Autos und Straßen und den üblichen amerikanischen Way of Life. Logan lebt mit Charles X. Xavier und einem Albino namens Caliban in Mexiko auf einer entlegenen Farm; Charles hat seine Kräfte nicht mehr unter Kontrolle und nimmt Medikamente, die immer schlechter funktionieren. Logan arbeitet als Chauffeur mit eigener Stretchlimousine, quasi Uber. Auch Logan altert beträchtlich, seine Selbstheilungskräfte sind fast erloschen, und im Widerspruch zu "Der Weg des Kriegers" hat er wieder Krallen aus Adamantium.

Seit 25 Jahren wurden keine Mutanten mehr geboren, im Verlauf des Films wird angedeutet, warum das so ist - Zucker aus genmanipuliertem Mais in nahezu allen Nahrungsmitteln. Stattdessen gibt es eine Firma Alkali Transigen, die Mutanten züchtet und zu tödlichen Soldaten dressieren will. Als das neueste Forschungsprojekt ("24") erfolgreich ist, sollen alle anderen gezüchteten Kinder getötet werden. Pfleger können mit einigen der Kinder flüchten, eine Pflegerin bittet Logan um Hilfe, das Mädchen Laura in Sicherheit zu bringen in ein angebliches Paradies, das sich als Fiktion aus einem X-Men-Comic herausstellt ("Eden"). Die Helferin hat mit ihrem Handy Videoaufnahmen im Forschungslabor machen können - nicht sehr glaubwürdig. Die Kinder sind genetisch alle von Logans Erbmaterial gezeugt worden - am Ende von "Days of future past" sieht man, wie jemand Logans Blutproben in einen Koffer packt.

Der Rest ist eine Art Roadmovie und berichtet von der Flucht der drei Mutanten vor den Alkali-Söldnern. Logan und Laura bringen sehr blutig und explizit viele der Söldner bei verschiedenen Gelegenheiten um. Dabei gibt es auch viele Kollateralschäden. Beim großen Showdown überleben nur die Kinder, und Laura sagt erstmals "Daddy" zum sterbenden Logan. Dann fliehen die Kinder über die Grenze nach Kanada, wobei nicht klar wird, warum sie dort sicherer sein sollen.

Der Film war technisch gut gemacht, viel Action, gute Tricks. Die Martial Arts-Darbietung von Laura war beeindruckend; Jackman hat den gealterten Logan auch sehr glaubwürdig gespielt - ich finde den Schauspieler toll. Die FSK-16-Einstufung war mehr als gerechtfertigt, ich als Zuschauer hätte vielleicht sogar 18 vergeben.

Trotzdem bin ich irgendwie unzufrieden. Ich kann's nicht genau auf den Punkt bringen. Vielleicht liegt es wirklich nur daran, dass ich Hauptpersonen nicht sterben sehen will. Keiner von den "alten" Mutanten überlebt. Der Widerspruch zu den vorherigen Wolverine-Filmen erklären sich eingefleischte Fans vermutlich am ehesten mit der Zeitreise und der geänderten Vergangenheit in "Days of future past". Andere Mutanten wie Storm, Magneto, Jean Grey, Cyclops etc. werden gar nicht erwähnt. Was mir auf jeden Fall aufgestoßen ist: die Firma hat anscheinend beliebig viel Adamantium-Rohmaterial, und mir ist außerdem nicht klar, warum man ein Kind, das noch im Wachstum ist, schon mit einem Adamantium-Skelett ausstattet. Das würde doch nicht mehr mitwachsen?

Fazit: eingefleischte Marvel- und Comic-Fans werden sich den Film anschauen, es lohnt sich, wenn man mit drastischen Einschnitten ins Comic-Universum leben kann.

Achja: es gibt nach dem Abspann nix mehr zu sehen - ziemliche Enttäuschung für professionelle Marvel-Kinogänger.