02.03.2016

Datenschutz und Cloud - Leserbrief

Schon ein paar Tage her, dass ich den Leserbrief als Antwort auf eine Glosse des Redakteurs B. Bräuning schrieb. Dann blieb er liegen (der Leserbrief), weil ich nicht wusste, ob mir vielleicht noch etwas mehr zum Thema einfiele. Kam aber nix mehr. Hier ist er.
[Veröffentlicht am 01.03.16, Änderungen in blau]

Leserbrief zur Glosse "Cloud" vom 17.02.2016

Herr Bräuning, Sie schreiben in Ihrer Glosse über das Thema "Cloud" und Datenschutz.

"Cloud" ist derzeit ein Modewort, und jeder will so etwas haben, sowohl geschäftlich als auch privat.

Aber: "Cloud" ist nur ein Fremdwort für "Computer anderer Leute". "Cloud" bedeutet im Wesentlichen, dass die Daten nicht auf einem Datenträger gespeichert werden, auf den Sie selbst physischen Zugriff haben, sondern ausschließlich über im Netzwerk, d.h. Internet.

Damit wird auch offensichtlich, welche Probleme man sich damit einhandelt. Zum Einen kontrolliert ein Fremder den Zugang zu den Datenträgern, und zum Anderen geschieht der Zugang über Netzwerkverbindungen, von denen wir mittlerweile wissen, dass jeder Staat sie nach Lust und Laune abhört, und zwar in großem Maßstab!
Über die Qualität der Verschlüsselung - sofern vorhanden - und die Qualität des Designs dieser Verschlüsselung kann man bei den meisten Firmen wenig Genaues erfahren.

Sie spekulieren etwas flapsig, wie in der elektronischen Cloud Datenverlust aussieht und vergleichen das bildlich mit dem Regen aus den natürlichen Wolken.
Das ist zwar unterhaltsam und gut vorstellbar, aber nicht mal bei großer Anstrengung als Metapher verwendbar.

Eine schwerwiegende kommende Ursache für Datenverlust und insbesondere Verlust der Souveränität über unsere eigenen Daten haben Sie nicht erwähnt.

Diese Ursache heißt "Gesetzgebung", und damit meine ich, dass Staaten unterschiedliche Gesetze erlassen, die den staatlichen Zugriff auf Daten in der Cloud regeln wollen.
In den USA sind gerade Beratungen im Gange, dass Firmen mit US-Sitz oder einer Niederlassung dort den amerikanischen Behörden auch Zugang zu den Daten von Tochterfirmen im Ausland gewähren müssen. Damit müsste z.B. Microsofts Tochterfirma die in Irland gespeicherten Daten an US-Behörden ausliefern. Microsoft kann sich nun aussuchen, ob sie gegen europäische oder amerikanische Gesetze verstoßen wollen - einen Tod müssen sie sterben. Ich könnte mir im schlimmsten Fall sogar vorstellen, dass die deutsche Telekom Daten ausliefern müsste, wenn ein amerikanisches Gericht die US-Tochter T-Mobile USA dazu verurteilt.

Und um noch ein bißchen weiter in die Glaskugel zu schauen: wenn das Freihandelsabkommen TTIP kommen sollte, sind die Klagen vor Schiedsgerichten vorprogrammiert, die strengen Datenschutzregeln aufzuweichen, weil sie ein Handelshemmnis darstellen.

Ich wage zu behaupten, die "Schöne Neue Welt" und "1984" von Huxley und Orwell sind in ihren Voraussagen noch harmlos gegen das, was uns bevorsteht, wenn der Datenschutz zugunsten von Firmeninteressen aufgegeben wird.